Sir. 211 Marburg a. L, ®tooM den 8. seprembtt ss. Mrg. iss»
OSecheWche Aettims
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Eine internationale
Der Ausgang der Völkerbundsverhandlungen Iber die fragen der Friedenssicherung war nach Allem Vorangegangenen nicht überraschend. Man Kat sich — natürlich unter großer Begeisterung *- auf eine nichtssagende Kompromißformel ge- skinigt. Immerhin war Mac Donald noch ehrlich igenufi, zuzuqeben, daß er und Herriot „auf ver- Miedenen Seiten" der gleichen Strotze wandeln. «Venn er hinzufügte, datz sie nun Arm in Arm »eiter gehen wollten, dann war er sich woh selbst dessen bewußt, datz bei so intimem Zusammengehen Reibungen entstehen könnten. Die Differenz über die Friedenssicherung durch mili- stsrische Rüstungen ist ja keineswegs beseitigt, -And die Erklärung des Herrn Mai Donald, es fei Me Schande, daß noch vielfach militärische Zustände in der Welt bestehen, ist doch wohl in tzrster Linie gegen Frankreich gerichtet. Oder sticht? Die „Welt" wird es hoffentlich so verstehen.
In dieser Frage scheinen aber überhaupt Dieder einmal Leute eine Rolle gespielt zu haben, die sich in Genf höchst überflüssigerweise jn die große Politik eingemischt haben. Graf Keßler von der „Deutschen Liga für Menschenrechte" hat da den Allah gespielt und Georg Bernhard ist sein Prophet. Auch Herr Breitscheidt taucht wieder auf. Man hat den Eindruck, Als ob diese Herrschaften ans parteipolitischer Abneigung gegen die Deutschnationalen (auf deren Wunsch hin die Reichsregierung ihre Er- Kärung zur Kriegsschuldftage erlassen und deren Notifizierung an dis Mächte angekündigt hat) «un in Genf von sich aus diese Frage aufgerollt hätte. Ein großer „Erfolg" ist ihnen beschieden gewesen: Herriot hat die Delegation empfangen «nd sich ihr gegenüber sehr scharf gegen die beabsichtigte deutsche Rote ausgesprochen; dieser Schritt bedeute eine fürchterliche Blindheit und Dan habe damit seiner eigenen Politik den stärksten Knüppel zwischen die Beine geworfen. Die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands ist tereits von dem sozialdemokratischen Reichskanzler Bauer nach der Unterzeichnung des Versailler Beitrages feierlich zurückgewiesen worden und wird von jedem Deutschen obgelehnt; der Protest konnte ohne Gefahr gerade in dem Augenblick wiederholt werden, wo Deutschland zum ersten Male sozusagen freiwillig ein Abkommen über seine Kriegsentschädigungslasten unterschreibt. Warum haben sie das nicht gesagt? Weil der lnnerpolitische Hatz sie blind macht. Der Teufel Irit sie holen!
Genf, 6. Sept. Im Laufe der heutigen Nachmit- «gssitzung unterbach Präsident Motta die Reihenfolge brr eingeschriebenen Redner, um der Dölkerbundsver- ftnrmlung die wichtige Mitteilung zu machen, datz die Mglische und die französische Delegation auf den Tisch
Sauses einen gemeinsamen Tert niedergelegt haben, der die Schlußfolgerungen aus den groben De- «Uten dieser Tage ziehen soll.
Der englische Resolutionstert bat folgenden Wort- lruk:
Die Versammlung nimmt von de« Erklärungen der «»tretenen Regierungen Kenntnis, in welche« st. mit «nugtuung dir Grundlagen einer Verständigung zur Aufrechterhaltung eines endgültigen Friedens erblickt.
Um die Meinungsverschiedenheiten, die ßischrn den verschiedene» hier ausgesprochene« 8e- tspunkten weiterbesteben, miteinander zu versSH- *«b und, wen« dies geschehen ist, in möglichst sch n e l- ,,r Frist durch den Völkerbund etwe internationale Konferenz über dir Abrüstung», ftagr eiubrrufen zu könne«, beschlirbt die Versa««- Du« folgende»:
1. Der DLitte Ausschuß wird damit beauf- «agt, die Dokumente über di« Sichrrbeitsfrage
di« Riistungsbtschränkungefragr zu »rufen, vor allem die Bemerkungen der verschiede- *" Regierungen über deu Plan eine» Vertrage» zur ^seuseitigen Hilfeleistung lSarantiepakt), der infolge Resolution 14 der dritten Versammlung ausge- «beitet wurde, sowie die and-ren seit der Beröffent- mhuug des Bertrassproiekt» vorbereiteten und dem «»lkerbundssekretariat übermittelte« Pläne. Die Dritte «»mmisfion soll ferner die Verpflichtungen prüfen, die ** V-lkerbundsvakt hinsichtlich der Sicherbeitsgaran- enthält, di« im Falle eines Schiedsverfahrens oder
Rüstungsbeschränkung notwendig werden könnten, n, Dir Erft« Kommission ist beauftragt, a) die Ar- •7* des Bölkerbundsvakte» über dir Regelung von rtkritigkeit«« i« -inbli« auf etwaige tt°anb«rung«n ,« untersuche«, b) zu vrü- A.^""dalb welcher Grenzen di, Bestimmungen des «k'ktls SS 8 r der Satzung des Jnternatio. i", * * Gerichtshof»» zum Zwecke der E r-
^Eer«ng «iner »«nahm« dieser «lau- Lj et8aihe*t we.rde» könne«, «nd »war die»
«U dem Ziel, die Solidarität »nd die Sicherheit der Welt zu sesttge«, indem auf sriedlichem K®* Stertigkeiteu, die zwischen de« Staate« «nt. Mnt* könnten, gelöst werde«.
d^Won CIteHt< bet P^stdent Motta Mac Donald
6' lvichttgsten Stellen oui feiner
„ daven folgenden Wortlaut: Welches auch die Kündigung, di« mit Hilf« des Dbllerbundes erreicht 6e» m f?nn’ ^in möge, und tote schön sie sich auch auf kin ler ?usnebmen kann, fte wird nicht befriedigend wenn sie nicht kaltblütig mit Mut und Vorsicht
Abrüstungskonferenz.
die toirkliche Lage eines jeden Staates inS Auge faßt. Man sagt, datz die Mühlen Gottes langsam mahlen. Aber die Mühlen der Menschen mahlen noch langsamer. Dor mir sitzt mein alter Lehrer und neuer Freund Leon Bourgeois. Als mein Haar noch schwarz und mein Gesicht noch faltenlos waren, stand Bourgeois be- reitS zu Ehren feines Landes einer internationalen Konferenz vor, um wissenschaftlich die Schiedsfrage zu Prüfen. Jahre sind vergangen. Debatte folgte auf Debatte. Es kam der Krieg. Millionen kostbarer Leben wurden geopfert, und Hunderte von Millionen wurden vergeudet. Aber mein Freund ist immer noch da. Er ist immer noch da. um eine Frage zu studieren, die kaum bei ihren ersten Schritten angelangt ist. Wenn diese Bersammlung jetzt entschlossene Schritte tu«, wird sie sich unter allen Versammlungen der Menschheit auSzeichnen. Äie'n Freund Herriot hielt gestern eine bewunderungswürdig« Red«. Mehrmals find wir auf derselben Straß« auSgezogen, um dieselbe Reise zu machen. Er ging auf der einen und ich auf der anderen Seite. Der Weg führte zu dem selben Ort. Als gut« Freunde trafen wir unS immer bald Arm in Arm inmitten der Straße. Richt etwa, baß unsere Meinungsverschiedenheiten geschwunden wären. Sie waren einfach dank unserer Vernunft und unserem Willen, den Weg gemeinsam zu gehen, überwunden. Ich versichere Sie, weine Freunde, daß, waS auch die britische Regierung tut, sie keineswegs die Absicht hat, bi« Augen vor den wirklichen Gefcchren zu schließen. Wir können baS Interesse der kleinen Rationen an der Abrüstungsfrage nicht auSschalten. Man darf ihre Situation nicht schwächen, ihre Garantien nicht verringern und sie nicht in der 'Freiheit ihrer historischen Traditionen hindern. Aber man muß aufrichtig fein, und ich hab« Furcht, daß man rückwärts marschiert. Wenn Sie die Entscheidung annehmen, die Ihnen vorgeschlagen wird, wird sie uns gegen diesen Rückmarsch sichern. Dann werden vielleicht die abergläubischen Befürchtungen, die in der Frage der Sicherheit herrschten, verscheucht werben. Ich hoffe, bah diese Entscheidung einstimmig gefaßt wird, daß die gesamte Versammlung der Erwartungen der Menschheit entspricht und bereit ist, nicht eher di« Augen zu schließen und nicht einzuschlafen, bi» sie den Weg zum Frieden findet. Daun wird der Rame dieser Versammlung mir goldene« Lettern in der Geschichte der Menschheit erstrahlen.
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Rach Mac Donald besteigt Herriot bi« Rednertribüne. Er sagte etwa folgendes:
Mac Donald und ich, wir haben unsre Gedanken, untre Befürchtungen, unsre Mechvden und Anschauungen dargelegt. Wir waren dabei gleichzeitig von dem Willen und Wunsch beseelt, diesen Saal nicht zu verlassen, ohne eine Vereinigung zu verwirklichen und ohne das Beispiel zweier Männer gegeben zu haben, wie einer dem anderen entgegengeht. um zu versuchen, für alle Fälle ein nütz- liches Verstündigungswerk zu schaffen. Wir haben tatsächlich die schwer st e St und e t m Leben des Völkerbundes durchlebt. Wir waren an dem Moment angekommen, wo es sich darum handelte, ob wir bei der grundsätzlichen Diskussion, die man so oft über den Frieden hörte, stehen bleiben oder zu Entschlüssen und Taten mit wirklichen Erfolgen übergehen würden. Ich wünschte, das sage ich für uns alle, bah wir gemeinsam den Willen und die notwendige Geduld haben, um dieses ganze Werk seinem Ziele entgegenzuführen. Der Weg, von dem vorhin mein Freund Mac Donald sprach, ist noch lang, aber wir werden ihn selbstverständlich in Einheit Schulter an Schulter, einer an den anderen gelehnt, durchschreiten, indem wir unsre Gedanken und Anstrengungen zusammenwirken lassen. Diesen Glauben brüderlicher und herzlicher Zusammenarbeit dehne ich auf alle unsere Kollegen hier aus. Wenn ich an den Sitz meiner Geschäftsführung zurückgekehrt sein werde so bleibe ich doch unter Ihnen und werde Ihnen weiterhin den Beitrag meines Vertrauens und meines ganzen Glaubens entgegenbringen, denn um ein Werk von der Bedeutung des Werks, das jetzt seinen Abschluß findet, durch- zusühren bedarf es nicht nur der letzten Anstren- gungen der Intelligenz, sondern auch eines starken Glaubens. Rur dieser Glaube und der au» ihm entspringend« Wille, alle Hindernisse zu über- winden, kann unser« Entschließungen zum Ziel« führen. Die französische Delegation wird mit Ihnen in diesem Gefühl zusammenarbeiten, da- von bin ich überzeugt, daß in einigen Wochen die Völker erfahren werden, daß die Völkerbundsver- samm!i-ng entschieden Fortschritte verwirklicht hat. Dieser Fortschritt wird uns von jahrhundertelangen chmerzlichen Epochen entfernen, in denen der Sieg di« einzige Existenzberechtigung der Völker war. Denn wir auch vom Ziele durch manch« Schwierigkeit und manche Etappe getrennt sind, so werden tri« doch etwas näher ans strahlend« Ziel, das wir zu erreichen suchen, gelangt sein und zwar in tiefster, brüderlicher Zusammenarbeit, deren Zeuge ich während einiger Stunden war, und von der Ich so wertvolle Stärkung jetzt Heimtrage, sodaß das letzte Wort, das ich Ihnen zu sagen wünsche, ein Wort deck Danke» sein muß.
Pari», 7. Sept, lieber die von der Dölker- bundSverfammlung angenommene «nglisch-franzb« siiche SinigungSrefvkution schreibt der »Watin": Man dürfe ihre Bedeutung nicht unterschätzen, aber auch nicht überschätzen. Die Resolution sei ein Versuch zu einet Vereinbarung zu kommen, indessen sei bi« Tatsach«. baß sie gleichzeitig vom französischen und englischen MinisterprSfidenten eingebracht sei, eine Geste, der eine ziemlich ernsthaft« und moralische, kenn nicht sogar praktische Bedeutung zukomme, ein« Gest«, die den auf beiden Seiten vorhandenen Willen, zu einem Ergebnis zu kommen, ausdrücke. 3m „Journal" ’ »heißt es: Es triumphierte der Grundsatz, den auf der Tribüne nicht nur der französisch« Ministerpräsident, sondern auch getoisfermaßen alle Redner einstimmig zum Ausdruck brachten. Der „Quotibien" sagt: Herriot hatte recht, als et ausrief, »wir waren bei der schwierigsten Stunde tat Leben des Völkerbundes angelangt, denn keine vorhergehend« Dölkrrbunds- versanMung erweckte so große Hoffnüngen unter den Böllern. Es ist jetzt di« Atmosphäre des Vertrauens geschaffen." Die „Oeuvre" ist der Ansicht, daß dieser von bet Völkerbunbsversammlung einstimmig gefaßte Beschluß dem Vbllerbuub einen neuen Weg eröffne, der an tatsächlichen Verwirklichungen reich sein werde. Dadurch fei zweifellos sein Prestige gewachsen, aber zu gleicher Zeit auch sein« Verantwortlichkeit. Das seien Ergebnisse der mutigen Initiative de» französischen und des englischen Ministerpräsidenten, die vor die Versammlung getreten feien, um die für den Frieden der Welt wichtigen Fragen zu erörtern. Der „Figaro" ist etwa» erschreckt, bah zwei Männer plötzlich dem Döllerbunb eine unvorhergesehene Aufgabe stellen, daß sie ihm schwerwiegende Rechte, aber keinerlei toirfTarne Mittel geben. Perttaar schreibt im „Echo de Paris", daß di« französisch-englische Resolution in wirren Ausdrücken gehalten sei. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und England seien nicht beseitigt. Im „Gaulois" heißt es: Die Gegensätze zwischen dem französischen und dem englischen Grundsatz bleiben so. wie sie nach den Deden der Ministerpräsidenten zum Ausdruck kamen. Der De- solutivnsentwurf ist so unbestimmt, bah man ihn nicht eine Resolution nennen sollte, sondern eine Anbahnung zur Eintracht ta der Zweitracht. DaS Blatt wirft Herriot vor, daß er das Ruhrgebiet aufgegeben habe.
Schiedsgeri ch t nicht weniger ohnmächtig untot* fam und unnütz sei. Da» Blatt ist tat Ansicht, baß beide Krttiken richtig feien.
Mac Donalb und Herriot, die heut« abend zusammen mV den D«l«galionm» zu Abend gegessen hatten, sind um 9.40 Uhr oft demselben Zuge nach Paris gereist. Auf dem Bahnhof waren die meisten Delegattonsführer der Döl- kerbimbsversammlung und zahlreiche Pressevertreter erschienen. Di« beiden Ministerpräsidenten unterhiÄten sich noch lange an de" geöffneten Fenstern ihres Wagens mit den Delegiert«» und Journalisten und erklärten wiederholt ihm Beftiedi- gung über den Verlauf der DechcnSlungen, während sie darauf htnwtesen, daß man mf: Geduld und ohne AeberftÜrzung an den heut« aufgestellten Richtlinien weiter arbeiten müsse. Als sich der Zug in Bewegung setzte, brach die Wrng. in begeisterte Hochruf« aus. Mac Donald fähtt über Paris nach London weiter, während Herriot sich noch Meaux begibt, um an der Jahresfeier für di« Marneschlacht teilzunehmerr.
Funkmeldung.
fl. Paris, 8. Sept. Herriot traf Sonntag vormittag, zusammen mit dem englischen Pr«. mierminister in Paritz ein. Er hat den Premierminister in seinem Automobll nach dem Rorb» bahnhof gebracht, von wo dieser fofort ».ach London weiter gefahren ist. Der Abschied war, wir Havas berichtet, sehr herzlich.
Funkmeldung.
fk. Paris, 8. Sept. Herriot hat, wie bereits angekündigt, gestern abend nach seiner Rück- kehr aus Genf, Dertteter der Presse empfangen und seine Befriedigung über den Abschluß der Genfer Verhandlungen zum Ausdruck gebracht. E» hätt feinen Aufttag in Genf für beendet. Er sei der Ansicht, daß «ine verfrühte Einberufung einer internationalen EnttvaffnungSkvnferenz weit davon entfernt sei, Frieden zu schafsen. Auch sei er der Ansicht, daß der Völlerbund nicht dazu quallfi- zierr sei, eine derartige Konferenz einzuberufen.
Paris, 5. Sept. Französische Dlätterstimmen zur H er r i ot - R«^b«:
Der .Rappel" ist von der Rede befriedigt, be- fonderS von der Art. wie Mac Donald eine Antwort erteilt wurde. Er schließt aber mit dem Wunsch«, daß es nicht bei einer einfachen rednerischen Kundgebung bleiben möge. Die Schwierigkeit bestehe weniger darin, bi« anderen zu überzeugen, als darin, Großbritannien dahin zu bringen, datz eS den Unterstützungspakt unterschreibt.
Auch der .Gaulois" erklärt, er wolle ohne Zögern anerkennen, daß er die Rede HerriotS billige, obgleich er sonst allzu oft Gelegenheit gehabt habe, die auswärtige Polittk HerriotS zu kritisieren.
„Vournöe Industrielle" hält die Red« HerriotS für sehr bebeutfam. Sie fei nicht nur eine Bergpredigt über die Sicherheitsfrage, sondern Herriot habe endlich auch die Initiative ergriffen. Gr hab» angekündigt, daß sich die Staaten, die an dem statuS quo des neuen Europa interessiert feien, um ihn fammeln feilten.
Der „Radical" ist der Ansicht, daß die Leute, die durch die Rede Mac Donalds enttäuscht worden sind, nicht gerade von der Rede HerriotS mehr entzückt feien. Trotzdem aber erkennt das Blatt an, daß der gestrige Tag für Frankreich gut gewesen fei. Es sei aber jetzt notwendig, daß die Grundsätze auch verwirklicht würden, denn jede Vertagung verzögere leider die Rückkehr des Friedens.
Die „Ere Rouvel le" schreibt: Herriot hat mit hinreißendem Schwünge und glänzender Beredsamkeit das pazifistische Ideal der französischen Demokratie entwickelt. Sein persönlicher Erfolg war beträchtlich, aber noch größer war der Erfolg der Republll selbst, der in den Augen der Engländer, Amerikaner und der (Neutralen daS moralische Prestige Frankreichs wieder he rge stellt hat. Frankreich, gestern isoliert, von Mißtrauen und Mißbilligung umgeben, von denen verleugnet, die eS bewunderten, sieht heute, daß sich ihm von allen Seiten bi« Hände entgegen strecken und daß die kleinen Nationen sich unter seine Flügel scharen.
Der „Figaro" findet die Rede Herriot« als literarische Leistung gut, kann aber nicht den klaren Gedanken finden, der durch diese literarische Leistung zum Ausdruck gebracht werden soll. WaS wollte Herriot? Zum Lnterstützungsvertrag vom 25. Oktober 1923 zurückkehren? Aber sein SchiedSgerichtsentwurf Weiche davon schr stark ab. Es scheine, datz er da« Schiedsgerichtsverfahren und den gegenseitigen Beistand miteinander versöhnen wollte. Er lass« aber nicht klar durchblickcn. ob er da« wirklich wolle.
2m „Echo de Paris" schreibt Perttaar, der schwache Punkt btt Beweisführung HerriotS sei der, datz er es mit Mac Donald mH einem Mann zu tun hab«, der entschlossen fei, den Versailler Vertrag um,«stoßen. SS wär« nicht unnütz gewesen, meint Perttnar. Mac Donald ta dieser Beziehung zu entmutigen. Penina« kommt zu dem Schluß, daß, wenn es Mac Donald gelinge, Frankreich die Vertagung der Schaffung einer soliden Llnterstützungs- organtsatton aufzuzwingen, er dann seiner großen Absicht mehr als einen mittelmäßigen Dienst erwiesen habe.
Sn be« »HumaniiS" schreibt Eachin, Mac Donald hat bargelegt, daß der famose Plan militärischer Unterstütz ng aller Ratiounen unwirksam, eitel, unbestimmt und kraftlos sei. Dafür habe Herriot nicht viel Müh« gehabt festzustelleu, datz da« obligatorische
Fu ukmelvung.
fk. London, 8. Sept. Mac Donald ist heute hierher zurückgekehrt. In einer Unterredung äußerte Mac Donald, die Grundlagen für den zukünftigen Frieden der Welt sind gut gefegt worden. Wir alle haben uns mit Ernst und Teilnahme, hinsichtlich des Krieges bemüht, um die Greael bei Krieges zu verhüten, in welchen bi« Welt getreten wäre, wenn Mißverständnis, Eifersüchteleien und Rüstungen wetter bestehen könnten. Sin gesunder Anfang ist gemacht worden, um das Wett stetig und täglich fvrtzusehen, bis wir daS ®nö( sehen könnten. Herriot sagt« in einer Unterredung, für die erste Zeit haben wir ernstliche untz praktische Maßnahmen ins Auge gefaßt, um de« Frieden ins Werk zu setzen und zu sichern. ;
- Funkmeldung.
fk. Genf, 8. Sept. Der belgisch« Mlnisterprita sident T h e u n i S ist nach Süd-Frankreich zu einem kurzen Ferienaufenthalt abgereist.
Funkmeldung.
fl. Genf, 8. Sept. „Journal de Geneve" verzeichnet einen Bericht, wonach Herriot bald wieder nach Genf zu kommen gedenkt und spricht bi« Vermutung aus, daß eS sich um Beratung üb« die Zonenfrage und di« Rhein-Rhone« Schiffahrt handeln kann.
Genf, 6. Sept. Die Genfer Meldung bet -Denen Züricher Zeitung", daß im Zusammen* Hang mit der Frage des Eintritt« Deutsch« lands in den Völkerbund der Reichswehr* Minister G e ß l e r sich in Genf befind«, trifft nichtz 5«. ES handelt sich um Ramensverwechflung, gemeint ist offenbar der gegenwärtig hier weilend« Graf Harrh Keßler.
Anregung
Di« Schwei, ««»attet Deutschland« «tatritt.
®e"f• 8. Sept Da, „Journal de Geneve" schreibt Die Echweizerwartet schon seit langer Zeit mit den größten Hoffnungen ben (Eintritt 55 e utschla nds ht ben Völkerbund, so datz wir uns 1 r?16 Don ^at Donald ausgesprochene
ehr freuen.
Da« Unrecht an vberschlesten.
Berlin 6. Sept Der L»erschlefisch« HilfsdM »nb die vereinigten Verbünd« beimattreuet Oberschle. ier erlass«, eine Kundgebung, in bet sic unter >tawei» auf bie Bemerkung Mac Donald« in Gens über Oberschlesten erneut auf bas schwere Unrecht Hinweisen, ba« Oberschlesien durch die Genfer Entich-i- düng angetan wurde. Oberschlesten werd« an den Yeh. «■tn und Irrtümern von Genf zugrunde gefiert, wenn "tcht eine Wiedergutmachung dieses Unrecht» erfolge. Schon jetzt breche infolge der Genfer Entsch-i» düng in Polnisch-Oberschlesien bie Industrie zusammen.
Berlin nnb bie Genfer Verhandlungen.
Qu. Berlin, 6. Sept. Die Rede des englischer Ministerprästbenten Mac Donalb in der Vülkerkund». Versammlung in Genf wirb in politischen Kreisen güiu tig ausgenommen, jedoch wird gleichzeitig betont, datz gegenüber der unzweideutigen Einladung an Deutschland, in ben Völkerbund einzutretn, so lange bL größte Zurückhaltung geboten ist, ais d-a Standpunkt Herriot» nicht völlig klar gelegt um- al» nicht bekannt ist, weiche Vorbedingungen j.anfc