ssahrg. 1924
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praktisch keine Rede mehr sein. Selbst die demokrattche Linke in Deutschland erkennt an, daß unter diesen Voraussetzungen die verständigungsbereiten Parteien in Deutschland kaum in der Lage sein werden, die Dawesgesetze in Deutschland durchrubringen. Die Möglichkeit einer Regierungskrise, die wir vor acht Tagen andeuteten, wurde an Freitagabend bereits vom Berliner Tageblatt zugegeben.
Es ist also im Groben und Ganzen leider vorläufig alles so gekommen, wie auf der Rechten immer voraus- aesagt worden ist. Im demokratischen Lager wird zwar der gute Mille Mac Donalds auf Ausgleich der widerstreitenden Interessen anerkannt, aber gesagt, baß er in den Konzessionen für Herriot zu weit gegangen ist Zwar hört man aus London bereits Proteste gegen die Pariser Vereinbarung, man vernimmt auch ovvositionelle Stimmen gegen Mac Donalds Nachgiebigkeit, aber wir wollen uns doch nicht darüber täuschen, daß sich an der Situation nicht viel ändern dürfte.
Damit wäre zunächst das Fiasko der Gutachten- nolitik erwiesen. Unsere Regierung glaubte, durch Diese Politik Vorteile für Deutschland Herauszubolen, und es ergibt sich jetzt, daß diese Hoffnung trügerisch ist. Es scheint selbstverständlich, dab daraus die Konsequenzen gezogen werden.
Die sozialistische Presie hofft trotz allem^ aus Verständigung. Der sozialistisch-politische Geschäftsreisende Breitscheid hält es sogar für richtig (nach einer Rede über seine Aussprache mit Herriot) zu sagen: Herriot ist der ehrlichste und offenste Politiker, dessen höchstes oicl es ist, Frieden in Europa zu schaffen. Aber das gebt nicht an einem Tage, auch er hat die Verhältnisse zu berücksichtigen. Beugt sich die deutsche Regierung vor der Reaktion, so ist die Regierung Herriots ernsthaft gefährdet. Um der Demokratie in Frankreich De stand >zu geben, mutz für den Bestand der Demokratie in Deutschland gesorgt werden Die Sozialdemokratie bat alles zu tun, um die Beteiligung der Deutsch- nationalen an der Regierung zu verhindern, u s. f.
Di« französisch« Delegation für die Londoner Konfrenz.
6 Paris. 14. Juli. Die französische Delegation für die Londoner Konferenz wird am Dienstag vormittag unter Führung des Ministerpräsidenten Her- rjot von Paris nach London abreisen. Die Delegation. die ungefähr 30 Mitglieder umfassen wird, tcht in ihrer endgültigen Zusammensetzung noch nicht fest, doch kann man mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß der Finanzminister M a r s a l, owie der Kriegsminifier Rollet neben verschie-
Athen, 12. Juli. Der französische Gesandte und der englische Geschäftsträger in Athen haben v«rch einen Kollektivschritt Griechenland eingela- den, an der Kotfferenz von London teilzunebme».
Die italienische« Teilnehmer a« der Londoner Konferenz.
Mailand. 13. Juli. Die Stefani-Agentur gibt die Zusammensetzung der italienischen Del«« gation zur Londoner Konferrnz bekannt. An der Spitze steht nicht Mussolini, sondern der Finanz« Minister de Stefani. Die Begleiter de« de Stefani sind der WirtschaftSminister Marva, der Botschafter in London, Marchese della Tvretta und Albert Perelli, das italienische Mitglied de« Dawes Komitees. Dazu kommt ein Stab von Beamten.
denen hochstehenden Persönlichkeiten des d'Orsay, der ReparativnSkommissivn und Kriegsministeriums den Ministerpräsidenten London begleiten werden.
Einigung auf Kosten DeutschSan-s
Poimarü stimmt für total
für die Sachlieferungen so hohe Zufuhrpreise, daß die Geschädigten in Frankreich keinen Vorteil h^- ten, wenn sie sich an Deutschland wandten, so z. B. bei den Fällen, die wir für die Reparationszahlungen zu erhalten versuchten. In Zukunft dürfen also Deutschlands Ausfuhrpreise für Sachlieferungen die im inneren Deutschlands geltenden Preise nicht übersteigen und Deutschland nicht wieder mit den Bedürfnissen und dem Unglück unserer zerstörten Gebiete spekulieren. (Sehr gut, lebhafter Verfall in der Mitte und rechts.) Daher halte ich ern interalliiertes Büro für Sachlieferungen für notig.
Zur Festsetzung der deutschen Reparationsschuld erklärte Herriot, wie gestern PoincmE, daß Frankreich an dem Aufblühen Deutsch- land's beteiligt werden müsse. Den Alliierten müsse man sagen, datz der Materialismus der deutschen Industriellen die wertvolle, aber zerbrechliche französische Industrie nicht erdrücken dürfe. Entweder sei Deutschland schwach und könne nicht zahlen oder stark und wolle am Ende nicht zay- len Aus dieser Zwickmühle müsse man herauskom- men. Deshalb sagte Herriot, haben wir einen I n - dex für den deutschen Wohl st and vorgesehen Meine Haltung zum Versailler Vertrag hat der englische Premierminister gutgeheitzen. Das Erreichte' ist also den Interessen Frankreichs nicht schädlich. (Sehr gut.) Aber was geschieht wenn einmal eine Verfehlung Deutschlands festgestellt wird? Jedenfalls haben wir unsere Freiheit für den Fall, datz kein Einverständnis mit unseren Alliierten erreicht wird, wenn eine solche Verfehlung festgestellt ist. (P o i nc ar ä: Jedenfalls wahren wir unsere Handlungsfreiheit, davon nehme ich gern Kenntnis.) Die Frage der Sicherheit ist viel wichtiger, als die der Reparationen. Denn Leben ist die Vorbedingung für Reichtum und Armut. (Sehr gut!) Hinsichtlich der Entwaffnung Deutschlands sagt die Teilnahme des Generals Nollets an meiner Regierung alles. Die Einladung Deutschlands zur Konferenz in London hat Mac Donald gestern als eine Einzelfrage erklärt. Ich hab e erklärt, datz Deutschland kein Privilegium erhalten könne, aber ich kann nicht allein entscheiden, ob Deutschland mit unterzeichnen soll oder nicht. Meine Schlutzfolgerung wird sehr einfach sein.
Die von dem Vorsitzenden der demokratischen Linken und der republikanischen Union eingebrachte Tagesordnung lautete wie wir bereitsam Samstag meldeten:
„Der Senat bestätigt noch einmal mehr, datz Frankreich der Friedenssache aufs innig st e e r g e b e n ist. Er spricht sein Vertrauen in die Regierung aus, datz sie im Einverständnis mit den Alliierten die Ausführung des Versailler Vertrages verfolgen wird, der Frankreich Reparationen und Sicherheit gewährleistet. Der Senat tritt zur Tagesordnung über.“
Ministerpräsident Herriot stellte die Vertrauensfrage. Bei der Abstimmung wurde die Vertrauenstagesordnung mit 2 4 5 gegen 18 Stimmen angenommen.
Paris, 12. Juli. Die Fraktion Poin- c a r 6 s hat durch ihren Vorsitzenden, Senator Chäron, ihre Abstimmung zugunsten des Kabinetts Herriot wie folgt begründet:
Der Reparationskommission dürfen ihre Vollmachten nicht entgleiten. Die französischen Pfänder dürfen nicht gegen einfache Versprechungen aufge- g'eben werden, die Besetzungsfristen hab en noch nicht begonnen und die Sicherheit Frankreichs muffe durch die Kontrolle der deutschen Rüstungen gewährleistet werden. Die Gruppe erklärt sich nun überzeugt, datz keine Regierung, weder das Kabinett Herriot noch irgend ein anderes. daran denken werde, diese Garantien verfallen oder schwächen zu lassen. Da die Zusicherung gegeben sei, datz nichts ohne die Zu- 'timmung des Parlaments geschehen solle, erkläre ich die Gruppe bereit, auf dem Gebiete der A u tz en- Politik die Vertrauenstagesordnung anzu- nehmcn.
Die fönteter Konferenz. -
Die Einladung an Deutschland.
Qu. Berlin, 14. Juli. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, ist die R e i ch sr e g ie r un g durch den deutschen Botschafter in London offiziell davon verständigt worden, dab eine Einladung Deutschlands zur Londoner Konferenz durch alle beteiligten Rgierungen erf dl gen wird. Die englische Regierung habe bisher an Deutschland keine Einladung ergehen lasten können, da die am 16. Juli beginnende Tagung zunächst lediglich den Charakter einer interalliierten' Besprechung trage und die Deutschland direkt angehenden Probleme bei ihren Erörterungen noch nicht zur Entscheidung ständen. Die Hinzuziehung Deutschlands werde aber in dem Augenblick erfolgen, wo man an die Erörterung dieser Deutschland angehenden Fragen berantreten werde. In den Kreisen des Auswärtigen Amtes erklärt man, dab diese Auskunft noch keine vollständige Entspannung herbeigeführt bat. Vielmehr gingen die diplomatischen Aktionen weiter, da man nach wie vor Anlab zur Beunruhigung hat.
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Emjta Besorgnisse in Berlin:
Die außenpolitische Lage findet gegen« • wärtig in den Berliner Regierungskreisen eine sehr ernste Beurteilung. Man spricht jetzt ganz offen die Auffassung aus, daß die Annahme, des Sachverständigengutachten« durch Deutschland ernstlich in Frage gestellt ist. wenn nicht die Frage geklärt wird, in welchem Amfange Deutschland bei den Entschetdun« gen über das Inkrafttreten des Gutachtens mitzuwirken im Stande sein wird. Die Regierungen in London und Paris haben geglaubt, daß es zur Durchführung des Lachveruänd:^,engutc.chte:s lediglich nötig wäre, eine älebereinstimmung unter den Alliierten herzustellen. Ob Deutschland mit de« getroffenen Vereinbarungen einverstanden sein würde, darum hat man sich nicht gekümmert, und das rächt sich jetzt, indem die deutsche Regierung der Gegenseite ein energisches »Halt'.“ entgegen- ruft.
Innerhalb der Reichsregierung haben sich die Auffassungen in den letzten Tagen ganz erheblich geändert. Während man bisher der Auffassung war, daß es notwendig sein würde, das Sachver- ständigen-Gutachten unter allen älmständen anzunehmen, sobald gewisse Voraussetzungen geklärt sind, ist man jetzt zu der Ansicht gekommen, daß eine Ablehnung nicht umgangen werden kann, wenn Deutschland nicht gleichzeitig feine wichtigsten politischen Forderungen durchzufetzen vermag. Bisher hieß es, Deutschland muß die Opfer auf sich nehmen, um endlich eine Lösung des leidigen Re- parationsprvblems zu finden und die besetzten Gebiete von dem Druck der Sanktionsmahnahmen zu befteien. Ietzt ist die Erkenntnis durchgedrungen, daß Deutschland nur dann Verpflichtungen auf sich nimmt, wenn ihm seine vollen Rechte garantiert werden.
Der fczialdemvkratischr »Vorwärts" behauptet daß die Regierung sich in ihren außenpolitische» Auffassungen den Deutschnattonalen angenähert habe und daher auf dem besten Wege sei, die rolitischen Entscheidungen der nächsten Woche auherordentlich zu komplizieren. Da« sozialdemo- ratische Organ glaubt daraus schließen zu müssen, daß es für die Sozialdemokratie nunmehr keine« anderen Weg geben könne, als der Regierung gegenüber in schärfste Opposition zu treten.
In den Kreisen der Regierungsparteien selbst besteht einmütige Aebereinstimmung darüber, daß das Kabinett M a r L » S t r e s e m a n n sich gegenwärtig auf einem durchaus richtigen und konsequenten Wege befindet. Bei den Zusammenküns«
Die „demokratisäien" Erfahrungen von 5 Jahren ..demokratischen" Erfahrungen von 5 langen Jahren fällten selbst politische Kinder hindern, solche „aLgestan- tenen“ „Weisheiten" heute noch zu produzieren. Sie werden aber barer llnsinn, nachdem Herrio als Vertrauensmann Poincare
__Die belgischen Vertreter für London.
Paris. 12. Juli. Rach einer Meldung, aus Bruf- el wird die belgische Delegation am Dienstag nach London abfabren. Sie wird sich aus Theunis, Hymans und Hannecart, dem belgischen Delegierten int Rubr- eebtet, zusammensehen. Ihr gehören ferner an der belgische Attache bei der Rheinlandkommission in Koblenz St eiler und der zweite Vertreter Belgiens bei der Re- varatiaLS kommt ffion.
England und die neue Lage.
Dem „Daily Telegraph" zufolge wird die Regierung von maßgebenden Eitykreisen darüber unterrichtet, datz die Unterbringung der Anleihe unmöglich sek, wenndies ran» ' ösi'sche Regierung starr an den Erundsä tz e n fest halten wolle, die in der Pariser Vereinbarung enthaften sind.
Die City wird eine erzwungene Durchführung des Finanzberichtes nicht unterstützen und nicht erlauben, datz n dem besetzten Gebiet Kontrollmatz- nohmen bestehen bleiben, de über de Vestmmungen des Berchtes hnausgehen.
Der englische Geldgeber werde auch Garantien dafür verlangen dab keine neuen Sanktionen ein treten, die wirtschaftlich schädlich wirken könnten. Die City soll sich in dieser Auffassung mit den amerikanischen Finanzkreisen in Uebereinstimmung befinden. Welche Tatsachen dieser Information zugrunde liegen, ist schwer zu sagen. Sie zeigt aber jedenfalls, dah England in der Anleihefrage eine wichtige Waffe ifir die
Nun hat Herriot feine auswärtige Politik vor dem ftanzösifchen Senat vertreten und —.die Bil- Uqung des Senats und vor allem feines großen Gegners Poincarö gefunden. Das heißt zu deutsch: die Politik Herriots- ovn der sich viele Politiker in Deutschland goldene Berge für die Zukunft Deutschlands und Frankreichs versprachen, hat vor dem Poincarismus endgiltig kapituliert. Herriot verfolgte in seiner großen Rede vor allem das Bestreben, zu zeigen, datz sich seine Politik durchaus auf dem traditionellen Wege seiner Vorgänger bewege und daß er von deren Zielen nicht abzuweichen gedenke. Er erntete dafür die Zustimmung Poincar^s. Es bleibt also alles beim Alten, trotzdem sich am 11. Mai angeblich die französische Politik neuen Wegen zugewandt haben sollte. Der englische Premierminister Mac Donald hat denn auch in richtiger Erkenntnis dieser Sachlage in Frankreich seinerseits hie Konsequenzen gezoen und — dem französischen Willen nachgegeben auf Kosten Deutschlands. Von den Abmachungen von Chequers ist weiter nicht die Rede. Deutschland soll auch in London vor ein Diktat gestellt werden und hat nichts zu sagen. Vielleicht soll «s nicht einmal eingeladen werden. Wohl empfindet man in England, datz dies nur die Fortsetzung der alten Politik ist, die bisher nicht zum Ziele geführt hat, aber — Frankreich diktiert und man wirb beugen. Ob Herriot und Mac Donald oder Lloyd George—Baldwin und Poincarö-Clömenceau es ist alles eins. Nicht einige wenige vielleicht gutgläubige Idealisten lenken die Politik, sondern die großen politischen und wirtschaftlichen Verbände — und zwar so wie s i e sie verstehen. Das sollte man sich vor allem in Deutschland gesagt sein lasten, wo hei dem geringsten Wort irgend eines Idealisten (und sei er auch Ministerpräsident!) die Wogen der Hoffnungen hochgehen. Um so höher, wenn dabei Gelegenheit gegeben ist, einem innerpolitischen Gegner eins auszuwischen.
Inzwischen läßt nach einer Meldung des „Tag" die «ülische Regierung durch ihre Botschafter in Berlin vor einer allzu pessimistischen Auffassung übet die Pariser Verhandlungen warnen. Deutschlands Lage wesentlich erleichtert werden, wenn es den Dawesde- richt vor allem einmal annehme. Rach allem, was wir «on England in dieser Hinsicht seit 5 Jahren erlebt haben, ein starkes Stück! Wie man in London erzählt, habe Herriot in gleichem Sinne auf den deutschen Botschafter in Paris eingewirkt, dem er erklärte Deutschland dürfe nicht „zuviel erwarten", va er sich in einer schwachen Position befinde und een Angriffen der Opposition ausgesetzt sei.
Amerika «ad die Londoner Konferenz.
P ati s. 12. Juli. Ruch einer H.rvasmeldung aus Washington haben der französische und der f englische Geschäftsträger im Staatsdepartement gemeinsam eine Unterredung mit Staatssekretär Hughes gehabt Es fei anzunehmen, daß sie sich auf die letzten Bespceckmngen zwischen Herriot .und Mac D onald bezogen habe.
Rach einer weiteren Meldung der HavaSager- tue aus Washington teilt das Staatsdepartement mff, daß Sia^tsfekretär Hughes während drr £a' gung der amerikanischen Anwaltvereinigung VE 21 .bis Iuli in London sei und sich dann au' mohiere Tage nach Paris begeben werde um bann ci schlsißrn,. einige Zeit auszuruhen. Di« jetzt sei noch keinerlei offizielles Programm für die Reise des L'rafsfckretärs aufgestellt worden
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Young dementiert.
Paris, 12. Juli. Ein Sonderberichterstatter des „Oeuvre" hatte gestern in Cherbourg eine Unterredung mit dem amerikanischen Sachverständigen Poung. Auf die Frage des Berichterstatters, ob bet offizielle Vertreter Amerikas sich auf die Londoner Konferenz begeben werde, gab Voung zur Antwort, er wisse nichts davon. Für den Fall, dab Präsident E o o l i d g e ihn mit einer Mission betrauen sollte, so würde er sie nicht ausschlagen. Rach Cent ,.Renmark Herold" wird in Washingtoner Kreisen bi« Möglichkeit ins Ange gefaßt, dah Poung oder ein anderer hervorragender Amerikaner nach Unterbringung der von dem Sachverständigenbericht vorgesehenen Anleihe in Höbe von 800 Millionen Eoldmark der Repa- rationskommission als Vertreter der amerikanischen An« leihezeichner beigegeben wird.
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Griechenland eingeladen.
Aus der Sitzung des Senats sei als besonders interessant mitgeteilt: Herriot erklärt: Mac Donald hate Besprechungen mit mir gewünscht. Deutschlands Fehler fei, die moralische Seite der Fragen verkannt zu haben und noch immer zu verkennen! Mac Donald und er hätten in Chequers an der Annäherung und Aussöhnung beider Länder gearbeitet. Der Zwischenfall sei beigelegt. „Der Sachverständigenplan legt uns Pflichten auf, und die Regierungen haben zu handeln Dazu ist eine Einigung nötig und bald. Seit dem Aufhören des Widerstandes im Ruhrgebiet haben wir ein provisorisches Regime. Wir müßten die Micumverträge verlängern, nicht ohne Opfer. Sollen wir, wenn wir uns nicht über den Dawes-Plan einigen, wieder zur Abschnürung des Ruhrgebiets und zu den Massenausweisungen schreiten? Nein! Ein intcr- alliiectes Abkommen muß die französisch- belgische Aktio'n ersetzen. Eine Vertagung hätte einen Mangel an Mut bedeutet. Der Sachverständigenbericht appelliert an die Zusammenarbeit zwischen den Alliierten und Deutschland. Der Berfailler Vertrag trügt die Unterschrift Englands, Frankreichs und Italiens und seine Tochter ist die Reparat'ionskommission. Wenn »an an Einzelheiten seiner Architektur rührt, dann »iirde das ganze Gebäude zusammenbrcchen. Sein Wiederaufbau würde so viele widersprechende Leidenschaften aufrühren, quf so viele widerstrebende Interessen stoßen, daß sicherlich ein Krieg die Folge fein würde. (Lebhafter Beifall auf vielen Bänken.) Mac Donald hat gestern im Unterhaufe unter lebhaftem Beifall geäußert, England habe bewiesen, wie es sich darüber freue, die Hand Frankreichs wieder zu fassen, und daß die französische öffentliche Meinung und die französische Regierung es niemals verstehen würden, wenn der Sachver- Mndigenplan als V e r l e tz u n g des Versailler Vertrages auf gefaßt würde. Zurufe rechts: Run wissen wir ja, woran wir sind! (Lebhafte Unterbrechungen.)
Poincare sagt: Jede Regierung mußte sprechen wie Herriot soeben. Es ist notwendig aus der Vergangenheit Lehren zu $ici)cn, 1923 Ijcibeit u?it uns felbet bie Sachliefe- rungen im Ruhr- und Rheingebiet geholt, 1921 und 22 gab es Schwierigkeiten mit Deutschland. Das Abkommen mit Rathenau hatte Zentralorgane in Frankreich und in Deutschland geschaffen, aber die Bewohner der zerstörten Gebiete wollten das caudi- niftfje Joch dieser Zentralorganisation nicht. Dann kam das Abkommen Behmelmanns. Die franzöfi- feen Industriellen haben die Sorge für ihre Internen vielleicht etwas zu weit getrieben, die Rcgie- *ung aber hat die Interessen des Landes verteidigt. Ein Ausgleich war möglich, aber Deutschland nahm
OhßchrWche Zeitung
Aimiser für Mer turtMMe) Oberhsffen-Amtlichss MMnstsunssblatt »es Kreises Marburg
In der deutschen Presse kommt vorwiegend zum Ausdruck, daß die Einigung Frankreichs mit England, wie sie in der Senatsdebatte sich abzeichnet, vor allem auf Kosten Deutschlands geht. So sagt sehr richtig h:c „Deutsche Allgemeine Zeitung":
„Herriot und Mac Donald haben gesprochen, ober Pcincarö bat ihnen die Worte souffliert. Das Ergebnis ist: England annulliert die von ihm gemachte Feststellung, daß das Gutachten Deutschland Verpflichtungen auserlege, die über den Versailler Vertrag hinaus- oehen."
Die „Germania" schreibt:
„Jede Konferenz, die die Staatsmänner Europas einander nüberbringt, ist geeignet, die Verständigung der Völker zu fördern und den Geist des Haffes und Mißtrauens zu »erringen. Voraussetzung ist dabei allerdings immer, daß es sich um eine wirkliche Konferenz handelt, auf der auch tatsächlich konferiert und nicht diktiert wird."
Die oi,iziöse „Zeit" betont, dab die bekannten deutschen Mindestforderungen auch durch die Pariser Be- chliisse nicht verändert werden könnten.
Der ..Tag" schreibt:
Die Eesanusiluation ist die: Deutschland soll das Gutachten annehmen und durchführen, aber die Eegen- eite verpflichtet sich zu nichts, sondern behalt sich alles cor; d. h: von einer Räumung des Ruhrgebiets wurde
- Bezugspreis monatlich 2 Marl ausschließlich Zustellung ie- Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gefp. Zeilenmillimeter o.W Eoldmark. Amtliche und auswärtige Anzeigen.0,10ifcft
s Mk -Tür a^llende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersaß - Verla, mark. Bei schwierige« Satz, sowie b. PlatzporfchristenSv'/, Autsch-g. Sammelan,eigen 100»/. Aufschlag. Reklame, 0^5 5*0« kkk chr.L vit-.r^td -Druck d7-Äni° -«uchdruckerei °7n Ioh.Äu ,. Ko», Markt 21/23. - Fernspr. 55, Postscheckkonto: Ar.äulä Jeder Rabatt gilt als Barrabatt und r-enällt, wen, d,e Zahlung später al, 5 Tage erfolgt. Belege »erden »«echuck «n Dr.E.pitzereth.-Druck verun!v.-Buchoruae^b^lsurt-.Main. ebenso »urkunff durch die Geschäftsstelle und Zusendung der ^lngedote. Erfüllungsort Marburg, 1 ».-«k. — Dollar >