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an den Erzeugerstellen in elektrische Kraft umgewandelt werden. Das ist ein Gedanke, der sich kaum ohne So­zialisierung durchführen ließe und dem man etwas allzudeutlich anmerkt, daß er Mac Donald den Wind aus den Segeln nehmen soll.

Wie weit es zu Wahldündnissen zwischen Konser­vativen und Liberalen kommen wird, das ist lokalen Vereinbarungen überlassen worden. Man kann nicht sagen, daß die Stimmung der Konservativen solchen Bündnissen günstig ist; die Anträge werden saft immer ton den Liberalen ausgehen. Diese rechnen auch darauf, durch eine Koalition mit den Konservativen sich an der Regierung beteiligen zu können. Jedoch ent­spräche eine solche Koalition keineswegs dem Wunsche der Konservativen. Die beiden großen Flügelparteien — Konservative und Labour — werden vielmehr beide nach Kräften auf das alte Ideal der Zweiparteienwirt­schaft hinarbeitest, die allein das Ideal parlamentari­scher Herrschaft und Derantwortlichkeit zu erfüllen im Stande ist.

Ausländertum im Allgemeinen und gegen feine weiblichen Vertreterinnen im besonderen ungün­stig beeinflußt. Nicht, daß fein Herz sonderlich beteiligt gewesen wäre. Er hatte die hübsche, mun­tere Amerikanerin durchaus schick gefunden und fest geglaubt, ohne jenes tiefere Gefühl, das man die Liebe nennt, die Reise durchs Leben machen zu können und auf dem Fuße einer aus­gezeichneten Kameradschaft mit ihr das berühmte große Los zu ziehen — — das war alles auf dem Hintergründe ihres Reichtums, der ihm für seine Latifbahn recht wünschenswert erschien. Was also bei dieser Angelegenheit ihn traf, war die Verletzung seiner Eitelkeit und Eigenliebr, denn aulch der beste Mensch ist nicht frei davon.

Don Gians Gedanken gingen immer weiter spazieren, und endlich schloß er die schmerzenden, brennenden Augen und zwang fein Sinnen auf lauter nichtige, unwesentliche Dinge und Personen. Aber sobald er sich eine solche recht deutlich vor» geftcllt verwandelte sie sich in die kleine, elfen« hafte Gestalt seiner Schwägerin mit ihren glei­tenden Bewegungen, die ihn immer an die einer Schlange erinnerten; er sah ihr kleines^feines, blas­ses Gesichtchen mit den übergroßen Augen vor sich -- sie schienen ihn flehend anzublicken, bet süße Mund öffnete sich, um zu sprechen — und mit einem Schrei fuhr er in die Höhe. Er war einge­schlafen und hatte geträumt.

Es war lange nach Mitternacht, als der Zug in Venedig anlangte. Da Don Gian seine und Windmüllers Ankunft telegraphisch gemeldet, so er­wartete sie die Gondel der alten Marchesa, und die beiden Ruderer brachten das lange, schlanke Fahrzeug durch die jetzt ganz stiften und ver­lassenen Kanäle rasch vor den Palazzo Terra» ferma della Luna, in dessen Portal Agvstino, der Portier, der Kammerdiener, sowie ein Lakai war­tend standen, um das Gepäck in Empfang zu neh­men und die Herren in ihre Zimmer zu führen.

j.Q&re Exzellenz ,die Frau Marchefa und Donna

Rückkehr des Marchese Terraserma und seine neue Abreise, namentlich aber sein Besuch in früher Mor­genstunde in der Wohnung seiner Schwägerin als ein Beweis, daß auch er nichts über den Verbleib der Dame wüßte, geradezu Bestürzung hervorge­rufen habe.

Beide Herren schwiegen und lehnten sich in schweren Gedanken in ihre Ecken zurück. Gian wur­den die Augen schwer; sie brannten ihm vor Aeber- müdung, aber die Gedanken hielten ihn wach, alle Nerven in ihm bebten — freilich war ja der Ver­dacht von ihm genommen, ein Landesverräter zu sein, aber noch schwebte das Damoklesschwert unbe­rechenbaren Folgen über seinem Vaterlande, falls das Dokument nicht wiedergefunden wurde und ein Mitglied seiner Familie war es, das den Ver­rat ausgeübt, sich für ihn hatte — bezahlen lassen' Darüber kam er nicht weg: seines eigenen gelieb­ten und betrauerten Bruders Witwe eine be­zahlte Spionin gegen das Land, dem sie gesetz­lich angehörte! Die alte Marchesa hatte schon recht: diese ausländischen Heiraten brachten kei­nen Segen! And das früher bestandene Verbot, nach dem ein Diplomat keine Ausländerin hei­raten durfte, war ein sehr richtiges. Natürlich, da der verstorbene Marchese Terraserma nicht in der diplomatischen Laufbahn sich befunden, war dicke Betrachtung auch nicht zur Sache gehörig. Don Gian aber hatte damit einen Rückblick ver­bunden, indem er vor Jahr und Tag selbst drauf und dran gewesen war, eine sehr hübsche und stein­reich.' Amerikanerin aus gutem Hause zu heiraten. Sie hatte unverhohlen mit ihm geflirtet und ihm dadurch ebenso unverhohlen geschmeichelt. Doch als er so weit mit sich im reinen war. das entschei­dende Wort zu sprechen, teilte sie ihm freund­licherweise selbst mit. daß sie sich mit einem eng­lischen Herzog verlobt habe.

Dieses Erlebnis hatte Don Gian — wie der Mensch nun einmal ist — im Zusammentreffen mit der ihm so unshmpatifchen Schwägerin gegen das

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Loredana sind auf den Wunsch des Herrn Mar­chese schlafen gegangen und haben nicht gerne» tat,“ meldete Sebastiano, der Kammerdiener, in dem diskreten Ton des Dieners eines großen Hauses. „Ein kalter Imbiß für die Herren steht in ihren Zimmern ferbiert.“

„Das ist gut,“ erwiderte Don Gian. „Sonst nichts Neues? Die- Signora Principessa ist nicht wiedergekommen?“

„Nein, Herr Marchese. Es ist auch keine Ör» der gekommen, ob und wohin der Koffer von Al» tezza zu senden ist,“ erwiderte Sebastiano, indem er zur Treppe vvrausschritt.

Don Gian sah Windmütter an, aber dieser schien in den Anblick der riesigen Halle versenkt, in dte sie direkt aus der Gondel eingetreten wa­ren, eine Hafte, wie sie nur ein venezianischer Palast haben kann, mit Marmorfliesen, einer Decke von vergoldeten und bemalten Balken, von der schmiedeeiserne Laternen in riesigen Dimensionen herabhingen, und wenn das elektrische Licht sich auch darin als ein Zeichen der Neuzzeit eingeschliche» hatte, so konnte au.ch dieses nur einen gewisse» Radius durchdringen, und in all den entfernte» rtn Ecken und Winkeln schliefen die Schatten der Vergangenheit und hüllten sie in tiefes, geheim­nisvolles Dunkel, während in dem!Hofe der uralt» Brunnen über der längst geschlossenen Zisterne vo» dem darüber stehenden goldenen Monde phan- tasttsch beleuchtet wurde, um die den Hof lange benden Säulenhallen in umso tieferer, fast samt­schwarzer Finsternis erscheinen zu lassen.

„Dars ich bitten, Herr Doktor?“ lud Don Ei« seinen Gast ein, ihm voranzugehen. — „C, uich che ichs vergess-“, setzte er, zu dem Majvrdonm gewendet, hinzu, „icf> sah beim Kommen von bet Gondel aus oben im ersten Stock ein Fenster offen stehen ein Fenster des Rvsazimmers. GS ist wohl vergessen worden, beim Aufräumen zu schließen?"

lFortsctzung ssiAtz

Sir Mein der WchnunsSlvtMnft

In Mannheim tagten die Haus» und Grund­besitzer; und sie hielten den Zeitpunkt für gekommen, offenen Kampf anzusagen der Zwangswirtschaft an Wohnungswesen. Mit allen gesetzlichen Mitteln sollen die noch vorhandenen Fesseln gesprengt werden. Diese Aufgabe wird den Hausbesitzern, die sich den Mietern gegenüber in einer hossnungslosen Minderheit befinden, nicht leicht werden. Man muß ihnen zugeben, daß eine Zeit lang, nämlich während der Inflation, die Mieten unerhört niedrig waren und daß deshalb der Besitz eines Mietshauses damals nur eine Last war. Die Beyölkerung und Regierung haben auch Gerechtig­keitssinn genug besessen, um eine Besserung eintreten zu lassen. Wenn aber auch jetzt noch der Berbands- vorsitzende H u m a r » München behauptet, daß em Teil der Mieter zu ausgedehnt wohne und daß überhaupt die Wohnungsnot nur scheinbar vorhanden sei, so wird er doch auf viel Widerspruch stoßen. Die Wieder­annäherung der Mieten an die Friedenspreise ist doch erheblich fortgeschritten und hat schon viele, die sich trotz der Eingriffe der Wohnungsämter eine zu große Wohnung herübergerettet hatten, dazu gezwungen, Un­termieter aufzunehmen. Gewiß ist es noch ein unge­sunder Zustand, daß auf diese Weise Familien als Untermieter bei einzelnen Personen Unterkommen fin­den müssen, aber der Ausspruch Humar, wer besser wohnen wolle, müsse es auch bezahlen, ist doch leichter gesagt als durchgesührt. Zweifellos würden bei einer Freigabe der Wohnungswirtfchaft die Mieten sofort so steigen, daß das Beamtentum und der Mittelstand nicht mehr in der Lage wären, sie zu bezahlen. Solange nicht die Bautätigkeit erheblich zugenvmmen hat, werden sich die Hausbesitzer damit absinden müssen, daß sie auf dem langsamen Kompromißwege mehr erreichen als durch den Dersuch. die Fesseln zu sprengen.

(Nachdruck verboten.)

Sa- SteWmnm.

Venezianischer Roman

bon S. von Adlersfeld.Ballestrem.

21. Fortsetzung

Wie Windmüller es vorausgesehen, enthielt das ifa in Florenz erwartende Telegramm die Nachricht, daß Donna Xenia in Rom wiederum nicht eingetrof- fen war, und damit begann Don Gian eigentlich ium ersten Male eine gewiße Beunruhigung in be- »ug auf seine Schwägerin zu empfinden.

„Es muß ihr in der Tat etwas zugeftoßen fein“, Meinte er unbehaglich.

. „Ich fürchte es auch“, gab Windmüller lako- R!fä zu.

In Bologna stieg er aus, um beim Bahnhofsvor­steher ein zweites und drittes Telegramm, die dort j?uJ ihn warteten, in Empfang zu nehmen. Er gab deide Don Gian zu lesen. Das erste war von dem Minister und teilte mit, daß keinerlei Anzeichen ge­meldet worden wären, die darauf schließen ließen, daß das bewußte Dokument in den Händen oder zur Kenntnis der türkischen Regierung gelangt sei.

„Eott sei Lob und Dank dafür!“ kam es Don «ian dabei aus vollster Seele. „Und doch kann die Wachste Stunde schon das Gefürchtete bringen. Und >4 bin die unmittelbare Ursache dazu!“

..Wie der Blitzableiter, den man vergessen hat zu vergolden, und trotz welchem es nun in die Kirche emschlägt", bemerkte Windmüller und setzte scharf „Verrennen Sie sich nicht in diese Vorstel- !un9, Herr Marchese! Sie sind an der ganzen Sache *° schuldlos, wie ein neugeborenes Kind, und fo- lange Ihr Gewißen Sie von der kleinsten Nachlässifl- re/t freispricht, dürfen und sollen Sie eine solche Last N'cht auf sich laden."

Don Gian seufzte und las das zweite Telegramm, bas Wiudmüller ihm reichte. Es kam von feinem ■“Renten und berichtete, daß in Rom die Unruhe und Besorgnis über das Ausbleiben Donna Xenias 101 Zunehmen begriffen sei, um so mehr, als die

SRorburgtr StMztilung.

Marburg, 15. Gktober (Eilbhardt).

Anmeldung von Spareinlagen.

Von der städtischen Sparkasse wird unf geschrieben:

Auf die wiederholten nichtamtlichen Mit­teilungen, sowie die Bekanntmachung einer Nach- barsparkafse in der „Oberh. Ztg.“ über dietAuf« Wertungsanmeldung von Spareinlagen sei zur Be­ruhigung unsrer Sparer-Kundschaft folgendes mit­geteilt:

Durch die dritte Steuernotverordnung vom 14. Februar 1924 ist zwar die Aufwertung der Spar­einlagen von einer Anmeldung bis zum 31 Dez. 1924 abhängig gemacht. Auch sind durch die Aus­führungsbestimmungen vom 24. Mai und 24. Juni ds. 3s. statt der zuerst vorgesehenen Amtsgerichte die Sparkassen als Anmeldestellen bestimmt wor­den.

Es dürfte aber wohl allseits bekannt sein, daß von allen Parteien des Reichstages, sowie wirt­schaftlichen Verbänden und vor allem dem „Deut­schen Sparkassenverband“ gegen die 3. ©teuernot- vervrdnung Einspruch erhoben ist und Abände­rungsanträge gestellt sind. Der „Deutsche Spar­kassenverband" hat in seinen Anträgen besonders die Beseitigung der Bestimmung über die Anmel­dung von bestehenden Sparguthaben zwecks Auf­wertung verlangt.

Zur endgültigen Regelung dieser Volkswirt» schaftlich sc bedeutenden Frage ist seitens des Reichstages ein besonderer Ausschuß gebildet wor­den, der aber noch zu keinem abschließenden Ergebnis gelangt ist. Bevor aber eine endgül­tige gesetzliche Regelung dieser so viel umstritte­nen Frage nicht vvrliegt, halten Wir es im Einverständnis mit dem Sparkassenverband nicht für angebracht, schon jetzt den Sparkassenkunden

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entsprächen aber dem Willen der Volksmehrheit. Obwohl diese zuerst von den Deutschnationalen be­kämpft worden wären, seien sie doch mit deren Hilfe später zur Annahme gebracht worden, um einer Auflösung des Reichstages vorzubeugen. Ein Bür­gerblock mit Einschluß der Deutschnationalen sei nach außen unmöglich und innerpolitisch wäre da­durch starke Zerrisienheit zu erwarten. Die Sozial­demokratie könne nur mit Parteien zusammen- arbeiten, die auf dem Boden der Republik ständen. Eine Auflösung des Reichstags werde wohl nicht mehr lange zu umgehen sein. Einführung der Schutzzölle bedeute Verteuerung aller. Industrie­produkte und Lebensrnittel, für die kleinen Land­wirte wären die Schutzzölle kein Vorteil. Durch den Einfluß der Sozialdemokratie habe das Siedlungs­wesen nach dem Kriege gute Fortschritte gemacht. Ueberhaupt habe die Sozialdemokratie immer be­wiesen, daß sie in schwerster Zeit das Wohl des Vaterlandes über die Partei stelle. Zu den Abbau­verordnungen bemerkte die Rednerin, daß vor einigen Tagen im Landtag eine Bestimmung ge­troffen worden sei, die besage, daß ohne Genehmi­gung der preußischen Regierung Verwaltungs­beamte nicht abgebaut werden können. Weiter streifte sie die Reichsbahngesellschaft, die Steuer­gesetzgebung, die Kriegsschuldfrage und kam zum Schluß ihrer Ausführungen noch auf die Stellung der Frau zur Politik zu sprechen. Der Vortrag wurde beifällig ausgenommen. — An der Aus­sprache beteiligten sich noch mehrere Herren, woraus die Versammlung gegen 11 Uhr ihr Ende erreichte.

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Aus ten Warteten.

Sozialdemokratische Versammlung. In einer von der Sozialdemokratischen Partei ein- berufenen öffentlichen Versammlung, die einen sehr schwachen Besuch aufwies, sprach am Samstag abend in 'ben Stadtsälen die Landtagsabgeordnete Frau Minna Ege-Berlin über „Bürgerblock, Zollwucher und Auflösung des Reichstages“. Die Rednerin wies eingangs ihrer Ausführungen auf die gegen­wärtige gespannte politische Lage hin. Die Zeit von Versailles bis London sei ein schwerer Leidensweg für das deutsche Volk gewesen. Alle die Opfer der Ruhrbesetzung und des passiven Widerstandes hät­ten vermieden werden können, so meinte die Red­nerin. wenn man die Erfüllungspolitik der Sozial­demokratie unterstützt hätte. Londoner Abkommen und Dawes-Gesetze bedeuteten wohl schwere Lasten,

Der Aulmarjch I

'Had? der sehr geschickten und wirkungsvollen Rede, «n welcher der Generalanwalt 6tr P. HastingS «achwies, daß die Einstellung des Strafverfahrens «egen den kommunistischen Redakteurr Campbell eine dn englischen Staatsleben garnicht ungewöhnliche, von Regierungen aller politischen Richtungen geübte ju- »izpoliüsche Maßnahme gewesen sei, hätte Mac Donald

in der Hand gehabt, entweder ein Vertrauensvotum für sich und sein Kabinett zu erlangen oder doch wenig­stens ein Mißtrauensvotum zu vermeiden. Die Libe- tatet hätten sich ganz gern zurückgezogen, denn sie sehen jetzt ein, daß die Auflösung des Parlaments nichi ihnen sondern den beiden anderen Parteien nützlich fein wird. Lloyd George hat in dieser Sache seine Partei weniger gesührt als verfuhrt und angeführt. Aber Mac Donald wollte fallen. Besser gesagt: er hielt Sie Lage für geeignet, front Wagen abzuspringen, be- dor der Wagen ins Schleudern kam und er etwa ab- geworfen wurde.

Diese Geschicklichkeit deS ersten Labourministers im­poniert allen Parteien. Zaudern und Kleben gefällt dem Engländer nicht, den der Sport zu raschem Ent­schluß erzogen und den Wert eines guten Starts schätzen gelernt hat. Run, Mac Donalds Start für das Wahl- ternten ist gut. Ganz besonders wird die Kürze des Wahlkampfes der Labourpartei zugute kommen. Mac Donald kann auf eben getane Taten Hinweisen, die da» Land noch nicht vergessen hat: Londoner Konferenz und Genfer Abrüstungsprotokoll. Auf diese außen­politischen Erfolge stützt sich der Wahlaufruf der Ar­beiterpartei und vergißt auch nicht, den Vertrag mit der Sowjetregierung, der dem Parlament noch nicht eorgdegen hat, als außenpolitischen Erfolg zu rühmen. In den inneren Angelegenheiten verspricht bas Ar» beiterprvgramm hauptsächlich der Landwirtschaft eine Desserung ihrer Lage. Man hofft, diesmal einige landwirtschaftliche Bezirke zu erobern. Labour weiß sehr genau, daß eine Arbeiterregierung. welche nicht die Bauern auf ihrer Seite hat. niemals lebensfähig seit kann. Bemerkenswert ist, daß die Arbeiterpartei zwölf Frauen nominiert, von denen nur drei dem letzten Parlament angehört haben, und daß Mac Donalds Tochter in den Wahlkamp? zieht, um einen Parlaments­sitz für ihren Bruder zu erobern, der augenblicklich im Ausland weilt.

Reben der Arbeiterpartei hegen die Konservativen gute Hvfinungen für eine starke Vermehrung ihrer Stimmen. 2hr Haupttrumps besteht darin, den Arbei­tern vorzuhalten, daß die erste Arbeiterregierung ja garnichts für die Arbeiter erreicht habe. Freilich kann Mac Donald da nur sehr bescheidene Leistungen auf- weisen und garnichts. was sozialistischen Charakter trägt. Die zustandegekommenen Gesetze zur Linde­rung der Wohnungsnot und zur Verbesserung des Lose- der landwirtschaftlichen Arbeiter hätte jede bür­gerlich«, etwas sozial gerichtete Regierung — und das sind heute alle in England — wohl ebenso gut gemacht. Aber die Arbeiter wissen, daß ihr Führer an der Spitze eines Minoritätskabinetts stand und, daß er mit gebundenen Armen schassen mutzte. Dom Protektio­nismus ist diesmal int konservativen Wahlaufruf keine Rede. Die Konservativen erinnern sich noch des Un­heils »welches diese Parole ihnen bei den vorjährigen Wahlen gebracht hat.

Die Liberalen scheinen für sich am allerwenigsten Dt>nt Wahlkampf zu erwarten und werden wohl auch am allerwenigsten davon haben. Freilich wird Lloyd George England durchrasen und überall feine virtu- vsen Trommelwirbel erschallen lassen. Die Liberalen rühmen sich auch, über den größten Wahlfonds zu ver­fügen. Lloyd George ist bekanntlich ein Freund des Krieges mit silbernen Kugeln. Aber der große Tam- bourmajor genießt nicht mehr das Vertrauen des Landes. Man hat ihn schon an zuviel Stellen gesehen. Sie Liberalen schmücken ihr Programm mit einem großen geschäftlichen Plan: die Kohle soll unmittelbar

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Mühe und Wege zu verursachen, vielleicht auch tret* ftühtc Hoffnungen zu erwecken und den Sparkas- sen eine vielleicht unnötig« erhettiche Mehr­arbeit aufzubürden. 4

Sobald die gesetzliche Regelung der Aufwer» tungsftage endgültig feststeht, werden wir teichst unterlassen, durch öffentliche Bekanntmachungen' unsre alt« Einlegekundschast von allen erfordert liehen Maßnahmen zu unterrichten. |

*PostverkehrmitdembesetztenGe- biet. Nach Errichtung der Zollgrenze zwischen dem besetzten Gebiet und dem unbesetzten Deutsch­land sowre Einführung des Binnenzolls durch diq Besatzungsmächte sind die Postbenutzer vielfach dazu übergegangen, die Waren nicht mehr in Pa­keten zu versenden, sondern in Päckchen unü Warenproben zu verteilen, um dem hohen Paket-- zoll zu entgehen. Die große Zahl der umfang­reichen Briefsendungen belastet die Bahnpvsten und die Zusteller in übermäßiger Weise und bt» hindert die glatte Abwicklung des Briesverae^rs. Rach Aufhebung der Zollschranke ist es wirtschaft­licher .wieder zu der früheren Versendungsart z-l- rückzukehren, weil eine Verteilung von Waren in Päckchen und Warenproben höhere Verpackungs­kosten verschlingt und weil auch die für die Einzel» sendungen aufzuwendenden Gesamtgebühren in vielen Fällen die Paketgebühren erheblich über­schreiten. Auch die Inhaltsangabe auf den Sen» düngen und Paketkarten ist nach Wegfall ? er Zoll­schranke nicht mehr erforderlich.

’ Ordnungsmäßig« Zugheizung. Für die ordnungsmäßige Heizung der Züge sind di« nötigen Vorkehrungen bei der Reichsbahn getiof» fen. Fernzüge, die wegen ihrer Länge bon der Lokomotive aus nicht ausreichend geheizt werden können, erhalten nötigenfalls Heizkesselwagen. Di« Heizeinrichtungen müssen gut unterhalten werden. Für deren Bedienung soll das Personal ordnungs­mäßig arsgebildet und unterrichtet werden. Di« Teilnehmer an diesem Unterricht müssen mit de» Einstellen der Ventile und mit den sonstigen Hand­habungen vertraut fein. Vor allen Dingen müssen die Schläuche vorsichtig entkuppelt werden. Da- Vvrheizen wird der Luftwärme entsprechend durch- gefiihrt und überwacht. Zuglvkomotiven müssen da- sü' zeitig bereitgestellt werden. Zugbegleiter und Dahnhosbedrenstet« werden für die Schließung der Fenster bei Kälte verantwortlich gemacht.

* $ i e neuen Gold- und Scheidemün­zen. liebet die Gestaltung der neuen deutschen Währung werden jetzt folgende Einzelheiten be­kannt: Die neue deutsche Währung ist zwar noch keine Goldwährung, -aber die Papiermarkgeldzeichetz werden durch Umtausch von 1 Billion Papiermat» gegen 1 Reichsmark in kurzer Frist verschwinde« Die neue Reichsmark erscheint mit dem gleicher! Goldgehalt wie die frühere Mark. Die neuen Reich«: Marktraten werden zu 40 v. H. durch Gold und Gold devisen gedeckt sein, also eine beträchtlich höhere Deckung als die frühere Dritteldeckung besitzen Die neuen Reichs - Goldmünzen in Stücken m 10 und 20 M, die neben den neuen Reichsmarknoter in Stücken van 10. 20, 50,100, 500 und 1000 <M aus gegeben werden, gelangen bis auf weiteres nichl in den Verkehr. Die umlaufenden Renten, markscheine sollen in-y.erbalb der nächsten 10 Jahrs

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59. Mrs. 1924