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Anzeiger für Ws Mer WiW Sberkeiien - Amtliches Berkim-tgimgSblatt des Kreises Marburg
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Sor StiinrnNtn?
' Ou. Berlin, 8. Oft. Wie wir hören, stehen Amtliche Regierungsparteien, also auch die Deutsche Vvlkspattei, geschlossen hinter dem Reichs- bmzler Dr. Mark, sodaß eine Neubesetzung des Aeickskonzlerpvstens nicht in Frage kommen kann. Me Frage der Hinzuziehung der Deutschnationalen zpr RegierungSkoalition hängt nunmehr davon ab, g6 die deutschnationale Reichstagsfriktion die Richtlinien des Reichskanzlers grundsätzlich anneh- »en wird.
Ernste Bedenken der Deutschnationalen.
Ou. Berlin. 8. Oft . In den führenden rdeutschnativnalen Kreisen beurteilt man ftk Parlamentarische Situation ziemlich ernst. Rus 'den Richtlinien, die Reichskanzler Dr. Mack hin- sichtlich der Umbildung des Reichskabinetts auf» ,'tzestellt hat, hat man den Eindruck gewonnen, daH r» beinahe ltnmöglich sein wird, eine brauchbare Ae'handlungSgrundlage zu finden. Die deutsch- a-itionalen Führer sind gegenwärtig daran, rin Kezenprvgramm auszuarbeiten, das die deuisch- aationalen Mindestforderungen enthält. Lehnen die Regierungsparteien ab, auf dieses Programm «in- -»gehen, so würde man seitens der denifchnativ- aalen Partei die Verhandlungen abbrechen müssen.
Die „Kreuzzeitung" stellt bereits eine deutsch- «stionale „Plattform" auf. Da wird die Zustimmung zu der bisherigen Außenpolitik abgelehnt, 1kl£ Londoner Abkommen als verbesserungsbedürftig bezeichnet und der Eintritt in den Völkerbund pon der Aufhebung der dauernden Militäckon- trvlle, sowie von der vollständigen Räumung des Ruhrgebiets abhängig gemacht. Die Kriegsschuld- ftcge müsse einwandfrei gelöst sein. Die inner- politische Platfvrm lautet: christliche Schule, Zvll- fthuh, Arbeitsfrieden, Aufhebung der Zwangswirtschaft, Volksgemeinschaft als „christlich-natio- bjI? Gcsinnungsgemeinschaft" gegen jeden Klassen- bunpf.
Dieses deutschnativnale Degenprogramm ist ganz eiter wenigstens zum Teil eine Privatarbeit der »Kreuzzeitung". Wer aber das Scheitern der Frak- twuSerörterungen als sicher und die Reichstags- cwstösung als höchst wahrscheinlich ansieht, der stu- bet in der „Kreuzzeitung" die Wahlparole der Deutschnationalen. Leider dürften diese Skep- Ker recht behalten, so bedenklich auch angesichts 6er vielfachen jetzt schwebenden internationalen Verhandlungen eine Neuwahl und die dadurch bedingte Unsicherheit in der Führung der Reichste- gicrung sein mögen. Außer Herrn Marx und viel- to<ht auch Herrn Hergt dürften nicht viele deutsche Pvlit iker von Rang vorhanden sein, die von den am Mittwoch beginnenden Parteiverhandlungen ein positives Ergebnis erwarten.
Ein Kompromiß erfordert von allen Beteiligten Nachgiebigkeit. Dazu entschließen sich die Parteien aber nur, wenn sie des Zustandekommens und einer gewissen Dauer der Vereinbarung sicher zu sein glauben. Fehlt diese Zuversicht und tritt gar an ihre Stelle die Vermutung baldiger Neuwahlen, dcnn ist jeder mehr auf seine Sonder'position, seine Ausnahmestellung bedacht als auf das Opfern in fiemeinfomer Kampffront.
Berlin, 7. Okt. Die demokratische Ae i ch s t a g s f r a k t i o n, die für heute Vor- w.itteg einberufen war, vertagte sich auf Mittwoch, vm die vom Reichskanzler angekündigten Richt- «nien zur Frage der Regierungserweiterung ab- iuroarten. Die Richtlinien sollen, wie aus parlamentarischen Kreisen verlaute, heute nach- vlttag den Parteiführern zugestellt werden.
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Sie deutsche Anleihe.
Morgen Unterzeichnung?
London. 7. Oft. Dem „Dallh Telegraph* b^svlge harschte gestern in finanziellen Kreisen J® Zusammenhang mit dem E n d st a d i u m der DechmDlmgen über di« DaweSanleihe große «iljgirit. Die britischen Bankiers, die Teilhaber 181 Bankhaus Morgan u. Ev., Dr. Schacht, Par- ^sntier (Frankreich) und Janssen (Belgien) hätten während des Tages eine Anzahl privater An- teiredungen gehabt. Einige finanzielle Autoritäten »keifetten zwar, daß alles am Donnerstag p>r Unterzeichnung bereit sein werd«. Man lei aber überall der Ansicht, daß die Anleihe, eben- 0 ‘~le Dawespian selbst, glatt donstatten gehe.
^rlautet, seien die Hindernisse, dir Italiens an der Anleihe ur- 'm Wege gestanden Hütten, so gut wie desemgt Wie man annehme. Hütten sich die gestri- K- . ^tcrredungen zwischen dem Generalagenten “W Reparationszahlungen, Owen Vouna Mac Donald und Snowden nicht auf die Anleihe be° byrünkt, sondern auf die Art, in der die Durchfüh. urng des DaweSplaneS vor sich gehe. Deutscher- do nachdrücklich betont, daß, abgesehen
- m britischen Becovery act die Auferlegung einer Prozentigen Abgabe für dir deutsche
Ausfuhr dem Geiste, wenn nicht dem Buchstaben des DaweSplaneS zuwiderlaufe.
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London, 7. Okt. Die „Times" betont in ihrem Leitartikel zur deutschen Wiederaufbauanleihe, dqsß mit einer bemerkenswetten Einmütigkeit die Führer aller politischen Parteien die Anleihe billigten. Nur die starke Lleberzeu- gung. daß die Aufbttngung der Anleihe im Interesse des europäischen Friedens und der Wieder- Herstellung normaler Wirtschaftstätigkeit liege, habe Männer wie Baldwin, Grey, Chamberlain und Horne, sowie die Führer der Arbeitervartei dazu bewogen, diese Operation zu unterstützen, von der sie wußten, daß sie der Natur der Dinge n ich dem britischen Volke keine Begeisterung ein- flößen könnte. Aber fast alle führenden Staatsmänner, Bankiers und Wirtschaftler in England meinten, daß der Dawesbericht und bahr' auch die Anleihe einen Fortschritt zum Frieden und zur Wohlfahrt bedeuteten.
Tic „Times", die weiter ausführt, daß man sich durch Erinnerungen an die Kriegsverluste das Artest nicht trüben lassen dürste, betont dann gegenüber den Befürchtungen, daß die Anleihe den Seut- schen Wettbewerb steigern könnte, daß der psychologische Mert der Anleihe höher sei als ihre wirtschaftliche Möglichkeit, und daß das deutsche Reich ein Jahr nach dem formellen Inkrafttreten des Dawesberichtes den Alliierten 50 Millionen zahlen mühte, daS seien 10 Millionen Pfund Sterling mehr, als die Anleihe betrage. Der Zweck der Anleihe sei das Gefühl des Vertrau- cns in die deutschen Finanzen tu schaffen und um noch Deutschland die auswärt'gen Guthaben zurückzubringen, die während der Inflationszeit aus dem Lande gebracht worben feien. Soweit die Geldbedürfnisse für Deutschland in Bettacht kämen, sei die Anleihe nur eine Bagatelle. Die Anleihe sei die W ä h r u n g S s p r o tt e, um die verhältnismäßig große Reparationsmakrele zu fangen. Anter Hervorhebung der Sicherung für die Anleihe betont die „Times" schließlich, daß die Anleihe bereu sehr zusagen werde, die die Votteile einer solchen Anleihe verstünden.
London, 7. Okt . Lloyd George erklärte in einer Rede in Leicester, in der er das Verholten der Regierung im Campbell-FAI und in der Frage einer Anleihe an Rußland einer äußerst scharfen Kritik unterzog, der Regierung werd evon den extremen Elementen jnnerhcilb der Arbeiterpartei ihre Politik vvrgeschrieben. Eine zentrale Regierung wie di« augenblickliche sei grundsätzlich zu verwerfen. Lloyd George er- klärte n. a. noch, er sei nicht sehr begeistett von der Anleihe an Deutschland und wolle dies offen- sagen: aber wenigstens garantiere die Regierung nicht die Anleihe wie im Falle des russischen Ver- trages. >
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Brüssel, 7. Okt. Infolge der Londoner Verhandlungen ist der Anteil Belgiens an der 800 Millionen-Anleihe auf Ich Millionen Pfund festgesetzt worden.- Theunis hatte heute mit den Bankiers Besprechungen.
Paris, 7. Okt. Heute Vormittag hat am Quai d'Orsay unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Herriot eine Konferenz von Bankiers stattgefunden, an der auch Finanzminister Ciemen- tel teilgenommen hat. Gegenstand der Beratung war die Durchführung des Sachverständigenplans, namentlich im Hinblick auf die Beteiligung Frankreichs ander 800Millionenanleihe. Eine Delegation, bestehend aus dem französischen Vertreter im Sachverständigenkomitee, Parmentier, und den Bankiers Sergeant (Union Parisienne) und Simon (Oociete Generale) wird sich nach Lon- wn begeben, um mit den englischen Finanzleuten und dem Reichsfinanzmtnister Dr. Luther und Reichsbankpräsident Dr. Schack t zu verhandeln.
Wie der „Temps" mitteilt, ist im Laufe der heutigen Konferenz in erster Linie über den Grundsatz der französischen Beteiligung an der Anleihe verhandelt worden und über den Anteil, der auf Frankreich fallen sott und den man in unterrichteten Kreisen auf 30 Millionen Eoldmark schätzt. Schließlich habe sich die Konferenz mit der Frage beschäftigt, ob die Anleihe dem Publikum angeboten werden soll oder nur den französischen Banken.
Wie das „Journal des Debats" berichet, meldet eine Nachrichtenagentur, daß die heute vormittag unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Herriot vereinigten Bankiers erklärt hätten, es sei möglich, in Frankreich 3 Millionen Pfund Sterling der deutschen 800 Milstonen-Anleihe unterzubringen. Auf der Grundlage dieser Erklärung würden in London seitens der französischen Delegation die Unterhandlungen geführt werden.
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Die Antwort auf da- Memorandum.
Frankreichs Antwort.
Paris, 7. Oft. Bei bet Antwort der ranzösifchen Regierung auf das deut- che Memorandum handelt es sich, wie jetzt zu er- ahren ist, nur um ein ganz kurzes Dokument, das »m allgemeinen nur die schon von Herriot in Genf
ausgedrückte Ansicht teilt und sich zum Teil da» mH deckt. Die französische Regierung widersetzt sich dem Einttitt Deutschlands in den Bund nicht, ebenso nicht dem Verlangen, einen Sitz hn Dül- kerbundsrat zu bekommen. Aber sie legt Wett darauf, festzustellen, baß Deutschland keinerlei AuSuahmerechte für sich in Anspruch nehmen kann und sich den allgemeinen Verpflichtungen der übrigen Bundesmftglleder zu unterwerfen (!) hat, mit anderen ® orten. Deutschland muß entsprechend dem Artikel 1 der Völkerbundssahungen „tatsächliche Garantien seiner auftichttgen Absicht geben, die internationalen Verpflichtungen innezuhalten, nicht nur was die Ausführung des Sachverständigenplanes, sondern auch, was die interalliierte Militärkon- trolle cnb ltttzf Deutsch and sol' weiter keinen Anspruch darauf machen, irgendwie d ie Kriegsschuldfrage wieder anzu'chneiden. Ist es einmal zugelassen, so hat es dieselben Rechte, aber atxfj die gleichen Verpflichtungen, wie die übrigen Mitglieder des Völkerbundes. Es muß sich wie die übrigen Mächte an den wirtschaftlichen und finanziellen, ja auch an militärischen Sanktionen beteiligen, die gegenüber einem kierkü'renden St a e für no wendig ererbtet werden sollten. Dies bezieht sich auf eine Anfrage Deuischlands in dem Memorandum wegen seiner Stellung zu Rußland im Falle eines Eingreifens des Völkerbundes gegen Rußland oder im Falle einer Anterstützungsaktion für Polen. Cs wird in der französischen Antwort bedeutet, daß Deutschland sich nicht auf seine Wehrlosigkeit be- riifen kann, um sich der Teilnahme an militärischen Sanktionen zu entziehen.
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ft. Londo n, 11. Oft. Reuter zufolge hat die britische Regierung noch nicht das deutsche Memora ndum b treffend der EinttittDeutschlands in den Völkerbund beantwortet. Es werde darauf hingewiesen, daß die britische Regierung sich zu nichts verpflichten könne, was von der Völkerbundsversammlung abhänge, welches die Beeimmungen für die Ausnahme Deuischlands sein sollen. Es sei jedoch wahrscheinlich, daß es für Deutschland leicht sein werde, einen Sitz im Döl- lerbmcksrat zu erreichen. Wie die Blätter melden. werde die britische Antwort auf das Memorandum in einigen Tagen abgehen.
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BMcdung ter MvwKntism White- Abgabe.
Qu. Berlin, 8. Okt. Wie wir hören, steht ein Eingreifen des amerikanischen Generalagenten für die Reparationen in der Fraae bet secksundzwanzigprozentren Ausfuhrabgabe unmittelbar bevor. In den deutschen Regierungskreisen rechnet man damit, daß diese in schroffstem Widerspruch zu dem Geist des Suchver- stärchlgengutachtens stehende Maßnahme unbedingt zu Fall kommen wird, und zwar dürfte das zu einem Zeitpunkt geschehen, wo die wirtschaftlichen Verhandlungen zwischen Deutschland und den Alliierten noch nicht beendet sein werden. Dadurch würde dem Zustand, daß die sechsrndzwan- zigprozentige Ausfuhrabgabe als Druckmittel gegen über Deutschland angewandt wird, endlich ein Ende bereitet werden.
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SatetteMimmlmg ter englische» Arbeitervliriei.
Mac Donald Über seine Politik.
London, 7. Okt. In der Eröffnungssitzung )er Jahresversammlung der Arbeite rpartei hielt Mac Donald eine Rede und «rklürte, die Regierung werde sowohl dem k o n - ervativen Tadelsvotum wie auch dem liberalen Ergänzungsantrag hierzu, die morgen im Unterhause zur Abstimmung gelangen, und sich auf die Einstellung des Strafverfahrens gegen den Herausgeber des k o m m u n i st i - ch e n Blattes „Workers Weekly" beziehen, W i - verstand entgegensetzen. Der Minister sprach ich gegen forcierte Neuwahlen aus und bezeichnete den liberalen Zusatzantrag als darauf gerichtet, der Regierung zwar nicht ein Mißtrauen ouszusprechen, aber sie zu beleidigen. Bevor die Versammlung der Arbeiterpartei zu Ende gehe, werde man sehen, wie die Sache auslaufen werde. Vorher solle in nichts nachgegeben werden. Wenn es zu Neuwahlen käme, so trage die Verantwortung dafür nicht die Arbeiterpartei. Mae Donald wandte fick dann, indem er einen Ueberblidt über die politische Lage gab, gegen den Kommunismus, der, wie er sagte, nichts Praktisches zu bieten habe, und mit dem England nichts zu tun haben wolle Er sei der Meinung, die Regierung der Arbeiterpartei werde auf die analogen Bewegungen und politischen Aufjassungen in der ganzen Welt er- mutigenb wirken. Er fuhr fort, wir geben uns zwar nicht der Hoffnung hin, eine neue Welt her- vorzuzaubern,. hoffen aber doch, daß die alte Welt ich neuen schöpferischen Gedanken zugänglich zeigen werde. Ich bin der Meinung, daß. wir Ersobge hatten. Zum Teil war zwar die Tätigkeit der Arbeiterregierung, z. B. in der Ar -
^"»losensrage, nur Flickwerk. Die Ar. bettslostakett konnte bisher nicht beseitigt werden« Aber keine Regierung hat bisher mehr für di, Unterstützung der Arbeitslosen getan, als die Arbeiterregierung. Der nächst« Haushalt, den di« Arbeiterregierung vorlegen werde, werde da» ttn letzten Haushaltsplan begonnene gute Werk fortführen. Hierin bestehe vielleicht die wahre Er- Klärung für die Schwierigkeiten, in denen sich btt; Regierung gegenwärtig befinde. Das zweite Budget, das die Regierung vorlegen werde, werde den beiden anderen Parteien gefährlich werden.
Im weiteren Verlauf feiner Rede erklärte Mac; Donald, die Regierung habe in der a u s w ä r t i - gen Politik gegen sehr störende Kräfte an- Kämpfen müssen. Auf das Werk der Regierungsdelegation in Genf könnten auch alle diejenigen stolz fein, die sich mit der Arbeiterpartei vereinigt hätten, um Frieden zu suchen. Glücklicherweise, haben, so fuhr Mac Donald fort, die Sachverständigenberichte die Schaffung von Organisationen ermöglicht, die hoffentlich geeignet sind, uns wieder zur Vernunft zu bringen. Die Methode, Deutsch» land zu bestrafen, hat tatsächlich dazu beigetragen, es als Handelskonkurrenten zu stärken, während wir selbst geschwächt wurden. Wir müssen eine zeitlang mit einem DruckdesdeutschenEx» Portes rechnen. Unter Hinzuziehung von Vertretern der Gsschäslswelt und der Arbeiter werden wir unsere Interessen bewachen und beschützen.
Mac Donald erklärte, er sei kein Kommunist. Der Kommunismus, wie England ihn kennen lernte, gebe dem Lande nichts Praktisches, et fei ein Produkt des Zarismus und der Kriegsmentalität. Wenn die Arbeiterregierung in Paris gewesen wäre, so würden die Reparationen ganz anders ausgefallen sein. Jetzt aber benutzen die deutschen Arbeitgeber die Tatsache, daß die Reparationen bezahlt werden müssen, dazu, di» Löhne zu kürzen und die Arbeitszeit zu ver- l. ngern. Sie treiben die deutschen Arbeiter damit tiefer in die Sklaverei hinein. Die ganze Gewerk- schastsbewegung fei moralisch verpflichtet, den deutschen Gewerkjchaften zu helfen; denn solange die Verschlechterung der sozialen Lage in Deutschland, die die Folge der Micumver- träge und der Ruhrbesetzung sei, anbauere, würbe auch der niedrige Standard der Inbustrie die Lebenshaltung in jedem Konkurrenzlande bedrohen. In Fortsetzung der Befriedungspolitik der Regierung haben wir die russische Regierung anerkannt, weil sie die tat» säcyuche Regierung von Rußland war. Als bi» Verhandlungen über den englisch-russischen Vertrag geführt wurden, waren im Land» Kräfte am Werke, die bereit waren, febes nationale Interesse ihren eigenen Vorteilen zu opfern. Das Land wünscht nicht durch Wahlen, die wir niemals gesucht haben, in Unruhe gebracht zu werden. Die Regierung aber kann nicht vhne Selbstachtung ihr Amt weiter verseheit. Der konservative Mißtrauensantrag war aufrichtig, der liberale Vorschlag aber, im Fall» des „Workers Weekly" eine Untersuchung einzu» leiten, ist eine Beleidigung. Die Liberalen hoffen in dieser Weise das Glück ihrer Partei wieder herzustellen. Schließlich forderte Mac Donald die Arbeiter auf, unter den Waffen zu schlafen, bis ihnen die Parole gegeben werde, ins Feld zu ziehen, nicht um sich zu verteidigen, sondern um anzugreifen.
London, 7. Okt. Die Konferenz der Arbeiterpartei hat mit erdrückender Mehrheit den Beschluß angenommen, bei Parlaments- ober Muni- zipalwahlen keine Kommunisten als Kandibaten der Partei zuzusassen. Ferner beschloß die Versammlung, das Gesuch der kommunistrschen Par- tei um Angliederung abschlägig zu beantworten.
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fk. London, 8. Okt. Die „Times" schreibtt Dos älnteihaus tritt freute wieder zusammen, uiuei dem Eindruck der ernsten Krise, wie sie bisher bk Arbeiterpartei noch nicht erlebt habe. „Daily Eidreh" schreibt, daß die Konservativen freute Abend für den liberalen Antrag stimmen werden; das fei ein schwerer Schlag für Mac Donald. Es stehe fest, baß die Parteien entschlossen seien, den Rücktritt der Arbeiterregierung zu erzwingen. Laut „Daily Mail" werde die Anterhausdebatte von Robert Home eröffnet, der den konservati:>en Miß- ttauensanttag einbringen werde.
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Stallens Sorgen.
Diktator Mussolini hat oesprochen. 3n Livorno, rechtfertigte seine Politik. Bezeichnete sich altreuen Diener der Monarchie und wieS auf de» yw' nehmenden Geburtenüberschuß hin. .Italien hat drei Wege vor sich: Eich entweder der Änfruchtbarkeit z» ergeben, aber dazu ist es zu intelligent, oder Kriege z» führen oder Märkte für den Abfluß fernes tteberschusses an menschlichen Armeen zu suchen." Dann folgt 1» dieser großangelegten Rede die Gloriole des Faschismus in der sattsam bekannten Weise. Da jedoch alles, was der hochverehrte ^Führer sagt«, seinen Getreue» und Ungetreuen nicht unbekannt ist, muh Herr Musiolink etwas neuer bringen und dies ist: d i e de u t sche G e- s a h r. .Deutschland bereitet sich auf eine ökonomische OBieberVergeltung vor. Es ist bereit. Der Stern Deutschlands beginnt wieder zu leuchten." Furchtbar, ohne Zweifel furchtbar. Beginnt etwa Herr Mussolini zu fühlen, daß man gegen Deutschland ein zwei-' schneidiges Schwert gebraucht hat? Wer zwingt uns denn, unseren Exporthandel zu forcierens Doch einzig und allein die .Freunde Mussolinis und er selbst, di«