Marburg a. Frrliag, den ß. Septembrr
59. Mro. 1924
m.215
Anzeiger für (bn§ früher furhcüiftbc) Oberhessen - Amtliches Lrerkün-igungsbiatt »es Kreises Marburg
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In Genf kann zur Zeit mindestens ein Dutzend Journalisten sich ehrlich sein Bro! damit verdienen, daß es nichts anderes tut, als die Mißverständnisse aufzuklören, die durch die Reden auf der BösterbundStagung erzeugt werden. Gleich mit der Rede Mac Donalds fing es an, dessen Mort Sber den oberschlesischen Fehler allerdings auch „ach dem englischen Stenogramm keineswegs so mißverständlich war, wie es nachträglich gemacht werden sollte. Ebenso konnte eS auch durch die fpdieu Interpretation niemandem genommen werden die Aeußerung Mac Donalds über die Fest- fiellbarkeit einer Schuld am Kriege erst nach 50 Jahren aus den Weltkrieg von 1914 anzuwendsn. Aber auch an HerrivtS Satz, wonach es für den Fall des Eintritts Deutschlands In den Dölker- bund keine Privilegien und Sonderrechte geben sollte, wird nun hinterher herumgebeutelt und man behauptet jetzt unter der Hand, daß Herriot Deutsch- fanfc einen ständigen Sitz im Böllerbundsrat zu- billige und keine neue Erllärung über die Schuld mn Kriege verlangen wolle. Hierüber wird man «5er noch unzweideutigere Erklärungen der Franken abwarten müssen. Es scheint sich zunächst »ttr um einen Versuch zu handeln, einem Artikel der Stresemannschen „Zeit" die Spitze abzu- stieg«n, in dem auSgeführt war, Deutschland könne sich nicht um den Eintritt in den Völkerbund br- fverben, solange die Fragen der Kriegsschuld» erllärung und beS Sitzes im DklkerbundSrat nicht geregelt seien. Schließlich sst auch noch der englische Delegierte Lord Parmoor dem allgemeinen Schicksal des MißverstandenwerdenS verfallen: die Heu:sche Pazifistenpresse bringt in großer Aufmachung seine AuSschußrede, worin er die Beteiligung Deutschlands an den Verhandlungen über die Feie- stensficherung gefordert hat, muh bann aber einen nachträglichen Kommentar hinzufügen, der besagt, Loh Sorb Parmoor den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ebenfalls von einem deuschen Aufncch- »eanttag abhängig mache. Die ganze Fruge stkeibt also nach wie vor in der Schwebe. And wenn nun auch der Amerikaner Henry I. Allen, der Zweifellos Deutschland wohlwill, einem Vertreter der „Vossischen Zeitung" erklätt hat, er würde als Deutscher nach längerer Aeberlegung doch am Ende W dem Schluß kommen, baß der Eintritt des Reichs in den Völlerbund beantragt werden müsse, weil Deutschland dadurch aus einem Objekt zum Sub- Mt der Weltpolitik würde — so ist das ja sehr hübsch gesagt. Aber die Voraussetzungen, die wir «n das Aufncchmegesuch knüpfen, laufen doch gerade darauf hinaus, daß wir es im Voraus sicher steilen wollen, nicht nur Objekt, sondern auch Subjekt zu sein.
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Paris, 11. Sept. Der Berichterstatter des .Statin“ schreibt: Lord Parmoor hat gestern im Flamen Großbritanniens versprochen, bah die englische Flotte W Gunsten deS angegriffenen Landes und gegen dar «^greifende Land jede Unterstützung gewähren werde. Denn das wirklich wahr ist, so ist baS viel mehr als ein Schritt vorwärts.
Unter Bezugnahme auf die Erklärung Lord Par- *»cr8 und Paul DoncourS in (Senf schreibt der »Petit Parifien", daß man niemals seit der Gründung des Völkerbundes eine so enge Annäherung zwischen dem stanzöfischen und englischen Gesichtspunkt über die aus einer Grunbklausel des Dölkerbundpaktes sich ergebenden Gtllndpunkte festgestellt hat.
Auch der Sonderberichterstatter des »Petit Journal ' stlllr die fortschreitende Annäherung des französischen Md englischen Grundsatzes, die man sehr weit von Mander entfernt gehalten habe, fest. Es scheine jetzt, für den Fall eines Konfliktes Frankreich genau «eder in derselben Lage befir.ven würde, wie bis zum vuli 1914. '
Nach dem »Figaro" ist der gestrige Tag ein nutz- drmgender gewesen. Gr gestattete eine Versöhnung *M<f)en dem englischen und franzdsischen Grundsatz W erhoffen.
Genf, 11. Sept. Der hier weilende Abge° Ebnete Dr. Dreitsch «id hielt gestern abend « einer von dem Internationalen AniversiiütS- kcrbond veranstalteten Versammlung einen Dor- «eg über das Thema: .Deutschland und die fünfte ttrollerkundsversammlung“, in der er einen mSg- M schnellen Eintritt Deutschlands in
Völkerbund empfahl. Das schwedische “"üglied des Döllerbundsrates, Dranting, der Vorsitz führte, sprach sich ebenfalls zu Gun- okn des EinttittS Deutschlands in den Völlerbund und erklärte, daß Deutschland auch einen st S n- ®‘9en Ratssitz erhalten müsse. Ferner ergriff Gras Harry Keßler baS Wort.
Genf, 11. Sept. Angesichts des Gegensatzes, . zwischen den Darlegungen SalandraS in ' letzten Woche und denjenigen des anderen aiieinischen Delegierten Schanzer zu bestehen ^^nt, war in der Presse erklärt worden, daß dem Delegierten Salandra seine lln- ^Niedenheit über dessen Stellungnahme zugunsten kianzosjschen These ausgesprochen habe und Folge davon dann die von einem anderen Ge- »punkte ausgehende Rede Schanzers war. Sg-
landra dementiert jetzt in der Genfer Presse die Nachricht, daß Mussolini irgendwie eingegriffen habe.
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Die deutsche» Archivare gegen die Kriegsschuldlüge.
Münster, 11. Sept. Der hier tagende 16. deutsche Archivtag hat folgende Entschließung angenommen: Die in Münster versammelten Archivare erheben vor den französischen Kollegen und der ganzen Welt feierlich Einspruch gegen die Behauptung, daß Deutschland und seine Verbündeten die Urheber beS Weltkriege- seien. Vierzig Jahre lang lehrte Frankreich, daß verantwortlich für den Krieg nicht der ist, der ihn erklärt, sondern der ihn unvermeidbar macht. Wenn man aber die beweiskräftigen Veröffentlichungen auS den deutschen und österreichischen, sowie russischen Archiven unterdrückt, wenn man die Oeffnung der französischen und englischen Archive hartnäckig verweigert und sich statt dessm auf causa judicata beruft, so erblicken wir darin den deutlichsten Beleg, daß man die restlose Feststellung der wirklichen Zusammenhänge fürchtet. Wir fordern demgegenüber unsere Kollegen auS Frankreich und den vormals feindlichen Ländern auf, mit unS einzutreten für eine wissenschaftliche und unparteiische Erschließung der Quellen, die unerläßlich sind zur Erforschung der Wahrheit und zur Verwirklichung der Gerechtigkeit.
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Str BMungsubbau.
Man wird anerkennen müssen, daß bisher für das b sichte Gebiet einige Erlrkchterungen geschaffen worden sind. Der Paßzwang ist auf- gehoben, die Zollgrenze ist gefallen, das widerrechtlich besetzgewesene Ruhrgebiet kann wieder zum Deutschen Reich gezählt werden, ist ohne Schwierigkeiten zu erreichen, die Verbindungen sind wieder normal, der Güterverkehr kommt wieder in altgewohnten Gang. Das Leben im Ruhrgebiet beginnt aufs neue zu pulsieren. Zahlreiche Bettiebe, die sich bi» aufs äußerste eingeschränkt hatten, beginnen Lieder lebhaftere Produktion. Die überaus große Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet läßt immer mehr nach. GS hat den Anschein, so wird von überall berichtet, als ob man befreiter atmet und Handel und Wandel, Arbeit und Leben wieder ungehemmter geworden sind. And doch ist noch nicht alles geschehen, um dem Ruhrgebiet die alte, in London vereinbarte Freiheit zu geben. Noch ist die französische Besetzung nicht in dem Maße abgebaut, baß sie unsichtbar geworden ist. Die französischen Soldaten sind genau wie früher in den Straßen zu sehen, noch immer müssen die Ruhrbewohner dem alten Befehl folgen und vor französischen Offizieren den Hut ziehen, noch immer verlangt der französische Soldat Anerkennung seiner Autorität. Obwohl täglich Züge mit militärischem Material, Sonderzüge mit abgebauten Soldaten, mit den übrig werdenden Regie-Eisenbahnern, mit den angeworbenen französischen AushilfSarbei- tern nach Frankreich abgehen, ist das Bild der Besetzung noch nicht wesentllch verändett. Das kommt in der Hauptsache daher, weil die Besatzung sich zu sehr auf lange Frist eingerichtet hat und weil sie so umfangreich gewesen ist, daß ein gründlicher Abbau vorgenommen werden mutz, eine langwierige Räumung zu erfolgen hat, ehe man tatsächlich von einer Räumung des Ruhrgebietes sprechen kann.
Noch ist übrigens nicht einmal eine Hauptbe- dingung des Londoner Abkommens erfüllt. Wohl sind eine Anzahl von Haftenttassungen erfolgt, sind zahlreiche politische Gefangene wieder heimgekehrt, aber die Amnestie noch nicht in der Weise durch- gesührt, wie es vorgesehen war. So ist es Aufgabe und Pflicht der deutschen Regierung gewesen, beim Quai d'Orsay zu protestieren gegen die Verzögerung der Amnestie. Nicht mit einem Schlage, wie eS zunächst von französischer Seite angekündigt wurde, wie man es auch in London vereinbart hatte, hat man die Gefangenen aus dem Kerker entlassen, sondern einzeln, gewissermaßen unter genauer Prüfung der einzelnen Persönlichkeiten werden die Gefangenen in die Freiheit gesetzt. DaS muß selbst- verständlich bei der Ruhrbebölkerung große Empörung Hervorrufen und bei ihr den Anschein erwecken. als ob die Franzosen nicht die Absicht hätten, bereitwilligst den Abmachungen von London zu entsprechen. Auch die Rückkehr der AuSge- wiesenen wird von mancherlei Hemmungen begleitet. Wenn auch bereits gestattet ist, daß alle AuS» gewiesenen zurückkehren dürfen bis auf einzelne, die besonders genannt worden sind, so überrascht es dennoch, daß immer neue Verfügungen entweder französischer Behörden oder der interalliierten Rheinlandkommission ergehen, die nur einer bestimmten Anzahl, zum Beispiel von Beamten, die Einreise gestattet. So ist von den vielen Beamten, die die Regiestellen aufgeöen mußten, die abgeschoben worden sind oder sich in Sicherheit brachten, um nicht verhaftet zu werden, nur einer Zahl von 500 bisher die Rückkehr erlaubt. Wenn französischerseits auch versichert wird, man müsse in dieser Angelegenheit langsam Vorgehen, so widerspricht das nach unferm Empfinden den Londoner Vereinbarungen, die ganz anders lauten. In
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Berliner maßgebenden Kreisen Höri man, die Absichten HerrivtS seien ehrlich gewesen, er sei aber machtlos gegen die Willkür der französischen amtlichen Stellen, die sich das Recht anmaßen, Befehle von Paris nach ihrem Willen auszulegen und bis zuletzt den Deutschen ihre Macht zu zeigen. Wie wir unterrichtet sind, bemüht sich die Berliner Regierung dauernd, mit sanftem Druck in Pari« durch die Verhandlungen mit den in Frage kommenden Besatzungsbehvrden die Londoner Vereinbarungen durchzuführen. And e« kann gesagt werden, daß sie auf keinen Widerstand stößt, fteilich immer wieder muh man hören, daß technische Gründe sie verpflichten, gründliche unb überlegte Arbeit zu leisten. Bis eine Räumung des Ruhrgebiets in dem erwünschten Maße erfolgt, wird tatsächlich eine lange Zeit vergehen. Dis die Aufhebung aller überflüssigen Bestimmungen zur Tatsache geworden ist, wird der Winter heran kommen. Man muh jedenfalls aus den Erfahrungen, die diese Erscheinung bringt, den berechtigten Schluß ziehen, daß die letzte Räumung des Ruhrgebiets, bas heißt, der Abzug aller Besatzungstruppen, nicht vor einem Jahre erfolgen wird und die von Herriot mit allen Mitteln verfochtene IahreSftist einzuhalten das Be- strebcn der mMtärischen französischen Kreise fein dürfte. Wenn Außenminister Dr. Strefemann im Reichstage der Hoffnung Ausdruck gab, es sei wahrscheinlich, daß der letzte ftanzösische Soldat bereit« lange vor Abschluß eines Jahres bas Ruhrgebiet verlassen habe, so lehrt uns her Vorgang, den wir jetzt im Ruhrgebiet beobachten müssen, daß diese Hoffnungen desAußenministerS zu großen Optimismus besitzen und nur bann eine Berechtigung erhalten werden, wenn vielleicht nach geraumer Zeit ein sanfter Druck von England aus oder von Seiten der Geldgeber Frankreich veranlaßt, etwas schneller die kostspielige Restbesetzung zu beseitigen.
Frankreich sucht zu Muffen.
Köln, 11. Sept. Der Pariser Vertreter der „Kölnischen Volkszeitung" hatte Gelegenheit, mit einem der nächsten Mitarbeiter Her- riots über die französische Auffassung zur Kriegs- schuldftage ausführlich zu sprechen. Aus den Aus- fuhrungen oeS Franzosen geht hervor, daß fr an- zösischerseits alle Hinweise auf Dokumente und geschichtliche Tatsachen immer wieder mit den bekannten Einwänden abgelehnt werden. Sollte Deutschland, so heißt es in den Aeußerungen weiter, tatsächlich zur Notifizierung der Kriegsschulderklä- rung des Reichskanzlers übergehen, dann soll moft sich in Deutschland darüber klar werden, daß unter Arn ständen Frankreich alles baran- setzen werde, die Kriegsschuldfrage vorbasHaagerSchiedsgerichtzubrin- gen und dessen Entscheidung stehe von vornherein fest (1). Dann aber würbe die Angelegenheit für Deutschland eine höchst ungünstige Wendung nehmen.
Auf die Frage nach der Auffassung über die Re- gierungsumbildung in Deutschland wurde darauf hingewiefen, daß es jetzt für die gesamte europäische Lage höchst günstig sein würde, wenn die deutsche Regierung baS 'Parlament schon jetzt auflösen wollte. Wit einer Reichstagsauflösung und Neuwahlen wird in Paris bestimmt gerechnet. Die Rechts- und Linksparteien des Reichstages und namentlich die Kommunisten würden bei den Neuwahlen sehr viel Einbuße erleiden.
Zurückziehung srauröfifcher Truppe».
Essen, 11. Sept. Gemäß dem Befehl des kommandierenden Generals Rvem vom 32. Armeekorps soll die dritte französische Division, die den Dortmunder Bezirk belegt hat, au« der Besät- zungSzone herausgezogen werden. Das 24. Infanterieregiment in Recklinghausen soll bis zum 27. September abgezogen fein. Für diese Truppen kommen diejenigen Teile des 18. Dragonerregi- ments nach Recklinghausen, die zur Zeit in Dort- mund liegen. Die Zivildienststellen wie die Regiebahn usw. sollen im Recklinghausener Bezirk bis zum 20. Oktober vollständig abgebaut sein, während der Abbau der ZollverwaltungSstellen vom 15. September ab erfolgt.
Paris, 11. Sept. Nach einer Havasmelbung aus Dortmund find bisher in Durchführung des Artikels 7 des Anhanges 3 des Londoner Protokolls 51 in französischen Gefängnissen im Ruhrgebiet fe st gehaltene Deutsch« in Freiheit gesetzt worden, davon 36 LInterfuchungSgefangene und 15 Verurteilte. Sie Durchführung der Amnestiemaßnahmen nehme ihren Fortgang.
Di« ersten Gefangenen befreit.
Zweibrücken, 11. Sept. Die ersten politischen Gefangenen sind gestern au» dem hiesigen Gefängnis in Freiheit gefetzt worden. Es handelt sich meist um Leute aus dem Rhein- und Ruhrgebiet; sie sind alsbald in ihre Heimat zurückgekehrt.
Die Gefangenen in den pfälzische» Gefängnissen.
Zweibrücken, 11. Sept. Zur Zeit befinden sich in pfälzifchen Gefängnissen noch 81 politische Gefangene
und zwar in Zweibrücken 58, in Germersheim 20 sowi» i« einer in Ludwigshafen, Frankenthal unb Neustadt a. d. H. Leber den Begriff »Politisch« Gefangene", bestehen zwischen den ftanzdfifchen Desatzungsbehbrden unb den einschlägischen deutschen Stellen große Meinungsverschiedenheiten. So werben von den 58 Zweibrücker Gefangenen nur 20 al» politische Gefangene betrachtet unb als solche zur Entlassung kommen. Begreiflicherweise hat sich der Gefangenen eine große Aufregung bemächtigt, sodaß st« in Zweibrücken sogar tx den Hungerstreik eingetreten waren, um eine für st« günstiger« Entscheidung hetbeizuführen. Aach ein« Verfügung beS kommandierenden General» in Landau werden alle Gefangenen bi» zu 3 Monaten Strafzeit sofort entlassen. Dementsprechend erhielten am 10. September 6 Gefangene des Militärgefängnisses Zwei» brücken die Freiheit wieder. Leber die Entlastung d« mit mehr al» drei Monaten bestraften politischen Gefangenen hat sich General Degoutte bi« endgültig« Entscheidung Vorbehalten. ES besteht die Befürchtung, daß sie als Kompensattvnsobjekt in der veparattsten- frage zurückbehalten werden. Im Militärgesängni» Zweibrücken befinden sich auch noch 41 sogenannt« Deportierte, d. h. die Rhein- unb Ruhrgefangenen, 6te während des passiven Widerstandes nach ftanzösische» Strafkolonien verbracht worden waren unb auf deutsch« Vorstellungen wieder zurückgeführt wurden.
Deutschland und di« sranzöfisch« Abrechnung im «nb» Gebiet.
Berlin, 12. Sept. Die Ausstellung, die von bet französischen Regierung über ihre Einnahmen im besetzten Gebiet verdsfentlicht wurde, wird von deutsche« Seite für lächerlich gering gehalten. Selbst wenn man die Auffassung zugrunde legt, bah die veröffentllchten Zahlen nur die Reineinnahmen dnrstelltcn. Rach Abzug aller Verwaltung»- und sonstigen Lnkosten müssen die gesamten Ziffern weit unter den tatsächlichen Einnahmen liegen. Insbesondere die 197 Millionen Franken, die alS die Einnahme der Regieetsenbahn ausgenommen werben, können die tatsächlichen Einnahmeziffern bei weitem nicht erreichen. Die Reichsregierunt ist nun zur Zeit noch nicht in der Lage, die Unterlagen dieser Aufstellung im einzelnen zu kontrollieren, weil der Verwaltungsapparat im besetzten Gebiet in einem solchen Maße leistungSsähig geworben ist, baß eine schnelle Kontrolle sich al» unmöglich herauSgestellt hat. Es sind jedoch sofort die nötigen Anordnungen getroffen worden, um deutscherseits eine Gegenrechnung auszustellen, die int Verlauf« von einigen Wochen voraussichtlich beendet sein wirb. Die Reichsregierung wird alsdann in einer der Kommissionen, die zur Sett in Koblenz über die Abwicklung der französischen Verwaltung beraten, die Gcgenrechnung überreichen unb darauf bestehen, daß auch französischerseitS eine genaue Nachprüfung erfolgt unb baß die tatsächlichen Etn- nahmeziffern der endgültigen Abrechnung und b« Leberweisung auf Reparation Skonto zugrunde gelegt werben.
Snmttrich und Ne Abrüstung.
In der Antwortnote der französischen Regierung auf den Garantiepaktvorschiag beS Völker«' b u n d e S wird behauptet:
Der gute Wille Frankreichs zur Abrüstung zeigt sich darin, daß es die Zahl seiner Divisionen gegen di« Vorkriegszeit um 25 Prozent herabgesetzt habe. Da» ist an und für sich richtig. ES wird aber vergessen, daß der Mannschaftsstand deS französischen Heere» lange nicht in dem Maße, nämlich nur von 882 000 auf 786 000, also um 121/J Prozent gesunken ist, unb baß der Kampfweyt eines neuzeitlichen HeereS nicht nur von seiner Mannschaftsstärke, sondern wesentlich mehr al» in der Dorftiegszeit von feiner technischeu Kampfrüstung abhängt. Durch diese ist aber schon jede französische Division jeder gleichen Einheit aller übrige» — Staaten — selbstverständlich vor allem Deutschland» —< weit überlegen. Auch umfaßt bas französische Hee- eine große Anzahl von W.-G.-Dataillonen, Kamps. Wagen-Regimentern, Artillerie-Regimentern jeden Kalibers, Pionieren, Derkehrstruppen und Fliegerso« mationen, die nicht im Divisionsverband stehen, ab« dadurch, baß sie bie Masse der technischen Waffen enthalten, die tzauptkampfkrast beS französischen Heer« ausmachen.
Um die Anerkennung Rußland».
PcriS, 11. Sept. Wie das „Echo de Paris" wissen will, hat Herriot gestern abend beschlossen, einen Studienausschuß zu bilden, der die Auf« gabt, haben wird, bie juristischen Bedingungen der Anerkennung der Sowjettegierung festzustellen. Der Ausschuß wftb aus hervorragenden Persönllchkel- ten gebildet werden und unter dem Vorsitz det Kenners der russischen Verhältnisse. beS Senator» de Monzie, stehen.
Pari», 11. Sept. Wie der Pariser „Sott“ ankündigt, wird die Sonderkommisfion zur Beratung bei Bedingungen der de Jure-Anerkennung der Sowjet» in den ersten Tagen be» Oktober tu- sammentreten. Der Kommission werde u. a. auch Noulens angehören.
Genen die Teuerung.
... 11. Seot Wir der „Jnftanfigeani" an-;
kündigt, wird zur Bekämpfung der verteuerten Lebens» baltung auch der Oberste Rat für Sandel und Industrie für den 19. September einberufen. Das Blatt glaubt zu wissen, daß der Rat in erster Linie bie Aufhebung der Zolle aus Brotgetreide, da» Frankreich fehl«, «ch die Einfuhr lebenden Vieh» au» Argentinien und Um» guay in Vorschlag bringen werb».