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Marburg & L, Freitag den 11. Süll

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O-rchefti-che Jeitunx

Amemev für (fcn§ früher furfwimtie) Oberhessen - Amtliches Veeksmrigunssblatt -es Kreises Marburg

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geböte. Erfüllungsort Marburg, 1 S.-Mk. — Doliar,

®U“. Der „Figaro" veröffentlicht von ihr eine En'siehungsgeschichte, aus der hervorgeht, Saß der

Paris, 10. Juli. Die Pariser Blät­ter, cu^ genommen einige oppositionelle Zeitungen, i’.üden zu ter Note ihre volle Zustimmung

Paris. 10. Juli. Mac Donald hat um A.20 Uhr Paris verlassen. Das französische Mi« Aisterium des Qfeußern veröffentlicht eine hon bei­den Ministerpräsidenten gemeinsam abgefaßte Mote, die als eine Zusammenfassung der im eng- ssjschen Memorandum und im französischen Memo­randum niedergelegten Gesichtspunkte aufzufassen ist. Die Note ist im großen und ganzen als ein fltüdgug Mac Donald^ gegenüber dem fran­zösischen Standpunkt zu bewerten. Die Note gibt unter Paragraph 1 an. daß das ausschließliche Ziel der Londoner Konferenz am 16. Juli in der Be­sprechung der Modalitäten der Ausführung des Sachverständigenberichts bestehen werde. Weiter behandelt die 2!ote ausführlich die Rolle der Reparativnskommission im Zusammen­hang mit der Einsetzung des Sachverständigen- auäschusseS und dessen Arbeiten. Sie enthält eine Anspielung auf den Brief vom 17. April der Re- paraticnskornrnission an die verbündeten Regierun­gen, in dem festgestellt wird, daß gewisse Maß­nahmen zur Ausführung des Sachverständigenl'e- ttchtS durch die verbündeten Mächte notwendig 'wären. Anter Paragraph 5 wird erklärt, Saß die ,be> kündeten Mächte auf der Konferenz am 16. Juli ‘in London die Annahme der Schlußfolgerungen des j kachverständigenberichts erneut bestätigen werden. Weiter heißt es: Die Abmachungen, die getroffen ‘trerben, dürfen nicht die Autorität der .Reperationskommission beeinträch- Vi gen. "2,‘ber Ang sichts 621 T it ahe, da; die An- Kihe-Gcldgeber 800 Millionen Goldmark aufbria- tzcn sollen und den Inhabern der Wertvrpiere Earantien zugestanden werden müssen, werden dl? beiden R g'cr ingen gerne,: samtz Q'nftrengu gen un­ternehmen, um die Anwesenheit eines Amerika­ners in der Reparativnskommission durchzusetzen für den Fall, daß diese eine Verfehlung.Deutsch­lands festzusteklen hätte. Falls diese Lösung nicht »Salich fein sollte und falls die Mitglieder der Reparationskommisfion sich über die Auslegung des Tatbestandes nicht einigen könnten, würden die beiden Regierungen anempfehlen, daß die Köm- Emission den allgemeinen Treuhänder, der amen- kcnischer Rationalität fein muß, heranziehen würde. Der Dawes-Bericht enthält Bestimmungen, rrn. durch die verschiedenen Kontrollkörperschaft-n rirzelnen Verfehlungen vorzubeugen. Sine will­kürliche und bedeutende Verfehlung würde aber Alsbald die Frage der Bona fides 'Deutschlands eufwerfen. Für den Fall, daß die Reparatians- •' 1: '''.on eine solche Verfehlung erfahren sollte, verpflichten sich die in Frage kommenden Regie­rungen. sich unverzüglich über die Mittel zu rerstän- digen. um "bie Maßnahmen auszuführen, über die ji esich zu ihrem eigenen Nutzen und zum Schatze bet Interessen der Geldgeber zu verständigen hoben werden. Der Plan, demzufolge die wirt­schaftliche und fiskalische Einheit des Reichs wie- derhcrgestellt wird, sobald die Reparationskommis- sivn festgestellt hat, daß der Sachverständigenbe- richt ausgeführt ist, wird von der interalliierten Konferenz entworfen werden. Die Revarations- kommiffion wird ersucht werden, Anregungen zur Ausarbeitung dieses Plans zu studieren und sie der interc Klierten Konferenz zu unterbreiten. Für den Fall ,daß die Ausführung die Notwendigkeit von' Abänderungen in dem Sachverständigenplan er­geben sollten und die Reparativnskommission nicht Mer ausreichende Vollmachten verfügt, so könnten diese Abänderungen nur mit allen totwendigen Scrartien und nach gemeinsamer Verständigung zwischen den in Frage kommenden Regierungen an­gebracht werden. Am Schluß der Dole wird er­klärt. daß die Frage des Sicherungsprob­lems Gegenstand eines vorläufigen Meinungsaus­tausches gebildet habe. Es wird in'i »r Note die Notwendigkeit betont, daß entweder durch Vec- wittlung des Völkerbundes oder auf einem anderen Wege das Sicherungsproblem weiter geprüft wer­den muß, bis eine endgültige Lösung gefunden ist. Außerdem fand ein Meinungsaustausch über die Frage der interalliierten Schulden statt. Die britische Regierung erklärte sich in die­ser Hinsicht bereit, daß sie mit den in Frage körn­enden Regierungen eine angemessene Lösung die­ses Problems erstreben wird. Diese Frage wird .dorläufig Gegenstand einer ersten Prüfung der Sachverständigen des Schatzamtes bilden. Die Aufnahme dieser beiden Fälle betr. das Sicherungs- Problem und die interalliierte Schuldens! rg- wird in den Pariser diplomatischen Kreisen als ein Er. folg Herrivts gebucht.

Das Resultat von Paris.

6ln Mkzug Mm Doimw'S.

En'siehungsgeschichte, aus der hervorgeht, daß der zuschreiben. Man verdanke es natürlich auch der erste Fall des Dokuments, der die Rolle der Re-1 Hartnäckigkeit dei französischen Unterhändler. Die

parationSkommission tm Zusammenhang mit der Einsetzung des Sachverständigenausschusses und den Arbeiten des Ausschusses ausführlich behaa» dest, genau dem französischen Protokollentwurf entspricht, dessen Veröffentlichung, wie vorciuszu- sehen war. nunmehr unterbleiben wird. Vorge­stern abend hatte Herriot den französischen Standpunkt dargelegt. Bis 2 Uhr morgens hielt Mae Donald mit unerschütterlicher Entschlos­senheit anderenglischenAuffassungfesi. Die Konferenz wurde dann bekanntlich gestern früh fottgesetzt, ohne daß sich Sir Crove auch nur zu dem geringsten Zugeständnis entschließen wollte. Mac Donald machte sich während dieser Sitzung eifrigst Notizen und ergriff nach einer Viertel, stunde das Wort, um neue Vorschläge mitzutei'en, die er während der Nacht ausgearbeitet und schließ­lich zu Papier gebracht hatte. Die Aussprachn dauerte dann bis 1 Ahr fort. Die englischen An- ter Händler lehnten es ab, daß die Repara- tionskommission in ihrer jetzigen Form mit einer Mehrhej^zugunsten Frankreichs und Belgiens Ver­fehlungen Deutschlands feftftelle, die die erneute Ergreifung von Sanktionen rechtfertigen könnten. Herriot schlug hierauf die Heranziehung eines ame« rikonischen Mitgliedes vor, was die Stimmenzahl in dei Deparationskvmmission auf 5 bringt. Mac Donald seinerseits erklärte darauf, es fei wün­schenswert, daß Verfehlungen einstimmig von der Kcmmiffion festgestellt würden. Schließlich einigte man sich auf einen $ejt, der das System der fünf Stimmen Vorsicht. Eine Formel betreffen!) die Einstimmigkeit konnte nicht getroffen werden, -er Paragraph der französisch-englischen Note, der auf die Schaffung einer besonderen Körpersch rft Bezug nimmt, welche den verbündeten Regierungen ein System zur Verwertung der von Deutschland g» leisteten Zahlungen anempfehten soll. Das im Dawesplan vorgesehene Aebertragungskvmiv»- jjnt bekanntlich zur Aufgabe, zu verhüten, daß die llcbertrcgungen einen ungünstigen Rückschlag auf die deutsche Wahrung zur Folge haben. Das neue Komitee, von dem in der französisch-englischen Note die Rede ist, wird nunmehr dem genannten Blatt zufolge die Aufgabe haben, die Währungen der verbündeten Länder und ihre Industrien vor un­günstigen Folgen der Zahlungsüberttagungen zu schützen. Die Note äußert sich nicht zu der evtl. Anhörung deutscher Delegierter auf der Londoner Konferenz. Es ist damit nicht gesagt, daß jede Anhörung überhaupt nicht stattfinden soll. Sie dürfte vielmehr, wie der „Petit Parisien" betont, einzig und allein dem Ermessen der verbündeten Delegierten überlassen fein. Die französischen De­legierten werden sich bereits am kommenden Mon­tag nach London begeben, um gemeinsam mit den englischen Sachverständigen das Programm der Konferenz zu regeln.

Wenn Herriot und Mac Donald gestern eine vorläufige Verständigung erzielen konnten, so kommt das, wie ein Artikel des „Matin" aus der Feder Sauerweins erkennen läßt, u. a. auch von ihrem lebhaften Wunsch, einen günstigen Eindruck auf Amerika hervorzurufen. Es ist zu beachten, daß der englische Premierminister gegenüber Jul's Sauerwein Wert auf die Feststellung legte, biß eine völlige Aebereinstimmung zwischen Herttot und ihm noch nicht zustande gebracht sei. Er sagte wörtlich: „Ich bitte sie, nicht von eine n völ­ligen Einvernehmen und einer definitiven Regelung zu sprechen. Melden Sie lediglich, daß wie eine grundlegende Basis gefunden haben, um in der Zukunft ein Einvernehmen auszubauen, das ein Stück langwieriger Arbeit ist."

Dio Blätter besprechen in langen Kommentaren kas Ergebnis des zwischen den beiden Minister- Präsidenten stattgefundenen Meinungsaustausches. Aebereinstimmend heben sie hervor, daß die Lö­sung in erster Linie der außerordentlichen Tatkraft des englischen Premierministers zu danken ist. Dee „QHctin“ schreibt: Trotz einer großen physischen Ermüdung, die von der Bronchitis und einer über­stürzten Reise herkommt, hat er sich Tag und Nacht eingesetzt und oft seine eigenen Sachverständigen um Schweigen gebeten, um die Anregungen der französischen Sachverständigen anzuhören und wür­digen zu können. „Petit Journal" schildert den schwierigen Verlauf der Verhandlungen am Diens­tag. Die Sachverständigen konnten keine Aeber­einstimmung der beiden Auffassungen feststellen. Die Dinge bekamen gestern früh plödlich ein anderes Gesicht, als Mac Donald, von der absoluten Not­wendigkeit überzeugt, eine Berstänoigungsbasis zu finden, die Führung bet Debatte in die Hand nahm und sofort sozusagen Akten und Paragraphen über den Hausen gestürzt hatte. Das erzielte Er­gebnis ist hauptsächlich feiner Initiative, seinem Scharfblick und feinem großzügigen Vertrauen zu-

,@ic Novelle" schreibt: Es ist die Tatsache zu verzeichnen, daß ein republikanischer Ministerprä­sident in einem relativ kurzen Zeitraum eine diplo­matische Situation, die für Immer kompromittiert zu fein schien, wiedcrhergestellt hat. Hier haben sich die Sta-'dpvnktt in einer einzigen Formel ver­schmolzen. Dazu reichte aus, daß sich hinter den Ministern der Wille des Volkes kund getan hat. Die Blätter bet Opposition können nicht umhin, den Erftstg Herrivts widerstrebend anzuerkennen. Gu­stav Hervä in der „Cßittoire“ stellt fest, daß der Versailler Vertrag aus der stattgefunde­nen Pariser Besprechung unversehrt her- ccrgegangen sei. Pertinax im „Echo de Pa­ris" bemängelt die ungenaue Fassung der in die Rote cufgenommenen Stellen betreffend bie Frage des Schultenproblems und des Sicherungsproblems. Die Note spiele mit keinem Wort auf die Not­wendigkeit an, die für Frankreich in der Aufrecht­erhaltung der Kontrolle über die hauptsächlichsten Eisenbahnlinien im Reichsgebiet bestünde. Per- tinax schreibt bann: Das Dawes-Projekt wird von heute abend in der Reparativnsfrage das Gesetz und die Propheten. Dieser Plan dürste nach der Ansicht feiner Arheber nur als ein Vertrag aufge- faßt werden. Er ist feige abgefaßt. Er hat nichts von einem juristischen Text. Die engliche und die stonzösffche Darstellung von dem Plan stimme an vielen Stellen nicht überein. Außerdem weise ec große Lücken auf. Sein hauptsächlichstes D?r- bicitft bestände darin, daß er wenigstens während der Dauer eines Jahres in Kraft bleiben wird, da die Deutschen während dieses Zeitraums gegen Zahlung von 200 Millionen Goldmark S00 Mil­lionen erhalten würden. Der DawespIin habe jetzt die Bedeutung eines Kodex erhalten. Der Irrtum sei umso schwerer, da der englische Mini- sterpräsident die Einsetzung einer schiedsrichterli­chen Behörde durchzusetzen verstanden habe. Per- tinax fragt zum Schluß, ob Deutschland und die zentraleuropäischen Staaten zur Konferenz zuge- lasse» werden.

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Die Herriot—Mac Donald-Rote.

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Mac Donald entworfene Note ist gestern an die Vot- sch öfter gerichtet worden, die bei den zu der Londoner Konferenz eingeladenen Mächten akkrediert find. Ein weiterer Passus der Note besagt: Um die von dem Sachverständigenbericht vorgesehenen Repara­tionszahlungen voll auszunutzen, werden die Verbün­deten eine besondere Körperschaft einsetzen, die den Auftrag haben wird, den fraglichen Regierungen ein Gutachten hinsichtlich des Systems mitzuteilen, das zur Verwendung der von Deutschland zu leistenden Zahlun­gen »u schaffen wäre, namentlich im Hinblick auf die Ue6ertraaunaen und die Naturalleistungen.

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Liberale Kritik a« Mac Donalds Außenpolitik.

London, 10. Juli, lieber die politische Wirkung der Reise Mac Donalds nach Paris ist gegenwärtig ein abschließendes Urteil selbstverständlich noch nicht mög­lich. Indessen ist schon heute eine ziemlich starke Gegner­schaft der Liberalen Partei gegen die Außenpolitik MacDonalds zu erkennen. Man erwartet bei der kommenden Debatte im Unter- hause am Montag nicht so sehr einen Angriff von fetten der Konservativen Opposition, als vielmehr aus dem Lager Lloyd Georges und Asquiths. Ob diese Beiden allerdings die Verantwortung für einen wirk­lich ernsthaften politischen Vorstoß gegen die Stellung Mac Donalds in diesem Augenblick aus sich nehmen werden, erscheint zweifelhaft. Immerhin wird eine lehr scharfe und kritische Sprache der Liberalen Zeitun­gen beobachtet.

Die „Westminster Gazette" schreibt in einem Aufsatz über die englisch-französischen Mißverständnisse von einer ungeschickten Liebhabervolitik Mac Donalds, welche für die gegenwärtige Krise verantwortlich wäre. In dem genannten Artikel wird weiter gesagt: Höflich­keit und gute Manieren sind natürlich sehr wichtig, aber wenn die neue Atmosphäre, von der wir so viel hören, lediglich in einen neuen Nebel zwischen und der Wirk­lichkeit besteht, dann werden wir einer Verständigung nicht näher sein und vielleicht die letzte Möglichkeit da­zu opfern. Es ist natürlich vollkommen richtig, wenn man sagt, daß der Dawesbericht und nichts als der Dawesbericht auf der kommenden Konferenz verhandelt werden soll. Aber die Räumung des Ruhrgebietes ist ein wichtiger Teil des Dawesberichtes und wiederum laufen wir Gefahr zu neuen Mißverständnissen, wenn wir annebmen, daß diese Frage erörtert werden kann, ohne daß dabei die Frage der französischen Sicherheit berührt wird. An einer anderen Stelle des Blattes wird auf die entscheidende Bedeutung einer amerikani­schen Stimme bingewiesen. Diese Frage, so heißt es, ist sehx kritisch und sehr bedeutsam. Denn wenn nicht Amerika eine Stimme darüber bat, was eine* deutsche Verfehlung ist. bann ist es gewiß, daß es keinerlei Geld an Deutschland auf Mr Grundlage des Sachverstän- dige^l-Berichtes geben wird.

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Der enttäuschte Mac Donald.

London, 10. Juli. Als Mac Donald gestern Abend nach 11 Uhr in London wieder eintraf, war das erste, war er hier erfuhr, die Nachricht, daß die für heute nachmittag angesetzte Unterhausdebatte über den Dawesbericht und über die auswärtige Politik auf Montag verschoben worden ist. Mac Donald schien hierüber sehr unerfreut. Er batte, wie er zu einem Vertreter des „Daily Mail" bemerkte, Paris in aller Eile verlosien. um an der Unterhausdebatte teilneb- men zu können. Hierdurch sei er gezwungen gewesen, seine Arbeit unvollendet zu lassen. Hätte er noch einen Tag länger Zeit gehabt, so würde man alle Fragen endgültig geklätt haben. Trotzdem könne er sagen daß fein Besuch erfolgreich gewesen sei, und daß alle Mißverständnisse beseitigt feien.

Herriot'» Stellung unsicher.

London, 10. Juli. „Daily (Ebtonide“ schreibt, e» sei wahrscheinlich, daß Herriot gestürzt wo» den ».re, wenn Mac Donald sich nicht nach ftarto begeben hätte. Vielleicht werde er auch jetzt noch Mr» »en. Die Leute in Paris, die die Erregung der letzten Tage organisiert hätten, würden empfinden, daß 8» ihren Zweck verfehlt hätten, wenn er nicht stürzte. ®» werde erklärt, der Besuch Mac Donalds in Patt» hab» die Mißverständnisse »wischen den beiden PtzemieP» Ministern „beseitigt" und die llebereinftimmung berge- stellt. Die entscheidende Frage aber sei, wie weit die mächtigen Beamten am Quai d'Orsay Wittlich die Ab­sicht hätten, für die Harmfonie zu wirken. Es sei ziem­lich klar, daß die Agitation in Paris, der Herriot fast unterlegen wäre, auf fid zurückzufuhren gewesen sek. I« übrigen könne man keineswegs begeistert über das Kompromiß fein, die Reparation», kommission, die feit langem nut wenig mehr sei al» ein Anhängsel des Quai d'Orsay, unter Hinzuziehung einet amerikanischen Mitgliedes, entscheiden »u lassen, oi Deutschland den Dawesplan erfülle oder nicht. Dai Unterhaus müßte jedenfalls auf der baldigen Dor. nähme der augenblicklich verschotbenen Debatte bestehen denn es sei mehr als ein Grund für das Unbehagen vorhanden. Mac Donald könne dieses nicht durch die Formel: „Ueberlabt es nur mir!" beschwichtigen; nicht» flöße weniger Vertrauen a-if die Sicherheit des Staats« schisfes ein als ein anscheinendes Uebermab von Selbst­vertrauen bei dem Manne, der auf der Kommando­brücke stehe, besonders, wenn et immer noch Amateur tu bet Navigationskunbe fei.

Miniftctrat in Paris.

Paris, 10 Juli Heute vormittag fand im Elvsee unter bem Vorsitz Doumergues ein Ministerrat statt, bei bem bie Resultate bet gestrigen Besprechungen zwischen Herriot unb bem englischen Ministerpräsiden­ten erörtert würben. -

Eine Londoner Vorkonferenz?

Poris, 10. Juli. Der „Temps" deutet an, daß man sich auf eine Vorkonferenz gefaßt machen muß. bie sämtliche Einzelheiten bes Programms für die Londoner Konferenz auszuarbeiten bat. Sämtliche alliierten Außenminister sollen zu diesem Zweck oulge- forbert werden, bereits Ende bet Woche Vertreter nach London zu entsenden, do man mit dieser Konferenz am Montag beginnen will, um damit bis Mittwoch fertig zu werden. Gleichzeitig wird ansebeutet, baß bie für Mittwoch angesetzte Eröffnungssitzung eine reine Form fache fein würbe. Ferner soll für bie Dauer bet Low hpner Konferenz auch bie. «»•»•««Mt.»«®«» London berufen werden, mit bet dort bann em Beirret-:; bei deutschen Regierung unter dem Druck der London« Ki.nferenz verbandeln soll. Für h.ute früh ist ein Mi itifietrat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Re­publik angefetzt worden.

Enttäuschungen in Berliner Reaierungskkcisen.

Berlin, 10. Juli. In Berliner Regietungskreb fen siebt man in den Beschlüßen das Ergebnis der in- nervolitischen Taktik der beiden Ministerpräsidenten. Besonders herrscht in Berliner Regierungskreisen leb­hafte Enttäuschung darüber, daß unsere Wünsch« bezgl. der Hinzuziehung zur Konferenz bei dem ganze« Abkommen mit keinem Worte Erwähnung finden, o& wohl einwandfrei von alliierter Seite festgestellt wor­den ist, daß obne deutsche Mitwirkung bei bet Kon­ferenz bie über bie Versailler Vertragsbestimmungen binausgehenben ^Bestimmungen von Deutschland un­möglich angenommen werben können.

Die deutschen Boraussetzungen des Dawesvlaue».

Berlin, 10. Juli. In maßgebenben deutschen Kreisen stellt man mit Bedauern fest, baß die Be­sprechung des englischen unb bes französischen Minister­präsidenten in Paris leibet keine Klarbett übe« die Haltung gebracht bot, bie die Ententemächte gegen, über den deutschen Voraussetzungen für die Durchfüh­rung bes Sachverständigen-Eutacktens einnehmen. Die Regelung biefer Frage bleibt also ben Verhandlungen der Londoner Konferenz Vorbehalten. Umso notwen­diger erscheint es aber auch, noch einmal zusammenzu- fassen, in welcher Richtung sich diese Voraussetzungen bewegen. - . „, .,

- In vorderster Linie stehen die Eh reu punkte, also die Rückkehr der Ausgewiesenen und die Freu lafsung der Gefangenen. In dieser Frage ist ia bereit» ein Fortschritt erzielt, aber der Begriff der sog. Sicher­heit der Befatzungstruppen öffnet den Bcsatzungs- organen auch jetzt wieder das Hintertürchen, durch da, eine klare Vereinigung dieser Frage willkürlich verbiw dort werden kann.

Auch in der zweiten deutschen Hauptforderung, der Forderung der Räumung des wider­rechtlich besetzten Gebietes wird die Regie- rung keineswegs von ihrem Programm abweichen. Es muß dabei unterstrichen werden, daß sie unter ollen Umständen auch die sog. Sanktionsgebiete, also die Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort, umfagt. SSiermit steht die Räumung der Kölner Zone in engem Zusammenhang, die nach dem Wortlaut bes Friedens. Vertrages bekanntlich am 10. Januar 1925 erfolg-n mU5)ie brüte Hauptforderung betrifft bie Wieder- Herstellung bet wirtschaftliche n un» Verkehrseinbeit, sowie bie Souveränität de» Reiches. Ebenso muß das Reichskommissariat für di« besetzten Gebiete in Koblenz wieberbergestellt wcrven, das bekanntlich beim passiven $ßiber|ianb auiBe&men mürbe. Neben der Beseitigung der Zollgrenze muß bie Garantie gegeben werben, daß bie Verwaltungen wie­der frei arbeiten können, baß bie deutschen Verord- nuneen burchgefiihrt, die Unversehrtheit der Länder- gebiete unb bie Durchführung der Verfassung sich«ge­stellt ist gegen alle separatistischen und staatsfeindlichen Bestrebungen. Im Übrigen ist es auch selbstverständlich, daß Sicherheiten geschaffen werden müssen gegen bü Willkür der Besatzung, gegenüber der persönlichen Frei­heit unb dem Eigentum bet Bevölkerung bet besetzten Gebiete. Das Rheinlanbabkommen muß wieder ßn Kraft treten unb in den nach diesem Abkommen weüer hesrtzten Gebiete die Herabsetzung der Besatzung zum mindesten auf die darin festgelegte Zahl herbeigefühtt werden. 1