59. Fahrs. 1921
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«u ^vtnheffisch« Zeituag" «|<t)ttnt ftdbmel wölbenMch. — BejugjpieU monatlich 2 Mark au»fchll«zilch z»ftellung»q«- Ät. D-rch di« Post 2,25 Mk. — Für auosallende Äxstmtrn infolge Streik» oder elementarer Treignist« kein Ersatz. — Verlag ' M,Dr.E-k>tt,«roth. — Drnck der Unii».-B»chLr«ckeret box Ioh. Sag. Koch, Markt 21/LS. — Iernspr. 55, Poiischeckkont»: Xt.5C15 , Amt Frankfurt a. Mat».
Neuwahlen
Das „mündige" Volk wird zum zweiten Mal in diesem Jahre aufgerufen, sich selbst eine Regie« tunfl zu setzen. Nach den Wahlen vom 4. Mar dieses Jahres ist das wohl nicht gelungen. Warum eigentlich nicht? Nun, der Grund ist höchst einfach. Diese Wahlen brachten als Stimme des Volkes ein starkes Anschwellen der Rechten. In den Lugen unserer „parlamentarisch" und „bemo« 'datisch" eingestellten Volksvertreter aber ist Wahl 'unter allen Umständen gleichbedeutend mit Sicherung der Herrschaft der Linken. Kommt es einmal Inders, dann mutz das Resultat auf irgendeine ! jßeife geändert werden. Wir erinnern uns, !»ie kurz nach der Revolution an den höheren schulen Schülerräte eingeführt wurden. Man glaubte, die Jugend revolutionieren zu können. Als $ic Schülerräte aber „reaktionär" wurden, lieh man -sofort dieses Experiment fallen. Fallen lassen kann güan den Parlamentarismus nicht, nachdem man -tzn erst eingeführt hat. Aber immerhin kann man lstine Ergebnisse, wenn sie einem nicht passen, fri- ifitren. Das kann man umso eher, weil Deutschland *eon dem Zweiparteiensystem, das eigentlich die Grundlage von jedem Parlamentarismus ist, noch himmelweit entfernt ist.
’ Der bisherige Kanzler Dr. Marx hat in einer Unterredung dargelegt, weshalb eine Regierungs- 'bildung ihm schließlich unmöglich gewesen ist. Die kölnische Zeitung" schreibt zu diesen Darlegungen, Me unsere Leser ja kennen, sehr richtig:
Den Nachweis, daß die Bildung einer sicheren Xeichstagsmehrheit mit dem alten Reichstag nicht möglich gewesen sei, scheint uns der Reichskanzler ,picht erbracht zu haben. Die Mehrheit von elf JEtimmen einer bürgerlichen Koalition ohne Demo- Skaten wäre groß genug gewesen, um damit eine Regierungsbildung zu versuchen. Wäre die Koa- 'sition einmal in die Minderheit geraten, was nicht ferabe wahrscheinlich gewesen wäre, dann wäre es 'immer noch Zeit zur Auflösung des Reichstags gewesen. Wer willens war, die Minderheitsregieruug «eiter bestehen zu lassen, die nur 137 Stimmen und mit den Sozialdemokraten 237 hinter sich hatte, der hätte bei einer Koalition von 248 Stimmen nicht so ängstlich zu sein brauchen. Und was die Deutsch- nationalen angeht, so wäre es vom Gesichtspunkt der Bindung der Eesamtpartei nur zweckmäßig gewesen, nenn auch Neinsager in die Negierung gekommen Bären.
Zu deutsch: Eine Verbindung mit der Rechten ijt für die führenden Parlamentarier von heute einfach unmöglich. Regierungsfähig ist nur eine Verbindung mit der Sozialdemokratie. Wenn jetzt der Reichstag aufgelöst ist, so handelt es offenbar darum, den Versuch, mit der Rechten |a regieren, im Keime zu ersticken. Man will das Erbe der Revolution, die Vorherrschaft der Sozialdemokratie. immer wieder aufs neue stabilisieren, und dazu sollen die bürgerlich links eingestellten Kräfte in der Demokratie und im Zentrum helfen. Es ist bekannt, daß im Zentrum unter Führung von « i r t h , dessen Stellung die eines katholtzchen So- riLldcmokraten ist, ein Teil diese Politik mitmacht. Die demokratische Partei, die mit der Revolution zu tiner ansehnlichen Macht emporgestiegen war, aoer 'Schritt für Schritt in die Defensive gedrängt wur^e. ,hat es nicht vermocht, offenbar unter dem :Druck einer großstädtischen Presie sowohl als auch -ihrer ausländischen Beziehungen, die einsetttgen Bindungen an die Sozialdemokratie zu zerschnetden. Wir haben in den letzten Tagen gesehen, daß eme Reihe von hervorragenden Männern, und nicht die schlechtesten, der Partei den Rücken gekehrt Haden, weil sie in der demokratischen Partei diese Bindung an internationalen Pazifismus und ähnliche Strömungen nicht mehr mitmachen ^oHten, unb bte ewige Halbheit auf bie Dauer eben nicht geht. Wenn jetzt den Ausgetretenen hinterher von der demokratischen Presie gesagt wird, sie seien wohl ausgetreten, weil sie kein Mandat wieder bekommen hatten ihrer antisozialistischen Haltung wegen. so sprichi das nicht dafür, daß die Erkenntnis der tatsächlichen Lage in den führenden Köpfen der jetzigen ^rno- tratie Fortschritte gemacht haben. Man will die Sozialdemokratie „erziehen" durch „Mitverantwortung". Bisher sind zwar alle Parteien, die sich dem Sozialismus näherten, durch ihn erzogen worden. Es bleibt aber doch unverständlich, weshalb die Demokraten ihre „Erziehungskünste" so einseitig nach links einstellen. Für die Mitverantwortung am Staate erscheinen doch die Kreise der Deutschnatio- ralcn fz. B. die Landwirtschaft) doch mindestens ebenso wichtig.
Der Versuch, die Herrschaft der Re- »ol u ti o nspa r t ei e n auf ewig festzu- legen, dürfte diesmal endgiltig scheitern. Die Vorgänge in den leten Tagen haben gezeigt, daß es in dieser Hinsicht auch in den Parteien gärt, das beste Zeichen dafür, was im Volke vor- .Ieht. Das Volk will weg von der Zeit feines ! tiefsten Verfalles. Es sieht wohl, datz sich eine Bef- itkrung erst gezeigt hat mit dem wachsenden Einfluß bürgerlicher Parteien. Wenn es nach außen gleichfalls bester ausfieht, fo doch keineswegs etwa auf Er und eines Linkskurses bei uns. Man könnte beb »ahe sagen, gerade seit den Rechtswahlen vom Mai. Aber was das Ausland tut, tut es ganz tlnabhängig von der deutschen Politik; wir sind ijta Spielball seiner widerstreitenden Jnteresien. »önf Jahre hat die Demokratie bei Ras geherrscht, wo hat da» Ausland je darauf Rücksicht genommen?
* Umsomehr mutz man sich wundern, datz man im Alande immer noch versucht, in unsere Wahlen Amzugreifen, indem man sagt, man wünsche Links
wählens Man mutz doch den Verdacht hegen, daß unser international eingestellter Demokratis- mu» die Auflösilng de» Reichstage» herbeigeführt hat, um das Ergebnis vom 4. Mai im Sinne bet französischen und in Angleichung an die französischen Wahlen zu revidieren. Herriot hat sich ja schon vor einigen Wochen sehr deutlich in die inneren Derhalt- nisie eingemischt und vor einer Rechtsentwicklung gewarnt. Will man ihm in Deutschland in die Hände arbeiten? An einem gefühlsseligen Pazifismus glaubt doch in Deutschland kein Mensch mehr mit Ausnahme von einigen rhetorisch begabten Männern, di« glaubten, sich damit interessant ma- chen zu können. „Französische Wahlen" wird man in Deutschland nicht machen, wissen wir doch, was man dort von uns erwartet. Selbst der linksradt- kale „Quotidien" bedauerte kürzlich, datz Deutschland zu einer gewissen Ordnung zurückkehre, für Frankreich sei die Anarchie bei uns am besten. Auch England und Amerika, wir sind für beide za nur Ausbeutungsobjekte, glauben, mit einer Linksregie- rung bessere Geschäfte zu machen. Datz sie es mit dem Appell an die Furcht versuchen, ist ihre Sache, den Parteien, denen sie nützen wollen, werden sie aber ungeheuer schadens
So gilt es, in diesem Kampfe, den der „Vorwärts" mit dem Schlachtruf eröffnet: Hie Bürgerblock, hie Sozialdemokratie, tatsächlich eine klare Entscheidung dieser Frage, die man nur anders formulieren würde: Ist das deutsche Volk ein für allemal der Revolutionsmehr- heit ausgeliefert? Bei diesem Entweder — Oder" sollte es auch keine Wahlmüdigkeit geben. Es ist wahr, der reine Parlamentarismus hat sich fortschreitend mehr und mehr diskreditiert, zuletzt dadurch, datz er nicht einmal die parlamentarische Konsequenz nach dem 4. Mai zu ziehen wagte. Und dennoch. Ob heute schon etwas Festeres an seine Stelle zu setzen ist, erscheint zweifelhaft. Darum mutz man wählen. Die Severing, Wirth und Genossen haben es uns ja so oft gesagt: „Der Feind steht rechts", daß endlich einmal gründliche Arbeit getan werden muß auf dem Wege zu einer Volksgemeinschaft, in der diese Anschauungen politisch nichts mehr zu bedeuten haben. In den letzten Tagen sind auch die Parteien bereits mit allerhand Aufrufen an die Oeffentlichkeit getreten. Eie waschen alle ihre Hände in Unschuld. Keiner hat es getan. Sie erhoffen alle den Sieg., Das Volk hatnundasWort. ***
SeuMland im» Frankreich
London, 24. Oft . Der Berichterstatter der „Times" schreibt über den Umschwung, der in der französischen Politik stattfand und über die neue Haltung gegenüber Deutschland, der Händedruck zwischen dem General Eourond und Caillaux bei der Beerdigung von Anotole France sei ein Zeichen der großen Veränderung der poli-- tffchen Lage, die in Frankreich eingetreten sei und die als die Rückkehr zu den Vorkriegsverhältnissen bezeichnet werden könne. Jetzt, wo Herriot Premierminister ist, wurde sein intimer Freund Caillaux wieder ein wirklicher Faktor in der Politik. Die Bestrebungen zu Gunsten Deutschlands nähmen wieder zu. Feste dauernde Abmachungen mit den Deutschen und ein wirtschaftliches Zusammenwirken der deutschen mit der französischen Industrie, insbesondere der metallurgischen, begännen den hervorragenden ftanzösischen Staatsmännern als unvermeidlich zu erscheinen.
Die „Times" befaßt sich mit den Ausführungen des Berichterstatters in einem Leitartikel. Das Blatt hebt hervor, daß der Verfasser in der letzten Zeit Gelegenheit hatte, die Ansichten verschiedener Pcrsönlichke.ten einzuholen. die in der Hauptsache für die allgemeine Politik Frankreichs verantwortlich seien. Das Blatt betont, daß zahl- reil; pH sche Stimm n «.t und Nir sch if liche Schwierigkeiten überwunden werden müßten, bevor der Gedanke einer deutsch-französischen Industrievereinigung verwirklicht werden kdr ne wenn dies überhaupt je der Fall sein werde. Bei dem augenblicklichen engen Zusammenhang zwischen Politik und Wirtschaft klinge die neue Formel der Autoritäten — wirtschaftliches äleber- e'.r kommen mit Deutschland und besondere politische Abmachungen mit England — ein wenig zu abstrakt. Die Bestrebungen, ein wirtschaftliches Neber einkommen mit Deutschland zu treffen, würden in England mit sehr großem Interesse, aber nicht notwendigerweise mit Besorgnis verfolgt werden. Die Anzeichen, daß diese Bestrebungen an Stärke zunähmen, würden bei allen Erwägungen über die wirtschaftliche Zukunft GroßbritanuftnS sr-igfältig in Betracht gezogen.
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Für den bommenden Sonntag hat das sogenannte Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold den Plan einer großen^ Kundgebung in Potsdam gefaßt. Immer mehr stellt sich heraus, daß diese Sozialistentruppe im wesentlichen das Ziel verfolgt, den Bürgerkrieg zu entfesseln und andersgesimite Kreise gerade dort herauszu- tnrhem. wo ihr Ehremvftnoen am verletzlichst^
Der Sxylgenptele betrügt Hb den 10 gesp. ZetlernntMmeter 0,08 Eoldmark. Amtliche *xb aiemittige An,eigen 0,10 Selk» jyatt Bei schwierigem Satz, fewte b. Pl-?vorfchriste-Lü'/, 2-fIchlag. Sammelanzetge« 100«/, Liisschl-z.Reklame, 0,85 «ob*. Jeder Rabatt gilt al» Sartabatt und verfällt, men* die Zahlung später al» 5 Tage erfolgt. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die «eschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfillung»ort Marburg, 1 «.-Mk. = •% Della»
Reichsamte» gegenüber der Vorwoche unverändert geblieben. Sie beträgt da» 1,23fache der vor? kriegszett. ;
ist. Programmatische Aufsätze in Berliner Zeitungen begleiten das Dorgehen dieser Truvpe, die in Anpassung an da» Dolksempfinden mit,L»it- lermützen" und Windjacken und militärischem Aufbau eine äußere Form gewählt hat, die von dem Geist der Bewegung grell absticht. In Potsdam haben die Reichsbannerleute den Franzosen geschützt, der seine Herausforderung gerade dort auszusprechen für nötig gehalten hat, wo die Bevölkerung am wenigsten von ihm und seinem Pazifismus wissen will, der, nach den Erklärungen der aus der demokratischen Partei ausgeschieoe- nen Männer, die nationalen Ehrbegriffe geflissentlich verletzt. Nach innen, den Volksgenossen ge- gegenüber, kennt man keinen Pazifismus und keine Weichheit, wie Severing kürzlich in Kiel erklärte. Wenn Hörsing die mit Hilfe der kommandierten Gewerkschaftler „aus dem Boden gestampfte" Organisation für einen Verband von Kriegsteilnehmern erklärt, so berührt es eigenartig, daß in dem Vorstand Leute wie Dittmann sitzen, die allerdings in Anzettelung und Begünstigung der Wilhelmshavener Matrosenmeuteri am Kriege „teilgenommen" haben. Vollends widersinnig ist die Inanspruchnahme der alten schwarz-rot-goldenen Farben, zu denen sich von glühendem Rationalgefühl beseelte Männer bekannt haben, die wie der alte Arndt, nichts heiligeres Kanuten als die Befreiung vom äußeren Feinde. „So ziehen wir aus zur Hermannschlacht und wollen Rache haben", sang dieser alte Vertreter der Farben schwarz-rot-gold. Noch lächerlicher ist es, wenn in den Maskeraden des Reichsbanners der Freikorpsführer Lützow als Vorläufer der heutigen Bafchisten hingestellt wird. Ein Heine hat die Burschenschaftler verhöhnt, die in schwarz-rot-goldenen Farben den Kaifertraum träumten. Aus solchen Widersprüchen äußerer und innerer Natur setzt sich vorwiegend die ganze Parteifchutztruppe zusammen, von der kürzlich auch Zentrumskreise abgerückt sind.
Nach dem „Sieg von Notsdam" — Niederlage in Paris.
Paris, 22. Oki. In einer Versammlung der Liga für- Menschenrechte in Varis sprachen gestern die Franzosen B u i s s o n, Prof. Basch und der Deutsche K u c z i n s k i - Berlin über „Deutschland mch der Friede". Eine Gruppe Camelots de roi, Anhänger der Liga der Action fron- c a i s e, suchte die Versammlung zu stören. Die Polizei mußte eingreifen, und es kam zu einem großen Krawall. Zwei Polizeibeamte und mehrere Veranstalter wurden durch Schüsse, Stockschläge usw. erheblich verletzt.
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Ein Aufruf des Reichslandbundss.
Berlin, 24. Okt. Die Präsidenten des Reichslandbundes richten einen Aufruf an die Mitglieder des Bundes, in dem es heißt:
Wir halten es für unsere Pflicht, unsere Mitglieder aufzufordern, sich von Anfang an mit allem Nachdruck dafür einzusetzen, daß nur solche Persönlichkeiten auf die Stimmen des im Reichsund Landbund organisierten Landvolkes zählen können, die rückhaltlos persönlich dafür ein treten, daß bei den kommenden Regierungsbildungen im Rei mund in den Landern das Landvolk und die Landwirtschaft ihrer Bedeutung und Stärke entsprechend in den Kabinetten selbst vertreten sind.
Die Kommunistenoerhastungen.
Berlin, 24. Okt. Von den 62 bisherigen kommunistischen Reichstagsabgeordneten befinden sich nach Vlütterrneldungen acht in Haft. Fünf sind immun als Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses. Die Behauptung, daß Massenverhaftungen vorgenommen worden feien, ist unrichtig. Haftbefhle sind vom Untersuchungsrichter des Staatsgerichtshofes zum Schutz der Republik erlassen worden gegen Ruth Fischer, Glylewicz, Scholen und Iwan Katz. Außerdem schweben einige Haftbefehle aus anderen Gründen.
Schulz-Fserster will in Ungarn bleiben.
fk. V e r l i n, 25 Okt. Das „Berliner Tagebl." meldet aus Budapest, daß der Mörder Erzbergers Schulz, der fich noch in Polizeigewahrsam befindet, neuerdings den Wunsch ausgesprochen habe, in Ungarn zu bleiben. Wie dem Blatt zufolge verlautet, soll er demnächst freigelassen werden und in der Villa des Abgeordneten Gömbas Wohnung nehmen, da er nachgewiesen habe, daß er von dem Abgeordneten Beschäftigung erhalten habe. Er werde sich jedoch wöchentlich auf der Polizei melden.
Professor Hoetzsch und die Kreuzzeitung.
Berlin, 22. Ott. Nachdem Prof. Dr. Hoetzsch, der bisher die außenpolitische Wochenschau in der Kreuzzeitung schrieb, von feiner Auslandsreise zurückgekehrt ist, veröffentlicht daS Blatt Erklärungen Hoetzschs und des Verlags und der Echriffleiiung, daß das Mitarbeiterverhältnis gelöst worden sei. »um bie inner« Geschlossensten des Blattes auch in Einzelfragen auftecht zu erhalten". Durch die Zustimmung Professor Hoetzsch; zu den Dawesschen Gesehen im Deichstag war ein gewisser grundtäolicher Gegensatz zutage getreten.
Die Reichsindexziffer.
Berlin, 24. Okt. Die Reichsinbexzifter für Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) ist für den 22.
ober nach tzen Feststellungen des Statiltitoen
Dis „Hamburgische Volkszeitung" beschlagnahmt.
Hamburg, 24. Okt. Die Polizei hat di« Haovk burgische Volkszeitung gestern wegen dringenden Ver- dachtS der Dvrberettung und Aufforderung zum Hoch« verrat beschlagnahmt. Außerdem hat bie Poliz«i btt Staatsanwaltschaft ersucht, gegen daS Blatt weg«» seiner gestrigen Veröffentlichung einzuschreiten.
Ein neue» Ortsklassenverzeichnis für die Beamtest
Am Deichsfinanzministerium ist im Benehmen mit den Ländern ein neue» Ortsklassenverzeichnis für big Beamten auf der Grundlage der Wohnung-- miete aufgestellt worden, daS dieser Tage im Deichs« 1 befvldungsblatt veröffentlicht wird. ■
Bonn, 24. Okt. Das Zollamt de» Bonner Eüterbahnhofes ist von der Besatzung an bie deutsche Verwaltung zurückgegeben worden.
Ausland
Die französisch« Gesandtschaft beim Vatikan.
London, 24. Okt. „Daily Telegraph" meldet aus Nom, daß die Abstimmung der ftanzöfstchrst Parlc:mentSkomm:ssivn zugunsten der Au sh«« bürg fett französischen Gesandtschaft beim Vatikan in päpstlichen Kreisen eine« peil lichcn Eindruck hervorgerufen hat. Es könne ein ft ierlicher Protest des Papstes erwartet werden trenn diese Maßnahme tatsächlich durchgeführl Lcrrde, da sie neuerlich ernstlich die Beziehungen zwischen dem Haupt der katholischen Kirche und der französischen Regierung erbittern werde. Inl . :iLn wurde dem Berichterstatter des „D.rilh Te 'e,oph" gegenüber hervorgehoben, daß die Vor» teil» einer Botschaft beim Vatikan weit größer für Ficwfteich seien, als für die päpstliche Regierung und daß durch ihre Aufhebung die französisch« R. gierung ihren eigenen Interessen weit mehr schade als denen der Kirche.
Jean Hervette, Gesandter in Moskau.
fk. Paris, 25. Okt. Die Ernennung Jean Her« bette zum Gesandten in Moskau steht nunmehr fest. Der Zeitpunkt dieser Ernennung ist noch unbestimmt,
Maßnahmen gegen di« Teuerung in Frankreich.
fk. Paris, 25. Okt. In dem Kampfe gegen bi» Lebensmittelteuerung hat der Finanzminister beschlossen, alle lebenswichtigen Produkte, natürlich alle LebenS« mittel von der Ämsahsteuer zu befreien.
Auch Amerika in Wahlvorbereitung.
Washington, 24. Okt. In seiner Wahl«i rede richtete Coolidge einen .letzten Appell an das amerikanische Volk, ihn wieder zu wählen. Die gegenwärtige Regierung habe eine Aer» des Wohlstandes gebracht, der mehr als ein durch« schnittlicher sei. Eooltdge sprach sich für eine Verstaatlichung der Transportmittel aus. Bezüglich '■ äußeren Angelegenheiten versprach Eooüdge eins Zusammenarbeit mit den anderen Rationen Im i Interesse des Friedens, svforn dadurch bie Unabhängigkeit der Bereinigten Staaten nicht berührt werde. Er erklärte sich für Vereinbarungen zur Achtung des Angriffskrieges und betont« den Widerstand der Regierung gegen internationale Konferenzen, sofern es sich darum handele, innere amerikanische Angelegenheiten zu erörtern, ferne« gegen eine Annullierung der Kriegsschulden und gegen einen Einttitt der Vereinigten Staaten tu den Völkerbund.
Rücktritt de» tschechischen Finanzminister».
Prag ,24. Okt. Die „Bohemia" meldet: $l< Stellung des Finanzministers Becka ist erschüttert. Es wird erzählt »daß er wegen der fehlenden Deckung für die Bemntengehälter- regulierung zurücktrete. Er erklütte seinerzeit, daß die hierfür notwendige Summe vorhanden sei, später aber sagte er, daß kein Geld für diesen Zweck da sei, woraus ernste Konflikte entstanden.', Becka werde aber auch von der eigenen Partei der- Aationaldemvkcaten fallen gelassen, da er keine ein- - gige der finanziellen Forderungen seiner Partei erfüllt Hal. Als Nachfolger wird der ehemalig« Finanzminister EngliS genannt.
ff. London, 25. Ott. .Daily Mail" berichtet auS Peking, «S werb« gemeldet, baß der Oberbefehl»« Haber der Regierung Wu»p«t<-fu an Dorb eine» italienischen Kanonenbootes auS Tkchinwangtao geflüchtet fei. AuS Mulden meldet .Daily Mail", TfchanO» tfo-lin habe 25 000 Mann Truppen, die sich auf dem Rückzug befanden. b«i Schanhaikwan abgeschnitten. Pftfr sibent Tsaokun fei in bie belgische Gesandtschaft i» Pettng geflüchtet.
ft Mukden, 25. Okt. «ine amtlich« Meldung aus dem Hauptquartier TschangtfolinS verkündet das Ende des Krieges mit der chinesischen Zentralregierun»
ft Mukden, 25, Okt. Rach einer amtliche« Meldung hat fich der PPräsident Tsaokun in daS Gr- fandtschaftsviertel von Peking geflüchtet. Wu-pri-sn befindet sich in voller Flucht. Der Rückzug der Trupvr» der Zentralregierung ist bei Schanghaikwan obgefchockt-- ten worden.