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Rr. 151 (2. AM

Marburg o. 8,, MMas, den 30. Zum

59. Sahro. 1924

Bier EnltüMungm.

Die Linksparteien der französischen Kammer, teren überraschender Wahlsieg am 11. Mai große und begreifliche Hoffnungen erregt hatte, sehen sich, kaum zur Macht gelangt, beireitS großen Schwierigkeiten gegenübergestellt, die ber- muten lassen, daß der pcl't.sche Umwandlung s- prozeß, den die Wahlen anzekündigt hatten, nicht so leicht und rasch vonstatten gehen werde, als man ursprünglich annehmen zu dürfen glaubte. Gewiß ist die Mehrheit der Linken in der neuen Kammer, so lange die bürgerlichen Radikal-Sozia­listen. die bürgerlichen republikanisch-Svzialisten und die Sozialisten zusammengehen, stattlich, und das Reformpiogramm, welches das Kabinett H e r- rlvt ankündigte, kann in der Kammer ohne große Schwierigkeiten durchgesetzt werden. Mer die große Frage erhebt sich, ob es möglich sein wird, den Linksblock in seiner gegenwärtigen Gestalt lang zusammenzuhalten, und ob nicht sofort nach den Sommerferien eine neue Partetgruppie- rung geschaffen werden wird, die eine bürgerliche Konzentration darstellen würde. Daß der Links­block mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen habe, bewiesen die Ereignisse, wie sie sich seit dem 13. Juni vollzogen, in auffallender Weise. Es war gerade noch möglich, die Parteien der Linken ter Kammer und des Senates zusammenzuhalten, tie Vertreibung des früheren Präsidenten Mil­le r o n d aus dem Clhsee zu ermöglichen. Kaum war aber diese Tat verrichtet, als die Linke des Senates sich bereits sichtbar von der Linken der Kammer entfernte. Dies kam bei der Präsiden­tenwahl deutlich zum Ausdruck, indem der Kandi­dat derrepublikanischen Disziplin", Pain- Ietr£, gegenüber dem Kandidaten de« Senates, Drumergue, in der Minderheit blieb. Es war die erste Enttäuschung, welche der Links­block der Kammer erlebte. Er mußte zwar gute Miene zum bösen Spiel machen, konnte aber nicht verbergen, daß ihm der Einzug DvumergueS ins Uftzfee Mißbehagen bereitete.

Die zweite Enttäuschung erfolgte, als man die Zusammensetzung des Kabinetts Herriot kennenlernte. Diese erfuhr innerhalb 24 Stunden entscheidende Abänderungen. Die Persönlichkeiten, die in das Kabinett eingezogen wären, wenn Painlevö zum Präsidenten der Republik gewählt worden wäre, hätten sicherlich weiter links ge­standen, als einzelne Mitarbeiter, die Herriot in fein Ministerium aufnahm. Er konnte es z. V. nicht wagen, dem Senator de Mvnzie das Finanz­ministerium zu übertragen, weil Mvnzie zu den Senatoren der Linken gehört, welche am heftigsten gegen die Wahl DvumergueS zum Präsidenten der Republik Opposition gemacht hatten. Eine Zusam­menarbeit zwischen beiden Männern wäre schwer möglich gewesen. Andererseits mußte Herriot die Senatoren, Renvult und Clement«! in sein Kabinett aufnchmen, obwohl beide mit Ckemen- eeau in engster Verbindung gestanden, mit dem­selben Elemenceau, den die Linke der Kammer als ihren entschiedensten Gegner betrachtet. Mer Her­riot sagte sich daß die leise Schattierung, die er seinem Kabinette gebe, dieses dem Senate erträg» licheri erscheinen lassen könnte. Die Präsidenten- Wahl, bei welcher der Linksblock unterlegen war, führt», übrigen« auch bald zu einer dritten Ent­täuschung, die selbst die ergebendsten Freunde der neuen Kammermchrheit nicht verbergen konnten. And diese Enttäuschung mußte in dem Degie- rungsprogramm gesehen werden, das Herriot vor den Kammern entwickelte. Er suchte sich sichtlich

(Nachdruck verboten.)

Srr TMind.

Kriminalroman von Luise Westkirch.

2. Fortsetzung

Botho von Seekamp sah ihn nach, wie sie lang­sam die Treppe hinausstieg.Eine Prachtfrau, die Anna Ramin," sagte er leise zu seinem Schwager, der neben ihm stand.Ganz großer Stil. Nur ein einziges Mal ist fie aus ihrer Natur herausgefallen damals, als sie Frau Heesemann wurde."

Der Mann hatte eine hübsche Vergoldung, und Brake ist keine üble Klitsche", antwortete Polzin kühl. Er hatte nichts übrig für Frauen, die vor der Hochzeit wie alte Buchhalter rechneten und nach der Hochzeit sich auf ethische und ästhetische Forderungen besannen. Und er sprang gleich auf einen anderen Gegenstand über.Gestern habe ich den Jlefeld ge­troffen. Der Gehrock steht ihm noch ein bißchen fremdartig. Kateridee übrigens, die Uniform aus­zuziehen, uin die Bewirtschaftung von Ravenhorst erst noch zu übernehmen, wo doch der alte Herr und er selbst um die Wette dafür gesorgt haben, daß er das Gut kein Jahr mehr halten kann."

Wer weiß! Jlefeld erzählt aller Welt, daß der neue Kanal durch Ravenhorst gehen wird. Ge­schieht das, ist er noch mal fein heraus."

Wenn der Erdball in Stücke fliegt, hofft Wolf Jlefeld, daß er im Mond auf ein Daunenbett fliegt. Da ist er!"

Auf einem eleganten Selbstfahrer bog der Na- venhorster um die Scheunenecke. Der Diener lief, um ihm das Pferd zu halten. Er lief schneller als für die übrigen Herrschaften. Das war Wolf Jle- sekd von Kindesbeinen an gewöhnt, daß er bester bedient wurde als andere. Vielleicht kam das, weil er von einer besonders langen Reihe von Ahnen her, die alle Herrenleute gewesen waren, das Be­fehlenkönnen sicherer im Blute trug als andere, Vielleicht auch, weil seine stahlblauen Augen zuver-

Mäßigung aufzuerlegen, und nur in den Fragen, von denen er wußte, daß die Mehrheit der Kom- mer und die Mehrheit des Senates einig gehen könnten, führte er eine entscheidende Sprache z. V. in der Frage der Auflassung der Botschaft beim Vatikan), während er bezüglich der Amneftie, be­züglich des gewerkschaftlichen Dereinigungsrechtes der Beamten, vor allem aber bezüglich seiner Ruhr- vnd Reparationspvlittk weitaus zurückhaltendere Eiklärungen abgab, als er sie wohl kaum gemacht hätte, wenn Painlevö nicht gegenüber Doumergue unterlegen wäre.

Die vierte, und vielleicht die schwerste Ent­täuschung erlebte aber der Linksblock an dem Tage im Senate, wo der Kandidat der Rechten, de Selbes, gegenüber dem Kandidaten der Linken. Bienvenu-Martin, bei der Präsid.ne wrhl unterlog. Das Stimmenverhältnis ist ungemein bezeichnend. Auf de Selbes entfielen 151 Stimmen, auf Bienvenu-Martin bloß 134. Man muß be­rücksichtigen. daß die demokrattsche Linke des Se­nates für sich allein 164 Mitglieder zählt, sodaß also wenigstens 30 entweder gegen den Kandidaten der Linken stimmten oder sich der Stimme ent» hielten, de Selbes, der im Kabinett Poineare Innenminister war, ist seit 1909 als entschiedener Gegner der Linken bekannt. Er war es, der als Außenminister im Kabinett Caillaux dessen Ma­rokko-Abmachungen mit Deutschland Hintertrieb, de Selles ist ein Poincarö unbedingt ergebener Freund und in Senatskreisen hob man nachdrück­lich hervor, daß die Wahl de Selbes' zum Präsi­denten des Senates ein entscheidender Sieg Poin» cares sei. Wenn nicht der Senat für den Kan­didat der Rechten entschied, wolfte er damit dem Kabinett Herriot einen deutlichen Wink geben, daß sich dieses nicht allzuweit nach links vorwagen möge. Der ftanzösische Senat galt immer als ein Element der Mäßigung, das weitgehenden Re­formen niemals zugetan war. Man muß aus ter heutigen Wahl de Selbes den Schluß ziehen, daß der Senat ein überstürztes Reformpro­gramm HerrivtS keinesfalls zulassen würde, und daß bei der ersten Gelegenheit- da« bereits jetzt mühsam zusammengehattene Kartell zwischen den Radikolsoziolisten und den Sozialisten in der Kam­mer auseinanderfallen wird, weil Herriot, Infolge des Widerstande» im Senat, nicht imstande sein wird, Reformen burchzusetzen, an denen den So­zialisten gelegen sein muß. Dem Senat behagte das Zusammengehen mit den Radikalsvzialisten niemals. Es würde eine Bereinigung der bürgsr- litfyen Linksparteien der Kammer, sodxit sie sich jetzt bei der Mehrheft und in der Opposition be­finden, dem gegenwärtigen Zustand der Dinge vor­ziehen. >

GS ist keine erfreuliche Bilanz, die das Ra- binett Herriot bisher aufzuweisen hat. Die vier Enttäuschungen, die es brachte, lassen seine Zu­kunft nicht durchaus in rosigem Licht erscheinen.

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Ausweriungsfragru im Reichstag.

14. SitzungvomSamStagden28. 2uni.

Am Regierungstisch: Reichsfinrmzminister Dr. Luther. Minister für die besetzten Gebiete Dr. Höfle.

Präsident Wallraf eröffnet die Sitzung um 10.30 Ähr. 8m Antrag der Nationalsozialisten verlangte daß die Privatklageverfahren der Bankiers Dr Karl Mel­chior und Mar Warburg in Hamburg gegen den na- nationalistischen Wgeordneten Th. Fritsch für die Dauer der Sitzungsperiode aufgehoben werden sollen. Der Geschäftso^pnungsausschub hat demgemäß be- schieden.

sichtlicher und fröhlicher in die Welt sahen als der meisten Menschen Augen, weil sein Lachen freier klang als der meisten Menschen Lachen, weil mans seiner ganzen kraftvollen und lebensfrohen Erschei. nung ansah, daß er allen Lebendigen Gutes gönnte sich selbst nicht am wenigsten.

Botho von Seekamp trat zu dem Aussteigenden.

Neuer Gaul, was? Famos in Form."

Nee doch! Kennst du die Liese nicht mehr? Die mocht ich nicht weggeben."

Mit allem andern bist du durch. Ich habe die Abschiedsbewilligung im Kreisblatt gelesen. Ge­fällt dirs denn nun auf deiner Scholle?"

JleMd wurde rot und schüttelte den Kopf. Mein alter Herr fehlt." Das Wasser schoß ihm in die Augen bei dem Gedanken an seinen vor vier Monaten gestorbenen Vater. Beschämt über die weiche Regung fuhr er hastig fort:Herr Gott, war das sonst fidel, wenn ich auf Urlaub heimkam! Jetzt ists wie im Grab."

Auf dem Lande muß man verheiratet sein", stellte der junge Seekamp fest.

Jlefeld machte eine abwehrende Handbewegung.

Da dachte Botho an eine Geschichte, und daß sein Vater wirklich bester getan hätte, Heesemanns zu Haus zu lasten, wenn Jlefeld kam. Freilich, wenn Wolf, der drei Jahre lang Kommandos in Schlesien gehabt hatte, nun dauernd im Lande blieb, so war ein Zusammentreffen doch nicht zu vermeiden.

Der Jäger trat zu Herrn von Seekamp und mel­dete, daß die Treiber auf ihrem Posten seien und daß die Jagd beginnen könne. Mitten im Gewühl der eilig herandrängenden Nachzügler erfolgte der Aufbruch.

In Frau von Seekamps Zimmer waren die Da­men vom Fenster zurückgetreten, um Anna zu be­grüßen. Ganz besonders herzlich begrüßten sie sie. Alle dachten an das tote Bübchen. Gertrud von Polzin, die zwei blühende Kinder zu Haus hatte,; kehrte sich das Herz um beim Anblick der verwaisten Mutter. Pastor Noßmüller wollte gerade begiu-

Wg. Brodaus (Dem.) beantragt Zurückverweisung des Antrages an den Ausschuß. Es muß Auszählung erfolgen. Die Rückverweisung wird mit 128 Stimmen der Mittelparteien und der Sozialdemokraten gegen 124 Stimmen beschlossen. Einstimmig beschlosten wird die Einstellung des Verfahrens gegen die kommunisti­schen Abgeordneten Buchmann, Florin und Schlecht wegen Teilnahme an einer Konferenz der in Bayern verbotenen kommunistischen Parteb

Aus der Tagesordnung steht die Interpellation K o - rell (Demck über die Notlage der AuSgewie- senen und der aus den besetzten Gebieten Ver- triebenen. Verbunden damit wird ein Antrag des Zentrums auf Einsetzung eine« Sonderausschusses zur Lleberwachung der Fürsorge sür die auS dem be­setzten Gebiet Vertriebenen, ferner ein sozialdemo­kratischer Antrag auf Einsetzung eines parlamen­tarischen Untersuchungsausschusses zur Nachprüfung der Richtlinien für die Betreuung der auS dem besetzten Ge­biet Ausgewiesenen.

Abg. K v r e l l (Dem.) schildert die drückenden wirt­schaftlichen und sozialen Folgen des RuhrkampfeS. Der Redner fordert Beihilfe für die Ausgewiesenen, die ge­genwärtig viel zu gering sind. Besonders kinderreiche Familien mühten unterstützt werden. Der Ersatz für Güter ging zu langsam vor sich. Die Reichsbahn ver­weigere den Gemeinden des besetzten Gebietes in Hessen die Zahlung der Gemeindegrundsteuer, weil sie den Be­trieb nicht ausführe. Die Städte mit großen Besatz­ungen und Behörden geraten infolge der weitgehenden Beschlagnahme von Schulen mit der Durchführung des Unterrichtes in große Schwierigkeiten. DaS Reich weigere sich Schulbaracken Herstellen zu lassen. Vom Land« Hessen feien jetzt 48 Prozent beseht, trohdein erhalte eS keine Entschädigung für die zahlreichen Beschlagnahmungen von öffentlichen Gebäuden.

Der Redner betont die nationale Treue der Rhein­länder, die immer deutsch bleiben würden.

Abg. Esser (Z.) erinnert an Zusagen der Re­gierung, denen die Erfüllung oft gefehlt habe. Bedau­erlich sei die bürokratische Verschleppung bei den Ent­schädigungen.

Abg. Dr. v. Drhander (dntl.) nennt Rhein und Ruhr den Zentralpunkt unserer Politik, das Schicksal deS deutschen Volkes. Die Regierung müsse sich immer vor Augen halten, daß daS besetzte Gebiet eine beson­dere Behandlung erfordere. Für die Rückkehr der Aus­gewiesenen muh von den Wohltättgkeitsvrganisationen und dem Reiche gemeinsam gesorgt werden. In der Tätigkeit des Roten Kreuzes ist das Zusammenwirken staatlicher und charitiver Fürsorge besonders vorbildlich. Der Redner daickt allen Ständen des besetzten Gebietes, besonders auch der Arbeiterschaft sür ihr treues Aus­harren. Diese Volksgemeinschaft soll sich auf das ganze deutsche Volk ausdehnen. (Beifall.)

Abg. Sollmann (Soz.) spricht der französischen Demokratie Dank aus, für ihre Kulturtat der Ermög- ltchung der Rückkehr des Ausgewiesenen. Die Rück« kehrenden müßten Wohnungen. Möbeln und eine Eft­stenz erhalten. Am schlimmsten seien die Eisenbahner behandelt worden. Die Annahme des Sachverständigen­gutachtens bedeutet noch keinen Ffteden. Rur ein Waffenstillstand. Man müsse daher nm Rhein mißtrau­isch und wachsam bleiben.

Hierauf ergreift Minister für die besetzten Gebiete Dr. Höfle daS Wort.

Der Minister gibt zu ,dah Ausnahmezustände auch Ausnahmeverhandlung erfordern. Er dankt besonders dem Roten Kreuz für feine Detreuungsarbeit. Er teilt dann weiter mit, bah General Drgoutte ver­fügt habe, daß die auS dem besetzten Gebiet Ausge­wiesenen .deren Zahl 142 000 beträgt, zurückkehren können mit 75 namentlich aufgesührten meist höheren Verwaltungsbeamtem Der Minister betont die Schufte» ftgkeiten, die sich einer ausreichenden Hilfeleistung des Rekches für-die Bevölkerung des besetzten Gebietes ent­gegenstellen. 8r geht daun auf die einzelnen Maß­nahmen der der Regierung ein und gibt der Erwartung Ausdruck, dah nach dem Abbau der Regie und Besatz­ung die Schäden schneller und wirffamer alS bisher ausgeglichen werden könnten. Die Einsetzung emes Sonderausschusses sei zu begrüßen. Von ihm sei ein awi ui neu, als die energische Grete Seekamp ihm das Wort abschnitt.

Ich fahre nachher raus, Anna, und sehe zu, daß die Herren ihr Frühstück richtig kriegen. Beim Bauer Martens in Kolben soll's gegessen werden. Kommst du mit?

Warum nicht!" antwortete Frau von Heese­mann langsam.

Sie hatte der alten Dame die Hand geküßt. Nun saß sie ihr gegenüber auf einem niedrigen Sessel, sprach jetzt hastig und lebhaft, mit glühenden Wan­gen, mit glanzenden Augen, dann wieder ver­stummte sie jäh, während der Glanz von ihren Augen und die Farbe von ihren Wangen blich.

Die tateniustige Grete beschloß, einmal gerade­heraus mit ihr zu reden, wenn sie sie allein hätte.

Um 10 Uhr fuhr das zweisitzige Korbwägelchen für die Damen vor. Ein großer Bauernwagen, be­laden mit kräftigen Gerichten, die beim Bauer Martens gewärmt werden sollten, war unter Ob­hut des Dieners vorausgeschickt worden. Die Luft stand naß und still. Nebelschwaden hingen zwi­schen den gelben Wipfeln der hohen Buchen. Trie­fend vor Feuchtigkeit leuchteten die roten Brom­beerblätter an den Knicken. Ein schwermütiger Oktobertag. Kein Vogelruf mehr in den Zweigen, nur das ferne Knallen der Flintenschüsse. Grete führte den Zügel.

Ich bin schon einmal auf einer Jagd mit dir zusammengewesen, Anna", begann sie,weißt du noch? Vor dreieinhalb Jahren, als ich auf See­bergen zu Besuch war und zuerst merkte, daß Botho Seekamp mich haben wollte, weil er grün anlief vor Liebe. Damals hab' ich gemeint, solchen wie uns beiden könne gar kein Ding in der Welt über den Kopf wachsen."

Seitdem haben wir uns verheiratet", ant­wortete Anna. Wenn mein Botho auch erst grün wurde vor Liebe, er kam bald auf seine natürliche Eouleur zurück und die ist nicht immer lieblich. Räsonieren kann er und krakeelen, besonders, wenn er was im Kopfe hat."

gedeihliches Zusammenarbeiten mit der Regierung -mW besten des besetzten Gebietes zu erhoffen. IDeifall.)

Abg. Dr. Kalle (D. Dpt.) bankt den Rheinländer« für ihr treues AuSharren. DaS Rheinland müsse vor neuen Lanttionen geschützt werden. Einem besetzte« Gebiet dürfe nicht nur mit Worten .sondern müsse mit der Tat geholfen werden .

Abg. v. Ramin (Nat.-8oz.) betrachtet eS als eint Schande, daß Deutschland sich die unerhörte Gefangenen­mißhandlung im besetzten Gebiet immer wieder gefalle« lasse. Die Opposition der deutschen Regierung inbezug auf die Regierungserklärung Herriot sei unbegreiflich.

Abg. Dr. BaherSdörfer (Bahr. Vpt.) beklagt die bürokratische Einstellung der Behörden zu den Lei­den de« besetzten Gebiete-. Der neugebildete Sonder­ausschuß werde hoffentlich Wandel schaffen.

Damit schließt die Aussprache. Sämtliche An- träge werden einem neu zu bildenden Ausschuß für die besetzten Gebiete überwiesen. Sn dritter Le­sung angenommen werden die Wirtschafts­verträge mit Litauen und Ssthland.

Auf der Tagesordnung stehen dann neun Anträge oller Parteien, die Aufwertungsfrage be­treffend.

Abg. Sergt (dn.) fordert die Aufhebung der 3. Steuernotverordnung. Es sei unge- recht, daß die Gläubiger, namentlich die Hyvottzeken- gläubiger anscheinend die ganzen Lasten des Krieges tragen sollen. An der 3. Steuernotverordnung sei die Negierung gescheitert und habe den Reichstag aufgelöst. Aber die Gegner dieser Verordnung seien gestärkt in ben Reichstag zurückgekehrt. Eine Aenderung, die dringend notwendig fei. werbe umso schwerer, je län­ger mit der Aufwertung gewartet werde. Die Theorie des Sa^>erftänbigengutachtens, in welchem sich die Sachverständigen darauf berufen, dah die innere Schuld Deutschlands fortgefallen sei und damit die bähe ihrer Forderungen begründen, sei flasch. Notwendig sei die Bildung eines besonderen Ausschusses zur Vorbereitung dieses Gesetzes Eine Einigung müsse aus einet mitt­leren Linie gefunden werden. Diesen Weg steht der Redner in dem Herausschälen eines groben Kreises be­vorzugter Forderungen, die stärker oufgewertet werde» sollen. Zu den Vorzugsgläubigern mühte man natür­lich alle Hvvotbeken rechnen, für welche Mündelficher- chftt zwangsweise oorgeschrieben war. Einzelheiten mühten im Ausschuh sestgelegt werden. Zum Zweck« der Vereinigung erscheine eine Diskontbank emp­fehlenswert, bei öffentliche Gelder zur Verfügung ge­stellt werden mühte. Für uns, so schließt der Redner, ist die Aufwertungsfrage eine conditio sine qua non.

Abg. Dr. Gertz (Soz.) begründet den sozialvemo- kratischen Antrag, wonach die 88 26 bis 32 der 3. Stcuernotverordnung über die Mietsteuer aufge­hoben werden. Nach dem Antrag soll die Mietsteuer durch eine Wobrnrngsabgabe ersetzt werden. Der Red­ner fordert Beseitigung der Umsatzsteuer und Herabsetzung der Lohnsteuer.

Abg Dürftig (Dt- Volksv.) hebt hervor, daß die Auiwertungsbewegung keine Folge bet interessierten Propaganda sei, sondern eine Folge der Steuerpolitik der letzten Jahre, die ein.'S Rechtsstaates unwürdig sei. Der Redner fordert die Bildung eines besonderen Ausschusses, der das Problem möglichst rasch lösen soll.

Abg. D e r n b u r g (Dem.) verweist aus die große Rot der Anteihebesitzer. Die Gemeinden dürfe man nicht von bet Auswertungsfrist befreien. Die Staats­renten mühten in nicht allzu langer Zeit aufgewertet werben.

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Abg. Emminger (Baar. Bolksv.) vermißt bet den onbeten Parteien jede wirkliche Initiative in der

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Mein Mann bleibt immer nüchtern", versichert« Anna. /

Ein bißchen liegt's auch in den Verhältnissen", entschuldigte Grete.Papa hält uns wirklich reich» lich knapp und meinem guten Botho rinnt das"GeT durch die Finger wie Sand." ;

Mein Mann kann's gut festhalten."

Dann ist er natürlich schlechter Laune und weiß selbst nicht was er will."

Das weiß Heesemann immer."

Und dann das Spiel! Einmal sind wir in Kiel im Gasthof. Ich geh zu Bett. Botho will noch ein Glas Bier trinken, sagt er. Als er wieder zu mit heraufkommt, hat er viertausend Mark verjeut. Ich hab' ihn ins Gesicht gehauen vor Wut. Da hat er sich natürlich denn auch vergessen."

Mein Mann vergißt sich nie."

«Nun hab ich's ja gelernt, ihn zu nehmen. Und willst du's glauben? eigentlich hab ich da» Scheusal furchtbar gern.

Diesmal erfolgte keine Antwort. Frau Anna sah mit starren Augen auf den vorübereilende« Knick.

»Ja, fuhr Grete fort,wenn dein Mann all diese kleinen Fehler garnicht hat

Mein Mann hat keine kleinen Fehler."

Warum läßt du denn seit Jahr und Tag den Kopf hängen? Seit Jahr und Tag, nicht erst feit dem Tod deines Bübchens. Reiß' dich doch zusam­men, in Gottes Namen! Ich meine, wenn man einen Menschen einmal so recht von Herzen lieb ge­habt hat

Sie brach ab. von dem Pferd erschrocken auf die Frau an ihrer Seite sehend. Die hatte die Hände vors Gesicht und schluchzte ohne Maß und Scheu, wie nur die Verzweiflung schluchzt. Grete Seekamp war zumute wie einer, die ein Mäuschen zu scheu­chen glaubt, und der unversehens eine Giftschlange entgegenfaucht.

Anna liebe Anna? Um Gottes willen, wa» ist's mit dir?"

Eortjetzung folgtZ