Marburg a. 8., Mittwoch den 16. Süll
St. 165
36818.1924
Amt Frankfurt a. Main.
trci
vertagte sich daraus auf den 29. Juli.
m-r
«Mr L
i
iTpjJliT*
der Verzeihung in großem Stile geübt werde. Sitzung war um 2 Uhr 8 Min. zu Ende und die
Äanfctewi bet Landwirtichaftsramüir».
Qu. Berlin, 16. Juli. Am Donnerstag
Die Kam-
lag. to-immelanjetgeu 100’/, «affchtag. Setlame« 0,35 Serie itung ipätet «I» 5 Tag» erfolgt. Belege wetten berechnet. Ingebote. Erfüllungsort Marburg, 1 S.-3RL — Dell«.
Kompromiß über die Jndustrieobligatioueu.
Berlin, 15. Juli. Das in Paris tagende Organisativnskomitee zur gesetzlichen Regelung der Jndustrievbligationen, das bisher infolge des Rücktrittes des französischen Delegierten nicht arbeiten konnte, hat jetzt unter dem Vorschubes schwedischen SchiedSmonneS Wallenberg eine Kompromißlösung gefunden, di« von allen Kommissions- Mitgliedern angenommen wurde. Damit ist auch die Beratung der dritten Kommission zum Abschluß gelangt.
bahn, Goldbank, Industrievbligativnen) annehmen, die Regierung glaubt eine Mehrheit dafür zu finde» Der Reichstag wiro aber selbstverständlich nicht die Gesetze einsettig in Kraft setzen, ohne daß im Voraus die Gewißheit vvrliegt. daß die konnexen und selbstverständlichen Maßnahmen der Gegenseite erfolgen.
3. Es wird deshalb voraussichtlich die Form e'ncs Manwlg setzes g wählt werden, daß der Regierung Auftrag und Vollmacht gibt, die angenommenen Gesetze in Kraft treten zu lassen, sobald über die ganze Frage des Sachverständigen-GntachtenS dur «-Verhandlungen ein Einvernehmen erzielt worden ist.
4 Mit diesem Instrument in der Hand, d. h. mit den angenommenen Gesehen und mit dem Auftrag, den bas Rahmengesetz umschreibt, wird die Reichsregierung vor die Gegenseite treten, sobald diese unter sich einig geworden ist und mit Deutschland in die notwendigen Verhandlungen einzutreten wünscht. Geschieht das schneller, als technisch eine Annahme der Gesetze dur chden Reichstag mögli chist. oder verzögert sich die erforderliche Stellungnahme der oben bezeichneten fremden Mit» wirkenden, so hofft die Regierung, wenigstens die vom Kabinett angenommene Fassung der Gesetze für die Verhandlungen beibringen zu können, um damit ihre Absichten und ihre bona fides einwandfrei darzulegen.
Die Länderoertrrter beim Reichskmanzminisirr.
Berlin, 15. Juli. Die Finanzminister der Länder oder deren Berliner Vertreter sind beute vormittag um 11 Uhr wieder beim Reichsfinanzminister Dr. Luther zusammengetreten, um die in der vorigen Woche unterbrochenen Verhandlungen über die Abfindung der Länder durch das Reich für die seinerseite Abtretung der Eisenbabnrechte fortzusetzen.
---*---
Sie Einberufung des Reichstages.
Qu. Berlin, 16. Juli. Der Wiederzusam- montritt de« Reichstages, der für den 22. Juli vorgesehen war, dürfte, wie wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, noch weiter hinausgeschoben werden. Die Reichsregierung bat vorläufig die Entscheidung getroffen, daß die Einbringung der Gesetze zum Cachverständigen-Eutachten erst dann erfolgen kann, wenn sich die Parteien auf einer Grundlage geeinigt haben, die eine Annahme der Eeseye ermöglichen. Rach Ausfasiung des Reichskabinetts würde eine Ablehnung durch den Reichstag so schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, daß es besser sein würde, das Parlament aufrulösen, bevor es zu einer Abstimmung kommt.
In den parlamentarischen Kreisen wird mitgeteilt, dasi der Auswärtige Ausschub des Reichstage» für die nächsten Wochen in ständiger Berettschatt stehen wird, um sich jeweils von der Regierung über den Gang der Verhandlungen unterrichten zu lassen. Nach wie vor ist es sehr unwahrscheinlich, dab die Gesetze zum Eachverständigen-Gutachten abgelebnt werden sollten. Neuerdings wird erklärt, dab der Reichstag vrogrammäbig bis spätesten» am 10. August die Gesetze verabschiedet haben wird, sodab er nicht mehr als vierzehn Tage zur Beratung der Entwürfe zur Verfügung haben wird.
Anmchme ter französischen Amnestie- Berlage.
Paris, 15. Juli. Die Kammer hat in ibrer Nachtsitzung das Amnestiegesetz mit 3 2 5 gegen 185 Stimmen angenommen. Vor der Abstimmung ergriff im Namen der Opposition der frühere Kriegsminister Maginot das Wort, um sich gegen Eie Tendenz des Gesetzes zu wenden. Er erklärte, man könne gewih Beweise von Milde geben, aber Beamte öffentlicher Dienste amnestieren, die sich gegen die Nation gewendet hätten, das hiebe, zur Sabotage der öffentlichen Dienste auffordern. Außerdem würde die Vorlage die antifranzösische Propaganda ermutigen. Wenn wir, fuhr Maginot fort, unser Heer lowahren wollen, um den Frieden und unseren Sieg sicher zu stellen, dann müfftzü weiter gegen di«
locbren, oie unsere jungen Soldaten »:■ Revolten und zur Iknbotmäßigkeit auffordern. Der »öfti send« Gesetzentwurf scheint uns außerdem der Preis für gewiße Abmachungen zu sein, der Preis für die Sicherstellung des Wahlkartells, ein Wechsel, den die Regierung jetzt bezahlen müsse. Ministerpräsident Herrtot erklärte, er glaub«, dab man durch das Gesetz zu jener nationaler. Solidarität gelangen werde, die sich während des Krieges bewährt habe. Der Abgeordnete Maginot habe den Senat aufgefordert, die Wünsche der Opposiitiou zu unterstützen, d h., das Gesetz abzulehnen. Er er- innere daran, dab es der Senat gewesen sei, der nach 1870 die allgemeine Amnestie gefordert bat. Die Ausgabe dieser Regierung bestehe darin. die Etnigkeit in der Republik dadurch herzustellen, dab die Brüderlichkeit
ObrcheWche Isttung
Ameise« für idas Wer kurWWe) Oberhessen-Amtliches Berkün-iyungsblatt -es Kreises Marburg
3 2 8. Sitzung vom 15. 3 «11.
Auf der Tagesordnung steht als erster Puntt der Bericht keS Gefchäftzordnungsavsfchusses über den kommunistischen Antrag auf Herausgabe von Material. das bei der Durchluchnng der Räume der kommunistischen Fraktion im Landtag beschlagnahmt worden war.
Der Berichterstatter, Abg. Buschke (Sem.) legt die Gründe dar, die die Mehrheit des Ausschusses zur Ablehnung des kommunistischen Antrsoes bewogen.
In der Aussprache erklärt Abg. Dr. Deerberg (Dntl.) , die Immunität des Abgeordneten müsse da ihre Grenze finden, wo die Interessen der Aligemeinheir gefährdet würden. Der Bericht des Reichstagsaus- schufses über die kommunistischen HafwntlassungsantrSgc hoben gezeigt, daß die kommunistische Tscheka tat- sächlicheMordevorbereitetundzumTeil schon ausgeführt hat. (Unruhe und M se der Kommunisten: 400 Morde von rechts: rechts sitzen die Mörder. Der kommunistische Abgeordnete Dahlem erhält wegen eines gegen den Redner gerichteten Zwischenrufs einen Ordnunasm-f.) Die fnmv'nntttik^e
Brüssel, 15. Juli. Der Minister Theunis und «hinaus wurden gestern vom König empfangen. Gegenstand der Unterhaltungen waren die Fragen, die »us der Londoner Konferenz verhandelt werden sollen.
Polen unb die Londoner Konferenz.
® a r f $ 3 u, 15. Juli. Die Nachricht von der Einladung Polens zur Londoner Konferenz vüt jn politischen Kreisen Befriedigung aus- Selöst. Ministerpräsident Grabki hatte eine An- «rredung mit dem Außenminister Schmnolski «der Polens Stellung bei der Konferenz, bei der Pr Sprache kam, dwß voraussichtlich auch Ange- .«genheiten behandelt würden, die Polen dirett Mgehen. Es ist noch nicht sicher, ob, wie ur- Drünglich geplant, nur di h polnischen Dertteter j.oer der ReparattvnSkommissivn oder vielleicht der polnische Außenminister selbst an der Londoner Konferenz teilnimmt.
! ^kgierungsstandpunkt nnd Londoner Konferenz.
Berlin, iß. Juli. Eine Berliner Mittags- sikitung deröffentli chfvlgenden Aktionsplan der Deichsregierung zum Dawes-Gutachten, der aus Mrgeblech zuverlässiger Quelle stammt.
- l. Die Reichsregierung wird die Gesetze, die Mr Durchführung des Sachverständigengutachtens zE^ordeiV chsind. mit demjenigen Maß von Be- Wkeunigung dem Reichstag vvrlegen, das die er» erliche Mitwirkung der Lrganisationskomitees i bei Reparationskommission gestattet. ‘ 1
2. Der Reichstag wird im Sinne der schon durch Annahme des Sachverständigengutachtens durch ^^Reichsregierung an die Annahme des Gut- die in Frage kommenden Gesetze (Sisen-
Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 geh». Zeilenmtlllmeter 0,08 SolbmezL Amtliche und auswärtige Anzeigen 0,10 Seife matt Sei schwierigem Satz, sowie b. PlatzoorlchrifienSOst, Aufschlag. Sammelanzeigen 100*/, Aufschlag. Reklameu 0,35 Selbe Jeder Rabatt gilt al» Larrabatt und »«fällt, wenn die 3 ‘' ■ — - - — • -
ebenso Auskunft durch die Seschäftsstelle und Zusendung der
6egtn Mr Rilitürchieaage.
Die Wiederaufnahme der Militärkontrolle hat die ®:r ‘^nationale Reichst »:gs- fraktion zu einem offenen Protestschreiben an den Reichskanzler veranlaßt. (Den Brief an den Außenminister hoben wir bereits gestern veröf- ftntlicht. D. Red.). Die Antwort wird nun durch das amtliche Telegraphenbüro verbreitet. Sie dürste allerdings weder die ungestümen Dränger noch die Allgemeinheit befriedigen. Die Regierung verweist darauf, daß den Wünschen Deutschlands über die Modalitäten der Kontrolle und deren Beendigung nach Möglichkeit entsprochen worden ist. Wäre es nun nicht bedeutend einfacher gewesen, wenn die Regierung den Wortlaut der Äittwort-- note veröffentlicht hätte. Bis jetzt wurde nur ein- telegraphischer Auszug der Oessentlichkeit übergeben. Der ganze Notenwechsel über die Mili- tärkvntroste war in keiner Meise geheim. Die Oeffentlichkeit hat deshalb einen doppelten Anspruch darauf, auch Den Wortlaut der letzten französischen Antwortnote zu erfahren. Die Erwartung der Reichsregierung, dah es ihr gelingen werde, auf dem Verhandlungswege die fünf Punkte aus der Milttäikontrolle auszuschließen, zeugt von einem Optimismus, der bisher in der Vergangenheit nirgendwo Ursachen gehabt hat. Aber die Reichsregierung könnte auf eine viel wichtigere Tatsache Hinweisen. Nach dem Gutachten sind aste die die wirtschaftlichen Freiheiten Deutschlands behin- ternten Kvntrvllmahnahmen, soweit sie im Sachverständigengutachten nicht vorgeschen sind. aitdge-» schlossen. Nach dem Punkt 4 der Mai-Note hat die Kontrollkommission das Recht, alle nrduftri- eilen Betriebe zu inspizieren, um festzustellen, ob kein Kriegsmaterial hergestellt wird. Diese Kon- ttolle, welche praktisch nichts als Handels- und Wirtfchoftsspionage bedeutet, behindert ohne -Zwei- sel die wirtschaftliche Frecheit Deutschlands, sie ist also nach der Annahme des Sachverstäudigenve- richtes unzulässig. Hat die Reichsregierung auf diese Tatsache aufmerksam gemacht?
Inkrafttreten des Gutachtens Ende August.
Qu. Berlin, 16. Juli. Nach den in Berlin vorliegenden Meldungen ist mit einem Inkrafttreten des SachverstSndigen-Eutachtens frühestens in der zweiten Hälfte des Monats August, wahiHcheinlich aber erst Ende August zu rechnen. Tas Gutachten soll erst dann in Wirksamkeit treten, wenn die deutschen Gesetze verabschiedet sind und die vdrgesebenen CtgOne ihre Tätigkit beginnen kSnnen. Was oie neue deutsche Koldnotenbank sowie die künftig« Reichseisenbabn-Gesellschatt betrifft, so bat die Reichsregierung die Vorarbeiten bereits beendet, solasi beide Organisationen unmittelbar nach der Annahme der Gesetz« ihre Wirksamkeit aufnehmen können.
Tscheka habe Eisenbahnsprengkolonnen eingerichtet und sogar Cholera- und ThphuSbazillen als terroristische Kampfmittel vorbereitet. (Rufe bei den Kommunisten: Das sind Bügen! Unruhe. Präsident Siehtert droht den kommunistischen Zwischenrufern rücksichtslose Anwendung der Geschäftsordnung an.)
Die kommunistische ReichStagSabgeordnete Ruth Fischer habe im Reichstag offen erklärt, die Kommunisten seien sämtlich Hochverräter. Q5ei dem Zusammenhang der kommunistischen Tscheka mit der kommunistischen Zentrale sei der Untersuchungsrichter durchaus berechtigt gewesen, die Räume der kommunistischen Fraktion durchsuchen zu lassen. Daran ändere nichts, dah außer dem Abg. Schmidt-Treptow kein anderes Mitglied der kommunistischen Fraktion in daS Strafverfahren verwickelt sei. Der Redner nimmt seinerseits Präsident Letnert in Schuh gegen, die weiteren Angriffe der Kommunisten. (Lebhafte, Widerspruch bei den Kommunisten. Rufe: DaS ist ja gar nicht wahr! Der Mann hat ein« eiserne Sttrn! Präsident Letnert erteilt mehreren Kommunisten Ordnungsrufe). Wenn der HntersuchungSzweck dadurch nicht gefordert wird, dann soll der älntersuchungS- richter dem Haus daS vorgefundene Material mitteilen. damit sich zeigt, ob eS nicht nur ein Scheinmanöver der Kommunisten ist. wenn sie behaupten. «S sei nichts gefunden worben. Die Untersuchung hat gezeigt, bah das deutsche Doll von einer furchtbaren kommunistischen Gefahr bedroht ist, gegen die der Innenminister S e v e r i n g mit großem Nachdruck Vorgehen sollte. (Beifall rechts, Pfuirufe bei den Kommunisten.)
Abg. Dr. M e h e r - Ostpreuhen (K.) erklärt. in keinem anderen Parlament der Welt wäre eine Durchsuchung dieser Art möglich gewesen, ohne einen Stur» der Entrüstung hervorzurufen. Der Untersuchungsrichter Bogt habe amtsverbrecherisch gehandelt. (Rüge deS Präsidenten). Der Redner verliest dann die beglaubigte Abschrift deS amtlichen Verzeichnisses beschlagnahmter Schriftstücke, eS handelte sich durchaus tun harmlose Briefe und parlamentarische Men. (DaS ist ja nur ein Verzeichnis der harmlosen Sachen. Da» belaftenbe Material ist nicht babei!). lieber daS Wetter znrückbehaltene Material haben wir kein Verzeichnis. Dieses Material wirb wahrscheinlich durch Spitzel vo» Schlage tzaarmannS ergänzt werden. Präsideni Letnett hat eine grobe Pflichtverletzung begangen, indem er bi« Genehmigung zur Durchsuchung erteilte, cchne stch der bisherigen Hebung mit dem zuständigen Ministerium in Verbindung zu sehen. Die grobe »il- und Leichtfertigkeit de« Präsidenten vein-rt ist ihm von feinem Parteifreund Dr. Cohn i« Ausschuß bescheinigt worden. Demokrattfche und sozialdemokratische AuSschutzmitglieder haben die absolutistische Willkür zurückweisen müffen, die Präsident Seiner! bet der Ausübung seiner Macht anwenden wollte. Präsident Letnert hat offenbar nur zu gern diesen Anlaß benutzt, um den verhafteten Kommunisten zu schade«. ■*!$. Dr. Meyer sucht bann au» den gesetzlichen Vor- schriftelt nachzuweisen, dah der Untersuchungsrichter bei seinem Vorgehen bas Gesetz in gröblicher Weis« verletzt habe. Er . 'ucht um Annahme eines kommunistischen Antrages, der gegen Vogt em strafrechtlich«» und disziplinarisches Vorgehen mit Ziel der Amtsenthebung verlangt.
Abg. Liebknecht (Unabb'.) beantragt, es uägt sofort der Innenminister und der Juftizmmister ersucht werden, zu erscheinen, um sich zu de« rechtswidrigen Vorgeben de» Untersuchungsrichters Vogt |« äußern.
Gegen den Widerspruch der Kommunisten wird hierauf die Besprechung unterbrochen und die in einer früheren Sitzung zurückgestellten Abstimmungen über de« Haushalt der Handels- und Gewerbes« r- w a l t u n g vorgenommen. Die Etatstitel werden in zweiter Lesung nach den Vorschlägen des Ausschüsse» angenommen. Dann wird der Antrag Liebknecht abgelebnt.
Abg. Dr. Rosenseld (Soz.) nimmt unter grober Anruhe der Kommunisten den Präsidenten Leinett gegen di« kommunistischen Angriffe in Schutz. Auf einen Zuruf des Abg. Dr. Meyer (K.) erwidert der Redner: Stellen Sie sich doch nicht törichter als Sie sind! Die Kommunisten rufen darauf: Deswegen bat Leinert Frau Wolfstein ausgeschlosien. Ein Glück, dab Letnert jetzt nicht präsidiert! (Heiterkeit.) (Vizepräsident Dr. v. Krieg leitet die Sitzung.) Abg. Dr. Rosenfeld schließt unter stürmischen Pfuirufen der Kounnu- nisten: Aus Vorschlag des Präsidenten wird um 3H Uhr beschloßen, die Sitzung zu schließen und um 3M Adr eine neue Sitzung abzuhalten.
Abg Dr. Meyer- Ostpreußen (Kam) protestiert gegen diesen Beschluß und nennt ibn ein beschämende» Zeugnis für die Diätenschieber. (Er wird wegen dieses Ausdrucks zur Ordnung gerufen und «hält einen zweiten Ordnungsruf, als er die Deutfchnationalen wegen ihrer Ablehnung einer Debatte über das Dawesgut- achten eine Schieberpartei nennt.) Den Abgeord et«n wirft Dr Meyer vor, sie kämen nur wenige Tage zusammen und erledigten im Ramsch recht viele Abstimmungen, um nur ohne viel Arbeit die Diäten iu schlucken. Es sei charakteristisch, daß man jetzt die Aussprache über den kommunistischen Antrag abbi-che, um in der neuen Sitzung als ersten Punkt die Besoldung der Pfasien zu beschließen. (Erregte Xkoteftr<ft rechts.)
Unter großem Lärm stimmt die Mehrheit gegen die Kommunisten dem Vorschlag des Präsiden t e n zu. Die Kommunisten rufen laut: Schi«, brr! Um 3.20 Uhr schließt die Sitzung.
Um 4 ilbr eröffnet Vizepräsident Dr. v. K r i e» die Nachmittagssitzung. Auf der Tagesordnung siebt zunächst die Entscheidung des Landtages über den Ein- foruch der Abg. Frau Wolfstein (Komm.) gegen ihren Ausschluß durch den Präsidenten Leinert. Der Einspruch, über den nach der Geschäftsordnung ohne Aussprache entschieden werden muß, wird gegen die Stimmen der Unabltängigen und Kommunisten verworfen.
Abg. Dr. Meyer- Ostpreußen beantragt eine Umstellung der Tagesordnung dahin, daß an erster Stell« nicht die Desoldung der evangelischen Pfarrer be-
»»^^ferheMfL» Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 2 Mark ausschließlich Znstellnnzs,e- iUr Durch die Post2,25 Mk. — Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder ele rentarer Ereignisse kein Ersatz. — tierlie Jwin.C. Hitz«r»ttz. —Druck der Univ.-Luchdruck eiet von 2ol>. Auz. Koch, Markt 21/23. — Fernspr. 55, Postscheckkonto: 31t. 5015
Die Londoner Konstanz.
Das Programm der Konfrr«nz.
Die „Deutsche Tageszeitung" bringt in ihrer Heutigen Nummer das Programm der Konferenz, Wie es vermutlich von den Delegierten aufgestellt Werden wird.
Rach dem diplomatischen Mitarbeiter des _$oili) Telegraph" wird die interalliierte Konferenz über nachstehende zehn Punkte zu »erhandeln haben:
1. Mit welchen diplomatischen Mitteln wird der Sachverständigenbericht ausgesührt? Auf Grund eines oder mehrerer Protokolle? Bon wem werden diese Protokolle ausgearbeitet? Durch die Reparationskommission oder durch die internationalen Sachverständigen?
2.Welche Stellung wird Deutschland im Laufe der Beschrechungen einnehmen. Wird es cingeladen, auf der Konferenz oder aus einer späteren Versammlung seinen Standpunkt darzulegen, oder wird es schließlich aufgefordert, ihn der Reparationskommission mitzuteilen, oder auch auf persönlichem diplomatischen Wege?
st.Welches Datum wird zur Ausführung des Sachverständigenplanes festgesetzt ' werden? Welche Behörde, die Reparationskom- mission oder eine andere Körperschaft wird erklären, daß der Plan in Kraft zu treten hat?
4,Werden noch andere Garantien, als die vom Sachoerständigenbericht vorgesehenen, verlangt werden?
HWie wird die militärische Okkupation „unsichtbar" gemacht und wird sie schließlich gänzlich aufgehoben werden?
t.Welche Körperschaft wird mit der Auslegung des Wortlautes des Sachvcrständigen- berichtes und der Protokolle beauftragt? Das Haager Schiedsgericht, die Neparaiionskornrnis- sion oder eine andere Körperschaft?
7. Welche Körperschaft wird über eine „Verseh- ► lang" Deutschlands entscheiden, das Fi- nanzkomitec des Völkerbundes odr: die Repara tionskommistiou, der ein Amerikaner beftreteu würde?
8.Auf welche Weise werden sich die Gläubiger Deutschlands, sobald eine deutsche Brrfth- lung von der zuständigen Körperschaft scftgestellt ist, verständigen, um die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen? Müssen sie, falls eine Verständigung nicht zustande kommt, zu einem Schiedsspruch ihre Zuflucht nehmen, oder wird eins einzelne Macht oder eine Mächtegruppe das Recht haben, erneut Sanktionen unabhängig von den anderen Ländern anzuwenden?
‘S.Unter welchen Bedingungen wird die Anleihe v »on 40 Millionen Pfund Sterling erfolgen? Zu welchem Augenblick wird diese Anleihe ausgegeben? Mrd sie die Priorität vor sämtlichen anderen deutschen Zahlungen haben?
(ill. Werden zwischen den Staaten und dem Ueber- ' tragungsausschuß in der Frage der Barzahlungen und der Ratur«llieferu«gen weitere Abmachungen erfolgen.
♦
Deutschland und die Londoner Konferenz.
London, 15. Juli. In gut unterrichtete« Kreise» wird mit einer Einladung Deutschlands Mr Londoner Konferenz im Laufe der nächste« Woche «rechnet. Es sei nochmals darauf hiugewiese«, daß die Ksnfereuz die Aufgabe bet, eine Einigung zwischen den Alliierten herbeizufShre«.
ten in Berlin die Landwirtfchaftsml nist er der Länder zu einer Konferenz zusammen, in Lder vor allem über die Beschaffung von Krediten für die gefährdete Landwirtschaft beraten werden ftll. Man wird sich auf der Konferenz vor aK«n cuLH toit einer Anregung der Gewerkschaften beschäftigen, die auf die Anforderung der Reisre- gieiung ergangen ist, anstelle der abgelehnten Agrarzölle brauchbare Vorschläge zu machen. Dir Gewerkschaften hten vrrgeschla^en, d:e dr ageadste Rot der Landwirtschaft zur Durchführung der Ernte durch kurzftistige Kredite z ulindern und die endgültigen Maßnahmen erst dann zu treffen, trenn die ausländischen Anleihen fällig geworden sind und einen Aeberblick für die finanziellen Möglichkeiten weiterer Hilfe ermöglicht haben. Die Meinungen über diesen Vorschlag sind vorläuftg noch sehr geteilt und eS ist eine ausgedehnte Debatte zu erwarten. Von landwirtschaftlicher Seite selb schält man diese Lösung für nicht befriedigend und drängt auf die Durchführung einer möglichst schnellen und großzügigen Hilfsaktion.