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Kr. 160 Marburg a. L, -ennrrstag len 10. M 59. Mrg. ms

MM Zeitung Anzeiger für (das früher turbefW Oberhessen - AmMckes Berkün-igungsblatt -es Kreises Marburo iWm ....... I ' I

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noch unklare Punkte nicht bald aufklären und eine Die »en« Äeiftrem der ghwmimhiflt«.

Mae Donal-s Besuch in Paris.

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r : Dir Besprechungen zwischen Herriot und Rumse» l ; Mac Donald werden fortgesetzt.

Pari-, 9. Juli. Die Aussprache zwischen Herrior And Aamseh Mac Donald, welche gestern abend um l/»10 cklhr in ber englischen Botschaft fortgesetzt wurde, I * beute früh 1.40 Äh» zu Ende geführt worden. Ei»

Die Aussprache, welche 346 Uhr zwischen Ramsey Mac begonnen hatte, ist 10 Minuten

Mehrzahl der Kabinettsmitglieder und eine Unmenge Journalisten. Ramsey Mac Donald schüttelt^ alle frnnbe, die sich ihm entgegenstreckten. Er wurde in den Lmvfangssalon geführt, wo der Innenminister das Mort zu einer kurzen Begrüßungsansprache ergriffen. Eine Minute später langte Herriot ganz außer Atem an und fiel dem englischen Premierminister wortlos in die Arme. Die beiden Premierminister um­armten sich verschiedenemale. Auf der Straße kam das Auto, in dem sie Platz genommen hatten, nur langsam vorwärts. Es war dicht von Menschen umsäumt. Plötz­lich brach die Menge in den Ruf aus:Es lebe Ser­ri ot! Es lebe Ramsey Mac Donald!" und buchRieder mit dem Krieg!" Eegenmanisestanten rie- fen:Es lebe der Versailler Vertrag!" und andere wieder:Es lebe der Frieden!" 200 Personen, die die kicherungskette durchbrachen, umgaben das Auto in Nächster Räbe und liefen:Meder mit dem Krieg!" Rach einem flüchtigen Aufenthalt im englischen Bot­schaftsgebäude begaben sich 5Te beiden Ministerpräsi­denten nach dem Quai d'Orsey, wo sie kurz vor 5 Uhr mit ihrer Aussprache begannen.

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Pari», 9. Juli. Ramsey Mac Donald bat Nestern mittag bei seiner Ankunft in Boulogne dem Vertreter eines Blattes in Calais Erklärungen abge- -eben. Er sagt«, er empfind« für Frankreich das Gefühl lebhafter Freundschaft. Er komme nach Frankreich als Friedensbote und bringe den Oelzweig. Weiter gab er der Hoffnung Ausdruck, daß fdie Besprechung mit Herriot zu wichtigen Ergebnisien «führen würde. Herriot wird beute im Quai d'Orsey »u EbreN Ramsey Mac Donalds rin Frühstück geben, zu dem auch di« Mitglieder der Kommissionen für aus­wärtige Angelegenheiten der beiden Kammern eknge- laden find.

Ein Nebelmeer von Verschleierungen, Der» trchungen und Tendenznachrichten hüllt die eng» 8sch»französischen Konferenzverhandlungen in fast WtzdurchdringlicheS Dunkel, aus dem sich mit von zu Zeit die KonfliktgegenstLnde herausheben. ta& sich immer klar erkennen liehe, zu welchen ^Resultaten man denn bisher vorgeschritten ist. Nach Ken offiziösen Verlautbarungen haben die Bespre» «jungen der Ministeipräsid.n'en einen günstigen Verlauf genommen und man h .f t, in e'neni ge» me rschastlichen Text das Programm der Londoner Konferenz festlegen zu können. Zwei Dinge sind für W vor allem wichtig: die Räumungsfrage Md die Vestellung des Kvntrollorga- fe e s für die sogenanntenVerfehlungen" Deutsch- ^jand;. Die Frage, ob unsre Vertreter ein paar Tage früher oder später nach London fahren, ist bcmg'grnüber von untergeordneter Bedeutung. Die wirtschaftliche und fiskalische Räumung des Ruhrgebietes scheint Mac Donald im Begriffe |u sein, durchzusetzen. Aber ein gefährliches Schweigen lagert um die mindestens ebenso wich- 8ge Forderung, das besetzte Gebiet auch mili­tärisch zu räumen. Die Reichsregierung steht rms dem Standpunkt, dah die Annahme der Aus- ffchrungsgesetze zwar nicht von einer offiziellen Zusage der militärischen Räumung abhängig zu tnachen sei. daß aber ihre Durchführung ohne diese Räumung unmöglich erscheine. And schließlich ist trsch nicht zu betgeffen, dah die Sachverständigen selbst die Räumung als eine unerläßliche Vorbedin­gung für die Durchführung ihres Gutachtens be- Heichnet haben, sodaß dieser Punkt mit der vorbe­haltlosen Annahme im Grunde schon erledigt sein sollte. Hier heißt es also für die Reichsregie» vmg .scharf auf der Hut sein, L -mit Deutschland Atrbt am Ende als der Hereingefallene dasteht. Bin neues Moment wird vielleicht die Rückkehr des amerikanischen Berliner Botschafters in die Derhondlungen bringen, der angeblich zunächst in Loudon Station machen soll. Was über den ameri­kanischen Standpunkt bisher verlautete, trug den -Stempel tendenziöser Mache an der Stirn. Fest ^peht nur, dah der Botschafter Hougthon zur Zeit ter Konferenz in London anwesend sein und einen parken Druck ausüben wird, um jede Verzögerung And weitere Verwicklung in der ßöfui^j der Repa» ^ativnsfrage möglichst zu verhindern. ES tft kaum pnzunehmen, daß die amerikanischen Dertrter ihren .Einfluß zugunsten der französischen nationalisti­schen Machenschaften in die Wagschale werfen. Aber lennoch ist die Atmospäre bereits wieder so sehr Ietrübt, daß nur unbeugsamste Energie und uu- Ieirrbarer Wille zur Klarheit den einzig mög- stichen Weg aus dem Chaos zu einer Lösung der ^\rn nf: i nb Te e bIigk. t fin7e t kinnen«

Paris, 9. Juli leftern nachmittag um Donald und Herriot 1 tzach 8 Uhr zu Ende geführt worden.

*'1 Stürmisch« Ovationen.

/ Paris, S. Juli. Ramsey Mac Donald ist gestern nachmittag 4 Ubr auf dem Pariser Nordbalm- dos eingetroffen. Anwesend waren der englische Bot- Ä;aiter Lord Crewe und sein Geschäftsträger, die

offizielles Communiquö wurde nicht ver­öffentlicht. Herriot sagte zu Pressevertretern, sein Eindruck wäre gut. Die Desprechnngen würden heute noch beendet werden. Bin ausführliches Eommunigue über den Verlauf der gestrigen und der heutigen Be­sprechungen wird im Laufe d«S Abends der Presse übergeben werden.

Der Inhalt der Besprechungen zwischen Herriot und Mae Gonald.

Paris, 9. Juli. Die Besprechungen zwischen Ramsey Mac Donald und Herriot haben nach einer Aeuherung, die der englische Premierminister vor eng­lischen Pressevertretern hat fallen lassen, folgende Punkte zum Gegenstand:

1. Beauftragung einer Körperschaft mit der Fest- stelsung deutscher Verfehlungen.

2. Sicherung- der Desatzungstruppen im Ruhrgebiet nach Rückkehr der unsichtbaren Besatzung.

3. Einladung Deutschland- zur Konferenz am 16. Juli und die näheren Voraussetzungen zu vieler Ein­ladung.

Zu Punkt 1 scheint nach übereinstimmenden Angaben gut unterrichteter politischer Jnfcrmatoren einfe Lösung zwischen den beiden Ministerpriisidenten dahingehend erzielt worden zu sein, daß die durch Hinziehung eineS nichtofstziellen amerikanischen Delegierten als Vertre­ter der ausländischen Geldgeber umgebildete Repara- tionskommlstton die Feststellung der Verfehlungen be­sorgen wird. Die Anwesenheit des amerikanischen Delegierten wird zur Folge haben, daß Frankreich und Belgien nicht mehr die Mehrheit in der Reparations» l-Immission besitzen. Wie weit eine Einigung hinsicht- sichtlich der beiden anderen Punkte zustande komnit, wird sich erst heute abend aus dem in Aussicht gestellten Cornrnunique ermessen lassen.

Zu der eventuellen Aufnahme eineS amerikanischen Delegierten in der Aeparationskommissivn schreibt Per- tinar: Diese Lösung würde vom französischen Stand­punkt aus nicht sehr zufriedenstellend sein. Selbstverständlich bedroht sie unsere Rechte nicht in dem Maße wie der in dem berüchtigten Protokollent- tourf enthaltene Vorschlag. Nichtsdestoweniger kann sie dazu führen, daß wir in Zukunft nicht mehr zu den Paragraphen 17 und 18 Anhang 2 Abschnitt 8 des Versailler Vertrags unsere Zuflucht nehmen können. Dieses Kompromiß erscheint uns daher kaum annehmbar. Man könnte vermuten, baß die Re- parationskommission nur noch zum Ziele haben wirb, festzustellen. dah das Sachverständigensystem funktioniert oder nicht funktioniert, ohne zu dem guten oder schlechten Willen der Berliner Regierung Stellung zu nehmen können.

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Ramsey Mac Donlad über sein« Besprechungen mit Herriot.

Paris, 9. Juli. Der Vertreter des .Petit Par- risien", der Ramsey W« Donald auf der Fahrt von Bologne für Mer nach Paris begleitet hat, meldet, dah, wen« der englisch,« Premierminister von Herriot nicht um feinen Besuch in Pari- gebeten worden wäre, er dir Reise aus eigenem Antrieb angetreten haben würde. Der Pariser Sonderberichterstatter der Reuter-Agentur macht längere Angaben über ein« Unterredung, die ihm Ramsey Mac Donald während der äleberfahrt nach Calais und int Zuge gewährt ha!. Der englische Premierminister sagte: Ich bin bereit, bis an die äußerste Grenze zu gehen, was für die Aufrechterhaltung der engsten Beziehungen zu Frank­reich als geboten erscheint. Ich möchte sogar hinzu- fügen. daß, welchen Ausgang' die Besprechungen auch nehmen mögen, ich fest davon überzeugt bin, daß ohne eine tatsächliche unch enge Zusam­menarbeit Frankreichs und En gl andSmit Belgien und Italien in der Frage der euro­päischen Politik es keinen Frieden und keine Sicherheit für Europa geben kann. Es kann wohl ein Minister nach dem andern an den Schwierigkeiten scheitern, doch muß schließlich jemand eine Lösung finden. In gewissen Kreisen wirft man mir vor, daß ich meine Auffassung von den Rachteilen der Geheim» diplomatie nicht in die Tat umsetze. Was jedoch die Besprechung von Ehequers anbelangt, so muh daran erinnert werden, daß man in gewissen Fällen besser schweigt, um keine der beiden Parteien in Schwierig­keiten zu bringen. Die Ausgabe Herriot und die meinige bestand darin, eine Verständigung zwischen uns herbeizuführen, weniger als Vertreter unserer beiden Länder, sondern als Männer, di« im Meinungs­austausch begriffen sind. Unsere Ausgabe hat ferner darin bestanden, festzustellen, wieweit wir inbezug aus gewisse Probleme ein und derselben Auffassung waren. Das war alles. Nichts ist leichter, als da» Gefühl des Mißtrauens auszustreuen und mir liegt soviel daran, die guten Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern aufrecht zu erhalten und zu verstärken, das mich nicht davon abgehalten haben würde, nach Paris zu kommen. Heber meine Pläne kann daher nicht der geringste Zweifel bestehen. Ich strebe in aller Offen­heit nach der engsten Zusammenarbeit mit Frankreich. Ich kann nicht begreifen, wie ein Mißverständnis auftauchen konnte und es ist mir unverständlich, au welche Weife es entstanden ist. Es sind noch alle möglichen Gerüchte verbreitet. Falls sie nicht demen­tiert werden und man sie als Verdachtsgründe be­sehen läßt, werden sie unsere beiden Länder größten Geschren ausfetzen. Wenn man mich fragt, warum ich mich so sehr beeile,. antworte ich, weil ich über­zeugt bin, dah die Konferenz so sruh wie möglich abge­halten werden muh und daß, wenn wir verschiedene

Verständigung am 16. Juli nicht zustande kommt, wir Frankreich und England einen sehr schlechten Dienst erweisen werden. V '

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Paris, 9. Juli. Der englische Premier» Minister hat um 420 Ubr nachmittags die Rück­reise nach London angetreten. Ministerpräsident Herriot begleitete ihn zum Bahnhof.

, Mfnisterrat.

Paris, 9. Juli Für morgen ist ein Ministerrat unter dem Vorsitze des Präsidenten der Republik ange­setzt worden.

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Peretti della Rocca abgesetzt.

Berlin, 9. Juli. Wie dieVosi. Ztg." aus Paris meldet, ist der politische Direktor des Quai d'Orseys, Peretti dello Rocca, abgesetzt worden und wird disziplinarisch belangt werden, da die Regierung Beweise dafür hat, daß er die Campagne der na­tionalistischen Presse gegen die Person öer- ricts inspirierte. Peretti della Rocca soll durch einen zuverlässigen Vertreter der Politik Herriot, er­setzt werden.

Italienischer Ministerrat.

Rom. 9. Juli. In dem gestrigen Minister rat, an dem sämtliche Minister teilnahmen, referterte M u f f o I i n i auch eingehend über die europäische Politik, besonders über die Aussichten der Londoner Konferenz und die cnglifch-französtschen Gegensätze. Darauf referierte der Innenminister Federzoni, der von den Präfekten eingehende Berichte über die Stimmung in den einzelnen Provinzen cingefordert hatte, über die innere Lage. Federzoni stellte eine zu­nehmende Spannung, besonders in einigen -Teilen des Landes fest zwischen den faszistischen Massen und den Elementen des Umsturzes, deren Aktivität wieder zu- nehme. Federzoni machte auch einem Teil der Preße -nm Vorwurf, durch falsche und tendenziöse Nachriü. diese Gegensätze zu verschärfen.

Die deutsche Unterschrift in London.

Qu. B e r l i n, 10. Juli. In den Berliner poli­tischen Kreisen find gegenwärtig lebhafte Erörte­rungen im Gange, die sich mit der Frage befas­sen, ob die deutsche Regierung sich entschließen füll,, auf der Londoner Konferenz ihre Auterschrift unter das in Aussicht genommene Protokoll der Reurege­luna der Reparationen auf der Grundlage des Sachverständlgen-Gutachtens zu setzen. Bon der deutschnationalen Seite her warnt man die deutsche Regierung vor einem solchen Schritt, der Deutsch­land einseitige Verpflichtungen auferlegen könne. Wie wir au« Regierungskreifen erfahren, hat Mi­nister Dr. Strefemann keine Bedenken gegen die Anterzeichnung des Londoner Protokolls, wenn man deutscberfeits Gelegenheck haben wird, an der Abfassung des Protokolls in der Weise mitzuwir- ken, daß auch die Rechte Deutschlands aus dem Sachverständigen-Bericht darin feftgelegt werden.

Ein« London«» Steif« Dr. Schachts.

Qu. Berlin, 10. Juli. Reichsbankpräfident Tr. Schacht, der al» deutscher Sachverständiger voraussichtlich an den Verhandlungen der Lon­doner Konferenz teilnehmen dürste, wirb sich, wie wir hören, schon in den nächsten Tagen zu einem kurzen Aufenthalt nach London begeben. Dr. Schacht wird dort mit mehreren führenden Persön­lichkeiten der englischen und französischen Fin.-iuz» welt konferieren, um die mit den Ausländsan­leihen zusammenhängenden Probleme zu erörtern. Dckch der Auffassung Dr. Schachts würde die neue deutsche Goldnotenbank bereit« unmittelbar nach Jukrafttreten des Sachverständigenbericht« ihre Funktionen aufnehmen können.

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Die Metemusmchme ter MilM l-MM

Qu. Berlin, 10. Juli. Wie wir hören, wer­den die interalliierten Kontrollorgane ihre Tätigkeit ifl Deutschland in etwa 14 Tagen wieder aufnehmen. Die Reichsregierung wird Veranlassung nehmen, in einem Ausruf an die Bevölkerung den dringenden Appell zu rich­ten, der C Kontrolltätigkeit keinerlei demonstra­tiven Widerstand cntgegenzubringen. Deutschland erwarte, daß die Mililärkonttolle nunmehr ihren endgültigen Abschluß finde und habe daher ein dringendes Interesse daran, dah die abschließende Aeberwachung reibungslos vor sich gehe und feine Verzögerungen erleide.

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A» «Wimm ter SfoaivnüuM

Berlin. 9. Juli. Die gestern im Reichs- sinauzministerium stattgehabte Konferenz der Finanzminister der Länder dauerte drei Stunden. Bayern war durch seinen Berliner Gesandten Herrn v. Preger. vertteten. Haupt- gegenstand der Beratung war die Regelung der finanziellen Folgerungen, die sich 'm Zusammen- hcng mit der bevorstehenden Amgestaltung der Reichsbahn aus dem Staatsvertrag ergeben.

Zu der Konferenz wird ergänzend mitgeteill, daß die Frage der Abfindung der Eisen- bahnländer wegen der noch nicht gezahlten Restkarfsummc eingehend erörtert wurde. Die Be­sprechungen nehmen in der nächsten Woche ihren Fortgang, !

Berlin , 9. Juli. Die Vertreter der et»^ zelnen Länder werden zunächst mit ihren Regierung gen Fühlung nehmen und In der nächsten Woche, voraussichtlich am 15. Juli, soll eine neue Kon­ferenz in Berlin stattfinden, um die LesterU erörterten Fragen endgülttg zu klären. Rach free vorläufigen Abschluß der Beratungen im Reich«? finanzministerium begaben sich die Finanzminist^ zum Reichsverkehrsminister Oefet. Dieser gii nähere Aufschlüsse über die Gestaltung des Eisenbahngeschästs in einem Organisationskomtte^ Im Anschluß daran wurde im einzelnen erör, tert, tote die Durchführung des Gutachten« ml Rücksicht auf die Interessen der einzelnen 8änd? gestaltet werden soll.

Ar Mlnfhte BMwrrtemtr.

Berlin, 9. Juli. Don zuständiger Stell«' wird mitgeteilt, baß die polnische Rote, ist welcher über das Ausbleiben einer angeblich doch dcutfcher Seite bereits zugesagten Genugtuung wegen des angeblichen Attentats aus das Polnischs Dfzckonsulat in Allenstein Beschwerde geführt vir^ eir getroffen, ist. Die inzwischen beendete Unter« suchung hat jedoch nicht die geringsten Anhalts-- Punkte für das Vorliegen eines Attentats ergeben, vielmeht sprechen alle Feststellungen gegen ebl Attentat. Gemäß den diplomatischen Depflogrn-' heilen ist von deutscher Seite das Bedauern über diesen Vorfall zum Ausdruck gebracht worden unf di ' deutsche Regierung ist t uch bereit, dieser 'Dedaur ern durch den Regierungspräsidenten in Allensteit wirdcihclen zu lassen. Die Forderung nach einet Genugtung ist nicht begründet. In diesem Sian4. ist die polnische Rote durch den Außenministet beantwortet worden.

die toffion zelgim's terworfea.

Leipzig, 9. Juli. Im Revisionsprozeh des hübe*, re.: sächsischen Ministerpräsidenten Dr. Zeigner unk' Genossen wurde gestern nachmittag gegen 6 Uhr vom 4 Strafsenat des Reichsgerichts folgendes Urteil grfälltj Die Revision gegen das Urteil des Landgericht« Leipzig vom 29 März di Js. wird verworfe» Jedem Angeklagten weiden die Kosten feines Rechts­mittels auferteot. Die Kosten des Rechtsmittels 6ef Staatsanwaltschaft hat die sächsische Staarskasse < nagen. .

Leipzig. 9. Juli. In der Begründung dcr RevisionSverwerfung wird u. a. ausgeführtt Die erhobenen Verfahrungsrügen, die teil« vo< den Angeklagten, teils von der Staatsanwaltschaft eihoben werden, werden als unbegründet erachtet» Die Zusammensei;ung des Gerichts mit drei Mit­gliedern war zulässig. Auch das Verhütten im Falle des Zeugen Brandt kann nicht beaDand«^ werden. Ebensowenig sind die Rügen begründe^ die sich an die Fälle Schmvrler und Troppler aitf knüpfen. Was die Verjährung anbetrifft, so komm? hier die sächfifche Verfassung in Frage, wonach Zeigner während der ganzen Zeit der Wahlperl« cde als Abgeordneter zu betrachten war. Wege^ der Bestechung in Sachen der Begnadigungen txf bc; Senat zu der Entscheidung, daß ?« genüg«, daß Ler Angeklagte wußte, dah er sich durch d< Gewährung von Gnadengesuchen einen Vorteil txK schassen wolle. Der Angeklagte Zeigner Hit seh» wohl gewußt, daß durch die Vortelle, die Brandt gewährt wurden, eine für Brandt günstige Stel­lungnahme für die Begnadigungsangelegenhett her­besgeführt werden sollte. Auch die Revision de« Staatsanwalts ist aus den angeführten Gründe» zu mtrerfen. Die Strafen gegen Zeigner und Möbius treten somit in Kraft.

Str 9tei*SnrteW*r und ter MIMtentag.

Qn. Berlin, 10. Juli. D-e Hollnng des Reichs- atbeitsministers Dr. Brauns in der Frag« der Ratifizierung des Washingtoner Mkommens über bei Achtstundentag bei den Verhandlungen deS In tcrnal tonalen Arbeitsamtes in Gen? Hai nicht nur i sozialdemokratischen Kreisen, "sondern auch in Dewett schaftskreisen ter Demokraten und des Zentrums leb: haften Unwillen erregt. Die Frage wird noch Gegenstand von Verhandlungen im Reistage fein, t>« - die Sozialdemokraten beschlossen haben, die Ratifi­zierung des Washingtoner Abkommens zum Gegenstand eines Dolksenischeides zu machen, falls srch im Par- lament keine Mehrheit dafür finden sollte. Wan ist auch in Kreisen der Mit'elparteien vielfach der An», sicht, bah die schroff ablehnende Haltung des Reich«» arbeitsminttters nicht geeignet fei, das Verhältnis yi England und Frankreich und damit die außenpolitisch« l Lage zu verbessern. Die Freunde des Reichsarkeits-; Ministers im Zentrum bemühen sich gegenwärtig, eitiai Ausgleich herbeizuführen und Dr. VraunS zu einem Zurückweichen in dieser Frage zu bewegen. Escheintz jedoch fraglich, ob sich der Minister nicht bereits gt sehr festgelegt hat, um einen Ausweg finden zu können. Auf der anderen Seite findet die Haltung de« Mte, nisters auf der Konferenz in Gent di« nachdrücklichst« Billigung durch die deutsche Dollspariei und Deutschnationalen. Es ist anzunehn'.en. daß die Frag« des Washingtoner Abkommens von der SozialdcmvkrattP- alsbald nach der Eröffnung des SachverstänLiaen-Gute achtens im Reichstag zur Sprache gebracht Berben Wi