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«Murg a. L, Soimabend, dm 1 Oktober

59. sabrv. 1924

Anzeiger für Ws früher hirheffifthe) Sberßeften - AmtlWes BerkündigMgSblatt des Kreises Marburg

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Di, Oterh-Illlch« Z-Ituii," «scheint sech.mal wLLentllch. - v«»«g,peei, m»«,tttch t Wert au,,»lieblich «ustellu«,^ M6r Tur» bk «ost 2,25 mt - File -Ulfallenb« Nummern infolge Streif, oder elementar»» Eretgnifl« kein Ersatz. - Verlag E Dr T slt.eroth.- Drnck b«Lnim.Buchbrucker«i ton 2°h.«ug. «och. Markt 21/23.- S«n,pr.fe, tzostsche«^: Stt-SVÄ

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Mrturä in Senf.

Genf, 3. Oft. Der DölkerbundSrat, ter nach Abschluß der Arbeiten bet Versammlung »och einen Tag in Genf bleibt, um die noch auf der Tagesordnung stehenden Fragen zu erledigen, be­handelte heute Vormittag in öffentlicher Sitzung tzas Angebot der ttalienischen Regierung bett. Schaffung eines internationalen Insti­tuts in Rom zur Vereinheitlichung des Privatrechts und ersuchte' das italienische Tatsmitglied Salandra, dem Rat zur Weiterbera- dlng und Beschlußfassung nähere Angaben zu machen. Ferner behandelte der Rat zwei Vrenz- fragen zwischen Albanien und Südfla- toten. Die erste betrifft das Kloster Rap um, bas, enffprechend der von Südslawien angefoch­tenen Gntscheidung der Botschasterkonferenz nun- toehr nach dem Gutachten des Ständigen Inter- tzmrionalen Gerichtshofes Albanien zugesprvchen toirb. In der zweiten Frage über eine Grenzver- ketzung an der albanischen Grenze durch Süd- Dawien hat sich der Rat die Gntscheidung für Deute Rachmittag Vorbehalten. Zu dem zwischen Albanien und Griechenland schwebenden Streit über die Zugehörigkeit von 14 Dörfern im Albanischen Bezirk Skutari erklärte der griechische Vertreter Politis, daß Griechenland die frühere Gntscheidung des Rates zu Gunsten Albaniens loyal ausführen werde. Gr verlangte jedoch, baß Albanien, das in diesen Dörfern die griechischen Schulen geschlossen hab«, sich an bi« Bestimmungen Les Minderheitenschutzes halte. Schließlich beschloß bet Rat, das Gutachten der Kommission des Völ­kerbundes über den griechtsch-türkifchen DevölkerungsauStausch der griechischen Regierung zuzuleiten. Dann fand eine geheime Sitzung statt, in der verschiedene Fragen der Rü­stungsbeschränkung erwähnt wurden. Auf der heutigen Tagesordnung stehen außerdem noch B»e dein Rat durch feie gestrigen Resolutionen bet Völketbundsversammlung übertragenen Aufga­ben, b. h. Ernennung eines Komitees zur Vor- Berufung gewisser Paktabänderungen, Vorbereitung brr in Artikel 12 des Völkerbundes vorgesehenen wirtschaftlichen und finanziellen Sankktonsmaßnah- fcen, Einberufung und Organisierung einer Ab- eSstungskonferenz.

Genf, 3. Ott. Der Völkerbund verhan- irlte in einer Geheimsitzung über bas Protokoll d-m Benefch, betteffend die Vorbereitungsarbeiten fit die internationale AbrüstungSkon» ferenz und die in Artikel 12 des Protokolls vor» Dsehcnen Vorbereitungen etwaiger Wirtschaft­ler und finanzieller Sanktionen. Dach diesem Projekt behält der Rat die volle Sei« jttog aller dieser Arbeiten in seiner Hand: um sie Zrdech zu beschleunigen, ernennt er ein besonderes stchagliedriges Komitee, in dem jedes RatSmlt- Mttd vertteten ist und bas außerhalb der Rätst a- feng zusammenttitt. Die erste Tagung dieses Ko­mitees findet bereits im Rovember in Genf statt. Cm 9. Februar beginnt die ordentliche Ratstagung And zwar diesmal in Rom. Rach dem Projekt kkenesch wird außerdem eine temporäre, gemischte Kommission für die AbrüstungSbeschränkungen neu teganlsiert; sie soll aus 10 Vertretern der Mitglied- fctoten des Rats, Sachverständig« der Wirtsch-ift« nchen und finanziellen Transitkommission des Völ­kerbundes, Sachverständige der rein militärischen Kommission des Völkerbundes und Vertteter der Internationalen Arbeitsorganisation enthalten. Die fei einer Resolution der Versammlung aufgewot- fute Frage der Heranziehung von Sachverstän- b i g e n aus Staaten, die nicht dem Völkerbund «ngchören, soll in der Dezembertagung des Rates vkltert werden.

Genf, 3. Ott. Die chinesische Delegation ließ bet Presse gegenüber durchblicken, daß ihre Ent­täuschung darüber groß ist, nicht im Rate der- treten zu fein. Diese Mißachtung der Rechte Asiens könnt« dem Völkerbund schaden. Die Der« Antwortung werde sicher nicht den asiatischen Staa- kn zufallen. Ferner wurde mitgeteilt, daß die portugiesische Delegation in diesem Jahre Aicht an der Wahl der Ratsmitglieder teilgenommen habe, da der Wunsch bet vorjährigen Versamm­lung über die Mandatsdauer und den Wahlmodus Acht berücksichtigt worden fei. Diese Mitteilung Achtet sich gegen die Tatsache, daß seit Bestehen öes Völkerbundes Spanien ununterbrochen als Achtstündiges Mitglied dem Rat« angehört und per Einttitt Portugals In den Rat niemals ins Auge gefaßt wurde. i

ff. Paris, 4. Okt. DemPetit Porisien" wird aus Genf berichtet, man nehme dort an, daß Eine außerordentliche Sitzung des Völ­kerbundes gegen Ende dieses Jahres einbe- tufen werde, um über die Zulassung Deutsch- lands zum Völkerbund zu beraten. Diese Beratung werde nur zwei bis drei Tage in An- jjpruch nehmen. Die im Völkerbund verttetenen Regierungen werden ihr« diplomatischen Vertte- «r in Genf mit dem Abstimmungsrecht beauftrn- 6?n Was die Entwaffnungskonferenz anbettefffe, *® glaub« man. daß dies« vor Ende Mai oder

Die Bedingungen der Eozloldemokratie.

Wie wir bereite mitteilten, besteht beim Reichs­kanzler Dr. Marx die Absicht, ein großes Konzen, trationskabinett zu bilden, von Hilferding bis Hergt. Die letzten Besprechungen zwischen Reichs­kanzler Dr. Marx und den Führern der Sozial» demokraii« hatten ein überraschendes Ergebnis, das man in den Kreisen der Regierungsparteien raum erwartet hätte. Die Sozialdemokraten erklärten sich bereit, an der Regierung mitzuwirken, wenn die Deutschnationale Partei die Verpflichtung eingeht, di« republikanische Verfasiung des Reiches zu schützen und den bisherigen außenpolitischen Kurs unan­getastet zu lasten. Außerdem verlangen die Sozial- demokraten die sofortige Ratifizierung des Washing­toner Achtstundentag-Abkommens. Wir glauben zu wissen, daß Reichskanzler Dr. Marx diese For­derungen der Sozialdemokratie, deren Annahme er für seine Person unbedingt zugesagt hat, in sein Berhandlungsprogramm aufnehmen wird, um auf dieser Grundlage mit den Parteien weiter zu ver­handeln. Die bisher mit den Deutschnationalen ge­pflogene Fühlungnahme hat vorläufig noch nicht zu einem positiven Ergebnis führen können, aber es hat augenblicklich den Anschein, als ob noch nicht alle Fäden, die zu einer Verständigung führen könn­ten, zerristen sind.

Wie man hört, beabsichtigen die Sozialdemo­kraten nicht, direkt an der Reichsregierung teilzu­nehmen und irgendwelche Ministersitze*zu besetzen. Vielmehr wollen die Sozialdemokraten die Reichs­regierung bei den parlamentarischen Abstimmungen in der bisherigen Form solange weiter unterstützen, al» die Haltung die Kabinetts nicht in einem offenen Gegensatz zu ihren Forderungen steht. Die Hinzuziehung deutschnationaler Minister in das Reichskabinett würde für die Sozialdemokratie kein Grund zur Eröffnung einer Opposition sein. Wenn auch in den volksparteilichen Kreisen zur Zeit noch der Eindruck besteht, daß die Haltung der sozial­demokratischen Führer auf ein taktisches Manöver zurückzuführen ist, so glaubt man doch oerläufig keinen Grund zu der Annahme zu haben, daß die sozialdemokratische Bereitwilligkeit zur positiven Mitarbeit nicht ernst gemeint ist. Man will nach bet vorläufigen, günstig erscheinenden Aussicht auf Ver­ständigung nicht neue Streitpunkte zur Erörterung fcetwfl.» »...V >!.«*!-----

zu den bisherigen Vereinbarungen Stellung ge­nommen haben. Aber das kann gesagt werden, daß trotz der Bereitwilligkeit von rechts und links die Lage noch ziemlich unklar ist.

Häufig wird sogar in politischen Kreisen die An­sicht geäußert, daß der Versuch eines großen Kon­zentrationskabinetts vom Reichskanzler nur zu dem Zweck gemacht wurde, um die Demokraten, wenn die Verhandlungen mit der Linken gescheitert seien, für den Bürgerblock zu gewinnen. Der vorwärts" nennt diese Absicht einen taktischen Eegenzug des Reichskanzlers. Die Wiederherstellung der großen Koalition wird das darf man nicht vergessen von der Sozialdemokratie als eine günstige Lösung der Krise betrachtet, ja als die allein mögliche.

Als ein Hindernis hierfür sieht derVorwärts" die Deutsche Volkspartei an, und sehr mit Recht. Die Volkspartei dürfte diesmal festbleiben. Sie will unter allen Umständen die Deutschnationalen in der Mitverantwortung wißen. Die Haltung der Demokraten dagegen ist auch heute noch unklar.

Bei allen diesen kommenden Entscheidungen sollte man aber am besten das Wort von der Volks­gemeinschaft ausschalten, da jede Partei diesen Be­griff für sich besonders auslegt. Eine Regierung, die erst im Werden begriffen ist, sollte von sich heraus nicht von einer Volksgemeinschaft sprechen, sondern durch die Tat mutz erst bewiesen werden, daß diese Regierung fähig ist, im Sinne einer Volksgemein­schaft zu arbeiten.

Berlin, 3. Okt. Zur Besprechung des Reichskanzlers mit den Sozialdemo­kraten bemerkt dieDeutsche Tageszei- t u n g", daß die Annahme der von den Sozial­demokraten gestellten Bedingungen für die Deutschnationalen nicht anderes bedeuten würde, als sich der sozialistischen Herrschaft auf innen« wie außenpolitischem Gebiet bedingungslos aus- zuliefem und auf jede eigene Bewegungsfreiheit von vornherein zu verzichten. Eine solche Zu- Inni 1925 nicht stattfinden könnte, daß vielmehr der Zeitpunkt des Zusammentritts um mehrere Mo­nate hinauSgeschvben werd«.

DieQuertreiber.

ff. Paris .4. Ott. Graf Keßler erklärte einem Sonderberichterstatter desMafia" in Genf: Ich kann Ihnen versichern, daß das deut­sche Reich ausdrücklich wünscht, sein Aufnahmege­such in den Völkerbund zu stellen, sobald ihm die Bedingungen über den Eintritt garantiert werden. Es muh natürlich für eine Großmacht auf dem Punkte der Gleichheit verhandelt werden. Rach dieser Richtung waren die letzten Erklärungen des A jnist«: Präsidenten uns sehr angenehm. Wir schließen daraus, daß wir wie die anderen Mächte ein Mandat über unsere Kolonien erhalten wer­den, was für unsre Wirtschaftsausdehnung uner­läßlich ist- das Protokoll anbetreffe, so müsse mar auf unsre besondere Lage Rücksicht nehmen.

fk. London, 4. Okt. Der frühere Reichs­kanzler Wirth, der sich augenblicklich in Lon­don aufhält, erklärte in einer Unterredung mit

rnutung fei natürlich für eine Partei von der Be­deutung der Deutschnationaien unerträglich.

DieZeit steht in der Haltung der Sozial- demokraten den Versuch, die Regierungserweite­rung zu verschleppen, und wendet sich energisch gegen eine derartige Taktik. Die Dinge vertrü­gen keine Verschleppung, sondern drängten zur Entscheidung. Für die Lösung der Schaffung einer Regierungsmehrheit im Reichstag gebe es heute eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten: Einbe­ziehung der Deutschnationaien in die bisherige Koalition oder aber Auflösung des Reichstage». Wenn es nicht gelinge, eine Ver­breiterung der Regierung nach rechts herbeizu- führen, werde sie im Wahlkampf gesucht werden müssen.

DieGermania" wendet sich gegen die in der deutschnationalen Presse aufgetauchte Mei­nung, daß der größere Teil der Zentrums- Partei für die Bildung eines Düroerblocks fei, >nd daß ein unbedeutender linker Flügel unter Führung des früheren Reichskanzlers Dr. Wirth der Bildung eines Bürgerblocks widerstrebe. Die Hoffnung der Deutschnationalen, daß sich die Zen» trumspartei letzten Endes doch noch zu einer Bür­gerblock-Regierung bereit finden würde, fei trügerisch.

DasB e r I. Tageblatt" erklärt, die Ent- 'ü;eibung liege nunmehr bei den Deutschnatio­nalen. Sßte auch die deutschnationale Entscheidung ausfalle, so könne doch wohl der vo lkspar­te i l i ch e Plan einer '5!e gi er u ng ser n>ei­te r u n g schon jetzt als gescheitert angesehen werden. Entweder bleibe vorläufig alles beun Alten, oder das deutsche Volk müsse aufgertifen werden, dem unmöglichen Reichstag vom 4. Alm ein Ende zu machen.

DerVorwärts" schreibt:Sollten die Deutschnationalen aus taktischen Gründen zu ollem Ja sagen, so werde die sozialdemo­kratische Reichstagsfraktion die letzte Entscheidung zu fällen haben.

Berlin, 3. Okt. In einer Aussprache, die heute vormittag zwischen den sozialdemo­kratischen Fraktionsführern und dem Reichskanzler über die Regierung«- - ( ..l .. _ .... .-. _ f

iischer Seite festgestellt, daß die iozmlvemokra- tische Partei sich bet Jber Entscheidung über die Frage der Erweiterung der Reichsregierung nicht von parteitaktischen Erwägungen bei?.mmen lasse. Ohne der Stellungnahme der sozialdemokratischen Reichstagssraktion vorgreifen zu wollen, wurde betont, 'daß die grundsätzliche Ableh­nung der Erweiterung der Reicksregierung im Sinne des Reichskanzlers für die Sozialdemokra­tie nicht in Frage komme, daß aber vor einer achastießendeii Stellungnahme völlige Klar­heit geschaffen sein muß über die Haltung der 'deutschnationalen Partei zum Schutze der republikanischen Reichsverfassung und zur Durchführung des Washingtoner Abkommens und zu den entscheidenden Fragen der deutschen Außenpolitik.

Berlin, 3. Okt. Heute nachmittag fanden Besprechungen zwischen den Beauftragten der deutsch nationalen Reichstagsfraktion und dem Reichskanzler über die geplante Erweiterung der Reichsregierung statt. Die deutschnationalen Vertreter bezeichneten den Plan der Einbeziehung der Sozialdemokratie in die Regierung als eine völlig neue Tatsache. Die bei einer Er­weiterung der Regierung in Betracht kommenden Gesichtspunkte wurden eingehend besprochen. Die endgültige Stellungnahme zu den erörterten Fra­gen wird die deutschnationale Reichstagsfraktion ebenso wie die Fraktionen der anderen Parteien in der nächsten Woche treffen.

Berlin, 3. Okt. Die deutschnationale Reichs­tagsfraktion war bei der Besprechung durch die Abgeordneten Hergt, Graf Westarp, Schiele und Behrens vertreten. Don der Reichsregierung waren außer dem Reichskanzler auch Vizekanzler Dr. Jarres, der Außenmini­ster Dr. Strefemann und der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Gras K a n i tz, anwesend.

einem Pressevertreter, ein Gedeihen Englands kann Seite an Seite mit einem gedeihenden Deutschland erfolgen. Die Zukunft Englands hänge von der Wiederherstellung Deutschlands ab. Ter Dawesbericht habe erst Erfolg, wenn die An­leihe gezeichnet werde, denn dann werde Deutsch­land neues Leben einführsn. Sie werde ein gro­ßer Schritt zur Wiederherstellung Europas be- oeuten.

fk. Rewyork, 4. Okt. Wie aus Tokio ge­meldet wird, ist an maßgebender Stelle die Mei­nung verbreitet, daß die japanische Regierung die Annahme des Dölkerbundsprotokolls über die Sicherheitsfrage durch Odatschi, betreffend Ratifi­zierung nach erfolgter genauer Prüfung, Vorbe­halte gemacht habe.

Rußland und der Völkerbund.

Der Beschluß der deutschen Reichsregierung, grundsätzlich die Bereitwilligkeit zur Teilnahme am Völkerbund auszusprechen, hat eine merkwürdige Rückwirkung gehabt. Von rufst scher Seite und zwar muß man hinter diesen Bemühungen tat­

Ae deutschen WtetschoftSveehlMdlunM

fl. Paris, 4.Ott. Obgleich die deutsch-fran- zvfischen Wirtschastsvechanblungen streng geheim geführt werden, sind ausdrücklich Vorbehalte hin­sichtlich der etwa zu veröffentlichenden Berichte ge- macht worden. ,sMatin" glaubt in der Lage zp sein, über die gestrigen Äußerungen de« Staats- felretäts Trendelen bu r g Folgendes mitzutei­len. Der deutsche Delegierte hat, ohne sich katego­risch anSzufPrechen, erklärt, daß seine Regierung sich weigere, das augenblickliche Handels-Regime in Clfaß-Svthringen zu verlängern. Sein Haupt­interesse sei nicht pvlitischer, sondern wirtschaft­licher Art gewesen. Nchch seiner Ansicht würde di» Verlängerung der in Frage kommenden Klar« fei des Friedensvertrages besonders den Alliier« ten Frankreichs zugute kommen, sobald sich biest aus die Meistbegünstigung berufen, also die glei­chen Vorteile verlangen könnten, wie Elsaß-Loth» ringen. Die Besprechungen über diese Frage wer­den in entgegenkommender Form fein.

schlich Einflüsse der Sowjet-Regierung selber annehmen wird tatsächlich der Versuch g» macht, Deutschland von diesem Entschluß abzubriw gen. Das geschieht durch Einflußnahme auf be­stimmte politische und parlamentarisch« Kreis«, wo« bei die Berufung auf den Rapallovertrag fast immer eine besondere Rolle svielt.

Es ist richtig, daß das offizielle Rußland de» Völkerbund ablehnend gegenübersteht. Rußland weiß ganz genau, daß ein Beitritt Deutschlands auch bestimmte Folgen für Rußland haben könnte, wenn e» sich nicht isolieren wollte. Jedenfalls müssen wir uns in Deutschland vorbehalten, unsere Politik selbst zu bestimmen und es liegt ja auch nicht zuletzt im Interesse Rußland» selber, da eine deutsche Mitwir- kung am Völkerbund auch die Voraussetzungen schaf­fen hilft, um Rußland den Beittitt in den Völker­bund zu ermöglichen.

fk. Warschau. 4. Ott . Die Vorbereitung«» für den deutsch-polnischen Handels­vertrag sind so weit gediehen, baß in nächster Zeit mit der Ernennung der Vorsitzenden und nen ist. J Am 1*0. ds.'"Äts7 KsHKstsgt" sicheInt interministeriell« Kommission mit dem ausgearbel- t<ten Entwurf zum Handelsvertrag.

fk Rom, 4. Okt. Wie die Blätter melden, werden die ha n d e . sner t ra gliche n Ver- Handlungen mit Deutschland im Dezember beginnen.

London, 3. Okt. Der Reichskanzler betonte in einer Unterredung mit dem Berliner Sonderberichterstatter desDaily Expreß in Lon­don, die Frage der Reparationen fei von einem rein geschäftsmäßig wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet und dem politischen Hader ent- zogen worden. Das deutsche Volk sei bereit, die schweren Lasten, die ihm der Dawesbericht auf- erlege, bis an die Grenze des Möglichen auf sich zu nehmen in der Erkenntnis, daß es gelte, durch Sammlung aller Kräfte und Aufbringung einer kollektiven Leistung des ganzen Volkes das eigene Vaterland in absehbarer Zett frei zu machen. Auch liege sowohl der deutschen Regie­rung wie dem deutschen Volk daran, die gemein­same Arbeit zur Befriedung der Welt in dem- selben Geiste fortzusetzen, wie sie in London de- gönnen worden sei.

Das deutsche Volk habe hierbei bisher keinen Grund gehabt, eine Beteiligung an dem Völ­kerbund zu erstreben, von dessen Leistungen es naturgemäß nur für Deutschland Negatives emp­fand. Daß der Völkerbund in wichtigen Fragen auch positive Arbeit leiste, werde wohl von ein­zelnen erkannt. Dock könnte man von der gro­ßen Masse des deutschen Volkes nicht erwarten, daß es angesichts der Entscheidung über Oberschle- fien, um nur ein Hauptbeispiel herauszugreifen, besonders geneigt wäre, durch die Mitgliedschaft im Völkerbund Aktionen zu sanktionieren, deren Kosten das deutsche Volk selber zu zahlen hatte. Nachdem nunmehr das Revarattonsproblem ge­regelt sei, glaube die deutsche Regierung ange- sichts der wichtigen Fragen, die der Enticheidung des Völkerbundes unterlägen, ihre bisherige Hal­tung aufgeben zu müssen. Die deutsche Regierung habe es jedoch für eine Pflicht der Aufrichtigkeit gehalten, bevor sie ihren Antrag zur Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund stellte, sich Ge- wißheit über einige Punkte zu verschaffen, bereu Bedeutung für die zukünftige Stellung Deutsch- lands zum Völkerbund ausschlaggebend sei. Diese Punkte habe die deutsche Regierung m einem Memorandum formuliert, welches den im Rats des Völkerbundes sitzenden zehn Nationen zuge- stellt wurde. Die deutsche Regierung verlange auf dieses Memorandum weniger eine bestimmte Zu­oder Absage, sondern betrachte es als eine em- fettige Erklärung, die sie aus Gründen der Loya- htät vor Stellung des Antrages abgeben zu muf­fen glaubte, lieber die einzelnen Punkte des Memorandums fei in der Oeffentlichkeit viel ge- sprachen worden.

Deutschland liege im wesentlichen daran, feine zukünftige Stellung als Hauptmacht a nt erkannt zu sehen. Die deutsche SRegierima könne nicht umhin, ihre Besorgnis über die Ar» Wendung einer dem britischen Recovery Act ano4