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M, 164 Marburg a. L, Dirnstag brn 15. Mi Sabrg. 1924

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Anzeiger für ihgs Mer hirMfW Obsrheflen - Amtliches Berkünöigungsblatt »es Kreises Marburg

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Der Lnzeigenpret, beträgt für den 10 gefp. Zeilenmillimeter 0,08 Sntamett Amtliche und auemärtiae Luzeigeu 0,10 Gold mark. Bei schwierigem Satz, sowie b-PlazoorschrifteuSO"/, Aufschlag. Sammelanzeize» 100°/0 Aufschlag. ReUame» 0,55 Hefte Jeder Rabatt gilt al» Barradatt und oermilt, wen» di« Zahlung später al» 5 Tage erfolgt Belege «erde» derechuch ebenso Auskunft durch die Leschästsstelle und Zusendung der Angebote. <krfüllung»ort Marburg, 1 S.-Mk. — *°|lt Sedat

Sie Londoner «onserenz.

Qu. Die Londoner Konferenz ist nun­mehr zusammengetreten. Noch haben ihre sachlichen Verhandlungen nicht begonnen, aber es ist immer- hin ein sehr bedeutsames Zeichen, daß bereits von amerikanischer Seite energische Schritte eingeleitet worden sind, um vor neuen Schwierigkeiten zu warnen. Ncuch den neuerlichen Mitteilungen scheint e«. daß die alliierten Staatsmänner doch davor zu- nickschrerken werden, durch ihre politischen Sonder- svrderungen das Ergebnis der Konferenz in Frage zu stellen. Was die französische Regierung be­trifft, so wird sie den Hauptteil der Verantwor­tung für das Schicksal der nunmehrigen Verhand- lungert <puf sich nehmen müssen. Bleibt sie auf Hren grundlegenden Forderungen bestehen, so wacht sie es der englischen Regierung unmöglich, sich an der Lösung der schwebenden Probleme zu beteiligen und die internationalen Anleihen zu zeichnen. Es liegt auf der Hand, daß die Regierung Herriots garnicht in der Lage sein wird, der­artige Konsequenzen auf sich zu nehmen. Wenn an ihrer Haltung die Londoner Konferenz schei­tern sollte, so wäre auch ihre innerpolitische ßige ganz unmöglich, sodaß sie einer neuen Regierung Frankreichs Platz zu machen hätte.

In den Berliner politischen Kreisen erwartet man v on dem Einfluß der amerikanischen Ver­treter auch eine gewisse Berücksichtigung der deut­schen Forderungen. Man weiß zwar, daß sich Ame­rika niemals dazu herbeilassen würde, die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets offi­ziell anzuschneiden, aber man hält es für wahr­scheinlich, daß von amerikanischer Seite aus die Auffassung vertreten wird, daß die im Sachverstän- brgengutachten vorgesehene Wiederherstellung der deutschen Leistungsfähigkeit weitaus wichtiger sei, »ls politische Prestigefragen. Damit würde Frank­reich zweifellos eine fühlbare Zurechtweisung er­halten, zumal es selbstverständlich ist, daß die Auf­rechterhaltung der militärischen Besetzung im Ruhr­gebiet niemals anders als eine Prestigeangele­genheit beurteilt würde.

Niemand wird behaupten können, daß die Leichsregierung die Räumung Les Ruhrgebiets je­mals als eine Angelegenheit des äußeren An- schens behandelt hat. Vielmehr ist die Frage dermilitärischen Räumung für Deutsch­land eine Angelegenhett der Drin­gendsten Lebensinteresfen. Die wider­rechtliche Besetzung Des Ruhrgebiets hat das wirt­schaftliche Leben Deutschlands und insbesondere die Produktion seines wichtigsten Industriezentrums Lchmgelegt. Niemand wird annehmen können, daß die deutsche Regierung imstande sein würde, den Depaialionsverpslichtungen nachzukommen, wenn händig die deutsche Wirtschaft dur chdie Maßnah­men der militärischen Besatzungsbehörden beun­ruhigt wird.

Seit einem Jahr war niemals eine bessere Ge­legenheit geschaffen, die gespannte europäische Lage gl erleichtern als gerade im jetzigen Augenblick, wo alles darauf wartet, die notwendige» Maß- «chmen treffen zu können, um de» europäischen Wiederaufbau zu bewerkstelligen und die noch vor­handenen Gegensätze auszugleichen. Die gegen» Artige französische Regierung ist zwar bemüht, nach außen hin ihre Verständigungsbereitschaft zu betonen, aber sie hat eß bisher noch nicht vermocht, rir.en energischen Strich unter die Vergangenheit p.> setzen u nd die Politik Poincares von Grand ruf zu ändern. Wenn beispielsweise Frankreich darauf besteht, daß die Reparationskommisk'.on in ftren Kompetenzen nicht geschmälert werden darf, so ist das weiter nichts als eine bloße Wiederholung Standpunktes Poincares und des nationalen Blockes.

Londoner Konferenz soll möglicherweise schon in acht bis zehn Sagen beendet sein und bis positive Ergebnisse gezeitigt haben. Heute, die Konferenz kaum eröffnet ist, zeigt sich be- ^-ts, wie außerordentlich schwierig es ist, unter beteiligten Regierungen eine einheitliche Linie Arzustellen. Die deutsche Regierung kann nur den frisch haben, daß man zu einem praktischen Cr- ßfcvnis gelangt und sie wird, wie ausdrücklich ver« stcyert wird, alles tun, um den Fortschritt der Verhandlungen zu sördern. Voraussetzung für eine CTrolgrei$c Beendigung der Londoner Konferenz V die unbedingte Berücksichtigung der deutschen debknsinterefsen. Tieber das Sachverständigsngut- (U^en hinaus stellt die deutsche Regierung keine Forderungen. Vielmehr wird sie bereit sein, das Gutachten in seiner jetzigen Form in seiner' Ge­samtheit anzunehmen, wenn auf der anderen Seite

anerkannt wird, daß nunmehr die Zeit gekommen ist. wo für eine Aufrechterhaltung der Maßnahmen an Rhein uni) Ruhr jeder Grund in Wegfall kommt die dringende Notwendigkeit besteht, den Zu­stand wieder herzustellen, der vor dem 11. Januar oeWaden hat.

Mac Donald wird die Eröstuungsreöe halten.

London, 15. Juli. Die Konferenz in Lon- wird durch eine Ansprache Mac 815o 1 b5 eröffnet werden. In der ersten Sitzung

wird das Arbeitsvrogramm ausgearbeitet und den ein­zelnen Sachverständigen werden die verschiedenen noch zu prüfenden Fragen zugewiesen werden. Es werden zebn Nationen teilnebmen. Trotzdem ist nur die eng­lische und franröfische Sprache zugelassen. Auf An­regung Mac Donalds bin werden statt der 200 ange­meldeten Delegierten nur 100 an der Konferenz teil­nehmen.

Die Streitpunkte für London.

London, 14. Juli. Der diplomatische Korrespon­dent der Westminster Gazette bezeichnet als die wich­tigsten Streitfragen, die in London zu klären wären, folgende Punkte:

1. Die Räumung der Ruhr auf ökonomische« und militärischem Wege und die Wiederherstel­lung der lokalen Berwaltung in den be­setzten Gebieten unter dem Rheinlandabkommen.

2. Die Bestimmung darüber, ob Deutschland bei der Konferenz « e h ö r t werden soll.

8. Die Bestimmung, welche Instanz über den Dawesbericht zu entscheiden bat, falls sich Streitigkeiten über dessen Auslegung ergebe« sollten.

Der Vorschlag des juristischen Sachverständigen, daß beide Seiten die Entscheidung treffen sollten, ändert an der Kontroverse nichts. Nach englischer Ansicht wäre der internationale Schiedsgerichtshof im Haag in Anspruch zu nehmen. Das Blatt zweifelt an der Notwendigkeit der Einführung einer unparteiischen Instanz in der Repara­tionskommission zur Feststellung der Verfehlun­gen Deutschlands. Schließlich behandelte es die Frage der Strafmahnahmen. Nach englischer Ansicht sind die Sanktionen gegen Deutschland nach dem Grade der Verfehlung zu bemessen und in dieser Hin­sicht muh eine Bestimmung getroffen werben, welche die Schwere der Verfehlungen feststellt.

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Jas Echo der KonÄmdk bei »en Werfen.

Nach Herrn Stresemann in Elberfeld hat auch der Reichskanzler Marx vor der deutschen Presse nochmals eingehend zu den Fragen des Gutachtens und der Londoner Konferenz Stellung genommen. Das Echo, das feine Rede bei der Entente-Presse findet, läßt das «Katze und Mausspiel" immer deutlicher Werden. Sn England hat man mehr erwartet: «Die Erklärungen Marx tragen zur Lösung der Schwierig­keiten nicht bei" so echot es. Nur zu deutlich tritt darin die Unbehaglichkeit zwischen zwei Stühlen zu sitzen zu tage. Man schob und wurde unvermutet selbst geschoben. Man ahnt bereits in den informierten Kreisen ein Fiasko: auf der einen Seite Amerika, der Hauptgeldgeber, das aber Bedingungen, besonders Frankreich, gegenüberstellt, auf der anderen Selle Frankreich, bas in bekannter Weise alles fordert. Da sind natürlich die im allgemeinen fast zu zurück­haltenden Ausführungen des Reichskanzlers nur ge­eignet, die Unbehaglichkeit zu erhöhen. Das will man jenseits des Kanals nicht mehr haben und — hofft da gewissermaßen auf Deutschlands Geschicklichkeit. Dies­seits des Kanals geht man mit ominösen Lächeln zur Tagesordnung über. — Wan findet Stresemanns For­derungen unzulässig und Marx' Forderung nach Be­teiligung an der Konferenz ungerechtfertigt. Damit ist für Frankreich der Fall erledigt. Sein unbeirr­bares Ziel heißt nach bekannten und seit fünf Sahren erprobtem Muster: HerauSzuschlagen, was herauszu- schlagen ist. Deutschland soll mit Zuckerbrot und Peitsche zu neuen «Unterschriften" gedrängt werden. Die alle englische Tattik, die freilich heute längst in Deutsch­land erkannt ist. Also ein zweifaches sehr lehrreiches und aufschlußreiches Echo zugleich, das ein Fingerzeig für die deutschen Auhenpvlitiker fein könnte.

Abschluß der deutschen Borverhandlungeu.

Qu. Berlin, 15. Suli. Bon unterrichteter Seite wird festgestellt, daß die Reichsregierung nunmehr ihre Bemühungen zur Klarstellung der außenpolitischen Si­tuation völlig zum Abschluß gebrach! Hal. Ein positives Ergebnis wird bereits in den nächsten Tagen erwartet. Sm auswärtigen Amt glaubt man zu wissen, daß die alliierten Regierungen zu den von deutscher Seite an­geregten Fragen in dem an Deutschland gerichteten Ein­ladungsschreiben gemeinsam ihre Auffassungen zum Ausdruck bringen werden. Man beurteilt die Lage gegenwärtig weniger pessimistisch, da vor der Hinzu­ziehung der deutschen Regierung kaum eine neue Wen­dung zu erwarten sein dürfte. Rach den vorliegenden Meldungen ist sogar damit zu rechnen, baß bie Londoner Besprechungen noch im Laufe dieser Woche zu einer Einladung Deutschlands führen werden.

Mitteilungen an die amerikanische Regierung.

Qu. Berlin, 15. Juli. Der deutsche Botschafter in Washington hat, wie wir hören, am Mittwoch der vergangenen Woche dem amerikanischen Staatssekretär Hughes eine genaue Darstellung des deutschen Standpunktes gegeben. Aus den Mitteilungen ver deutschen Regierung an die amerikanische Regierung geht unzweideutig hervor, daß Deutschland nach wie vor mit einem baldigen Inkrafttreten des Sachverstän- oigen-Eutachtens rechnet. Man hege die Erwartung, ba6 die gegenwärtig noch bestehenden Schwierigkeiten sehr bald geklärt sein könnten, wenn der deutschen Re­gierung das Rech: gegeben werde, auf der Konferenz bie Mitwirkung Deutschlands an der Ausführung des Gutachtens zu sichern. — Nach dem Bericht des deut­schen Botschafters hatte die amerikanische Re - gi e r u n g gegenüber den deutschen Darlegungen keinerlei Einwendung en erhoben, was durch­aus als befriedigendes Zeichen angesehen werden müsse.

Die Gesetzentwürfe zum Dawes-Gutachten werden, wie uns berichtet wird, auf beufcher Seite nach Möglichkeit gefördert. Dem an die Repko bereits abgegangenen Entwurf über di« Dvldnotenbank wird bald der Gesetzentwurf über feie Reichsellenbahnen folgen. Die Behandlung wird so vor sich gehen, daß

die Entwürfe nach ihrer Annahme durch die Repko den verfassungsmäßigen Weg der Erledigung im Deich zurücklegen. Di« Snkrastfeyung der drei Gesetzent­würfe erfolgt durch ein befonderes Gesetz, denn es hätte keinen Zweck. Gesetze und Gesetzeskraft zu verabschieden, wenn nicht auch auf der anderen Seite die Durchführung deS Dawes-Derichtes wirllich gesichert ist. Diese Art der Behandlung ist eine Selbstverständlichkeit, und es ist unerklärlich, wie sie Beanstandung finden kann.

Die Arbeiten bee QreanifationstomHees für die Gold­notenbank abgeschlossen.

Berlin, 14. Juli. Das Oiganisationskomitee für die Eoldnotenbank hat die Berliner Beratungen über die in dem Kommunique bearbeiteten Gesetz- und Sta­tutenentwürfe am 10. Juli abgeschlossen. Das aus dem Präsidenten des Reichsbankdirektoriums, Dx. Schacht und dem englischen Bankiers Sir Robert Kind ers­ieh bestehende Komitee bat die Entwürfe der Revara- tionskommisiion mit einem Begleitschreiben vorgelegt. Tie Entwürfe und das Begleitschreiben sind der Repa- rationskommission am 12. Juli in Paris übergeben worden. Die beiden Mitglieder des Komitees befin­den sich zur Zeit in Paris, um der Reparationskommis- sion etwa notwendig werdende Aufklärungen zu geben.

Sösch bei Herriot.

Paris 14. Juli. Der deutsche Botschafter, Herr o. Sösch, bat heute um die Mittagsstunde Herrn Herriot einen Besuch aügestattet unb mit ihm eine Aussprache gehabt, die eine Stunde in Anspruch nahm. Gegenstand der Unterredung bildeten die Fra­gen, die auf der kommenden Londoner Konferenz zur Sprache kommen sollen. Herr p. Hösch setzte den Standpunkt der deutschen Regierung zu all biesen Fragen auseinander. Herr Herriot dankte dem Botschafter für diese Mitteilungen und machte kei­nen Hehl daraus, daß es für Frankreich von größter Wichtigkeit sei. bei dcn Londoner Verhandlungen über die Absichten bet deutschen Regierung erschöpfend infor­miert zu sein.

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AmerikÄ MMebOllWiWN.

Paris, 13. Juli. Der Wasbingtonet Korrespon­dent der United Presie glaubt dem „New York H e r a l d" zufolge, daß nach den Aussagen einer Per­sönlichkeit, die in enger Verbindung mit den Sachoer- ständigen der Dawes-Ausschüsse steht, der Dawes­plan schwer bedroht sei. D>e in Frage stehende Persönlichkeit weist darauf hin, daß die amerikanische Geschäftswelt folgende Bedingungen für notwendig er­achte, um eine Zeichnung der deutschen Anleihe zu ge­statten:

Di- Anleibe muß auf E o l d b a s i s aufgelegt werden Sie muß ein Prioritätsrecht gegen­über allen anderen Verpflichtungen ge­nießen. Die Wiedergutmachungen müssen elastisch und nach der Zahlungsfähigkeit Deutschlands bestimmt sein. Die Repara­tionskommission mllsie pon den in diesem Punkte zutreffenden Entfchei düngen ausge­schlossen sein. Wenn die Reparationskommkssion il:re Rechte behaupte, so sei es nicht nur wenig wahr­scheinlich, daß die Amerikaner eine bedeutende Summe zeichnen, sondern auch andere Kapitalisten würden ebenso wenig geneigt sein, zu zeichnen. Da der Dawes- plan ein untrennbares Ganzes bildet, bei dem die An­leihe einen vitalen Teil darstellt, könne der Nichterfolg der Anleihe die Folge haben, daß der ganze Plan »u- sammenbrechen, was Deutschland, Frankreich und ganz Europa in Mitleidenschaft ziehen würde.

„Daily Mail" peröftentlicht an herporragender Stelle einen Artikel eines „besonderen amerikanischen Korrespondenten", in dem es heißt, Owen Bonns, der an der interalliierten Konferenz mit warmer Billi­gung der amerikanischen Regierung teilnebmen werde, sei oor seiner Abreise nach Europa in Unterredungen mit Präsident k^oolidge. Staatssekretär Hughes, Schatz­sekretär Mellon und General Dawes über die Instruk­tionen Kelloggs und Logans dahin informiert worden, die Vereinigten Staaten wünschten, daß alle poli­tischen oder militärischen Maßnahmen vermieden würben, die den rein wiri­sch östlichen Mert des DawesPlanes zer- ftören tönnten.

Die amerikanischen Anleihezeichner. würden mit größtem Mißvergnügen sehen, wenn militärische over politische Aktionen wirtschaftlichen Maßnahmen vorge­zogen würden.

AußküyMHckc Maite im iinterW.

London, 16. Juli. Die mit so großer Span­nung erwartete außenpolitische Debatte im Unterhaus wurde gestern durch Asquith und Baldwin eröffnet. Beide betonten in ihren Aus­führungen den Wunsch, daß während der Debatte nichts gesagt werde, was der Reparattvnskommiffivn vmzugreifen geignet sei. Asquith eröffnete seine Rede damit, daß er Mac Donald zu der Londoner Konferenz beglückwünschte. Sie bedeute nach seiner Auffassung einen neuen Meilenstein auf dem Wege des Fortschritts. Asquith lenkte im weiteren Ver­lauf seiner Rede die Aufmerksamkeit des Hauses auf gewisse Unterschiede, die zwischen dem Er­gebnis der Konferenz von Chequers und dem nach der Pariser Konferenz ausgegebenen englisch-fran­zösischen Memorandum bestünden und gab seinem Wunsch« Ausdruck, darüber etwas zu erfahren, ob die Wahrscheinlichkeit bestehe, daß sich die Ver- einigten Staaten nunmehr an der Reparativnskow» Mission zu beteiligen beabsichtigen. Ohne daß er beabsichtige, von sich aus der Kommission ein Agenda zu machen, lege er großen 'Wert darauf, Mac Donald fich darüber äußere, ob er mit der ftanMifchen Regierung zu irgend einem Einver­nehmen über die Räumung des Westufers des Rheins im Jahre 1925 und über di« für die Sichcr- h«st Frankreichs zu tteffenden Maßnahmen gelangt sei. Fast für di« gesamt« Zukunft irgendwelcher

internationalen Abmachungen sei eß von Wert z* wissen, ob in der Frage bet Sicherheit schon etwa- geschehen sei. Jede Versicherung und jede Garan­tie. die die englische Regierung für die Sicherhest Frankreichs mit diesem eingehe, dürfe keine sepa­rate Maßnahme, sondern müsse ein Teil eine« all­gemeinen Vertrags unter des Auspizien des Völ­kerbundes sein. Die Frankreich angebotene Sicher­heit müsse unter denselben Bedingungen auch den Deutschen a>tg?6oten werden und eß sei offensichtlich, daß Deutschland zum Völkerbund zugelassen werden müsse und daß seine Vertreter im VvlkerbundSrat einen Sitz erhalten müßten. Es müsse eine all­gemeine europäische Sicherhest gegen jede Macht geschaffen werden, die mit Gewalt gegen die Ab­machungen des Völkerbundes vorgehe. Dies sei die einzige praktische Form, in der wirksame Siche­lrungen geschaffen werden könnten. Rach Asquith; cigriff Baldwin das Wort. Er fragte gleichfalls, ob irgendwelche Aussicht bestünde, daß die Ver­einigten Staaten eine zusagende Antwort geben. Außerdem wünsche er Gewißheit in der Frage der Sanktionen. Soweit er unterrichtet sei, werde die Konferenz ohne die Anwesenheit deutscher Dele- gicrter eröffnet werden. Würde aber Deutschland in dem Felle, daß eine Einigung zwischen bei Alliierten erzielt würde, zu einem späteren Stahiua der Konfeienz hinzugezogen werden? Angesicht! der Tatsache daß das Dawes-Gutachten Deutsch­land dem Versailler Vertrag gegenüber wesent­liche Erleichterungen verschaffe, dürfe Deutfchlani natürlich nicht zögern, dieses anzunehmen. Deutsch­land werd« eine Anleihe über 40 Millionen Pfund gewährt werden, deren größter Tell in England aufgelegt werden würde und die Erholung befl deutschen Wirtschaftsmarktes werde für Englind sine ungeheure Konkurrenz bedeuten. Er hoffe, daß die Regierung die Aussicht besitze, daß nach Sei für di« deutsche Industtie getroffenen Rege« lunger: beträchtliche Vorteile der englischen In« f.u-iric gegenüber gewährt würden. Zum Schluß sprach Baldwin den Wunsch aus, der Minister« piäftdent möge mit seiner Arbeit Erfolg haben. Hieraus erhob sich Ministerpräsident Mac Donald zur C> Hübe Hing und dankte den Führern LerOppv- sitiri: für ihre guten Wünsche. Denn in dem Da- wes-Gutachten Punkte vorkämen, die Deutschl.rnb zu Verpflichtungen zwängen, die im Versailler Vertrag nicht vorgesehen seien, so sei das eine Frage, die gegenwärtig der Prüfung der Sachver­ständigen anheim gegeben sei. D ort würden diese Punkte beraten, bis sie vor die interalliierte Re- paratirnSkommission kämen. Es könne keinen Frie­den in Europa geben, bis nicht England und Frank­reich einen Grad von Einigkeit erreicht hätten, de: in Len letzten Jahren leider gefehlt habe. Di«, ses Ziel zu erreichen, habe er bisher auf jedem Wege versucht. Man müsse jedoch, während man bestrebt sein müsse, Frankreich jede Sicherheit nach Leu Bestimmungen des Friedensvertrags zu Der- ’ schaffen, bemicht fein, zu verhindern, daß 3cmf- ' reich die gesetzlichen Bestimmungen des Vertrages i überschreite. Es sei Tatsache, daß die Maschinerie - der RcparationSkommission nicht für »Ne Arbeiten • ,auSreiche. Das habe in der Vergangenheit sehr • viele Schwierigkeiten verursacht. Er iverde sein Bestes versuchen, eine vollständige Einigung zwi­schen England und Frankreich zu erreich:» unb dafür sorgen, daß England und die übrig:» Alli­ierten Len Kapitalgebern jede Sicherheit mit Be­zug auf Deutschland verschaffen. Mit B:zug auf di« Teilnahme der Vereinigten Staaten an der Reparationskommissivn erklärte M-rcdvnald, eß sei natürlich für Amerika unmöglich, ohne de» vorge- schrickenen gesetzlichen Weg darüber zu be- schließcn. ob ein offizieller Vertreter ernatit werde. Die Frage des Schiedsrichteramts Amerikas sei in Las Programm der Konferenz als 2»t.*cnatine ausgenommen worden. Er wies ferner darauf hin, daß las Abkommen von Spaa auf der Londoner Konferenz nicht wieder erörtert werden würüe. S« aerde kein Sanktionsprvgramm, sondern nur Las gemcmfchcftlicke alliiierte Interesse im Falle einer Verfehlung festgestellt werden. Mac DonrlL be-t merkte zum Schluß, daß das Problem der fr.nrzö- fischen Sicherheit ein allgemein europäisches fei. 1

Das Ergebnis der euglisch-rusiifcke« Konferenz

London, 12. Juli. ES ist nunmehr klar. Laß: die englisch-russische Konferenz ein klares ®r-j gebnis haben wird. Die Regierungen haben. sich dazu entfchlossen, in dem HandelSver-. t T a c , der von beiden Seiten angenommen und ’ in einer Plenarsitzung zur Unterzeichnung gelangen wird, eine Bestimmung aufzunehmen, aufgrund deren das Guthaben der zaristischen Regierung der Sowjetregierung freigegeben wird und auch Da« Suchrben der russischen Gesellschaften, die von der Sowjcteegievunz beschlagnahmt worden find. Auf stjes« Weise kommt Sowjelrrchland in den Besitz von 10 ÄrllliOV?« Pfund, ohne irgend welche mate­riellen Opfer gebracht U haben. Da diese Gut­haben in der Hand derjenigen sinv, siiit den Besitzern der russtschen Wertpapiere identisch sind, nämlt-d) den Danken, so wird die Unterzeichnung des in Vieser Weis« vorgesehenen Vertrags gesichert fein.