59. Mrs. iM
Mrburg a. L. SvmwbeO, des 21. Nml
Nr. 144
Wer eine stürmische Kammersitzung.
ec wies sie als .banal" zurück.
machen.
tzr»»
>l«n.
nmw
-gege, ’iabea
Paris, Hoesch ist
ar.
frus e. sähet
». Soesch bei Herriot.
20. Sunt Der deutsche Botschafter v. heute vormittag von Ministerpräsident
19Mt*
s-
Utzr
3851
ide ?el
rW
S*.-
' Paris, 20. Juni. Zu den Lumultszenen in der Kammer ist noch zu melden: Im Namen der Kommunistischen Gruppe verliest Abg. Prrcherh, der mit dem Ruf „®6 lebe die russische Revolution" empfangen wird, eine Erklär- Aag. Als. er die Tribüne heruntersteigt, wird er
t Sc schält sich immer mehr das Bild heraus, Latz »er neue Ministerpräsident Frankreichs eine neue Kolitik einschlagen will .daß er aber mit einer gefährlich starken Opposition rechnen muh. Jeder Der- inntwortungsbewußte deutsche Politiker wird sich sehr ernsthaft zu überlegen haben, wie er sein Verhalten in .dieser Situation einzurichten hat. Außenminister Dr. fktresemann hat in Dessau erneut ein gewisses Kertrauen zu Herriot ausgesprochen und die Räu- tnungsfragen für lösbar erklärt. Man wird, solange herriot und Mac Donald in Chequers beieinandersigen !«ud ehe nicht als Ergebnis ihrer Besprechungen ein Mnderer Schluß sich als notwendig erweist, dieses Abwarten billigen müssen. Die endgültigen Entscheidungen Md Abschlüsse sind ja noch weit . Es liegt kein Grund Mr, sie als für uns erträglich zu erwarten, aber erst frcht kein Grund, eine leidliche Entwicklung durch Gegcn- fcüten zu vereiteln.
Hegte, zu de
nk.
heftig t on den Sozialisten angegriffen. Die sozia- lisiifchet' Abgeordneten Par VH und Tlaufsat greisen Len Abgeordneten mit Faustfchlägen an. Weitere Kommunisten und Sozialisten beteiligten sich an der Schlägerei AIS Marth {einett Leibriemen löst und sich auf eine Bank stellt und mir dem. Riemen in der Lust herumfuchtelt, bleibt dem Präsidenten nichts anderes übrig, als die Sitzung auszuheben und die Tribünen räumen zu lassen. Rach der Wiederaufnahme der Sitzung erklärte derber radikalen Linken (Partei Loucheur) angehörige Abgeordnete M a r ch a i s, seine Fraktion mache Borbehalte hinsichtlich des Programms de: Regierung, namentlich in der Frage der Aufhe- bung der Botschaft beim Batikan, spreche ihr srüoch das Bertrauen aus. Darauf wird zur Abstim» mttr.g geschritten, die das bereits gemeldete Ergebnis hatte .
Pressestimmen zur Senatsvräfidentenwahl.
Paris, 20. Sunt. Das „3t> ur n a I“ schreibt, die Wahl im Senat sei in den Wandelgängen stark besprochen worden. Man habe darauf hingewiesen, daß de Selbes im Sahre 1911 zur Zeit der Agadir-Affäre als Außenminister zurücktrat, weil Caillaux über seinen Kopf hinweg mit Deutschland verhandelt hatte, man habe daran erinnert, daß der neue Senatspräsident als Snnenminister dem Kabinett Francois Marfal angehörte. daS kürzlich dem Parlament die Botschaft und dann den Rücktritt des Präsidenten Millerand überbrachte.
Die ehemalige radikale „Rapoelie" erblickt in dem Wahlergebnis im Senat einen allgemeinen Abdruck der Unzufriedenheit.
Die „C a n t e r n e“ schreibt: Der Senat ist und bleibt ein republikanisches Parlament. Diejenigen, die daraus hoffen, daß er zu einer Maschine im Snteresse der Reaktion werden könne, vergessen, bah der Senat in der Vergangenheit die Hochburg der republikanischen Demokratie war. Es ist nichts als eine sinnlose Phantasie, sich auch nur die Möglichkeit eines bevorstehenden Konsiikts zwischen Kammer und Senat vorzustellen.
Herve schreibt in der „'BietDire“: Die Kammer, diese Kammer des Staatsstreiches ,wird es nie begreifen' Der Senat, der den Eindruck macht, als käme er zur Besinnung rind als sehe er klar den Abgrund vor sich, in den das Land hineingeführt wird, wird vielleicht nicht lange zögern, den befreienden Besen zu schwingen.
gilt al» BarrabaU und »etiiUt, wenn die "Zahlung später äl» 5 läge erfolgt.' durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort
Mit dem Lorbeerkranz des Siegers geschmückt ist Herriot nach England abgereist, aber dieser Kranz mit Dtacheldraht gewunden, sodaß er von weitem enter Dornenkrone ähnelt . Die RechtSoppvsitlon in . Frankreich wird mit jedem Tage lauter. Daß im Senat .Herr de Selbes zum Präsidenten gewählt wurde, ist ihr ■flBerl und ein Hieb gegen die neue Regierung wenn Mch daraus noch nicht folgt, baß der Senat in der politischen Abstimmung eine oppositionelle Mehrheit igusbringen wird. Allein die Kammermajvrität von *813 gegen 234 Stimmen bei 40 Stimmenthaltungen zeigt ja ebenfalls keinen gerade glänzenden Sieg an Die Dienstag-Sitzung, die erst nachts um 1/,2 Ülhr endete, flt so tumultiöS verlaufen und so oft unterbrochen worden, daß unsere Reichstagsspektakler vor Reid erblassen. Eie endete — tout comm« chez nouS — mit einem Drohen Zank zwischen Sozialisten und Kommunisten: jmr baß sich das echte französische Temperament noch etwas handgreiflicher entlud, als bei uns das nachge- machte . Kräftige Lärmszenen verursachte auch der Streit der Elsässer untereinander, wobei die 21 bürger- lichen Vertreter des Elsaß, die gegen dte französische Uniformierung ihrer Heimat proiestierten. sich in sehr .starkem Uebergewicht gegen die drei Sozialisten brfan- ;ten, in deren Rainen der bei uns noch „unvergessene" einstige Reichstagsabgeordnete Weill sich begeisterte. So bemerkenswert auch gerade dieser Protest ist, so lag das [ Schwergewicht der Verhandlungen doch bei den außenpolitischen Fragen, insbesondere bei dem Kamps um die Luhrpolitik. , i
j Rach der ersten Programmrede Herriots konnte man «och erhebliche Zweifel hegen, ob die neue französische Regierung in der Tat grundsätzlich andere Wege gehen wolle als ihre Vorgängerin. Seine Donnerstag-Rede i und dte Begleitmusik der Opposition dazu lassen für solche Zweifel nur noch wenig Raum. Sn erster Linie .spitzten sich freilich die Gegensätze mit Bezug auf die Kolitik der Vergangenheit zu. Die Anklage Herriots, \ baß mau ans Konkurrenzgründen auf deutsche öach- Keserungen für 750 Millionen Gvldmark verzichtet habe, zeigte deutlich, daß er mit dieser Art französischer Eeschäsispolitik brechen will: wie ja auch jetzt endlich eine ehrlichere Behandlung der Wiederausbauskandale fc Frankreich zu erwarten ist . Aber kaum weniger z heftig waren dte Differenzen in der Räumungsfrage. ®tt Rechtsopposition, für die Herr M a g i n o t, der Ex- kriegsminister, in die Dresche sprang, verlangt einfach Hie Aufrechterhaltung der Ruhrbesehung. Die im- Dweifelhaft ironische Antwort Herriots, daß die Besetzung dann 37 Sahre dauern würde, und feine Erklä- .«ung gegenüber Rollin, daß die Frage der Sicherheit ’er gemeinsam mit England lösen wolle, beweisen doch wohl klar genug den politischen Umschwung in Frankreich. Die Beschuldigung für die Gegenseite zu arbeiten, wußte ebenso wie Dr. Stresemann im Reichstag 'wich Herriot in der Kammer über sich ergehen lassen:
London, 20. Juni. Die „Times" schreibt in einem Leitartikel, in dem Nachdruck, den Herriot auf den Völkerbund als einen möglichen Faktor bei der Regelung der größeren europäischen Probleme lege, werde er sich zweifellos in enger Sympathie mit Mac Donald befinden. Es könne zugleich für sicher hingenommen werden, daß beide Premierminister die Schwierigkeiten einer praktischen Regelung in dieser Richtung voll erkennen. Die Verweisung der Militärkontrolle in Deutschland und die Durchführung der Maßnahmen, die die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland gegen Angriffe aus beiden Seiten sichern würden, an den Völkerbund, würde dieser sich langsam 'entwickelnden Einrichtung eine sehr ernst« Probe auferlegen. Wenn die Probe unternommen werden solle, unter welchen Bedingungen solle dann Deutschland zum Völkerbund zugelassen werden? Es sei klar, daß alle derartigen Pläne ohne die tätige Mitwirkung Deutschlands niederbrechen müßten. Herriot habe endgültig die neue Tendenz seiner Politik bestätigt, indem er für die große Mehrheit der Deutschen, die wegen ihrer Loyalität zur Polsi tik des passiven Widerstandes aus dem Rheinland ausgewiesen wurden, die Freiheit versprochen habe. Je früher diese Politik durchgeführt werde, um so besser sei es. Nichts würde besser dazu angetan sein, die Stärke der deutschen nationalistischen Opposition gegen eine vernünftig« Regelung des Revarationsproblems zu vermindern, als die sofortige Rückkehr dieser unglücklichen Opfer eines akuten internationalen Konfliktes nach ihren Heimstätten und ihrer gewohnten Arbeit. Die gesündeste Politik gegenüber Deutschland im gegenwärtigen Zeitpunkt sei, die vernünftigen Elemente zu stärken, die tn der Regierung des Reichskanzlers Marr und des Außenministers Stresemann gut vertreten seien und jede weitere Herausforderung der erlremsten
Ein Zeituugsskandal.
Rom, 20. Juni. Der „Eorriere d'Jtaliano" die durch die Mordasiär« schwer kompromittierte Zeitung, bat das Erscheine« ringest e l l t. Das Blatt bat innerhalb 10 Monaten 7 Mill. Lire verbraucht, dir aus dem Geheimfonds de« Ministerium« des Innern stammen. Bei der Berbaftung des Direktors des Blattes, Filivelli, wurden laut „Ee- colo" außer einem dicken Bündel Banknoten auch noch Dokumente gefunden, von, denen einige so schwerwiegender Natur waren, daß fie Mussoloni selbst übersandt wurden.
Unzufriedenheit Lei der Opposttio» in Italien.
Rom, 20. Juni. Die Opposition, die vorgestern wieder vollständig »u einer Versammlung rusammen- fam. nahm eine Tagesordnung an, wonach die bis- b gefaßten Beschlüsse für alle Gruppen und Parteien Lr verbindlich erklärt wurden. Am 25. Juni findet eine Vollversammlung aller ovvofitionellen Parteien statt als Kundgebung für den ermordeten Matteotti. Die Ovvositionsgruppen erklärten ferner, mit den bisherigen Maßnahmen nicht zufrieden zu sein. Sie verlangen ein entschlossenes Vorgehen der Regierung, eine völlige Aufklärung des Verbrechens und den baldigen Zusammentritt der italienischen Kammer.
*
Kundgebungen in Toulon.
Paris, 19. Juni. In Toulon ist es zu K u n d» gedungen gegen den italienischen Generalkonsul gekommen. Die Manifestanten batten sich auf dem Bouleward de Sttasbourg zu einem Zug zusammengeschlossen und stießen Rufe aus: Es lebe Mateotti! Einige Teilnehmer an der Kundgebung wurden verhaftet, später aber wieder freigelassen.
*
Die Arbeiter und der Matteottimord.
London, 19. Juni. Im Verlauf der gestrigen Unterhaussitzung erklärte Ma Donald, daß die von der Arbeiterpartei angenommene Resolution, betreffend den Matteottimord nichts enthalte, was von Italien als verletzend aufgefaßt werden könnte.
riet empfangen worden. 3m Verlaufe der Unter- refrung wurden eine Anzahl von Fragen besprochen, die im Zusammenhang mit der politischen Lage stehen. Unter anderem wurde auch das Problem der Micum- »ertröge eingehend erörtert.
---*---
Zur Lagt in Italien.
Filivelli legt ein Geständnis ab.
Rom, 20. Juni. Filivelli bat bereits ein Geständnis abgelegt. Er hat wiederholt Weinkrämpfe erlitten und ist sehr niedergeschlagen. Auch der zweite Verhaftete, D u m i n i, hat seine Teilnahme an dem Verbrechen bereits eingestanden. Der Untersuchungs- Mtetär Fanzi veröffentlicht Drohungen, tn welchen er auf hochstehende Persönlichkeiten abzielt und mit Enthüllungen droht. Nach den Verhaftungen ist die allgemeine Lage wieder etwas ruhiger geworden. Die Neubesetzung der Ministerien wurde auf Anfang Juli verschoben, damit es nicht den Anschein habe, als ob die Regierung dem Druck von außen gewichen wär«.
nationalistischen Gruppen zu vermeiden, der Linke, die aggressive Tradition des Vorkriegsdeutschland geltend
---*---
Aotch Seme über die emvM'cke Mckmo.
Lohnt n, 20. Juni. Llohd Georgs er- klärte in bet gestrigen Anlechausfitzung, nach seiner Ansicht seien die Aussichten für eine europäische Regelung gut. Der Dawesbericht sei ein wirklicher Segen und es seien Tatsachen vorhanden, die darauf hindeuten, daß der Bericht angenommen werde. Frankreich habe das Ruhrexperiment versucht. Es sei aber gescheitert. Ein anderer riesiger Bor- tc.il sei, tcß die Bereinigten Staaten an der Regelung teilnchmen würden. Die gegenwärtige ame- rikanis-he Regierung sei mehr oder weniger an dem Erfolg des Dawesplanes interessiert. Es könne jedoch nicht angenommen werden,, daß mit der Regelung der RrvarativnSfrage das Ende der für den Handel bestehenden Schwierigkeiten gekommen sei. Die Regierung dürfe nicht erwarten, daß die Da- wesreaelung eine endgültige sein werde. Sie werde die Wirkung haben, eine Atmosphäre heroorzu- rufen, die dem europäischen Handel nützen weide. Aber die unmittelbare Wirkung auf den britischen Handel werde nicht gut sein. Gegenwärtig habe England etwa 74'/, Prozent seiner BorkriegsauSfuhr wieder erreicht. Die Bsrmin- derung des Handels sei nicht auf 6io„ Tatsache zurückzusühren, daß irgendjemand den britischen Hendel weggenommen habe. Deutschland sei der mächtigste Rivale Englands vor dem Kriege gewesen. Deutschland führe seit dem Kriege nicht mehr als 40 Prozent gegenüber der Borkriegszeit aus. Soviel er wisse, sei im letzten Jahre die deutsche Ausfuhr nicht über 20 bis 25 Prozent BorlncgSumfanges hinausgegangen. Die Deutschen könnten infolge der Tatsache, daß ihr Kredit gesun'en sei. nicht Rohstoffe zu einem Preise kaufen, der ihnen ermöglichte, mit England auf den ausländischen Märkten zu konkurrieren. Deutschland habe 35 bis 40 Prozent für Anleihen für seine Geschäfte zu zahlen. In dem Augenblick, da man den deuffchen Kredit wieder herstelle, würden diese Hemmungen verschwinden. Der Erfolg des Dawesberichtes hänge von dem gerade ab, indem sich der deutsche Kredit wieder auf» b ptu könne.
Soviel er wisse, sei die Summe, die Deuffch- land von auswärts vorgestreckt werden solle, 4 0 Millionen Pfund in Gold. Dieses Gelb werbe nicht gezahlt an Frankreich, Großbritannien, Belgien oder Italien, sondern an die deutschen Kohlenbefitzer und Stahlfirmen und an Leute, die W^ren an die Besatzungstruppen lieferten. Dies sei de: Beginn der Wiederherstellung des deutschen Kredites. Eine Reihe von Krediten wurde vereinbart, wobei die Eisenbahnen und andere Einrichtungen als Sicherheit gegeben werden sollen. Die Gesamtsumme werde den fabelhaften Betrag ton etwa 130 Millionen Pfund erreichen.
Während der Zeit, in der die Deutschen nicht in der Lage waren, mit dem übrigen Teil der Welt Handel zu treiben, setzten sie ihre ganze Energie in die Wiederausstattung ihres Landes. Frankreich, Italien und Belgien und in sehr großem Umfange auch die Bereinigten Starrten hätten dies getan. England dagegen habe weniger als jedes andere Land in der Welt in dieser Hinsicht getan. England habe seit 1913 weniger Fortschritte inbezug auf die elektrische Kraft gemacht.
Der «njtigenprei» beträgt für den 10 geb. Zeilenmillimeter 0,08 Soldmark. Amtliche und auswärtige ««neigen 0,1' mart, Bei schwierigem Satz 50'/, Ausschlag. Sammelanzeigen 100 Au sich lag. Reklamen 0,35 Selb matt Jeder
gilt al» Barrabatt und verfällt, wenn die Zahlung später al» 5 Tage erfolgt. Belege werden berechnet ebenso « durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg, 1 G.-Mk. — «st, Dollar,
i | P.t ris, 2t. Juni. In der Rachffitzung der EKammer kam es zu sehr erregten Auseinandersetzungen über dis Politik der Re- Dierung gegenüber Elsaß-Lothrlngen ■jEine von der Rechten eingebrachte Interpellation
i :vertrat den Standpunkt, daß eine vollkommene : Gleichstellung nicht möglich sei. Dagegen behaup- i tet der neugewählte Sozialist W e i l l, die M e h r - : heit der Elsässer und Lothringer habe sich sür die Beendigung des Ausnahmezustandes ausgesprochen. Der lothringische Abgeordnete Schumann er-
। klärte, von 24 lothringischen Abgeordneten hätten x tzn 21 beauftragt, gegen die Erklärung des Mini- sterpräsidenten zu sprechen. Abg. Weill kann also jfir die drei übrigen Abgeordneten nicht die Mehrheit der Wähler in Anspruch nehmen. Minister-
- /Präsident Herr io t erklärte, es könne kein Äon» •tcrOnt in ElsaH-Lothringen geben, da das Konkordat iin Frankreich abgeschafft fei. Die Debatte wird Aaraus geschlossen und es kommt bei der Erläuterung der Abstimmung zu ungeheuren Tumult - ilzene n, die schließlich in eine Schlägerei, Hauptsächlich zwischen Kommunisten und Svzi.i-
i Wen ausartete. Die Sitzung muh unterbrochen und hie Tribünen müssen geräumt werden.
eüUW
Anzeiger für (das früher hirbtffW Obrrheffen - Amtliches Berkün-igungsblatt -es Kreises Maehmg
rlS jede« andere groß« Land. Deutschland habe vor dem Kriege weniger elektrische Kraft zu seiner Dersügung gehabt als England, aber es habe fit seither um 40 Prozent vermehrt trotz der Tatsache^ daß ein Drittel seiner Kohlen ihm weggenvmme» seien. Die deuffche Schuld, die rund 10 Willis onen Pfund betrug, sei vollkommen ausgetilgt,' ebenso bi« Munizipalfchulden und die industrielles Obligationen. England dagegen habe jetzt elntz, Schuld von über 7 Milliarden Pfund und dabei die Schulden der Vbligattonen wie vor dem Krieges Zweifellos sei der deutsche Kredit g«s ch L di gtH worden, aber wenn er wiederhergestellt sei, so werdL Deutschland die Kraft und die Pläne bereit haben.' Alles, was Deutschland wolle, dei Kredit, um' in die Lag z i kommen, neu zu b gnnen Deutschland werde ihn auch erhallen.
---*---
Dir ReuaiiWlima bet dtuljchm RtgittUNgSfNM.
Der für den kommenden Dienstag vorgeseh« Wtederzusammentritt des Reichstages ist ein wichtiger Auftakt zu den für Mitte 3uli vorgesehenen Entscheidungen über die Annahme der Gesetze Sachverständigen-GutacktenS. Die RHffo» rung Marx-Stresemann wird während der kurzen Ta-, gung keine Gefahr laufen, einer parlamentarischen Nie-, derlagc ausgesetzt zu sein, aber die nunmehr vollzählig tu Berlin versammelten Reichstagsfraktionell werdeu hinter den Kulissen über das Schicksal deSReichS», kabinettS das Urteil zu sprechen haben. Sie Vorverhandlungen zu einer Wiederaufnahme der Besprechungen mit den Deutschnationalen sind in vollem Ganges aber irgendwelche Ergebnisse find noch nicht erzielt,^ Wenn es gelingen sollte, mit detzi Deutschnationalen, diesmal zu einer Einigung zu kommen, so würde die Ne-, gicrimg Marx-Stresemann vollständig umgebt!-, 6et und durch die Aufnahme deutschnationaler Minister, ergänzt werden. Sn den Kreisen der Regierungspao» tden befindet man sich in Verlegenheit. Dur Mt Deutsche Volkspartei hat ernsthaft den Wunsch,, den letzten Versuch zu einer Verständigung mit des, Deutschnationalen zu fördern. D im Zentrum un6. bei den Demokraten dürste die Hinzuziehung bet’ Deutschnationalen vielleicht noch auf stärkeren Wider-, stand stoßen als bei den früheren Verhandlungen. Wens die deutschnationale Deichstagsfraktion sich für di« Durchführung des Sachverständigen-Gutachtens auHpre- cheit sollte ,so würde allerdings der einzige Grund, warum man die Deutschnationalen von der Regierung fcrngehalten hat, vollständig in Wegfall kommen. ®fe3< scheint man beim Zentrum und bei den Demokraten schtk. wohl zu wissen, aber dennoch sind diese Parteien unt- schieden gegen eine Regierung deS Bürgerblocks im Reiche. Maßgebend für sie dürfte bet Full fein, daß Herriot nur mit einer ausgesprochen demokratischen Regierung in Deutschland zusammen arbeiten will und man in der Hinzuziehung der Deutsch- nationalen ein Hindernis für die Verständigung mit Frankreich zu sehen glaubt. Leber diese Auflassung wird seit mehreren Tagen zwischen den volksparteilichen Kreisen einerseits und den Demokraten und dem Zentrum andererseits ziemlich heftig gekämpft. Di». Deutsche Volkspartei glaubt unter keinen Entständen Die . Erwägungen der Demokraten teilen zu können, denen eS. darauf ankomme, die deutsche Außenpolitik nach rein, innenpolitischen Gesichtspunkten zu orientieren. Wenn die Demokraten in Deutschland den Wunsch haben, sollten, dem Appell Herriots an die deutsche Demokratie Folge zu leisten, so sei das ihre parteipolitische Olnge#' legenh eit. aber man könne doch nicht verhehlen wollen, daß die Einmischung Herriots in die innerpolitischen Verhältnisse für die nicht-demokratischen Parteien ir- gendwie maßgebend sein könnte. Den Demokraten wäre offenbar nichts erwünschter, als wenn man die Sozialdemokraten zur Regierung heranziehe und den inner- politischen Streit mit den Deutschnationalen forFührt. (
Es scheint, daß Reichskanzler Dr. Marr seinen Einfluß dahin geltend macht, daß eine Umbildung der Regierung vor der Durchführung der außenpolitischen Entscheidungen überhaupt nicht vorgenommen werden dürfe. Wenigstens wird heute in Zenirumskrrisen behauptet, daß der Kanzler gewillt sei, auf sein Amt zu verzichten .wenn eine Regierung des Bürgerblocks gebildet werben solle. Dr. Marx sei kein Freund de» Bürgerblockpolitik und werde einen solchen Weg nicht mitmachen können. Ob diese Behauptungen zutressen, muh abgewartet werden. Sedenfalls scheint das Reichs- kabinett auf die Regierungsparteien einen starken SnA. i auszuüben, um sie zu veranlassen, in der Regierungs-i frage keine neuen Schritte einzuleiten, bevor nicht diel gegenwärtigen diplomatischen Aktionen durchgesichtt. sind. Es ist daher auch sehr wahrscheinlich, daß die, Verhandlungen über die Regierungsbildung zunächst / unter Vermeidung öffentlicher Erörterungen hmte», streng verschlossenen Türen gepflogen werden. 3eben«; falls wird die ganze Regierungsfrage neu aus gerollt werden müssen, denn es stellt sich immer mehr heraus,/ daß die gegenwärtige Regierung Marx-Etresemann kaum die Grundlage zu einer Umbildung der Regierung aögeben dürfte. Dazu sind die eigentlichen Köpfe 6et. Regierung, der Kanzler Dr. Marx und Minister St/ Stresemann. denn doch in ihrer Politik zu stark festgelegt, als daß sie einen innenpolitischen Kompromiß der rein theoretischen Formeln zustandebringen könnten.^ älm einen solchen würde es sich aber handeln müssens wenn in dem gegenwärtigen ungeklärten 'Augenblick, der noch ausstehenden Entscheidungen plötzlich die neue, Regierung gebildet werden soll. Die parlamentarische Konstellation im neuen Reichstag ist absolut keine sichere, Grundlage für eine charakterstarke Degierungspvl.tck, die, jetzt dringend vonnöten wäre. Es wird sich überhaupt > Herausstellen müssen, ob eine Auflösung des jetzigen Reichstages vermied« werd« kann, da die Krage j
! 4?^Qberhessffche Zeitung" erscheint sechsmal wöLentlich. — Bezugspreis monatlich 2 Maik ausschließlich Zustellungsz«- Mbr Durch di« Post 2,25 Mk. — Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz — Btalag I-aDr.T. Hitzer»th. — Druck derllniv.-Buchdruckerei von Ioh. Auz. Koch, Markt 21/23. — Fernspr. 5ö, Postscheckkonto: 3h.5015 H Amt Frankfurt a. Main.