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Marburg o. 8., Mittwoch, ben s. Oktober
von
RönnefeldfsTee!
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Don Glan sah mit fieberhafter Spannung zu,
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Ser SuWebrerlag in Rmbws.
Es lag wie ein Bann über der Versammlung junger Menschen, die sich am Sonntag im großen Hörsaal Les Landgrafenhauses zusammengefunden hatten. Not, bitterste geistige und materielle Not brannte auf ihrer Seele, wartet doch der größte Teil von ihnen nicht nur schon drei, vier und mehr Jahre auf endliche Einstellung in den erwählten
Lichtung, bie dem in alter wie in heutiger Zeit treube- v-äbrten Grundgedanken des Kriegesvereinsroesens nur dienlich sein kann.
F. I.
(Nachdruck verboten.) SÄ Mlizimmtt.
Venezianischer Roman
E. von Adlersfeld-Balle st rem.
16. Fortsetzung
SnivtrWlÄmiid Marburg.
Daß die Easfeler Ortsgruppe des Äniversitätsbundes Marburg auch für den kommenden Winter eine rührige Tätigkeit entfaltet, geht aus nachfolgenden Mitteilungen dortiger Blätter hervor. Es heißt da u. a.:
Marburg, welche Fülle freudigster Widerklänge löst dieser eine Name in ungezählten Herzen aus! Sei es bei einem Hessensprosse, in dem die gelchichllichen Er- inneruugen aufleuchten, und der in warmer Heimatsliebe der oberhesstschen Heimat gedenkt, sei es bei irgend einem Wanderer, der einst auf fröhlicher Fahrt Rast machte an den grünen Äsern der berggekrönten Lahn. Jeder, der einmal einen *tBIirf auf das eigentliche alte Marburg richtete, wirb sich dieses köstliche Bild unvergeßlich eingeprägt haben. Da liegt sie, von einem Felsen aufragend, die altehrwürdige Philipps- Äniverfität, überkrönt von dem staatlichen Echlrß- bau. Seit nunmehr faß vier Jahrhunderten ein Wahr- zetchen Marburgs, und während derselben Zeit nicht allein ein Quell der Weisheit für die vielen Söhne des Hesfenlandes. sondern auch der Ausgangspunkt bedeutenden Schaffens für zahllose junge Leute des weiten deutschen Daterlandes. Was Marburg für Deutschland bedeutet, ist kurz gekennzeichnet durch Namen wie Adam Kraft, Johannes Feige, Johann Krocius, Dionysius Papin. Christian Wolf, Emil von Behring und durch viele andere mehr. Daß aber unsere Heimatsuniversität gewillt ist, ihren guten wissenschaftlichen Rui zu wahren, das kann ein jeder erkennen, der aufmerksamen Auges jene Gebäude betritt, die der Universität ange- gliebert sind. Die schwere Zeit des Weltkrieges ging auch nicht spurlos an Marburg vorüber. Der Staat konnte die wistenschaftliche Arbeit und Forschung nicht allein mehr genügend unterstützen, weil ihm die Mittel dazu fehlten, doch es fanden sich Ende 1920 Männer der praktischen Arbeit und der Wissenschaft, um sich im Äniversitätsbund Marburg zu einer wissenschastlichen Tatgemeinschaft zu vereinigen. Aufbauarbeit sollte geleistet werden. Warme Herzen und offene Hände schufen für die Wissenschaft die Mittel, deren fie bedurfte, bis die Zeit der Inflation alle Anstrengungen vergeblich zu machen schien. Aber dennoch konnte Marburg durchhalten. Wichtige wissenschaftliche Arbeiten wurden gefördert. bringend nötige Instrumente gekauft und andere Neuanschaffungen gemacht, damit die Forschungsarbeit an die Lehrtätigkeit nicht unterbrochen würden. Allein auch heute noch bedarf es größter Anstrengungen und Opfer, um bie Arbeit Warburgs in gesicherten Dahnen zu erhalten. Deshalb hat es sich die Bundes- gruppe Cassel des Ä n ir e r s i t ä t sb u n b e s Marburg zur Ausgabe gestellt, im Winterhalbjahr 1924 /25 durch regelmäßige Bor träge die Fühlung zwischen der Heimatsuniverfität und der Bevölkerung zu pflegen und durch Vorträge erster Vertreter der Wissenschaft die Erkenntnis von der Bedeutung Marburgs in die weitesten Kreise zu tragen. Diese Wintervorträge werden eröffnet durch eine Vorlesung von Geheimrat Prof. Dr. Troeltsch-Marburg über ..Ziele und Ausgaben des Äniversitätsbundes" am 10. Oktober, nachmittags 5 Ähr im Hörsaal der Landesbibliothek. Die weitere Reihenfolge der Wintervorträge ist: Am 10. Oktober 1924: Prof Dr. Stengel: .Geschichtliche Grundlagen der französischen Rhe'n- politik", am 14. November 1924: Prof. Dr. Häpke: „Deutschlands wirtschaftliche und soziale Probleme 1914—1924“ (mit Lichtbildern): am 12. Dezember 1924: Pros. Dr. Genzmer: „Selbstverwaltung. Parlamentarismus und bürgerliche Freiheit": am 9. Januar 1925: Prof. Dr. Schäfer: „Realivität und Gravi- tation"; am 13 Februar 1925: Geh Rat Pros. Dr. Donhoff: „Die Mendelschen Spaltungsgesetze": am 13. März 1925: Geh. Rat Prof. Dr. Elster: „Die Nibelungendichtung Hebbels und Richard Wagners".
Blendwerk — Pfifferling ist nämlich mein Fakto- 1 um, zu dem er sich aus eigener Machtvollkommen- Ijeit gemacht hat. Er führt mit mir das alte Märchen von Sintbad, dem Meerfahrer, auf.'indem er den Meergreis nimmt, den er nicht mehr los werden kann. Aber erfängt an, sich zu machen, was feine bescheidene Mitwirkung an meiner Arbeit betrifft — zum Diener hat unser Herrgott ihn Werk! in seinem Zorne rverden lassen.“ I D-
Don Gian folgte seinem Wirte mit unwillkiir- lich erwachter Aufmerksamkeit in das Gemach, das er als sein Arbeitszimmer bezeichnet hatte. Es war mehr eine Bibliothek, denn die Wände waren mit Bücherregalen bis auf Manneshöhe bedeckt und zuoberst mit allen nur möglichen Gegenständen bestellt: Büsten, Basen, antiken Fragmenten: Gemälde wechselten in zwangloser Reihe miteinander ab, aber in dem ganzen Arrangement verriet sich der wohlgeschulte Liebhaber, der seine Scyätze nicht wahllos hier aufgestapelt. In der Mitte des schönen großen Raumes stand ein großer, kostbarer Schreibtisch von Boule, bedeckt mit Papieren, Aktenfaszikeln, Büchern, und auf der ledernen Mappe mit dem davorgeschobenen Lehn- essel, einem Prachtstück des Cinquecento, lagen .wohlgeordnet die eingelaufenen Briefe und Telegramme.
Windmüller bat seinen East, vor einem leeren eingelegten Tisch in der einen Fensternische Platz zu nehmen, und setzte sich dann selbst vor seinen Schreibtisch, um die Depeschen zu durchfliegen, die er nebst dem einen markenlosen Briefe mit einem Stück orientalischen Jaspis beschwert neben sich hinlegte, und Don Gian, der ihm mit unverhohlen brennendem Interesse zusah, machte die Beobachtung, daß sein Wirt während dieser mit Methode betriebenen Beschäftigung sehr nachdenklich aus- äh, als ob ihm ein neues Rätsel in den Weg getreten wäre.
Bürger'Nersmnmlimi.
Wie schon kurz mitgeteilt, erfreute sich die nach langer Pause am Montag Abend im Freidhof'schen Saale vom Bürgerverein einberufene öffentliche Versammlung eines äußerst zahlreichen Besuchs. Der Vorsitzende, Herr Erdenberger, wies eingangs darauf Hin, daß die Bürger in kommunalen Fragen sich wieder mehr ihrer Pflichten bewußt werden und den Bürgersinn pflegen möchten. Aus diesem Grunde trete auch der Bürgerverein wieder aus den Plan. In seinen weiteren Ausführungen gedachte er auch des Ausschetvens des Herrn Ober« Bürgermeisters Troje aus seinem Amt und bedauerte, daß dieser so schweigend von der Stelle seines Wirkens gegangen. Jetzt ständen wir vor der Rachsolgefrage, die nicht so leicht zu nehmen sei.
Im Anschluß an diese Ausführungen verbreitete sich Herr Rechtsanwalt Dr Müller-Eigner über diese nunmehr aktuell gewordene Fraget die selbst-, redend von größter Bedeutung für unsere Stadt ist. Er schilderte die Stellung welche das Stadtoberhaupt einzunehmen habe und dessen Obliegenheiten. Die Hauptsache sei die Regelung des Stadthaushalts. Es sei auf keinen Fall richtig, die Fehlbeträge einfach durch Steuerzuschläge auszugleichen, sondern es müsse an der richtigen Stelle gespart, d. h. es müsse billiger gewirtschaftet werden. Auch auf die Zukunft müsse das Augenmerk gelenkt werden, denn in dieser Hinsicht sei in früheren Jahren viel versäumt worden. Die Stadt habe im Laufe der Jahre viel zu wenig Grundbesitz zu erworben verstanden. Auch eine feste politische Ueberzeugung müsse vom neuen Stadtober- haupt verlangt werden, welcke, das sei einerlei. In diesem Sinne bewegten sich die Ausführungen, die eine teilweise sehr erregte Aussprache zeitigten, an der sich eine ganze Anzahl Versammluncs- besucker beteiligten und in der die umstrittenen Fragen von den verschiedensten Seiten aus beleuchtet wurden.
In seinem Schlußwort betonte der Vorsitzende, daß die Aussprache wohl den Stadtverordneten, die fast sämtlich der Versammlung beiwohnten, den Weg gezeigt hätte, den sie bei der Wahl des neuen Stadtoberhaupts gehen dürften.
Bei dem weiteren Punkte der Tagesordnung, der sich „Stadtverordnetenversammlung zur Wohnungskommission" betitelte, übernahm der zweite Vorsitzende, Herr Dietrich, die Leitung der Versammlung, weil Herr Erdenberger als Vorsitzender der Wohnungskommission hier'persönlich beteiligt war. Letzterer wies auf die schwierige und undankbare Aufgabe hin, die oie Wohnungskommission zu erfüllen habe und verband damit eine eingehende Schilderung der Verhältnisse. Er müsse gegen bie Angriffe in der letzten Stadtverordneten- sitzung Protest einlegen. Die Kommission könne es niAt jedem Reckt macken, sie ine nach bestem Gewissen ihre Pflicht. Auch diese Cache zeitigte eine rege Aussprache, in der u. a. auch gesagt'wurde, doch mehr Wohnunavfuchende in die Kommission zu wählen. Im weiteren Verlaus der Aussprache unterhielt inan sich ferner, über die Verwendung der Hauszinssteuer über angebliche Wohnungsschiebereien, langes Warten auf dem Wohnungsamt usw. Erst gegen 12 Uhr endete lung.
Erzieherberuf, sondern steht dazu auch noch vH« jede andere ErwerbSmöglichkeit da. Schwindend« Derufsfreudigkeit, Gleichgültigkeit, Verbitterung, .Verzweiflung im Herzen — wann soll Rettung aus diesem Zustand kommen? Wie gerne hätten sie das erlösende Wort gehört — es konnte auch diesmal nicht gegeben werden. Hat sich auch die wirtschaftliche Lage des Reiches gegenüber der Tagung im Vorjahre erheblich gebessert, die Lage bei Iunglehrerschaft hat sich im Zeichen auch de« Schulabbaues und der dadurch bedingten verminderten Anstellungsmöglichkeiten ins Ängeheuerliche gesteigert. Im Bezirk Cassel allein bei 300C Schulstellen 900 stellenlose Anwärter, und selbst bei preußische Änterrichtsminister Dr. Boelitz mußt? sagen, daß der Staat seine Ausgabe 8«em Lehrer- Nachwuchs gegenüber nicht ganz erfüllt hat. Mar> „beabsichtigt“, schreitet aber nicht zur entscheiden- den Tat, wie es andere Länder, z. B. Bayern, Sachsen, Lippe taten. Sollte das nicht auch in Preußen möglich sein? Und wie könnte geholfer werden? Indem unter Gewährung von Unter- haltszuschüssen die jetzt geistig völlig brach liegenden Kräfte durch Hospitieren und Erteilen von Unterrichtsstunden der Schule zugeführt würden. Alle anderen Hilfsmaßnahmen werden eine Lösunz der Iunglehrerfrage nicht bringen.
Diese Gedanken und Probleme traten in furchtbarer Deutlichkeit aus den Verhandlungen hervor. lieber andere brennende Fragen der Jung- und gesamten Lehrerschaft sprach ein im Schulkampf erarauter Führer bei: hessischen Lehrerschaft, Herr Landtagsabgeordneter Schulrat K i m p e I: „Die Schulpolitik in der Gegenwart" — ein Thema, bat bie hehrsten und heiligsten Probleme der Innenpolitik berührt. Gar eng sind die Fäden geknüpft zwischen Schul- und Staatspolitik. Auf schulpoli- t schein Gebiete ist heute Kampf die Losung, und man kann sich dieses Kampfes nur erfreuen, wem er um der Wahrheit und Liebe und Gerechtigkeit willen g' führ! würde. Aber leider entscheidet heul« oft die Macht politischer Parteien. Es geht heut« um den inneren Besitz der Schule, um ben Geist, der in der Schule herrschen soll. Man hat er» kann!. daß bie Schule eine Großmacht in der Reihe 5er Erz'- hw:getz'ktoren ist. ‘?ie Reichsverfassonc bring- ein ganws Kapitel über die Schule. Je gebildeter das Volk, die Masse, umso gefestigter der Stoatsgedanle und die Staatsautorität. Um diesen Staatsbürger heranzubilden, bestimmt die Reichsverfassung, daß die Schulen organisch miK einander verbunden und bah bet der Auswahl bet Schüler nicht der Geldbeutel und bie soziale Stellung der Eltern, sondern allein die Tüchtigkeit maßgebend fr'n soll; auch nicht bie Konfession ist bestimmend. Deshalb hat die Reichsverfasiung bie Gemeinschaftsschule als Regelschule festgelegt. und um diese geht heute der Kampf. Die Reichsverfassung hat auch die Grundschule gebracht. Gegen sie setzt auch eine starke Bewegung ein. die auf ihre Zerschlagung hinausläuft, bevor sie überhaupt gezeigt hat, was sie leistet. — Kampf um bie Schule überall. Demgegenüber muh sich um unsre Reihen das Band einmütigen Zusammenstehens umso fester schließen. Nur Chöre wer. den gehört. An uns liegt es, ob Anfang oder Ende sein wird.
Reicher Beifall dankte dem Redner. In der Aussprache wurden von Herr Bürgermeister Mueller- Marburg und Herrn Schulrar Mütze bie Forderungen des Städtetages bezüglich Leh- rtrtncbi und Herrn Römer- Marbach Fragen der
einem Patentschlüssel, während er gleichzeitig die elektrische Glocke drückte, und bat Don Gian, einzutreten.
Ehe die Herren den kurzen, mit Blumenrabatten eingefaßten Gang bis zu dem Hause zurückgelegt, wurde dessen Tür von einem kleinen, drollig aussehenden Menschen mit beweglicher Spitz- mausphystognomie und kleinen, funkelnden Schweinsaugen geöffnet, den die ruhige, dunkle Livree, die er trug, wie etwas Ungehöriges kleidete, besonders da er die Ankommenden mit militärischem Gruß empfing.
„Der Kerl kann sich die Faxen nicht abgewöh- nennen“, murmelte Windmüller ärgerlich. — „Schnell ein Frühstück in mein Arbeitszimmer, Pfifferling!" befahl er, noch auf der Türschwelle. „Tee, Gebäck, Schinken, Eier — aber rasch! Jemand hier gewesen? Briefe gekommen?"
„Versteht sich, Herr Doktor", versicherte Psif- erlina höchst inkorrekt — für seine Livree. „Briese, mehrere Telegramme und ein zierliches Schreinen, für das ich dem Ueberbringer, einem chäbigen Individium, eine Quittung schreiben mußte. Es liegt noch keine zehn Minuten oben." „Gut. Nehmen Sie dem Herrn hier Paletot und Hut ab und trollen Sie sich. Verstanden?"
„Vollkommnement, Herr Doktor!" erwiderte Pfifferling mit einem Kratzfuß, der in einer Posse auf einer Volksbühne Effekt gemacht hätte. „Ich verdufte!"
„Wenn Sie mal einen korrekten Diener brauchen sollten, Herr Marchese, bann holen Sie. sich )en Menschen", sagte Windmüller lachend, als er einen Gast die Treppe hinaufgeleitete, die wie die deine Vorhalle mit seltenen "alten Waffen aller Länder dekoriert war. „Die Livree ist aber nur
wie Windmüller einen teeren Papierbogen in Quadrate mit dem Bleistift einteilte, diese Qua- brate von 1—25 numerierte und dann, den linken Zeigefinger gewissermaßen als Weiser auf den chiffrierten Blatte führend, in die Quadrate zr schreiben begann.
Es war damit noch eifrig beschäftigt, als Pfifferling mit dem Frühstück erschien, das Brett auf einen Wink seines Brotherrn auf den Tisch vor den Gast stellte und dann schleunigst wieder verschwand.
Mechanisch goß dann Don Gian sich eine Tasse Tee ein und trank sie rasch aus, aber seine Nerven waren in einem Zustande der Erwartung, daß er vorläufig noch keinen Bissen hinuntergebracht hätte.
Da sah Windmüller auf. „Die Sache war ein- facher, als ich gedacht", sagte er. „Das Datum ist's, das den Schlüssel enthält, wie ich es angenommen; es war der Vogel, der die Geschichte verraten hat. Einen Augenblick wollten mich die eingeklammerten und doppelt unterstrichenen Worte aus dem Sattel heben, aber auch sie fügten sich bann roi« von selbst hem Ganzen ein. Doch ich will Sie nicht länger auf bie Folter spannen. Der dechiffriert«. Inhalt bes Billets lautet: .Festland' — das ist die deutsche Uebersetzung Ihres Namens Terraferma — .Festland wird morgen abend voraussichtlich in Venedig eintreffen. Weiterreise Triest Früh- schiff wahrscheinlich. Reisen Sie heut mit Nacht- jug Venedig. Wenn Objekt erlangt, nächsten Zug Rom. Sofort Meldung/ — Nun, Herr Marchese, dieses kostbare Blättchen bestätigt zwar Ihren Verdacht über die Beschäftigung und Einnahmequellen Ihrer Frau Schwägerin, aber es ist auch Ihr« eigene, vollständige Rechtfertigung, zu der ich Sie von Herzen beglückwünsche —“
(8ortfefum foleti
UNSW
59. MO. 1924
„Alles zu feiner Zeit, Herr Marchese", sagte Windmüller, das Gesicht seinem Gast zuwendend, der erstaunt zurückfuhr und sich fragte, ob er seine Beobachtung unbewußt in Worte gekleidet. „Es cheint in der Tat, als ob wir in eine neue Pham der Angelegenheit getreten wären. Ehe wir jedoch auf diese eingehen, müssen wir versuchen, das chiffrierte Billet zu enträtseln. Wenn der Schlüs- el paßt, auf den ich unterwegs geraten bin, bann werden wir bald klüger sein. Ich habe so viel mit Geheimschriften zu tun, bie ein ganzes Stubium ür mich gebilbet haben unb immer noch bilben, daß mir so leicht keine unzugänglich ist. Also, ans
Die deutschen Kriegerverelne und der neue Bund Reichsbanner
Schwarz-Rot-Gold".
Die letzte Vertretertagung des deutschen Reichs- hieeetbunbes „Kyffbäuser" bat Beschluk über die Stellung bei deutschen Kriegervereine zu dem vor einigen «bochen gegründeten Kampfbund „Reichsbanner Echwarz-Rot-Eold" gefakt. Es ist geboten, dab dieser Lcschlub in die breite Oefsentlichkeit gebracht wird, da tt eine wichtige Frage betrifft. Der Beschluk des Bundesvorstandes der Deutschen Kriegervereine, mitgeteilt In der Bundeszeitung („Krieger-Zeitung) vom 21. September 1924, lautet folgendermaken:
„Vcranlabt durch vielfache Anfragen von Verbänden «ld Vereinen erklärt die Vertreterversammlung des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffbäuser" ihre Stellung rum „Reichsbanner Schwarz-Rot-Eold" folgender- inabeu:
Nach Pressemeldungen und Aeukerungen führender fkersoulichkeiten stellt sich der neue Bund in bewu6• en Gegensatz zu dem Reichskriegerbund »Kyffbäuser".
Zwar steht der in dessen Satzung ausgesprochene «weck des neuen Bundes („Zusammenfassung aller «rigcsteilnehmer. die auf dem Boden der revublikani- lchen Verfassung stehen") nicht in Widerspruch mit den Kielen unseres Bundes, da dieser sich von jeher auf den koden der Reichsverfassung gestellt hat. In unseren . Vereinen stehen Mitglieder aller staatserhaltenden Parteien friedlich Schulter an Schulter.
Die übet den Rahmen seiner Satzung hinausgehende Linstcllung des Reichsbanners kann aber nur als eine Parteipolitische angesehen werden, die sich mit dem »aiteioolitisch neutralen Standpunkt des Reichskrieger- Hundes „Kyffbäuser" nicht verträgt, aber auch zu dessen nationalen Bestrebungen, insbesondere der Pflege der stoben Ueberlieferungen deutscher Geschichte, in schrof- fcu Gegensatz tritt.
Deshalb ist die Zugehörigkeit unserer Mitglieder zum „Reichsbanner Schwarz-Rot-Eold* mit unseren Grundsätze n nicht vereinbar.
Den Verbänden und Vereinen wird empfohlen, die Xamercben in diesem Sinne aufzuklären."
Die Gesamtheit der Deutschen Kriegerveteine, die selbst nach den tief zu beklagenden Verlusten an den Grenzen des Reiches noch etwa 2% Millionen deutscher Krieger in etwa 40 000 Vereinen umfaßen, vertreten den Geist der alten Mannes- und Soldatentugenden, der Ka rcradschaft, der Wehrhaftigkeit, der Errettung des geschändeten Vaterlandes aus Rot, Schmach, I Knechischast durch die deutsche Kraft selbst. Die Krie- Wttverelne sind unpolitisch übet- und aubervarteilich. Vie stehen auf rein vaterländischem Boden und fassen alle Kreise zusammen, bie für deutsche Mannes- und Goldatenebre auf dem Boden der Kameradschaft und des Vaterlandes zu haben sind, auch die groben Ileber- Refeniuaen der stolzen Vergangenheit bochbalten.
Anders der neue Bund „Reichsbanner Schwarz-Rot- •olb". Et bat sich bei seinen Kundgebungen und Ver- «mmlungen als eine „Zusammenfallung aller Kriegsteilnehmer" erklärt, „die auf dem Boden der revublika- tzischen Verfassung" stehen. Es hat sich herausgestellt, dab dieser Bund seinen Namen als Deckmantel und als Lockmittel einer parteilich eingestellten Bewegung gewählt bat. Pazifizismus und llnterwerstmgspolitik tilden den ©runbton, woraus sich auch das teilnabms- »olle Interesse Frankreichs gerade von dieser Strömung «klärt Den Kriegervereinen gegenüber will et, wie s sich ia ebne Weiteres zwischen den Zeilen lesen labt, bi< Mitglieder fort fangen oder abfvenstig machen, be- giebnnosweise Zwiespalt in ihre Reiben tragen, um das Kriegervereinswesen auseinanderzusvrengen.
Daher kommt die ruhige und streng sachliche Erklärung des Bundesvorstandes der Deutschen Kriegcroer- tfne gerade zu rechter Zeit. Sie erklärt einwandfrei Me Lane mit der Entscheidung: „Wer sich »um vartef- «litllchen Bund des Reichsbanners Schwarz-Rot-Eold hfennt. taugt fürderhin nicht in die Reihen der Dcnt- ßhen Kriegervereine." Sollten hierdurch den Krieger-1 •ereilten einige Mitglieder — es werden deren herzlich »enige sein — abhanden kommen, so ist dies nicht als Lchaden zu betrachten — im Gegneteil als willkommene
„Es kann bas nur fein“, entgegnete Wind- jnüUer mit einer bei ihm ungewöhnlichen Erregung. „Der Umftanb, bie Mitteilung, bie burch per- knttchen Boten in Rom am 6. September Überfracht würbe, von Braunschweig mit einem über km halbes Jahr alten Datum zu versehen, kann Nur einen ganz bestimmten Zweck verfolgen, unb kotz dieses Blatt wirklich nicht vor sechs Monaten keschneben worben ist, dafür stehe ich mit Hilfe Vieser allerschärfsten Vergrößerungslinie ein! - Erinnern Sie sich, baß Cesarina beobachtet hat unb uns genau beschrieb, wie Donna Xenia nach Empfang bes Billets sich in ber Vorhalle hinfetzte, tmen Bogen Papier mit Quabraten einteilte, bieie Numerierte unb bann, bas Billet in ber Hand, btefe Quabrate schrieb? Wohl, es war nicht schwer zu erraten, baß sie bie erhaltene Mitteilung vecyiffrierte. Das bedarf kau mber Erwähnung, wer baß es biefes Blatt war, baß sie entzifferte, Katz sie es auf bem Weg in ihr Schlafzimmer ^tnftrpetlen’ in bie Brusttasche ihrer Weste steckte, Dsvlich, baß gerabe dieses irreführende Datum den Schlutzel der Chiffre enthält, — dafür möchte ich Da5sit> 8rStück meiner Sammlung verwetten!
wir eben? Oh, erst auf der Piazza ' roll? jfaffen Sie uns keine Zeit verlieren Kl Md)äu”nne„r®lgee »-mtz-n, bem tot.
Unb bas Billet in bet SSanb ben Blick feft i'1 *;eXfin!kber,berühmte Gentleman-
r^V9 AEbinationsstubium, ans »em er ansiah, als das Automobil vor der kleinen hübschen Villa auf ber halben Höhe des Ianieulus senilis des Ütbei's vorfuhr.
i?’ inbmüHer befahl bem Chauffeur zu warten, bie verschlossene Pforte zu bem zierlich be’ Dlto> zt:n Gärtchen, das bie Villa umschloß, mit