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Marburg tu 8., Soanabenb, den 21.3um

Mit den politischen Problemen Europas

Klavier.

sFortfetzung folgt s

Alkoven hin ab. hinter der man

einem dunklen

ige rn-

ein Bett sah. Die Generalin schüttelte den Kopf. Irgend etwas lag in dieser Luft, das ihr be­kannt bvrkam. und, da sie gegen Verschwendung auch bei anderen, war, drehte sie zunächst ein-

Frau v. Herwegh, die ihren Sohn auf dem Bahnhof erwartete, unruhig, was er bringen würde, war von Lutz' Bericht sehr enttäuscht.

Aber hast du ihm denn nichts gesagt von der- ner Verlobung und von Australien?"

Ich habe ihm alles gesagt", antwortete Lutz, aber' er hat gar nicht gugehört."

Es war nach den vielen Angeboten, die auf die Annonce imRheinischen Kurier" eingelaufen wa­ren, erst so leicht erschienen, ein gebrauchtes Piano zu bekommen. Nun lief die Generalin mit ihrer Nichte schon seit drei Tagen in der Stadt herum, ohne das zu finden, was sie finden wollten.

Es sollte nämlich braun sein, weil es zu den Nutzbaummöbeln der Generalin passen sollte, dann sollte es tadellos erhalten sein und außerdem auch fällig. Aber die Pianos, die sie in Familien­pensionen, Gasthäusern und Cafös sahen, waren nur abgespielt und meist waren sie auch schwarz.

Nach langer Irrfahrt waren die beiden Damen in der Eoldgasse gelandet, wo in Nummer dreizehn ein tadellos erhaltener Kaps als besonders preis­wert gerühmt war.

Man hatte die Anzeige anonym ausgegeben, denn die Mainzerstraße brauchte nicht zu erfahren, daß Generals ein gebrauchtes Piano suchten. Zu den Musikstudien der Nichte, die eigens deshalb aus Thorn gekommen war, wollte die Generalin nicht ihren guten Pechstein hergeben. Wie konnte ein Mensch nur in ein Haus ziehen, das diese Unglücks­nummer trug? Es war ja geradezu eine Heraus­forderung an das Schicksal.

Endlich hotten sie das Hausgefunden, eS war ein dreistöckiges Eckhaus, dessen Eingang rechts und links mit allerlei Plakaten bepflastert war. auf denen sich ein Zahntechniker, ein Hühner­augenoperateur und ein Kunstmaler anzeigten, und in dessen Parterre sich rechts ein Friseur­geschäft und links eine Maskenverleihanstalt be°

Das Klabierspiel brach ab, drinnen wurden^ Stühle gerückt, die Tür öffnete sich, ein kleiner!, dicker Herr im Autvmantel betrat das Zimmer. Nein, Doktor, über denFidelio" einigen wir uns nichti Da sind wir entschiedene Antipoden.- Er wand sich mit einemPardon" durch das voll- gestellte Zimmer an ihnen vorbei,a rivederci", drückte die Reisemütze auf seinen Haarschopf und verschwand.

Die Generalin stand wie eine Statue. Die Lorgnette sank herab, denn der zweite Cinge- tretene war Ernst v. Herwegh. und sie befand sich in der peinlichen Lage, nicht zu wissen, ob sie ihn kennen sollte oder nickt.

Herwegh enthob sie dieser Berlegenheit. in- dem er die Damen mit liebenswürdiger Hand­bewegung auffvrderte, ihm in den Salon zu folgen.Es ist dort heller, und die übrigen Räume sind beseht."

Er ließ die Damen vorangchen, ohne er-, kennen zu lassen, ob er die Generalin erkannte hatte oder nicht, und warf einen flüchtigen Blick auf die jüngere mit den spitzen Ellenbogen. Sicher eine Richte, dachte er. :

In dem großen Hellen Eckzimmer, dessen Glas- ( türe auf die Kochbrunnenstraße ging, hingen die Wände voll Oelgemälde. Die Sonne leuchtete auf saftig grüne Landschaften und die weiße, Racken badender Frauen, und der Blick der Ge­neralin fiel gerade auf einen trunkenen Silen, der die halbe Mitelwand emnahm. In der Mitte des Raumes stand ein offener, mit Roten bestteuter Flügel und in einer Ecke das braun«

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Praktisches Kochbuch ! neuzeitlich bearbeitet neu Carl Schneider, früher Softoch betj S.«. S- dem «rotzherz-g ».Srten. Erscheint neu! Mk.5.-, zu beziehen durch M

Hamburg 5, Holzdamm 2a.

Nachdruck verboten.

Dir Semrghs.

Roman von Liesbet Dill.

ilrhcberrccht bei M, Feuchtwanq«, Halle a, S.

58. Fortsetzung. - \

i [And was man für Studien hier machen chtnn, die interessantesten Eexmplare sind im Nach- tzirgarten. Es sind Phänomenne darunter, zum Beispiel ein Student, der eine mathematische Preis- »ufgabe gelöst hat. Ich gehe oft mit ihm spazieren. Man muß sich dieser armen Menschen etwas an- sehmen. Sonntags spiele ich Harmoium beim Cottesdienst und abends musizieren wir oft beim ersten Arzt, seine Gattin hat eine herrliche Alt­stimme, überhaupt so viel vernünftige Menschen wie hier habe ich in meinem Leben noch nicht ge­funden. Alle kommen zu mir mit ihren Wünschen und Beschwerden", fuhr er fort mit einem glück­lichen Lächeln,oder denkst du, daß wir hinter die­sen Mauern etwa den alten Menschen ablegten und mit diesem grauen Kittel einen neuen Men- ' scheu anzögen? Nein, mein Lieber, so einfach ist das sicht, man muß ihnen immer zureden, glätten, llütten", er machte eine Handbewegung, als bügle einen Stoff.Sie sind mißtrauisch, besonders gegen die Wärter, und können die Aerzte nicht lei­den. Wenn du dich dafür interessierst, sie gehen eben dort drüben spazieren."

tNein, danke", sagte Lutz. Er hatte genug von Kottenhan. Auch war es Zeit zum Zuge. Die Prüder verabschiedeten sich an der Parkmauer. »Kann ich dir denn nicht behilflich sein, hast du Meinen Wunsch, Ernst?" fragte Lutz,du weißt ja, ich bin jetzt in der Lage."

Ernsts Lächeln verschwand. Er schloß die Augen, wie man Fensterläden schließt, um das Licht nicht herein zu lasten.

Ich danke dir, Lutz, sagte er und ließ desten Hand los.Ich habe alles, was ich brauche." j Lutz ging, sein Kopf war wie benommen.

Und auf der Heimreise dachte et: Bin ich nun verrückt oder Ernst?

Die Generalin klopfte mutig an und öffnett. Zwei Schreiber klapperten auf ihren Maschinen. Am Ofen sah eine Dame in tiefer Trauer, eine Handtasche auf dem Schoß.Sind wir hier reckt, wir kommen wegen eines Klaviers?" fragte die Generalin. I

Jawohl", erwiderte der Schreiber und wies mit dem Lineal nach einer Türe.Gehen Sie nur durch, in dem letzten Zimmer steht es." Iregnwo wurde Klavier gespiett, so gingen ftr diesen Klängen nack. In dem nächsten Zimmer verhandelte ein älterer hagerer Herr mit langem Hals, der der Generalin merkwürdig bekannt vor­kam, mit» einem verweinten blonden Mädchen und einer hochgradig erregten Mutter.

Bc de redeten auf das verschüchtette Mädchen ein.

Der Herr Doktor wird in der Ausstellung sein," bemerkte der magere Herr.

Im nächsten Raum, der mit Bücherregalen dis cn die Decke tapeziert war, sttitt eine bäue­risch gekleidete Gesellschaft sich mit einem Poli­zisten heftig um einen alten Schrank. Das Ob­jekt des Kampfes stand mitten im Zimmer. In dem nächsten Zimmer war endlich niemand, und man hörte das Klavier im Rebenzummer klingen. Die Generalin schaute sich um. Ueber einem ge­deckten Kaffeetisch brannte noch die Hängelampe, obwohl es bereits taghell war. Das Zimmer las nach einem dunklen Hose hinaus, der mit einem Kistenberg verbaut war. Auf dem Büfett stand ein angeschnittener Baumkuchen und ein Schinken. Daneben lag die Partitur von Toska, ein bläulicher Duft nach Zigaretten schwebte in der Luft.

Eine rote Portiere sckloß das Zimmer nach

fanden.

Der lange Flur mündete auf eine Tür, hinter der man Sckreibmaschinengeklapver hörte, und war sc finster, daß man die Klinke kaum fand, j mal die Lampe aus.

i Amerika «ad Europa.

R e w v o r k, Anfang Juni 1924.

Die Opposition, die man in Deutschland gegen das xachverständigen-Gutachten laut werden hat die amerikanischen Patrioten ein wenigin Wolle gebracht". Wie kann man es auch wagen gpflen. an dem Gutachten des General Dawes rütteln wollen. Die Amerikaner sind ordentlich stolz auf Egte Arbeit ;unö sie gefallen sich nicht wenig in der ^otzratigen Rolle,dem hoffnungslos zerrütteten Euro- -y- einen Weg zur Rettung gezeigt zu haben.

Das rein geschäftliche Interesse an der kommenden fatroidlung, insbesondere an einemwittschaftlichen z^lsschwung Deutschlands" ist in den amerikanischen Lxanzkreisen zweifellos sehr groß. Lieberhaupt hat die ^erikanische Geschäftswelt die großartige Meinung von ffungeahnten Entwicklungsfähigkeit" IP deutschen Wirtschaft. Man kann ruhig feststellen, die amerikanischen Sachverständigen es waren, die kg Gutachten ausschließlich auf die unverkennbar ein» ^ende Aufwärtsentwicklung der deutschen Wirtschaft ggfge6aut haben. Wie man hier in Amerika zu dieser ^Weckung gekommen ist, ist ein Geheimnis der Wall­street. Die amerikanische Ausfuhr nach Deutschland hat chren großen Umfang angenommen, sodaß die arnerika- ,ischc Geschäftswelt sich der Hoffnung hingibt, den Ex- yyrf noch mehr steigern zu können, wenn erst einmal jie Unsicherheit der deutschen Wirtschaftslage ver- sthwindet.

MStEaftWe Mocheniibttslchl.

Die Abänderungen, die an der Geschäftsaufsichts- verordnung vorgenvmmen worden sind, werden hofient- lich die Mißbräuche, die bisher mit der Geschäftsauf» icht getrieben worden sind, in Zukunft verhindern. Wenn das nicht geschieht, werden diejenigen, die bisher chon die völlige Abschaffung der Geschäftsaussicht ver­langt haben, weil diese Einrichtung der Kriegszeit heute längst keine Berechtigung mehr habe, noch lauter als bisher ihren Standpunkt zur Geltung bringen müssen. Es ist wirklich Zeit, daß die Zwangs- und Kriegsgesehe, denen meist sozialistische Tendenzen zu Grunde liegen, endlich restlos abgeschasit werden, bevor sie noch mehr Schaden in unserer Volkswirtschaft anrichten. Die Geschäitsaufsicht z. B. hat zur Ausbreitung der Insol­venzen außerordentlich viel beigetragen und dadurch die Kreditnot nur verschlimmert, anstatt sie zu heilen, weil sie vielen Geschästsleuten die Möglichkeit gab, ohne Konkurs anzufagen. ihre Gläubiger unbezahlt zu lassen, was in vielen Fällen zur Folge hatte, daß diese Gläu­biger ebenfalls infolvent wurden, und ebenso auch deren Gläubiger und so fort ins Unendliche. Wenn diesem Mißbrauch jetzt Riegel vorgeschoben werden, so wird das hoffentlich zur Einschränkung der Kreditnot beitragen. Verschwinden wird diese freilich so schnell nicht in Deutschland. Sie ist eine Folge der Stabilisie­rung der Währung und alle Angriffe auf die zu weil- gehenden Kreditrestrikttonen der Reichsbank können die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß mit jedem erfolgreichen Kampf gegen die Inflation auch eine Krediteinschränkung und infolgedessen eine schwer zu ertragende Kreditnvt verbunden sein mutz . Die In­dustrie wie die Landwirtschaft freilich leiden beide sehr schwer unter den heutigen Zuständen. Sie brauchen, wie Generaldirektor Herich auf der Generalversammlung derDeutschen Werke" ganz zutreffend ausführte,billi­ges Geld und höchste Arbeitsintensität". Letztere wird durch den Ausgang, den der Ruhrarbeiterkonflikt und die Lohnbewegung der Eisenbahner genommen haben, sicher nicht verstärkt werden, wenn inan auch im Augen­blick froh fein muß, daß es gelungen ist, weitere schwere und für die Wirtschaft verderbliche Arbeiiskämpfe zu vermeiden. Billiges Geld aber können wir heute nur vom Ausland bekommen. Die Kredite, die unsere Zuckerinduftrie sich in Amerika gesichert hat und die Erweiterung der Rediskontkredite der Golddiskontbam, die schon eine fühlbare Entspannung aus den deutschen Kreditmarft gebracht oder wenigstens eine noch schlim­mere Zuspitzung der Lage verhindert haben, beweisen, daß dos Ausland heute die Kreditfähigkeit Deutsch­lands schon etwas günstiger beurteilt. Freilich ist die weltpolitische Lage noch immer ganz undurchsichtig und alle sachkundigen Beurteiler stimmen darin überein, daß die gegenwärtige schwere Krise in Deutschland nicht so schnell überwunden werden wird. Darin aber liegt gerade die Gefahr für unsere Wirtschaft, dir eine längere Dauer des heutigen Zustandes nicht vertragen kann, ohne daß ein erheblicher Teil unserer Betriebe der kleinen wie der großen zugrunde gehen muß. Andererseits muß es jedoch gerade das Ziel einer Ge- sundungskrise fein, die überflüssigen, viel zu zahlreichen Unternehmungen (z. B. im Bankwesen), so bald wie möglich zu beseitigen, damit die übrig bleibenden wieder existenzfähig werden. Eine kurze katastrophenreiche Krise ist einer lange sich hinschleppenden bei weitem vorzuziehen. Die Aufgabe, die der Regierung.heute ob­liegt, besteht darin, in den wirtschaftlichen Niedergang, in dem wir stehen, mildernd und die Vernichtung allzu zahlreicher Existenzen verhindernd einzugreifen, ohne dabei eine Verschleppung der Krise zu verursachen. Die Lösung dieser Aufgabe ist gewiß nicht leicht.

Dem gleichen Ziel dient auch die Stützungsaktion, die die Großbanken in der letzten Woche an den Effekten­börsen unternommen haben. Es scheint, daß man hier den richtigen Mittelweg gesunden hat. indem man einer­seits einen weiteren Kurssturz verhinderte, anderer- feiis eine erhebliche Kurserholung vermied, um der Spekulation nicht aufs neue Vorschub zu leisten. Aul

die Dauer wird fteilich keine Stützungsaktion die natu* liche Kursbildung, die der Lage unserer Industrie und unseres Geldmarktes entspttcht, verhindern können.

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Nie Festigkeit der Rcntenmwk.

Berlin, 20. Juni. Die Stabilität der Renten­mark, die nach der Durchführung des SachverftLnbigen- Eutachtens durch die kommende Eeldwabrung ersetzt werden soll, bat sich nach wie vor als unerschütterlich erwiesen. Bei den letzten Erhebungen über die Höbe der Inanspruchnahme der der Rentenbank zur Ver­fügung stehenden Mittel hat sich ergeben, bo6 die vor­gesehenen vier Prozent des Mehrbeittages noch nicht erreicht worden sind, sondern etwa erst drei Prozent. Man siebt sich also in die Lage versetzt, weitere ein Prozent fluffig zu machen und entweder durch Reuaus- gabe von Rentenmarkscheinen oder durch Gewährung von Krediten anzulegen. Es wäre eine durchaus irrige Ansicht, hierin eine neue Jnflationsmatznahme er­blicken zu wollen. Nach Aeuherungen des Reichsbank- rräsidenten Dr. Schacht ist die Stabilität der Renten­mark durchaus gesichert. Sie wird zudem in abseh­barer Zeit durch das neue Geld der Eolddiskontbank ersetzt werden. Weiter wird versichert, daß der Ee- etzentwnrf über die neue Eoldnotenbank, welcher eine gewisse Verschmelzung von Golddiskontbank tunb Reichsbank barstellt, bereits fertig vorliegt unb bie Rrebite bes Auslanbes gesichert finb. Die Rcntenbank selbst wirb nach Errichtung bet Geldnöten bank völlig aufgelöst werben.

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Nie Forderungen der EiienbÄneamien- schäft zu einem Gesetz über die Mwand- lung der ReWWn.

Die nach dem Sachverständigengutachten veabsich- tigte Umwandlung der deutschen Reichsbahn in eine Aktiengesellschaft berühtt ebensosehr das ganze deutsche Volk wie auch das 750 000 Köpfe zählende Eisenbahn- personal. Es kann weder dem Volke noch dem Persona» gleichgültig sein .unter welchen Bedingungen die Reichs­bahn auf Jahrzehnte hinaus von einer unter vor­wiegend ausländischer Leitung stehenden Aktiengesell­schaft betrieben werden soll. Die Personale der Reichs­bahn stehen naturgemäß der Aussicht, von nun an nicht mehr unmittelbaren Reichsinterefsen zu dienen, sondern vielmehr im Dienste der Entente an der Ausbeutung der Reichsbahn für Reparationszwecke Mitarbeiten zu müssen, mit begreiflicher Vorsicht gegenüber. Deswegen wünschen die Personale, daß ein so wichtiges politisches und wirtschaftliches Instrument wie die Reichsbahn auch unter dem Szepter der Aktiengesellschaft in möglichst enger Verbindung mit dem Reiche verbleibt. Es kön- nen beispielsweise politische Situationen eintreten, in denen eine allzu reichs-unabhängige Aktiengesellschaft von ihrer Wacht über das deutsche Verkehrsnetz einem dem Reiche und dem Volke unerwünschten, vielleicht sehr schädlichen Gebrauch macht. Deswegen ist es erwünscht, daß wenigstens die Eisenbahnbeamten auch nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, unmittelbare Reichsbeamte bleiben und daß ihr öffentlich-rechtliches Derufsbeamten nicht gegen ein rein privatrechtliches Detriebsbeamtenverhältnis bei der Aktiengesellschaft ein» getauscht wird. In dieser Hinsicht bestehen leider heute die schwersten und berechtigsten Besorgnisse.

Der Organisationsausschuß der Reichsbahn hat sich schon vor längerer Zeit aus den Standpunkt gestellt, daß vor der Formulierung eines diesbezüglichen Gesetzent­wurfes mit den Organisationen der Eisenbahnpersvnale verhandelt werden müsse. Trotz wochenlangen Drängens der letzteren ist es zu einer derartigen Besprechung noch immer nicht gekommen. Die beiden maßgebenden Eisen- b-chnorganisationen, Deichsgewerkschast Deutscher Eisen- bahnbeamten und -Anwätter und der Deutsche Eisen- bahnerverbmrd, haben nunmehr ihre Forderungen Mreft bei der Regierung eingereicht. Sie sind nach ein­gehender Prüfung der rechtlichen Lage zu der Lieber-

teschaftigt man sich hier zurzeit sehr wenig, weil die Amerikaner ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Vorder Mtung der Präsidentenwahl richten. Was den Aus­fall der deutschen Reichstagswahlen betrifft, so ist man hi den amerikanischen Kreisen überrascht worden. Anmittelbar vor den Wahlen hatten die amerikanischen Blätter einen sicheren Sieg der Rechtsradikalen in Seutschland Sc«gekündigt . Rach den deutschen Wahlen vird es so bargestellt, als ob die Rechtsparteien über­haupt keinen nennenswerten Erfolg errungen hätten. Wichtig ist immerhin die Tatsache, daß die amerikanische Finanzwelt keinen Anlaß sieht, an der Festigkeit der deutschen Verhältnisse zu zweifeln. Während noch zu Beginn des Jahres 1924 die Versuche der Stabilisierung ter deutschen Währung in Rewhork belächelt wurden, biru die deutsche Rentenmark heute hinter den anderen Währungen 'm keiner Weise zurückgestellt. Im ®c- zenteil, der französische Franken wird es schwer habe, ter deutschen Währung in Rewhork die Wage zu hal­ten. Der deutsche Reichsbankpräsident Dr. Schacht, tert man hier als den eigentlichen Retter der deutschen Währung bezeichnet, genießt in der amerikanischen Hochfinanz unumschränktes Vertrauen. Solange der Aame Dr. Schachts im Zusammenhang mit der neuen deutschen Golddiskontbank genannt wird, kann dieses 'Institut seine Kteditansprüche an den amerikanischen -eldmarkt ruhig höher schrauben. Die Idee der deut­scher: GolddiSkontbank hat jedenfalls einen ganz ausge­zeichneten Eindruck in Amerika gemacht. Jeder einzelne Dankmann versichett, daß Dr. Schacht der tüch­tigste Kopf in Deutschland sei. Don der Inflationszeit her war man auf die deutsche Reichs­ten! sehr schlecht zu sprechen, aber dies hat sich jetzt gründlich geändert.

Soweit eS sich also um rein finanzielle und ge= tzäftliche Transaktionen handelt .sind die Aussichten Deutschlands in Amerika nicht ungünstig. Dagegen heben sich die Politischen Beziehungen immer noch nicht gebessert. Seit dem Flaggenzwischensall in ter deutschen Botschaft will man jedenfalls von Freundschaft mit Deutschland nicht viel Wissen, wie Derhaupt die politischen Sympathien für Dcutfchland sehr lau find.

59. Mrfl. IM

zeugung gelangt, daß eine Beseitigung des ösientlich- rechtlichen Deamtenverhältnisses gelegenllich der Lieber« uhrung der Reichsbahn in eine Aktiengesellschaft nicht erforderlich ist, sondern bah das Reich nach be* tehendem Recht für die Dauer der Liebertragung der Reichsbahnverwaltung an die Aktiengesellschaft nach tote vor den Deamtenkörper derselben stellen kann.

Dies würde allerdings zu einem Eingrifs in die ver« ässungsmäßigen Rechte der Reichsbeamten insofern ühren, als die Zahlungspflicht der Besoldung, Pen« ionen usw. und daS Direktionsrecht für die Dauer des Reichsbahnkonzissionsvettrages auf die Gesellschaft übergehen würde. Das diesen Vertrag festlegende Gesetz würde aus diesem Grunde zu einer Gültigkeit einer »/, Mehrheit deS Reichstages bedürfen. Für bi« ge­nannten Eifenbahnorganifationen würde aus den ange- führten Gründen eine vollkommene Ablösung des bis- hettgen öffentlich-rechtlichen DeamtenverhältncfseS bei der Reichsbahn unannehmbar sein: es steht übrigen- auch im Widerspruch zu den wiederholten Aeuherungen von Mitgliedern der Reichsregierung über die unbe­dingte Beibehaltung bes Beamtentums im Eisenbahn­dienst.

Die Forderungen der Organisationen lauten:

1. Die Beamten der deutschen Reichsbahn bleiben auch nach der Liebernahme in den Dienst der Gesellschaft unmittelbare Beamte des Reiches. Alle Ein­teilungen. Beförderungen usw. erfolgen daher auch in Zukunft im Namen deS Reiches.

2. Sie find für die Dauer der Liebertragung der Verwaltung der deutschen Dahnen auf bie Gesellschaft zum Dienst bei der Gesellschaft verpflichtet. Dafür ge­währleistet die Gesellschaft für bie Dauer der Heber« nähme die Zahlung der Besoldung, des WariegeldeS. des Ruhegehaltes unb der Hinterbliebenenbezüge vor eder anderen Verbindlichkeit.

3. Die im Dienste der Gesellschaft beschäftigten Q5e* amten des Reiches dürfen durch die Dienst- und Per- onalvvrschriften der Gesellschaft hinsichtlich ihrer Rechts-, Sozial-, Defvldungs-, Dienstzeit- und HrlaübS- verhältnisse nicht ungünstiger gestellt werden als di« Reichsbeamten nach den für die Reichsbeamten gelten­den Gesetzen und Verordnungen.

4. Die Gesellschaft übernimmt die Verpflichtung. bei übernommenen Deamtenkörper durch Dildungseinrich« tungen auf seiner fachlichen Höhe zu erhalten und 6ew zu seiner fortlaufenden Ergänzung erforderlichen Nach­wuchs durch planmäßige Ausbildung ficherzustellen. Sei in den Dienst der Gesellschaft übertretenden Diätare» und Anwärtern bleiben ihre Anwartschaften auf Austei­lung als Reichsbeamte gewahrt. Der übernommene De­amtenkörper darf hinsichtlich seiner Zahl nicht unter bei Stand vom Tage der Liebernahme herabsinken.

5. Die Gesellschaft gewährleistet den ihr überlasfenei Beamten das ihnen nach dem Deamtenräte-Eclaß bei der deutschen Reichsbahn zustehende Vertretungsrecht.

6. Wird das Gesetz hinsichtlich seiner Bestimmungen für die Beamten von der Gesellschaft nicht eingehalten, so tritt das Reich für die aus dem Beamtenvechältnis sich ergebenden und nach dem Gesetz von der Gesell­schaft übernommenen Verpflichtung in jeder Hinsicht ein.

7. Die Gesellschaft übernimmt die im Dienste der deutschen Reichsbahn vorhandenen Angestellten und Arbeiter mit den bestehenden Rechten. Sie dürfen durch die Dienst- und Personalvvrschriften der Gesellschaft in ihren rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Verhält­nissen, ihren DcsHäftigungsbedingunoen und ihrer De» triebsvertretung nicht ungünstiger gestellt werden, al» die Angestellten und Arbeiter des Reiches. F.D.

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