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Marburg a. 8., Ssnimbrnd, den 16. Auglut
59. m 1924
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Die rheinisch-westfälische Industrie
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(Nachdruck verboten.)
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sagten seine Freunde. Die anderen sagten anders. Großvater Ramin kam. Wieder hörte ich das Wort von dem fehlenden Verantwortlichkeitsgefühl.
Dom Shrkstenberg. 3m Anschluß an bee in der Donnerstag-Dummer veröffentlichten intereH-inten kulturgeschichtlichen Artikel über den Christenber« und seine Geschichte möchte ich berichten von einem fünft- und familiengeschichtlich interessanten Denkmal, das durch die Zeit »nd verstSndn stofe Behandlung zerstört war und jetzt im ehemaligen Zustand ergünzt-
Eie mich kennen lernten. Herr von Olten.“
Var die schönste Zeit, gnädige Frau. Ich habe nur den Abschluß nie begriffen.“
„Den Abschluß?! — Ja, nur aus meiner Kindheit ist er zu verstehen, aus meiner Angst vor dem Liebermaß von Lebensfreude, die aus den Totenbetten meiner Eltern in mir ausgewachsen war, die seitdem in mir lauerte, tief im Herzensgrund, während mein ganzes Wesen doch nach LebenS- fteude lechzte. Die Großeltern warnten mich vor Irefeld. Er war nicht der Liebling der Gerechten im Lande. Aber sein persönlicher Zauber siegte übet jedes Mahnwort. Es kam zur Aussprache
stellung der wirtschaftlichen und DerwaltungShoheit des Deutschen Reiches hemmen und wird vor allem auch den ausländischen Kredit hindern und das Zutrauen zur Kreditwürdigkeit der Wirtschaft des besetzten Gebietes mindern, da die jederzeit leicht möglichen Eingriffe der Militärbehörde eine starke Derminderung des Wertes der Kreditsicherungen verursachen müssen. Die bisherigen schwierigen Verhältnisse konnten nur ertragen werden, in der bestimmten Hoffnung auf einen baldigen Abbau der Desehung. Erfolgt dieser nicht, so
I nvmmen hat, die handelspolitische Devorrechkung, die ihnen bisher der Versailler Vertrag gesichert hat, noch
I weiter zu verlängern und womöglich zu verewigen. Sie I benutzen das widerrechtlich geraubte Ruhrpfand, um da- I gegen, da sie es doch nicht länger halten können, eine dauernde handelspolitische Begünstigung emzulauschen.
I Obgleich es sich hier um eine glatte Erpressungspolitik I handelt, scheinen die Engländer ihren Verbündeten freie I Dahn gelasten zu haben. Die deutschen Vertreter in I London werden aber nicht vergessen dürfen, daß weitgehende e i n s e i ti g e Zugeständnisse gegenüber Frank-
I reich bei kommenden Handeisvertragsverhandlungen mit I anderen Staaten die Meistbegünstigung, die Deutschland I gewährt, für die anderen deutschen Vertragskontrahen- I ten wertlos machen würden. Der handelspolittfche I Erpresfungsversuch Herriots sollte schon aus wirtschaft- I lichen Gründen in Deutschland auf stärksten Widerstand stoßen.
I Als eine Folge der optimistischen Erwartungen, die man in der ganzen Welt den Fortschritten der Son«
I dauer Konferenzverhandlungen entgegenbringt, darf man ] I auch die Kursbefserung ansehen, die sowohl der Ifranzöfifche wie der belgische Franc in den letzten Tagen erfahren hat. Die verstärkte Rach-
Ifrage nach französischen und belgischen Devisen ist offenbar spekulativer Ralur und hat ihren Ursprung wohl in England und Amerika, wo man im Falle eines günstigen Ausgangs der Londoner Konferenz eine größere Erholung des Francs für wahrscheinlich hält. Aus den deutschen. Devisenmarkt wirkt diese Bewegung insofern zurück, als I die Francschuldner sich gezwungen sehen, sich in Franc-I | devisen einzudecken. Man kann aber auS diesem Vor-1 I gang auch umgekehrt folgern, daß Frankreich und! Velgien an einem positiven AuSgang der Londoner ReparattonSverhandlungen selbst ein sehr große« 3nteresse haben. Denn wenn die Konferenz infolge überspannter fran» I zöstscher und belgischer Forderungen scheitern sollte, so! würde die Folge zweifellos ein neuer erheblicher! Absturz des französischen und belgischen! Franken mit allen schädlicben Folgeruo-! gen für die Wirtschaft dieser Länder sein müsten. Diese Erwägung sollte die Position der deut- I schen Unterhändler stärken und ihren Widerstand gegen übertriebene Forderungen und insbesondere gegen Er» I pressungsversuche Herriots erleichtern. I
frtt durch ihre Führer die Telegraphen-tlnion ermächtigt folgende Erklärungen wiederzugeben: 3n der 3n- pustrie des besetzten Gebietes werden mit steigender DeivrgniS die Londoner Verhandlungen verfolgt. Sie Geht einmütig auf dem Standpunkt, dah eine Verlänge- *nna der Räumungsfrist, so wie sie von Frankreich »erlangt wird, nicht nur aus rechtlichen, sondern auch *us wirtschaftlichen und politischen Gründen nicht tragbar ist. Die französische Regierung hat immer erklärt, »ah die in düs Ruhrgebiet eingerückte sranzöstsche Armee nur zur Sicherung der französischen 3ngenieure »lenen soll. Da die wirtschaftliche Räumung des Auhrgebietes gemäß dem (Seifte des Sachverständigen» zutachtens bereits grundsätzlich in kürzester Frist zugesagt ist, muß gemäß den früheren Erklärungen auch die militärische Räumung in nächster Zeit erfolgen. Ein Arigeres Verbleiben der französischen Militärmacht wird tamer wieder wegen der vielfach eigenmächtigen Politik der Militärs politische Beunruhigung Hervorrufen. Sic Kent nicht den zu erstrebenden Zielen der wirtschaft' Achen Annäherung zwischen Frankreich und Deuisch- land. Abgesehen davon, wird das Verbleiben des französischen Militärs im Ruhrgebiet die im Sachverstän- »igen-Gutachten als notwendig bezeichnete Wiederher-
Ke mmöglwe MttlfrfiL
Sin« Umfrage im besetzte» Gebiet.
f Berlin. 15. Aug. Um den Eindruck der ernsten Nachrichten au« London im Ruhrgebiet festzustellen, hat Üe Telegraphen-Änion durch ihre Mitarbeiter in den
Obwohl an den deutschen Börsen nach wje vor der Optimismus die Oberhand hat — und zwar sowohl inbezug auf 3 n d u st r i e a k i i e n wie auf Papiermark» anleihen — lauten die Berichte au« der deutschen Industrie nach tote vor recht ungünstig, wenn auch hier und da leise Anzeichen dafür, daß der Tiefpunkt der Entwicklung erreicht sei. bemerkbar Werdern Don dem Verein deutscher Maschinenbauanstal- ten wird milgeteilt, daß die Zahl der beschäftigten Arbeiter und Angestellten sich gegenüber dem Vorjahr bereits um ein Fünftel verringert habe und daß außerdem die Zahl der geleisteten wöchentlichen Arbeitsstunden auf den Kopf der Belegschaft um 4 Wochenstunden ge» ringer geworden fei. Der schlechte Eingang der Zah- lungen macht das Arbeiten auf Vorrat, zu dem die meisten Firmen durch den Mangel an Absatz gezwungen sind, immer s ch w i er i g e r. 3n her Textilindustrie wird auch über einen starken Rückgang $er Ausfuhr geklagt, von dem nur hochwertige Qualitätswaren und Luxuserzeugnisse ausgeschlossen sind. Die gesamte deutsche Industrie fordert zur Milderung der schweren Krise übereinstimmend eine Her»j absetzung der Frachten sowie einen Abbau bet Steuern. Die vom Reichsrat beschlossene Her- absetzung des älinsatzsteuerfatzes wird allgemein für Dölltg ungenügend und darum unwirksam <je» h alten.
I werden Betriebseinschränkungen größten Umfanget die I Folge fein müssen, da die Werke deS besetzten Ge» I bieteS ans eigenem Vermögen die Beträge zur Fort» I führung ihrer Betriebe nicht mehr aufbringen können I und fremdes Kapital wegen der durch die Beibehaltung I der Besetzung erfolgten Unsicherheit nicht zu beschaffen I sein wird. Die militärische Räumung des Ruhrgebietes, I die möglichst schnell vor sich zu gehen hätte, ist gerade I aus wirtschaftlichen Erwägungen bringend notwendig. I 3n dieser Ansicht ist sich die gesamte Industrie des be- I fetzten Gebietes einig. Auch darin stimmt sie Überein, I daß die militärische Räumung deS Ruhrgebietes nach I den früheren Zusagen der französischen Regierung und j I nach dem Geiste deS Sachverständigen-Gutachtens eint I so selbstverständliche Maßnahme ist. dah für sie Handels» I Politische Konzessionen nicht gewährt werden dürfen. I Derartige Konzessionen würden zwar vielleicht für die 13etztzeii der Ruhrbevölkerung die politische Freiheit I wiebergeben, ihr aber die wirtschaftliche Freiheit für I absehbare Zeit räumen. Sie würde also politische Be- I freiung gegen wirtschaftliche Versklavung eintauschen. I I ein Handel, dessen dauernde Rachteile so groß sind, daß | I sie für das besetzte Gebiet untragbar sind. Die ge-1 samte Wirtschaft des besetzten Gebietes ist sich, und das
I fei nochmals betont, darüber einig, daß die militärische I Räumung schnellstens zu erfolgen hat, und das fei, I I toenn politische Konzessionen vorgenommen werden, diese I I nichts andere« sind als ehrfeitige deutsche Zusatzleist» | ungen zum Versailler Vertrag, sich damit nicht einver- I standen erklären würde. Dah zu dem besetzten Gebiet | auch die sogenannten Sanktionsstädte Düsseldorf, Duis-! bürg und Ruhrort zu rechnen sind, ist selbstverständlich. I
Auf ihre Ditte, sich als Dertteter der Pro- v i n z W e st f a l e n zu äußern, stellte
Oberpräsident Granowski I
der Telegraphen-Anion den folgenden Text einer! ! Rede zur Verfügung, die er soeben auf einer Ta
gung eines Westfälischen WirtschaftSderbandeS ge» I halten hatte. Darin heißt eS: Wissen Sie mich einen Gedanken im Namen der Provinz Westfalen aussvrcchen. Ohne Rücksicht auf Partei und gesellschaftliche Stellung erkläre ich hier im Namen der Devölkerung Westfalens, daß wir die deutsche Delegation in ihrem Ringen für Freiheit und Recht für Deutschland unterstützen. Ich kann in di?sem großen Augenblick nicht alles sagen, was ich denke. Nur eins sei gesagt: Ihr deutsche Manner in ßon- don, Ihr habt unser Derttanen! Westfalen und das Ruhrgebiet steht treu hinter Euch!"
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MR«iktwM»e MMnKerM.
Wenn am 10. 3anuar 1925 die durch den Verfall- ler Vertrag Deutschland aufgezwungene einseitige! Meistbegünstigung aushött, muß Deutschland - neue Handelsverträge abschließen, um für her. I Handel mit den anderen Ländern wieder eine Grund» I läge zu haben, nachdem bis jetzt der deutsche Export im | Ausland vielfach ganz willkürlich behandelt und nach Möglichkeit unterdrückt oder wenigstetts benachteiligt! worden ist. 3m Vordergründe des 3nteresse« steht dic! Reuregelung der deutschen Handelsbeziehtmgen mit! «rankretch und mit Polen. Die Franzosen ver» I suchen, seitdem Herrivt die Leitung ihrer Politik über-1
I Die Bewohner des nördlichen Stadtteils, meinhin „Ketzerbächer" bezeichnet, schicken sich wieder einmal ihr althistorisches „Bachfcst" zu__
stehen. Nicht in der alten früheren umfangreiche» Weife, sondern in einer der Zeit angemessenen ei», fachen Form im Kurhaus Marbach. Wir haben je kürzlich schon einmal kurz darauf hingewiesen, daß das Bachfest eine Erinnerung an die lleberwölbung
I des Baches, der aus Marbach kommt und eigentlich mit dem Namen Ketzerbach nicht gemein hat, sei» soll. Für die damalige Zeit, es sind jetzt 65 Jahres Mutzte eine solche Kulturarbeit schon etwas heißen, An der Stelle, wo das Wasser, das manchmal bet Hochfluten recht unangenehm werden konnte, offe» dahinflotz, ist doch eine der schönsten Stratzen Alt» Marburgs entstanden. Der eigentliche Ketzerbach^ der seinen Namen von den Ketzerverbrennungen im 13. Jahrhundert trug und längst versiegt ist, fkdtz in der Gegend der Roserstratze und mündete unten am Eingang zum Marbacherweg in den auf Marbach kommenden Bach, der dann den Name» Ketzerbach übernahm und diesen auch aus de» Stadtteil übertrug. Brücken und Stege, ähnlich wie „auf dem Graben" in Wejdenhausen, vernMtel» । ten dort den Verkehr. In den 30er Iah.e» bet ! vorigen Jahrhunderts wurde, wie die Chronik er» zählt, mit den ersten Ueberwölbungsarbeiten bs» gönnen und im Jahre 1859 war das Ziel erreicht. Die Ueberwölbung des Baches am Marbacherweg fällt in die neue Zeit. Die Vollendung der große» Ueberwölbung auf der Ketzerbach im Jahre 1859 wurde mit einem großen Bachfest begangen und dies wiederholte sich immer, besonders weil die auch in ttüben Zeiten nie den Humor verlierende» Ketzerbächer die Tradition ehren, in bestimmten Pausen. Marburg hat ja seit den letzten Jahre, so viele neue Mitbürger erhalten, die es noch nicht wiffen, weshalb die Ketzerbächer ihr Bachfcst feiern. Und der Jugend soll es auch in Erinnerung gebracht werden, was die Alten geschaffen. Und so wünsche» wir dem Dachfeste, das ja in der jetzigen Form in der Hauptsache eine Veranstaltung für die Jugend sein dürfte, das beste Gelingen und „der Ketzerbach ein Hujajah."
Maßgebenden Kreisen des Ruhrgebietes frage veranstaltet. Dabei ging ihr von Persönlichkeiten der
christliche» Gewerkschaften
»es Reviers folgende Aeußerungen zu:
Karbmgrr eioMitihmg.
Marburg, 16. August (Ernting) Das Ketzerbacher Bachseft.
Liegt auch der alte Ketzerbach Begraben unter'm Wölbungsdach! Sein Name soll nicht untergeh'n, So lange noch ein Haus wird steh'n. Der Strotze, die zu Marburgs Zier Allmählich sich wird bilden hier. Uns aber latzt bei frohem Treiben Stets einig Ketzerbächer bleiben.
Srr Ättrlnt.
Kriminalroman von Luise Westkirch.
44. Fortsetzung.
Ich begann Papa zu beobachten. Etwas sollte Ihm zur Vollkommenheit fehlen, etwas Wesentliches, fein eigener Vater sagte das. Und wirklich. Papa trug in diesen Togen den Kops gar nicht so hoch wie sonst. 3a, so oft Großpapa mit seinen scharfen Augen nach ihm hinsah, senkte er ihn tief und schob sich aus der Stube. — Zwei Tage darauf war Mama tot. Ich stand an ihrem Sarg, verwirrt. blöd' von dem ersten Sterben, das ich er- lebte. Da hörte ich hinter der halboffenen Vor- soaltür unsere Köchin sprechen. Sie redete zum Burschen: „Gnädige Frau — die hat der Herr Mojor auf dem Gewissen, das glauben Sie man. Dos die Herren Doktors ihrer Tobeskrankheit auch fät’n Namen geben, ich weiß es: bei kleinem hat «r sie umgebracht." Ich rannte in meine Kammer, dH steckte den Kopf in die Kissen, hielt mir die Hhren zu. Umsonst. Ich hätte die Worte immer-
«sch« Stand der Verhandlungen in London wirkt totf Me Bevölkerung des besetzten Gebietes außer- «denillch beunruhigend. Die rheinisch-west» Mische Devölkerung hat es als eine Selbstverständ- Lchkeit angesehen, daß als. unmittelbare Wirkung »es DoweSgesehes doS Ruhrgebiet wirtschaftlich und Militärisch sogleich geräumt werde, zumal jo die Voraussetzungen des militärischen Schutzes, die In- tzenieurkommisston, in Wegfall kommen. Der Vor- ^hlag Herriots, die französischen Soldaten auf ein weiteres Jahr zu belassen, ist unhaltbar, da die ft>anzbsischen RegierungSverhältniffe zu unsicher sind, *md kein Mensch wissen kann, ob nicht in kurzer Beit wieder Poincare regiert. Dann haben wir Das Gutachten angenommen, während von der Sin- Heit Deutschlands keine Rede sein kann. DaS Hauvt- wittschoftsgebiet Deutschlands kann sich unmöglich «holen und die dorhergesehenen Leistungen auf- »ringen, wenn die friedliche Arbett noch ein weiteres Jahr der Willkür französischer und belgischer Generäle ausgeliefert bleibt. Die Christliche nationale Arbeiterschaft des besetzten Gebietes fordett. Nm ihr Lebens- und Existenzbedingungen zu er- «kglichen, die verhandelnden Regierungen auf, nicht I ®on den Voraussetzungen für die Durchführbar-1 fcit des Dawesplanes abzuweichen und der schwer I bedrängten Bevölkerung des Westens endlich den Kricden zu geben.
3n ähnlicher Weife äußerten sich die Führer des! Ziten I
Freie« Bergarbeiterverbandes
»le namentlich darauf hintoiesen. daß die unmögliche I Räumungsdauer von einem 3ahre die wirtschaft-! Ztche Leistungsfähigkeit des ganzen Re- '»ler« beeinträchtigen würde. I
Zwischen uns. An dem Abend glaubte ich an ihn. Sv viel Sattheit war in seiner Leidenschaft, so viel Wärme in seinem Frohsinn! Wein Vater wor kalt gewesen — ungetrübt heiter, weil er anderer I Leid, auch das seiner Nächsten, übechaupt nicht fühlte Aber durch IlefeldS ungezügelten Heber- I mut spürte man ein warmes Menschenherz. — Zwei Sage später erzählten gute Freunde mir, wie er den Abend verbracht hatte — den Abend als er
I von mir kam."
I «1*2118 ein vorn Glück Berauschter, gnädige Frau. Ich war an seiner Seite an jenem Abend."
-So hab ich doS damals nicht begriffen", ant- wortete Frau von Heesemann. „Ich sah meinen Vater vor mir, am Tage, als meine Mutter auf j ihrem letzten Krankenlager lag, wie et, nur zwei j Zimmer von ihr entfernt, den Champagnettelch zwischen den Singern empochvb, mit lustig blitzenden Augen seinen Freunden zuttank — und d.rs meiner Seele eingehämmerte.Grauen vor dorn Leichtsinn reckte sich ttesengroß in mir auf. Mein I Empfinden fror zu Eis. In diesen Tagen nahm mein Großvater mich mit nach Brake. Gott verzeih 's ihm. Er hat wohl geglaubt, es gut zu I machen. Heefemann war gerade von seiner aftt» konischen Reise heimgekehrt, hotte seines verstorbenen Vaters Besitz angetreten. Großpapa zeigte mtt die Musterwirtschaft, die neuen Arbeiterwoh- | nungen, all die Protzigen Wohltättgkeitsstiftungen. | ®r zeigte mit Heefemann selbst, seinen Ernst, seine Bedachtsamkeit. And zwei Tage darauf sagte et I mit, daß Heesemann um mich werbe. In mit brannte ein rachsüchtiges Verlangen, dem. der meine Neigung mißachtete, zu zeigen, daß ich der seinen entraten könne. — So wurde ich Frau von Heesemann." I
„Sie taten Ilefeld unrecht, gnädige Frau. Ob er in der Aeuherung seines Gefühls immer taktvoll gewesen ist, teilt ich nicht erörtern. Das weiß ich, daß fein Empfinden für Sie tief und echt wat." ■
.Ich glaub'«! Ich weiß es heute. Oh, wie ' öaib habe ich die Bedochtsamkett hasse» gelernt, ।
T anzend begutachtet von der gesamten Presse ist das Weik
„Die Schule der W"
we «, jedes raut- o r Eh- aar besitzen sollte. 1 fe da» schuien, Haden dir U Ler^e ^gun ; datz Millionen M:n- I ’ *n unberat n um naiv in d «<E it gehen und daz eine unendliche Summ« m'nsch i hen Gluck, in S herben bricht.
Ern ernjte» Flierl ist e tstanden unter iOiitar >eit 9 teez» rage aet Fa-tleut« und unstreitig da, mo»ein>:« «nd beste Familtenwerk auf auf diesem Gebiet. 718 Tertseiten. ,ui u beziehen durch »Pest.L »nif eib . ®/4. Ham urg 5, Ho zdamm 28.
&ie ein wohlanständig 2Häntekt>en um die häßlichsten Dinge breitet, das augenfällige Sichmühen im | Dienst der Menschheit, wie mein Mann es übte, Ehrend er doch in Wahrheit keinen Menschen lieb hatte, keinen — seinen unglücklichen Neffen vielleicht ausgenommen. Mich hat er nur geheiratet, um sich mit einer der alten Familien im Lande z« versippen. Ich hab's bald begriffen."
„Soist er Ihnen von Anfang an kühl begegn.^" | -Kühl Begegnete Heesemann keinem gesunken I Weib unter dreißig Jahren."
„Wollen Sie damit sagen, daß Ihr Gemahl I Sie Betrog?“
.Vom ersten Tag an ,a.“
..Gnädige Frau, in ut... er Sache JUxn der | scheinbar unbedeutendste Umstand entscheidend werden. Wenn Sie sich irgendwelcher Be^iehungei» Herrn von Heesemanns zu einer weiblichen Per» son erinnern könnten —"
I Sie unterbrach mit einer Bewegung des Ekels. „Ich erinnere mich an nichts. Als ich meinen Mrnr
I erst kennen gelernt hatte, habe ich gewaltsam dir I Augen weggewandt von allem, was er tat.“
Olten überlegte. „Es steht fest, dah Herr von I Heefemann wenige Stunden vor seiner Ermordung^ seine Reise unterbrochen hat, um eine Instenfamilie aufzusuchen, die bis vor acht Tagen auf I Drake gewohnt hatte. Die ältere Tochter 9er Familie ist ein auffallend schönes Mädchen. Halte» Sie e« für glaubhaft, daß sie die Ursache dieses Besuches gewesen ist?"
„Sehr wahrscheinlich."
..Aber in Brake selbst haben Sie nichts »o» einem besonderen Interesse Herrn von Heefemann« fü rdas junge Mädchen bemerk!?"
ßfe »s d»ch allen FreunLinneu und $r s- V kannten, da« Sie 3gre Jtkib«
Sldrcn, Gatbwen U;ro. nur mit den tvellbrrüdmten echten tti ”” 3°rbeX' ”"r,e 3-^'k-pt i* jelb»
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Evährend, immerwährend. Mein Papr. der Mama [® lieb hatte, der so ritterlich zu ihr war, der ihr *ie Hand küßte zehnmal am Tage! — In dieser stunde habe ich die Kindheit von mir abgetan. Da ktö’ ich sehen gelernt Ich lernte es bald noch besser. Den» zu mir kamen jetzt die Leute mit »*n groben Stimmen, forderten große Summen von Mr, die ich keine Matt hatte, zankten, klagten an. t*a erfuhr ich, dah mein Vater Mamas Mitgift vergeudet hatte, vertan, was Großvater ihm zu- befteuert hatte, in fröhlichen Gelagen, auf der Dennbahn. am Spieltisch, verschleuderte in ungiaub- ^chen Trinkgeldern, großspurigen Mmosen, während bahei» die Pfandsiegel an jedem Möbel klebten.
meinem fünfzehnten Geburtstag brachten sie Dn von der Jagd heim, mit einer kleinen, roten , Wunde an der linken Schläfe. Er sollte gestürzt Mn. Das Gewehr hatte sich im Sturz enttaden.
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Dann gab« endlose Verhandlungen mit Leuten Mit graben und krummen Nasen. Unsere Einrichtung wurde verkauft, ein gut Stück Raminer Prachtwald dazu. Großvater standen die Tränen in den Augen, als die Holzfäller den ersten Att- schlag taten. „Aber das soll keiner sagen dürfen, daß die Ramins ihr Wvtt nicht einlösen." Vier Kutschpferde wurden schleunigst abgeschafft. Mich nahmen die Grvßeltem mit nach Ramin. Sie hatten das Lachen verlernt um Papas Willen, den ich nur lachend gekannt hatte. — Wundern Sie sich nicht, daß ich Ihnen all das erzähle. Sie müssen es wissen, um zu begreifen, was dann geschah. ^8 frühreifes, von Kummer durchschütteltes Kind kam ich nach Ramin. Aber gesunde Jugend über» windet Trauer, Scham und Leid. Zwischen den vergrämten Großeltern wurde ich ein frohes, ein j übermütiges Mädchen. Da begenete ich einem, ver war noch frohmütiger, noch sonniger, als mein armer Pnva gewesen war. Wir hatten nicht viel Sonnenschein aus Ramin. All meine liebsten Jugend« erinnerrungen wachten auf. Alles »was nach Son» n, w Uii "enschein in mir drängte, kehrte sich dem Manne In dieser 5U’ ^r. m't &ic verkörperte Lebensfreude schien. Das war die Zeit, als ich jafuf den schleswigschen Ka- sinoöällen mit Wolf Ilefeld tanzte, die Zeit, da