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Kk. 255 (2. Statt)
Marburg a. L, Mittwoch, den 29. Oktober
59. Mrs. 1924
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Verantwortlich f. ö. Schriftleitung: HannZ Georg Licht
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die Dinge tatsächlich.
Wenn dann immer gesagt worden Wirtschaft liege lediglich im Interesse
Vorsaal, in dem sie bisher gestanden, zunächst in den mit verschwenderischer Pracht ausgrstatteten Saal. Den ursprünglichen gotischen Stil hatte ein? Restauration des seckszchrten Jahrhunderts ter« drängt — an die Stelle der alten Balkendeck«, war eine von vergoldeter Holzschnitzerei getreten, toi ervir sie im Dvgenpalast ob ihres Reichtums bewundern können. In ihrem zum Rahmen sich formenden Z n rum hatt ePui Be o^ese- Pin'e! e n Deckenbild von unvergänglichem Farbenzauber geschaffen. den historischen Moment verherrlichend, in der Admiral Angelo Terrafe.ma oer thronenden Venezia die eroberten Türce^fahnen mit dem Halbmond überreicht. Die Wände des Saales bedeckten Paneele von vielscheibigem Spiegelglas, in holzqeschnitzte vergoldete Rahmen gefaßt, zwischen denen Streifen einer Tapete von Seidendamast sichtbar wurden. Von jenem zarten Gelblichgrün, dessen Färbung zu den verlorenen Tönen gehört vde rdurch die Zeit geschaffen ist. Die Polstcr- möbel überspannte derselbe Stoff, dec auch von der durch schlanke Säulen getrennten gotischen Feii- steireihc als Vorhänge in reicben. Falten herabhing.
„DaS ist ein königlicher Saal", bemerkte Wind» müllcr mit der andächtigeir Bewunderung des Ken- ncrs. ..Stören Sie vielleicht die gotischen Feilster, Komtesse? Mich nicht. Die Künstler jener Zeit, die doich heute noch maßgebend sind, scheuten die Mischung der Stila-ten keineswegs, und sie hatten recht damit. Sie haben damit wunderbar male»
Mietern den größten Dienst leisten, wenn wir dafür sorgen, daß im Interesse der Sittlichkeit, der ®e» sundheit und einer vernünftigen Devölkerungspolitik endlich wieder die rechten Wege im Wohnungswesen auch in Preußen gefunden werden. (Lebhafter Beifall bei den Deutschn.)
Windmüller bestritt das sofort. „Ganz im Gegenteil — dies Wiedersehen wäre für Sie unvermeidlich gewesen, Komtesse. Ich hatte nämlich die für mich noch damenlosen Bewohner des Piano nobile bitten wollen — durch die Vermittlung des Marchese Terraferma wohlverstanden — ihre Wohnung besichtigen zu dürfen. Es soll hier ein Aufzug angelegt teerten, und ich als der dazu berufene Architekt
„Architekt?" unterbrach sie ihn verteundett. „Seit wann sind Sie denn — Architekt geworden? Roch dazu einer, der Aufzüge in die Häuser baut?"
„Das ist doch ein sehr nützlicher Beruf, Komtesse". erwiderte Windmüller unschuldig.
„Sehr!" wiederholte sie lachend. „Aujust. merkst du was? Also, als Architekt sind Sie hier! Bei Ritterbachs waren Sie als Privatgelehrter, was mir furchtbar imponierte. Papa hat mir aber dann verraten, wer Sie eigentlich sind — eben der Große Windmüller, und das hat mir nicht nur noch mehr imponiert, sondern mir geradezu Ehrfurcht, vermischt mit angenehmem Gruseln, eingeflöht!"
,.Run", meinte er, gleichfalls lachend, „dann brauche ich mich vor Ihnen ja nicht erst mit technischen Gemeinplätzen anzustrengen! Möglicherweise wissen aber Ihr Herr Vormund und seine Gattin nichts vom Großen Windmüller, and da wäre es mir ganz lieb, wenn Sie es beim Archi» tekien bewenden ließen!"
Jetzt machte die Komtesse Meldeck noch größere Augen
-Oh — Sie sink allo im Berufe hier!" flüsterte sie unbewußt und unwillkürlich die Stimme dämpfend. „Rein, wie interessant!"
„Rein, wie interessant!"
„Run »was das betrifft, so fürchte ich, es zahlt sich nett aus. wie ein Bekannter von mir zu allem sagt, was enttäuschend auf ihn wirst. Ich will in diesem Hause keinen Räuber, Mörder oder ge
meinen Dieb abfassen — es ist für mich ein Absteigequartier in Venedig, und vielleicht bin ich in wenigen Stunden schon über alle Berge. Mein Interesse am Piano nobile hier ist wirllich nur ein rein — architektonisches und richtet sich Haupt- ^sächlich auf ein gewisses Rosazimmer und — seine nächste Umgebung."
Windmüller fand es etwas schwer, diese halben Wahrheiten unter dem Blick der auf ihn gerichteten blauen Tugen glaubwürdig vorzutragen, denn diese Augen waren nicht nur außergewöhnlich intelligent. sondern auch so llar und rein wie ein Bergsee — das köstliche „Blauseeli" im Kander- tal kam ihm unwillkürlich in den Sinn bei diesen Augen, die ihn schon vor nun fast fünf Jahren einmal fast „aus dem Text" gebracht hatten. Sie waren noch geradeso wie damals: man konnte bei ihnen wie beim „Blauseeli", bis auf den Grund sehen, und auf diesem erblickte er hier eine ganze Herde von Schelmen, die sich königlich Über seine „Erklärung" amüsierten.
„Das trifft sich herrlich, denn das Rvsazimmer und seine nächste Umgebung bewohne ich!" rief Komtesse Meldeck ttiumphierend. „Wein Vormund und Frau von Krähenhausen haben auf der Westseite sieben Zimmer zu ihrer werten Verfügung — sie können darin Versteck spielen, toenn si ewollen. Dann kommt als neutraler Boden der Saalu nd an diesen stößt mein Reich — in das ich Sie hiermit feierlich einlade."
Windmüller versprach sich zwar nicht viel von einer jetzt notgedrungen nur sehr flüchtigen Besichtigung der Räume, aus denen die Prinzessin Tenia Terraferma auf einem bisher noch unerklärten Wege aus dem Palast rnrschwunden war, indes durfte er die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, um wenigstens einen Ueberblick davon zu erhalten, und so folgte er seiner reizenden jungen Führerin durch den von -er Loggia begrenzten
stellung gegen das Eigentum und den Besitz überhaupt. Wenn mein Herr Vorredner denen, die heute noch die freie Wirtschaft fordern, vorwirft, daß sie das nicht unbefangen und unvoreingenommen tun, dann kann ich das Kompliment zurückgeben, indem ich sage: diejenigen, die trotz der Erfahrungen, die wir in diesen Jahren gemacht haben, immer noch das heutige System für das Heilmittel halten, sind weiß Gott auch nicht unvoreingenommen, sondern sind sehr stark, zum Teil bewußt, zum Teil unbewußt, — bas gebe ich zu — beeinflußt von diesen sozialistischen Gedankengängen, daß man dem Einzelnen das Seine möglichst enteignen, sozialisieren oder verstaatlichen müsse. Das ist doch eigentlich der Leitgedanke bei der ganzen Geschichte gewesen und der zwingende Grund, weshalb man bis heute noch nicht den Weg zu einem wirllichen Abbau dieser Zwangswirtschaft gefunden bat.
Interessant ist es, heute zu beobachten, tote stark auch in Mieterkreisen die Stimmung und das Verlangen wächst: los von diesem unsinnigen System! — wie die Zahl auch der Mieter wächst, die aus diesen unhaltbaren Zuständen herauswollen. (Sehr richtig! rechts.) Denn Sie wissen doch: mag selbst einer aus zwingenden Gründen aus der Wohnung heraus wollen und sollen, so gehen bei dem heutigen System, toenn es schnell geht, zwei Jahre, mitunter aber auch drei und vier Jahre darüber hin, bis der Unglücksmensch aus diesem Hause und aus dieser Wohnung heraus kann. Es gibt eine ganze Reihe rechtskräftige Urteile auf Räumung der Wohnung. Sowohl der Vermieter wie der Mieter möchten dies Verhältnis lieber heute als morgen lösen. Trotzdem gehen Jahre darüber hin und Mord und Totschlag sind an der Tagesordnung, denn man ist schlimmer wie mitunter verheiratet. Das find doch Tatsachen. Es gibt auch Fälle, too es selbst bei böswilliger Nichtzahlung der Miete Jahre dauert, bis der Mieter gezwungen werden kann, die Wohnung, die er inne hat, zu räumen. Da helfen alle Urteile nichts: solange ihm nicht eine andere zur Verfügung gestellt
Staat den größten Teil seiner Einnahmen auf dem, wie wir behaupten, von dies, ar selben Staat ruinierten Hcmsbefih basiert. Wie m n ein so krankes Objekt zum Hauptträger der Stm/ssinanzen machen kann, ist für uns rein unbegreiflich und wir können dem auf keinen Fall zustimmen. Es muß einmal mit der Entrechtung und Enteignung beS Besitzers, letzten Endes immer wieder um dieser sozialistischen Grundeinstellung willen Schluß gemacht werden, (Sehr gut! bei den Deutschn.) Zurufe bei der S. P. D.: Schöner Sozialismus! Sie haben ja keine Ahnung! Die haben natürlich nur Li?. (Zuruf beim Zentrum: Zum mindesten eine starke Uebettretbung.) Die Ahnung haben Sie allein. Darüber bin ich mir klar. — Außerdem aber hat man zum Steuererheb er für das heutige System und die Hauszinsfteurr nut toUoer den Haus- besitze? gemacht. DaS ist etwas, dessen Abstellung wir unbedingt fordern müssen. Außerdem muh fernerhin llar und deutlich getrennt werben: Miete und Steuer. Denn es ist schlechterdings eine Irreführung toenn man als Miete 66 Prozent durch den Hauswirt erhebt. Miete ist davon doch der kleinste Teil, der größte ist Steuer, (sehr richtig! bei den Deutschn.) ist das, waS her Staat an sich zieht, und wir müssen fordern, daß man hier reinlich scheidet, sodaß auch für den Mieter erkennbar torrd, WaS er an Miete und was er eigentlich an Steuern zahlt. (Sehr richtig! bei den Dntl.) Wir halten es für die höchste Zeit, baß man mit dem gegenwärttgen System bricht und endlich klar und deutlich den Weg zur freien Wirtschaft wieder findet, nicht im Interesse des Hausbesitzers und noch weniger im Interesse deS Bauunternehmers. Diese Dinge sind viel zu ernst, um sie als StandeS- oder Interessen von Wirtschaftsgruppen anzusehen. Bei der Notlage im Wohnungswesen, die uns aus allen Neben entgegenllingt, handelt eS sich um die ernsteste Wirtschaftsfrage des deutschen Volkes, und wir sind überzeugt, daß sie mit dem Apparat des Staates und mit diesem ausgeklügelten System nicht zu lösen ist. Das ist auf allen anderen Gebieten zu- sammengebrvchen und schließlich beseitigt worden und deshalb muß es auch hier fallen. Das liegt mindestens ebenso im Interesse der Mieter wie der Vermieter, daß der Weg der freien Wirtschaft, zum Eigentum am Hause wieder gefunden wird.
Wir sind der Meinung, daß die staatlichen Gelder vor allen Dingen auch verwandt werden sollten, um die freie Wirtschaft im Baugewerbe wieder in Gang zu bringen. Dazu wirb allerdings gehören, daß die dritte Steuernotverordnung wieder fällt. Mit ihr ist eine solche Entrechtung und eine solche Entziehung von Werten verbunven, baß sich unter den gegenwärtigen Gesehen kaum jemand finden wird, der bereit ist, wieder Hypotheken zu geben: denn er ist ja nie sicher, ob nicht eines Tages durch eine neue Notverordnung ihm seine Hypotheken zu 85 Prozent genommen werden. Wenn sie als» wieder Kapital für die freie Wirtschaft schaffen wollen, so gehört nach unserer Ueberzeugung dazu, daß die dritte Steuernotverorbnung fällt, daß sie weiter aus den Erträgen der Hauszinssteuer, solange sie erhoben wird, Zinsbeiträge für das Kapital auch in der freien Wirtschaft gewähren, daß sie jede mögliche steuerliche Erleichterung für den Daumarkt gewähren. Dazu gehört auf der anderen Seite, um den Uebergang der freien Wirtschaft zu finden, daß man selbstverständlich die nöiigenSchutzmaßregeln für die Schwachen und Minderbemittelten schafft, daß der Wucher überall da, wo er sich zeigen sollte, mit Entschiedenheit bekämpft wird und daß der Staat die nötigen Wege findet, um gerade im Interesse der Kinderreichen eine vernünftige Bevölkerung^- und Wohnungspolitik zu treiben. Das ist ein Standpunkt, den wir schon früher vertreten haben, der selbstverständlich bei der Neuregelung unseres Wohnungswesens und des Baumarktes vertreten werden mutz. Wenn sie sich so von vernünftigen Grundsätzen leiten lassen, den Uebergang zur freien Wirtschaft mit Energie suchen und finden, toenn dann der Daumarkt wieder in Gang kommen totto, dann werden Sie auch in absehbarer Zeit erträgliche Zustände im Wohnungswesen schaffen. Wir werben damit gerade den
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Bedauern immer noch Jahr für Jahr festgehalten wird, gefüh t? Dahin, daß die Zahl der fehlenden Wohnungen von Jahr zu Jahr wächst, daß wir dem Bedarf an Wohnungen in keiner Weise gerecht worden sind, baß aber auf der anderen' Seite der vorhandene Wohnraum in den Althäusern in einer geradezu katastrophalen Weise dem Verfall entgegengeht. (Sehr wahr! rechts.) Darüber braucht man kaum noch ein Wort zu sagen. Nur auf zwei Zeichen der Zeit möchte ich einmal Hinweisen.
Der Stadtverordnetenversammlung von Cottbus ist vom Magistrat eine Vorlage zur Bereitstellung von Mitteln unterbreitet worben, um dem Einsturz nahe Häuser wieder auf die Deine zu stellen. In dieser Vorlage teilt der Dezernent des Wohnungswesens in CottbuS den Stadtverordneten mit. daß in Cottbus so ziemlich allwöchentlich vier Wohnungen in Alt- Häusern unbewohnbar werden. (Hört, hört! rechts.) Man male sich aus, zu welchen Zuständen das führt. Es liegt ohne weiteres auf der Hand, daß das nicht nur hi Cottbus so ist. Der Magistrat der Stadt Paderborn hat soeben ht einer Eingabe um die Wiederherstellung der freien Wirtschaft gebeten, weil die Stadt Paderborn nicht mehr in der Lage sei, die Mittel aufzu- hringcn, um die Altwohnungen in Paderborn zu halten. (Hört, hört! rechts.) Das wird zahlenmäßig nachgewiesen. /
Ich behaupte, daß «s im allgemeinen so ist. ES stimmt nicht, daß der Sah für In sta n dseh- n ö e n , der heute zur Verfügung steht, ausreicht, um die Wohnungen in alten Häusern in einem ordnungsmäßigen. bewohnbaren Zustande zu erhalten. Das ist absolut nicht der Fall. Ich habe mir die Kostenanschläge für eine Anzahl von Häusern angesehen, bei denen endlich einmal wieder die Fußböden in Ordnung gebracht werden sollen, der Anstrich erneuert, gekalkt, tapeziert werden soll. Es ist unmöglich dies auch nur annähernd mit den heutigen Sätzen für Instandsetzung K leisten. Wie lange will man das noch hinausschie- n? Die Sähe reichen unmöglich aus und der Verfall «nfercr Althäuser wird erschreckend weiter gehen, toenn Wan weiter so krampfhaft mit Klauen und Zähnen am heutigen System festhält. Nach unserer Meinung muß man sich darüber klar sein, daß hinter dem Festhalten an diesem System noch etwas anderes steckt bei den Herren, die das nun einmal als daS alleinige Heilmittel der heutigen Wohnungsnot ansehen, und daß diese Nöte so entsetzlich groß geworden sind, daran ist doch gerade dieses System schuld. Dahinter steckt unstreitig bewußt der Satz, den man früher so oft und Dem gepredigt hat, von dem Eigentum, das Diebstahl N, dahinter steckt bewußt oder unbewußt die Ein-
mittelten und der Schwachen, dann gestatte ich mir, auch das auf Grund der Praxis ganz entschieden zu bestreiten. (Sehr richtig! rechts.) Es ist eine eigentümliche atsache, daß vielfach gerade wohlhabende, durchaus zahlungsfähige Kreise oder Leute den Nutzen dieser Bagatellmieten haben, und man kann auch die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß es nicht stimmt, daß die Besitzer immer Leute waren, die seiner Zeit *iir ein Butterbrot ein Haus erworben haben, mit Pfennigen ihre Hypotheken abgezahlt haben, den Folgen der Inflation entgangen sind und nun als Wohlhabende wieder in den früheren Stand gesetzt fein möchten. Ich könnte Ihnen Fälle mit Namen nennen von Häusern, in denen durchweg zahlungsfähige Leute sitzen, während der unglückselige Besitzer dieses Hauses zu den Leuten gehört, denen der Staat das Ihre genommen hat und denen man nun auch den letzten Rest, den sie in ihrem Hause haben, im Wege der Zwangswirtschaft enteignet hat, zum mindesten vorenthält, auf deren Kosten also diese durchaus zahlungsfähigen "Mieter ein angenehmes Leben fristen. Diese Zustände können unmöglich in der seitherigen Weise weiter gehen. (Sehr wahr! bei den Dntl.) Dazu — das möchte ich nicht unerwähnt lassen — steht oft in einem merkwürdigen Gegensatz die Mietpolitik des Staates selber. Wenn es sich z. B. um Dienstwohnungen von Beamten und deren Bewertung handelt, dann bringt es der Staat fertig, ganz anständige Sätze in Rechnung zu stellen. Vor mir liegt das Schreiben eines Kreises aus hiesiger Gegend, der ein staatliches Gebäude als Kreishaus benutzt und dem der Staat jetzt die Pistole auf die Brust seht. Er verlangt die vierfache Fr i e d e n s m i e t e. (Hört, hort! bei den Deutschn.) So handelt der Staat selber, toenn er gerade der glückliche Besitzer ist.
Es ist für uns — um nun auf das gegenwärtige Sv.ftem der Hauszinssteuer zu kommen — unbegreiflich, und wir werden das niemals mitmachen, daß der
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Im preußischen Landtag sind bei der Beratung des Etats auch Wohnungsfragen besprochen worden. Der Landtagsabgeordnete Sonnenschein (Dntl.) hat hier «sonders die Notwendigkeit der freien Wirtschaft betont. Seine Rede sei in folgender wiedergegeben: „Ich schließe mich meinem Herrn Vorredner insofern an, als auch wir auf das Tiefste die entsetzlichen Wohnungsnöte empfinden, wie wir sie haben. Auch wir sind der Meinung, daß heute auf unserem Volke keine Not vom wirtschaftlichen, gesundheitlichen und moralischen Standpunkte aus so sehr lastet wie unsere Wohnungsnöte. Gleich meinem Herrn Vorredner sind auch wir der Meinung, daß es eigentlich entsetzlich ist, wie verhältnismäßig wenig mit Dem. heutigen System jn der Erstellung neuer Wohnungen gegenüber dem riesenhaften Bedarf doch geleistet ist. Darum sind meine Freunde und ich trotz meinem Herrn Vorredner der Meinung, diese entsetzlichen Wohnungsnöte werden mit dem heutigen System nimmermehr beseitigt werden (sehr wahr! rechts) sondern sie werden sich nur dann lösen, wenn wir wieder der freien Wirtschaft Spielraum lassen. Nur dann werden wir imstande sein, den Diesensehlbetrag an Wohnungen,
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** „Werkstudent und Burschenband", Roman aus dem deutschen Studentenleben der Nachkriegszeit von Hugo o. Waldeyer-Hartz. Verlag K. F. Koehler, Leipzig.
Die Schrift ist ein Gemisch von Roman und Tendenzschrift. Roman insofern, als Menschenschicksale zu einer Erzählung gestaltet werden, Tendenzschrift als sie die Notwendigkeit junger Studenten, sich ftlbst ihr Brot zu verdienen, gegenüber älteren Anschauungen quasi entschuldigt oder als heroisch hervorbebt. Gewiß, ist die Geldknappheit während der Inflation gerade für die Studenten eine wahre Geißel gewesen. Aber auch schon früher haben viele Studenten und nicht die schlechtesten neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit sich ihr Brot bur$ andere Arbeit verdienen müssen. Nur daß es jetzt sich um eine ausgebreitetere Erscheinung handelte — auch bei denen, die sonst das übliche frohe Studentenleben führen wollten. Die Schrift ist weiter auf eine Verherrlichung der Zeit vor dem Kriege eingestellt, für deren Schattenseiten offenbar kein Verständnis vorhanden ist. Es gebt aber beute nicht an, diese zu leugnen. Wer wirkliche Wiederaufbauarbeit leisten will, muß auch sehen, was früher falsch war, namentlich in den sogen. Standesbegriffen. Leider zeigt sich die ganze unvolitische Art des Deutschen eben auch darin, daß man glaubt, mit den an sich höchst begrüßenswerten Eigenschaften des eigenen Umkreises auskommen zu können. Was außerhalb der geistigen Erenzpfähle steht, ezifttert nicht. So kommen wir aber nicht weiter Wir wünschten deshalb unserer Jugend eher die Bücher von Spengler mit ihren scharfen nationalen Mahnungen als solche „Romane", die nur Lobredner vergangener Zeiten sind, das Patbos ciner tüchtigen Gesinnung etwas dick aufgettagen enthalten, aber nicht von dem Pathos des Willens zu einer neuen Zukunft getragen sind.
»abelfet ldbarsch, ich». . I-
(Rachdruck verboten.)
Da» Roslyimmtt.
Venezianischer Roman
E. von Adlersfeld.Ballestrem.
31. Fortsetzung
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„Es kommt darauf an. Wenn er sich selbst für einen Ausbund hält, dann gebe ich Ihnen recht, Komtesse", erwiderte Windmüller, indem er sich fragte, ob diese Loblieder einzig und allein das Resultat einer Affenliebe waren oder sonst noch einen Zweck verfolgten, was ja nicht unmöglich schien, toenn diese Leute so reich waren, daß eS nicht darauf ankam. ob ihr Sohn ein armes Mädchen heiratete — falls er nicht schon verheiratet war. „Hoffentlich ist seine Frau derselben Ansicht wie seine Estern", fetzte er gewohnheitsmäßig sondierend hinzu. !
„Hoffentlich findet er eine, die's tut — meinen Gegen hat sie", versicherte Komtesse Melorck.
„Und wie sind Sie zufrieden mit Ihrem Quartier?" fragte Windmüller, ein anderes Ziel verfolgend. nachdem seine berufsmäßige Wißbegier auf diesem Seitensprunge befriedigt war.
„Oh. der Palast — mindestens was wir davon haben — ist wunderbar!" ging sie mit vollem Enthusiasmus auf dieses Thema ein. „Kennen wie ihn schon lange? — Erst seit gestern? Dann müssen Sie untere Wohnung sehen -v- sie ist ein Traum, ein richtiger Traum von Venedig! — Haben Sie setzt Zeit? Onkel Kumm und Tante Wenn sind Noch auswärts — ich habe sie schnöde verlassen, eis sie euch San Marco mit Weihrauchwollen für ihren Witoigenz füllen wollten. Das war mir zu diel — ich schützte Müdigkeit vor und habe da- durch — Sie getroffen, angefallen dürfen wir schon sagen, denn sonst hätte ich dieses Wiedersehen wohl kaum feiern dürfen!"
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Eafsel. 26. Okt. Das Reichsbanner Schwarz» Rot-Gold hielt heute auch hier seine ortsübliche Parade ab.
Frankfurt a. M.. 24. Okt. Zum Direktor des Landesamts fü? Arbeitsvermittlung in Hessen, Hessen-Rassau und Waldeck mit dem Sitz in Frankfurt wurde der Regierungsrat int thüringischen Wirtschaftsministerium, Dr. Lins, der langjährige Leiter des Verbandes thüringischer Arbeitsnachweise und Vorsitzender des thüringischen Landesamtes für Arbeitsvermittlung, gewählt. Dr. Lins tritt sein neues Amt am 1. November an.
Hanau, 25. Okt. In Anwesenheit zahl» reicher Vertreter wirtschaftlicher Korpoorationen, Oberpräsidenten Schwander und des Präsidenten der Landesfinanzkammer, v. Laer, wurde heute vormittag der von Stadtbaurat Ehrich erbaute Main- Hafen eröffnet. Die Festtede hielt Oberbürgermeister Dr. Blaum, der die Bedeutung des Hafens eingehend würdigte. Die Feierlichkeiten werden heute Abend mit einer Festvorstellung im Stadttheater ihren Abschluß finden.
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