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eitung

Marburg o. 1, Somabenb, den zo. August

-ir. 204 (2. Blatts

59. Zahrg. 1924

LL.

ES dauerte eine Weile. Dann stieß

er

Sie

Sie

es

Sn der Aufwertungsfrage ist ein wesentlicher Um­schwung der öffentlichen Meinung bisher nicht zu be­merken gewesen. Der Allgemeine deutsche Sparkassen- und Kommunalbankentag hat eine ziemlich zurückhal­tende Stellung eingenommen, und man hat den Ein­druck, als ob die weitgehenden Aufwertungshoffnun­gen eine erhebliche Abkühlung erfahren hätten. Man neigt neuerdings zu der Auffassung, daß der Grad der Aufwertung der Papiermarkanleihen schließlich kein einheil kicher werde sein können und daß darum der innere Wert der einzelnen Anleihen, bezw. die Zah­lungsfähigkeit und finanzielle Lage des Schuldners für die Bewertung der einzelnen Anleihen letzten Endes maßgebend sein müsse.

„Wo soll es denn geblieben fein? Haben versteckt?"

„3d) nich!"

»Wie groß war denn die Summe?"

nicht leicht beisammen, un dies war sozusagen her­renlos. — Ja. es war 'ne Versuchung."

-Da erlagen Sie ihr und nahmen das Geld. Wo haben Sie es gelassen?"

„Das Geld? — Herr Statsanwalt, das hab ich doch nich."

„Sie haben es nicht, wenn Sie es doch Mit­nahmen?"

„Man bloß ein fünfhundert Schritt. Wie ich schon sagt, es w.r eine Versuchung. Aber man is doch ein ehrlicher Kerl, un aus sein Haut kann ein nich. Das Portemonnaie brannte mir man so in mein Hand. Da hab ich es weggeschmissen."

„Weggeworfen wollen Sie es haben?" •

„Ja. Herr Staatsanwalt, weit weg von mich, damit es mich nich mehr in Versuchung führte."

„Wie kommt es dann aber, daß Sie den Gold- chmied Becker in Eckernförde mit einem Goldstück ^zahlten, das nachweislich aus Heesemanns Geld­beutel stammt?"

„Das Zehnmarkstück, ja, das iS wahr, das ein­zigste Stück, das hab ich genommen. Da war ich ttvdj. Ich wollt doch meine Braut den Schmack aufen. ES war unrecht. Ichhätt' das nich eur­en, Herr Staatsanwalt — nee.“

. Sie behaupten. Sie hätten nur das eine G-ld- tück genommen und dann das Portemonnaie wez- geworfen?" >

^Jawoll!"

„Das Portemonnaie ist allerdings nicht weit von der Mvrdstelle gefunden worden."

^Sehen Sie, Herr Staatsanwalt!"

„Das wollte der Dieb auch wohl nicht behalten, aber es war leer, ganz leer. Wo ist die Summe geblieben, die brinne steckte?"

tungsstelle zu erfolgen, und zwar in Preußen bei de» Sparkassen selbst. Wie hoch nun die alten Sparkassen­guthaben ausgewertet werden sollen, ist noch nicht end­gültig festgelegt. Hierüber wird der Auswertungsaus- schuß des Reichstages, wie auch über die Aufwertung der Hypotheken, endgültig Beschluß fassen. Gerade den Aermsten der Armen sollte das Reich in besonderer Weise entgegen kommen, indem deren Guthaben voll und ganz aufgewertet würden.

„Herr Staatsanwalt, ich kann nur sagen, ich hab das Geld vom Herrn Heesemann nich.

können nachsuchen."

18§5 gestorben war, ebbte diese Macht-wieder ab' I dem Lord Kitchener gelang es dann, den Sudan wieder zu erobern.

Seit dieser Zeit besteht dort die Zweiherrfchast Englands und AeghptenS. Zugleich mit Lord Kitchener War der französische Oberst Marchand in den Sudan bis nach Faschoda, vorgebrungen. Marchand erklärte den Sudan von Faschoda aus für französ. Besitz. Erst l als England sehr ernst mit Krieg drohte und bereits die ersten Anordnungen zur Mobilisierung getroffen I hotte, erhielt Marfchend den Auftrag, feinen Posten [ Bu verlassen. Die Beziehungen zwischen Frankreich und l England wurden damals sehr gespannt. „Faschoda" H ein großes und kompliziertes Kapitel der politischen Geschichte Europas geworden.

Der Sudan ist hauptsächlich durch englisches Da­tz -oischentreten wieder erobert worden, und so wird England auch seine Interessen im Sudan nicht ohne Kamp? preisgeben, um so weniger, als es dort auch ' Wichtige wirtschaftliche und imperialistische Interessen s |u verteidigen hat, denn so wie die Situation in Ae- I Sdpten und Sudan liegt, ist kaum anzunehmen, daß

Si-rfammlung des Landgemeinde, vetbandeö.

Versammlung des Landaemeindeverbandes.

Am 27. August sand unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeister Wisiner-Cavvel eine gut besuchte Vor- ämmlung des Preußischen Landgemeindeverbanoes

pfung. die Lossagung von der englischen Beeinflussung mid Oberherrschaft. Sn Aegypten selbst kann sich dieser Rationalismus nicht so stark auswirken, weil hier die Macht Englands noch zu groß ist, desto mehr macht er fkh im Sudan geltend, wo England, von seiner äghpti- tzhen Basis weiter entfernt, mit geringerer Kratt auf­treten kann.

Die Gebiet« ,die als der ägyptische Sudan bezeichnet Werden, waren bereits vor Sahrtausenden vom alten Aegypten unterworfen worden. Der große Reichtum er. Gold, Straußenfedern, Ebenholz und anderen Schätzen und dann auch die Sucht, das Sklavenheer zu behaupten und zu erweitern. Dann ging der Sudan eui lange .lange Zeiten verloren. Erst Mohammed Ali fcang vor etwas über 100 Sahren von neuem erobernd w den Sudan ein und machte große Teile davon zu Ägyptischen Provinzen. Chartum wurde Hauptsitz der Ägyptischen Verwaltung. Aber die ägyptischen Ver- Wal'.ungsbeamten und Militärs verstanden nicht zu Wirtschaften und das große Gebiet zu verwalten. Lange Zeit bestand im vorigen Sahrhundert im Sudan ein furchtbares Gewaltregiment, das einem großen Teil der Bevölkerung das Leben kostete und das überall : grauenvolle Zustände entstehen ließ.

So konnte sich der Derwisch Mohammed Achmed er­heben und als Mahdi, als der gerechte Fürst der Zu­kunft, im Sudan einen ungeheueren großen Einfluß gewinnen. Smmee von neuem strömten ihm gewaltige L vtreiterscharen zu. Sein Programm, alle Christen >md Heiden auSzurotten, den rechten Glauben wieder Herzustellen, die lauen und halbabtrünnigen Mohamme­daner zu bestrafen und em großes Reich der streng- . Mubigen Moslims zu errichten, wurde zum Slcubens- «tikrl von Millionen. So konnte sich der Mahdi, der Vvße Glaubensstreiter, der allein echte Mohammedaner, rine militärische Macht von sehr respektabler Gröhe Mfammenraffen. Die gegen ihn ausgesandten Heere wurden geschlagen, und der Mahdi schien der unbe­schränkte Herr des Sudans zu sein. Erst als er im

Saß Schicksal btt RkichSblMbwkM ertmmg.

Wie die „Groß-Derliner-Rachrichten" erfahren, hat das Reichskabinett dem bisherigen Regierungsentwurf einer Reichshandwerksordnung, der auf mehrjährigen Vorarbeiten des Reichsverbandes deS Deutschen Han- Werks und auf Verhandlungen mit ihm beruhte, nicht zugestimmt, sondern ihn zwecks Vereinfachung an d.rS Reichswirtschaftsministerium zurückverwiesen. D'e Reubearbeitung deS Regierungsentwurfs ist sofort » Angriff genommen worden und im Ministeriunl c.3 Referentenentwurf soeben beendet worden. Die wit­tere Gestaltung deS Entwurfs der Reichshandwe k^- ordnung hängt zunächst von den Verhandlungen mit dem Reichswirtschaftsrat ab.

Damit hatte eine der wichtigsten Fragen des deut­schen Handwerks eine weitere erhebliche Verzögerung er­litten. Die Hoffnungen des deutschen Handwerks auf einen das ganze Reich umfassenden Ausbau seiner Pflichtorganisationen und auf die Zusammenfassung der Handwerkskammern zum Reichshandwerkertag, die auf der kürzlich stattgefundenen Tagung des Hand­werks noch durch die Erklärungen des Reichswirt­schaftsministers Dr. Hamm genährt wurden, sind auf längere Zeit schwer getäuscht worden. Die in Berlin«« Handwerkerkreisen verbreiteten Gerüchte von einet völligen Ablehnung des Entwurfes zur Reichshanb- werksordnung bestätigen sich jedoch nicht.

An den beiden Grundgedanken deS Entwurfs: bet Selbstverwaltung deS Handwerks von den Snnunge» bis zum ReichshandwerkStag und der Organisation i» Fachverbänden, ist nicht gerüttelt worden. SS ist lediglich innerhalb der Reichsregierung die Befürch­tung entstanden, daß die bisher vorgesehenen Organi­sationen für das Handwerk eine finanzielle Belastung mit sich bringen könnten, der eS nicht gewachsen fein würde. Der Aufbau der Organisationen soll daher ver­einfacht und erträglicher gestaltet werden. Don zu­ständiger Seite wird auch die in Handwerkerkreisen atlsgeiprochene Vermutung, als ob der Abbau der bei­den bisherigen Referenten für Handwerkerfragen int ReichSwirtschastsministerium, die besonders eifrig <üt daS Zustandekommen der Reichshandwerksordnung tä.ig gewesen sind, auf die Behandlung der Handwerksfrage nn Allgemeinen und der Reichshandwerksordnung im besonderen nachteilig einwirken könne, als durchaus un­begründet bezeichnet. Snfvlge des allgemeinen Be­hörden- und Personalabbaues sei auch das Reichswirt­schaftsministerium verkleinert worden, und zwar von 3 auf 2 Abteilungen: eine allgemeine und eine zoll­politische, die nach dem Abbau der Zwangswirtschaft in der Sndustrie die gesamte Sndustrie und das Hand­werk zufammenfaßt. Der gegenwärtige Referent für Handwerkerfragen unterstehe unmittelbar dem Staats­ekretär und habe damit eine größere Bewegungsfrei» reit, als sie bisher im Aeichswirtschaftsministei ium vorhanden war.

„Also schön — ich hab'S gefunden!"

„Wo?"

„Auf dem Bahndamm."

..Am Abend des dritten November?"

..Ja." '

„Wie kamen Sie denn auf den Bahndamm?

Das toiderspricht ja allem, was Sie vordem ge­tagt haben." t

„Als ich von Ede LüberS in Scharndorf nach Vwke zurückging, da bin ich ein Ende auf nein ?mm gegangen."

„Zwischen den Schienen oder neben den Schle­sen?"

-Do — dann sind das die Tapfen Ihrer Schuhe, ble dort gefunden wurden. Am wieviel Ahr soll denn das gewesen sein? Als sie mit Lüders aus ter Wirtschaft kamen? Oder wann?"

„Genau so, Herr Staatsanwatt. Das mag wohl ^h an Glock zehn gewesen fein."

„Glock zehn? Da Herr von Heesemann erst •ot 11 Ahr gesunden wurde, hätten Sie die Leiche Geben den Schienen liegen schen müssen."

„Das stimmt."

„Wie, Sie sahen Herrn von Heesemann und sind

*!cht gelaufen, um Hilfe zu holen?"

„Dem Mann könnt kein mehr helfen — mit

’nem Loch im Kopf."

„Das Loch hatten Sie ihm mit Ihrem §.im= *er geschlagen."

„Aber kein Schimmer, Herr Staatsanwalt, ich herzukam, war Heesemann schon kalt."

. .Kannten Sie den auf dem Boden Liegenden ‘ Die Leiche lag doch auf dem Gesicht und

* d-r dunkle Nacht?"

(Nachdruck verboten.)

Dtt Adseint.

timinalroman von Luise Westkirch.

55. Fortsetzung.

Sedlinski sah stumm aus seine Hände. Er über

Sie Aufwertung bet Sparkassm- Suthaben.

Don Dr. HanS Trefzger, Volkswirt R.D.D. Marburg-Lahn.

Der in der dritten Steuernotverordnung festgelegten Verpflichtung, die alten Sparkafsenguthaben aufzuwer­ten, find bis jetzt eine Reihe größerer Sparkassen nach­gekommen. so z. B. die Frankfurter Sparkasse von 1822 und die Städtische Sparkasse in Freiburg im Breisgau.

Wie die vielen anderen fest angelegten Kapitalien, so hatten auch die alten Sparkasseneinlagen unter der Geldentwertung furchtbar gelitten und waren zum größ­ten Teil zu einem Vichts geworden. Waren doch die gesamten Einlagebestände auf manchen großen Spar­kassen auf wenige Taufend Goldmark zufammenge- schrumpft.

Sn den meisten Fällen war eine Abhebung von Sparkassenguthaben infolge der rasend fortschreitenden Snflation einfach unmöglich, außerdem waren die ent­sprechenden Geldscheine infolge ihres „AnwerteS" nicht mehr im Umlauf. So ließ man die „Guthaben" eben auf der Sparkasse oder vergaß sie in der schnellebigen Zeit vollends. ,

Durch die in der Geschichte der Menschheit einzig da­stehende Snflation sind bekanntlich die kleinen und klein­sten Leute am schwersten getroffen worden. Der pen­sionierte Beamte oder der kleine Privatier legte früher sein Geld entweder auf der Sparkasse nutzbringend an, ober kaufte festverzinsliche Werte, sogenannte „mündel- sichere" Papiere, andere wieder liehen ihr Neines Kapital gegen gute Zinsen als Hypothekardarlehen auS usw. Alle diese Kapitalien hatten ihren Wert vollkommen verloren.

Um nun gerade diesen kleinen Leuten wieder auf die Beine zu helfen, bestimmte der Gesetzgeber in der dritten Steuernotverordnung eine teilweise Auswertung der Dpnrkalsenguthaben ('Xrtifr.r 1 s t 6er dritten. .Steuere. Notverordnung). Auf Grund dieser gesetzlichen Bestim­mung ist jedem, der vor dem 14. Februar 1924 auf einer öffentlichen (städtischen oder ländlichen) Sparkasse ein Guthaben hatte, di« Möglichkeit gegeben, von seinem Recht auf Aufwertung seines Sparkafsenguthabens Ge­brauch zu machen. Wie schon erwähnt, muh die Ein­lage schon vor dem 14. Februar 1924 gemacht worden sein und außerdem auf weniger als 15 v. H. entwertet fein, was fast ausnahmslos der Fall ist.

Eine Aufwertung kommt jedoch für denjenigen nicht in Frage, der fein Guthaben schon früher ohne irgend einen Vorbehalt sich hatte auszahlen lassen. Vom allgemeinen menschlichen Standpunkt aus betrachtet e ne große Härte denn vielfach holten die Leute au# Angst, ihr Guthaben vollends zu verlieren, das Geld von der Sparkasse und konnten dann noch etwas dakür kaufen: manchmal reichte es kaum für ein Paar Schuhe. Statt eines Notgroschen für ihre alten Tage hatten sie nur noch einige elende Papierfehen in den Händen.

Die Anmeldung der aufzuwertenden Sparkassengut­haben hat bis zum 31. Dezember 1924 bei der Auttver-

„3<h hab ein Schwefelfticken angestrichen und ihm ins Gesicht geleucht't. Da sah ich, daß es fünfer Her» war. und auch, daß kein mehr was bei machen könnt'."

„Es ist sehr merkwürdig, daß Sie keine Anzeige erstatteten."

„Unsereiner hat nicht gern mit dem Gericht was zu schaffen. Das wußt ich ja. daß sie den Herrn bald finden müßten."

,Es ist auch merkwürdig, daß Sie gerade auf dem Bahndamm gingen. Das ist kein bequemer Weg und ein verbotener dazu. Wußten Sie viel­leicht, daß Sie die Leiche dort finden würden?"

„Wieso hätt ich das denn wissen sollen?"

„Nun, ein Kamerad von Ihnen hätte Herrn von Heesemann aus dem Zuge werfen können, und Sie kamen dann hinzu, um ihn vollends zu töten und zu berauben."

Der Schmied lachte. „Nee, Herr Staatsanwalt, der dem Herrn von Heesemann den Schädel ein­geschlagen und ihn aus dem Zug geworfen hat, >as ist kein Kamerad von mir. Dazu hält der ich viel zu Aut."

„Sie sprechen ja, als ob Sie den Möroer kenn- .ten."

„Den kennt jedes Kind im Land, bloß die Her­ren vom Gericht, die können ihn noch immer nicht inden."

„Ich rate Ihnen nochmals, Ihre Zunge zu hüten. — Als Sie nun Herrn von Heesemann auf den Schienen fanden — unerwartet, wie Sie sagen, und tot, wie Sie behaupten — da durchsuchten Sie also feine Taschen." ,

»2ch hab fein' Taschen# nich angerührt."

„Wie kamen Sie denn zu dem Portemonnaie?"

„Da# lag neben ihm, zwei Schritte von ihm. Er mag es in der Hand gehalten haben, oder es is ihm beim Stürzen au# der Tasche gefallen, ich weiß nich — aber zwei Schritte von ihm lag# un war aufgesprungen."

„And da «ahmen Sie es?"

„Herr Staatsanwalt, es war 'ne große Ver­suchung für mich. Unsereins sieht so viel Geld

„Das könnt ich in der Dunkelheit und in der Eile nich zählen."

„Warum hatten Sie denn Eile?"

«Ich woltt doch bei der Leiche nicht gesehen werden "

„ And Sie bleiben dabei, daß Sie an der Ermor­dung des Herrn von Heesemann nicht beteiligt sind?"

„Herr Staatsanwalt, Sie haben doch nun aufs Haar sestgestellt, wo ich an dem Abend gewesen bin. Von jeder Minute haben Sie's heraus. Da müssen Sie doch selbst sagen, daß ich nich außer­dem noch nach Scharndorf laufen, mit dem Zug ähren und um halb acht Ahr den Herrn von Hee- emann ermorden konnte. Das könnt ich nich und hatte auch gar kein Grund zu. Weil er mein Braut um den Weg lief — lieber Hnnmel, kann gern ein, daß ich ihn da um mal^nMchtig verhauen jätt' — aber umbringen? Nee! Warum denn?"

Brockmann ließ 0en Schmied ins Gefängnis zu- rücksühren. Sein Verhör hatte, wie der Staatsan­walt von Anfang an vermutete, für die Mordfachs nichts von Bedeutung ergeben. Der Wilddieb '5e6« linski war zugleich ein Spitzbube — der Mörder war er nicht ...

An diesem selben Abend saß Herr von Ileseld in dem allen Herrenzimmer von Ravenhorst. Da# war geblieben, wie es gewesen war. Rur hing über dem breiten, eichenen Schreibtisch das Bild des allen Herrn. Gütig und lebensfroh schaute das seine Gesicht herab auf den Sohn, der in all seinem Leichtsinn und seiner Wildheit Jobst Ileselds Freude und Stolz geblieben war £t# a seinem letzten Atemzug, sein Freund und Kam-, aad, der echte Sproß uM Nachkomme des alten, fröhlichen Adelsgeschlechts. sAorisehuug solcB

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Btt Ausstand Im Sudan.

Die letzten Sah re haben bewiesen, baß es in Aeghp- <tzrn überall gärt, daß dort gegen die englische Herr- ♦6aft viel Zündstoffe angehäuft sind und daß di« Zu» Deständnisse, die England notgedrungenerweise in Ae­gypten machen mußte, die Rationalisten in Aegyp­ten selbst, scheint der Gegensatz zu England im ägypti­schen Sudan einen Mittelpunkt gefunden zu haben, lllber die Anversöhnlichkeit der ägyptischen Rationalisten »endet sich nicht allein gegen die Engländer, er ist a^ch Wegen die ägyptische Regierung selbst gerichtet, öermar. eortoirft, daß sie die Snteressen Aegyptens England gegenüber nicht in genügender Weise wahrnehme. Richt itn Kompromiß mit den Engländern wollen die Ratio- Milisten AeghptenS. sondern rücksichtslose Dekäm«

(Aegypten den Sudan allein behaupten kann. Ein Rück­zug Englands aus diesem Gebiet würde über kurz ober lang die Eroberung durch Frankreich zur Folge haben, denn Frankreichs Afrikapolitik geht daran hinaus, den ganzen Rorden Afrikas unter seine Herr­schaft zu bringen. Breitet sich der Aufstand weiter aus, so ist mit absoluter Sicherheit darauf zu rechnen, daß England mit einem ansehnlichen Heer in den ägyptischen Sudan einmarschiert.

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NolkswirWastliche Wochenübersicht.

Die deutsche Handelsbilanz zeigt im Monat Juli überraschenderweise einen Aeberschuh der Ausfuhr über die Einfuhr, das ist vor allem auf eine 2Sprozentige Steigerung der deutschen Aus­fuhr gegenüber dem Monat Sind zurückzuführen, wäh­rend andereleits di e Einfuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten einen erheblichen Rückgang erfahren hat. Man darf aber hieraus keine voreiligen Schlüsse ziehen. Sowohl die Expvrtzunahme wie der Rückgang der Einfuhr sind in erster Linie auf die Notlage zurückzu­führen. in der sich die deutsche Sndustrie gegenwärtig infolge der andauernden Kapital- und Kreditnot be­findet. Absahmangel und Geldknappheit zwingen die Produzenten, den Bezug ausländischer Rohstoffe ebenso wie den der inländischen auf bas alleräußerste einzu­schränken. Auf der anderen Seite wird der Export vielfach forciert, um unter allen Umständen flüssige Mittel in die Hand zu bekommen, auch wenn die erziel­ten Preise die Herstellungskosten keineswegs decken. Eine auf diesem Wege erzielte Exportsteigerung bringt aber volkswirtschaftlich keinen Ruhen, sie bedeutet vielmehr eine neue Form der Verschleuderung deutscher Werte an bas Ausland. Auf die Dauer kann natürlich dieser künstliche Export unter den Gestehungskosten nicht fort­gesetzt werden, und so wird der entsprechende Rück­schlag in unserer Handelsbilanz nicht auSbleiben.

Die Nachrichten aus der deutschen Sndustrie lauten nach wie vor noch recht ungünstig, wenn auch z. D. die rheinisch-westfälische Eisenindustrie eine gewisse Wie­derbelebung des Geschäfts festzustellen vermochte. Die Anficherheit, die noch immer über die Annahme der Londoner Beschlüsse herrscht, wirkte in jüngster Zeit vielfach lähmend auf Handel und Wandel. Sn den letzten Tagen Oer vergangenen Woche rang sich aller­dings immer mehr die Auffassung durch, daß sich unter gewissen Voraussetzungen im Reichstag« eine Zwei­drittelmehrheit für die Annahme der entscheidenden Regierungsvorlagen finden werd«.

Die Fristverlängerung für die Verlegung der Gold- mark-Erösfnungsbilanzen der Aktiengesellschaften bis zum 30. November 1924 erwies sich als notwendig, weil heute infolge der Angewißheit der polittschen und der wirtschaftlichen Lag« Sie Grundlagen für «tnecherarttg«, die ganze Zukunft der Gesellschaft oft sestlegenbe Maß­nahme. wie es die Amstellung des Aktienkapitals auf Gold ist, in der Regel fehlen. Di« überraschend scharfe Zusammenlegung der Aktien, die die Berliner Han- delsgesellscha't vorgenommen hat .zeigt, daß vorsichtige und die heutige Sage pessimistisch beurteilende Ver­waltungen gegenwärtig zu Zufammenlegungsbeschlüfsen gelangen müssen, die sich im Laufe der weiteren Ent­wicklung sowohl für die Aktionäre als auch für die Industrie selbst recht ungünlttg auswirken können. Sm allgemeinen scheinen die Aktiengesellschaften zwar nicht geneigt zu fein, dem Beispiel der Berliner Handels­gesellschaft zu folgen, aber sie tragen auch mit Recht Bedenken, sich jetzt schon in entgegengesetzter Richlung sestzvlegen und eine zukünftige günstigere Gestaltung der Geld- und Wirtschaftslage bereits gegenwärtig zu eskomptieren. Die Unklarheit, die gerade in den alter» entscheidendsten Fragen noch herrscht, läßt eine Hm- ausschiebung der Umstellung trotz aller dagegen vorge» brachten Bedenken noch immer als das kleinere Uebel erscheinen.