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Pariser Stimmen.
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Verantwortlich f. b. Schristleitung: Hanni (Sieotg 8 i i t Für den Artlichen und brnhins Teil: Nilsiefw Wiener.
geltend zu machen.
Bellnhausen, beff 26. Mai 1924.
Bekannt»»
Der über die Grundstücke Ä »15/181, 314/181, 313/181, 121, 121 Gemarkung Bellnhausen führende o. zogen werden. — — "** "
Linwenduagen hiergegen s,„tz gemäß § 57 bee Zu- ständigkeitsgesehes binnen >. Wachen, bei Meldung des 9lw** -sirs. Sei d« unterzeichneten WegevolizeibehSrde
man in gewissen Blättern habe lesen können. Die deutsche Regierung spreche nicht die drei Reserven aus. die man ihr zugeschrieben habe. Der wichtigste Punkt der deutschen Antwort, die neue Tatsache, die alle Freunde des Friedens mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen würden, bestehe darin, daß die deutsche Regierung sich bereit erkläre, sich der von den Alliierten gewünschten Inspektion zu unterziehen. Wenn man die Besserung bestreite, die letzt eintrete, bringe man es nur dabin, daß der Schwung, der die Völker aller Länder zur Zusammenarbeit im Interesse des Friedens führe, gebrochen werd«. Man erreicht damit, daß Frankreich in einer Art von Mißtrauen, das für die übrigen Nationen unverständlich fei, sich isoliere Dieses System führe nur zu den größten Unvorsichtigkeiten, zu bet Politik bet großen Panik. Frankreich (ebne das ab. Mit seinem gewohnheitsmäßigen gesunden Menschenverstand verlange es, daß man ibm die Genugtuung nicht bestreite, die vollzogenen Fortschritte und die Gelegenheit zu neuen Fortschritten sestzu- stellen.
heute nicht mehr begründet erscheint. Sie glaubt, dah die deutsche Abrüstung, sobald sie anerkannter Weise zu einer bestimmten Zeit durchgesührt wat, für die interalliierte Militärkontrvllkommission auch endgültig erscheinen muh. Wenn sie daraus jetzt gleichwohl nicht die praktischen Folgerungen zieht, so ist für sie hierbei die inzwischen eingetretene Veränderung der gesamten politischen Lag« bestimmend. Darüber hinaus, glaubt die deutsche Regierung wahrnehmen zu können, dah die gegenwärtige Lage durch das Bestreben gekennzeichnet ist, an die Stelle einer Politik, die deutscherseits als Gewaltpolitik bekämpft werden mutz, eine Politik der Verständigung zu setzen. 3n dem Vertrauen darauf, datz diese Auffassung von den alliierten Regierungen geteilt wird und unter Feststellung der ausdrücklichen Erklärung der alliierten Regierungen, dah es sich bei der gefährdeten Generalinspektion um den Abschluß der interalliierten Militärkontrolle und um den Aeber- gang zu dem im Artikel 213 des Vertrages vorgesehenen Verfahren handeln soll, ist die deutsche Regierung bereit, di e Generalinfpektion anzunehmen. Sie ist sich bewußt ,dah dem deutschen Volke eine außerordentliche seelische Belastung zumutet. Sie setzt deshalb voraus, dah über die Modalitäten der Durchführung der Generalinfpektion zwischen den alliierten Regierungen und der deutschen Regierung eine Verständigung gefunden wirb, die es ermöglicht ,die Kontrolle in einer Weise durchzuführen .die bereits von dem Geiste erfüllt ist, der die Beziehungen der Völker in Zukunft regeln soll, dem Geiste der Achtung und des vertrauensvollen Zusammenwir> len6, ohne die eine wirkliche Delriedigung dieser Beziehungen undenkbar ist.
Die deutsche Regierung darf ferner der Erwartung Ausdruck geben, datz die interalliierte Militärkontroll- kommifsion die Generalinfpektion mit allen Mitteln beschleunigt. Die deutsche Regierung bittet, als Schlußtermin für die Generalinspektion den 30. September zu bestimmen.
Berlin 30 Juni. Die deutsche Antwort «ufdieMilitärkontrollnoteber Botschafter- hat im wesentlichen folgenden Inhalt:
Herr Präsident!
Die deutsche Regierung hat volle» Derständ- »t8 für den Wunsch, die internationale Lage nicht ge- tobc in dem Augenblick zu belasten, wo die Aussicht auf ehte schnelle Durchführung des Sachverständigen-Gut- «djten» die Hoffnung aufkommen läßt, daß eine endgültige Regelung der Reparationsfrage und damit zugleich die Grundlage eines allgemeinen und wirklichen Friedens zwischen den beteiligten Bollern gefunden werden kann. Sie will daher ihre Stellungnahme zu der gftage der Militärkontrolle in dem gleichen Geiste her Offenheit darlegen, von denen das Schreiben an hen Herrn Reichskanzler vom 24. Juni getragen war.
Es ist eine irrige Auffassung, wenn in den alliierten Ländern geglaubt wird, daß in Europa neue bewaffnete Konflikte zu befürchten seien von der Zunahme aktiver deutscher Organisationen, die mehr oder weniger offen militärische Vorbereitungen treffen. Die deutsche Regierung kann und will nicht in Abrede stellen, datz sich in Deutschland zahlreiche Organisationen befinden, die sich die körperliche Ertüchtigung der deutschen Jugend zur Aufgabe setzen. Die sportlichen und turnerischen Vereinigungen der deutschen Jugend irgendwie in Verbindung zu bringen mit militärischen Vorbereitungen Deutschlands ist nicht berechtigt. Das deutsche Volk lehnt den Krieg ab und untfcr allen politischen Faktoren besteht Einigkeit darüber, daß eine 6« 4 mliche Waffenrüstung als ebenso unsinnig wie nutzlos und gefährlich abzulehnen ist Demzufolge hat die Reichsregierung sich auch ernstlich bemüht, die Entwaffnung gewisser politischer Verbände Ne mit den Turn- und Sportvereinen nicht zu verwechseln sind, rücksichtslos durchzuführen, sodaß von einer ernsthaften Bewaffnung dieser Verbände nicht wehr die Rede fein kann. Es liegt der deutschen Regierung fern. Wunden der Vergangenheit aufzureihen. Aber sie muß darauf Hinweisen, dah die ganz« Bewe- Mmg niemals eine solche Ausdehnung und niemals «inen solchen Charakter erhalten hätte, wenn man Deutschland gegenüber von vornherein eine Politik • er Verständigung getrieben hätte und ihm gleichberechtigte Mitarbeit zu gestanden hätte. Das beuffdje Volk hat- die Empfindung, dah man ihm gegenüber jede Rücksicht auf feine wirtschaftlichen Fähigkeiten, •er allem aber jede Rücksicht auf sein berechtigtes Selbstgefühl hat vermissen lasten. In einem Lande, das mit demselben Stolz in feiner Geschichte dasteht wie «der« Länder, konnte dies nicht ohne Rückwirkung •leiben.
Im übrigen glaubt die deutsch« Regierung di« Tatsache feststellen zu können, datz eS keinen ernsthaften Militär in der Well gibt .der di« Meinung haben Bunte, dah Deutschland, selbst wenn es wollte, irgendwie imstande wäre, in Europa bewaffnete Konflikte her- »orzurufen. Deutschlands technische Mittel, di« materiell« Stärk« seiner Armee find geringer als diejenigen auch der kleineren Staaten. Deutschland Hai feit dem Frieden beispielsweise kein« Kanonen hergestellt. Es besetzt gegenwärtig nicht einmal dasje
nige Quantum an Munition, daS ihm im Bert rag von D erf ailleS zustebi. ES rst überhaupt in einen Zustand der OBaffenloftg» leit versetzt, der ohne gleichen in der Geschichte der Otter dasteht.
Die öffentliche Meinung in Deutsch- le»b lehnt sich gegen eine erneute Kontrolle seitens der interalliierten Wilitärkontrollkom- Mission deshalb auf, weil diese Kontrolle ihm ständig Pas Eingreifen in die Reichssouveränität vor Augen Mrt .was an sich schon etwas ganz Verletzendes Hai, Zmd was ihm über dies im Vertrag von Versailles
*
Di« Wiederaufnahme der Militärkontrolle.
Qu. Berlin, 1. Juli. Die alliierten Regierungen haben das Reichskabinetk Vilsen lassen, daß die Aufnahme der Generalkon- trolle in kürzester Frist erfolgen werde. Mitte Juli werde der neuernannte Vorsitzende der interalliierten Generalinspektion in Berlin eintreffen, um feine Lotigkeit aufzunehmen. Er werde die entsprechenden Instruktionen erhalten, um mit der deutschen Regierung die Einzelheiten über die Form der Kontrolle zu verhandeln. WaS die Dauer der Kontrolltätigkeit betrifft, so wurde von alliierter Seite darauf hingewiesen, daß ein end- gültiger Termin noch vereinbart werden müsse. ES dürfte aber zutreffen, daß zunächst drei Monate in Aussicht genommen sind. In der Hauptsache werde es sich darum handel», daß btc Kontrolle ohne Verzögerung und ohne Reibungen vor sich gehe, da davon die Dauer tm wesentlichen abhängig sein werde.
Die WegevulireibebSrbc Löwe.
Bürgermeister
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Berlin, 30. Juni. Durch bie Bekbanblmme». im Reichstage über bie Anträge bet Deuffchnationalen; auf Aufhebung bezw Revision der 3. Sfeuernatrei» ordnung ist bie Erörterung über bas Aufwertung», vroblem roieber in Fluß gekommen. Trotzdem her An», trag an eine Sonberkommisfion verwiesen worden ist ober vielleicht auch gerade deswegen erhielt sich da» Interesse für Kriegsanleihe. Die sprunghaften Kurssteigerungen waren in bet Hauptsache allerdings aul größere Zwangsbeckungen zurückniführen, weil seitens einiger Firmen noch ausgedehnte Lieferungsvetpfiich- tungen bestehen sollen. Am Geld- und Devisenmarkt bat sich nichts von Bedeutung geändert.
Hafer, indländisch 15,50—16,00, Weizenmehl, südtzh Spezial 0 27,50-28,50, Roggenmehl 22,75—23,5^.
Weizen- und Roggenkleie 8,25—8,75.
Frankfurter Setr-idemarkt
Getreide, Hülsenft ächte und Biertreber ohne Sack, Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit Sack je 100 Kilogr. Die Preise verstehen sich für alsbaldige Lieferung in Rentenmark, frachtfrei Frankfurt.
Weizen, Wetterau 16,25—16,75, Roggen 15,25 bis 15,75, Sommergerste für Brauzwecke 16,50—17,00,
Die deutsche Antwort auf die MilitSrkvntrvllnote
Ar centtaliniethien «MattlvS angtneinmtn.
Bst Bekanntwetben des Textes bet Rote verlautete gerüchtweise, daß die deutsche Reichsregierung die Militärkontrolle mit Vorbehalten annefime. Aber keine Vorbehalten find gemacht, sondern bedingungslos ist bie Militärkontrolle angenommen Die Kreise, die bei „Kreuzzeitung" und der „Deutschen Tageszeitung" nahesteben, haben bk geforderte Eeneralinsoektion stets als untragbar bezeichnet und ihre unbedingte Ablehnung verlangt. Trotz der Warnung der Deutsch- nationalen ist man einen neuen schmachvollen Weg bet Unterwerfung gegangen. Deutschland hat zu einer vertragswidrigen Wiederaufnahme der amtlichen Militärspionage seine Zustimmung gegeben.
Di« „Zeit" glaubt, daß dieser Schritt hatte getan werden müssen, um bie Babu für eine friedliche Entwicklung freizumachen. In ähnlichem Sinne äußern sich auch das „Berliner Tageblatt, die „Dossische Zeitung" und der „Vorwärts". Letzterer schreibt: Die Annahme der Kontrollnoten ist vorbehaltlos erfolgt, und das ist insofern zu b e - grüßen, als damit bie nationalistischen Gegner der Regierung Herriots um eine Hoffnung ärmer gewor-
beziialich bet r
Der Herr Rcichsarbe' Lehrlinge von den Bei
sorge zu befreien sind, tt* stens von einjähriger Da lauf des Lehrvertrages *
Anträge auf Beitrag bcitsamt, Markt 10, zu ». sind dort zu haben Arbeitsar» (öffentlicher Ardeitsnachw«».
Dr. Pi«s>
AmMeBeWMsK;8M tes LllMMMK- Mkimg.
Gn Kleinbanbess-<Laden-)Pie!s für 1 Liter ’JT-’jj in Höbe von 26 Pfg. kann gut Zeit al» angemesieu bezeichnet werden.
Marburg, den 26. Juni 1924. (2
Der komm. Landrat: Dr. Piesbergc
SochMliwAkichlm.
X In Erlangen starb der emerit o Professor der englischen Philologie an der dortigen Universität Geh Hofrat Dr Hermann Bornhagen im Alter von 74 Jahren, gebürtig aus Arolsen. — Das durch den Rücktritt des Gek. Rates von Hertwig erledigte Ordinariat für Zoologie und vergleichende Anatomie an der Universität München wurde dem ord. Professor Dr. Alfred Kühn in Göttingen angeboten. — Wie wir erfahren, ist zum Nachfolger von Prof. Fleiner auf den Lehrstuhl der inneren Medizin sowie in der Leitung der medizinischen Poliklinik in Heidelberg bet planmäßige a. o. Professor und Leiter der medizinischen Poliklinik in ffiLeiteji Dr. meb- Wilhelm Skevv ausersehen.
X Kiel. Der 2. Prosektor am Kieler anatomischen Institut Dr. meb Rudolf Spanner (aus Metternich bei Koblenz) bat sich auf Grund der Habilitationsschrift: „Der Pfortaderkreislauf in der Vogelniere" für das Fach der Anatomie an der Universität Kiel habilitiert.
X Gewährung vou Krediten fit bie studentischen Telbsthilfeeinrichtungen. Im Reichstag wurde folgender Antrag von D. Dr. Schreiber. Dr. Moldenbauer, Koch (Weser) und Eenosi.it eingevracht: Der Reichstag wolle beschließen: die Reichsregierung zu ersuchen, bie besonders schwere Notlage des größeren Teiles der deutschen Studenten erneut und beschleunigt nackzuprüfen und die Gewährung von Krediten und nachhaltigen Unterstützungen an die wirtschaftlichen Selbstbilteeinrichtungen zu ermöglichen. ____________
Diejenigen Herren Bürgermeister, wtf Skr’ügung vom 14. Juni 1924 — K. A„ betreuend Abführung der anteilig» 4 Hx träge an die Kreiskommunalkasse haben, werden hierdurch mit S 7
Marburg, den 27. Juni 1924 Der Vorsitzende
Dr. P
Paris, 30 Juni. Von den Abendblättern urteilt nur der „Temp s" aufgrund des authenischen Wortlauts über bie deutsche Antwortnote in der Frage ber Militärkontrolle. Alle übrigen Abendblätter sind noch von der falschen Darstellung des „E ch 0 d e Paris" mit angeblichen Reserven der dentschen Regierung beeinflußt. Auch die Havasagentur bat heute vormittag erklärt, Deutschland verlange, daß die Operationen der Kontrollkommission erst in einem Monat wieder ausgenommen würden, und daß bie Kommission den Anfang mit der Inspektion ber Fabriken mache Unter deutlicher Ablehnung der Blätter, auf die er eingangs angesvielt hat, schreibt der „Temvs": Die deutsche Antwort bestätige nicht die Voraussagen, die
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59. Mkg. 1924
Frankfurter Echkachtviehmarkt vom 30 Juni.
Preise für 1 Zentner: Rinder: 42—50, 35—41, 28 bis 34, 33—38, 28-32 . 42—50. 36—43. 32-40, 30-35^ 23—30, 10—20 Kälber: 54-60, 46—53, 40-4X Schwein«: 48—50, 40—48, 47—50, 47—50, 47-50, 3» bis 42. Marktverlauf: Bei langsamem Handel nahest avsverkaust. — Fleischgroßhandelspreise: Ochsenfleisch 75, Bullenfleisch 55—60, Kuhfleisch 40-60, Kalbfleisch
(Nachdruck verboten.)
, Ser Teöstinö.
! Kriminalroman von Luise Westkirch.
M 8l Fortsetzung
Mühsam faßte st chdie andere, stammelte, vüh- lrend unter rinnenden Tränen ihr Gesicht wie zu | einer MaSke erstarrte:
.Eine Unart meiner Nerven. Verzeih mir ’ Erste. Ich bin noch nicht gesund..."
Bauer Martens hatte eine Fahne aus der Dach- ^blcke gehängt und Hvfpfvrte und Haustür mit Tannenzweigen bekränzt. In seiner großen Stube stand die Tasel mit Hvhvrftschem Leinenzeig und Geschirr gedeckt. Frau Martens und ein junges Mädchen halfen dem Diener die Erbssuppe mit den heißen Würstchen Herumreichen.
Neben Botho von Seekamp saß sein Schulkamerad Karl von Tiele». Auf der Schulbank hatte Dvthv die dummen Streiche gemacht und Karl- chen die guten Zensuren «ingeheimst. Im Leben »achte Botho auch dumme Streiche, aber Karl- scheu machte dümmere. Sie hatten ihn aus der Keutnantsuniform auf ein Schiffsdeck gebracht, vom Schiff als Goldsucher nach Kalifornien von Kalifornien als Farmer und Straußenzüchter nach Afrika, bis eine neue Umdrehung seines Glücksrades ihn zurückwarf auf das väterliche Gut, wo er, Eltern und Geschwistern ein nur halb willkommener .Gast, darauf wartete, was weiter aus ihm werden würde.
( An Bothos anderer Seite sah Polizeileutnant von Olten, ehemaliger schleswigscher Husar und Kamerad von Jlefeld. Schwänke hatten die beiden miteinander ausgeführt, die ewig fortleben in Her Aek erliefet uug des Regiments, aber Olten hatte Wicht wie Jlefeld einen alten Herr«, der die Schul
den für ihn bezahlte. So hieß es für ihn bald dem Reiterleben Balet sagen. Er nahm in seinen neuen Berus als gute Gabe einen angebornen und durch Erfahrung geübten Instinkt mit hinüber für die Bewertung von Säulen, Hindernissen und Menschen und die herzliche Freude an jeglicher Art von Jagd. Darnach kam Jlefeld mit seinem hochmütigen Herrengesicht, Wangen und Nacken rot gegerbt von Sonne und Wind, die Stirn leuchtend in grellem Weiß
Am oberen Ende des Tifches saß der alle Herr von Seekamp. Er hatte Heesemann an seiner Seite behalten, weil er wußte, dah sich in diesem Ktcise manche geheime Feindschaft gegen ihn barg. An seiner anderen Seite saß ein aller Herr mit kupfrigem Gesicht und einer Nase, die in der Herbstluft blau angelaufen war. Helle Leine Augen sahen traurig über die Nase weg. Bis vor sechs Jahren hatte Detlef von Krastel auf seinem eigenen Gütchen gesessen, ein Junggeselle voller Schrullen. der einen guten Trunk liebte, Neuerungen haßte, seine Bücher liederlich führte, Briefe un- erf ffret manchmal wochenlang auf seinem Schreibtisch liegen ließ. Eines Tages war ihm das Gut über den Kopf weg zwangsweise versteigert wurden. Ein Hamburger Kaufmann hatte es erworben, aber schon im nächsten Jahr an Heesemann verkauft. an dessen Ländereien es stieß. Krastel begriff von der ganzen Sache nur das eine, daß es nicht mit rechten Dingen zugegangen fein könne. Seitdem verwandte er die vierundzwanzig Feierstunden seines Tages darauf, den schlechten Menschen zu suchen, der ihn heimtückisch um das Seine gebracht hatte. Die Unterhaltung war von den Jogdereignissen des Morgens rasch auf den Gegenstand übergesprungen, der augenblicklich alle Sern v ter im Lande aufregte: den neuen Kanal. Jeder erhofft etwas von diesem Kanal, die einen be
quemen, billigen Transport für Holz und Kohlen, andere raschere Absatzmöglichkeiten für ihre landwirtschaftlichen Produkte. Für einige, wie für Jlefelde, bedeutete er geradezu die Rettung. Noch hallt: die Regierung die Linie nicht festgelegt. Man wartete auf die Bekanntmachung wie auf die Ziehungsliste einer Lotterie.
Heef ernenn redete gewichtigte Worte.
„Er übt seinen Sprechmechanismus für den Reichstag," höhnte Karlchen Tiefen leise.
„Nach meinen Informationen, meine Herren — ich war kürzlich in Berlin und ich habe ziemlich zuverlässige Verbindung im Ministerium des Inner» —"
„Ten Hausknecht hat er bestochen," kommentierte Tielen.
„Nach meinen Informationen muß ich befürchten, daß die von der Regierung gewählte Trrre im Londe manche Enttäuschung Hervorrufen wird. In Anbetracht der reichlich hohen Forderungen einiger Interessenten soll sich der Fiskus für eine Amgehungslinie entschieden haben, die trotz ihrer größeren Länge sich wohlfeiler stellt. Der Vorgang ist sehr bedauerlich."
Dabei sah er schräg zu Jlefeld hinüber. Der lös feste unbewegt seine Erbssuppe.
„Durch Ravenhorst geht der Kanal doch, verlassen Sie sich darauf."
Hecsemann verneigte sich. „Ich wünsche es Ihnen von Herzen, Herr von Jlefeld. Leider muß ich wiederholen: die Aussichten sind gering."
„Gott, ist der Kerl eklig!" murrte Tielen. Er sprach zu Botho. „Hast du übrigens unsre Begrüßung vorhin gesehen? Erfreuliches Wiedersehen, Herr von Tielen. Die Well ist klein. Dabei machte er den Arm schon krumm, wie 'nen Pinguinen flügel. Aber ich sah seine Pfote nicht."
„Worum haben Sie eigentlich solch 'ne Wut
au» ihn?" fragte Olten und klemmte sein Monokel ins Auge. Ist ja nicht gerade mein Geschmack, aber doch ein ganz anständiger Mensch, der fein Eigentum gut verwaltet, auch für'n .Kreis was tut. für die Armen usw.
„Ich hab' ihn in Afrika kennen gelernt", antwortete Tielen, „taufend Meilen vom nächsten Schutzmann, wo der Mensch in Natura zwffck^7, Elefanten und Diggern herumläuft. Im Leben werke ich nicht mehr für einen gutsagen, bis ich ihn dort gesehen habe."
.Was hat er denn verbrochen?"
„Ich will mir’« Maul nicht verbrennen." wehrte Tielen melancholisch. „Ich bin Karlchen Tielen, den keiner für voll nimmt, der das Gold nicht findet .das er sucht, und dem die Straußenvögel sein Kapital auffressen, aber keine Eier legen- und meine Zeugin liegt sechs Schuh unter her Erde, und war 'ne schwarze Haut. Nur ein Niggerweib, wissen Sie. nicht so viel wert wie ’ne holsteinische Kuh. Aber" — ein grünlicher Schimmer le fick cuf das vom Fieber gebleichte Gesick- au» den Tropen Heimgekehrten — „wen' Vieh dort mal an die Kehle kann, nu Rechnung glatt, ich Karlchen Stelen!"
„Pratsch doch nicht", sagte Bath».
„Du schießt ja nicht einmal die Has« Schritt vor dir Männchen mache«»"
-Auf Hasen schieß ich r>"' tödlich treffe, t 'st nen weinen wie p«n Tintenfisch <r
' „Schluß!" * den Tisch.
In tief«*
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Weile & kirck» tu