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AWiger Ur <das Mer kurbMche) SberMen - Amtliches Berkünbigunasblatt der Kretkss Marburg

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Sie SWMimg in Sens.

Begleitet von dem in Kens üblich gewordenentau« embcm Beifall" baden sich alle 47 anwesenden aatenvertretet für die Annahme des Protokolls aus« «elvrochen, das in Zukunft alle kriegerischen Ausem« «ndersetzungen vermeiden soll. Es charakterisiert den tatsächlichen Eebalt der Genfer Beschlüsse, daß ausge« schnei Frankreich in den lebtest Tagen in wachsendem teaBe sich als valmeschwenkender Wortführer idealster Miedensgesinnung bejubeln lassen konnte. Die im Saufe der Jahrhunderte stark abgegriffenen Jonglier- Js Je des französischen Revolutionswortschatzes schwirr- tzkr! nur so durch die Luft und fanden bei dem anscheinend Listig nicht sehr anspruchsvollen Genfer Publikum den '^wünschten Beifall. Durch weitgehendes Entgegen- fcTnmcn gegen die von Frankreich unterstützten Wünsche Jovans hat man auch einen Schönheitsfehler beseitigt, Hkssen Tilgung zwar die Einstimmigkeit des Annahme- hejchlusses ermöglichte, dafür aber in den Bereinigten Eraaten von Nordamerika begreiflichcrveise recht wenig gründliche Stimmungen hervorgerufen bat. So wer- stkn denn im Laufe der nächsten Monate die in Frage /kommenden am Völkerbünde beteiligten Regierungen Me Stellung zu einem Dokument nehmen können, das, »t System unwahr, in der Praxis unanwendbar, den b»rch die Friedensdiktate geschaffenen Beutestand ver- «eigen und Deutschland den Zutritt in das Genfer Kollegium nicht gerade erleichtern wird.

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Gens, 2 Okt. Zu Beginn der heutigen Schlußsitzung der Völkerbundsversammlung BurSe aus Antrag Urruti a-Columbien beschlos­sen, Leon Bourgeois telegraphisch die An- »hme der Resolution über das Protokoll mitzu­teilen und ihm für sein Wirken im Dienste des Schiedsgedankens zu danken. Hierauf schritt die Scr'ammlung zur Wahl der sechs n i ch t st ä n- fcigen Ratsmitglieder. Die bisherigen Latsmitglieder Uruguay, Tschechoslowakei, Spa- men, Belgien und Schweden wurden im ersten Lahlgang sofort miedergewählt. Nach Ver- -tündigung des Ergebnisses verließ die ch i n e- !sis ch e Delegation, die ihre Kandidatur ausgestellt Jjatte, geschlossen den Saal.

Nach der Wahl der Ratsmitglieder hielt Präsi­dent Motta eine lange, mit starkem Beifall auf- ßenommene Schlußrede, in der er zunächst lern Sekretariat und der Presse, den unentbehr- Lhen Verbündeten, für ihre Mitarbeit dankte. Nachdem er einen dringenden Appell zugunsten der Armenier an die Versammlung gerichtet hatte, gab er einen Ueberblick über die Arbeiten der Tagung und vor allem des Schieds- und Sank- ^rnsprotokolls, wobei er besonders die Verdienste von Benesch und Politis erwähnte. Als das wesentliche Ergebnis dieser Tagung bezeichnete er die Bedeutung, die das Schiedsverfahren ange­nommen habe. Hierbei sprach er Mussolini seinen Dank für die Unterzeichnung des italienisch-schwei­sterischen Schiedsvertrags aus und erwähnte die Lizyclica des Papstes Benedikt XV. vom 1. Slug. 1917, in der dieser ein Schiedsverfahren mit Sank­tionen anempfohlen hatte, und gedachte schließlich des Präsidenten Wilson. Sicher sei es verständ- üch, so fuhr Motta fort, wenn die Regierungen «rd Parlamente vielleicht zögern würden, das Protokoll zu unterzeichnen. Es fei dann Sache der Delegierten, nachzuweisen, daß es trotz aller Unvollkommenheiten einen großartigen Fort­schritt bedeute. Falls die Abrüstungskonferenz tücht zustande kommen sollte, bliebe den Mächten iBchts mehr übrig, als mit Entsetzen über die Hölle Mchzugrübeln, die ihnen die nächsten Kriege mit Ihren chemischen Massen bereiten würden. Aller­dings genüge das Protokoll nicht, so lange es zücht von dem Gedanken der Versöhnung beseelt fti. Motta erinnerte hierbei an einen Besuch in et französischen Kriegszone im letzten Jahre, aus dem er den heißen Wunsch mitgebracht habe, daß »jemals mehr derartige Menschenopfer fallen und Bott den Völkern den Weg der Versühnung auf der Grundlage der Gerechtigkeit öffnen möge. Diesen Wunsch hege er im Interesse des Friedens Europas, als Sohn eines Landes, in dem italie­nische, französische und deutsche Schweizer neben­einander leben und gegenseitig ihre großen Kul­turen achten. Hieran anknüpfend erklärte Motta rmirtlich: Darf ich es sagen, oder muß ich mich des Vertrauens der Versammlung unwürdig zeigen, indem ich meine Meinung verberge. Es scheint mir, daß der kürzliche Beschluß der deut­schen Regierung, der dem Reich den Wey zum Völkerbund zeigte, damit es in einer Zeit, die hof­fentlich nahe ist, hier eintritt, ein gutes A n - Deichen ist. So lege ich, was mich betrifft, die Beite und die Absicht, die darin skizziert ist, aus. Sräfibent Motta schloß unter Zitierung der chlutzworte von Dantes Divina Comödia, indem betonte, daß der Völkerbund von dem Willen Moralischer und politischer Erhebung, inspiriert durch die Religion und begünstigt durch die Wis- Mschast, beseelt fein muß, und erklärte darauf die Mnfte Tagung der Völkerbundsversammlung für Beschlossen.

Der Rede des Versammlungspräsidenten folgte «nganhaltender, stürmischer Beifall. Während der Mtzten Sitzung wurde das Schieds- und das »anktionsprotokoll zur Unterzeich­nung aufgelegt und bereits von folgenden Staa­ten unterzeichnet: Albanien, Bulgarien, Estland, Frankreich, Griechenland, Jugoslawien, Lettland, Dolen, Portugal, Tschechoslowakei. Frankreich Dmterzeichnete auch das Sonderprotokoll über den «chiedsgerichtshos.

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Amsterdam, 2. Okt. Wie die Niederlän­dische Telegraphenagentur aus dem Haag erführt, vertritt die niederländische Regierung bezüglich ®es Senfer Sicherheitsprotokolls die Meinung, daß sie, obgleich der Entwurf in man« werlei Hinsicht einen erheblichen Fortschritt be-

Die Bechanölimsen in Berlin.

Das Aktionsprogramm, das der Reichskanzler Marx am Mittwoch Abend in derGermania" ver« öffentlicht hat, findet im allgemeinen bei der Op­position keine sehr freundliche Aufnahme. Die entscheidende Schwierigkeit der beginnenden Ver­handlungen wird von derKreuzzeitung" berührt, wenn sie, anscheinend parteioffiziös, nachdrücklich einen Kurswechsel in der Innen- und Außenpoli­tik als Voraussetzung für die deutschnationale Be­teiligung verlangt. Es könne garnicht die Rede davon sein, daß in dem künftigen Kabinett die seitherigen Auffassungen der Mitte in der Politik führend bleiben. Die Sozialdemokraten begnügen sich, öie bestehenden Meinungsverschie­denheiten zu regiftrieren und ihrem absoluten Pessimismus in Bezug auf die Aussichten einer Einigung Ausdruck zu geben. Die Deutsche Volkspartei wird die undankbare Rolle der Vermittlerin weiter spielen und sich nach Kräften um die Verwirklichung des Gedankens der Volks­gemeinschaft bemühen, aber man darf ihr nicht zumuten, die gesamten Grundlagen ihrer bisheri­gen Politik preiszugeben und sich lediglich zum Sprungbrett für die Machtansprüche der bisheri­gen Außenseiter, auf welcher Seite auch immer, mißbrauchen zu lassen.

Reichskanzler Dr. Marx wird nach seinen Be­sprechungen mit den Parteiführern den Reichsprä­sidenten Ebert aufsuchen und ihm das Ergebnis der von ihm geführten Verhandlungen mitteilen. Wie wir hören, wird Dr. Marx feine Bemühun­gen, eine Umbildung des Reichskabinetts vorzn- uehmen, bis Ende der kommenden Woche fort- setzen. Sollte sich ergeben, daß auf der Grundlage der vom Reichskanzler vorgesehenen Lösung keine Verständigung unter den beteiligten Parteien zu erzielen ist, so hält Reichskanzler Dr. Marx eine Regierungskrise für ganz unvermeidlich. Wir glauben zu wissen, daß der Reichskanzler die Re­gierungsparteien darauf aufmerksam gemacht hat, daß er im Falle eines Scheiterns feiner Bemühun­gen sich gezwungen sähe, mit dem Gefamtkadinett zurückzutreten.

In der Frage der Umbildung der Reichsregie­rung ist seit Mittwoch eine erhebliche Verschärfung eingetreten, die sehr ungünstige Aussichten für btt bevorstehenden Verhandlungen mit den Deutsch- nationalen eröffnet. Im Gegensatz zu der Deutschen Volkspartei, die sich für die Hinzuziehung der Deutschnationalen einsetzt, formulieren die maß­gebenden Kreise des Zentrums immer schärfere Be­dingungen, von deren Erfüllung sie die Erweiterung der Regierungskoalition abhängig machen. Da­durch wird die Gefahr eines offenen Bruches zwi­schen der Deutschen Volkspartei und dem Zentrum heraufbeschworen, der zu einem Auseinanderfallen der gegenwärtigen Regierungskoalition im Reiche zu führen droht. Auf der einen Seite vollzieht sich die Annäherung zwischen der Deutschen Volkspartei und den Deutschnationalen, während auf der an­deren Seite Zentrum, Demokraten und sogar die Sozialdemokratie eine einheitliche Linie verfolgen.

In den deutschnationalen Kreisen beurteilt man die Lage gegenwärtig sehr pessimistisch. Man spricht von einer groß angelegten Sabotage, die von Seiten des linken Zentrums und der Demokraten ausgeübt werde. Diese Sabotagetaktik habe schon jetzt die Voraussetzungen für eine Verständigung gefährdet, indem tatsächlich das ganze Problem der inner- politischen Entwicklung im Reiche aufgeworfen werde. An die Stelle der gemeinsamen Berührungs-

punfte trete jetzt die Trennung der politischen Zn- tereffen, die dazu führe« wird, daß sich beide Lager hinter einen Wall von Bedingungen und Garantien verschanzen muffen und in einen heillosen Kriegs­zustand miteinander geraten.

Die y<d| langen in Berlin.

Berlin, 2. Okt. In der Reichskanzlei fand heute nachmittag eine Aussprache zwischen Füh­rern der Regierungsparteien und dem Reichskanz­ler statt. Die Absicht des Reichskanzlers, zum Zwecke der Verbreiterung der Reichsregierung Verhandlungen mit der Deutschnationalen Volks­partei und der Sozialdemokratischen-Partei aus­zunehmen, wurde gebilligt. Von dem Ergebnis dieser Verhandlungen wird der Reichskanzler den Führern der Regierungsparteien Mitteilung machen.

B e r I i n, 2. Okt. Wie wir erfahren, dauerten die heutigen Verhandlungen in der Reichskanzlei von 5 Uhr nachmittags bis 7,30 Uhr. Erschienen waren vom Zentrum die Abgeordneten Ste- gerwald, Spahn und v. Guerard, von der Deut- schen Volkspartei die Abgeordneten Dr. Scholz und Curtius, von der demokratischen Fraktion Abgeordneter Erkelenz, Dr. Haas und Keinath. Von der Regierung nahmen außer dem Reichskanzler Marx teil: Vizekanzler Dr. Jarres, Außenminister Dr. Stresemann, Reichswirtschaftsminister Hamm und Reichsmini­ster für Ernährung und Landwirtschaft Graf K a n i tz.

Bereits vor längerer Zeit war von demokrati­scher Seite beim Zentrum und den Sozialdemo­kraten angeregt worden, unverbindliche Vorbespre­chungen zu eröffnen über ein gemeinsames Vor­gehen in der Frage der Reichspräsidentenwahl. Bisher" war es zu einer solchen Aussprache noch nicht gekommen, aber nachdem die Verhandlungen über die Bildung einer Rechtsregierung begonnen haben, will die demokratische Reichstagsfraktion aufs neue versuchen, mit den Nachbarparteien Füh­lung zu nehmen. Es wird dabei betont, daß man das Zentrum zu diesen Besprechungen natürlich nur da»n hernnziahen würde, wenn es sich nicht in eine Koalition mit den . Deutschnationalen begeben würde. Also auch hier dieselbe Taktik der Linken!

Zentrum und Reichsbanner.

Da dsas Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold sich immer mehr als ein Ableger der sozialdemokra­tischen Organisationen entpuppt, ist es nur zu na­türlich, daß es bei den anderen Parteien in wach­sendem Maße aus Ablehnung stößt. Trotz der heißen Bemühungen Dr. Wirths, feine Pattei in das sozialistische Fahrwasser zu lenken, verliert seine Richtung immer mehr an Boden. In einer Entschließung des Vorstands der Westfälischen Zen« ttumspartei wird über bas Reichsbanner gesagt' Der Vorstand der Westfälischen Zentrums- Pattei hält Sonderorganisatione« zum Schutze der Verfassung für einen Anhänger ter Zentrumspattei nicht für angezeigt: des­halb kann auch der 'Beitritt zum Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" nicht empfohlen werden. Der gegebene Boden, von dem aus die Verfassung gesetzt und die pollttsche Betättgung betrieben werden kann, ist für unsere Parteifreunde die Zen > trumsoiganisation.

deute und empfehlenswert fei, sich in einzelnen Punkten noch eine erschöpfende Prüfung und Er­wägung vorbehalten müsse, bevor sie Verpflich­tungen eingehe.

Ser reuW-srmMcke MdelSvertrag.

Paris, 2. Okt. Die erste Arbeitsfitzung der französischen und deutschen Delegationen, die über den Abschluß eines Handelsvertrags verhandeln, hat heute nachmittag im Handelsministettum statt- gesunden. Handelsminister Rainaldy, der den Vorsitz führte, hielt eine Rede. Er unterstrich die Schwierigkeit und die Dttnglichkeit der Ver­handlungen und erklärte:

Frankreichs wirtschaftliche Kräfte wurden durch die Besetzung immobilisiert und vernichtet; um sie wieder aufzurichten, hat es eine große An­strengung unternommen. Aber es hat aus eige­nen Dritteln die Kosten des Wiederaufbaues vor- fchießen müssen. Trotzdem es dieses ungeheure Werk durchgefühtt hat, konnte es schon nach dem Kriege zum Regime der Handelsfreiheit zurück­kehren, und wenn es durch eine Entwertung fei­nes Geldes berührt wurde, so ist ihm doch eine Währungskatastrophe erspart geblieben.

Deutschland dagegen hat Einschränkungen in der Handelsfreiheit vorgenommen, die für es selbst und für andere Länder eine Behinderung waren. Es hat auch die Katastrophe eines Währungsstur- zes durchmachen müffen, von dem es sich aller­dings durch feine Energie wieder erhebt. Es hat aber fein Handelsrüstzeug behalten und ent­wickelt. Das Spiel seiner wirtschaftlichen Kräfte war also niemals unterbrochen. Sie arbeiten mit vollen Ergebnissen und zwar dermaßen, daß die Arbeitszeit erhöht wurde, während Frankreich auf Grund internationaler Abmachungen nach dieser Richtung beschränkt ist.

Diese Tatsache zwingt uns die Verpflichtung auf, mit Ihnen zu erforschen, ob die Wirtschaft der beiden Länder in gleichem Grade zu normalen Produktionsbedingungen und auf normale Kon­kurrenzbedingungen zurückkommen kann, und sie zu fragen, ob sie einen entscheidenden Schritt zur Wiederherstellung des Warenaustausches unter­nehmen wollen. Wir können diese Frage sofort durch ein endgültiges Statut regeln, aber wir kön­nen auch im Gegenteil ein zeitliches Regime schaf­fen, ein Regime, das uns gestattet, Erfahrungen zu sammeln, und das wir uns Vorbehalten, später zu vervollkommnen und zu stabilisieren.

Es gibt noch andere, dringlichere Fragen, deren Berechtigung angezweifelt werden kann: die Frage, ob Deutschland das System der Prohibi­tion, der Kontingente und der Lizenzen, das es im Laufe des Krieges eingettchtet und noch nicht voll­kommen beseitigt hat, fortsetzen will oder ob es der Handelsfreiheit zurückzukehren gedenkt. Außerdem hat Deutschland noch nicht seine Tarife aufgestellt, auf denen wir unsere Arbeiten auf­bauen können. Die Antworten» die uns auf diese Fragen gegeben werden, werden natürlich einen Einfluß auf das abzufchliehende Abkommen haben?

Handelsminister Rainaldy sprach alsdann von der Lage in Elfaß-Lothringen.Das Regime des Friedensvettrages, so sagte er, an dessen Stelle zum Teil das neue Statut treten muß, hat zum Schutze Elsaß-Lothringens ein Sonderregime für den deutschen Markt geschaffen. Das wäre, nie­mand kann das anzweifeln, eine Maßnahme der Billigkeit. Es hat Präzedenzfälle bei anderen Verträgen gegeben. Eisatz-Lothringen hat iedoch nur teilweite den Nutzen aus diesem Regime, auf das es ein Anrecht hat, ziehen können. Es ist andererseits unantastbar, daß feine Produktion, die auf den deutschen Markt angewiesen ist, nicht unterbrochen werden kann, ohne eine ernste Ge­

fahr für das Land zu bilden. Die französische Re­gierung muß in ihrer Sorge und als eine Daran, tie für den Frieden und die Entspannung die Frage der Aufrechterhaltung des Sonderregimes noch für einige Zett zum Schutze Elsaß-Lothttn- gens fordern und zwar unter noch zu bestimmen­den Modalitäten.«

Handelsminister Rainaldy erklärte weiter, ee gäbe auch noch andere Fragen, die aufgeworfen werden und ohne deren Lösung die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern prekär bleiben würden. Der Handelsminister nannte hier Transport- und Schisfahrtsfrcuzen. Alle diese Pro­bleme wolle die französische Regierung diskutte- ren. Die Anwesenheit der Führer der hauptsäch« lichen Industriezweige beweise, daß das notwen­dige Studium mit der wünschenswerten Sorgfalt durchgeführt werde. Schließlich erklärte der Minister, man müsse wissen, welche Garantien die deutsche Regierung zu geben bereit fei, um das Abkommen gegen alle lokalen Taxen und Ab­gaben, Umsatzsteuer, Luxussteuer ufro. zu sichern, die die Länder etwa zur Anwendung bringen könnten. *

Paris, 2. Okt. In der heutigen ersten Ar. deitssitzung der französischen und der deutschen Delegation für den Abschluß eines Handelsver­trags ist beftimmt und protokollarisch festgelegt worden, daß von morgen, Freitag, ab, die Sitzun­gen ftreng vertraulich sind und daß keiner­lei Mitteilungen an die Presse gehen mit Aus­nahme der amtlichen Kommuniques, die von Zeit zu Zeit ausgegeben werden.

London. 2. Oft.Daily Telegraph" besaht sich in einem Leitartikel eingehend mit der Frage des Handelsvertrages mit Deutschland. Das Blatt führt aus, die britischen, amerikanischen und an­dere an der Dawesanleihe interessierten Banken seien in ihren Verhandlungen mit den deutschen Sachver­ständigen auf sehr wenig Schwierigkeiten gefloßen und die Fähigkeit und Einsicht Schachts hätten in London einen starken Eindruck gemacht. Die Ankunft Luthers sei ein Zeichen, dab sich die Frage jetzt in ruhigem Endstadium befindet. Luther selbst habe durch seine ehrliche Behandlung der Schwierigkeiten, die der An­nahme des Dawesplanes in Deutschland im Wege stan­den, überall hohe Anerkennung gefunden. Sn Schacht und Luther habe man hier zwei führende Männer der deutschen Regierung kennen gelernt, deren persönliche Beziehungen mit Männern in gleicher Stellung in Lon­don gut seien. Es fei $u hoffen, dab diese Gelegenheit benutzt werde, um ihren britischen Standpunkt mit Be­zug auf die Verhandlungen über den deutsch-englischen Handelsvertrag vor Augen zu führen. Diese Verhand­lungen seien augenblicklich durch Schwierigkeiten unter­brochen, die in hiestgen Banken und Geschästskreisen eine starke Verstimmung erzeugten. Die Stockung sei auf die geplanten fiskalischen Maßnahmen der deut­schen Regierung zurückzuführen, da die Aussichten de» britischen Handels ernstlich durch die Auferlegung die- ses Tarifes beeinträchtigt würden, außerdem bestehe die Gefahr der Vorzugsbehandlung für gewisse Industrien in Frankreich, die England nicht genießen soll. Wie derDaily Telegraph" erklärt, habe es hier Erstaunen erzeugt und mehr als Erstaunen, daß eine derartige Politik von der deutschen Regierung unternommen wird zu gleicher Zeit, wo Schritte seitens Grobbritan- niens getan werden, um durch llebernahme eines gro­ßen Anteils an der Dawesanleibe zur Wiederherstel­lung der deutschen wirtschaftlichen Stabilität und der deutschen Kredite beizutragen. Es sei schwierig, zu ver­stehen, wie die Regierung die notwendige Unterstützung mit einer Hand annehmen könne, während sie mit der anderen ein Gesetz erlasse, das unmittelbar ernstlich die materiellen Interessen eines der Länder, das zu feiner Hilfe mitwirkt, schädigt. Zwei Dinge brauche Großbri­tannien von Deutschland: die Aenderung des geplanten Tarifes in der Hinsicht, daß feine Wirksamkeit gegen den britischen Handel nicht prohibitiv sein würde und die Fortsetzung der Meistbegünstigung, die jetzt und feit vielen Jahren ein zentraler Grundsatz in den britischen Handelsbeziehungen mit Deutschland gewesen sei. Daily Telegraph" hält es für mehr als wahrscheinlich, dab die Weigerung, mit der diesen Anforderungen bis­her begegnet worden sei, auf die Annahme begründet worden ist, daß Großbritannien, das zur Politik der freien Einfuhr verpflichtet und daher nicht in der Lage fei. mit fiskalischen Vergeltungsmaßnahmen zu droben, ohne ein Derteidigungsmittel gegen eine Aktion dieser Art sei. Diese Annahme sei eine Täuschung. Es seien augenblicklich reichliche Beweise vorhanden, daß bi- britische Finanz sich der Notwendigkeit, die Macht ru gebrauchen, bewußt sei. Das Blatt weist darauf bin, dab die britischen Kredite die wenigen Millionen, die England zur Dawesanleibe beffteuere, bei weitem über­schreiten und für Deutschland in unmittelbarer Zukunft von vitaler Notwendigkeit sein würden. Die in der City von London erzeugte Verstimmung über den augenblicklichen Stand der Dinge verdiene daher eilte sehr ernste Aufmerksamkeit seitens der deutschen Regie­rung und der deutschen Geschäftswelt. Die britische Finanz sei bis heute in hohem Maße sich der Notwen, digkeit bewußt, ihre Macht in jeder Hinsicht zur Unter­stützung der britischen Industrie zu verwenden. Da» Blatt schließt: Die wachsende Stärke der Ansichten der City in diese: Frage sei eine höchst bezeichnende Tat- fache, von der sich Luther während seines Besuche» werde Rechenschaft ablegen müffen und es fei zu hoffen, dab die Schlüsse, die sich ihm aufdrängen werden, bei seinen Kollegen in Berlin Gewicht haben werden.

Deutschland und Me Türkei.

Zwischen den einst «.beten Staaten be­ginnen in letzter Zeit die f eziehungen sich wie­der etwas enger zu gestalten. Schoa äußerlich kommt diese Tatsache in der Wiederbelebung de - deutschen Ansehens in der Türkei durch die kürzlich erfolgte Reueröffnung der deutsche« Schulen in Konstantinopel, durch das Wiederauf­leben des kirchlichen deutschen Lebens ebendott zum Ausdruck. Cs ist sicherlich zu erwarten, daß Die noch schwebenden wirtschaftlichen Unstimmigkeiten bald behöbe« werden.