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SS.Mkg.lW

Marburg a. L MM den 24. Zuni

SttUW

Anzeiger für Ibas früher WfW Oberüeffen-Amtliches Berkünbisungsblattbes Kreises Oar-F^

Der Lag von Chegners.

«nberuft. Eine seltsame Wendung der politischen Ent-

Ml SjuSS« Ä K-nf-rem. die ^wahrscheinlich in Paris

tDidlung! 2cach einer zweiiLhcigen Periode oer-erutar- st«l -Gewaltpolittt wieder ein Dormarsch zur Verständig

8ufamment$eten',M>eibe, (Mac Donald habe zu Hei­

schen Großbritannien und Frankreich über diese erzielt werde, anpassen.

näheren Voraussetzungen zur wirtschaftlichen Räu­mung des Ruhrgebietes abzielen. Gleichzeitig wer­den die Arbeitsmodalitäten der einzelnen Körper­schaften, die über die Ausführung des Sachverstän­digenplanes wachen sollen, bestimmt werden. Eine besonders ausführliche Darstellung der in Chequers gepflogenen Aussprache gibt der Londoner Sonder­berichterstatter desMatin", Sauerwein. Mac Donald und Herriot haben ihm ^zufolge sich über die aus Berlin angelangten Berichte unterhalten. Diese Berichte lauteten optimistisch. Die diplo­matischen Vertreter Frankreichs in Berlin hätten erklärt, daß an einen Widerstand der Nationalisten nicht zu denken sei und daß die Gesetzesvorlage im Reichstage zur Ausführung des Sachverständigen­planes nicht scheitern werde. Die Frage sei die, welche Umwandlung die von Frankreich in Besitz gehaltenen Pfänder im Rahmen des Sachverstän- digenplanes erfahren werden. Die wirtschaftliche Ausbeutung des Ruhrgebiets werde nach Einsetzung der vorgesehenen Körperschaften eingestellt werden. Um aber auf die militärische Besetzung zu verzich­ten, fordert Herriot im Einverständnis mit General Rollet gewisse Garantien. Diese Garantien müßten in der Möglichkeit bestehen, für den Fall deutscher Verfehlungen gegen die Reparationen oder auch im Falle einer freundschaftlichen Haltung des Reiches Truppne an den Rhein schaffen zu können. Die Möglichkeit erfordere die absolute Kon­trolle über einige strategische Eisenbahnlinien. Sauerwein bestätigt, daß das Sicherungs­problem auf der interalliierten Konferenz am 16. Juli nicht zur Sprache gebracht werden würde. An der Konferenz würden selbstverständlich auch Italien und Belgien teilnehmen und, falls sie dazu bereit sind, die Vereinigten Staa­ten. Was die Deutschen anbetreffe, so würden sie logischerweise zur Unterzeichnung des Pro­tokolls, das sich auf sofortige Ausführung des Sachverständigenprogramms bezieht, eingeladen werden. Das Sicherungsproblem würde auf einer

Paris, 23. Juni. Der »Newhvrk Herald" mel­det. daß die Vereinigten Staaten zu der inter­alliierten Konferenz am 16. Juli offiziell einge- laben werden würden. Die Konferenz habe den Zweck, ein definitives Verfahren zur Anwendung Les Sachverständigenberichtes ausfindig zu machen. In Washington werde mitgeteilt werden, daß die fran­zösische und die britische Regierung sehr erfreut sein würden, wenn der General Dawes persön'ich der Konferenz beiwohnen würde. Der Entschluß, Amerika zu der Konferenz einzuladen, wurde von Mac Donald und Herriot selbst gefaßt. Eine offizielle Einladung werde jedoch erst nach den diplomatischen Erkundigun­gen in Washington erfolgen.

Amerika ist zufrieden.

Washington, 23. Juni. In amtlichen Kreism wird zu der Verständigung zwischen Mac Donald und Herriot erklärt, daß,die amerikanische Regierung mit lebhafter Zustimmung jeden Schritt begrüße, der das Ziel verfolgt, die Ausführung des Dawesbcrichtes zu beschleunigen.

ten fester vereint als je finden würden. Mac Donald scheine jedoch über dies« allgemeine Zusage nicht hin- ausgehen zu wollen. Auch Herriot scheine nicht um die Seftkgimg militärischer Sanktionen, wie sie im Zu­sammenhang mit dem Dawesplan von Pvinca»^ gefor­dert wurden, ersucht zu haben; desgleichen nicht um Poincares genaue Dedingungen für eine eingehende Militärkonvention unter dem geplanten Garantie­pakt. Andererseits sprach Mac Donald über die Rot­wendigkeit der Sicherheit für Frankreich und über­raschte die fraradfifch» Abordnung angenehm, indem er keinerlei vitale oder wichtige Opfer von ihr verlangte Wie man von einem der Freunde und Anhänger Her- riots höre, fchlaae dieser eine Politik vor, die der von Poincarä verteidigten fast diametral entgegengesetzt fei. Während Poincar^ wie Millerand sich widerwillig bereit erklärt hätten, allmählich die wirtschaftliche De- feiumg aufzugeben, aber die militärische Desetzung des Ruhrgebietes er Smit den letzten deutschen Zahlun­gen beenden wollten, kümmere sich Herriot überhaupt nicht um die militärische Desetzung des RuhraebieteS. die seiner Meinung nach an dem Tage zu Ende gehen könne, an dem der Dawesplan in Wirksamkeit trete . Herriot sei der Ansicht., daß die Reparationen durch finanzielle und wirtschaftliche Mittel, die durch Garantien derselben Art gestützt wer­den erzielt werden sollten; nicht durch militärische Garantien. Die militärischen Garantien paßten besser aus die Sicherheitsfrage, als auf die Entschädigungs- kracie. Die militärische Besetzung des Ruhrgebietes sei nicht zum Zwecke der Sicherung unternommen worden, und sie sei auch nicht wesentlich dafür. Daher könne die militärische Räumung des Ruhrgebietes in den ch- sten öMonaten stattfinden, vorausgesetzt. daß der Dawesplan in Wirksamkeit und Frankreich die -sotwen- d'gen Garantien erhalte. In belgischen Kreisen sei viel­leicht von einer allmählicheren und ausgedehnteren Räumungsperiode gesprochen worden, aber Belgien

würde sicher,seine Ansicht jeder Vereinbarung, die zwi- ~ ----- - - Frage

Berlin. 23. Juni. Wie die Telegraphen- Anion von unterrichteter Seite erfährt, ist die Nach­richt eines Montag-Mvrgenblattcs, daß sich die heutige Kabinettsitzung mit der Becmt- wrrtung der Militär kvntrvlle befassen würde, unutrc'fcnb. Die Besprechungen über die Militärkontroiinvte sind in den einzelnen Restarts noch nicht beendet, sodaß das Kabinett noch vor Ende der Woche die Antwort absenden wird.

Berlin, 23. Juni. Aeber die deutsche Ant­wort auf die Militärkvntrollnote findet heute eine zweite Ressortbesprechung statt. Deren Ergebnis wird einem in den nächsten Tagen ab­zuhaltenden Kabinettsrat vorgelegt, der sich bann über die Antwort schlüssig zu machen haben wird.

not gesagt, er wünsche lebhaft, ihm seinen Besuch zu erwidern), zur^vpräche lammen, Jndesiendurft ten die Besprechungen hinsichtlich der Aufhe­bung der miltärischen Ruhrbesetzung bis zum 16. Juli fortgesetzt und zu einem Resultat gebracht werden. Worin dasselbe bestehen wird, läßt sich nicht erkennen. Sauerwein erinnert an seinen Ausspruch, wonach Großbritannien für den Fall deutscher Verfehlungen wie seinerzeit während des Krieges an die Seite seiner Verbündeten treten werde. Diese Zusicherung habe einen unbedingten Wert und könne als eine Art militärischer Abmachung zwischen den beiden Ländern gel­ten. Wenn die Ratgeber der franzsischen Regie­rung jedoch verlangen, daß Frankreich die Mittel zur Ergreifung wirksamer Sanktionen in der Hand behalte, so bedeute das keineswegs einen Beweis von Mißtrauen. Sauerwein deutet an, daß die interalliierte Rheinlandkommission in Koblenz kaum in der Lage sei, angemesiene Garantien als Ersatz für die Aufhebung der militärischen Besetzung des Ruhrgebiets zu bieten. Die etwas verlegene Aus­drucksweise Sauerweins läßt den Schluß zu, daß hinsichtlich der für die Zurücknahme der militäri­schen Besetzung der Ruhr zwischen Mac Donald und Herriot eine Meinungsverschiedenheit besteht. Der Londoner Vertreter desNew York Herald" bestätigt diesen Verdacht auch vollauf. Er schreibt: Die beiden Premierminister sind ein und derselben Meinung in allen Punkten mit Aus­nahme des Punktes, welcher Weg für die Räumung des Ruhrgebietes eingeschlagen werden soll. Her­riot gibt zwar zu, daß die Ruhr sowohl militärisch wie auch wirtschaftlich geräumt werden müsse, be­steht aber auf der Aufrechterhaltung der militäri­schen Kontrolle der Alliierten über die drei Eisen­bahnlinien des Ruhr- und Rheingebietes. Er be­hauptet, daß diese Maßnahme sowohl im Interesse der Reparationen als auch im Znteresie der Sicher­heit unerläßlich sei. Mac Donald steht dagegen auf dem Standpunkt, datz die Kontrolle des Ober- kommissars in Koblenz für beide Zwecke ausreiche.

London, 23. Juni. Der .Daily Te'egraph" schreibt noch zu den Besprechungen in Chequers, cs bestehe der Wunsch, die amerikanische Mit­wirkung in der einen oder anderen Form zu sichern; es sei aber nicht leicht zu sagen, in welcher Form. Der Amerikaner, der nur beobachte, wäre kaum ein befriedi­gender Teilnehmer. Empfehlenswert wäre die Heran­ziehung von amerikanischen Sachverständigen, die mit DaweS zusammengearbeitet hätten. Außerdem bestehe das Problem der Einladung Deutsch­lands. Es scheine jetzt allgemein angenommen zu werden, daß Deutschland vertreten sein müsse, wenig­stens bei der Verhandlung über die Bestimmungen des Dawesplanes, die dem Friedensvertrag entgegen oder darüber hinausgingen, da die Annahme des Planes durch Deutschland und der Bedingungen, worunter er tn Kraft treten würde, die Aufstellung eines besonderen Protokolls bezw .besonderer Protokolle wie in Spa er­fordern würde. Sv würden z. B. die Micumver- träge durch allgemeinere Abkommen für deutsche Sach­lieferungen in Aebereinstimmung mit den Anempfehlun­gen der Sawessachverständigen ersetzt werden. Der Berichterstatter hebt hervor, daß Mac Donald gegenüber Herriot die allgemeine Zusage erneuerte, die er bereits Hymans und Poincare gegeben hat, daß neue deutsch« Verfehlungen Großbritannien und seine Alliier­

De Margeriessehr wertvolle Beobachtungen".

Paris, 23. Juni.Ere Nouvelle" teilt mit, der französische Botschafter de Margerie habe am Quai d'Orsay sehr wertvolle Beobachtungen be­richtet. Die Situation, die in Deutschland durch den ein wenig brüsken Umschwung der französischen Po­litik geschaffen worden sei, sei heikel, sehr heikel. Deutschland verlange, daß das Kabinett Herriot die sofortige Räumung des Ruhrgebietes und der 1921 von den Alliier­ten besetzten Städte anordne möge Deutschland sich vor übertriebenen Forderungen hüten! Wenn man sich in Berlin dertörichtenZdee hingebe, die Kolonialverfassung des Kaiser­reiches wieder zur Sprache zu bringen und die Debatte über die Kriegsschuldvon neuem zu eröffnen, so würde die endgültige Wieder­herstellung Europas um mehrere Jahre verzögert. Was die Räumung des Ruhrgebiets an­lange, so könnte man die Formel aufstellen: es sollen die Siegel abgenommen werden.

Die interalliierte Konferenz.

Paris, 23. Juni. Heber die interalliierte Konferenz, die, wie in den Besprechungen in Che­quers vereinbart wurde, in der zweiten Julihälfte in Chequers ftattfinden soll, macht der nach London ent­sandte Berichterstatter der Havas-Agentur folgende An­gaben: Unter Mithilfe vo »Sachverständigen würden die 'akkiierien Premierminister und Außenminister endgültig die Einzelheiten der Durchführung des Sach - Verständigenplanes feftlegen. Es sei anzuneh­men. daß die amerikanische Regierung aufgefordert werde, sich auf dieser Konferenz vertreten zu lassen, deren Ziel darin bestehen werde, den Sachverständigen­plan zur Durchführung zu bringen, an dessen Bearbei­tung die Vereinigten Staaten bekanntlich einen über­wiegenden Anteil genommen hätten. Die alliierten Regierungen würden von dem französisch-englischen Meinungsaustausch in Kenntnis gesetzt werden; den belgischen Ministern werde Herriot selbst heute in Brüs­sel Bericht erstatten. Bei den Besprechungen in Che­quers seien auch die interalliierten Schulden und die Beziehungen zu Rußland zur Sprache gekommen. Schließlich beabsichtige Mac Donald den Besuch sei­nes französischen Kollegen nach der Londoner Kon­ferenz zu erwidern.

DeuWIand und die SiMonstrnz.

B c r l i n. 24. Juni. In den Berliner Regi»^ rungskreisen beurteilt man den Plan ein»« Reparation skvnferenz. die Mitt« Juli fit London zusammentreten soll, einigermaßen g ün st i A Die deutsche Regierung wird einer Einladung Folge lei« ft en, wenn Deutschland unter vollster Gleichberechtigung zugelassen wird. Die deutsche Regierung würde sich durch den Reichskanzler Dr. Marx, durch den Außen­minister Dr. Stresesann. den Reichsfinanzminister, Dr. Luther sowie durch den Reichsverkehrsministe« vertreten lassen. ' *

In den politischen Kreisen verlautet, daß der deutsch« Botschafter in Paris, Dr. von Hoesch, bei seines Aufenthalt in Berlin der Reichsregierung mitgeteilt h^ daß bie alliierten Regierungen die Teilnahme Deutsch, lands an der Julikonferenz von der Zustimmung der deutschen Regierung zu den Vorschlägen der Botschaft«» konferenz über die Frage der Militärkontrvlle abhängig machen werden.

Die Schwieri^eiten dauer« an.

Die Beurteilung der Konferenz von Che« q u e r s in den Berliner politischen Kreisen war zu­nächst nach Bekanntwerden des ersten EommuniquS» recht optimistisch, ist aber inzwischen scho«. wesentlich pessimistischer geworden. Di« zahlreichen aus London und Parts vorliAen- den Kommentare zeigen doch, datz sämtliche SRel» düngen über wesentliche Erleichterungen für Deutschland in den schwebenden politi^ scheu und wirtschaftlichen Fragen immer in fit*. wissem Zusammenhang mit der agUatorl-, schen Absicht der einseittgen Wirkung auf di«, deutsche Linke erwähnt werden.

Das wirkliche Ergebnis der Konfere«; schält sich, worauf wir besonders aus parlamentari­schen Kreisen aufmerksam gemacht werden, erst dann heraus, wenn man einmal den Verlaus bet sogen. Regelung der Reparations­frage wie er sich nach deutscher Auffas­sung gestalten fvll, mtt dem Vergleich, was die Konferenz von Chequers an tatsächlichen Er­ze b n i s s e n gehabt hat.

* - -.

Weitere Fühlungnahme mit de« alliierte« Regierunge«.

Berlin, 24. Juni. Wie wir erfahren, wird Boi-' schafter Dr. Hoesch im Laufe der nächsten Tage tolebet| nach Paris zurückkehren imb unverzüglich eine weitere > Unterredung mit dem französischen Ministerpräsident« 1

^berhesstsche Zeitung« erscheint sechsmal wöchentlich. - B-zusspreir monatlich 2 Mark aurschliehlich Zust.llungsge- Der Anzeigenpreis betragt für den 10 aefp. Zeilenmillimeter 0.0«8oldmark Amtlicheundau,wSrtwe Anieig^n v.t

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Dr. E. Htt, er »th. - Druck der Univ.-Buchdruckeret von Iol>. AuKoch, Markt 21/23. - Fernspr. 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 gilt al, Barrabatt und ver-ällt, wenn die Zahluna spater al, 5 Inge erfolgt «eleae werden 6e«»net. * v 8 Amt Frankfurt a. Main. _____durch die Eeschästsstelle und Zu endung der Angebote. Er,üllung,ort Marburg. 1 «S.-Mk. ^«JDcUar^

Reichskabinett und MiMmtrolk.

Die deutsche Antwort«-t« über die Militärkouttolle.

Berlin, 24. Juni. Der deutsche» Botschafter in Paris Dr. v. Hoesch hat berett» dem deutsche« Außenminister Dr. Streseman« Bericht er­stattet. Aus der Aussprache zwischen ihm und Herriot hat sich ergeben, daß der französffch« Ministerpräsident tatsächlich diese Militärkontrolle als die letzte ihrer Art Deutschland gegenüber an­steht und daß diese Periode oer neuen Kontroll- tätigkeit in Deutschland nur ein Uebergang sei« soll zu einem friedlichen Einvernehmen zwische« Frankreich und Deutschland. Bemerkenswert ist die Information, die der franzöfische Ministerpräsident dem deutschen Botschafter gegeben haben soll, nach der sich Frankreich und seine Bundesgenossen für den deutschen Vorschlag einsetzen werden, daß die Kontrolle auf die Dauer nicht von einer ständige« Kommission, sondern jeweilig etwa vorliegende Be­anstandungen von französischer, englischer oder an­derer ^Kntenteseite über militärische Rüstungen, Waffenfunde usw. zur Prüfung und Untersuchung einer Sonderkommission des Völkerbundes unter derw.Vorsitz eines Neutralen unterstellt sein sollen. Di^jetzigen Kontrollkommissionen hätten also die Aufgabe, auf Grund des bereits von Rollet aus­gezeichneten Materials neue Erhebungen in Deutschland über die tatsächliche Stärke des Mili­tärs und der Waffenbestände, genaue Prüfungen der Ziele und Aufgaben der vaterländischen Ver­bände und anderer Kampforganisationen anzustel­len, an der Hand deren sich die Sonderkommission des Völkerbundes stets orientieren tonnte, ob Ueberschreitunaen von deutscher Seite tatsächlich vorgekommen sind oder nicht. Es verlautet jedoch nichts darüber, ob die Tätigkeit der jetzigen Kon­trollkommission befristet ist und ob bereits bei der Septembertagung des Völkerbundes über diesen Punkt verhandelt worden soll. Jedenfalls wird die deutsche Regierung bei aller Ablehnung der Ver­antwortung für etwaige Ueberfälle auf die Kon­trollkommissionen die Antwort in zustimmende« Sinne abfasten.

Die große Politik steht wieder einmal im Zeichen jfrter bevorstehenden europäischen Konferenz. Mac / Donald und Herriot haben sich bereits im Ver­kaufe einer nicht allzu ausgiebigen Unterredung ge- Dinigt, für Mitte Juli die alliierten Staatsmänner Ind möglicherwelle auch die deutschen in London am Konferenztisch zu vereinigen . Demnach muh schon eine Deitgehende IIebereinftimmung zwischen den beiden Staatsmännern bestehen, denn üb?r die Gefahren eines Mißerfolges, die eine ungenügend vorbereitete Kon- irrens nach sich ziehen können .dürsten Mac Donald Md Herriot Wohl kaum im Unklaren fein.

Seit der mißglückten Konferenz von Genua haben Lie Entente-Staatsmäimer es vermieden, als Cinberufer Hroßer Konferenzen aufzutreten. Mit dem Sturze Llohd Keorges schien es mit der Konferenz-Äera ziemlich zu Inde zu sein, zumal die ihm nachfolgenden englischen glegierungschefs wenig Neigung besitzen mußten, sich mit dem unnachgiebigen Gewaltigen Frankreichs, dem Herrn Poincare, auf direkte Aussprachen einzu- faffen. Das Beispiel Llohd Georges diente Pnen zur Warnung. Dieser englische Staatsmann sah -as Heil Europas in der großen europäischen »Frie­denskonferenz«. die er in Genua unter Teilnahme der plhrenden Regierungsmänner Europas mit Einschluß Deutschlands und Eowjetrutzlands einberief. Nachdem Poincarö noch vor der Eröffnung der Genua-Konferenz jLriand stürzte und Herrn Darthou beauftragte, hie Konferenz zu sprengen, war Llohd Georges Schicksal besiegelt. Sein Mißerfolg zwang ihn, wenige Monate später dem Ansturm seiner Gegner zu Weichen. Als sstolge der mißglückten Genua-Konferenz ergab sich em halbes Jahr darauf die Ruhrbesetzung und die Aera der unumschränkten Gewaltherrschaft Poincares .die das Lahr 1923 zu einem der unseligsten für die Geschichte Deutschlands genrachk hat.

' i Es ist ein merkwürdiges Zusammentrefien, daß itoenige Wochen nach dem Sturze Poincares. genau Awei Jahre nach der gescheiterten Genua-Konferenz, Herriot, der Nachfolger des zu Fall gekommenen Störers von Genua, eine neue , Friedenskonferenz'

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< Hebet die Aussichten der neugeplanten Konferenz «twas zu sagen, erscheint uns müßig. Das bereits oer- Dsfentlichte Communique hat gezeigt, datz Deutschland Weber nichts zu hoffen hat. Die Regierungen, die «egentoärtig in den beteiligten Ländern am Ruder sind. Kleinen ja allen guten Willen zu haben, aber keine Aon ihnen sitzt fe stim Sattel. In England kann daS Kabinett Mac Donald jederzeit zu Fall kommen, wenn He Liberalen einmal zu dem Entschlutz gelangen sollten. Km die Unterstützung zu versagen. Herriot hat in | Frankreich einen schweren Stand gegenüber dem.Natio­nalen Block« Poincares, der ihm von Anfang an den «bittersten Kampf angesagt hat, während in Italien Mussolini eine schwere Krise des Faschismus zu tbertomben hat. ünb Deutschland? Die deutsche Ge­lierung Marx-Stresemann befindet sich in ber peikelsten parlamentarischen Situation, die jemals eine deutsche Regierung zu bestehen hatte, feie mutz jedes­mal bet einer parlamentarischen Entscheidung im Reichs­tag mit der Gefahr einer Niederlage rechnen, well sie von links und rechts von einer überstarken Opposition Bedroht ist.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß bis Mitte Juli die gegenwärtigen Regierungen in den beteiligten Ländern noch am Ruder sein werden, da sich in keinem Lande die Krise in einem akuten Dtadium befindet. Auf diese Art wirb allen diesen Regierun­gen die neue Konferenz zum Schicksal. Haben sie Er­folg so find sie gerettet. Kommen sie aber mit leeren Händen nach Hause, dann ist ihr Sturz besiegelt. In London vollzieht sich also das Schicksal der europäischen Regierungen, die mit dem Geschick ihrer Länder auf Vedeih und Verderben verknüpft sind.; .*

Inhalt der Besprechungen in Chequers.

F Paris, 23. Juni. Die Pariser Preste bringt In Fettdruck das gestern vorn Foreign Office ver­öffentlichte Cornmuniqu4 und im Anschluß daran ausführliche Stimmungsbilder ihrer Sonderkorre­spondenten zu der in Chequers erfolgten Zu­sammenkunft. Es muß- gleich an erster Stelle be­tont werden, datz Ramsay Mac Donald und Herriot sich über neue Arbeitsmethoden schlüssig geworden find, die darin bestehen, daß die einzelnen Probleme ; nicht gleichzeitig, sondern getrennt von einander -'behandelt werden sollen. Die Vorteile einer sol­chen Methode werden von den Pariser Blättern - siark unterstrichen, und offenbar verspricht man sich von ihr namentlich den größten Eindruck auf Ame- Ejrifa. Die Unterredung zwischen Herriot und Mac Donald, die, wie nicht anders zu erwarten war, jttnen allgemeinen Charakter hatte, hält, j»ie aus allen Londoner Berichten hervorgeht, grundsätzlich am Sachverständigenbericht, dessen Ausführung die beiden Ministerpräsidenten Übereinstimmend als die dringendste Aufgabe be­frachten fest. Sie haben daher verabredet, daß die jin dem Sachverftändigenbericht enthaltenen w i r t- Mchaftlichen Fragen in erster Linie einer Pösung entgegengebracht werden sollen. Das wird bas ausschließliche Programm der auf den 16. Juli An Aussicht genommenen interalliierten Konferenz Hilden. Diese Konferenz, die eine Konferenz von sachverständigen kein dürfte, wird sich weder mit Iber militärischen Seite des Ruhrproblems noch mit Wer Verteilung der deutschen Reparationen be- l fassen, sondern wird lediglich auf die Festlegung der