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Rr. 210

Marburg a. L, Svmwbenb, des 6. September

59. sisbrg 1924

Anzeiger für iblis frühct (urhchlithc) Obctbei'fcn - Amtliches Nrrkün-igunssblatt -es Kreises Marburg

Em Tag -er Reöen in Genf

Er stellt fest, bah in großen Linien Herriot Mac Donald miteinander einig seien und die chiede sich auf Einzelheiten beschränkten. Er auf die längere Auseinandersetzung über bi« ziehungen zwischen militärischer Macht und

Der et der

und Un- ging Be- dem

Genf, 5. Sept. Nachdem 6aIan6 ra gesprochen hatte, ergriff Parmvor namenS der englischen De­legation zu einer längeren Rede daS Wort, in der er dem Vorschlag Herriot» zustimmte, wonach als angreifender Staat derjenige zu bezeichnen sei, der daS Schiedsverfahren nicht annehme.

km ÄöllerbunbSpatte bereits die Grundlagen der zu verwirklichenden Aufgaben; vor allem in Artikel 8. der die Abrüstungs» und Sicherheitsfrage auf­wirst. Die amerikanischen Vorschläge eines Ga­rant ieprvjektS, die auch dem Schiedsverfahren große Bedeutung beimessen, mühten ebenfalls beachtet werden. Alle 6lefe Fragen seien in Kommissionen zu prüfen; wenn auch lieber nicht in besonderen Kommissionen, wie Mac Donald es angeregt habe, sondern in den regulären Organismen des Völker» bundes.Auf den drei Säulen, Sicherheit, Schieds­verfahren und Abrüstung muh sich, so schloh Her- rivt, nachdem er wiederholt in begeisterten Worten den unentwegten Friedenswillen Frankreichs zum Ausdruck gebracht hatte, der künftige Tempel er- heben, in dem wir im Mlkerbund arbeiten."

Die Rede Herriots wurde mit stürmischem, im­mer wieder neu einsetzenden Beifall ausgenom­men, der sich noch lange fortsetzte, als Herriot seinen Platz schon längst wieder eingenommen hatte.

Genf, S. Sept. Der belgisch« Mtntsterpräftbenl Th «uni», der als erster Redner in der Dach« mittagSfitzung der DblkerbundSversammlunst sprach, forderte nachdrücklich, Laß di« Böller Sicher­heit erhalten. Belgien war fett Jahrhunderten bei Schauplatz der europäischen Kriege. Der moderne Krieg mit seinen furchtbaren ZerstdrungSmitteln ist eine ernste Gefahr für Belgien, da» seit dem letzten Kriege noch unter einem ständigen Abdruck lebt. Belgien ist «in ausnehmend friedlicher Staat, aber Belgien braucht für den Frieden Sicherheiten und zwar wirkliche vtcher« hetten, nicht nur auf dem Papier. Der englisch« Mi. nisterpräsibent wieS daraus hin, daß daS Londoner Abkommen eine Entspannung gebracht hat. Ich tarnt nur mit Herriot hoffen, baß vir auf diesem Weg« fort- schreiten. Zu dem SchtebSvorschlag Mac Donald» unk zu Herriot» Zustimmung kdnne er versichern, daß Bel­gien, wenn die Großmächte vvrangingen, ihrem Bei­spiel folgen werde. Aber welche Lage würbe entstehe^ wenn ein Staat heimlich rüst« und seine Verpflichtung«! hinsichtlich des Schiedsverfahrens zerreiße. Zweifel­los stände daS Recht über der Macht, aber die Macht müsse im Dienste de» Rechts stehen. Der Pakt selbst seh« Sanktionen vor und zwar auch militärische, und Im Artikel 10 die Verpflichtung, bi« territoriale Unversehrt­heit und Unabhängigkeit der Mitglieder zu gewähr­leisten. Diese Destimmungen müßten loyal interpretiert werden. Dabei sei Art. 8. der sich ganz kategorisch ausspreche, zu beachten. TheuntS erinnert« an die Er> eignisse in Belgien vor 10 Jahren und gab der Hoff, nung Ausdruck, daß im Falle neuer Angriffe e» wie­der wie damals das Weltgewiffen mobilisieren werb« Aber wenn Delgien fein«, villitärtschen Schutz, bei allein die Invasion aushalt«, verrinaern soll«, so dürft man nicht über die SicherheitSgarantten mit ihm feil­schen. Die Tragik der Geschichte der letzten Jahr« zeige, bah nur die Gewißheit, baß jedem Angriff sofort das Bündnis der Kulturländer entgegentrete, den tFrie- den erhalten könne. Unter lebhaftem Beifall bankt« Theunis dem französischen Ministerpräsidenten, baß w so klar die Rechte der kleinen Völker verteidigt hab«, Theunis verteidigte darauf die tot GarantiepaktSentwurf vorgesehenen Sonderabkommen, die in den Rahme« des Völkerbundes eingefügt und der Kontrolle bei Rates unterstellt find. Der belgische Ministerpräsident toi oh mit dem Ausdruck beS DertrauenS to die Ar­beiten der VölkerbundSverfammlung. TheuntS, bei bei Beginn feinet Dkdr mit lebhaftem Beifall em­pfangen wurde, wurde ebenidH» lebhaft beim Ver­lassen der Rednertribüne appelliert.

Genf, 5. Sept. Um 10.40 älhr wurde heute Vormittag die Sitzung der Dölkerbundsversamm- lung eröffnet, in der Herriot daS Wort ergriff. Der Andrang zum Saal und zu den Tribünen war tote» bet sehr stark. Auch vor dem Dersammlungsge- bäude stand wieder eine Menge Reugieriger, die Herriot mit Sympathiekundgebungen begrüßte. Der Präsident der Versammlung, Bundesrat Motta, erteilte Herriot sofort das Wort. Als Herriot die Rednertribüne bestieg, brach die Versammlung in einen nicht endenwollenden Beifall aus; die Delegierten erhoben sich von den Plätzen.

Genf, 5. Sept. Herriot stimmte im ersten Teil seiner Rede dem Schiedsgedanken, den Mac Donald gestern' vorgefchlagen hat. zu. dem er selbst zuerst im Londoner Abkommen zum Durch­bruch verhvlfen hab«.

An die Kritik, die an dem Garantiepaktent- Wurf geübt worden ist. vor allem an die Feststel­lung des angreifenden Staates anknüpfend, er- klärte er, baß der Schiedsgedanke gerade hier ver­wirklicht werden müsse. Di« Völker müßten sich darauf einigen, als angreifenden Staat den­jenigen z« bezeichnen, der das Schiedsver­fahren bei einem Konflikt nicht an- nimmt. Diese Erklärung wurde mit stürmischem Beifall, der minutenlang anhielt, ausgenommen.

Ferner stimmte er der Auffassung Mac Donalds bet, daß der Artikel über das Optionsrecht einer obligatorischen Schiedsgerichtspartei abgeän« dert werden müsse. Wenn Frankreich auch bereit sei, den Schiedsgedanken in den Mittelpunkt des internationalen Lebens zu stellen, so verlange es di« Offenheit und Auftichtigkeit, festzustesten, daß das Schiedsverfahren zwar notwendig, aber nicht Hzu »reichend fei. Das Schiedsverfah­ren dürfe keine Falle für gutgläubige Völker sein und die Loyalität aller (Staaten, auch der kleinsten, müsse durch Sicherheiten geschützt werden. Rur in der Verbindung von Macht und Gerechtigkeit, erklärte Herriot unter dem Beifall der Versamm­lung. an ein Wort von Pasqual anknüpfend, liegt di« Lösung. Er erinnerte an das Beispiel Bel- giens und erklärte, «S dürfe nicht wieder vorkom­men, daß Bürger von Staaten, die nur den Frieden wollten, vier Jahre lang auf die Rückkehr in ihre Heimatstätten harren müßten. Mit dem Plan einer allgemeinen Abrüstungskonferenz er­klärte er sich einverstanden. Aber diese Konferenz dürfe nicht ohne oder gar gegen den Völlerbund arbeiten und somit den Krieg zwischen zwei Völ- kerbundSorganisattvnen bedeuten.

. Deutschland anbetreffe, erklärte Her- rtot, daß er aufrichtig zu sprechen wünsche. Frank- reich h^e den zerstörenden Milltarismus be- «impft, der in öffentlicher Parlamentssitzung mtt den Worten.Rot kennt kein Gebot!" proklamiert worden sei.Frankreich wolle aber nicht da» Elend Deutschlands. Eskennekei. nen Haß und lebe auch nicht vom Saß. ES habe Beweise seines Versöhnung-, willens gegeben. (?) Inzwischen haben die Deutschen, mtt denen Frankreich in London in bi- rekte Beziehungen getreten sei, Frankreich seine Bereitwilligkeit zur Innehaltung seiner Verpslich- tungen bekundet. WaS die Frage des E i n t r i 11 s Deutschlands in den Völkerbund be- reffe, so könne keine Ausnahme- und Vorzugs- Behandlung maßgebend sein. Artikel 1 und g pes Völkerbundspaktes seien allein maßgebend. Die Regeln des Paktes feien das ewige Gesetz, dem man folgen müsse. Rach Worten des Dankes für die amerikanische Mithilfe und der Hoffnung wei- terer Mitarbeit Amerikas sprach Herriot auch den Wunsch au», daß Rußland an die internatio­nale Zusammenarbeit sich näher anschlleße, wobei er das Anglück dieses Landes betonte und auf die Stimmen des Hasse» hinwies, di« au» ihm oft herübertönten, die Frankreich aber nicht mtt Haß erwidern würde.

Seine Vorschläge zur AbrüstungS- und Sicher- heitSfrage faßte er dann folgendermaßen zusam- , men;Schiedsverfahren. Sicherheit und Entwaff- ; mtng bilden ein zusammen gehöriges Ganges", und , in rlebereinstimmung mit Karnebeck sieht auch er

Schiedsverfahren ein. Rach feiner Ansicht sehe der Völkerbundspatt keine Anwendung von Gewalt­mitteln vor. Der angreifende Staat müßte außerhalb des Gesetze» gestellt werden und sei durch ökonomische Maßnahmen zu vernichten, sodaß andere Sanktionen überflüffig würden, sobald bas Schiedsverfahren all- gemein angenommen feto werb«. Er wünscht eine genauere Präzisierung des Völkerbundspaktes, die einen besonderen Garantiepatt überflüssig mache. Auf die Einleitung de» Schiedsverfahrens eingehend, erhob er in erster Linie bte Forderung vollständiger Gleichheit ~kr Staaten, der kleinen und der großen, vor Lern Schiedsgericht. Die künftige Abrustungskonfe ,enz »die 7^?^ Donald dorgeschlagen hat. von der man zu vefurchten schein«, daß sie to Gegensatz zum Völkerbund geraten tonne, mLff« nach der Ansicht Parmoors durch das Völkerbundssekretaria! einberufen Werder;. Di« Rede Parmoors war vrn versöhnlichem Geiste getragen. Er bemühte sich mehr auf die gemeinsamen als auf die trennenden Gesichtspunkte hinzuweisen.

Beifall, den die grobe Rede Mac Donalds Völkerbundsversammlung gefunden bat, war berechtigt und verdient. Der englische Staats­

bar die wesentlichste Differenz zwischen dem ftanzöst- schen und dem englischen Standpuntt. Wenn jeder sich nur auf seine eigene Kraft und keiner auf die Hilfe der internationalen Friedensgarantien verläßt, dann wird sich allerdings verteufelt wenig ändern. Sfn der theoretifchen Befürwortung und praktischen Ab­lehnung einer Abrüstungskonferenz war Herriot mit Mac Donald einig. ~

Wie eS scheint, hat er dfeft ehrenden Worte nicht dem Versailler Dittat, sondern dem ihm eingefügten Dölkerbundspntt zuteil werden lassen. Da» wäre zwar auch entschieden zu viel ge­sagt, aber man könnte e» mit dem Genfer genius loci erklären. 3n Verbindung mit dem Versailler Diktat von Recht und Gerechtigkeit zu sprechen, müßte wohl auch Herrn Herriot schwer werden.

Eine Frage, die unS Deutsche besonders interessiert, ist noch di«, ob der französische Ministerpräsident im Eingang seiner Red« den Ver­sailler Vertrag einen Pakt des Rechts und der Gerech­tigkeit genannt hat.

Genf, 5. Sept. Nach Herriot ergriff S a - fanbta da» Wort, um den englischen und fran­zösischen Regierungshäuptern zunächst die Sym- pnthie der italienischen Delegierten auszusprechen, die sich allen Bemühungen zur Aufrechterhaltung die Fliedens unter den Völkern anschließen würden. Bei all n begreiflichen und ntttrerTt'en Meinung"-- Verschiedenheiten sei es das Wesentliche, daß alle von gleichem Geist« beseelt feien. Italien, das ein r allmächtigen historischen Fatalität gehorbte. indem es an Kriege teilnahm habe k.stnen anderen Wille >. als feinen Platz innerhalb seiner natürlichen Gren­zen zu bewahren und die friedliche Ausdehnung seiner Bevölkerung zu sichern. Nach einem Lieber- blick Über die Rüstungsbeschränkungen, die Italien bereits vorgenvmmen habe, über die Ergänzungen de» F»nedeuSbc«l.ugeS durch weitere Abkommen und der Beihilfen, die Italien Len besiegten Völ­kern für ihren Wiederaufbau gewährt habe, erklärte eaLn'ra die Bereitwilligkeit I .len aa dem im Völlerbundspakt sanktionierten Grundsatz zur friedlichen Lösung der Konflikte mitzuwirken.

Dieser Patt sei selbst ein 'Vertrag zur gegen­seitigen Hilfeleistung. Nichtsdestoweniger habe Ikllicn.an dem Garantiepaktentwurf mitgenrbei- tet, ohne fick die Schwierigkeiten zu verhehlen, die. vor allem aus der Aeberweisung sehr großer Sank- tionrn an den Völkerbundsrat und aus den Sonder- abmachungen entstehen könnten. Ein leichterer Weg zu dem gewünschten Ziel sei aber eine ge­nauere Festlegung des vbligatorischeit SFUedSver- fahrens. Italien würde seiner Tradition gemäß diesen Weg beschreiten, den bereits Mnncini im Jahre '87? durch einen Antrag in der italienischen Kammer eröffnet hab«. Die Aufgabe sei, die Gren­zen und Formen des obligatorischen Schiedsver- fahrens aufzustellen und bann die Mittel ;u finden, dcn Entscheidungen des Schiedsgerichts eine aus- führende Sankttvn zu erteilen. Wenn neue in­ternationale Versammlungen für Abrüstung stott- sinden sollen, würde sich Italien an ihnen aufrich­tig beteiligen. Aber kein Staat werde auf die notwendigen Machtmittel zum Schutze seiner Si­ch.cheit und Anabhängigkeit verzichten können.

Abrüstung und Sicherheit feien daher untrenn­bar. Ee wäre möglich, baß weder das eine noch das andere Problem zu einer vollständigen Lösung ge­lange. Aber wenn man einige Fortschritte auf diesem Gebiete verwirklichen wolle und die verschie­denen Organe de» VöllerbundeS, di« sobald wie möglich unter seiner Friedensfahne alle Kultur- völler vereinigen mögen, ihrer wahren Bestim­mung anpasse, so könne die fünfte Völkerbunds- Versammlung stolz und zufrieden sein.

Bei schönerem Wetter und unter noch lauterem Äeifalt der Völkerbundsversammlung hat am Freitag er französische Mintsterpräsi bent seinem englischen Freunde die Antwort erteilt. Diese demo- fretitoen Volksmänner der neuen Zeit sind gewiß ftine schlechteren Diplomaten al» die exklusiveren Staatsmänner der alten Zeit. Zwar sprechen sie Mi einmal mit großem Temperament und ohne allzu brgfälfige Lieberlegung Einzelheiten aus. die nachher »autentffch interpretiert" werden müssen, aber in den «scheidenden großen Fragen verstehen sie e» doch, mit so liebenswürdiger Vorsicht auszusprechen, bah *an Diel zwischen den Zeilen lesen muß. Herriot «t am Donnerstag Mac Donald laut beklatscht und ®oc Donald am Freitag Herriot. Der flüchtige «fer der beiden Reden kann annehmen, daß sie in in wesentlichsten Punkten übereinstimmen aber bei Eedem sind die Hauptdisferenzpunkte noch «geklärt geblieben. Herriot hat, da» muh anerkannt Werden, nicht ganz so warm wie der Snglänbet, aber M völlig unzweideutig dem eventuellen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zugestimmt: di« Stirn- M der poincaristischen Presse in der französischen ^chlveiz haben ihn nicht zu beeinflußen vermocht. Er 9te einen bemerkenswerten Wink nach Moskau Hinze-, Entschließung in dieser ganzen Angelegenheit kann S® wird nicht so schnell fallen. Zwar taucht soeben

sensationelle Meldung auf. daß die Regierung er Vereinigten Staaten nun auch dem I,n t r 111 in den Völkerbund jun et g e; aber

tf! mit größter Skepsis auszunehmen. Dem Schieds- '^totsgedanken Mac Donalds ist der französische Mi- - ^Präsident ein Stück entgegengekommen mit seiner f ,^Eerung. baß als Angreifer im Sinne des Ga- 0! , ieverlrages gelten solle, wer das Schiedsgericht ab-

Aber dann kam die französische Sicherheitsthese ®ic Schiedsgerichtsbarkeit dürfe nicht eine -le^övröen für ein gutgläubiges Volk, und so werde «ttö , at ~ lvas Herriot an dem Beispiel der Schweiz u.evt auf den Schutz seiner Sicherheit durch ttwe Machtmittel verzichten wollen. Hier liegt off-

erkannt bat, aus dem allein der Völkerbund au» einem Znstrument der Siegerstaaten zu einer wirklichen Ver­tretung der Nationen und zu einem Vorkämvfer der k rständigung werden kann. Es ist stcherlich bereich- »end für den Wandel der Situation, baß Mac Donald enter dem Beifall auch der französischen Delegation effen aussvrechen konnte, daß Deutschland nicht außer- telb de» Völkerbundes bleiben dürfe.

Alle diese Aussichten und Erwartungen dürfen aber gerade den deutschen Politiker nicht darüber hinweg Wuschen, daß uns hier die Aussicht auf ein Ziel ge- Wigt wurde, zu dem der Weg noch lang, steinig und »oller Gefahren ist. Man weih nicht recht, ob sich Mac konald selbst über die Hlnbernisse binweggetSuscht fct die der Erreichung seines Zukunftsideals im Wege stehen, ober ob er sie aus taktischen Gründen »bstchtlich ignorieren wollte. Wie stark die Spannung ßtz des persönlichen guten verbältnisies zwischen Mac nald und Herriot immer noch ist, dafür bieten die leiben Zwischenfälle, bie vielfach al» reb- «rische Entgleisungen Mac Donalbs aufgefatzt wer­ben, ein bezeichnenbes Symptom. Die Bemerkung fcor ben Fehler bes Völkerbundes in der oberschlesi- Äen Frage hat die Polen schwer verstimmt und muhte tvrrigiert werden, und ebenso war es mit der an sich «och unverfänglicheren Aeußerung des Ministeroräst- lenten, dah die Frage, wer in einem Kriege der An­greifer sei, erst in 50 Jahren durch die Eeschichtsschrei- ler und nicht sofort von den am Kriege beteiligten Staatsmännern festgestellt werden könne. Auch hier Wußte Mac Donald auf entrüstete französische Proteste Wit der Presse mitteilen, dah er damit keineswegs zur Kriegsschulbftage bade Stellung nehmen wollen. Und Iw übrigen belehrt uns das Echo, das die Rede in Karis gefunden bat, wie wenig die öffentliche Mei- mrng Frankreichs bis in weit liiiksstehendr Kreise bin« geneigt ist, von den französischen Forderungen in kr Sicherbeitsfrage auch nur bas Geringste rrciszu- Wben. E» scheint, als habe Mac Donalb, wie zuerst fcabfidjligt war, Herriot in einer vertraulichen Aus« Prache ben leit seiner Rebe milgeteilt unb ein ge­wisses Einverständnis mit ibm entrlt Man darf ge Kennt lein, mit welchen Argumenten frinlot den stvntüsifchen Standpunkt begrünben wird unb wie et «f bie Anregung bezüglich oes Eintritts Deutschlands »agiert. Ein offener Widerspruch ist gewiß nicht zu erwarten, aber ebenso wenig begeisterte Zustimmung Ran darf schließlich nie vergessen, daß die Position kiber Ministerpräfibenten im eigenen Lanbe ht zu­nehmendem Maße bedroht sind, bie zu überschreiten sie Kh bäten werben.

Fist bie Stellungnahme Deutsch,anbs kommt j'tzt ebne- Zweifel vieles, wenn nicht alle? darauf on daß « feine außenpolitischen Schritt« nach rein fach 'chen Erwägungen entscheidet tnb nicht mit taktischen imer« Nlitffdjen Motiven verquickt. Wit müsien enblich do- Mn kommen, bie Fragen bet internationalen Politik kesgelöst von den Prestigerücksichten der Parteien zu betrachten unb bie sich ergebenden Gelegenheiten aus« Umutzen, ebne mit dem einen Auge nach bet Sozial- kmokratie unb mit dem anderen nach den Deuffch- »«iionalen zu schielen. Die Probleme, vor bi« wir fcrabe durch bie Entwicklung bes Völkerbundgedankens »stellt werden, sind so heikel und erfordern eine so Knie und vorsichtig abschätzende Erfasiung und Be- «tzung der jeweiligen Chancen, dah jeder unüberlegte kchritt, der nur aus Rücksicht auf parlamentarische Härtungen erfolgt, unabsehbare Gefahren hetaufbe- Eroören und uns das Konzept auf lange hinaus ver- rben kann.

Pchtlich , . .....

«utnn bat mit einem für englische Durchschnlttsver- tältniffe ungewöhnlichen Aufwand an Temperament, Eleganz und Aufrichtigkeit die Ideal« klargelegt, die Bn bet seiner Mitarbeit an den internationalen Pro­blemen leiten. Man braucht auch nicht zu bezweifeln, bah bie britische Regierung mit klarem Blick ben Weg

Genf, 5. Sept. Im weiteren Verlauf« bet heutigen Nachmittagssitzung ergriff bet tschechisch» Außenminister Benesch das Wort. um zunächst in seiner Eigenschaft als 'Berichterstatter für btt Abrüstungsfrage einen Aeberblick über itft Vorgänge bes Garantiepaktentwurfes des Völler« Hundes zu geben. Er erinnerte dabei an die Re­solution der dritten Völlerbundsversammlung, dl« den Grundsatz der gegenseitigen Mhänglgkest bet Abrüstung von den Sicherheitsgarantien ausge­stellt und auch die Sonderabkommen zugelasse« habe. Die vierte Völkerbundsversammlung habe bann den von ihrer dritten Kommission ausgear­beiteten Gar.rnticpaklsenlwurf den einzelnen Staa­ten zur Prüfung überwiesen, in der LIbsicht, zu einer endgültigen Fassung zu gelangen. Die Inzwischen eir.gelaufenen Antworten der Regierungen hätten zahlreiche Einwände gebracht, auf die Benesch tot Einzelnen einging. Er erwähnte dabei besonder« den Eingang der tschechischen Antwott, wonach angesichts der chemischen Kriegsmtttel auch bi« bloße Entwaffnung keine Sicherheit bietet. Di« Llbrüstung erfahre babei eine Ergänzung durch die Garantien und Sicherheiten, entsprechend der ffche- chischen Antwortnote. Es sei aber der militärische Defens vi lan ie? C aran itvaktentwurfeS durch ein Schiedsverfahren zu ve.v llstünd gen, wobei er sich den Worten Herriots. Mac Donalds und auch Mot- ta» in der Eröffnungssitzung anschloß. Benesch versicherte dann, daß auch er Anhänger be» Schiedsverfahrens sei. daß aber der Weg schwie« rig und heikel sei und einer sehr großen Vorberei­tung bedürfe. Fall» die großen Staaten das ob- ligaterische Schiedsverfahren annehmen würden, würde da» ein Glück für die kleinen Staaten sein. Die Sonderabkommen würden aber immer bestehe« und man könne sie nicht abschaffen. Der beft« Weg fei daher, sie durch den Völkerbund kontrol­lieren zu lassen. Benesch sprach Herriot feine« Dank aus für seine Worte zu Gunsten der Sei­nen Staaten. Auf die Worte Mac Donald», wo­nach trotz aller Verttäge die kleinen Staaten durch einen Krieg verschwinden würden, entgegnete Be­nesch, indem er an die Geburtsstunde der neuen Staaten erinnerte, die sich zum Schutze ihrer llnub- hängigkett zusammengeschlossen hätten. Ohne die Anstrengungen, bie damals durch die St i.tten Euro­pa» unternommen wurden, wären die Reöoffe.a «nh Putsch« gelungen und heute wäre nirrnrnd me/r in der Lage, über das Schiedsverfahren und die Abrüstungsfrage ülerhaupl nur zu bislutiecer.

Nrichdem Benesch nochmals ausdrücklich die Sanktionen gerade für den Fall eines '^bbrvchs des Dchiedsnbkonunens als notwendig br^sthnet hatte, bedauerte er. in seiner Eigenschaft als Be­richterstatter für den ®arüntiepa:te: treurf dessen Ablehnung durch so z.hlreiche SlaL.en und ver­teidigte nochmals die Erandzü^e" "ntwurss.

um dann zu e.Künn, daß er im In rr flo «r Sache sich von fed-r dckinnarru Au.fa.'s.'ng und an bet Formulierung eines etivüftigen Abkom»