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Marburg a. L, MwoA, den so. August

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Anzeiger für (das Mer hirBeffW Oberhessen-Amtkickes BerkünöisungsbSatt -es Kreises Marbmg

ß»Q»erhessilche Zeitung" «scheint sechsmal wSchentlich. - Bezugspreis monatlich 2 Mark ausschließlich Zastellun,,,-- t. Durch di« Poft 2,25 Mk. - pfüt ausfallend« Kammern infolge totieifs oder elementarer Ereignisse kein Ersatz Verla, Den Dr.C. Hitzeroth. Druck derUniu^Buchdruckerei von Joh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernspr. 55, Postscheckkonto: Rr.5lll5 Amt Frankfurt a. Main.

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ReichsSas. Parteien unö London.

Die ersten Tage der bitteren Enttäuschung über die Wbfung der Räumungsfrage sind vorüber, und die Zeit üstckt näher, da die Entscheidung im Reichstag fallen Mi- Jeder verantwortungsbewußte Politiker mvei in Elchen, Augenblick daS leidenschaftliche Gefüh' unter­drücken und dem kühl rechnenden Kopf die Herrschaft lassen. Jehl handelt eS sich ja nicht mehr darum, durch Parke Betonung unserer Rechts» und Shrensorberungrn den Gang der Verhandlungen zu beeinflussen di« deutschen Delegierten haben ausdrücklich anerkannt, daß fie die Stimmen der nationalen Presse und Parteien ^würdigt und vor den Gegnern auSgenutzt hät» ten, sondern eS soll nun sachlich abgewogen werden, welches daS kleinere Diebel ist: das 3a ober bas Dein. TS handelt sich lediglich um die Frage: verspricht ein flieht unS eine baldige Wiederaufnahme der Derhand» fangen unter günstigeren Bedingungen ,b. h. mit mehr Aussicht auf Erfolge.

Die deutsch« Oefffentlichkeit wurde während der kritischen Londoner Tage beeinflußt durch eine Deu­termeldung. dah bei einem Scheitern der Konferenz die Wiederaufnahme der Verhandlungen in wenigen Wochen zu erwarten. Mac Donald aber hat sich den deutschen Delegierten gegenüber ganz anders ge» faßet!: vor Oktober werde er keinesfalls Zelt haben. Nimmt man dies als richtig und danach Mitte Dovem» 6er als Schlußtermin an, so würde es sich also um einen Aufschub de' -»anzen Werkes um mindestens drei Mo­nate handeln. Ob bann die Stimmung in Frankreich riner sofortigen Räumung des Ruhrgebiets günstiger kein würde, kann natürlich niemand sagen. Wie würde eber die Vertagung in Deutschland wirken? Diniere Wirtschaftskreife sind fast einmütig in der Auffassung, faß eine Fortdauer des jetzigen Zustandes unerträglich! wäre. Sie haben auch daS Reichskabinett in diesem Sinne stark beeinflußt, und die »Deutsche Allgemeine "Zeitung", die mit am schärfsten die Ergebnisse der Con­lon et Konferenz kritisiert hat, stellt nun doch fest, die Wirtschaft gegen eine Vertagung sei, weil Industrie und Landwirtschaft beim gegenwärtigen ZinS- fatz nicht mehr arbeiten tonnten. Wir möchten gewiß dieSchwankung", die daS genannte Blatt damit vor» «in-mt, nicht verurteilen und würden eS auch nur be­trügen, wenn die deutschnationale ReichstagSftaktion tzren Mitgliedern die Abstimmung freigäbe. Diesen n: schluß durch Hohn und Spott über .Umfall" zu er­schweren, wie es der »Vorwärts" tut, ist der Gipfel po­litischen DlnfugS. Denn auch eine ReichStagsauf» lösung, auf die angeblich die Sozialdemokra­ten brennen, würde einen beträchtlichen Aufschub der Snlicheidung zur Folge haben.

Reben der Wirtschaft hat daS besetzte Gebiet las wichtigste Wort zu sagen. Mit der Rücksicht aus feine schwergeprüften Bewohner wird von der Oppo­sition daS Rein am lebhaftesten begründet. Aber auch 6er muß kühl geprüft werden, welche Vorteile und Rachteile der Aufschub hätte. Daß er zunächst nur übel birken würde, liegt ja aus der Hand: die Wiederher­stellung der deutschen Wirtschaitshoheit fiele fort, die Dortmunder Zone, der zum 31. August die Befreiung tpinkt, bleibe weiter besetzt, die anderen Räumungen, die schon begonnen haben, dürften eingestellt werden, und die BefahungSmethoden würben ganz gewiß leine Erleichterung, sondern vielmehr eine Verschärfung er­fahren. Das alles könnte man natürlich in Kauf tefcmen, wenn dafür di« Sicherheit einer wesentlich sthnelleren vollständigen Räumung des Ruhrgebiets Äuget aulcht würde. Aber wer kann diese Garantie geben? Dazu kommt als wesentliches Stimmungsmo­ment noch die Dieberzeugung der deutschen Delegier­ten, daß die einjährige Frist tatsächlich eine Marimal­srist sei und daß in Wirklichkeit die Räumung viel sthneller erfolgen dürfte. Diese Hoffnung stützt sich teils guf den soeben veröffentlichten Dries Woc Donald^ an Herriot und TheuniS, teils auf die Haltung der Internationalen Dankwelt, die ja auf Grund ihres Dlrteils über die Lage Deutschlands die Anleihe von KO Millionen aufbringen soll. Sie hat der englische Premier im Auge, wenn er in sein Schreiben hinter ie kräftige Rechtsvcrwahrung di« sehr deutliche War- ung setzt, daß »nach Ansicht der britischen Regierung die Fortführung der Besetzung die Wirkung des Dawes­planes schädlich beeinflussen und die auf der Londoner Konferenz vereinbarten Dlebereinkvn:men gefährden kann." Man mag bitter fragen, warum Mac Donald leie Auffassung, die durchaus den von bet deutschen Delegation vvrgebrachten Argumenten entspricht, nicht aus der Londoner Konferenz zur Geltung gebracht haben: aber et dürfte bann antworten: ich mußte doch »einen Freund Herriot am Leben erhalten und ich denke, die Deutschen müßten zufrieden sein, wenn tat­sächlich die Räumung unter dem wirtschaftlichen Druck schneller erfolgt, voll man sich de« anschließen, soll »an an eine solch« für uns günstige Entwicklung glau« «n? Politik ist eine Kunst, di« im Dunkel der Zu­kunft arbeitet. Wir meinen, eS sollte nun in erster Linie Sache der Bewohner deS besetzten Gebietes sein, ihre Stimme neben der Stimme der Wirtschaft hören zu fassen. Zieht man dort den Sperling in der Hand vor, Saubt man dort nicht an eine Besserung durch Auf- mb, dann wird sich auch im übrigen Reich niemand far so viel klüger Salten, um ,tm Interesse des be­setzten Gebietes" etwas abzulehnen, was dieses selber hab«« will.

frtt Stellung der Partei« rn» Londoner «bkommen.

Berlin. 19. Aug. Die .Boss. Zig." meldet:

Parteiausschuß der Deutschen Demokratischen Partei Hal aufgrund der Berichte der Minister vefer und Hamm ge dem Wkvmmen von Lon- £>n Stellung genommen. Ötnmütig ttxiqtn alle ^Edner der Ansicht, daß, wen» die Abmachungen »ich so manchen Wunsch unerfüllt gelassen haben,

das Ergebnis der Konferenz doch einen großen Fortschritt darstelle und daß mit allen Kräften auf die Annahme der ßonbonet Be­schlüsse hingewirkt werden müsse. Der Parteieus- schuß besprach noch die wichtigsten innerpolitischen Fragen, namentlich die Zvllvvrlage und das Sied­lungsfragenproblem. und der eventuellen Aende- rung in der Zusammensetzung der Regierung nach der Annahme de« DaweSPlanes. Die Feststel­lung de« Parteivorsitzenden Koch, daß nach der endgülttgen Klärung der außenpolitischen Ber- hältnisse die Demokraten nichts bewegen könne, die Politik der Opfer und Konzessionen gegenüber der Rechten mitzumachen, fand stürmischen Beifall.

Lieber die Haltung der übrigen Parteien zu dem Ergebnis der Londoner Verhandlungen ist aus den Blättern zu entnehmen, daß die Deutsche DolkSpartei, das Zentrum, die Bay­rische BolkSpartei und die Sozialde­mokraten dem Londoner Abkommen zu» stimmen dürften. Damit wäre die einfache Mehrheit im Reichstage für die Annahme der Lon­doner Beschlüsse gegeben. Ob auch di« Zweidrittel­mehrheit erreicht wird, hängt von der Haltung der Deulschnativnalen ab. Die Nachrichten verschie­dener Blätter über die erfolgte Aenderung der Stellungnahme der Deutschnationalen wird in einer Erklärung von deutschnativnaler Seite an den Lvkalanzeiger als falsch bezeichnet. Erst die T^e- schlußfassung der Fraktivnssitzung der Deutfchnatio- nalen DolkSpartei, die auf Donnerstag Nachmit­tag anberaumt ist. wird die Entscheidung über die Stellungnahme der Deutschnationalen zum Lon­doner Abkommen bringen.

Reichstagnbstimwnng, Reich, re nie««», Volks­entscheid.

Wirb ber Reichstag die Durchführungsgesetze zum Dawesplan annehmen, ober wirb er aufgelöst werben? Zwei Drittel aller Abgeordneten müssen wieder zwei Drittel mit. 3a stimmen, wenn die Gesetze rechtsgültig werden sollen. 38 Betracht kommt jetzt nur das Ei­senbahngesetz, da die Gesetze über die Gold- nvtenbank und über die Obligationen nicht verlasfungs- ändernd find. 466 Abgeordnete hat der Reichstag nach Abzug ber Oberschiester. Zwei Drittel davon find 312. Davon wieder zwei Drittel sind 208. Diese sind also mindestens notwendig, um das Gesetz durchzubringen. Run verfügen zwar (immer die Oberfchlesier abgerech­net) die drei Regierungsparteien mit bett Sozialdemo­kraten zusammen über 232 Stimmen unb. wenn die Bayerische DolkSpartei und di« Wirtschaftspartei hin­zutreten, sogar Über 263 Stimmen, sodaß di« Möglichkeit der Annahme damit gegeben ist. auch wenn kein Deutsch­nationaler mitmacht. Voraussetzung hierbei wäre jedoch, daß die Opposition sich in Bezug auf ihre Beteiligung entgegenkommend verhielte. Bleiben die 171 Deutsch- Deutschnationalen, Deutschsozialen und Kommunisten der Abstimmung ganz fern, so kommen nicht die zwei Drittel der Anwesenden heraus, nehmen sie sämtlich teil und stimmen mit nein, so fehlt es bei dem bejahenden Zwei­drittel der Abstimmenden. Würde dagegen nur die Hälfte ber Opponenten teilnehmen und rote Zettel ab­geben, bann wären die beiden Zweidrittel gerettet Hier beginnen also die Wahrscheinlichkeitsrechnungen und die parlamentarischen Schieberftinste. Beruhi­gender und für die künftige innerpolitische Entwicklung vorteilhafter wäre es natürlich, wenn von den Deutsch­nationalen wenigstens ein Teil sich dem Votum der Mittelparteien anschlösse. Läßt jedoch die Oppo­sition das Eisenbahngeseh scheitern, bann wird die Re­gierung, wie sie es bereits laut verkündet, zur Auflösung schreiten. Also Neuwahlen in spä­testens 60 Tagen, nach denen dann in abermals 31 Wochen der neue Reichstag erscheinen würde. ES gibt freilich noch einen anderen »Appell an das Volk": den Volksentscheid. In der Verfassung heißt es: »Soll auf Volksbegehren durch Volksentscheid eine Ver­fassungsänderung beschlossen werden, so ist die Zu­stimmung der Mehrheit der Stimmberechtigten erforder­lich." Zu jedem Volksbegehren ist nur ein Zehntel der Stimmberechtigten nötig: es muß ein ausgearbeiteter Gesetzentwurf dem Volksentscheid unterbreitet werden, den dann die Regierung dem Reichstag vorlegt. Da die Zustimmung deS Parlamentes immer nötig bleibt, toürbe also ein besonderer Volksentscheid über das Eisenbahngesetz noch immer nicht die Annahme durch den Reichstag garantieren. Deshalb ist ber früher von ben Sozialdemokraten aufgeworfene Gedanke, die Durch­führung des Sachverständigengutachtens dem Volke zur direkten Entscheidung zu unterbreiten, offfenbar ab- toegig, auch wenn man auf diesem Wege zunächst schneller zu einer Abstimmung käme als mit bet Wahl eine« neuen Reichstages. . : -

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Reichskanzler Mar» wirb sprechen. !1

On. Berlin, 20. Aug. Die bevorstehende große polttische Aussprache im Reichstag wird durch eine Rede de« Reichskanzlers Dr. Marx eröff­net werden, in der er die Haltung der deutschen Delegaftvn in London verteidigen unb das Ergeb­nis der Konferenz eingehend darlegen wird. Gleich- zeitig wird der Reichskanzler das Programm für die nächste Zukunft darlegen. Nachdem die Par­teiführer die Debatte eröffnet haben, wird auch Minister Dr. Stresemann zu Wort kommen. Es wird seine besondere Aufgabe sein, zur Gegen­wehr gegen etwaige Angriffe der Opposition zu

schreiten und besonder« mit seiner Deranttvortllch- kett als Außenminister die deutsche Politik gegen­über dem Sachverständigengutachten zu recht» fettigen. Zn parlamentarischen Kreisen rechnet man mtt großen Auseinandersetzungen, da die Vppo- sitton voraussichtlich nicht darauf verzichten wird, die Haltung der Regierung zu kritisieren.

Konferenz ber Ministerpräsident«.

Berlin, 19. Aug. Wie die Blätter von zu­ständiger Seite erfahren, begann heute Vormit­tag die Konferenz der Ministerpräsi­denten der Länder, zu der die Ministerpräsi­denten vollzählig erschienen sind. In dieser Sit­zung berichteten zunächst Reichskanzler Dr. Marx und die Minister Stresemann und Luther über die Londoner Konferenz. Zm Verlauf der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder spra­chen der preußische Ministerpräsident Braun und der bavrische Ministerpräsident Held. Rach einer kurzen Mittagspause wurden die Verhandlungen gegen drei Ahr fortgesetzt.

Berlin, 19. Aug. Unter dem Vorsitz des Reichs­kanzlers fand heute eine Aussprache zwischen ben De- legativnssiihrem zur Londoner Konferenz und den Staats-Ministerpräsidenten der Länder statt. Rach Entaegennahme eingehender Berichte, die vom Reichs­kanzler. dem Reichsminister des Aeutzeren Dr. Stre- femann unb dem Deichsfinanzmin'ster Dr. Luther über ben Berkaus unb die Ergebnisse bet Verhand­lungen in Conbon erstattet wurden, traten bie Chefs der Länder in eine offfene Aussprache mit ber Reichsregierung über bie durch ben Abschluß der Londoner Konferenz geschafstenen Sage ein. Die Be­ratungen waren getragen von dem Willen, die Er­gebnisse ber Londoner Konferenz, wenn fie auch hinter ben gehegten Erwartungen, insbesondere hinsichtlich ber militärischen Räumung des widerrechtlich besehtnn Ruhrgebietes zurückgeblieben seien, sicherzustesien. Da bei ber Kürze der Zeit und der Unmöglichkeit aus­reichender Information bie Regierungen bet Länder zu dem Ergebnis der Londoner Abmachungen noch nicht Stellung nehmen konnten, behielten sich bie Chefs ber Länder die endgültige Stellungnahme ihrer Re­gierungen für die in kürzester Frist beginnenden Ver­handlungen des ReichSrates über bie zur Durch­führung des Sachverständigen-Gutachtens erforderlichen Gesetze vor.

Di« Industriellen für bk Londoner Abmachungen.

Ou Berlin, 20. Aug. Wie wir aus den Kreisen de« Reichsverbandes der deut­schen Industrie erfahren, würde die Industrie eine Verzögerung des Inkrafttreten« der Londo­ner Abmachungen für außerordentlich un­heilvoll halten. In den Wirtschaftskreisen gäbe es kaum einen ernsthaften Widerstand gegen die Annuhmc des Gutachtens, zumal der RelchSverband der deutschen Industrie der Meinung ist, daß die Voraussetzungen, die der Reichsverband von vorn­herein hinsichtlich der Annehmbarkeit de« S.rchoer- ständigenplanes aufgestellt hatten, hinreichend er­füllt seien. Im übrigen werde die deutsche In­dustrie ihrerseits sich damit abfinden, die sich aus dem Sachverständigen-Gutachten ergebenden außer» ordentlichen Lasten auf sich zu nehmen, zumal der Reichsverband die Mitverantwortung für die An­nahme des Gutachtens von vornherein auf sich ge­nommen habe.

Wichtige Bereinbamngen übet bie militärische Riiumunssfrage.

Ou. Berlin, 20. Aug. Aus den Mittei­lungen der Berliner Regierungsstellen geht hervor, daß die beteiligten Regierungen vor dem Abschluß der Londoner Konferenz die Vereinbarung cingegangen sind, von Zeit zu Zeit neuer­liche Verhandlungen über die Mög- lrchseit einer Abkürzung der militä­rischen Räumungsfrist abzuhalten. Wie wir hierzu erfahren, wird sich die Reichsregierung bemühen, durch weitere Verhandlungen mit Eng­land, Frankreich und Belgien zu erreichen, daß auch die sogenannten Sanftivnsbezirke, die Städte Düs­seldorf, Duisburg und Ruhrort so früh als möglich geräumt werden, d. h. etwa gegen Ende diese« Jahres. Im Auswärttgen Amt hat man den Eindruck, daß die Abkürzung der mill- tärischen Räumungsfrist im Wesentlichen davon .b^änien wird w lhes Ctoe' N S die Wirt schafts- nerhandlungen mst Frankreich haben wer­den.

Die Zeichn»» bet Anleihe.

Rewhork, 19. Aug. »Associated Preß" be­richtet: Einige Bankiers hätten erklärt, die Vor­bereitungen für di« Zeichnung ber An­leihe würden svfvtt beginnen. Die Ausgabe selbst könne indessen nicht vor Ottober erwartet werden. Zn Wallstreet werde erklärt, die An­wesenheit einiger amerikanischer Bankiers in Europa werde die Regelung der Anleihe beschleunigen. Ver- tteter vieler amerikanischer Danken und Lrustkom- pagnien seien kürzlich nach Deutschland gefahren, um über private Anleihen zu verhandeln unb dir Beziehungen zu den deutschen Zinanzinsti- tuten wieder herzustelle«. - -

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Wichtige Sin^l heften.

Mst anerkennenswerter Schnelligkeit hat die deutsche Regierung da« Schknßprotvkoll der Londoner Konferenz samt seinen An­lagen veröffentllcht. Da« Schlußprotokoll besteht nur an« einer halben Qnartseit«. Die Anlage» zusammen umfafien 88 Seiten. Di« erste Anlage enthält das bereit« bekannte, am 9. August ab­geschlossene Abkommen zwischen den deutsche» Delegierten und der Reparationskommission. Sir« Unterlage dazu, die 24 Spalten umfaßt, regelt die Einrichtung einer Aufsicht über bie Ein­nahmen aus den Zöllen und über die Ab­gaben auf Alkohol, Tabak, Bier und Zucker. E« ist das einzige Aftenstück, da« nur im deutschen und nicht auch im englische« nn» französischen Text veröffentsicht ist.

Wft erfahren aus ihm eine bis jetzt noch nicht bekannte Tatsache, daß nämlich unirrgewisse« Um­ständen da« Recht de« Kommissar«, btt mit ber Aufsicht über diese Einnahmen bettrut ist. so weit geht, daß er Organisationen schaf­fen kann, welche di« Steuerzweig«, die verpfän­det worden sind, selbständig und unab­hängig vom Staat verwalten. Diese« Recht gewinnt er, wenn die von ihm im Falle eine« Fehlbetrages vorgeschlagenen Maßregeln ent­weder nicht ausgeführt, oder nach vier Monate« nicht so viel abwerfen, daß mindestens ei« Zehn­tel der fälligen jährlichen HaushaltSverpfstchtungeM zur Ablieferung gekommen ist, also auch in einem W vom guten Willen Deutschland« gang ' unabhängige n Fall. Er gewinnt e« fteilich erst dann, wenn der auf Verlangen des deutsche« Finanzministers anzurufende und vom Vorsitzende« des internationalen Gerichtshofs im Haag zu er­nennende Schiedsrichter entschieden hat, daß diese Maßnahme notwendig und geignet ist, die Ein­gänge aus den Steuern so zu gestalten, daß bte jährlichen Haushaltsverpflichtungen durch bte ver­pfändeten Einnahmequellen sichergestellt sind. Wen» es auch unwahrscheinlich ist, daß der hier in Ausfichi genommene Fall «inttitt, so liegt doch etwas für unser nationales Empfinden ungeheuer De- mütjgende« darin, dah ein großer Teil der indirekten Steuern Deutschlands in die Verwaltung nichtdeutscher Organisationen übergehen kann, und daß diese Möglichkeit vertragsmäßig festgelegt wird.

Die Anlage 2 enthält die zwischen den alli­ierten Regierungen, der Reparationskmnmission und der deutschen Regierung getroffene Vereinbarung über die Befugnisse der Transferkommis­sion, ihre Beziehungen zur deutschen Regierung und der Reparationskommission und die im Zu­sammenhang mit den Sachlieferungen und den Ver» fügungen über die von Deutschland geleisteten Zah» Xs lungen ernannten Schiedsgerichte. Darin wird ausorücklich hervorgehoben, daß die von der Repk» für die Lieferungen auszustellenden Programm« nicht den Begrenzungen unterwürfe» sind, die bet Vertrag von Versailles für die Lieferung bestimmt. Die Anlag« ? enthält ein Abkommen zwischen ben alliierte» Regierungen und Deutschland, daS die Wieder­herstellung der wirtschaftlichen und fi­nanziellen Einheit Deutschlands zu« Gegenstand hat. Wir ersehen daraus, daß der S, Oktober für die Vollendung dieser Wiederherstel- lung nur unter der Voraussetzung in Aussicht ge­nommen war, daß die Gesetze zur Durchführung des DawesgutachtenS am 15. August vom deut­schen Reichstag angenommen und von der Repk» als angenommen erflärt worden wären. Da da« nicht ber Fall sein kann, wird sich die wirtschaft­liche Befreiung der Ruhr um ebenso viel Tage verschieben, wie vom 15. August HW zum Termin der Verkündigung der deutschen Ge­setze verstreichen werden.

Die Anlage 4 endlich enthält das Abkomme^ zwischen den alliierten Regierungen und der Rev?> das die durch das DaweSgutachten notwendig ge­wordenen Aenderungen des Vertrags vov Versailles feststellt.

Billigung bee Patte« durch ben ftanzöststher Ministerrat.

Paris, 19. Aug. lieber den heutigen Minister­rat wird folgendes offizielles K ommu nique ver­breitet: Heute morgen um Ubr bat hn Elofee un­ter dem Vorsitz des Präfidenten der Republik ein Mi­nisterrat stattgefunden, der in der Hauptsache dem Ervose Herriot, über die Londoner Konferenz gewidmet war. Der Ministerrat beschloß cinfti~Tt»| die Haltung der franzönichen Delegation auf der lon­doner Konteren, ,u billigen. Der Mintsterrat er. kannte an, baß die französische Delegation tn London wichtig« Resultate im Interesse Frankreich» erreicht habe. Der Ministerrat beschloß, daß Herriot a» Donnerstag in der Kammer unb im Senat ein« Erklärung zur Verlesung bringen soll, di« ein vollstäu» dige» Ervose über die Londoner Konferenz enthaltet wird. 8m Donnerstag wird dann tut Elns^ ein Mi­nisterrat stattfinden, der ben endgültigen leit dieser Erklärung festlegen wird.

Der Abgeordnete Taettinser bat in der Kam­mer eine Interpellation eingebracht, welche Maß­nahme« die Regierung treffen wolle, um Srankrnchs

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