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Den Termin der Notifizierung endgültig Beschluß 8 fassen. Seiten- der Deutschnationalen Volks- Partei wurde mit großem Ernste darauf hinge- wiesen, baß bet den Mitteilungen der Reichsre­gierung vor Bekanntgabe der Erklärung nie et* Hweifel darüber gelassen wurde, daß die Bekannt­gabe an die auswärttgen Mächte alsbald nach Veröffentlichung der Rot« erfolgen werde. Di, Aufgabe dieses Standpunktes der Reichsregierung würde nach Lieberzeugung der Deutschnationale* Bolkspartei im In- und Auslände als eia un­verständliches Zeichen der Schwäche ge- denket werben und die mtt der Erklärung ver- bundene Absicht in ihr Gegenteil verkehren. Dir Deutschnattonale Volkspartei erwartet demnach, baf der bevorstehende Kabinettsbeschluß auf alsbal- bige Notifizierung lauten werde.

«Funkmeldung. ;

ft Genf, 10. Sept. Das Völkerbundssekretariat veröffentlicht folgende Meldung: Im Verlaufe einer nicht öffentlichen Sitzung beschäftigte sich der Völker.

Matth« in Senf.

Eenf, 9. Sept. Der Genfer Sonderberichterstatter der .Doster Nachrichten" veröffentlicht in seiner Zei­tung folgende bemerkenswerte Ausführungen: Die heu­tige Post bringt mir einen längeren Propaganda­brief der Separatisten auS Düffeldorr unter­zeichnet: Matthes, zur Zett in Genf. Der Brief stammt also von dem bekannten Separatistenführer 3. ®. MattheS. DaS regt zu den zwei folgenden Fragen an: 1. an die eidgenöstifche Fremdenkvntrvlle: Wie und durch wessen Protektion ist Herr MattheS, einer unserer schmierigsten Zeitgenossen, zu einem Schwei­zer Disum gelangt? Handelt eS sich nur um eine auf die Zeit der Genfer Konferenz beschränkte Ein­reiseerlaubnis, ober beginnt man die Separatisten, die unser deutsches Nachbarland mit blutigen Unruhen be­drohten, überhaupt bei unS gastlich aufzunehmen? 2. an die französische Delegation in Senf: Wie kommt wohl Herr Matthes dazu, feine hiesige Propaganda mit Hilfe der französischen Milttärpost zu machen?

Staatssekretär des Innern, Henderson, der an der Hand der RatSberichte die Tätigkest des Döl- kerbnndes tm abgelaufenen Jahre als äußerst reich­haltig und verdienstvoll bezeichnete, sich aber dem Wunsche Nansens anschloß, daß künfttg auch ruS dem Wirkungsgebiet« des ständigen intemationa- len Gerichtshofes Jahresberichte vorgelegt wer­ben sollen. Dem Einwand, den neulich HhmanS dagegen erhob, daß der ständige Gerichtshof eia autonomes Organ sei, stellte Henderson die Aus- fassung entgegen, daß die Dölkerbundsversammlung, die das Budget des VösterbundeS bewilligte, über alle im Völkerbünde behandelten Fragen unter­richtet sein muh. Er trat ferner für eine jähr­liche Berichterstattung über die Tätigkeit des inter­net ionalen Arbeitsamtes wie überhaupt für ein enges Zusammenwirken zwischen den Dölkerbmids- 'vrganisatlvnen und dem internationalen ArbeitS- amle ein, dessen selbständige Tätigkeit er dadurch nicht eingeschränkt wissen wolle, dessen wichtige Ar­beit aber durch die lebhaftere Unterstützung ante-' xer Organismen im Interesse der Arbeiterklasse ge- fordert werden könnte.

Weiter führte er aus, baS Interesse der Ar­beitet klasse am Völkerbünde sei im Wachsen be­griffen. Nichtsdestoweniger ständen noch weite Kreise der Arbeiterschaft dem Völkerbunde zögernd und skeptisch gegenüber. Wenn man sie gewinnen wolle, müsse der Völkerbund sein Friedenswerk ziel­bewußt ausgestalten und die großen Länder auf- nehmen, die noch nicht in ihm vertreten seien

Außer Henderson sprach der norwegische Dele­gierte, Lange, zum Ratsbericht, wobei er die Schäftung einer besonderen Kommission zur Auf­rechterhaltung des Kontakts mit den anderen inter­nationalen Organen und Gruppen und zur Ent­gegennahme von Wünschen und Anregungen über internationale Probleme anregte. Er bedauerte fer­ner die Llbschaffung des in den Vorjahren vom Völkerbunde regelmäßig herausgegebenen inter- nrtianalen Presseberichts, der während der VSlker- bnndsversammlung wertvolle Aufschlüsse über die öslenlliche Meinung in den verschiedenen Ländern gcrb und ein Spiegelbild der Presse bot, Seren wich­tige Aufgabe nicht unterschätzt werden dürfe. Die weitere Debatte über den Ratsbericht, für die noch sechs Redner eingetragen sind, wurde auf morgen Vormittag vertagt.

Genf, s. Sept. Die zweite bedeutende Rede der heutigen Vormittagssitzung der Völker- undsvexjammlusH HM der «nglijchr

Ar SrleeWtaflfen und Ne SeuWiwlioiwlen.

Berlin. 9. Sept. Die Deutschnationale Volks Partei veröffentlicht folgende Erklärung: Dis Reichsregierung erklärte in einet Kundgebung vom 29 .August; dunch die sie das erzwungene Kriegsschuldbekenntnis widerrief, daß hie- es zur Kenntnis auswärtiger Mächte gebracht wer­den soll. Die Notifizierung dieser Erkläntng ist bisher unterblieben. Die Deutschnativnale Dolks- xntei hat bisher der Erwägung Rechnung ge­tragen, daß aus technischen und diplomatischen Gründen die sofortige Notifizienlng vielleicht nicht möglich, erscheine und daß politische Erwägungen es angezeigt erscheinen lassen könnten, mit der Noti» iziernng zu warten, bis die Hauptsitzungen der Genfer Völkerbundstagung vorüber wären. Nach­dem diese beiden Gründe fvrtgefallen waren und die Notifizierung noch nicht erfolgte, ist die Partei- leitung bei den zuständigen leitenden Stellen der Re.chiegierung vorstellig geworden und hat um Aufklärung ersucht, weshalb die Notifizierung bis­her nicht erfolgt sei und wann eine solche erwar­tet werden könnte. Seitens der Reichsregierung wurde daraufhin erklärt, daß sie ihre Verpflichtung. )ie Notifizierung vorzuuehmen, anerkenne und ent» chlossen sei, ihr zu entsprechen. Angesichts ge­wisser zwischenzeitlicher Vorfälle habe man sich aber entschlossen, zunächst die für Ende dieser Woche zu erwartende Rückkehr der leitenden Mitglieder Itrt Reichskabinetts abzuwarten und alsdann in einer sofort eiuzuberufekden LabinettSsitzung^ber

Die Saarfrage vertagt.

Genf, 9. Sept. Die Behandlung der saar­ländischen Frage vor dem Dölkerbundsrat ist aus die nächste Woche vertagt worden. In- folgedesfen haben die hier weilenden Delegierten der saarländischen Bevölkerung vorläufig Genf ver- lassem nachdem sie zahlreiche Besprechungen mit dei, Mitgliedern des Rates und der Versammlung gehabt haben, in denen sie die Wünsche der saar­ländischen Bevölkerung zum Vortrag brachten. Außerdem fanden zwischen den Delegierten oes Saargebietes unb den in Genf weilenden Mit­gliedern der Regierungskommission eingehende Be­ratungen über die wirtschaftlichen Verhältnisse im Saargebiet und die daraus entstehende Lage in den Röchling werken statt. Die Regierungs- kommission hat darauf sofort die beiden Mitglie­der Lambert und Stephens nach dem Saar­gebiet zurückgesandt, um entsprechende Schritte zur Behebung der Krise zu veranlassen.

Auch die beiden anderen Mitglieder der Regie- rungskornmissivn. 2?ault und Coffmann, sind infolge der Vertagung der saarländischen Frage vorläufig wieder nach dem Saargebiet zurück» gereist.

Zu der vor dem Dölkerbundsrat zur Verhand­lung kommenden Saarfrage erfährt man, ditz bis­her als Nachfolger für das verstorbene Mstglied der Regierungskommission, Espinosa de Los Mon­teros noch kein endgültiger Kandidat aufgestellt worden ist.

Genf, 9. Sept. Nach der heutigen öffentll- chen Sitzung des Dölkerbundsrates fand eine ge­wisse Sitzung statt, über die das Völkerbundssekre- tar.at folgende Mitteilung veröffentlicht: Im Ver­laufs einer nichtoffizlellen Sitzung beschäftigte sich der Völkerbundsrat mit der Frage eines Unter» suchungsrechtes betreffend die Rüstungen gewisser Länder. W:e man sich erinnert, war dem Völker­bundsrat in seiner Tagung vom vergangenen Juni hierüber ein Antrag der englischen Regierung zuge­gangen, der sich auf die Ausübung des dem Rate in den Verträgen von Tr i a n on. St. Ger­main und Reuillh zucr'ainen Antersuchungs- rechtes b:zog. In Be niwortung einer Anfrage der Mil türk mmiss o.i l.gt.- au' Q'itr.ig Loro Parmovrs her Völkerbund Wert darauf, genau festzustellen, daß die Organisation, zu deren Prüfung die Mi­litär kommission aufgefordert war. d e r Ausübung des Antersuchungsrechtes angepaßt werden soll. so. wie es ebenfalls im Vertrag von Versailles vor­gesehen ifi.

5. BölkttbuiAiagung.

Genf, 9. Sept. Die heutige Vormittagssitzung der Dölkerbundsversammlung wurde mit einer ein» stündigen Rede des Führers der ungarischen Delegation, bei Grafen Aponhi, eröffnet, die in äußerst wir­kungsvoller und eindrucksvoller Weise die Gesichts­punkte und Empfindungen barlegte, die angesichts der Dölkerbundsdebatte die besiegten Staaten beseelen. Nachdem er das Wirken deS Völkerbundes in der fi­nanziellen Sanierung Ungarns anerkannt und insbe­sondere England für feine Mithilfe gedankt hatte, trat er in eine ausführliche, mit großer Aufmerksamkeit aufgenommene Darlegung der beiden Hauptfragen ein, hie Ungarn interessieren, die Minderheitsfrage sowie »aS Problem der Abrüstung und der Sicherheit.

Zu Punkt Minderheitsproblem führte er vor allem aus, daß die vier Millionen Magharen, die durch den Friebensvertrag von Trianon vom unga­rischen Staat losgelöst wurden, wenigstens kulturelle Sicherheiten erlangen müssen. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die unzulängliche Handhabung des Min­derheitenschutzes durch den Völkerbund, infolge der ge­ringen Defugnisse, die ihm praktisch zustehen: außer­dem sei der Völkerbund durch seine Zusammensetzung völlig gebunden. Die Frage der Minderheiten müsse daher mündlich durch die Vertreter der Minderheiten dem Nate borgetragen und von diesem den? ständigen internationalen Gerichtshof überwiesen werben. Vis setzt sei auf dem Gebiete des Minderheitenschutzes fast noch niemals Gerechttgkeit geübt worden, und es fei eine dringende Forderung, daß die Minderheiten» Verträge. ebenso streng gehandhabt werden, wie die enteren internationalen Verträge.

Hierauf ging Aponhi auf das Abrüstungspro» dlem ein, das er mit außerordentlicher Offenheit and Klarheit behandelte. Er ging dabei von dem Gedanken aus, den er immer wieder auf das feierlichste unterstrich, daß die Abrüstung der besiegten Staaten in den Friedensverträgen ausdrücklich als Voraus­setzung für die allgemeine Abrüstung ange­nommen wurde. Mit nachdrücklicher Ditonung erklärte «r, daß, nachdem Ungarn entwaffnet worden sei, es setzt das Recht habe, die Einhaltung des feierlich ge­gebenen Versprechens zu fordern. Die gegenwärtige Lage fei unerträglich: es sei unannehmbar und un­möglich, daß Ungarn völlig waffenlos sei während die anderen Staaten bis an die Zähne bewafknel 6. eiben. Aber nicht nur der Friedensvertrag, sondern der Völkerbundspakt selbst, so wie es in der Debatte i» der letzten Woche nochmals bekräftigt worden wäre, verlange, daß endlich eine gleichmäßige Be­handlung aller Staaten in der Abtt:stu::gs- frage Platz greife. Man hab? in allen Reden aus den Zusammenhang zwischen Abrüstung und Sicherheit hin­gewiesen und sich dabei auf Arttkel 8 des Dölker- bundsvaktes gestützt, der diesen Zusammenhang ein­wandfrei feststelle. Ungarn gegenüber sei diese Be­stimmung immer wieder verletzt worden. Die Militär-- kontrol'kommission habe, nicht nur über ihre Besuanis'e hmausgehend, bis in die kleinsten technischen Einzel­heiten Ungarn in Hinblick auf seine etwaigen chemi­schen Kriegsmittel entwaffnet, sondern sogar die Her­stellung von Schutzmasken, die die harmlose Bevölkerung tzegen feindliche Gasangriffe beschützen soll, untersagt. Ungarn fei entwaffnet ohne d i e geringste Garantie 6 er Sicherheit. Demgegenüber sei immer wieder auf Artikel 8 zu verweisen, der das allgemeine Grundgesetz aller Dölkerbundsmitglieder bilde, und der keine Unterscheidung, zwischen verschie­denen Kategorien von Staaten zulasse.

Aus der doppelten Grundlage des Dolkerbundspaktes und der Friedensverträge müsse daher jetzt endlich die allgemeine Abrüstung erfolgen, in völlig tzleichmäßiger Weife für alle Staaten.

Wie sollte auch eine wirkliche Versöhnungs» und Driedensatmosphäre anders zustande kommen. Die Brüderlichkeit unter den Völkern fei nicht möglich, solange gewisse Staaten einem gewissen Ausnahme­regime unterworfen seien, solange es zweierlei Rech! stöbe. Der Friede, für den Herriot und Mae Donald so eindringlich eingetreten seien, sei nicht möglich, st>lange nicht jedes Ausnahmeregime verschwunden sei. Unter dieser Voraussetzung begrüße er mit Begeisterung den Schritt, der in den letzten Tagen auf die Abrüstung hm unternommen worden sei, und er wolle sich auch die zahlreichen Kritiken zu eigen machen, die bei drr Behandlung der Frage und ihrer Uebertoeifung die Kommission erhoben werden könnte, denn das Gichtigste sei jetzt, daß der Friedensgedanke tatsächlich d«wirklicht werde. Niemand habe das Recht, die Verwirklichung des FriedensgedankenS im Rahmen der Glbrüftungssrage für unmöglich zu erklären, nachdem H möglich gewesen fei, in das allerschwierigste Problem, « die deuifch-sranzösische Reparationsftage den Schieds- sttttanken einzufügen. Diese Tatsache sei zu begrüßen, auch die ebenso wichtige Tatsache, daß in den «nöoner Verhandlungen zum erstenmal feit dem Kriege lM<ben Siegern und Besiegten auf gleichem Fuße beihandelt wurde. Aponhi schloß, indem er mit erho» *«ner Stimme erklärte: »Wir Ungarn sind Natio­nalsten, d. h. völlig dem Dationalgedanken ergeben. Aber wir verfolgen kein Ziel und wir haben kein vdeal, daS im Widerspruch steht zu den Zielen und Wea-'m des Friedens, den edelsten Bestrebungen der «öfter Und dem Denken und Trachten der Menschheit.

Als Aponhi die Tribüne verließ, wurde er, wie j*teita zu Beginn der Sitzung von zahlreichen Dänkm r*» HaufeS, vor allem den nordischen Staaten sowie anderen ehemals neutralen Staaten, und bei den ^Slifch sprechenden Delegattonen mit lebhaftem Bei- bedacht. Auch L6on BourgoiS, der als ein» französischer Delegierter bet Rede beiwohnte, Qtfote Beifall.

Amerika und da, Abrüstungsproble«.

London, 9. Sept. Der Washingtoner Korrespon­dent derMorning Post" batte eine Unterredung mit ' mer führende« amtlichen Persönlichkeit, dke ermächtigt ist, in allen Angelegenheiten der auswärtigen Politik für den Prästdenten zu sprechen. Diese Persönlichkeit erklärte u. a., die Abrüstung zu Lande sei eine aru-üesvrochen europäische, nicht amerika­nische Frage. Auf dem amerikanischen Kontinent gebe es keine großen Heere. Der Präsident hoffe, daß eine neue Konferenz in Washington für die Einschrän­kung der U-Boote, Flugzeuge und Giftgase zustande kommen werde. Auf die Frage, ob sich Amerika an der Konferenz bezüglich der Abrüstung zu Lande beteiligen werde, erwiderte die Persönlichkeit, diese Frage könnte weder bejahend noch verneinend beantwortet werden. Ls würde viel von dem Wortlaut der Einladung und dem Maße abhängen, in dem die Vereinigten Staaten gebunden würden. An einer Konferenz, die in enger Verbindung mit dem Völkerbund stehe, würden die Vereinigten Staaten vielleicht nicht teilnehmen können, dieses Problem stehe indessen nicht unmittelbar zur Diskussion. Weiter erklärte die Persönlichkeit, die Ver- tiniflten Staaten wären immer für eine, schiedsgericht- hdje Lösung internationaler Streitigkeiten gewesen. Jn- deflen würde es aufrichtiger sein, zu behaupten, daß Amerika niemals in irgendeiner Frage, die sein« natio­nalen Interessen oder feine Sicherheiten berührt hatte, auf eine schiedsgerichtliche Entscheidung abgesehen hatte. Er bezweifele, daß es eine solche Frage jemals einem Schiedsgericht unterbreiten werbe. Die Amerikaner glaubten an den Grundsatz des Schiedsgerichts und wünschten den Frieden zu erreichen. Sie könnten daher Mac Donalds Vorschlag sympathisch gegenüberstehen aber man dürfe sich wohl fragen, ob diese Vorschläge dte eines praktischen Staatsmannes oder eines Idea­listen seien und ob irgendeine Nation berechtigt sein werde, den Plan anzunehmen, der nationale Interessen gefährde.

bundsrat mit der Frag« feine. Untersuchungsrechtes betreffend die Rüstungen gewisser Länder. Dem Böl- kerbundsrat war in seiner Tagung im vergangenen Inent hierüber ein Antrag der englischen Regierung inisegangen, die stch auf die Ausübung des durch den Verttag von Trianon-Saint Eermain-Neuilly zuer- tannten Untersuchungsrechtes, bezog. Der Völkerbunds­rat legt Wert darauf festz"»-llen, daß die Organisation ru deren Prüfung die Militärkommission aufgefordert worden war, der Ausübung des llntersuchungsrechte, angevaßt werden soll, wie es im Verttag von Ver­sailles vorgesehen ist. Damit wird bi« gestrig« Genfer Meldung des Wolffbüro« bestättgt, wonach di« Arbeit der Militärkommission sich bereits auf die Ausübung der Militärkontrolle in Deutschland erstreikt.

Funkmeldung.

ff. Genf, 10. Sept. Die Konvention Über die Zollformalitäten, di« Ende 1923 von der Kommission unter den Auspizien des Völkerbundes zusammengesetz­ten Konferenz bearbeitet worden ist, tritt am 27. No­vember in Kraft, da sie von 5 Staaten ratifiziert wor­den ist.

Pari«. 9. Sept. Die Blätter beschäftige» sich nach wie vor mit der wichtigen Frage, ob Deutschland die Note in der Kriegsschuld- frage absenden wird oder nicht. Grumbach weist imOuottbien darauf hin, von allen Seiten wäre auf die NeichSregierung ein Druck aus­geübt worden, um die Absendung dieser Not« z* verhindern, nicht zuletzt auch durch di« Deutschen in Genf, an der Spitze v. Ger- lach.

Ausfü^lich berichten auch die Berliner Kor­respondenten der hiesigen Blätter über die Stim­mung. So schreibt der Dertteter de« «Petit Pa- triften:Man hat den Eindruck, baß biefSegle* rung dem Druck der Rechten nach geb en will und die Protestnote veröffentlichen wird. Da« Echo de Paris schreibt:Wenn man heute daraq. denkt, daß die Annahme des DaweSplane« nur durch bedauernswerte Konzessionen möglich g«. worden ist» deren Folgen nicht vorausgesehen wer­ben konnten, so muß man sich fragen, was itu* geschehen soll. Wenn die Regierung nicht ihr Ver­sprechen hält, so wird die Rechte ihr bei} Krieg er klären, und bas wird baSEnbebesDürgrr« blvcks fein. Schwierige Tage stehen bevor. An­ter diesen Bedingungen begreift man heute sehe wohl, baß In Berlin der Eintritt Deutschlands i* den Völkerbund erst an zweiter Stelle erwöge* wird.

Dr.T.Hitz«r°th.-Druck berÄn>°,Buchd-uck««I°°n J°^Aug.Koch Markt 21/23.- F-rnfprLö,Postscheckkonto: Nr.ttl! Seder «ÄbhAS »Ä®rft unVTÄSen« b gwt ^«"kfurt a. Main. ebenso Auskunft durch di. SefchLftsstell« und Zusendung der Angebot., Erfüllungsort ÄLK» 1(5

Kr. M Marburg a 1, Mittwoch, rm ist September SS. Mst M

Sberheffifchv Aeitung

Anzeiger für (das frOBer lurbeMMOberheffen-Amtliches Berkündisungsblatt »es Kreises Marburg

Der entscheidende Kabinettsrat.

Qu. Berlin, 10. Sept. Die schwerwiegend« Bedeutung des Kabinettsrats, der Anfang näch­ster Woche in Derlln stattflndet, wird von den füh­renden Stellen aller Parteien erkannt, und es wirb nicht an Bemühungen fehlen, auf die einzelnen KebinettSmitglieder den stärksten Änfluh nach der einen oder der anderen Richtung auszuüben. Vor­läufig bestehen noch gewisse Verschiedenheiten in der Auffassung zwischen dem Reichskanzler Dr, Marx und dem Relchsaußemninister Dr. Stre- semann. Während Dr. Marx der Ansicht tfc daß er sich in der Frage der Absendung bet. Krlegsschulbnote ebenso wie In der Frage deS Völkerbundes und der Bürgerblock» bildung nach allen Seiten hin frei fühlt, steht Dr. Sttesemann auf dem Standpunkt, daß man die Zusagen, die man vor den Abstim­mungen über die Gesetze zur Durchführung de« Sachverständigengutachtens den Deutschnationalen gegeben hat, unbedingt elnlvsen müsse. Mit dieser Auffassung befindet sich Dr. Lttefe- mann durchaus im Einklang mit seiner Fraktion, und es spricht alles dafür, daß auch die übrigen KabinettSmitglieder, die der Deutschen Volks- aartei nahestehen, diesen Standpunkt hertreten iver- ben. Die demokratischen KabinettSmitglieder dürf­ten sich dagegen für eine Unterlassung oder zum mindesten eine langfristige Hinausschiebung der Uebermittelung der Note aussprechen. Nach wel­cher Seite hin Dr. Marx und die Zentrumsminister ihre Entscheidung fällen werden, dürste von einet letzten Besprechung abhängen, die in führenden ZenttumSkrelsen unmittelbar vor der Kabinettsflt- zung abgehalten werden wird. Aber eben des­halb, weil die Unstimmigkeiten in diesen Fragen innerhalb des Kabinetts noch sehr ttefgehend sind uni) eine Einigung nur sehr schwer zu erzielen Ccin wird, wäre jede Voraussage verfrüht. Jeden­falls ist für die nächste Zelt ein lebhafter Mei­nungsaustausch In der Führerschaft der verschie­denen Parteien zu ertoarten. Man spricht auch bereits davon, daß die Botschafter aus London und Paris nach Berlin berufen werden sollen, um über die Stimmung in den englischen und französischen Regierungskreisen Bericht zu erstatten.

-------------- -II.

Frührrer Zusammentritt des Reichstages?

Qu. Berlin, 10. Sept. Zwischen den Führern der D « u t s ch n a tt o n a l e n B v l k S p a r t e i und der . Nativnalsozialistischeii FreihcitSpartei haben in. den letzten Tagen Besprechungen stattgefunden, um gegebenenfalls sofort nach dem enifchcldenden Ka­binettsrat den Zusammentritt des Reichstages zu ver­langen, der daun zu der ergangenen Entscheidung Stel­lung zu nehmen habe. Da aber im Acltestenausfchutz eine Mehrheit sein müßte, um den Sufammeniritt des Reichstages, zu erzwingen, würde es von der Hal­tung bet übrigen Parteien «rbhängen, »b -elue«

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