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Die Zweihundertjahrfeier des ' Militärwaisenhauses in Potsdam.

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59.860.1924'

Marburg n. 8., Mtttws», den 15. Oktober

Ws Jettrms

Anzeiger für Ws Mer hirWbe) SberSMn - Mtliches LerkündigmgsblM des Kreises Marburg

Vorbereitung.

landrsverwiese«.

Wie aus verläßlicher Regierung die San« steckbrieflich verfolgte,»

Schulze-Förster beschlossen.

D« ««zelge»pret, beträgt für de» 10 gesp. Zett«n»illi»et« 0,08 SoIbmatL Amtlich« mb ameirtige «eigen 0,10 «». marf. Bei schwierige» Satz, l»wte o. Platzvorschrtft«»S0°/, Ansschlag. Sawwelanzeigm 100/, «affchiag. Rekla»«» 0,35 $o(b*. 3tb«t Rabatt gilt al, ««rabatt u»d versäUt, wem di. Zahlung Iptitt al, 5 Tage «folgt Beleg« werd.» berechne^ »denso Auskunft durch dl« Lefchaftsftell« und Zuseudung b« Angebote Srfillmgiort Marburg, 1 E.-Mk. to|# Doll«

mehrer« Gefechten stegreich gewesen und hab« ihr« Vormarsch fvrtgefetz.

Mn wetteret Telegramm besagt, bah in offiziell« Ureis« erklärt werd«, General Primo de River« habe nicht die Absicht, dieser Lage nach Madrid zurück« zukehren. Sr werd« vielmehr so lang« in Warokk» bleiben, als es notwendig sei.

deutschen Regierung ist in

Schulze-Förster wird

D u d v p e st, 14. Oft. Quelle verlautet, hat die desverweisung des

Re AMrsmmg ter EMrgttmrrtor

Berlin, 14. Oft. Die Rote der unga­rischen Regierung über die Ausliefe­rung von Schulz ist, wie den Zeitungen mitge- teilt wird, jetzt hier eingetroffen. Die Ausliefe­rung wird mit der Begründung ad gesehnt, daß es sich um eine politische Straftat handelt. TS wird dabei auf die Stellungnahme der deutschen Regierung zur Frage der Auslieferung der Tisza» Mörder Bezug genommen. Eine Antwort der

Sie MM in Rekta

London, 14. Okt.Daily Chronicle" berich­tet aus Dschidda, daß Mekka gestern von starken Streitkräften der Wahabiten umzingelt und von Dschidda abgeschnitten wurde. Das Wahabiten- heer steht, wie berichtet wird, unter dem Befehl des Sohnes von Ibn Saud, des Sultans von Rejb. Der König Ali, der neue Monarch der Hedschas, habe sich mit seinen Streitkräften von Mekka auf einen Punkt Halbwegs Dschidda zurüi^gezogen. Wie gemeldet wird, ist die Lage in Mekka furchtbar. Wilde Banden hätten dort am Sonntag Abend den königlichen Palast geplündert und andere Ausschreitungen begangen.

Der Berichterstatter desDaily Chroincle" hatte eine Unterredung mit dem Präsidenten des Rats der Rotabeln in Dschidda, einer führenden Persön­lichkeit des Landes, der ihn bat, Großbritannien anzuflehen, zu intervenieren, nicht zu Gunsten der einen oder anderen Partei, sondern um den Frieden aufrechtzmerhalten. Der Prä­sident erklärte, sicher habe Großbritannien die Perantwortung dafür, was stattgefunden habe und stattfinde. Es habe den König Hussein auf den Thron gesetzt und könne jetzt nicht beiseite stehen und sehen, wie das Chaos sich entwickele.

London, 14. Okt. Reuter meldet aus Dschid­da, über die Lage in Mekka lasse sich nichts Ge­naues berichten. Da die telegraphischen Verbin­dungen unterbrochen waren, weiß man nicht, ob die Wahabiten in die Stadt eingedrungen sind. König Ali gibt bekannt, daß er die Regierung vorläufig nach Dschidda verlegte und mit allen Truppen Mekka verließ, um ein Blutvergießen zu vermeiden. Hussein hat ebenfalls die Stadt ver­lassen.

fk. London, 15 .Okt. Eine Meldung aus Dschidda besagt, daß der ehemalige König Hussein gestern vormittag Hedschas in Begleitung seines Harems verlassen habe, ohne daß die Bestimmung seines Schiffes bekannt geworden fei. Eine wei­tere Meldung aus Dschidda besagt, daß die tele­graphische Verbindung mit Mekka unterbrochen fei, und daß man nicht wisse, ob die Wahabiten die heilige Stadt genommen haben.

fk. Wien, 15. Okt. Aus Pretzburg roh. »» meldet, der deutsche Reichsangebörige, Bi s ch o s f s k y, der unter deck Verdacht verhaft wurde, mit dem Mörder Erzbergers, Tillesse identisch zu sein, wurde einem neuen Verhör unv J* zogen, in dessen Verlauf er gestand, daß er a '** Mitglied der Geheimorganisati, ,at dem Attentat nahe ge st an den ha unddaßersichTillessenge-nannthai * Jede weitere Antwort lehnte er ab. Am Abe wurde dos Verhör fortgesetzt. Der Verhaftete klärte, mit dem Mörder Tillessen identisch zu s fügt aber gleichzeitig hinzu, daß es einen Man.» mit diesem Namen überhaupt nicht gäbe. Er hab« den Namen angenommen, als er aber hörte, daß

Ar SehrimaN« ton tofofflt»

München, 14. Okt. DieMünchner ReuestenNach richten", der hannover­sche Kurier" und dieLeipziger Neue­sten Nachrichten" setzen heute ihre Veröffent­lichungen aus den Geheimakten von Versailles mit einem Kapitel fort, das die schweren Kämpf« umdiefürDeutschlandbesondersroich. tigen Grenz- und Abstimmungssra- g e n in Versailles beleuchtet. Die Gegensätze zwi­schen den europäischen Siegerstaaten und Wilsons Programm des Selbstbestimmungsrechtes der Völ­ker kamen besonders scharf in der Sitzung de. Obersten Rates vom 31. März 1919 zum Ausdruck, in der Wilson u. a. erklärte, die Großmächte müß­ten ihren Verbündeten sagen:Es st uns unmög­lich, territoriale Abgrenzungen zu garantieren, die wir nicht für gerecht halten, und wir können uns nicht dazu verstehen, Elemente der Unordnung weiter bestehen zu lassen, die nach unserer Mei- nung den Weltfrieden stören könnten." Wilson trat dann noch für die Rechte der Minoritäten ein und führte aus, daß sich die Großmächte keiner unzulässigen Einmischung in die inneren Ange­legenheiten der neugeschaffenen oder stark ver- größerten kleineren Staaten schuldig machten, wenn sie an diese solche Forderungen stellten. Wo die Macht sei, müsse auch die Sorge für die Auf- rechterhaltung des Friedens sein. Am folgenden Tage erklärte Lansing zu einem Vorschlag Cambons, der eine Veränderung der Grenzlini« zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei zur Verbesserung der militärischen Lage des neuen Staates in der Gegend von Glatz betraf, die ameri­kanischen Delegierten müßten es im Prinzip ver­werfen, eine Grenzlinie auf Grund strategischer Rücksichten zu ziehen. Auf Einwendungen Cam­bons erklärte Lansing, daß die Ziehung einer Grenzlinie unter dem Gesichtspunkt der nationa­len Verteidigung ober der militärischen Sicherheit dem Geist eines Völkerbundes ganz und gar widerspreche, ebenso dem Plan einer internationa­len Entwaffnung und der ganzen Politik der Ver­einigten Staaten. C a m b o n beharrte demgegen­über auf seinem Vorschlag einer Verkleinerung des deutschen Glacis von Glatz mit der Begrün­dung, daß die Kommission zur Abgrenzung der Tschechoslowakei nicht ethnologische Rücksichten allein ihrem Vorschlag zu Grunde legen konnte. Auch bei der Besprechung des Schicksals eine» ganz von Deutschen bewohnten vorspringenden Winkels des alten Böhmen machte Lansing darauf aufmerksam, daß dieser Abschnitt von 90 000 Deutschen und gar keinen Tschechen be­wohnt sei. C a m b o n erklärte, die Kommission habe nicht geglaubt, das freiwillige Geschenk eine» Bevölkerungszuwachses an Deutschland empfeh­len zu können, weil man so einen Präzedenzfall für die Zuteilung der Deutschösterreicher Böhmen» an Deutschland schaffe. Auf die Frage Lan­sings, ob die Kommission nicht für eine Volks­abstimmung in dieser Gegend sein würde, er­widerte der Franzose P i ch o n, daß das Ergebnis einer solchen Volksabstimmung fein würde, daß die Tschechoslowakei sich erheblich verkleinert fin­den würde. Lansing bemerkte:Das scheint mir kein genügender Grund, um eine Ungerechtig­keit zu rechtfertigen." Laroche und P i ch o n widersprechen mit dem Bemerken, daß hierin keine Ungerechtigkeit liege und daß Frankreich nicht in der Lage fei, von den Gesichtspunkten der nationalen Verteidigung abzusehen.

London. 14. Okt. DieTimes" berichtet, daß die türkische 2lntwort auf da» britische Ultimatum vom letzten Donnerstag, in dem die unverzügliche Zurückziehung der Streitkröste ge» fordert werde, die in das britische Mandatsgebiet in Mesopotamien eingedrungen feien, im Foreign Office sorgfältig geprüft werde. Man könne nicht sagen, daß die türk sche Note jede Hoffnung auf eine friedliche Regelung, die für beide Teile be­friedigend wäre, zer töte. Die britische Regierung werde jedoch wahrscheinlich erklären, daß die von Angora angeführten Beweisgründe nicht ange­nommen werden könnten.

London, 14. Okt. DieTimes" berichtet aus Konstantinopel: Soweit dort bekannt, fand keine neue Entwicklung an der mesopotamischen Front statt. Die Tatsache, daß bisher keine Feind­seligkeiten vorgekommen sind, sei natürlich ein gutes Zeichen. Andererseits wisse man aber nichts über den Inhalt der Note des britischen Kommandanten und die Antwort des ört­lichen türkischen Befehlshabers. Die Einbe- ruf ung der großen Nationalver­sammlung, die, wie man erwarte, am Mitt- woch in Angora zusammentrete, werde von eini­gen Seiten als entmutigend angesehen, nicht nur, well sie die Fortsetzung der Krise bedeute, sondern auch, weil zu befürchten sei, daß, wenn die Abge­ordneten die endgültige Entscheidung zwischen Frieden und Krieg zu fällen hätten, allzufreie Hand gelassen würde, sie weniger gneigt fein wür­den, seine ebenso ruhige Ansicht wie die Regierung zu vertreten. Die türkische Presse verhalte sich im allgemeinen ruhig. Die Mehrheit der Blät­ter drückt die Hoffnung aus, daß die Differenzen in freundschaftlicher Weise beigelegt werden.

SN Sürgtrfrftg in Wim

Paris, 14. Oft. Havas melde: aus Peking: General Wu-Pei-Fu, der Führer der Regierungstrup­pen, hat erklärt, daß die Stellung der Nvrdfront be­friedigend sei. Die Rachricht aus Mulden, nach der die Streitkräfte TsangtsolinS Schanghaikwan und Schangtav beseht hätten, wirb in Peking demen­tiert. Eine weitere Meldung aus Schanghai besagt, daß der Krieg zwischen den Truppen von Kiangsu und Tschekiang vollkommen beendet sei. Es seien Derhand» lungen im Gange, um die Wiedereinsetzung der Kon­trolle und der Derwaltung von Schanghai einzurichten. Einflußreich« chinesische Unterhändler hätten den Tru» pen von Kiangfu empfohlen, in ihren gegenwärtigen Stellungen zu bleiben.

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Ar Wmvkr in Rmrllo.

Paris, 14. Okt. Havas berichtet aus Madrid: Amtlicher Bericht über die Lage in Marokko: Zwei Abteilungen find in der Zone von Laralch in

bisher besetzten Grenzen festzuhalten. Di« au» diesem Konflikt sich ergebende Krise bat bereit» zur schleuniaen Einberufung der türkischen Ratio- nalocrfammiung geführt. Es ist kaum anzuneh­men. daß die Türkei sich in dieser Frage, beten Entscheidung über da» unmittelbare Interesse hin» au» eine Prestigeangelegenheit im Islam ist, sich dem englischen Standpunkte fügen wird.

Berlin, 14. Oft. Der Abgeordnete Dr. Böhme. Geschäftsführer deS Deutschen Bauernbundes, ist aus der demokratischen Partei und damit au8 der demokratischen De'chstagsfraktion ausgeschieden. Sr hat sich, wie wir hören, der Reichstagsfraftion der Deut­schen Dolkspart et angeschlossen.

Ar Furcht tot tot Entscheidung

Die Zentrumsfraktion des Reichstages hatte die gewünschte Vertagung bis Dienstag bewilligt erhalten; «nd am Vormittag war sie auch fast vollzählig ver- sammelt. Aber die Klärung der Geister war durch dte Jubiläumstagung der christlichen Gewerkschaften wie tznan ja auS den Berichten über diese schon ersehen konnte, in keiner Weise gefördert worden. Di« Frage lautete: Rechtskoalition oder Auflösung? Und die Antwort: Laßt doch lieber alleS, Wie eS ist! Natürlich einstimmig. Denn alle Zentrumsleute legen Wert aus den Fortbestand ihrer Partei. Das Schlimme ist nur. baß hiernach garnicht gefragt war. Alle Welt wußte längst, wie gern das Zentrum eine »Schonzeit" für da» gegenwärtige Reichskabinett durchgeseht hätte zum mindesten bis zum 20. Januar; aber die Deutschnatio­nalen haben das durchweg abgelehnt. und die Dolks- partei hat sich diesem Standpunkt angeschlossen. Hier- nach konnte das Zurückkehren des Zentrums zu seiner eiten Liebe nur als ein taktischer Schachzug angesehen werden, dazu bestimmt, die fatale Entscheidung über die Rechtskoalition noch einmal für kurze Zeit hinaus» zuschieben. Äber um diese wird da» Zentrum nicht herumkommen. Die »indirekte" Ablehnung des Staots- bürgerblocks durch den Beschluß vom Dienstag vor­mittag (der doch nur ein »Vorschlag zur Güte" ist) wird man nicht gelten lassen, sondern eine direkte >md eindeutige Antwort verlangen.

Sle toulftbc Anleihe

Echt amerikanisch.

N e w y v r k, 14. Okt. Die Subskription auf bie beutfch e Anleihe würbe 12 Minuten nach ber Eröffnung bet offensichtlich starker Ueberzeichnung geschlossen.

N e w y o r k, 14. Okt. An ber heutigen Fondsbörse wurde bas erste Geschäft in deutschen Anleihen über 5000 Dollars zu 94,18 Prozent und das zweite Geschäft über 50 000 Dollars zu 94,25 abgeschlossen.

Berlin, 14. Okt. Von der Deutschen Anleihe von 800 Millionen Gvldrnark sind 110 Millionen Dollar von Amerika und 24,5 Millio­nen Pfund von Europa übernommen worden, was etwa 790 Millionen Goldmark ent­sprechen würde. Es würden daher 10 Millionen Golbmark für die deutsche Emission übrig bleiben. Die amerikanische Quote wird mit 105 zurückge- Zahlt, die europäische mit 100. Wegen des Dis­agios von 10 Prozent des englischen Pfundes ge­genüber dem Dollar ist eine Konvertierung nicht möglich.

Reuwhork, 14. Okt. Die Nachfrage nach der Deutschen Anleihe war so groß, daß einige bedeutende Firmen, die Zeichnungsstellen waren, sich gezwungen sahen, jede weitere Zeichnung abzulehnen, weil der aus sie entfallende Anteil bereits verkauft war. An der Fondsbörse wurden annähernd 350 000 Dollar zu 94% bis 92/s Prozent umgesetzt.

London, 14. OKt. Der City-Redakteur der Mormng Post" schreibt: Sowohl die politischen als auch die allgemeinen Angelegenheiten feien gestern durch bie Uebernaljme des britifchen An­tens an der deutschen Anleihe in den Hintergrund gedrängt worben. Zahlreiche Uebernehrner Hütten sich bereiterhldrt, ben Absatz eines größeren $e= träges ber Anleihe zu gewährleisten als ihnen an- geboten worden ist. Dies vermehre den Eindruck, daß die Anleihe bei ihrer Unterbringung bei den größeren Uebernahme-Instituten eine sehr gün- fttge Aufnahme sand. Berichte aus Newyork be­sagten, baß ber amerikanische Anteil der Anleihe sehr rasch aufgenommen worden sei, und zwar trotz der Tatsache, daß der amerikanische Anteil dop­pelt 10 groß wie ber englische sei. Es bestehe Grunb zu ber Annahme daß bie englische Ausgabe einen ähnlichen Erfolg erzielen werde wie bie amerikanische.

_.fh. Rewyork, 15. Okt. Wie von zuver­lässiger Seite mitgeteilt wirb, ist die deutsche An- leihe mit mehr als 500 Millionen Dollar über­zeichnet worden.

DieTimes" weist darauf hin, daß auch der britische Anteil überzeichnet werden wird. Die finanziellen Vorzüge der deutschen Anleihe steht tm auffälligen Gegensatz zu den Nachteilen des russischen Anleiheprojektes Mac Donalds.

fk. London, 15. Okt. Die Blätter ver­öffentlichen heute den Prospekt des britischen An­teiles an der deutschen Anleihe unter Beifügung der Erklärung des Finanzministers Dr. L u t h e r über den Zweck und die Sicherheit der Anleihe.

fk. London, 15. Okt. Kolonialminister Thomas hielt gestern abend in London eine ^606, in der er sagte, heute früh hätten im Irak Ereignisse statt gefunden, die für die Regierung sehr beunruhigend seien. Soweit es in der Macht ber britischen Regierung stehe, werde alles versucht, um einen Krieg abzuwcnden.

Cietiitfiitoe Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 Mark ausschlietzlich Zustz Mir Durch di« Post 2,25 Mk. Für ausfallende N» nmetn infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. »-nDrE pitzeroth. Druck der llni».-Buchdruckerei von Joh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernspr. 55, Postscheckkonto Amt Frankfurt a. Main.

Berlin, 14. Okt. Die für DiSnstag vor­angesetzten Führerbesprechungen litionsparteien konnten nicht ftattfinben, da die entscheidende Fraktionssitzung des Zen­trums, an der auch der Reichskanzler teilnahm, erst heute vormittag um 10 Uhr begonnen hat. Die demokratische Fraktion hat ihre Sitzung erst für nachmittags 2 Uhr, die Deutsche Volkspartei die ihrige für 4 Uhr angesetzt. Mit dem Zustande­kommen einer Besprechung ber Führer ber Koalitionsparteien rechnet man erst für heute abenb. Vor ber Fraktionssitzung des Zentrums stn Reichstage hatten heute die demokratischen Ab­geordneten Dr. Haas und Erkelenz eine Besprech­ung mit dem Zentrumsabgeordneten Febrenbach, in der die ersteren nochmals betonten, daß die demokratische Fraktion den Bürgerblock nicht mitmachen werde.

Der «eW&fiW SrgeiM

Die Zeiten, da man Gebiete, die unter türki­scher Oberherrschaft ober Scheinherrschast stehen, im Kreise ber Weltmächte ohne weiteres als Aus- beutungs» unb Tauschobjekt für internationale In­teressenstreitigkeiten Dritter ansehen konnte, sinb vorüber. Bereits bei ber Konferenz in Lausanne hat es sich herausgestellt, baß die neue Türkei nicht daran dachte, sich mit irgendwelchen Schein­zugeständnissen absinden zu lassen. Die damals wegen der Unmöglichkeit einer alsbaldigen Ver­ständigung ausgeschaltete arabische Frage hat nun­mehr in ihrer augenblicklichen Entwicklung sich außerordentlich zugespitzt. Die Türkei hat getan, was Staaten, bie über Macht verfügen, in ähn­lichen Fallen stets zu tun pflegen, sie hat einmar- fchieren lassen. An ber türkischen Südostgrenze an der Nordgrenze des Irak ist der türkische Machtbereich vorgeschoben worden. England ver­langt bie Rückgängigmachung bet türkischen Truppenbewegungen, die Türkei scheint geneigt zu sein, den weiteren Vormarsch einzustellen, aber die

Eine Entschließung der Demokraten.

Berlin, 14. Okt. Die demokratische Reichstagsfraktion hat einstimmig fol- genbe Entschließung angenommen: Die demokra- vsche Reichstagsfraktion ersucht den Reichskanz- kr, weitere aussichtslose Verhandlungen über bie Benberung der Regierung nicht mehr zu führen tmb vom Reichstage zu verlangen, daß er der Re­gierung ermögliche, die Außenpolitik fortzusetzen und zum Ziele zu führen, die sie zur Befreiung de- deutschen Landes und zur Aufrichtung der deutschen Wirtschaft in die Wege geleitet hat.

Berlin, 14. Okt. Die Reichstagsftaktion der Deutschen Dvlkspartei veröftentlicht folgende Srtlarung:

Berlin, 14. OKt. Die Zentrumsfraktion des Reichstages gab am Schluffe ihrer heutigen Rach» mittagssitzung folgenden Beschluß bekannt:

Nachdem die Beibehaltung der gegenwärtigen Regierung, die da» Zentrum einmütig gewünscht hatte, abgelehnt wurde, erklärt die Zentrumsfrak­tion ihre Bereitwilligkeit, einer Erweiterung der Regierung nach rechts auf dem Boden der vom Reichskanzler aufgestellten Richtlinien zuzustim­men, falls die Demokraten auch in der Regierung verbleiben.

Dio Reichstagsfraktion der Deutschen Volk-Partei in ihrer Sitzung vom 14. Oktober von den De» wluifen des Zentrums und der Deuischen Demokra- Vchcn Partei Kenntnis genommen; sie kann diese nur eine Ablehnung der Zustimmung ;u einer Rechts- utveckerung der Reichsregierung auffaiscn. Die Deut» Dolksparte! ist nach Prüfung der hierdurch ge» Offenen Lage einstimmig zu dem Ergebnis gelangt, ®* ihrer bisherigen Stellungnahme festzuhalten. Dir ^reusfetzungen, die gemeinsam mit dem Zentrum und Deutschen Demokratischen Partei für die Zuziehung , Deutschnationalen Dvlkspartei nach den Maiwahlen ausgestellt wurden, sind erfüllt. Die vorbehaltlose Qln- M)tne der Richtlinien der Reichsregierung als geeig- ?;?w Grundlage für die Regierungserweiterung durch DerhandlungSführer der Deutschnationalen Volks- die Beibehaltung der Kanzlerschaft und des uswärtigen Amtes durch bewährte Führer ftnb Bürg- k^often für 'Fortführung der bisherigen Außenpolitik bei Zuziehung der Deutschnationalen Dollspartei. «Tz* Zuziehung ist zugleich ein« Notwendigkeit staat- "onsolidierung und parlamentarischer Gesundung, e Koalition ist infolge ihrer nummerischen Schwäche einer parlamentarischen Krise in die andere geraten, jy? Fortführung bietet keine Gewähr für «ine Der- ri-ung dieser Krisen. Die bisherige KoalitionSregie- . ® ^fürde tm Gegenteil mit Sicherheit binnen kurzem E'In. ,01)6,1 ber deutschen Außen» und Innenpolitik Verwicklungen geraten. Die , h°lt infolgedessen die Fortführung

Z^.1^"'°^regierung praktisch für un» tilgen «ihm««, $ au8 6er derzeitigen parlamenta»

»ur Fortführung ihrer

Z^aben ergeben. Don dreien Gesichtspunkten ist die - ^ei ihrer bishm-igen Haltung ausgegangen Aus : Gründen hält sic an ihrer Auffassung fest.

Das Zentrum für bie bisherige Regierung.

Berlin, 14. Okt. Die Zentrumsfrak­tion hat folgenden Beschluß gefaßt: Nachdem bie Versuche zur Erweiterung ber Koalition nach rechts unb links leider gescheitert sinb, ist die Fraktion einmütig ber Auffassung, baß mit Rücksicht auf bie gegenwärtige politische Lage bie bestehende Regierung beizubehalten ist. Wie hierzu verlautet, ist dieser Beschluß e i n ft i m m i g ohne Stimmenthaltung angenommen worben.