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-.M, 166 Mmburg o. L, SviMkAas, btti 17. M 59. Nchrg. 1924

DbechrWchs §Ztt«KS

Anzeiger für idaS Mer WfW Sbsrhvffen - Amtliches Berkün-ZMNssblatt -es Kreises Masbms

L^Qb«rbk!si!ch«3eitunL" erscheint sechsmal wöch^tttch. — «ezugsprei» monatlich 2 Mark au-schlietzlich Zust-llaag,^«- te?T Tut» di» Post 2,25 ML — Für ausfallende Nummern infolge Streik, oder elemeataret-Ereigntss« kein Ersatz. —«erlaa L tzitrer»th. —Druck derUniv.-Buchdruckeret von Jod. Sluq. Koch, Markt 21/23. — Fernspr. 55, Postscheckkonto: St.5015

*"'L ’ Amt Frankfurt a. Main.

Der erste Las der Londoner Konferenz Sie EMamgSrrte Mm SvnaldS.

Das Sviel kann beginnen. Die Konferenz in Lon- ist zusammengetreten. Wie lange wird sie dauern? Diese Frage ist vorläufig sozusagen Ansichtssache. Man «chnet mit einer Woche. Andere bemessen die Frist «af 14 Tage. Der „M a n ch e st e r Guardian,, ist fogar der Ansicht, daß man Mitte August kaum mit der Mswrache fertig sein würde. Macht man sich einmal Sar, daß der wesentliche Inhalt aller llebercinkcmmcn, »ie'sie vor der Konferenz abgeschlossen find, nur in der serienmäßigen Feststellung der Punkte bestand, über die een sich nicht einigen konnte, so kann man es kaum Men, daß die Vertreter dieser so komoliziert denken­den Staaten nun doch nach London gekommen find, daß Ue sich an den Konferenztisch gesetzt haben und mit großer Geste heilig beteuern, daß fie den Weltfrieden drit allen Mitteln schaffen wollen. Beobachtet man im Villen das Gesamtbild der Konferenz, so kommt man M der Frage, ob in dieser Versammlung M a c Donald und Herriot nicht mit den zwei Predi- Wern in der Wüste zu vergleichen sind, die zu Steinen »den. Oder geschehen beute noch Wunder? Die rein- „litischen Bedingtheiten der europäischen Staaten tzaben sich bisher in der Geschichte stärker erwiesen als der Wille der Staatsmänner. Mac Donald glaubt, daß das Unmögliche möglich sei. Mit beider­seitigem ehrlichen Willen könne man wohl der Schwierigkeiten Herr werden. Wohl bat er die öffent- 8che Meinung geschlossen hinter sich, aber eben durch diese ist er an ganz bestimmte Ziele gebunden. Seine mit großem Ernst und hohem Idealismus vertretene Wniasiung führt aber auf politisches Neuland. Darüber sollte Mac Donald sich klar sein. Um so mehr sein Erfolg eine Nervenfrage, s

Die Konferenz ist das persönliche Werk Mac Donalds. Auf fie hat er von Anfang seiner Aera an jmgearbeitet und er bat viel Glück dabei gehabt, kr mußte es haben aus innerpolitischen Gründen. Ohne London wäre er gefallen. Sein Gegner Herriot ist sein volitscher Freund. Inner­lich find dadurch England und Frankreich in der Per­son ihrer Führer sehr nahe gekommen, auch wieder ess innerpolitischen Gründen. Und doch sind sie sich eben jo fern, wie s 3t. Lloyd George und Poincare aus außenpolitischen Gründen. Ihre politischen Gegner Berten ab, was sie leisten.

- Die Entfernung, in der die beiden Ministervräsi- Genien auf der Konferenz von einander stehen, hat fce Gründe. Die Vollmachten der Reparation s- Hommission, die Sanktionsfrage, die Kelle Deutschlands auf dieser Konferenz — das leb die umstrittensten Zankäpfel, mit denen Aan sich heute beschäftigen wird. Dabei bat man schon die Sicherheitsfrage und das deikle Kapitel Wr interalliierten Schulden ausgeschaltet. Rac Donald ist klug genug, um begriffen zu haben, daß er dem Spiel mit den fünf Kugeln ebensowenig »wachsen ist wie Herriot. In dieser Beschrän- ?»ng liegt denn auch die einzige Hoffnung, daß He Möglichkeit des Mißlingens der Konferenz ver- hteben werden kann. Denn Frankreich bat, nach jfcei Zusammensetzung beurteilt, nicht eine Re - Varationsdelegation, sondern eine Mili - törmission geschickt. Es ist damit zu rechnen, daß ssth die entscheidenden Vorgänge hinter »erschlossenen Türen absvielen werden. In »er Tat ist die Atmosphäre der Vollversammlung zur töfung heikler Fragen nicht geeignet, und es wird ab- luwarten sein, ob England und Frankreich zu einer Lerständigung kommen, ia es ist sogar recht zwetfel- daft, ob die gegenwärtigen Aussichten als vieloerlore- chend zu betrachten find.

London, 16. Juli. Die erste Sitzung der Kvndoner Konferenz hat heute vormittag im eng» Wchen Auswärtigen Amt stattgefunden. Die Er» fcffnung spielte sich folgendermaßen ab: .

Am 11 Ahr fuhren die Delegierten der inter­alliierten Konferenz vor das auswärtige Amt vor bahnen sich d rch das üblich- Krc z' urr "er Kameras ihren Weg zum StaatSfekretärsaal. Cs derstiich e'ne kurze Zeit mit freundlichen Degrüßun- gen, ehe die Sitzung begann.

In der Mitte der hufeisenförmig arrangierten Mche sah Mac Donald, zu seiner Rechten Her iot, begleitet von Cementel, General Sollet und Peretti della Rocca. Zur Linken Mac Donalds saßen die britischen Delegierten, dar» >mter Philipp Snowden, der Schatzkanzler Trowe, der ständige Antersekretär für Aeußeres. Beben der französischen Delegation sahen die Ita- deren Führer de Stefani ist. Die näch- prn Sitze hatten der belgische Ministerpräsident wrd der belgische Minister des Aeußeren einge- tommcn. Am Ende des rechten Tisches faß der portugiesische Botschafter. Reben den «Nischen Delegierten zur Linken Mac Donalds be- si chder amerikanische Botschafter mit dem Oberst Logan. Dann folgten zwei japa- «ische Delegierte, neben denen die Bertteter Gri­echenlands, Rumäniens und IugvstawienS saßen. Somit waren zehn Rationen vertreten.

Nachdem die lange Reihe der Delegierten am Ko^ftrsir-tifch Platz genommen hatten, ergriff Mac Mvnald das Wort zu seiner

Eröffnungsansprache.

k

Die Aufgabe der Konferenz, so führte * aus, bestünde darin, die Vorbedingungen für E Durchführung des DawesplaneS zu schaffen, jh.i in Einzelheiten zu ändern. Die Durch» Mruu- hänge ab von zwei entscheidenden Vor- ^rügvngen:

U der Wiederherstellung der ökonomischen

und fiskalischen Einheit des Deut­schen Reiches,

2. der Schaffung ausreichender Sicherhei­ten für die Geldgeber.

Der Sachverständigenbericht hdbe Reu land erfchli ffen, insofern als er mit der Sicherstellung von Iahlungen für R< Parattonszwecke gleichzeitig den Wiedercufbau der deutschen Wirtschaft ver­knüpft habe. Der Dawesbericht zeigt zwar keine endgültige Lösung der R parattansf.age, ist aber unentbehrlich als ein Anfang zu ihrer Lö­sung. Zun Schluß begrüßte Mac Donald mit be- sond'-s herzlichen Worten die amerikanische Dele­gation, auf deren Mitarbeit und guten Willen er rc chnet.

Rach Mac Donald sprach der französisch« Mi- nistc-pttttder. Herriot. er gab dem Dank für die hrchstnnigen Begrüßungswvrte Mac Donalds Aufdr'ttk und sprach nach einer kurzen Bemer­kung üb*r di- Schwierigkeiten der Aufgabe und dir Kricgsleiden der einzelnen Rationen, die Hoffnung auf ein Gelingen der Kvnferenz aus. G: ' •r damit, Mac Donald zum Vorsit­zenden der Londoner Konferenz oorzu« sch < gen. Rach ihm sprach der amerikanische Bot- schcster Ke Ilog. Er dankte für den Willkam- mcnsgruh und betonte, daß auch die amerikanische Dc lcgation in demselben Geiste der Hilfsbereit'ch '.st sich an den Verhandlungen beteiligen wolle, wenn sie auch nicht dieselben Vollmachten besähe wie vk anderen. Der Führer der italienischen Del?« g. tti n Stefani, unterstützte den Antrag Ser» rttts aut Ernennung Mac Donalds zumVo-itz-n» den und versicherte die Konferenz der Mitarbeit Italiens. Im gleichen Sinne äußerten sich nach ihm noch die Vertreter Japans und Belgiens. Der englische Premierminister nahm darauf mit kurzen DankcSwvrten und einer wiederholten Ver­sicherung seine' Hoffnung auf das Gelingen der Km seren; den Vorsitz an. Nachdem Str Mau­ri-e zum Gencralsckretär der Konferenz ernannt worden war, trurük das franco-englische Memo­randum kurz durchgesprvchen und drei Unteraus* schüfse gebildet.

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London, 16. Juli. In der heute eröffneten Lon­doner Konferenz ist die Platzordnung folgenver- mo.ßen geregelt worden: Die Sauotdelegierten fitzen an einem langen hufeisenförmigen Tisch: der Präsident in der Mitte, rechts von fen die französischen, italieni­schen, belgischen nnd portugiesischen unb links die briti­schen, amerikanischen, japanischen, griechischen, südslawi­schen und rumänischen Delegierten und hinter den Dele­gierten sitzen an kleinen Tischen die Lekreräre nnb Sach­verständigen.

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London, 16. Juli. Anter Bezugnahme auf den Wunsch der brittschen und französischen Regierung, daß ein Amerikaner in die Reparations­kommission berufen werde, um die Sicherheit für die Kapitalsanleger zu gewährleisten, und einem Amerikaner, der zum Sachverwalter für die Repara­tionszahlungen de« Dawesplanes ernannt würde, die Bollmacht eines Schiedsrichters zu geben, so­bald die Reparationskommission in der Frage des Verzuges nicht einstimmig fein sollte, erklärt Vie .Times": diese Pläne hingen vollständig von der Zu­stimmung der amerikanischen Regierung ab, und die Konferenz würde eS vielleicht notwendig sinden, der amerikanischen Beteiligung «n der Durchführung des SachverständigenplaneS eine weit 'wenig« hervortre­tende Dolle anzuweifen, wenn gewünscht werde, daß diese Beteiligung tatsächlich wirksam fein solle. Die Amerikanischen Vertreter würden an der Konferenz in einer Eigenschaft, die unbestimmt bleibe, teilnehmen.

Der »Times" zufolge ist Stimmung bei einigen alliierten Delegationen, die gestern abend eingetroffen find, keineswegs pessimistisch, vorausgesetzt, daß die Erörterungen streng auf -die Anwendung deS Dawesplanes beschränkt bleiben. Die französifche öf­fentliche Meinung fei an der S i ch e r h e i t s f r a g e sehr interessiert und die italienische öffentliche Meinung wende der Frage der interalliierten Schulden besondere Bedeutung zu. Man hoste aber, daß für den Augenblick die Erwägung dieser beiden Fragen außerhalb des Programms Konferenz gehakten werden könnte. Diel Zeit werde zur Prüfung technifcher und juristischer Einzelheiten erforderlich fein, und man erwarte, daß der größte Teil der Arbeiten der Kon­ferenz an die Ausschüsse verwiesen werde. Es fei tat­sächlich wahrscheinlich, daß in der ersten beiden Tagen der größte Teil der Arbeiten der Konferenz in die Ausschüsse verlegt werde und Vollsitzungen nicht öfter als einmal am Tage vielleicht sogar in längeren Zwi­schenräumen abgeh.rlren würden. Aller Wahrscheinlich, kei» nach würden vier Ausschüsse ernannt werden, je einer für die Emissionsbank, für die Eisen­bahnen. ferner ein militärischer und ein po- litischerAusschuh. ,

London, 16. Juli. „Daily Telegraph" be­zeichnet die heutige Konferenz als die höchst- A n - strengung der friedensstiftenden Staats« kunst Mac Donalds, betont jedoch, daß die ftan- zösische Ansicht, der Dawesbericht sei nur eine Anwen­dung d-r Grundsätze de, Versailler Vertrages und nicht

Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gesp. Zeilenmillimeter 0,08 Goldmark. Amtliche und auswärtige Anzeigen 0,10 Geltz, eart Bei schwierigem 2atz, sowie b. PlatzvorschristenäO"/, Aufschlag. 8rmmelan;eigen 100-/, Ausschlag. Aeklame» 0^5 Goltzm. Jeder Rabatt gilt als Rarrabatt und oersällt, wen» di« Zahlung spater al« 5 Tag« erfolgt. Beleg« werde» berechn«^ «denfo Auskunft durch di« Seschästsftell« und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg 1 ®.»3RL = *°|w Dollar.

ein unabhängiger Plan, stillschweigend angenommen wurde, und daß insolgedeffen die brittsche These, einen Verzug Deutschlands im Sinne des Dawesvlans nicht von der Revarattonskommission, sondern von einer mit dem Friedensvertrag nicht »ufammenbängenden Kör­perschaft beurteilen zu lasten, aufgegeben wurde. Das Blatt steht es als ein Unglück für Mac Donald an, daß dieses Zugeständnis östentlich noch vor oem Zusammenttitt der Konferenz gemacht wurde anstatt in der Verborgenheit ihrer Beratungen. Aber die nackte Wahrheit ist, daß dieses Zugeständnis gemacht wurde, um das Ministerium Herttot zu retten. Der Dawesbettcht sei ein kaufmännisches Doku­ment, das di« Zustimung von Kaufleuten er­hielt

Der „Daily Telegraph" betont, daß, wenn ein Ueber- einkommen von der gegenwärtigen Konferenz ver­worfen werde, damft die Möglichkeit einer politischen Aktion offen gelosten würde, durch die Deutschland in wirtschaftliche Zerrüttung geraten muffe, uno daß dann keine Anleihe, kein Dawesbericht und wahrscheinlich auch keine Reparationen zustande kommen würden. Die polittschen Mittel durch die der Bericht zur Durchführung gebracht werden soll, müß­ten beschloffen werden, und damit auch die Rolle, die Deutschland in den Verhandlungen bezüglich des Pro- tokolls, für das seine Unterschrift erforderlich sei, spie­len werde.

Die „Daily News" nimmt nicht an, daß die Fcase der Beteiligung Deutschlands an den Verhandlungen heute auch nur gruMdsätzlich geregelt wird. Es sei eine schwiettge Frage, in der augenblick­lich die Ansichten Englands und Frankreichs ziemlich weit auseinander gingen. Dem Blatte zu­folge wäre die Annahme irrig, daß der von, einigen Hauotdelegierten zur Schau getragene Optimismus auch hinter den Kuliffen gezeigt würde. Auf beiden Seiten des Kanals ginge seit den Pattser Besprechun­gen der vorigen Woche ein gewisser Umschwung der Stimmungen vor sich. Eine Hauvischwierig- keit sei das wachsende Bestteben Frankreichs, seine Ruhrkarte nicht aus der Hand zu geben und seine Mei­nung geltend zu machen, daß der Dawesbericht selbst ihm gestatte, diese Waffe weiter anzumenben, bis Deutschland alle seine Vervftichtungen nach dem Dawes­plan erfüllt habe. Dem Blatte zufolge glaube man, daß Mac Donald in seiner heutigen Rede die britische Haltung hinsichtlich der Unteilbarkeit des Pla­ne» über jeden Zweifel hinaus klar machen werde.

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London, 1« Juli. Der diplomatische Berichter­statter des „Daily Telegraph" erfährt, die 3a6I der Velkftzungen der interalliierten Kon­ferenz werde zßemlich beschränkt sein. Private Besprechungen zwischen den Häuvtern der Delegationen über die politischen Fragen und Ausschußarbeiten über die technischen Probleme würden wahrscheinlich den größten Teil der Zett tn Anspruch nehmen. Was die Dauer der Konferenz betreffe, werde dies notwendiger­weise nicht nur davon abhängen, wie bald ein inter­alliiertes Abkommen erreicht werde, sondern auch da­von, ob Deutschland eingeladen werde, die Durchführung des Dawesberichts jetzt oder auf einer späteren Konferenz mit iu erörtern.

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Rewhork. 16. 3utL Die Zeitungen besprechen die Londoner Konferenz. Di« „World" schreibt unter Hervorhebung der unheilvollen Pvttttt Poincarös, die Frankreich an der Ruhr getrieben habe, der Dawesplan lofie nicht zu, daß auf Geheiß des französischen Mi» rristerpräfidenten, der mit den Leidenschaften des fran­zösischen Volkes spiele, einter solchen Politik das Tor offen gelassen Werde. Die »Times" sagt, in größerer Zahl als irgendeiner der vovangeganenen interna>io« nalen Zusammenkünfte lägen der Londoner Konferenz wichtige Fragen zur Lösung vor. Zu erwarten, daß dies« Konferenz alle Fragen lösen werde, sei töricht. Wenn es gelänge, eine Verständigung über die Sank- fronen und die Auslegung der streitigen Punkte her- beizuführen, hätte die Konferenz ihr Hauptziel erreicht.

Newyork, 16. Juli. Der frühere amerika­nische Rheinlandkommissar Soyes bat an Dawes ein Schreiben gerichtet, worin er ihn auffordert, auf die Regierung eimuwirken, daß der amerikanische Vertreter auf der Londoner Konferenz vnoemiefen werde, Frankreich davon in Kenntnis zu setzen, daß Amerika wünsche, Frankreich möge die isolierte Politik der Ruhttrag« aufgeben, die nötigen Konzessionen machen und sich mit England in dem ehrlichen Be- sttcben verbinden, den Dawesplan in Kraft zu setzen.

A«erika für ehte freiwillige deutsche Unterschrift.

Deirhork, 16. Juli. Sem, „Rewhork Syz- 11*1) znfvlste vertritt man in maßgebenden Was­hingtoner Kreisen den Standpunkt, daß Deutsch­land Gesegenheit gegeben werden müsse, sich auf der Lrndrner Konferenz, sobald eine Verständi­gung unter den Verbündeten selbst zustande ge­kommen ist, Gehör zu verschaffen. Ein Versuch, Dcutschlcnd zur Annahme eines Ultimatums zu brinyu, vörde einen schweren Irrtum bedeu­ten, da eine erzwungene Unterschrift bei wettern nid)‘ den Wert einer freiwilligen Mitarbeit be­sitze, die zur wirksamen Anwendung deS Sachver- stänkigenfloneS unerlSßlvch ist.

In Washingtoner Kreisen, die in naher B«- zi hvvg zum Staatsdepartement stehen, wird er» tlän. daß der Erfolg der geplanten deutschen An- feche in den Vereinigten Staaten tote auch in ande­re a Ländern davon abhänge, daß auf der Londoner K> r ferenz definitive Garantien betreffend den ntt- g. störten Verlauf der Produktion im Ruhrgebiet erteilen würde.

Oven genug pnn Generalagenten der Reparations­zahlungen ernannt.

Paris, 16. Juli. Dem ^Mattn" zufolge ist Oven P o u n g von der Reparationskommission zum Generalagenten der Reparations- k o m m i s s ion ernannt worden. Oven Poung er- klärt« sich bereit, diesen Posten anzutretW. Asderer.

feite meldet der „Petit Parisien", daß Oven Younß auf ausdrücklichen Wunsch Ramsey Mac Donalds Herriots und des belgischen Ministerpräsidenten Theunis hin an bet Londoner Konferenz teilninuni. Die drei Premierminister stehen auf dem Stand­punkt, daß die Anwesenheit Oven Pounge wegen seiner großen Kenntnis des Sachverständigenbe- richts, bei dessen Abfassung er die Hauptrolle ge­spielt habe, auf der Konferenz unerläßlich fei.

Das englisch-franzSfische Memorandum als Unter­lag« der Konferenz.

London, 17. Zuli. Die Konferenz stimmte dem Vorschlag zu, bas am 9. Juli in bei Pariser Besprechung zwischen Mac Donalb unb Herriot zu­stande gekommene französisch-englisch« Memorandum den Arbeiten bet Konferenz zu­grunde zu legen. Es wurden sodann drei Kommissio­nen ernannt, die sich mit den verschiedenen Teilen des Artikels 5 des genannten Memorandums be­schäftigen sollen, bet sich auf bie balbmögliche Er­nennung eines amerikanischen Mitgliebee in bi« Reparationskommisiion für ben Fall einer beutschen Verfehlung gegen bie Ausführungebestimmunge« bee Gutachtens bezieht, 2. auf bie Maßnahmen, die im Falle einer wesentlichen unb absichtlichen Verfeh­lung Deutschlanbs ergriffen werben sollen unb 3. auf bie Schaffung eines besonberen Gremiums, das den Regierungen ständig über die Verwendung der beutschen Zahlungen, inebesonbere bet einzelne« Transfet-Zahlungen, Bericht erstatten soll. Dies« Kommisiionen haben bereite gestern nachmittag ihr« Arbeiten begonnen.

Dr. Schacht auf der Londoner Konferenz.

Berlin, 17. Juli. Der Reichebankpräsident Dt. Schacht hat sich, wie verlautet, von Paris nach Lonbon begeben unb wirb bet Lonbonet Kon­ferenz von Anfang an als Beobachtet beiwohnen, sich aber gleichzeitig beteithalten, als Sachveiftän- biger von bei Konferenz gehört zu werben. Di« Reichsiegierung rechnet nach ben ihr zuteil gewor­benen Informationen nunmehr bestimmt mit einet Einlabung zu bem zweiten Teil bet Konferenz. In biefem Falle würbe auch bet Reichebankpräfldent einen wesentlichen Teil bet Bertretung bet deutsche« Interessen übernehmen müsien. Dt. Schacht beur­teilt, nach seinen letzten Berichten zu schließen, di« Situation insbesondere die Fragen, bie fein Zeitig» keitefelb betreffen, nicht ungünstig, unb hält bie Aussicht für gegeben, baß bie Errichtung der Golbnotenbank unb bie Flüssigmachung bet auslän» bischen Anleihen binnen kurzem in bie Wege geleitet werben kann.

Herriot als Settrauensmann Poiucarcs.

Paris, 16. Juli. Der biplomatische Mitatbet» ter bet „Daily Mail" behauptet, Herriot hätte vor seiner Abreise nach Lonbon seiner Partei gegenüber eine Reibe Verpflichtungen übernommen, bie ii nachstehenben Punkten zusammengefaßt werben:

1. Herriot hat gegen bie ftnsichtbarmachung bet Ruhtbesetzung nichts einzuwenden: et wird aber iw bie Zwrüchiehuns bes im Ruhrge'e-et noch verblei- benben französisch-belgischen Truppenlrrpers nur nach Maßgabe bet Unterbringung bet Industrie» unb Eisenbahn-Gutscheine auf ben Hanbelsrnärrtew einwilligen. Diese Gutscheine, bie sich auf 800 Mil­lionen Pfunb Sterling belaufen, können vor Ablauf mehrerer Jahre nicht untergebtacht werben.

2. Herriot ist nicht gewillt, ben ersten Sektor bes Rheingebietes im nächsten Jahre zu räumen, ba er ebenso wie bie frühere französische Regierung ba» rauf besteht, daß bie im Versailler Vertrag vorge­sehene Besatzungsfrist noch nicht zu laufen begon­nen hat.

3. Die militärischen Ratgeber Herriots befür­worten bie Fortbauet bet unsichtbaren Besatzung bes Rheingebietes unb bie Ergreifung besonberer Maßnahmen zur Beaufsichtigung bet theinischea Eisenbahnlinien.

4. Herriot hat bie Aufrechterhaltung sämtlicher Klauseln bes Versailler Vertrages versprochen, ins- besonbere bie Aufrechterhaltung bet Rechte, mit benen bie Reparations-Kommission ausgestattet ist. Das äußerste Zugestänbnis zu bem sich Herriot ent- schloffen habe, sei in bei englisch-französischen Rot« enthalten, wonach für ben Fall von Meinungsver­schiedenheiten ein Amerikaner zu Rate gezogen wer­ben soll. Das amerikani'che Mitglieb bet Rcpara» tionskommiffion soll aber nur gewöhnliches Stimm­recht haben. Die Punkte 5—7 besagen, baß Herriot sich bas Recht zur Ergreifung selbständiger Muß» nahmen vorbehält, wenn zwischen den Verbündeten eine Verständigung über die zu ergreifenden Sank- tionen in der Frage der von Deutschland degange» nen Verfehlungen nicht zustande kommt unb ferner, baß lebiglich bet Sachverständigenbericht ungeteilt zur Ausführung gelangen soll.

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Die brasttianjjche Revolution.

Der Aufftand iu Sao Paolo unterdrückt.

Bremen, 16. Juli. Vvm hiesigen brafili- onischen Konsulat wird folgender Bericht nach einem amtlichen Telegramms des brasilianischen Mini» sterivms des Aeußeren in Rio de Janeiro vom 13. Juli an die brasilianischen Gesandtschaften und Kinsulale übersandt: Der "Präsident von Sao Paolo, Dr. Carlos Campos, ift vollkommen Herr der Lage. Er hat, unterstützt von der Landesregie­rung. umfcffenbe und energische Maßregeln zm Unterdrückung der Bewegung ergriffen. Dabei ist «X bemüht. UHMjges Blutt)riAießeu und Water,al»