Marburg tu L, Sommbeab, den 11 ervtrmber
59. Mro. 1924
Anzeiger für (bas Mer kurkeffif»ei Sberbesien - Amtliches Berkimdtgimsblatt des Kreises MrSurg
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Speyer a. Rh., 12. Sept. Die Zollstellen am Hauptbahnhof, an der Schiffbrücke und der Rheinhau- sener Fähre wurden gestern aufgehoben.
Koblenz, 12. Sept. Der Oberbürgermeister von Mainz erhielt die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Dienstgeschäft«.
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ben letzten Monaten derart zugenommen, daß ein besonderer Schutz der Mieter möblierter Zimmer nicht mehr notwendig erscheint. Der Reichsarbeits. Minister hat daher die Regierungen der Länder an* geregt, die Wohnungszwangswirtschaft für möblierte Räume in derartigen <5e« meinden aufzuheben. Di« Entscheidung, für welche Gemeinden die Aufhebung erfolgt, liegt bet den zuständigen Ministerien der Länder.
Zwangswirtschast für möblierte Zimmer auf- gehoben.
Berlin, 13. Sept. Das Angebot an möblierten Zimmern hat in den einzelnen Gemeinden in
Owen Young reift nach Paris.
Paris, 12. Sept. Wie der „Temps" mitteilt, kehrt der Generalagent für die deutschen Zahlungen, Young, morgen abend aus Berlin nach Paris zurück, um die Reparationskommission über die von ihm bereits angeordneten Maßnahmen zu unterrichten. Young wird sich auch in der kommenden Woche mit den beiden Treuhändern Delacroix und N o g a r a unterhalten, die vor dem 6. Oktober von der deutschen Regierung die Zertifikate über 11 Milliarden Eoldmark Eisenbahn- und 5 Milliarden Goldmark Industrieobligationen erhalten müßten. Vor dem 6. Oktober müßten auch alle Ausführungs- und Kontrollorgane, die der Dawesplan vorsehe, gebildet werden. Ebenso müßten die neue Emissionsbank und die Reichseisenbahngesellschaft endgültig eingerichtet werden. Die Reparationskommission werde im Einverständnis mit dem Generalagenten in der nächsten Woche die verschiedenen Beschlüsse studieren, die noch gefaßt werden müßten. Die Abmachungen über die Unterbringung der 800 Millionenanleihe müßten bis spätestens 21. Oktober getroffen werden.
rung könnte auf ihre Souveränität in solchen Dingen verzichten. ES würde gut sein, wenn die öffentliche Meinung auf dem Kontinent sich nicht durch irrtümliche Auslegungen Irr« leiten lasse.
Paris, 12. Sept. Wie Havas aus Cherbourg meldet, ist Robinson an Bord des „Leviathan" in Cherbourg angekommen und hat sich im Sonderzug nach Paris begeben, wo er mit Young zusammentreffen will.
Der Minifterrat in Rambouillet.
Paris, 12. Sept. Heber die heutige Ministerratssitzung in Rambouillet wird ein amtlicher Bericht ausgegeben, in dem es heißt: Ministerpräsident Herriot hat seine Kollegen über die auSwürrige Lags und insbesondere über die Arbeiten des Völkerbundes in Genf unterrichtet. Der Finanzminister Elemente! hat den Stand der Vorbereitungsarbeiten des Budgets für 1925 und die Maßnahmen auseinandergesetzt, die er trifft, um das Budget in kurzer Frist in ein wirkliches Gleichgewicht zu bringen und vorzulegen. Bei den Ausgaben eines jeden Ministeriums seien Streichungen vorgenvmmen worden, prn sie auf die Ziffern des Budgets von 1924 her abzusetzen, trotz der Krediterhöhung, di« durch das Inkrafttreten der im Laufe der letzten Jahre angenommenen Gesetze erfolgt sei. Der Minister für öffentliche Arbeiten hat für den Stand der Frage der Wicder- einstellung der Eisenbahner berichtet und mitge- tellt, daß bei den Staatseisenbahnen diese Wieder- einstsllung jetzt beendet sei. Der Marineminister hat fcrtcfi den Ministerrat zwei Dekrete annehmen lassen und dem Präsidenten zur Anterschrift unterbreitet, durch die rnc Reorganisation des Obe» kommandos in der Marine durchgeführt wird, wodurch eine größere Einheitlichkeit des Kommandos yV <t:f- n und gleichzeitig der Personalbestand vermindert werde.
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J« Vürgnkritg In Wim.
Schanghai, 12. Sept. An der Westfront haben die Tschekiangtruppen Ishing erobert. Westlich vom Taihu-See haben sie dadurch die Kiangsu- Truppen gezwungen, bis nach Tschangtschou zuriick- zuwoichen.
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Nie Kümpfe in Marotts.
Paris, 12. Sept. Wie das „Petit Journal" über die Vorgänge in Spanisch-Marokko berichtet, find die von General Primo de Rivera unternommenen Versuche, Tschefchuan zu befreien und die Lau» Linie ficher zu befestigen, nicht glücklich gewesen. Gegenwärtig hätten die Spanier bie Stellung, die sie aus den den Laufluh beherrschenden Höben besetzt hielten, geräumt. Auf der Strahe von Te- tuan nach Tschefchuan hätten sich die Rifleute der Schlüffelstellung von Sub-el-arba bemächtigt, und die spanische Garnison von letuon, ungefähr 8000 Mann stark, sei augenblicklich vom Feinde vollkommenumzingelt,' sie werde sich zweifellos bemühen, die Linien der Rifleute zu durchbrechen, um sich nach der Küste zurückzuziehen, bevor der Regen den Rückzug unmöglich macht.
Ein Minister in Spanien verhaftet.
Paris, 12. Sept. Dach einer Havasmeldung aus Madrid hat das Direktorium den früheren Minister Maura G a l l a r d o verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Er wird den Militärbehörden zur Verfügung gestellt werden, weil er Gerüchte verbreitet haben soll, die die militärische Disziplin beeinträchtigen könnten.
Vach den Blättern hat der frühere Minister einen Brief an Maura gerichtet, in dem er die unmoralischen Vorgänge, die der Präsident des Direktoriums, Primo de Rivera, begangen haben soll, besprach. Dieser Brief soll der Polizei in die Hände gefallen sein.
London. 12. Sept. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt: Amtliche Kreise in London waren gestern abend über die Begeisterung, die gewisse Bemerktfngen Lord Parinoors am Mittwoch über die Frage des Schiedsgerichts und der Sanktionen in einem Teil der französischen und der übrigen alliierten Presse hervvrgerufen haben, einigermaßen über- rascht. Es wurde die Vermutung ausgesprochen, daß Parmvor etwas ganz Neues sagte, was auf ein großes Zugeständnis an den französischen Stand- punkt hinauslaufen würde. Soweit in London fest- gestellt werden konnte, sei Parmvor in keiner Weise über Arttkel 16 der Dölkerbundssatzung hinaus- gegangen, der vorsehe, daß in Fällen, in denen die Satzung verletzt würde, der Schuldige, wenn er nicht ohne Beihilfen der Flotten der Hauptsce- Mächte wirkungsvoll boykottiert werden könnte, wirtschaftlich boykottiert werden sollte. Der Berichterstatter weift daraus hin, daß die Entscheidungen des Völlerbimdsrates in allen Fragen von hervorragender Bedeutung einstimmig sein müßten, baß auch jeder Mü^liedsstaat darüber eintscheide, welchen Beittag er mit seinen Streitkräften bei Sanktionen dieser Art leiste, endlich, daß jeder Staat seine dolle Souveränität und mllitürischr Mn» abhängigkett bewahre. Keine britische Regie-
5. WN-blMöSllMNg.
Genf, 12. Sept. Im 6. Ausschub kam heute die litauisch-polnische Streitfrage über Wilna auch in diesem Jahre wieder zur Sprache, und zwar anläblich des von Litauen gestellten Antrages, gewisse Entscheidungen des Völkerbundsrates durch den ständigen Internationalen Schiedsgerichtsbos revidieren zu lasten. Es handelt sich dabei um die vom Rate beschlossene polnisch-litauische Demarkationslinie, die später von der Botschafterkonferenz zur endgültigen Grenze erhoben wurde. Die 6. Kommission überwies diese Frage an einen Unterausschuß, in dem die litauische Delegation eine Vertretung forderte, worauf auch der polnische Delegierte einen Sitz im Unter» ausschus verlangte. Anläblich dieser Frage kam es zu einer längeren Auseinandersetzung über den Wilnaer Konflikt und über die Frage der Zuständigkeit des Rates, die der litauische Delegierte Ealvanauskas unter Berufung auf die Korfudebatte zu Gunsten der Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofes nach- drucklichst ablehnte. Die Kommission beschloß, keinen Vertreter der beiden Staaten in die Kommission aufzunehmen, ste aber gegebenenfalls zum Verhör vor den Unterausschuß zu laden.
^k.^i'W«tgem U sowie?. ?^igen. O.lO.Sote.
Jeder Rabatt gilt als Barrabat
ftrieMM und Mkerttms.
Am Freitag ist einigermaßen überraschend der Relchsauhenminister Dr. Stresemann nach Berlin »urLckgekehrt. Der Reichskanzler wird »war erst ftuhe- stenr am Montag hier erwartet, doch kann man schon letzt ein regeres Leben in der Reichsregierung feststellen. Auch zu den aktuellen Fragen der deutschen Außenpolitik find nun endlich offiziöse Erklärungen zu erhalten, die man bisher sehr vermißte Wir geben die folgenden Ausführungen als den Standpunkt der Reichsregierung wieder:
Die Frage der Kriegsschuld ist bereits vor London fm Reichsrat aufgerollt worden, der einstimmig der Absicht des Kabinetts zustimmte, auf der Konferenz einen Protest gegen die Kriegschuld lüge abzugeben. Das war in London nicht möglich, da man am letzten Tage keine Zeit fand, Mac Donald von dieser Absicht ht Kenntnis zu setzen. So mußte die Ausfüh- tung verschoben werden bis zur Beratung im Reichstag. Bei den Verhandlungen mit den Deut sch - «ationalen, die Dr. Stresemann in vollem Einvernehmen mH dem Reichskanzler führte, wurde die Frage nach dem Kriegsschuldvrotest dahin beantwortet, daß das Kabinett bereits alle Vorbereitungen dazu ge- ttoffen habe. Wegen des Lärms der Kommunisten wurde die Erklärung nicht im Reichstag verlesen, sondern durch die Prefie veröffentlicht. Die Notifizierung Xäre wohl am besten sofort erfolgt, aber technische Schwierigkeiten verhinderten das. Der Reichskanzler ruichtete ein privates Schreiben an Herriot und Mac Donald, besten Inhalt seltsamerweise bereits 24 Stunden später von Savas verbreitet wurde. Von da an begannen auch die Bestürmungen der Reichsregierung, daß sie nicht nottfizieren solle. Das Kabinett bat sich nicht auf den Termin festgelegt, wobl aber auf die tatsächliche Ausführung. Man mag die Ankündigung für einen Fehler halten — aber die Autorität des Kabinetts erfordert nunmehr auch die Durchführung.
Dies gilt umsomehr, als der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund unmöglich erscheint, solange die Frage der Kriegsschuld ungelöst ist. Wir haben zwar in Genf Reden über unseren Eintritt in den Völkerbund gehört, aber, amtlich ist niemand mit einer solchen Aufforderung an uns herangetreten. Weder in London noch danach. England bat einmal rach unseren Bedingungen gefragt. Die einzige Be- Nrrkung eines Diplomaten, die neuerdings hier in Berlin vernommen wurde, lautete dahin, es gäbe wohl künftigere Momente für ein deutsches Anfnabmegesuch. Die Satzungen des Völkerbundes find in Versailles von den Siegern geschaffen worden, um sich zu sichern und Deutschland auszuschließen. Ein ständiger Sitz im Völ- brbundsrat ist das Zeichen der gleichberechtigten Groß- wach t. Hierin ist das Kabinett durchaus einig. Ami- haben wir bisher nicht das geringste Anzeichen va- siir erhalten, daß man unsere Bedingungen, die man genau kennt, glatt anzunebmen beabsichtigt. So werben wir in Ruhe weiter matten. Sier liegt keine Parteifrage, sondern eine Zweckmäßigkeitsfrage vor.
Diese recht bemerkenswetten Aufklärungen werden, »ic wir glauben, in einem großen Teil des deutschen Volkes lebhafte Zustimmung finden.
Offener Brief an den deutschen Reichskanzler.
Herr Reichskanzler!
Der B > .sbund „Rettet die Ehre" als älteste der ,vn Kampfe gegen die Kriegsschuldlüge fiehenden Organisationen begrüßt mit Genugtuung, ktß den fremden Regierungen offiziell ‘ r Kenntnis gebracht werden soll, »te deutsche Reichsregierung erkenne die fc genannte „Feft stellun g", nach der Deutschland den Weltkrieg entfesselt labe, nicht an.
Das NMSwirtschaflsminiflerium und die RichiuSbüsuns oder das „61 des
Kolumbus".
Qu. Berlin, 13. Sept. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß in den nächsten Monaten trotz der Erhöhung der Hauszinssteuer um 4 Prozent die Miete innerhalb Preußens dennoch keineSteigerung erfahren würde. Diese Maßregel hängt zusammen mit der Aktion des Reichswirtschaftsministeriums, die auf eine allgemeine Verbilligung der Lebenshaltung gerichtet ist. Das Reichswirtschaftsministerium har sich mit den zuständigen preußischen Stellen in Verbindung gesetzt und darauf gedrungen, daß die Miete auf ihrem jetzigen Stande vorläufig erhalrer bleiben müste, da sonst die ganze Aktion zum Schei-j tern verurteilt sei, weil gerade die Lebenshaltung der Lohn- und Gehaltsempfänger von den Mict- preisen wesentlich abhänge. Selbstverftändlich hat in Hausbesitzerkreisen die Ankündigung di^er Maßnahme großen Widerspruch gefunden und es ist bereits für die nächste Zeit mit Gegenaktionen! in Protest Versammlungen und im Preußischen Landtage zu rechnen.
Seulschss RM.
Kabinettsrat.
Berlin, 13. Sept. Wie die .Boff.Ztg." berichtet. ‘ wird nach Rückkehr des Reichskanzlers Dr. Märst I am Montag ei» KabinettSrat über die politischen Sagest ragen stattfinden.
Gegen dir Sonnabendbörse.
Berlin, 13. Sept. In einer Versammlung i Berliner Dörsenvertreter wurde gestern abend em« Entschließung gefaßt, die gegen die geplante Wieder- einführung von Svnnabendbörfen Stellung nimmt«
Rittergut»! Htzer e. Lochow f.
Am Montag ist in Petkus (Mark) der Rittergutsbesitzer Ferdinand v. Lochow im 75. Lebensjahr g*- storben. Herr v. Lochow hat fich als Züchter des bekannten Petkuser Roggens in landwirtschait« lichen Kreisen einen Namen gemacht. Von ter philc- soobischen Fakultät der Universität Halle batte er Anerkennung seiner verdienstlichen Forschungcu t » Versuche die Würde eines Ehrendoktors dcr Philosophie erhaltc-r.
Wird jedoch zu hosten sein, daß dadurch die neg- s Frische, das deutsche Volk ächtende Beschuldigung r tton als Verleumdung erkannt wird? Die deutfch- ' 'kindliche Presse in Frankreich, England, Rumänien den Ländern der kleinen Entente iübtt schon feit einen Prooaganda-Feldzug gegen die „ieab-- Migte" Erklärung der Reichsregierung und die fran« fische Regierung gab bereits in halbamtlicher Form Km Beweise angeblicher Unschuld bekannt, daß sie bei «negrausbruch zum Zeichen ihrer Friedensliebe rbre ' puppen 10 Kilometer von der deutschen Grenze zu- t, ”ü«je;ogen habe.
■ lächerlich diese Abwebrversuche sind, weil der ko ntenmäßige Beweis von der „Einkrei- iung" Deutschlands und dem jahrelang •{r t> t e n „Kesseltreiben" gegen das £ •««tftße Volk in der ganzen Welt ve- R » v o r lieg t, so beweisen sie doch, daß : die reinigende Wirkung der deutschen Erklärmg
•« oller Kraft unterdrücken will.
linier diesen Umstünden bitten wir, c!,.c Klärung ?.kk Frage, wer die Haupt Verantwortung "r den Weltkrieg tragt, durch den ,,Jn- -krnationalen Gerichtshof im Haag" zu ?e 1 Obschon dieser Gerichtshof sich durch die rnkcl 14 des Bölkerbundsvertrages, sowie 34 und 35 ?*’.(Scri(f)ts6offtatute5 selber „formal" die Möglichkeit Zr*'1 "ie Prüfung abzulehnen, weil Deutschland „nicht L ?.?n. Mächten gehört, die Anträge stellen können", f ourtte doch erreichbar sein, daß eine der „objektiv" ienden zuständigen Machte sich diese Weltfrage zu- «en macht und im Interesse der Wahrheit
3l-'? der Weltgerechtigkeit Deutschland zur seiner Ehre die Hand bietet. Sollte aber "rnich ferne der Mächte den Mut besitzen, diese im- 8e‘in„Irenne,^ei, Frage vor dem „Jnter-
‘Onaten Gerichtshöfe im Haag" aufmotfen, so t«rn n"n den Regierungen aller Kul- fttn»ttnn «rbie Einsetzung eines in.
Q t to n al e n, neutralen Schiedsge- de^ ^ S 8U h!?stbe® V?®?, di? Kriegsschuldfrage nach Formen des „Rechtes beantwotten kann.
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j - Mit vorzüglicher Socha tuns r er Vorstand des Volksbundes „Rettet die Ehre" Zenttale Bremen
3. A.: Der Vorsitzende D 6 c. O. Hartwich, Domprediger.
moiDmart Amtlich« en» auswärtige Anzeigen 0,10 (Sol
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ebenso Auskunft durch die Defchäftsstelle nndZusendnng »«^»ngebote. «rfällu^Ltt M«8nrg, 1 M
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Paris. 12. Sept. Wie HavaS aus Senf meldet, könne man schon jetzt sagen, bah Frankreich, Troßbtt» tannien und Italien bereit seien, die SchiedSklau -- fei für alle Konflikte juristischer Att als verbindlich anzunehmen. 68 fei nicht zweifelhaft, daß, wenn diese Absicht durch bi« älnterschttft unter ein diesbezügliches Protokoll ihren Mederschlag stnden würde, dann die anderen Rationen, die mittleren und kleinen, diesem Beispiel folgen würden, und für alte Fälle werde dann ein bettächtlicheS Ergebnis erreich! fern, da das Protokoll, unter daS die großen Mächte ihre Unterschriften setzen würden, automatisch in Kraft treten und sofott tolle Wirksamkeit haben würbe.
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Unruhen in Mittel uns Südamerika?
R e w v o r k, 11. Sept. Der zurückgetretene Präsident von Chile, Alessandtt, hat sich in Begleitung des nordamettkanischen und de» argentinischen Gesandten von Santiago in das Innere begeben. In Mendoza bestiegen sie den Ueberlandexpreß nach Buenos Aies. Die Regierung des General Altamttano bedeutet das Ende des parlamentarischen Liberalismus in Chile. Altamttano wird mit dem italienischen Ministerprä- benten Mussolini, häufiger noch mit dem spanischen Diktator General de Rivera verglichen.
Aus Brasilien kommen neue Meldungen über Ausstände lokaler Natur.
In Nordecuador hat fich General Raffael Florencio Arzager gegen die Regierungstruvpen erhoben.
Die Unsicherheit in Honduras dauert an. Zum Schutz der bedrohten Gesandtschaften in Tegucicalva hat Kontteadmiral Dayton im Hafen von Ceiba Ma- nnetrutoen vom Kreuzer „Rochester" gelandet, die I zum sofortigen Transport nach Teguttcalpa bereit ge-1 halten werden.
Santiago de Chile, 11. Sevt. Die neue Regierung ist gebildet und schließt General AI k a - I mitano, General Rennet und Admiral Reff ein. Sie wird den Kongreß auflösen. I
Der preußische Landtag würde im FrÄha jahr 1925 eine« natürlichen Todes sterben, feint Ahr ist ab gelaufen. Es war nun die Frage, de I man das Ende etwas beschleunigen und die Reu- I Wahlen tot Frühwlnter abhalten sollte, um mit der 1 Neuregelung der Negierungskoalition, die sich cm besten an eine neue Zusammensetzung des Parlaments anfchlösse, nicht mehr so lange jfü warten. Nun hat jedoch ein« toterfraftioneHe De- fprcchung tot Landtag das Ergebnis gehibt, dich die Mehrzahl der Parteien mit den Wahlen big zum Febniar Watten will. Soll das heißen: auch I mit der Regierungsumbildung warten? Das schiene uns denn dock zuviel der Gemütlichkeit. Man wirft dagegen die Forderung aufstellen müssen: entweder I Kabinettsrevision noch im alten Landtag — oder I schleunige Neuwahl! Bei uns zulande haben öi« I meisten Leute eine Scheu vor Wahlen, die man I in England nicht kennt. Allerdings ist man rö- ben auch in der polittfchen Erfahrung so viel weiter, daß man nach dem wildesten Wahlrummel sich wieder die Hände schüttelt und zus.immen- geht, wo es nötig ist; während die Deutschen 6ie I Bahorgien der Wahlzeit sich zu Harzen nehmen I trV- sthr schwer davon lvSkommen. Soll man darauf Rücksicht nehmen — oder durch häufige Ue&ung rie Nerven stählen? Die Antwort fällt immer I der Parteien leicht die von Neuwahlen viel be- I fä'chten — oder erhoffen.
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Aus dem Metten Settel.
L - Monsignore Testa nach Rom zuriickgekehrt.
Köln. 12. Sept. Der päpstliche Lelegat Monsignore Testa, der bekanntlich feit l1/« Jahren im Rheinland und im Ruhrgebiet weilte, kehtt jetzt nach Dom zurück. Bor seiner Abreise stattete er am Mittwoch dem Oberpräsidenten Dr. F u ch s in Koblentz einen Besuch ab, um ihn zu seiner Rückkehr in Amt und Heimat zu beglückwünschen und um sich tow ihm zu verabschieden. Der Oberpräsident bankt« ihm für ben Glückwunsch, welcher ihn tief berührt hab« und nahm sodann Gelegenheit, feinen und der Provinz Dank zu sagen für das hohe Interesse, daS der päpstlich« Stuhl durch die Entsendung eines Vettreters von hervorragendem Range ben befonberen Verhältnissen beft besetzten Gebietes bewiesen habe. Manche Sorg« und manche Rot seien burch das warmherzige, von jeder Politik ferne Liebeswerk des Msgre. Testa gemildett oder verscheucht worben. Hierfür schulbeten nicht nut die Betreffenden, sondern auch Staat und Prvvintz ferner Heiligkeit dem Papste unb besten Abgesandte« ben wärmsten Dank.
Regierungspräsident Matheus zurück.
Speyer a. Rh., 12. Sept. Im früheren Lanbrat- faale bes Degierungsgebäubes fand bte feierliche Begrüßung bes in bie Pfalz zurückgelehrten AegierungS- prösibenten Matheus burch bie Beamtenschaft bet Regierung statt. Regierungsdirektor Staehler, der bisher die Geschäfte bes Regierungspräsibenten füfjrie, begrüßte namens bet Beamtenschaft ben Regierungspräsidenten und hieß ihn zur Wiederaufnahme feiner Tätigkeit herzlich willkommen. In längeren Ausführungen erwiderte Regierungspräsident Dr. QKatßr.tl unb brückte seine /Freude darüber aus, baß e8 ihm nunmehr totebet vergönnt ist, zum Wohle ber Pfalz unb ber Bevölkerung zu wirken. Mit bem erneuten Treugelöbnis für baS bayrische und deutsche Vaterland endete bie Kunbgebung.
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