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war das Geschäft nicht einmal schlecht. Falls osr Kanal wirklich durch Ravenhvrfl geführt würde, konnte es sogar ein glücklicher Griff sein. Aber selbst wenn er Geld zulegen sollte — fort muhte der Ilefeld von Ravenhorst — fort!
Er warf den Kopf in den Nacken — „Treff. Solo!"
Das Spiel war Wahnsinn. Nie würde unter ankeren Amständen ein so vorsichtiger Spieler, wie Heesemann war, es angesagt haben. Aber »eine Aufregung muhte sich irgendwie entladen. And durch die unwahrscheinlichste Verteilung der Karten gewann er. Die wilde Tatkraft .die in ihm wie Fieber raste, zwang das Glück. Fortan blish er im Gewinn. Allgemach kam das verlorene Geld ihm wieder.
D i trai Botho von Seekamp an seinen Lisch.
,3b« Frau Gemahlin, Herr von Heesemrnn, befindet sich nicht gut und möchte gern heimsah. reu. Darf ich den Wagen für Sie testellen?"
„Sehr liebenswürdig von Ihnen, Herr von Seekamp. Danke!- Wenn Sie die Freundlichkeit hibeu wollen?"
Er spielte weiter, innerlich wütend. Immer zu ungelegener Zeit mußte die Frau ihn stören.
Warum hatte sie nicht fort verlangr, bevor er verlor? Warum gerade jetzt, da er im Begriff stcnd. die Scharte auszuwetzen?!
Nwch einer Weile meldet« der Diener: „Der Wagen für Herrn von Hecsemann ist vorgefahren!"
„Ja ja, Lanke. Der Kutscher soll warten!" Er sagte einen Grand an und dann noch einen und dann ein Null ouvert.
Mieder nach einer Weile trat Anna selbst ein, in Fahrmantel, Hut und Schleier, blaß, mit tiefen Modern um den Augen. Sie beugte sich über Heesemanns Stuhllehne.
„Kutscher Friedrich schickt herauf. Die Rap- ren stehen nicht, du weißt — und ich fühle mich sehr angegriffen."
*
32 6. Sitzung vom 4. Juli.
auf 11 Ahr vormittags festgesetzte Sitzungsverzögert sich bis 12* 1 */« Uhr. weil der Aelte» über den Protest der Kommunisten gegen Vie
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Er wurde ungeduldig. „Wenn man krank ist, soll man nicht unter Menschen gehen. Zehn Mi.
nuten muht du dich gedulden. Es gehört sich, daß ich den Herren hier erst Revanche gebe."
Leise waren Rede und Gegenrede gesprochen. An den nächsten Tischen hörte sie doch, wer auf« merkte. Ileseid legte die Karten hin. stand auf, und mit der impertinenten Sicherheit, die Heese« mc-nn reizte wie eia rotes Luch den Stier, sagte er, sich vor Anna verbeugend:
„Wenn gnädige Frau gestatten, werde ich mir die Ehre geben, Sie heimzufahren."
Scheu trat Anna zurück. „Linke, Herr von Ilefeld. Ich warte auf meinen Mann."
Auch Heesemann stand auf. Der Grimm gegen den Ravenhorster .der den ganzen Abend in ihm krchte, lieh sich nicht länger eindämmer.
,.Cs wäre wohl richtiger, Herr von Ilefeld, Ihren seh'- dankenswerten Diensteifer zu zügeln, bis ich Sie ersuche, sich meiner Frau anzunch» men!"
„Aus ein Ersuchen von Ihnen würde ich wahr, chcinlich nicht reagieren!" versetzte Ilefeld hochmütig. „2lber die Sitte der Gesellschaftsklasse, in der ich den Vorzug gehabt habe, aufzuwachsen, gebietet mir, für eine Dame immer dann einzu. treten, wenn mir dies nötig scheint!"
An den Tischen ringsum war es totenstill gewor- den. Die Karten ruhten. Aufgeregt lauschten alle dem Streit, der mit der Wucht und Plötzlichkeit einer Raturgewatt hereingebrochen war, viel zu chnell, als daß der gute Wille oder die Gewandt, heit eines Dritten ihn hätten aufhalten können.
Aber in der Sekunde, während di« vier Augen sich ansunkeln in einem Haß, der nicht in diesem Augen, blick geboren war und nicht in diesem Augenblick 'taten würde, kehrte Heesemann schon di« kühle Besinnung wieder, ?h seinem Vater und tbm den
fern Desperador, der auf der Welt nichts zu verlieren h ltte. als sein Leben, dem gar nichts Glücklicheres passieren konnte, als dies verfahren« Leben aus ritterliche Weife zu enden — Dazu war sein eigener Einsatz zu hoch. Wenn er dies« hochmütigen Junker dahin bringen konnte, daß « drüben überm Wasser mit gebogenem Rücken, M« Serviette überm Arm. aufwartete, oder Stiefel wichste — die Rache war wirksamer.
Er zwang sich zu einer Art Lachen. „Sie sind lustig. Herr von Ilefeld. Aber nach einem Jagte diner darf man die Worte nicht mit der Goldwage wägen. — Guten Abend, meine Herren!" And während er Botho von Seekamp zum Abschied di« Hand drückte, sagte er leise: „Nehmen Sie Ihren Freund ein wenig unter Ihre Obhut. Das scheint notwendig."
Polzin hielt Ilefefd zurück, der sich auf den Broker stürzen wollte, und Heesemann ging so schnell seiner Frau nach aus dem Zimmer, daß er die Dewi gang wohl kaum mehr ch. Eine ;clbe Minute später hörten die drinnen die Md« eines Wagens im Sand der Auffahrt knirschen.
Ilefeld nahm Botho Seekamp und Karl Thielen beiseite.
„Ich bitte Sie um einen Frsundschastsdienst, meine Herren. Sie werden morgen Herrn Ma- do« H les- t cnn auf Brake meine Forderung bringen. Das Nähere nachher."
Ganz leise, ganz ruhig, ft»gte ers, und dann trat er an den Tisch und nahm seine Karten wieder an*;.
„Bitte um Entschuldigung. Wer reizt?" .» (Forstetzung rolgt.)
Da hörte «, wie jemand Ilefeld mit feiner -ergiebigen Jagd neckte, und plötzlich wußte erS >ie in einem Hellsehen: mit Ilefeld war seine Sian zusammengetrofsen während jenes Treibens. Wtt Ilefeld, ter schon vor der Hochzeit fein Ri- teile gewesen war! Eine Wut stteg ihm zu Kopf, taß ex fast die Karten nicht mehr erkannte.
HO ater da würde er Ordnung schaffen! Das wüßtze mit dem Teufel zugehen, wenn man den fw nicht von seinem von Schulden aufgefressenen Wut und aus dem Lande hinauszwingen könntet Sobald nur morgen der Telefondien-st begann, ssurde er die einleitenden Schritte tun. Vielleicht
Haussuchung in ihren Frakttvnsräumen zu verhandeln hatte. Als Präsident Seinett seinen Platz etnmmmt, Wird er von den Kommunisten mit stürmischen Pfuirufen empfangen. Dor Eintritt in die Tagesordnung ; tzibt
Abg. Weher. Ostpreußen (S.) folgende Erklärung «6: Heute vormittag sind mit Genehmigung des Land- ttgspräsidenten Leinert die Räume unserer Fraktion polizeilich durchsucht worden. Die kommunisti sche Traktion beantragt die sosortige Beratung ihres Antrages und verlangt .daß das beschlagnahmte Material sofort vom Geschästsordnungsausschuß unter inzuziehung ton drei Vertretern der kommunistischen Fraktion fest- tzestellt und daß das für die Tätigkeit der Abgeordneten ßwentbehrliche Material zurückgegeben wird. (Abg Mühlberg (D..Rat.): Dynamit!) Ihre Haltung wird gekennzeichnet durch dies« freche Derleumdung, mit her sie die Verhandlungen beginnen. Wir wollen eine sosortige objektive Prüfung des beschlagnahmten, für keinen von uns belastenden Materials^ weil sonst die Gefahr besteht, daß die Spitzel des erHrn Severing noch Material hinzufügen, das ihnen in den Kram paßt.
Degen die soforttge Beratung deS kommunistischen Antrags wirb Widerspruch nicht erhoben.
Präsident Leinert erklärt, der Untersuchungsrichter deS Staatsgerichtshoses zum Schuhe der Re-
VerdachtSgründ« vorhanden gewesen seien, daß bas Parlament, dessen Immunität von Jedem heilig g«. halten werde, zur Freistatt für die Vorbereitung von schweren Verbrechen gemacht werden sollte. (Lärm bei den Kommunisten). Der Präsident würde auch dann im Rechte bleiben, wenn sich Herausstellen sollte, daß das beschlagnahmte Material den Verdacht nicht be- stätige. Im Aufträge aller anderen Parteien erklärte der Redner, die Annahme der kommunistischen Anträge sei ganz unmöglich. Der Antrag ,6er die Rückgabe des den Abgeordneten für ihre parlamentarische Tätigkeit unentbehrlichen Materials verlangt, könne aller. dingS dem Deschästsordnungsausschuß überwiesen werden.
Hierauf wirb unter großer Anruhe ein Antrag aus Schluß der Debatte gegen die Kommunisten und Anabhängigen angenommen.
Präfident ß e i n er t stellt fest, daß die Schränke der unabbängigen Abgeordneten Liebknecht und Rusch nicht durchsucht worden find.
Der kommunistische Antrag, der gegen die Durchsuchung vrotestiert, wird gegen die Antragsteller und die Unabbängigen abgelebnt. Der zweite kommunistische Antrag, der die Rückgabe des den Abgeordneten für ihre parlamentarische Tätigkeit unentbehrlichen Materials fordert, wird auf Antrag Seilmann (Toz.) dem Eeschäftsordnungsausschuß überwiesen.
. Abg- Dahlen (K.) verliest eine große Anfrage seiner Freunde, in der darüber Beschwerde geführr wtrd, daß preußische Polizisten den Franzosen im besetzten Gebiet Material gegen .Mdje Kommunisten gegeben haben, die unter der Besatzungsarmee Provaganda gegen die ftanzöfische Negierung getrieben hätten.
Präfident Leinert unterbricht wiederholt die Verlesung der noch nicht gedruckten großen Anftage. Er bindert dann den Abg. Dr. Meyer (K.), der die Dring- liäikeit der Anfrage begründen will, daran mit der Feststellung, daß nach der Geschäftsordnung die große An- frage beute garnicht zur Verhandlung kommen könne.
Das Saus tritt darauf in die ursprüngliche Tages- 'ordnung ein. Der Gesetzentwurf über die Einrichtung gemeinsamer Aerztekammeru für die Provinzen Oberschlefien und Riederschlefien sowie für die Provinzen Brandenburg und die Grenzmark, Posen, Westvreu- ßen und die Stadt Berlin wird debattelos in zweiter und dritter Beratung angenommen
. Dann beantwortet Minister des Innern Severing eine große Anftage der Sozialdemokraten und der bürgerlichen Parteien über die Rückkehr der beim Rnhrkampf aus dem besetzten Gebiet Ausgewiesenen mit folgender Erklärung: Die Regierung gibt ihrer Genugtuung Ausdruck, daß die neue ftanzöfische Regierung die Genehmigung zur Rückkehr der aus dem besetzten Gebiet Ausgewiesenen in größerem Umfang erteilt bat. Ich darf dabei wohl annebmen, daß auch die französische Regierung die Aufhebung der Auswei- sungsveriügungen nicht als einen Akt der Gnade be- tt'achftt, sondern als den ersten Schritt zur Wiederber- ltellung geordneter und gesetzlicher Zustände im desetz- ien Gebiet (Beifall). Anser herzlicher Gruß gilt den Zurmttehrendem Der Dank des Lander für ibre T enc darf sich nicht auf Worte beschränken, sondern Mich in praktischer Hilft bewiesen werden. Es muß alle» geschehen, um den Zurückkehrenden die Wiedereingliederung das Erwerbs- und Berufsleben zu ermöglichen, und ihnen den Wohnraum für ihre und ihrer Familie Unterbringung zu verschaffen. Maßnahmen find bereits dazu getroffen. Es kann damit gerechnet werden, daß für die wohnliche Unterbringung zur Vollendung der
MeuM« Landtag.
Die Freitagssttzung de» preußischen Landtag» begann überraschenderweise — zunächst garnicht, dann »6er mit einer Sensation: Einspruch der Kommunisten gegen volizeiliche Haussuchungen Im Reichstag und Landtag, die in der Morgenfrühe vorgenommen waren und sich auf die Kommu- mstenzimmer beschränkt hatten. Die heiligsten Rechte, die es für manche Leute gibt, nämlich die Jmmunitäts- rechte der Volksvertreter find angetaftet worden. Wir nehmen es auch ernst mit diesen Rechten, doch ist dasur die selbstverständliche Voraussetzung, daß die Inhaber der Rechte nicht selber fie gröblich mißbrauchen, nicht kchindluder mit ihnen tteiben. Man stelle sich vor, was geschehen würde, wenn es in Sowietrußland ein sreigewäbltes Parlament gäbe und wenn die bolschewistischen Machthaber dabinterkämen. daß dort Material mtb Waffen zu ihrem Sturz angesammelt würden. Ob le sich einen Augenblick besinnen würden, zuzugreifen? Wcherliche Frage? Also lassen wir das heuchlerische (5e= schrei der Kommunisten auf sich beruhen. Pikant war es aber, daß im Landtag ein sozialdemokratischer Präsident die Erlaubnis zur Haussuchung gegeben hatte, was n vor dem Hause höchst einleuchtend begründete, und taß ein sozialdemokratischer Innenminister ihm als Sekundant beisvrang. Ob die Waffenfunde erheblich waren und ob der Verdacht des Untersuchungsrichters gegen mehrere Abgeordnete als Mitwifier von Politiken Morden oder Mordvlänen begründet ist, da» wird sich Herausstellen. Aber schon bet dringende Verdacht muß selbstverständlich genügen, um die Schranken der Immunität »u sprengen. Nein, ihr Herren Kommunisten: Mörderzentralen wollen wir aus unseren Parlamenten nicht machen lassen!
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Schiller. Die praktische Hausfrau aber sagt:
Sorbe sperrt den Farbe». Darum benutzt ff« wer diese.
_______________Sorbe pr Haas, mit Heitman»'» isarl-e«.
seinerzeit stillgelegten Besatzungsbauten die Reichrve» mögensverwaltung Mittel bereitstellt, durch di« fit etwa 2000 Familien Wohnräumen geschaffen werde« tonnen. Außerdem werden di« Zuriümbrrndrn bei b«i Zuweisung von Wohnungen bevorzugt werden. Di« preußisch« Staatsregi«rung hat das Auswärtig« Amt ersucht, b«i den Besatzungsmächten dahin vorstellla « werden, daß die beschlagnahmten Wobnräume in weitestem Umfang fteioeaehen werden. 6» würde zweck, mäßig sein, wenn "bte Ausgewiesenen nicht überstürzt zurückkehrten, sondern erst dann, wenn ihnen Wohnung und Beschäftigung gesichert find. Zur Wiederherstellung geordneter Zustände ist die Annahme bte Sachverständigengutachtens notwendig, für dessen Durchführung bte preußische Regierung sich einsetzen wird. (Beifall.)
Ein kommunistischer Antrag auf Besprechung d«lk Interpellation wird nicht ausreichend unterstützt. Dan« wird die zweite Beratung des Bergetat» erledigt.
Präsident Leinert schlägt nunmehr vor. die Weiter, beratung auf Montag den 14. Juli zu vertagen.
Abg. Dr. Meyer-Ostvreußen (K.) beantragt, di« Verbot« der kommunistischen Prefie auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. Der Antrag wird abgelebnt und e» bleibt beim Vorschlag des Prä- stdenten.
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Ist Kriegsschuld.
Wer deutscherseits selbständig und mit offenem Blick die Politik des Deutschen Reiches seit dem deutsch-französischen Kriege verfolgt hat, der weiß heute, daß das Wort von der deutschen Schuld am Kriege nut eitel Lüge ist,aufgebracht von unseren Feinden, um dadurch ihre eigene Schuld vor sich selbst und der Welt zu verbergen mnd um uns mit dem Scheine des Recht» um lo grausamer bedrücken und drangsalieren zu können. Weil da» heute jeder Deutsche wifien muß, weil da« insbesondere auch die verantwortlichen Personen in unseren Reichsregierungen der Nachkriegszeit wifien mußten und gewußt haben — ist doch das Bekennt«» der deutschen Kriegsschuld von uns nur unter Protest unterschrieben worden — war es die besondere Pflicht jeder deutschen Regierung, die Frage der Schuld am Kriege offen vor aller Welt unter gleichzeitiger Ver- öifentiichung der in unseren Händen befindlichen unt die Feinde stark belastenden Dokumente aufzurollen Das haben aber leider diese deutschen Regierungen gan( uuverantwortlicherweise nicht getan.
Run waren am vergangenen Sonntage im ganze» Reich öffentliche Kundgebungen gegen die Lüge von der deutschen Kriegsschuld. Auch in unserem Marburg hat eine solche ^Kundgebung stattgefunden.
Anser deutsches Volk scheint also allmählich zu begreifen, welch unheilvolle, ja geradezu vernichtende Be- teuinng das Bekenntnis der deutschen Schuld hat. Ist doch dies Bekenntnis die Grundlage für alle die ungeheuerlichen Bedingungen undLasten gewesen, die man uns vom Vertrage zu Versailles au bis zu diesem Tage auierlegt hat, istes doch auch jetzt wieder die Erund- lase d..'unerhörten Frechheit, welche die Bedingungen des sogen. Sachverstündigengutachtens darzustellen.
Was roaj, bei solcher Sachlage natürlicher, als daß in der Entschließung unserer hiefigen Kundgebun». wie wohl sonst allerorten — die Reichsregierung äufne« fordert wird, endlich die erforderlichen Maßnahmen zur Aufklärung in der Kriegsschulvfrage zu ergreifen. Leider aber war diese Entschließung viel zu langatmig, viel zu matt und viel zu verschwommen. Das deutsche Volk kann, ja es muß heute in dieser Frage von der Reichsregierung fordern, und zwar so energisch for«
Alleinvertretung und Ertalzieillager: •; *
J. C. Osiheim, Maschinenfabrik, Marbr
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Kriminalroman von Luis« Westkirch.
8. Fortsetzung.
Widerwillig tat Heesemann mit. Er fand cs dumm fein Gelb zu verlieren. Die Eifersucht wühile ihm im Mitt. Er wagte dennoch nicht, sich . MSzufchlietzen. Mit Neid sah er auf Ilefeld. Nie hn Leben würde es ihm gelingen, sich die Geltung tzu verschaffen, die dem in Schulden erstickenden ' Rave-horster als selbstverständlich gezollt wurde. ? Sie auch würde er dessen leichte, fast impertinente ' .Sicherheit erreichen. Wie er sich au chmühte, mit Nnfcrnicrenter Bestimmtheit aufzutreten, immer “itjlte er heimlich die Ansicherheit des Eindring- '-gs. der er blieb — trotz ter vornehmen Fran. : Vielleicht war diese Frau sogar bei größt» Re» 6<rffhler seines Lebens. Schonungslos ließ sie ihm sein Empvrlömmlingtum fühlen, verschloß sich eigensinnig seinen Versuchen, sie nach seinem Geschmack zu modeln. Die Hoffnung auf einen Sohn vnd eiten hatte sie ihm auch vernichtet. — Wenn |Äe ihn betröge! — Wo war sie gewesen während des Treibens nach dem Frühstück?" — Es verbes» Jette seine Stimmung nicht, daß er anhaltend bet»
publik habe bei ihm die Zustimmung zu der Durch» fuchung schriftlich nachgesucht. Gr, Leinert, habe nach Rücksprache mit dem Deichstagspräsidenten die Zustimmung erteilt, weil ihm mitgeteilt worden fei, «s sei in den Fraktionsräumen Geheimmaterial der Zentrale und der deutschen Tscheka der K. P. D„ toaS wichtig sei für das Verfahren wegen Hochverrats, zweier vollendeter und mehrerer versuchter Morde (Rufe der Kommunisten: Gemeiner Schwindel! Verleumdung I) Präsident Leinert schlicht unter lebhaften Pfuirufen der Kommunisten. Die Immunität ist immer »u wahren, wenn nicht bas Wohl der Gesamtheit dadurch verletzt wird. Weil ichMörderabernicht decken will, darum habe ich die Zustimmung erteilt.
Dbg. Metz er begründet den Antrag seiner Fraktion. Der Redner "ersucht schließlich um Annahme des kommunistischen Antrags.
Minister des Innern Severing (von den Kommunisten mit dem Rufe „Angeklagter" empfangen) erklärt, er wolle heute kein Material Vorbringen, sondern behalte sich den passenden Zeitprmkt dafür vor. (Ru eines Kommunisten: Trage nur die Rase nicht zu höchst Wenn Dr. Meyer bte Schutz» und Kriminalbeamten als Achtgroschenjungen bezeichnet hat, so mutz ich angesichts der ausgezeichneten Haltung, die die Polizei in den letzten Monaten eingenommen hat, diese Deschim- pfung pflichtgetreuer Beamten mit allem Rachdruck zurückweisen. (Lärm bei den Kommunisten). Auf die vom Untersuchungsrichter angeordneten Maßnahmen habe ich nicht den geringsten Einfluß. Wenn den kommunistischen Parteimitgliedern, die noch einen Funken Verantwortungsgefühl haben. Mitteilungen zuge- gangen find, bann ist es notwendig, baS Material zu beschlagnahmen, aus dem sich vielleicht ergibt, daß nicht nur der Mord an einzelnen Staatsbürgern, sonderG am ganzen Saate geplant ist. (Lärm bei den Kommunisten). Wir sind stolz .daß die Polizei solche Pläne verhindert, die der Arbeiterschaft den größten Schaden zusügen. (Lärm bei den Kommunisten). Die kommunistische Partei arbeitet ht den letzten Monaten mit dem Mittel der Lüge. (Lärm bei den Kommunisten). Sie propagiert täglich den Bürgerkrieg und doch haben die Kommunisten nie den Mut, sich zu denen zu bekennen, die wegen Vorbereitung des Bürgerkrieges verhaftet werden. (Abg. Dr. Meyer: Wir haben den Mut, uns gegen den Bürgerkrieg von rechts zu wehren! Gelächter bei der Mehrheit). Das Treiben der Kommunisten schädigt am meisten die Arbeiterschaft. (Abg. Pieck (K.): Die Arbeiterschaft wird Ihnen das Genick umdrehen! Präsident Leinert: Herr Abg. Pieck, das ist eine unerhörte Aufiorberung zur Gewalttätigkeit. Wenn sie wiederholt wird, muh entschieden werden, ob Jemand, der so eftvas sagt, noch in dieses Haus gehört. Gelächter bei den Kon"-""-ttt-n) Minister Severing schließt unter Pfuirufen der Kommunisten und dem Beifall der Mehrheit, die Arbeiterschaft wende sich immer mehr von dem kommunistischen Treiben ab.
Abg. Dr. v. Campe (D.Vpt.) bezeichnet die Rede des Abg. Dr. Meyer wegen ihrer merkwürdig fausten Tonart als einen recht schwachen Aufguß von dem, was eigentlich in diesem Moment erwartet werden müßte. Präsident Leinert habe die Zustimmung zur Durchsuchung mit vollem Recht erteilt, da ausreichende