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Anzeiger für (das früher kurKejMe) Oberhessen - Amtliches Vrrkün-isungsblatt -es Kreises Marburg

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Di*Oberhefflsche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 Mark aurlchli^ sthr. Durch die Post 2,2a Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streik» oder elementarer Ereignill« I Nt Dr.T. Hitz eroth.Druck der Univ.-Buchdruckerei von Joh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernspr. SS, Po Amt Frankfurt a. Main.

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tben|» Auskunft durch die SefchSfts stelle und Zusendung der Angebot«. SrMuugEt Marburg, 1 <^.-Mk. = Dollak

Das Echo btt Abstimmung.

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tollen sind.

Belgien räumt.

Die Räumung de» Stadt Dortmund.

Qu. Berlin, 1. Sept. Wie wir von unter-" rkchteter Seite erfahren, wird die mMärische Däu- mung der Stadt Dortmund noch an diesen Montag durchgeführt werden. Dagegen soll di« übrig? Dortmunder Zone »deren Räumung von be französischen Regierung von dem Abbau der wirt- schastlichen Maßnahmen abhängig gemacht wird, erst im Laufe der ersten Septemberhülste von der Besatzung befreit werden. Der Befehl zur Räu­mung der Stadt Dortmund ist 24 Stunden nach der Unterzeichnung des Londoner Protokolls ge­geben worden.

Deutschnationalen bftben darauf verzichtet, fahrt Pertinar fort, daß die vorstehenden Forderun- gen den Verbündeten sofort unterbreitet würden. Sie battn aber die Zusicherung erhalten, daß die Re­gierung sich die Erfüllung dieser Bedingungen ange- .egen sein laste und Serriot ste, nach seinen Londoner Reden zu urteilen, nicht in Bausch und Bogen ab- lhnen werde.

Paris, Brüstet, daß rationierten

Die Pariser Press« «b-r die gestrige Reichstag», abstimmung.

Di« Zollgrenze fällt f

Dortmund, 30. Aug. Bon de« Leiter de»Zoch ausschuste» in Düsseldorf ist soeben folgend»» Delo- gram m hier eingelaufen: Leiter de» Zoll-Ausschuss«« teilt mit, daß alle Abgabeerbebunge« an der Ost­grenze für di« au» dem unbesetzten Deutschland kcm menden Ware» ab 9. September Mitternacht einst»

Spätere Anweisungen Vorbehalten. Major Pbilippi.

Funkmeldung.

fk. Wien, 30. Aug. Die Annahme des Lon­doner Abkommens wird hier allgemein als großer Erfolg für Deutschland und Europa empfunden. Blätter geben der ileberzeugung Ausdruck, daß die Bernunft und die Notwendigkeit den Sieg errungen haben. Am meisten befassen sie sich mit dem Um­schwung der Deutschnattvnalen Volkspartei und mit den Beweggründen für diesen Umschwung. Hier­von ausgehend erwähnen die Blätter die zukünftige MSglichkeit einer bürgerlichen Regierung mit vor­herrschenden» deutschnattvnalem Einschlag. Ver­schiedentlich sprechen sie auch, mit Rücksicht au die Vorgänge vor der Abstimmung, von der Rvt- wenbigkeit der Auflösung des Reichstages und vom Ausschreiben von Neuwahlen.

l Auch derLokal-Anzeiger" begrüßt das offene Wort der Refchsregierung und hofft, daß I ersten Schritt weitere Schritte folgen werben.

Die «Deutsche Allgemeine Zeitung" sagt, daß mit dem gestrigen Tag ein neuer Ab­schnitt in der Geschichte der Nachkriegsjahre be- gönnen habe. Gs sek jedoch kein Anlaß vvrhn- den zu frohlocken. Die furchtbaren Lasten, die bas Sachverständigen-Gutachten Deutschland auf- erlege, würden die schwersten Konsequenzen für Doll und Reich nach sich Ziehen. Aber doch sei der Beschluß des gestrigen Tages eine bittere, nicht mehr abwendbare Notwendigkeit gewesen, und es sei ein Lichtblick im Dunkel dieser Tage, daß im Znnern ein neuer Anfang gemacht worden sei.

DieGermania" nennt die Annahme der Londoner Abmachungen im Reichstage einen Sieg der politischen Vernunft und einen Sieg des deut­schen Vernunftwillens. Man dürfe jetzt die Zu- verficht aussprechen, daß Deutschland wieder auflebe.

DasD. T." spricht von einer staatsmännischen Tat, die di« Mehrheit des Reichstages vollbracht habe.

DieVoss. Ztg." schreibt: Ein Aufatmen geht durch das deutsche Doll. Allen Widerständen zum Trotz hat gestern die Liquidierung der Kriegs­einstellung begonnen.

DerVorwärts" erklärt, daß der gestrige Tag den Zusammenbruch der nativnaltsttschen De- magvgie und ihrer Anstrengungen zur Verhinde­rung einer Verständigung der Völker gebracht habe.

um einen Schutztarif gegen unfaire Kon­kurrenten einzurichten.

Der Eindruck der ALstimmnng fe Amerika.

Bari», 30. Aug. In Rewyork ist die Reichstag»« avstimmung in politischen und Finanzkreisen m i t sto6er Erleichterung ausgenommen worden. Die Anleihe für Deutschland wird jetzt bereit« binnen wenigen Wochen aufgelegt werden.

funkmelbung.

ll- Mailand, 30. Aug. Die Regierung Marx-Dttesemann hab« mit der Anterzeichnung des Londoner Abkommens einen großen Erfolg erzieft. Die Anterzeichnung fei ein entscheidender Schritt in der Geschichte Deutschlands. Der Vertrag von ersailles sei unterzeichnet worden, weil er unter­zeichnet werden mußte. Die jetzige Unterzeichnung der Londoner Abmachungen werde durch eine freie fteie Willensbestimmung erfolgen.

Di« D«rchführu»a 6»r Londoner Abmachungen.

Ob. Berlin, 1. Sept. Wie wir von maß« gebender Sette des Auswärttgen Amtes erfahren wirb nunmehr unverzüglich die wirtschaftlich« Räumung de« Ruhrgebiets entsprechend den in dem Londoner Protokoll vorge­sehenen Terminen durchqeführt werden. Bereit« in den nächsten Tagen wird di« Reparattvnskommis- sion die erste FestftÄlung auf Grund der Londoner Beschlüsse zu machen haben, und zwar wird si« konstatieren, daß Deutschland die Ausführungsge­setze zum Dawes-Gutachten angenommen hat. Da­raufhin erfolgt etwa gegen den 10. September di« Zurücknahme der Zollinie und die Auf­hebung der wirtschaftlichen BeschrSn- kungsmaßnahmen. In der Zett zwischen den, 27. September und dem 5. Oktober erfolgt die zweite Feststellung .wonach die deutsche Reichs- cisenbahngefellschast ihre Tätigkeit aufnimmt, so­daß zu diesem Zeitpunkt die Beseitigu ng bei interalliierten Eisenbahnr« gje und bk Rückgabe der Eisenbahnverwaltung der besetzte« Gebiete an Deutschland erfolgt. Am 2 2. Okto­ber 1924 treten di« Zohlungsbestim- mungen des Dawesplanes in Kraft. Von diesem Tage an hat Deutschland unmittelbare Zah­lungen zu leisten, und zwar monatlich im Betrage von 83 Millionen Goldmark, die hauptsächlich in Form von wirtschaftlichen ßeiftungen vor sich gehen Vor. großer Wichtigkeit ist es. daß bis zu diesen» Termin die Anleihefrag« gesichert ist. b.itnf das Reich diese Zahlungen bereits aus der Anleih, zu bestreiten vermag.

Der Appell der Deutschen Bolkspartei.

Berlin, 29. Aug. Die Grundlage der Verhandlungen zwischen der Deutschen Volks- I Partei und den Deutschnationalen bildete bekanntlich ein I Schreiben der erstern. Sn diesem Schreiben wurde der Deutfchnationalen Vollspartei ein Beschluß der Ivolksparteilichen Deichstagsfrakion vom I 18. August mitgeteilt, der folgendermaßen lautete:

In entscheidender Stunde wendet sich die Fraktion I der Deutschen Volkspartei an die Deutschnationalen. Wir haben volles Verständnis dafür, baß in den Reihen der Deutschnationalen Vollspartei bittere Enttäuschung über bas in London Nichterreichte herrscht. Wir teilen bi^e Empfindung. Der Lon­doner Pakt ist nur erträglich, wenn man ihn als einen ersten Schritt in der Dichtung der Neu­gestaltung der weltpolitischen Lage zu Deutschlands Gunsten und zugleich als daS einzige heute gegebene Mittel zur Befreiung von Rhein und Ruhr aus den Fesseln der französisch-belgischen Pfänderpolitik betrach­tet. Es kommt alles darauf an, auf diesem Weg ziel- bewußt voranzuschreiten und mit Kräften bas nach- ! zuholen, was in London noch nicht durchgefeht wer­den konnte. Zur Mitwirkung an dieser Zukunfts» arbeit rufen wir die Deutsch«« ionale DolkSpart« auf.- Wir haben seit den Reichstagswahlen danach gestrebt, die wertvollen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Kräfte der Deutschnationalen Dollspart ei zur verant­wortlichen Mitarbeit an den Reichsge- schäften heranzuziehen. Wir erklären heute, daß wir diese Mitarbeit bei der Durchführung de» London er Pakte» und des innerpolitischen Wie­deraufbaus für notwendig halten. Mebernimmt die Deutschnational« DvlkSpartet die Verantwortung am Zustandekommen des Londoner Pakts mit, fo wird die I Reichstagsfraktton der Deutschen Bolkspartei mit allen I Mitteln auf eine ihrer Bedeutung entsprechende Teil­nahme der Deutschnationalen an der DeichSregie» rung bestehen. Diesen Standpuntt haben unsere Ver­treter bei allen Aussprachen der letzten Wochen ein­genommen. Wir halten es für unsere Pflicht, dieses auch ausdrücklich zu wiederholen.

Die Abstimmung des Reichstages ist in der ganzen politischen Welt mit großem Interesse ausgenommen «Serben. Lleberall herrscht das Gefühl, daß eine Ent­scheidung von größter Dedcutung gefällt worden ist.

Zn Deuttchlanb selbst fällt die Besprechung natur« «rmäß je nach der Parteifchattierung aus. Aber es ist tzoch bezeichnend, daß selbst die »Deutsche Tageszeitung" «ns dem rechten Flügel der Deutschnattvnalen die An­nahme rechtfertigt. Sie fei der Grund zu einer Rechts- Wendung der gesamten Politik, meint bas Blatt. Ein Luftiges Abkommen wäre nicht besser ausgefallen als pas vorige, und innerpolitisch hätten die Neuwahlen Be Große Koalition auch in Preußen gebracht. Der .Tag" findet die Sozialdemokratie als den Verlierer ts der Schlacht und begrüßt den kommenden Bürgerblock.! er »Vorwärts" glaubt, daß dieser Block keineswegs fertig sei, im Gegenteil seien Demokratie und Zentrum

Heller Entrüstung über die Versprechungen der Deut­schen DolkSpartei. mag stimmen, soweit es die e:.intraten angeht, sie ja immer einen bewuß! bürger« kchen Block gegen die Sozialdemokratie zu verhindern ftzchen. Was da» Zentrum aber angeht, so macht die Germania" Mitteilungen, aus denen hervvrgeht, daß « den Fraktionssitzungen des Zentrum« volle Ein- «Stigkett herrschte über die Zuziehung der Deutsch- ationalen zur Regierung. Daß im Übrigen vielfach «b* Seiten der Deutschnationalen tote auf Seiten der Sozialdemokratie das Gefühl herrscht, man sei getäuscht I Serben, ist, da zur Erreichung deS Resultates eben beide Parteien notwendig waren, durchaus verstand-1 Ach. Die »Kölnische Zeitung" freut sich der Ein-1 «ütigkeit deS Bürgertum», obwohl bas Ergebnis von! London noch einer energischen Vervollkommnung be-1 türfe. Die »Hoffnungen" hinsichtlich des besetzten Ge-I Aktes müßten jetzt in Sicherheiten verwandelt werden.!

Zm Auslande hat man in Amerika mit der An«I »ahme von vornherein gerechnet und ist nun nicht über-1 tuscht. Man hofft, Mitte bis Ende Oktober die Anleihe wtter Dach und Fach zu bringen. Ebenso hatten die! Schweiz und Oesterreich mit der Annahme gerechnet. Von I Großem Znteresse ist aber, baß in vielen ausländischen I Greffestimmen einmal zum Ausdruck kommt, daß kein Grund zum Optimismus vorllege, da der Dawespfan I «och viele Schwierigkeiten bringen werbe, andrerseits Stete in Dänemarks befürchtet wirb, daß durch ei» stärke- I*s Arbeiten der deutschen Industrie die Industrie des! «igenen Landes stark geschädigt werbe. I

Diese Befürchtung kommt vor allem auch in 6er I Malischen Presse zum Ausdruck, die ja von vornherein I den kommenden handelspolitischen Fragen da» aller-! Größte Mißtrauen entgegenbrachte. Der »Daily Tele-I gre '.'ß" verlangt beute schon Abänderungen am Gon« I Koner Abkommen sowohl hinsichtlich der militärischen I Räumung als auch der Dachlieierungen. Zm übrigen! Btnnt man die Entscheidung den Sieg deS gesun«! ben Menschenverstandes. Die englische Politik zeigt auch hier die charakteristischen Schwankungen, die fc in der Nachkriegszeit beherrschen.

Zn bet französischen Presse steht man der I lllnnahm« mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Man I fältc eine Reichstagsauflösung mit einer neuen sozia-1 isttfche n Mehrheit lieber gesehen. Man versteht I «wn, warum unsere Sozialisten sich so Wild gebättetev. I Herr Breitscheid hatte in Paris offenbar in liefern Binnc verhandelt. Daß die Deutfchnationalen schließ-1 kich das Gesetz angenommen und damit Einfluß aif die kommende deutsche Politik gewonnen haben, Wick! in | Doris lähmend, muß also für Deutschland Wohl gui sein. Das die Blätter sonst von der innerpolitischen Ent-1 Gicklung Deutschlands sagen eine» sieht schm die! Monarchie *- ist eben weniger bezeichnend für vifere I inneren Verhältnisse als für die französisch« Dmkart I Mid geringe Kenntnis deS deutschen Volkes. !:

Sie Einreise in» besetzte Gebiet.

Sanbau, 30 Aus. Wie demLandauer Anzeig- von zuständiger stelle mitgeteilt wird, ist zur Ein- reise in das besetzte Gebiet nach Annahme des Londoner Vertrages im Reichstag eine Erlaubiü! h-rTi*a'Besatzungsbebürde nicht mehr erfor- derlich, ent einfacher Reisepaß ist ausreichend.

Wie das W. T.B. hierzu erführt, ist eine offizielle Jiitteuung der französischen Behörden ober eine Wei-

Berliner Pressestimmen.

Die Haltung der Deutschnationalen 64 d;r Gestrigen Abstimmung im Reichstag übe bie Dawesgesetze findet nur in derDeutschenZei - tung" schärfste Verurteilung. Das Blatt pricht dw>. einem Versagen ber Partei und ber Pirtei» keitung. Es er Härt: Die Deutschnationale VllkS- !>artei ist gespalten. Innerhalb ber Partei fthen ich zwei Weltanschauungen gegenüber, stehen sckche, die an die Derantwottung vor ben kommenben Se« fchlecktern benken, unb solche, für bie bie Mieder Gegenwart ausschlaggebend sind.

Kreuzzeitung" unb Deutsch« Tsg.'S- tung" suchen tn längeren Ausführungen bie .)al- tang ber deutfchnationalen Fraktion zu rechfer- vgen. Vor allem begrüßen si« «S, bah nunrehr brr erst« Schritt zu bem großen Dürgerblockge-1 kn fei, baß bie Durchführung ber DaweSgeetzs | Unter Beteiligung der Deutfchncttionalen vor sich gehen werb«, tzind bah bie Reichsregierung Ine Erklärung über bie Kriegsfchmlblüge abgegven vabe. DefvnberS baS letzte Moment hab« bie deutschnationale Fraktion zu ihrer Haltung be­staunt. DieKreuzzeitung" sagt dazu: Diese Sr- terung, bie bem berechtigten Verlangen de« but- foen Volkes, enblich von bei auf ihm lasteten Derleumbung befreit zu werben, entgegenlormt, i stbas erste Dokument von offizieller Sette, bas 86er tiefe SchickfalSfrage ber Natton herau-gebncht worden ist. DieDeutsche Tageszeitung" etiSrt,

am gestrigen Tage bie deutsche Regierung >en I Entschluß gefaßt habe, ben schlimmsten Schandleck Euszutilgen, bet sett ben unhellvollen Iunit^en bes Jahres 1919 auf ber deutschen Ehre geigen | habe.

I London, 30 Aug. Zur Annahme der Dawes- oesetze schreibt der divlomatische Berichterstatter des .Daily Telegraph": Das Parlament könnte sich

I letzt zwar nicht gut gegen diesen Verttag aussvrechen, | wie stark und wohlbegründet auch einige der Ein­wande seren, die sich gegen den Dawesvlan selbst oder gegen die Beifügung des ausgedehnten Planes von Sachlieferung«« ,« diesem Dokument richteten. Der Berichterstatter fährt fort, die Nachrichten, di« er au» englischen und amerikanischen Kreditkrei-^ sen in Paris erhielt, bestätigen den in Londoner Finanzkreisen herrschenden Eindruck, daß die Zeichnung der Dawesanleibe im Ottober auf ernste Schwierigkeit en stoben würde, sowohl von feiten der Wallstreet al» auch von selten der City, wenn nicht einige Aenderungen an dem Londoner Ab- fommen vorgenommen würden; entweder bezüglich des Rechtes ,u individuellen Sanktionen oder bezüglich der s o f o r t i g en SR 8 u m u na des R u hr- fl e b ic t e» auch in militärischer Hinsicht, endlich de- . zuglich de» Systems von Sa ch l i e fe i u n a e n. Der Berichterstatter schließt, die brittfche R-gierug dürfe »intet ben alliierten oder neutralen Regierungen bei den Verhandlungen über vorteilhafte Sandelsv«. träge mit Deutschland nicht zurückbleiben. Die britt­fche Regierung hab« dabei mehrere Hebel, die ste g«. brauchen könne, z. B. den der Kriegsschulden und der Kredite, um deren Gewährung die Bank von England und andere englische Banken ständig er­sucht würde«, endlich den der 6tnfu6tobo«6«,

Di« Unterzeichnung de« Londoner Abkommens.

L o n d o n, 30. Aug. Die Botschafter und Ge­sandten der alliierten Machte und der deutsche Bot­schafter sind um 12.30 Uhr im Auswärtigen Amt eingetrcffen, um die Londoner Abmachungen zu unterzeichnen. Die Unterzeichnung dauerte bis 5 Minuten vor 1 Uhr. Es handelt sich um fün: Schriftstücke, das Protokoll und vier Anlagen.

*

London, 3V. Aug. Die Unterzeichnung der Londoner Abmachungen ging in alpha- petifcher Reihenfolge vor sich. Bor dem Auswär­tigen Amt hate sich eine Anzahl Menschen an- gesammelt, um der Auffahrt der Vertreter der | Mächte beizuwohnen.

London, 30. Aug. Zur Unterzeichnung des Londoner Abkommens ist noch zu melden, dah die erste Anlage bereits während der Londoner Konferenz vom Reichskanzler und den Vertretern bet alliierten Mächte unterzeichnet worden war. Heute wurde nun zunächst die zweite Anlage, die das Ab­kommen zwischen der deutschen Regierung und der Revatationskommission betrifft, von den Vertretern Deutschlands, ber alliierten Mächte unb bet britischen Dominions unterzeichnet. Hierauf erfolgte bie Unterzeichnung ber brüten Anlage, näm- l'ch des Abkommens von Deutschlanb mit ben alliierten Mächten hinsichtlich bet Durchführung des Sachverständigengutachtens und der vierten Anlage, die, da sie ein interalliiertes Abkom- kcmmen betrifft, nur von den in der Revarationskom- misston vertretenen Mächten, unterzeichnet wurde.

Paris, 30 Aug. Die Pariser Morgen- I v r e s s e zeigt übet die gestrige Reichstagsabstimmung keine sonderliche Freud«. Die meisten Blätter stellen mit unverknnbarer Beklemmung den Umschwung der Dcutschnationalen fest und geben bet Befürchtung Ausbtuck, bab die Reichstesierung die Stimmen der Deuischnattonalen mit weitgehenden Zugeständnissen und Opfern erkauft habe. Die Blätter der Linken machen aus ihrem Bedauern, dab die Reichsregierung e» nicht vorgezogen habe, zur Auflösung des Reichs- tags zu schreiten, kein Hehl. Die Schuld an dieser llnterlaffung wird in der Hauptsache Stresemann zugeschrieben. Oeuvre" fragt, ob der Kanzler tn der Lage sei, die Zusammenhänge wieder zu lösen, die fe Außenminister zwischen der Volkspartei und bi Deutschnationalen geknüpft hat. Mit gewohnter , der Berliner Korrespondent de» Echo de Paris":Die Deutschnationalen, die stets von ihren idealen Gefühlen reden, haben sich kaufen laßen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ihre Teil« nähme an ben Regierungsgefchäften nut noch eine <naae von Tagen ist. Eine Kabinettsumbilbuna bürfte jfut Anfang Oktober vorgesehen sein. Die Abstimmung 9 Reichstags bat vom Stanbvunkt ber inneren Politik aus eine besondere Bedeutung. Sie drückt ben Triumph bes Bürgetblocks über ben Marxismus aus ®te beutschen Sozialisten sind bie großen Besiegten bes gestrigen Tages." In b-mfelben Blatt behauptet Pertinar, daß bie Deutschnationalen an ihre Zu­stimmung bi balbige Erfüllung bei nachstehenben Be­langungen geknüpft hbaen:

1. Erneute Prüfung ber beutschen Zahlungsfähig­keit innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren.

2. VoUtänbige Räumung bes rechten Rheinufers unb bet Kölner Zone am 10. Januar 1925.

3. Herabsetzung ber vorn Sachverstänbigenbericht vorgesehenen Jahresleistungen.

4. Ergänzung bes Abkommens vom 25. Juli 1919 betreffenb bie Besetzung bes Rheinlanbes.

S. Revibierung der Klaus«! des Versailler Ver­trags die sich auf die Kriegsschuld Deutschlands

30. Aug.Petit Pariesien" erfährt auf Befehle an die belgischen im Ruhrg-di«< Truppen ergangen sind, sich zum Ab< !ug bereit zu halten. Zunächst werden bif chwere Artillerie unb bie Tanks abtransportiert wen

ben. Die Truvvenbestände sollen auf ein Minbestmak herabgesetzt werben. Von iebem Regiment wird ar Ort und Stelle nur ein Bataillon verbleiben.

Di« (Ernennung der Kontrolleure.

Paris, 30. Aug. Die Reparationskommisfloif veröffentlicht folgendes Kommunique: Dis Repka ist gestern unter dem Vorsitz BartHous zusam­mengetreten. Die Kommission wird in allernächster Zeit die Ernennung, des Generalagenten für di« Reparationszahlungen, wie er im Dawesplan vor­geschrieben ist, vornehmen. Da indessen dieser Es« neralagent nicht sofort in Funktion treten kann, hat Owen SOoung, der zum Ersten Sachverstän­digenkomitee gehörte, sich bereit erklärt, diese Funk­tion provisorisch zu übernehmen. Die Repko hat ihn deshalb zum interimistischen Generalagenten für die Reparationszahlungen ernannt. Sie hat m Verlaufe ihrer Sitzung noch ernannt: zum Treu­händer für die Eisenbahnobligationen den belgi« chen Hauptdelegierten Delacroix, den sie gebeten at, seine bisherige Funktion zu behalten, zun Treuhänder für die Industrieobligationen den Ita­liener Rogara und zum Kommissar für die Pfän­der-Einkünfte den bisherigen Generalsekretär der Repko Max Fadyen, der sein bisheriges Amt auf- gibt.

PM ris, 30. Aug. Wie derlemps" mitteilt, wird Owen Poung seinen Posten sofort antreten, und zwar zunächst in Paris und dann in Berlin. Owen Poung und die übrigen soeben ernannten Beamten reisen am Mittwoch nach Berlin. Spater werde die Repko noch die fünf Hilfskommiffare er­nennen, die für jede der von Deutschland als Ga­rantie gegebenen Einnahmen vorgesehen seien.