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Marburg a. L, örnnabend, brn 4. ortetet

Nordamerikas MrlilbaftSnel.

Als der Krieg zu Ungunsten der Mittelmächte entschieden war, sahen alle Staaten der Ge­genseite zunächst nur die vermeintlichen Vor­teile, die ihnen dieser Kriegsausgang und der Frie­densvertrag brachten. Doch der tausch verflog nur zu rasch. Denn sehr bald gewann ein Staat nach dem andern die bittere Ueberzeugung, dah auch er wenngleich in etwas anderer Weise wie die Mitelmächte zu den Kriegsverlierern gehöre. Das stolze Albion macht keine Ausnahme. Längst hat es zu seiner schmerzlichsten Enttäuschung einsehen muffen, daß seine scheinbaren Gewinne durch viel schwerere Nachteile der Kriegs- und vor allem Nachkriegszeit bei weitem ausgewogen wer­den. Während in Europa Frankreich unangefochten die politische wie militärische Vorherrschaft ausübt, erscheinen Englands See- und Weltherrschaft keines- wegs gesicherter als vor dem Kriege, da nach dem Verschwinden Deutschlands und Rußlands von der Weltbühne Frankreich und besonders Nordamerika mächtiger als je zuvor dastehen. Heute ist England nicht mehr die maßgebende politische Macht, deren Wille einst in der Welt entschied, das Schw gewicht liegt vielmehr bei Nordamerika. An dieses hat England auch seine frühere Stellung als Eeldmittel- punkt und Bankherr der ganzen Erde abtreten müssen. Schließlich befinden sich Englands Indu­strie und Handel mit fast 2 Millionen Arbeitslosen in so trostloser Lage, daß hervorragende Engländer wie Lloyd George und Baldwin im Hinblick hierauf wiederholt geäußert haben, England habe Gebiete, hie viel gründlicher als Frankreich zerstört seien.

Selbst das im letzten Jahrzehnt vom Schicksal so außerordentlich begünstigte Nordamerika ist allmählich in eine immer bedenklichere Wirtschafts­lage geraten.

Der während des Krieges und der Nachkriegszeit fortschreitend stärker aufgehäufte Reichtum hat ihm offenbar keinen dauernden Nutzen, keinen Segen ge­bracht. Vor nicht gar zu langer Zeit war man frei- 8ch in den maßgebenden Kreisen drüben anscheinend Noch recht glücklich über den sich endlos ins Land er­gießenden Geldstrom. Der angesehene Profeffor David Friday sieht in ihm auch jetzt noch den Aus­guck einer erfreulichen gefundenSpartätigkeit des amerikanischen Volkes, das Gold anhäufe, statt vemde Waren zu verbrauchen". Nach diesem Grundsatz handelte einstmals auch das goldreichste Land des Mittelalters, Spanien, deffen Schicksal schnellster Verarmung die Richtigkeit jener Art Sparsamkeit sicher nicht bestätigt. Daß die Ameri- duer in den gleichen Fehler der Erschlaffung und Untätigkeit, den Hauptgrund des schnellen Nieder­ganges Spaniens, verfallen könnten, erscheint frei­lich bei Jljtem stark vielleicht sogar zu stark mlsgeprägten Erwerbssinn wohl ausgeschloffen. Nichtiges Sparen besteht jedenfalls nicht im bloßen Anbäufen von Gold als Selbstzweck. Volkswirt- sthaftlich wertvoll ist das Sparen vielleicht nur dann, wenn das ersparte Geld der Werte schaffenden Erzeugung wieder zugeführt und damit angemeffen Nutzbar gemacht wird. Amerika fehlt es aber gerade an ausreichenden Anlagemöglichkeiten. Der Geldüberfluß wird Bereits in der empfindlichsten Weise fühlbar. Ter Wechsel, das bisher vorzüg- Lchste Zahlungs- und Vorschußmittel des neuzeit­lichen Kaufmanns, verliert immer mehr an Bedeu- lnng. Jnfolgdeffen hat sich die Newyorker Federal Reserve Bank veranlaßt gesehen, die Diskontrate "Nsn auf 3 v. H., den niedrigsten Satz seit Be- iMd--! der Bank, zu ermäßigen. An der Newyorker Ijgfe ist tägliches Geld kaum zu 2 v. H. unterzu- «fekt'bi. außerhalb der Börse sind für Darlehn io- W nur 1V-- v. H. zu erzielen. Natürlich wirken j»*?? Zustände preissteigernd. Hiernach erscheint es

verständlich, daß ernsthafte amerikanische Eeldleute bereits wegwerfend vonwertlosem Golde" unb Goldinflation" sprechen.

Nordamerika krankt aber nicht nur an dieser Not des Geldüberfluffes, sondern teils als deffen Folge, teils aus verschiedenen anderen Gründen an all­gemeiner Wirtschaftsnot. Seine Nutz- nießerrolle während des Krieges ließen ihm nützlich erscheinen, die bestehenden industriellen Betriebe ins Riesenhafte zu erweitern und zahlreiche neue Eewerbezweige zu begründen. Bei dem Waren­hunger der Nachkriegszeit und dem gleichzeitigen Darniederliegen der unter den Nachwirkungen des Krieges schwer leidenden europäischen Industrien waren die amerikanischen Werke auch noch Jahre lang nach Kriegsende vollauf beschäftigt. Dieser boom" mußte aber schließlich mit dem Wiederauf­leben der Industrien Europas ein natürliches Ende finden. Ueberdies ließ die Kaufkraft Europas fort­schreitend nach, so daß es schon deshalb die billigeren europäischen Waren, besonders der Eeldentwer- tungsländer, vor den teueren amerikanischen Waren vorzog und sich schließlich im wesentlichen auf den Bezug der notwendigsten Rohstoffe wie Baumwolle, Weizen, Erdöl, Kupfer beschränkt. Die Nachrichten aus Nordamerika lauten denn auch, abgesehen von gelegentlichen Beschönigungsversuchen, immer un­günstiger und es ist nicht mehr zu übersehen, daß daselbst bereits eine schwere Wirtschaftskrise ein­gesetzt hat. Je stärker sich die Industrien Nord­amerikas im Kriege ausgedehnt haben, desto schwerer werden sie natürlich durch den Wirtschafts­umschwung betroffen. Die Eisen- und Stahlerzeu­gung ist im Juni um volle 25 v. H. gegen Mai zu­rückgeblieben und arbeitet nur noch mit 35 v. H. ihrer Leistungssähigkeit. In Erdöl besteht große Uebererzeugung, der Sinklairtrust rechnet damit, nur die Hälfte seiner Vorräte unterbringen zu kön- den. Der Geschäftsgang des Baumwollgewerbes ist flau und die nach dem Wirtschaftsdepartement aus diesjähriger Ernte zu erwartenden großen Mengen Baumwolle werden, ungeachtet der neuerdings ge­äußerten größeren Zuversicht, schwerlich ausreichen­den Absatz finden. Die schon seit Jahren m> leidende chemische Jndustreie liegt trotz des hohen Zollschutzes ganz darnieder. Die bedeutende Kraftwagen­industrie sieht sich einer Uebersättigung des nord- amerikanischen Marktes gegenüber. Soll doch wenigstens auf jeden achten Einwohner der Ver­einigten Staaten ein Kraftwagen kommen. Ford beabsichtigt deshalb, den Flugzeugbau in seinen Tä­tigkeitsbereich mit einzubeziehen. Kaum ein Ge­werbe des Landes bleibt nach demManchester Guardian" von dem wirtschaftlichen Niedergange verschont. Gewaltig steigt infolgedeffen die Zahl der Arbeitslosen. Allein im Staate Newyork sind in den letzten beiden Monaten 100 000 Arbeiter ent­lassen worden. Nicht bester ergeht es der Landwirt­schaft, die bekannttich bereits Jahre hindurch mit Absatzschwierigkeiren und Geldmangel zu kämpfen hatte.

Um den nachteiligen Folgen der Eeldüber- schwemmung entgegen zu wirken, soll die Federal Reserve Bank den eigenartigen Plan erwogen haben, das aus Europa eingehende Gold dem öffentlichen Verkehr zu entziehen und in ihren Kellergswölben aufzuspeichern. Jedenfalls sehen die Amerikaner ein, daß sie besondere Maßregeln er­greifen muffen und versuchen es jetzt mit der Ge­währung von Anleihen an das Ausland. Nur weil ihnen die Not bereits recht heftig auf den Fingernägeln brennt, haben sie sich Europa wieder zugewandt. Deshalb haben sie einen so eifrigen Anteil an dem Zustandekommen des Dawes-Gut- achtens genommen und mit solchem Nachdruck auf einen günstigen Ausgang der Londoner Konferenz hingearbeitet. Deshalb zeigen sie sich neuerdings auch so sehr viel williger zu privaten Vorschüffen, wie ar die Kaliindustrie, die rheinische Industrie

(Nachdruck verboten.)

Noimimimr.

Venezianischer Roman

bon E. von Adlersfeld-Dallestrem.

14. Fortsetzung

..Aber nein, Herr Marchese", war dir in ent« ßhi» der anklagendem Ton gegebene Antwort.Al- trz-a find vorgestern abend verreist und wollen gestern abend zum Basar bei der Signora Gon« kssc, zurück fein, sind aber nicht angekommen, -oben keine Nachricht gegeben, und Herr Marchese 1 hcn mich in größter Bestürzung ich weiß nicht, das ich denken soll."

Durch Windmüller vorher instruiert, trat Don ®ian, von seinem Begleiter gefolgt, ohne werte­res in den mit orientalischen Teppichen und Mas­sen geschmückten großen Dorraum ein.

Nun, ich denke, die Frau Prinzessin wird woyl d> diesem Falle aufgehalten worden sein", mur= »eite et unbehaglich.

»Aber Durchlaucht haben nur einen ganz Hei» en Koffer mit dem Nötigsten für eine Nacht mit» flenommer erwiderte die Zofe ratlos.

So?" fragte Don Gian.Wie kommt es aber, ^ß Sie öffnen, Eesarina? Wo ist denn der Die» er?"

»Er ist schon ganz früh fort, um auf den Bahn­hof zu gehen, für oen Fall, daß Durchlaucht die Ncichr gereift sein sollten," erklärte Eesarina ge» änft,Er ist noch nicht zurück, der hohe Herr Zwan! Natürlich hat er den zweiten Diener mit Ewer Menge Aufträge fortgeschickt, und ich muß nun jedesmal laufen, wenn es läutet!

Der erste Diener ist ein Russe?" warf Wind- Waller zu Don Gian gewendet ein, und als dieser ickre, trat er in Aktion.Hören Sie mich an, Aiademoifelle Eesarina," wendete er sich in ihrer *andcsspr iche an die Französin, die er vorher

scharf beobachtet.Wir der Herr Marchese und ich haben natürlich gehofft, die Frau Prinzessin anzutreffen, da sie aber verreist ist und Sie ohne Nachricht über ihren Verbleib sind, so beunruhigt uns das einigermaßen. Sie müssen uns daher ge­nau und wahrheitsgetteu sagen, was Sie über bitte plötzliche Abreise Ihrer Herrin wissen, und je aufrichtiger Sie das tun, umso weniger soll dies Ihr Schade fein.

Das Aufleuchten in den schwarzen Augen der Französin belehrte Windmüller, daß sein Scharf­blick ihn nicht getäuscht, als er das Mädchen auf den ersten Blick als habgierig tarierte.

Oiber ich weih ja nichts, gar nichts' jam­merte Cesarina.Durchlaucht'sagten plötzlich- ..Ich terreife in einer Stunde, packe mir Nachtzeug unb eine einfache Abendtoilette ein das war alles! 2Ucbf eine Silbe »wohin Madame reisen will Nur den Befehl: Lege mir das Zigeunerimien'ostum für !xn Basar zurecht, ich werde zur rechten Zeit morgen abend zurück sein nichts, nichts weiter' eiber unter uns, Monsieur Iwan, der Kam­merdiener, der verstockte Mensch, weih sicher mehr

sicher! Er hat Madame auf den Bahnhof be» glr art, v. muß wissen, wohin sie gereist ist, er hat Maärmes Vertrauen. Einmal wird es ihm ja be­lieben zurückzukommen, und wenn Monsieur warten können

Monsieur wollte nicht warten im Gegenteil, er pries seinen guten Stern, der ihm den Kam- merdiener aus dem Wege geräumt, und hoffte inbrünstig von eben diesem guten Stern, daß seine Geschäfte den Würdigen noch eine Weile fernhal­te nwürden.

Was Sie mir sagen können, würde Iwan wahrscheinlich nicht wissen", erwiderte er in dem überzeugend zuredenden Ton. der ihm schon so oft gute Dienste geleistet hatte.Der Herr Mar­chese ist, wie et mir sagte, der Fran Prinzessin am Nachmittag vor ihrer Abreise in der Villa Borghese begegnet unb sie schien damals noch nichts

(Badische Anilin- und Eodafabrik), für die Einfuhr von Baumwolle nach Deutschland. In großzügigem Umfange an Deutschland gewährte Anleihen und Vorschüsse dienen freilich nicht nur als eine wichtige Maßnahme zur Bekämpfung des amerikanischen Eoldüberfluffes, sondern find auch für Deutschland gewiß sehr wertvoll. Doch befinden sich die Ameri­kaner in einem recht großen und sonderbaren Irr­tum, indem sie nach einer kürzlichen Sonderver­öffentlichung des Handelsdepartements glauben, daß hieraus allein schon eine wesentliche Belebung des Geschäftsverkehrs zwischen Deutschland und Nordamerika folgen und damit deffen Wirtschafts­not entscheidend gunsttg beeinflußt werden könnte. Hierfür ist vielmehr eine gründliche Aenderung der völlig verkehrten Außenhandelspolitik Nordame­rikas unbedingt erforderlich.

Früher gewährte das Ausfuhrgeschäft bei einem Darniederliegen des Jnlandmarktes, wie in allen anderen Staaten, so auch in Nordamerika ein wirksames Gegengewicht. Ein ausgedehntes Aus­fuhrgeschäft ist aber ohne gleichzeitige stärkere Ein­fuhr auch von Fertigwaren nicht denkbar, da alle Staaten das Bestreben haben, ihre eigene Aus­fuhr zu steigern und bet heutigen Entwicklung der Weltwirtschaft auch alle Staaten auf einander an­gewiesen sind. Solch gesunder Warenaustausch ist jedoch mit Nordamerika infolge deffen unvernünf­tiger Hochschutzpolitik unmöglich geworden. Denn das verarmte, ausgepowerte Europa kann nun mal in größerem Ausmaße überhaupt nur mit Waren bezahlen und schränkt seine Einfuhr daher not­gedrungen auf das Notwendigste ein. Soweit es ober Waren drüben beziehst bezahlt es eben mit Gold, wodurch Amerikas Goldüberfluß zu feinem größten Schaden nur immer wieder von neuem wächst.

Nordamerika ist offenbar noch sehr weit davon entfernt, eine vernünftigere Außenhan­delspolitik zu betreiben und wird wohl erst durch schwere Enttäuschungen zu ernüchtern und zu belehren sein.

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Sie ivmiiche Mustrst.

Hat der spanische Diktator schon im allgemeinen viel von seinem Nimbus versoren, so auch bei den spanischen Industriellen. Aus manchen früheren Aeu» ßerungen glaubten vor einem Jahre die spanischen In­dustriellen entnehmen zu können, daß sich Primo de Rivera als großer Jndustrieförderer erweisen werde. Statt dessen wird ihm auch von den spanischen In­dustriellen voroeworfen. daß er wirtschaftlich und zwar nicht allein hinsichtlich der Industrie, sondern auch hinsichtlich der Landwirtschaft, deS Handels ulw. noch mehr versagt habe, als iedc andere Äeaientno. Nun ist ote spant!che Industrie weitaus am stärksten in Katalonien vertreten und bei der jetzigen Beurteilung des Diktators mögen die separatistischen Bestrebungen Kataloniens mit von Einfluß sein. Zunächst glaubte man nämlich in Katalonien, daß Primo de Rivera sich zwar nicht mit dem Separatismus Kataloniens be­freunden könne, baß er aber doch für einen gewissen Degionalismus zu haben fein'werde, für eine gewisse Selbständigkeit des katalonischen Gebietes. Da auch diese Hoffnung trog, mag Rivera in diesem Gebiet mit der größten Industrie Spaniens härter beurteilt werden, als es vielleicht sonst geschähe.

Aber bei der steigenden Abneigung der spanischen Industriellen Rivera gegenüber handelt es sich durch­aus nicht allein um verlorene polittsche Hoffnungen. Die Aufträge der Industrie haben seit Monaten sehr stark abgenommen und die Arbeitslosigkeit hat sich sehr ausgebreitet. Besonders ungünstig liegen die Ber- hältniffe in der spanischen Textilindustrie. Sowohl in der Seiden« und Daumwvllindustrie wie in der Jute-, Hanf- und Leinwandindvstrie kann der Beschäftigungs­grad auf nicht mehr als 50 Prozent der normalen Lei­stungsfähigkeit geschäht werden. Rur die Wollindustrie

von dieser plötzlichen Reise zu wissen. Sie scheinen mir aber eine kluge Person zu sein, die ein paar scharfe Augen im Kopf hat. Aber sicher ich schmeichle Ihnen nicht, Mademoiselle ich sehe, was ich sehe. Nun wohl Sie müs'en doch elwas gemerft haben, was Ihnen diesen plötzlichen Entschluß Ihrer Herrin begreiflich gemacht hat nicht?"

Ob wenn es das ist, was Monsieur wis­sen will boila!" machte Eesarina mit raschem Verständnis. Dann schloß sie die noch offene Tür des Vorraums, nicht ohne vorher nach der Treppe gehorcht zu haben, und schob einen Riegel vor eine scheinbar überflüssige Handlung, die sich der alles sehende Detektiv sehr richtig dahin deutete, daß Mademoiselle Eesarina sich bei dem, was sie auözuplaudern entschlossen schien, nicht von dem gelürchtelen Kammerdiener überraschen lassen wollte.

Hören Sie also, Monsieur! Madame kamen vorgestern, nein, vorvorgestern von ihrer Ausfahrt zurück und ich öffnete ihr die Tür, weil der Herr Iwan wieder einmal nicht da war und Beppino, der zweite Diener, gerade den Tisch deckte. Ma­dame waren kaum über der Schwelle, als eia Herr schnell die Treppe heraufkam, Madame ein paar Worte in der barbarischen Sprache zurief, in der Madame immer mit dem Iwan spricht, und ihr einen Bries überreichte, worauf er wieder die Treppe hinabllef"

Wer war der Herr? warf Windmüller ein.

Weiß ich nicht, entgegnete Eesarina achsel­zuckend.Ich habe ihn nie vorher gesehen, und Madame empfängt ost Besuche, die ihren Namen nicht sogen, die gehen, ohne wiederzukommen, mit denen sie russisch redet, sodaß man nicht wissen kann, warum sie kamen und was sie wollen, kurz, sie

Rücksichtslos gegen Sie, Mademoiselle, sagte Windmüller teilnahmsvoll.Nun, und die Frau Prinzessin den Brief natürlich und

59. Mtg. 1924

ist ein klein wenig bester beschäftigt. In der Metall industrie ist di« Lag« kaum bester, es gibt aber auch Industriezweig«, wo die Berhältniste «och ungünstig«« liegen als in der verschiedenartigen Textilbetrieben. Dabei besteht vorerst gar keine Hoffnung auf ein« Besserung. In dieser Lage hat sich die Meinung über Rivera stark verschärft.

Auch wenn man Primo d« Rivera wirtschaftspo­litisch und als Staatsmann für einen großen Dilettanten hält, darf doch nicht verkannt werden, daß gerade di« Borwürfr, die von 8en spanischen Industriellen er­hoben werden, nur in geringem Umsange berechtigt sind. Zu einem erheblichen Teil ist die spanische In­dustrie im großen europäischen Krieg entstanden, zum mindesten ist sie in den Jahren von 1915 bi« 1918 stark erweitert worden. Wie sich bereits in Italien er­wiesen hat, war aber dies« künstlich geschaffene In­dustrie nicht mehr zu halten, als nach Beendigung deS Krieges auf dem Weltmarkt wieder Verhältnisse ein- traten, die eine Konkurrenz der verschiedenen In­dustrieländer herbefführten. Den spanischen In­dustriellen fehlte es vielfach nicht nur an Organisations­talent, am technischen Können, an Beweglichkeit, son­dern auch an der Fähigkeit, di« komplizierten Verhält­nisse des Weltmarktes zu überblicken. Cte verfügten auch recht häufig nicht über eine fachlich ausreichend geschulte Arbeiterschaft. So stellte sich dann schließ­lich heraus, daß ein Teil der spanischen Industtte wohl in der Treibhausluft des Krieges prosperieren konnte^ daß aber die Wiederkehr der internationalen Kon­kurrenz für die spanische Industrie krisenhafte Er­scheinungen mit sich bringen muhte.

So wirkt die im europäischen Kriege so stark er­weiterte spanische Industrie für baS gesamte Land wie ein Bremsklotz. SS sind große Kapitalien festgelegt worden, die jetzt keinen Zins bringen, wie ein Leer­lauf. der sich in allen wirtschaftlichen Beziehungen und in allen Landesteilen geltend macht.

Der Zusammenbruch der Danca de Barcelona nach dem Krieg war ein deutliches Zeichen dafür, dah eine künstlich aufgepfropste Industrie auf die Dauer keine großen Erträgnisse bringen kann. Hätte Spanien alle die Erwerbszweige, die seinen natürlichen Derhält- nissen und Bedingungen angepaht sind, während bei Kriegsjahre auf bas höchstmöglichste entwickelt, unb ba< gewonnene Kapital zu Landmclivrationen verwendet und seine innere Verwaltung und baS Verkehrswesen geordnet, so wären seine wirtschaftlichen Verhältnillo heute um vieles besser. Sv aber liegt noch immer mehr als der dritte Teil des Bodens vollständig brach. Primo de Rivera hat viel an Spanien gesündigt und seine Herrschaft dürfte nicht mehr allzu lange bauern; ihn aber dafür verantwortlich machen, daß in Spanien die Industrie nicht floriert, ist verfehlt.

«olkSwirMMM WMMerM.

Das Ruhrkohlensyndikat hat beschlossen, oom 1. Ok­tober ab eine etwa Ivprozentige Herabsetzung der Kohlenpreife eintreten zu lassen. Wie weit diese Maßnahme zusammen mit den von der Reichsregierung beschlossenen Ermäßigungen der Frachten und Steuern dazu führen wird, dah in Deutsch­land ein durchgreifender Preisabbau ein» tritt, der durch Vermehrung des deutschen Exports die deutsche Wirtschaft befähigen soll, die ihr durch den Dawesplan erwachsenden Lasten zu tra­gen, bleibt abzuwarten. Zunächst liegen keinerlei An­zeichen dafür vor, daß die Preise in Deutschlarid sich endlich einmal dem allgemeinen Wunsche entsprechend, in rückgängiger Richtung bewegen. Im Gegenteil, di« Großhandelsindexzifser, die am 22. Juli b. I. 114,fr betrug, ist ständig und ziemlich steil emporgeklettert, sodaß sie bereits am. 23. September sich auf 130 stellte, und seitdem sicherlich nicht kleiner geworden ist. DaS bedeutet, daß die Großhandelspreise im Durch­schnitt fast ein Drittel höher sind, als in der Vorkriegszeit. Wenn sich trotz aller Maß­nahmen und Bemühungen der Reichsregierung die Ten­denz zum Preisabbau bisher nicht hat durchsetzen

Dewitz", fiel Eesarina bereitwilligst ein. ..Ma­dame öffnete den Brief gleich hier, fiberffog ihn, und ohne sich Zeit zu nehmen, Hut und Mantel abzulegen, setzte sie sich damit vor das Tischchen dort am Karnin, zog die Handschuhe aus und las den Brief mindestens zehnmal durch, Manffeur, denn ich schielte natürlich hin, während ich die Handschuhe aufnahm, und sah ganz genau. d?.ß er nur wenige Zeilen enthielt. Eh bien. Madame achtete nicht auf mich, schien mich ganz vergessen zu haben, und natürlich blieb ich, wo ich war. denn ich mußte doch meine Befehle abwartennicht?"

Sehr kvrreft, sehr! lobte Windmfiller mit Ent­husiasmus.

Ich sehe, Monsieur haben den richtigen Sinn für meine Pflicht, fuhr Eesarina mit einem nur einer Französin möglichen Augenaufschlag fort. Madame nahmen »was mich natürlich sehr wun­derte, nachoem sie über dem Brief eine Welle ge­grübelt, einen der Papierbogen, die immer hier Eerei« liegen, für den Fall, daß ein Besuch der Ma­dame nicht ontrifst, eine Botschaft hinterlassen will, den daneben liegenden Bleistift, zog damit über das Blatt lauter Quadrate und schrieb Nummern hinein, ujnfc dann, den Brief in der Hand, schien sie ihn abzuschreiben, aber nicht etwa in einer Linie, sondern einmal em Wort hier, ein Wort da, ganz durcheinander

(Fortsetzung folgt)

Siänjenb begutachtet von der gesamten Presse ist da, Werk

Ne Stzolk ter 6te"

we ches jede, Braut- odec Ehepaar besitzen sollt«. Ti« da. Buch schufen, hace» die Uebeijeugun, dah Millionen Men» s.i en unberat-n und naiv in di» Etz« gehen und dah eia« uw endliche Summe menschlichen Glück, in Scherben bricht.

Ein ernste, Werk ist entstanden unter Mitarbeit h-roor» rage der Fachleute und unstreitig da, modernste und 6«{t« Familienwerk auf aus diesem Gebiet. 718 Textieiten, gut »bur.öer. mtr k.-R. 10.-tu beziehen durch Waefft«» Wolff geb . 8/4. Hamvurg i, Holzdamm 28.