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Marburg a. L, öemmbend, den 25. Oktober
nislerprüsidenten Braun, den Innenminister Severin g, de» HandelSnnninister Viering und den rüandwirtschaftSminister Dr. Wen darf vorgenemmen.
Bei der namentlichen Abstimmung über daS Miß- trauensvvtum für den Ministerpräsidenten Braun werden 273 Stimmen abgegeben. DaS Mißtrauensvotum wird mit 192 gegen 79 Stimmen der Deutschnationalen und der Kommun i st e n bei zwei Stimmenthaltungen a bg e l e h nt. (Beifall bei der Mehrheit.)
DaS Mißtrauensvotum gegen den Innenminister Severing wird mit 205 gegen 80 Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt.
DaS Mißtrauensvotum gegen den Handelsminister Ei er in g verfällt ebenfalls der Ablehnung. Dafür stimmen 79 Abgeordnete, dagegen 198 Abgeordnete. Ein Abgeordneter enthielt sich der Abstimmung.
ES folgt dann die vierte und letzte Abstimmung gegen den demokratischen Landwirt schaftSminister Dr. Mendorf. Auch dieses Mißtrauensvotum wird mit 197 gegen 82 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen ab - gelehnt.
Damit war die Tagesordnung erledigt.
Vizepräsident Darnich stellt dies fest und erbat di« Ermächtigung für daS Präsidium, den Landtag bis zum 6. Dezember noch einmal einzuberufen, falls die pvsitischen Verhältnisse daS erfordern werden. Das Haus stimmt diesem Vorschläge zu.
Daraus wurde die Sitzung geschlossen. Sn diesem Augenblick erhob sich auf der Zuschauertribüne ein junger Mann und warf mit lautem Zuruf einen großen Stoß kommunistischer Flugblätter in den Saal. Die Tribüne wurde daraus geräumt, während der Sitzungssaal sich langsam leerte. Schluß gegen 12 Lhr.
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Dr. Bstzme an dis Demokraten
Der Geschäftsführer des Deutschen Bauernbundes Dr. Böhme hat aus Anlatz feines Ausscheidens und des Ausscheidens der Mehrheit der Vorstandsmitglieder des Deutschen Bauernbundes aus der Deutschen Demo.kratischen Partei ein Schreiben an den Vorsitzenden der Demokratischen Partei Rejchsminister a. D. K o ch gerichtet, in dem es heitzt:
„Es ist für eine landwirtschaftliche Organisation, die Wert darauf legt, in sich dje bäuerliche Bevölkerung aller Besitzgrößen zu vereinigen, unerträglich, ihre Führer überwiegend in einer Partei zu wissen, die in einer so wichtigen Lebensfrage, wie es die Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion gegenüber der Auslandskonkurrenz ist, eine fo unsichere und schwankende Haltung einnimmt. Hinzu kommt, datz sie ihrer Presse völlig die Zügel lätzt in ihrer überwiegend ablehnenden Stellungnahme, und datz auch die sozialistische Presse den Schutz der landwirtschaftlichen Produktion mit allen Mitteln und in der denkbar schärfsten Form, u. a. mit der Behauptung bekämpft, schon die Ankündigung des Zolltarifs habe die heutigen hohen Prelle veranlatzt. Angesichts der völlig ablehnenden Stellungnahme der Sozialdemokratie, auf deren schärfsten Widerstand bei Durchführung eines auch für die Landwirtschaft erträglichen Handelsvertragswerkes zu rechnen ist, erscheint es den Mitgliedern des Deutschen Bauernbundes doppelt unverständlich, wie die Demokratische Partei sich weigern kann, die notwendigen parlamentarischen Voraussetzungen zur Bildung einer nicht- sozialistischen, für diesen Zweck aktionsfähigen Regierung zu schaffen. So lehr wir es ablehnen würden, die negative Stellung des alten Staates gegenüber der Sozialdemokratie erneuern zu wollen, so sehr erscheint es verkehrt, eine Partei Ausdruck, den er bei dieser Adressenangabe über das hübsche, gebräunte Gesicht des Gondoliere fliegen sah, belehrte ihn, daß er sich nicht verrech- net hatte, als er hier eine mögliche Spur zu suchen kam. Aber dieser Ausdruck gab ihm zu raten — es war mehr inte Aerger, der sich am Ende auf die zu kurze Fahrt, die den Mann um einen besseren Verdienst brachte, beziehen lassen konnte; die Röte, die dem Gondoliere ins Gesicht gestiegen, war eine unleugbare ZvrneSröte, die dos Äufblitzen der Augen unterstützte.
Windmüller hatte nicht viel Zeit übrig, zu reden und zu überlegen; er muhte sich, wie so oft in feinem Berufe, auf seinen Witz verlassen, namentlich aber auf seinen feinen, hochgradig entwickelten Instinkt, dem er zum größten Teil feine Erfolge verdankte.
Als die Gondel vom Eanale Grande reckts in den Seitenkanal aübog, drehte er sich um. „Rudern Sie langsam, Mario — ich habe mit Ihnen zu redens sagte er in dem Tone vertrauenerweckender Selbstverständlichkeit, der ihm so oft schon gute Dienste geleistet, und den er der vor ihm befindlichen Prson entsprechen-) so ungeaein überzeugend modulieren konnte.
Der Gondoliere zog sein Ruder ein und sagte: ..Ich dachte es mir. daß der Signor mir etwas zu fegen hatte. Warum hätte er sonst gerade mit mir fahren wollen?"
Winomüllsr sagte lachend: „Warum machen Sie dann aber ein so böses Gesicht, ass ich Ihnen sagte, Eie sollten mich zum Palrzzo Terraferma fahren?"
Mario zuckte mit den Achseln, antwortete aber nicht sondern sah seinen Fahrgast nur erwartungsvoll an.
Diesem wären ein paar Worte, die ihm einen Anhalt für die nasolgende Unterhaltung gegeben hätten, lieber gewesen; da Mario aber offenbar dem diplomatischen Grundsatz huldigte, datz man das erste Wort immer von der anderen Seite erwarten müsse ,so blieb Windmüller nichts übrig, als ein?n Fühler auszustrecken, er zog seine Geldtasche und sagte vertraulich: „'Die Frau Princi-
wie die Deutschnationale, di« in manchen Gegenden eine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat und eine starke Fülle von wirtschaftlichen und geistigen Kräften in fick vereinigt, grundsätzlich und dauernd von der Beteiligung an der Regierung aus« zuschlietzen. In der Landbevölkerung wird die Ab« lehnung einer zeitweisen Regierungsbildung aus den nichtsozialistischen Parteien umsoweniger »er« standen, als fie aus Rücksicht auf die So» zialdemokratie erfolgt, die sechs Jahre hin« durch im Reich wie in den meisten Einzelstaaten direkt und indirett an den Regierungen mit starkem Einfluß beteiligt war und nach dem Muster anderer parlamentarischer Staaten sehr gut auch einmal eine Periode zeitweiser Ausschaltung ohne Gefahr für ihren Charakter erfahren kann. So wird der Eindruck verstärkt, daß die Deutsche Demokrattsche Partei sowohl ihrer großstädtischen Presse, sowie der Sozialdemokratie gegenüber nicht dasjenige Maß von Unabhängigkeit besitzt, das eine landwirtschaftliche Organisation veran- lasien könnte, den überwiegenden Teil ihrer Führer dieser Partei zu belassen."
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Mcka SmÄ in Georgien
Paris, 23. Okt. Die „Chicago Tribüne" fährt fort, aufsehenerregende Einzelberichte über den Terrorismus der Tscheka in Georgien zu veröffentlichen. Die Sowjets haben in Georgien jetzt schon über 10 000 Personen bingerichtet und über 20 000 deportiert, und zwar entweder nach Sibirien oder aber in die Wolga-Hvnzerprovinz. In Datum wurden Hunderte von Personen, die verdächtig waren, an den Revolten sich beteiligt zu haben, lebendig begraben. Die Henker zwangen sie, einem langen, nicht gerade tiefen Groben, auszuheben. Dann wurden die Opfer mit Kolbenschlägen in den Graben getrieben und mit Erde bedeckt. Aber ganz wenige von den Unglücklichen wurden getötet. Die meisten Gewannen das Bewußtsein wieder, und versuchten, sich zu befreien. Sobald sie mit den Armen oder Seinen sich durch die Erde durchgearbeitet hatten. wurden ausgehungerte große Hunde aus sie los- gelasien, die die Menschen buchstäblich in Stücke rissen.
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Dem polnischen Doppeladler behagt die Seeluft. Einen „Kriegshafen" besitzt es ja schon in Gedingen. Aber da ist nicht viel drin und man möchte doch auch eine Unterseebootsstation haben. Da man infolge der noch immer herrschenden polnischen Wirtschaf'- selbst natürlich kein Geld hat, wendet inan sich an seinen Vormund, Frankreich, das natürlich — auch Herrioi! — gern bereit ist, zu helfen. So schließt man ein' Kriegshafenabkommen. nach dem französische Unternehmer den Hafen Gedingen als Stützpunkt für Unterseeboote ausbauen. Defensivzwecken kann diese Station nicht dienen, denn niemand würde daran denken, Polen über Gedingen und durch den schmalen Korridor anzugreifen. Nein, der Eedinger .Kriegshafen hat nur offensiven Sinn. Dazu leiht dos Frankreich des Friedensapostels Her- riot feine Hand und fein Geld! Der neue Freund Frankreichs, Rußland, dürfte sehr erfreut sein.
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Die Ptoidopers im Prozeß Hoffmann und Genosse».
Leipzig, 24. Okt. Reichsanwalt Niethammer: Die Verteidigung ergab das gleiche Bild wie die Anklage es festgestellt hat. Es ist verständlich, daß die
pefsa ist Ihnen etwas schuldig geblieben — nilt wahr?"
Mario zuckte wieder mit den Achseln und legte der Beweis ab, daß er wirkllch diplomatisches Talent hatte. „Der Signor sind beauftragt, mit mir darüber zu sprechen?" fragte er vorsichtig.
„Gewiß!" versicherte Windmücker ohne Zögern, wozu er auch volles Recht hatte, denn sein Auftrag lautete, das verschwundene Dokument zu suchen. Dazu mußte er natürlich erst die Privci- pesso finden, und zu diesem Ende durste kein Weg unversucht bleiben. Daß dieser kein Holzweg sein konnte, war schon jetzt ziemlich zweifellos geworden. „Dir Frau Principefsa hatte Sie beauftragt, si: zu einer bestimmten Stunde am Palazzo Terra- fenna abzuholen. So war es doch?"
Jetzt gab Mario seine abwartende Rolle auf. Er trat von der Poppa herunter und dicht hinter den Doppelfessel der Gondel, auf dem Windmüller saß, halb nach rückwärts gekehrt.
„So war es," bestätigte er halblaut. „Die Frau Pricipessa hatte mir das Versprechen abgenommen, nicht darüber zu sprechen, wenigstens nichi für die nächsten Tage, und ich habe mein Berfprechen gehalten- Warum auch nichts Was! gehts mich an, was geht es die Leute an, was sie tut? ES ist ihre Sache. And wie es sich gemacht hat, liegt mir auch gar nichts daran, daß die Leute sich schadenfroh erzählen können: der Mario hat im September einen Aprilfisch gefangen. And well ich doch glauben mußte, daß die Frau Principessa mich angeführt, so hat der Rame des Palazzo Terraferma eben gemacht, daß ich ein wenig böse aussah. Daß der Signor es bemcrfte, war nicht meine Absicht. Ich überlegte mir au chgleich, da ßder Signor nicht umsonst nach meiner Gondel gefragt hatte."
„Das war gescheidt", lobte Windmüller, dem die Anterhaltung nun sehr interessant wurde. „Die Frau Principessa hatte natürlich nicht die Absicht, Sir in den- April zu schicken — das versteht sich von selbst. Man ist in einem Hause, in dem man nicht der Hin ist nicht immer imstande, die Zeit
59. Mrg. 1924
Prächtiges bs für Braut, Bratigam, Frau rr. Manat Kam
ei< zrhait n Es formt dieses und jenes dazwischen, man bekommt Besuche — “
„Die Principessa hatte mich nachts um zwei Ahr bestellt. Da wird sie wohl keine Besuche mehr bekommen haben." fiel Mario ein.
Dos hotte Windmüller aber nur wissen wollen. „Bielleicht nicht," gab er zu. „Run. auf alle Fälle war die Frau Principessa verhindert, sich, zu der vorgesehen Zeit nach Fu— nach Giu—"
„San Giuliano, Signor."
„Richtig — nach San Giuliano rudern zu lassen," bestätigte Windmüller, indem er sich den Kopf zerbrach, wo in aller Welt dieser Ort liegen konnte, und was die Principessa dort wollte.
Eine kleine Erleuchtung über diesen Punft, die aber zur befriedigenden Erhellung nicht hinreichte, erhielt er durch den Gondoliere ungefragt. „Signor. das ist alles ganz gut und schön", sagte Mario lebhaft, „aber schließlich, einen kleinen Wink hätte die Signora Principessa einem schon geben können? Ich will ja nicht davon reden, daß ich fast zwei Stunden an der Lastra auf sie gewartet habe, ohne daß ich vom Palazzo aus ein Zeichen erholten hätte. Es gibt ja doch Fenster im Palazzo, Signor, durch die man den Leuten draußen einen Wink geben kann? And sie hatte mich doch auch am Rachmlittag schon nach Sans Giuliano geschickt, um im Albergo della Scimia das Zimmer für sie zu bestellen. Der Padrone hat auch natürlich umsonst gewartet, aber das war schließlich sein einziger Berlust. Mir aber wollte die Frau Principessa die verlorene Zeit am Rachmittag befahlen und die Fahrt in der Rächt natürlich extra, Signor, N- ■ - - • denkt, um den hübschen Verdienst genarr Korden zu sein, da kanns ew.em kein Mensch verarget, toenr man ein Gesicht idmeibet!“
(Fortsetzung folgt.)
Ehrhardtoffiziere ihre Pflicht zur Treue über alle«, gestellt haben. Die ganze Sache ist erst bedenklich geworden, als es in Oberschlefien polnische Aufstände abzuwehren galt. Da haben Verhandlungen statt«' gefunden mit dem Ergebnis, daß Hoffmann utü> Killinger sich für berechtigt hielten, fllr den erwarteten Polenaufstand ein Abwehrregiment zu bilden und die Vorbereitungen hierzu durchaus geheim z» halten. Für eine militärisch Gliederung brauchte' man aber keine Satzungen. Die Satzungen haben i kämpfen wollen gegen Einrichtungen, die die Ange»! klagten als antinational ansahen. Man wollte bei! inneren Unruhen das Gewicht der Organisation in; die Wagschale werfen. Diesen Zweck hielt man vor! der Regierung geheim. Das ist ein strafbares Merk«' mal. Die Angeklagten hätten größtenteils he»! Nebenzweck der Organisation C. gekannt, der den. Tatbestand der Geheimbündelei nach § 128 d. St. G.' B. verwirkliche. Die Angeklagten haben aber auch! glauben dürfen, daß fie berechtigt waren, ein Regi« i ment Süd aufzustellen. Insoweit die Angeklagte«1 den geheim zu hallenden Zweck, daß die Organi«! sation eine Macht im Staate sein sollte, gekannt! haben, sind sie schuldig. Die Angeklagten haben ihre' Tätigkeit noch bis zum Znkrafttreten des Republik,' fchutzgesetzes fortgesetzt. Bezüglich der Strafmaße darf, nachdem die Haltlosigkeit der Angriffe gegen die Organisation C. geklärt ist, der Meinung in der Oesfentlichkeit, daß es si^ um eine Mordorgcwi« sation gehandelt habe, nicht Rechnung getragen werden. Für politische Zwecke ist nichts geschehen, rls daß eine wenig gelesene Zeitschrift herausgegeben wurde, die schwerlich aufreizend aewirfl hat. (Es folgen die bereits gemeldeten Strafanträge.)
Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Lnetgebrune führte u. a. aus: Der Prozeß hatte zum Ergebnis, daß die Anschuldigungen gegen die Organisation C. in nichts zerfallen sind. Der Beweis für eine politische Einstellung ist nicht erbracht worden. Nicht mit einer Silbe ist den Angeklagten widerlegt wor« den, daß zur damaligen Zeit die Organisation noch im Stadium, der Gründung war. Die Statuten haben niemals Gültigkeit gehabt. Die Ziele, die nach Ansicht des Reichsanwalts geheim gehalten werdend sollten, sind ja in der Zeitschrift „Wiking" öffentlich erörtert worden.
Rechtsanwalt Mälzer wies in seinem Plaidoyer auf die Verdienste hin, die sich die Angeklagten im Dienste des Vaterlandes erworben haben. Er könne in den Satzungen nichts erblicken, was den Tatbestand einer Verschwörung rechtfertige.
Rechtsanwalt Bloch erinnerte an die Verdienste der Ehrhardtbrigade. Die Angeklagten feien Schützer und Schirmer der Republik gewesen.
Iustizrat Hahn erklärte, das wichtigste Ergebnis des Prozesses sei die Erledigung der Behaupttmg von dem Bestehen einer Mordzentrale. Bei den Satzungen handele es sich um unreife politische Ideen. Wetter werde zu erwägen sein, ob das Republikschutzgesetz verfassungsmäßig sei.
Rechtsanwalt Ewald plädiert ebenfalls für Freisprechung.
Leipzig, 24. Okt. Zu Beginn der heutige« Sitzung verkündete der Vorsitzende einen Eerichts-
1 Kapitel, jedes von einem hervorragenden Fachmann behandelt u. a. Prof. -. Franz Weber, Prof. Dr. Äug. Forel, Eva E.äfin v. Daudiffin, Dr. nied I Spiet, Frau Gertrud 2 nger. "' t. meb. -ermann Faltin 5 f-at Eugen Dorrn« beraer uiw.
Iu kei em Btraer- ode- Arb-tterhause fo t« hielt» tarda dwer fehttn! 718 TeMelten gut gebunden Rue
8.-M.10. Zu be ieben durch Woeste & Wo lf, Abt. 8/4. Hamburg 5, H lzdamm 28
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(Rachdruck verboten.)
Sa» Rviaztmmr.
Benezianischer Roman von S. von Adlersfelb-Ballestrem.
28. Fortsetzung
Bald stand Windmüller vor dem AuSging des ' .häßlichcn Bahnhofs, für den aber der Kanal selbst Riii der jenseitigen Reihe schöner Paläste, der hoch- i ragenden grünen Kuppel von San Gimeone Piccolo «Md dem großen prächtigen Garten der Grafen Dapadopoli eine Entschädigung bietet. Wo in andere:: Städten die Droschken stehen, liegen hier die Glndell zur Beförderung der angekommenen Rei- l senden bereit und da in wenigen Minuten ein Schnellzug fällig war, so waren die Gondeln auch ta sehr großer Zahl vorhanden.
Windmüller zog langsam den Kai entlang und V «wsterte die mehr oder minder eleganten, mehr »der minder sorgfältig gehaltenen Fahrzeuge und Hre Lenker mit scharfem Blick bis er darunter eine Gondel entdeckte, deren Hellebarde und die mes- fingnen Seepferde (Haller für die Schnur, die als Armlehne dient' in der Sonne nur so funkelten, deren Kissen und Teppich noch säst neu erschienen. Akeh> noch, der auf der Poppa hockende Gondo« Bete war ein junger Mann, der noch nicht lange der Gilde angehören konnte.
„Mario — Mario Spezier?"" fragte 'Windfüller.
Zehn Stimmen erwiderten gleichzeitig: „Da ist er>"
Der jung« Gondoliere. den Windmüller dar- l «Bf taxiert hatte, der Gesuchte sein zu können, erhob sich sofvtt und bracht« sein Fahrzeug an die i Stufen Windmüller stieg ein, machte eine Hand- dewegung nach der Brücke zu, und bald hatte sich di« Gondel aus dem Gewirr geschickt und, ohne «ich nur eines der vielen anderen Fahrzeuge zu fireifen, herausgewunden.
„Palazzo Terraferma dalla Luna!" sagte Wind- Müller, sich auf seinem Sitze umwendend, und der
Sr. 252 <2. Statt)
Mama, Mm und
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bewährt bei:
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hervorragend
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Toga! stillt die Schmerzen n, scheidet die Harnsäure au«.
Klinisch erpropf — Zn allen Apotheken erhältlich.
Beet. 74,3 Acid acet, ealic 0 44 Chitrn. 12,6 Lith.. ad 1JO AmyL
BrrMchtk Landtag
Sitzung vom 24. Oktober 1924.
$it gestellten Mißtrauensanträge werden abgelehnt.
Vizepräsident Varn ich eröffnet die Sitzung um 10.25 Ahr. Dor Eintritt in die Tagesordnung tritt Landwirtschaftsminister Dr. Wendors den Aus- fthrungen des Abg. von der Osten über die Stel» tatg deS LandwirtschastSministerS zu den Zollfragen entgegen. Der Minister erklärt, er habe nicht nur an Her Abstimmung des KtaatSministeriums teilgenommen, sondern auch persönlich seinen Standpunkt eingehend begründet. Für daS Verfahren des Abg. von der Osten gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder et habe nicht gewußt, was sich im Plenum abgespielt habe oder feine Ausführungen seien unwahr. (Großer Lärm bei den Deutfchnalionalen.)
Abg. von der Osten (Dntl.) hält eS sttr unter seiner Würde, auf die letzte Aeußerung des Landwirt- schaftsministrrS einzugehen. (Sehr richtig! bei den Deutsch».) IBr müsse bei seiner Behauptung bleiben, -aß der Landwirtschaftsminister in der entscheidenden Sitzung nicht anwesend war.
Ministerpräsident Braun legt die Vorgänge Im aatSminifirrium bei der betreffenden Abstimmung t. Den Landwirtschaftsminister treffe jedenfalls nicht geringste Dorwuft.
Landwirtschaftsminister Dr. Wendors: Der Abg. der Osten hat gestern nicht gesagt, der Minister an der entscheidenden Sitzung nicht teilgenommen, m er hat davon gesprochen, daß der Minister in so entscheidenden Frage nicht seine ganze Kraft
igefeht hab«.
Abg. Milberg (Dntl.) tritt den Ausführungen Parteifreundes bei und kritisiert scharf das Verhalten deS LandwirtfchaflsministerS. daS dem Anhalten seiner Fraktion im alten Reichstag völlig «tspreche.
Ministerpräsident Braun wiederholt, daß die der Schutzzölle im Dlaatsministeriuin eingehend
erörtert wurde. Die letzte Entscheidung sei allerdings gefallen, nachdem ein Seil der Minister bereits in die Berten gegangen sei. Die Stellung des Kabinetts sei ^et bereits geklärt gewesen.
Dbg. M e h e r - Ostpreußen (Komm.) stellt fest, daß del Landwirtschastsminister für die Agrarschuhpvlitik emgetreten sei. Deshalb stimme feine Partei für das MißtrauenSvoruin gegen den Landwirtschastsminister, efcenfo wie gegen den Innenminister Severing.
Abg. GrzesinSki (S.) hebt hervor, daß sich die ftzialdemokratischen Abgeordneten gegen den Schuh« tz»ll eingesetzt hätten.
Damit schließt diese Erörterung und daS HauS tritt h die Tagesordnung ein.
Abg. Dazowski (Pole) verliest eine Reine An- frage über die Nichtbestätigung von Gemeindevorstehern Md Schössen in Oberschlesien, die Angehörige der polnischen Minderheit sind.
Innenminister Severing weist die Behauptung 6er Benachteiligung der polnischen Minderheit als »»richtig zurück.
Darauf wirb die Abstimmung über daS deutsch- hlationale Mißtrauensvotum gegen den Mi-