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59. Mrs. 1924

Marburg a. L, Freitag, den 20. 3uiri

ObechrMHZ Jettuns

. Anzeiger für (das Mer kwAWche) Oberheffen - Amtliches Verkünöigungsblatt -es Kreises Marburg

«tOberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 Mark ausschließlich Zustellungsg«- Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 aesp. Zeilenmillimeter 0,08 Goldmark. Amtlich« und auswärtige Anzeigen 0,10 Gold, Durch die Post 2,25 Mk. Für aussallende Nummern insolge Streiks oder ele nentarer Ereignisse kein ErsatzVerlag mark. Bei schwierigem Satz 50"/, Ausschlag. Sammelanzeigen 100 °/, Aufschlag. Reklamen 0,55 Doldmark. 3eb«t Rabatt

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Sie Nerleauenssrage für fierriol.

i Sine stürmisch« Kammerfitzung.

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Paris, 20. 3uni. Äm 1.30 Ähr vormittags hat die

emmer mit 313 gegen 234 Stimmen der Lenierung

Paris. 13. Juni. Die Kaminerfihung wurde um -Uhr durch Painlevs eröffnet. Auf der Tagesord- »mg steht zunächst die Interpellation Dokanoivfkis. Jokanowski begründet seine Interpellation über die Finanzpolitik der Regierung. Er will baS neue Kabi^ ytt nicht behindern, hält es aber für nützlich, den R!i° ^sterpräsidenten um einige genauere Angaben zu bitten. Kenn die Regierung keine Unvorsichtigkeit begeht, dann s i -raucht man für den öffentlichen Kredit nichts zu Irsürchten. Zum erstenmal gestatten die Mehreinnah­men die Durchführung beS vollkommenen Budget- uusgleichs, außerdem mutz bemerkt werden, daß mrschiedene in der letzten Legislaturperiode angenoinme- -wtr. neuen Steuererhebungen noch garnicht vollkommen ßurchgeführt worden sind.

Dokanvwfki spricht dann weiter unter dem Aeisall der Mitte und der Rechten gegendieKapt» talsteuer und fragt schließlich den Ministerpräsiden­ten. ob er entschlossen sei, keine neue Ausgaben anzu­nehmen, ohne entsprechende Einnahmen und ob er an pnc Kapitalsbesteuerung denke. Hier sei es unbedingt Notwendig nähere Erklärungen zu erhalten. Als der 2edner gerade seine Ausführungen beenden will, erhebt jto ein Abgeordneter von der Rechten und kündigt die Dahl deS Senator de Selbes zum Senatspräst .Heuten an. Die Abgeordneten der Mitte und der Lechten applaudieren. Einer der Abgeordneten ruft: ^Nieder mit EaillauxN Der sozialistische Abgeordnete BEoutet ruft: »Wir haben keine Angst vor dem Kampf Hst, dem Senat." I

I? Nach Dokanowski ergreift der sozialistische Abgeord­nete Paul Saure das Wort, um namenS seiner Partei eine Erklärung zu verlesen. Abg. Saure verliest tinc Erklärung, in der es heißt, die sozialistische Parte' Aaube, daß durch die Wahl vom 11. Mai Frankreich »chr nur eine Verschiebung der Parteistärke, sondern » auch auf politischem Gebiet eine vollkommene Slenderung vorgenommen werden solle.

L Die Sozialistische Partei glaube als Beauftragte der erbeitermafTen zu handeln, wenn sie der gegenwärtigen Negierung, die entschlossen sei, baS Werk der Aepa- *tionen durchzuführen, Vertrauen schenkt.

Rach dieser Erklärung, die von den Parteien des Linksblocks mit Beifall ausgenommen wurde, wird die Mtzung unterbrochen. Rach Wiederaufnahme der Sitz­ung ergreift der ehemalige Minister für öffentliche Ar- feiten LeTrocquerdas Wort. Er habe, so erklärt? ftr eingangs seiner Rede, nicht die Absicht, dem Mini- Herpräsidenten bei den vorstehenden Verhandlungen Schwierigkeiten zu bereiten. Mehr denn je müsse Frank­reich über den Parteien bleiben. Aber er glaube die ffl.djt zu haben, von dem Ministerpräsidenten einige Aufklärung zu fordern. Deutschland habe seine Verpflichtungen aus dem Londoner Zahlungsplan nicht erfüllt. Es hat bis zum 3. Dezember 1922 nur 8150 Millionen be''*" Wenn man bedenke, daß Deutsch- lend während "riegeS für 6Milliarden Dohmate- kMl requiriert habe, dann dürfe man wohl erklären, kah die Deutschen weder auf Aeparativnskvnto noch stgend ein anderes Konto irgend etwas bezahlt hätten.

Der Sachverständigenbericht besagt auch, wie die deutsche Industrie und die Eisenbahn seit Wafsenstill- ß«nd vervollkommnet worden sind. Le Lrocquer wen» Det sich alsdann der Stelle der Kabinettserklärung zu. ' M der von der Ruhrräumung die Rebe ist. Le Droc- Mer meint, um gegen neue Richterfüllungen Deutsch- «nds geschützt zu fein, müsse man die militärische Be- Mung aufrecht erhalten.- (Beifall rechts und in einem feil der Mitte, starke Bewegung.) Die einzige «orm, die die Rechte Frankreichs tnbe- hng auf die Reparationen wahrt, ist die lufrechterhaltung der militSrischen.Bc- etzung im Verhältnis zu den durchge- führten Zahlungen. (Unterbrechungen links, Zu- Nf: diese Politik hat bas Land verurteilt.) Le Trvc- Mer:Rein niemals."

I $) erriet ergreift als da nn daS Wort, «ebhaster Beifall auf der ganzen Linken.) Leider fuß ichdaraus bringen, daß bie Debatte Je ute abend z u Ende geht. (Sehr gut.) D' i pufgafie der Regier ung ist schwieriger, «ls lediglich Früchte zu ernten. Man kann Rr Regierungserklärung nicht vorwerfen, daß sie nicht Mir und genau sei. (Bewegung rechts.) Die Regierung Dürde auf die Macht verzichten, wenn die Umstands es nicht gestatten würden, fernerhin auf eine wirklich demokratische Mehrheit zu bauen. (Lebhafte llnter- Brechungen rechts, Beifall links.)

Während der Rede Herriots kommt es zu derartig. Deftigen Unterbrechungen seitens derRech- Ftn daß die Sitzung fast zu einer Lchläge- H«i ausgeartet wäre. Painlev^mußte in- N»l ged essen etwa um 7 Ähr die Sitzung Hur $ unterbrechen.

! i Kurz nach 9 Ähr mutzte die Kammerfitz» Mrg erneut auf Grund der Zwischenfälle Mn ter krochen werden. Die Sitzung wird f»« 10 Ähr fortgesetzt. *

Rach Wiederaufnahme der Sitzung um 10 Ähr for- | Berte Painleve in feiner Eigenschaft als Vorsitzender die | Warnte Kammer auf, Zurückhaltung zu üben. (Beikali.) iferriot schließt sich b,-m Protest deS Vorsitzenden, so- *'-e seiner Aufforderung an.

I Als verschiedene Zurufe die Verschiebung der Sitzung 'erlangen, Bittet Herriot darum, daß man ihn seine Ausführungen beenden läßt . Die Forderung, eine Po'schaft beim Vatikan zu unterhalten, sei in keiner Deise berechtigt. Sm Orient sei es Frankreich, das uf Grund alter Rechte die Aufgabe habe, die Kaiho- «en zu schützen. Frankreich habe die katholische Welt Hu beschützen und nicht die katholische Welt Frankreich.

Herriot ihr Vertrauen ausgesprochen. Die angenommene Tagesordnung hat folgenden Wortlaut: Die Kammer bestätigt die Erklärung der Regierung im Vertrauen darauf, daß sie die durch das allgemeine Stimmrecht am 11. Mai bestätigte Politik durchführen wird. Sie lehnt jede weitere Hinzufügung ab und geht zur Tagesordnung über.

Der Ministerpräsident hatte die Ver­trauensfrage gestellt. Die Kammer vertagte sich darauf auf nächsten Sonnabend.

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Herriot ht Ausführung seines Resienmgsvrogramms.

Paris, 19. Suni. Herriot hat gestern im An­schluß an seine Unterredung mit dem belgischen Außen­minister Hymans noch eine Reihe diplomatischer Per­sönlichkeiten zu wichtigen Besprechungen empfangen, die sich offenbar alle auf seine bevorstehende Reise nach -Ehequers bezogen. Besondere Bedeutung mißt man der langen Besprechung zwischen Herriot und Soules C a m b o n, dem Vorsitzenden der Botschafterkonferenz, zu, sowie einer anschließenden Besprechung mit Bar­th o u, dem Präsidenten der ReparationSkommission. Schließlich mag auch noch der Besuch des Kriegsniini- sters. General Rollet, bei Herriot erwähnt werden. 3m Verlaufe der Unterredung mit Darthou hat Herriot um genaue Angabe des Standes des Aeparalionsvrvb- lems gebeten. Bei der Aussprache waren auch Pe- retti dela Rocca, der Direktor der politischen Ab­teilung am Quai d'Orsay und Herr Sehdoux zu­gegen. Die Presse bestätigt im übrigen die bereits ge­machten Angaben betreffend das Degierungsprvgramm Herriots. Herriot verläßt demnach Paris Samstag früh um 8.15 Ähr und trifft am Rachmittag in Cheauers ein. Er wird den ganzen Sonntag im Gespräch mit Ramsa. h Mac Donald verbringen und am Mon­tag früh nach Brüssel aufbrechen. Für Dienstag wird Herriot nach Paris zurückerwartet. Die Presse ist selbst­verständlich nicht in der Lage, genaue Mitteilungen über den Snhalt der Änterredung mit Mac Donald zu machen.M a t i n meldet zur Frage der Anerkennung Sowjetruhlands, daß die französische Regierung die Ab­sicht habe, sämtftche Franzosen, die Sntereffen in Ruß­land haben sowie in erster Linie die Snhaber russischer Wertpapiere, um ihre genaue Ansicht zu befragen. Herriot gedenkt hinsichtlich der Anerkennung Sowjerruh- lands in einen Meinungsaustausch mit der Washing­toner Regierung einzutreten. Die Bereinigten Staaten und Frankreich hätten in den letzten Sahren eilte gleiche Stellung gegenüber Rußland angenommen. Wenn Frankreich jetzt zu einer anderen Auffassung der Dinge gelangen werde, so werde eine entsprechende Stellung gegenüber Rußland nur nach vorheriger freier Aus­sprache mit Amerika geschehen. Hymans ist gestern abend wieder in der belgischen Haupt st adt ein g e t r of f.e h. Den Standpunkt der belgischen Re­gierung faßt der Berichterstatter desOeuvre" wie folgt zusammen: Belgien beabsichtige, die von den Sachaer- ständigen vorgesehenen Zahlungen nicht als ein Höchst­maß. sondern als ein Mindestmaß der deutschen Zahlungsfähigkeit zu betrachten. Aus diesem Grunde werde Belgien auf der völligen Zahlung der vom Daweskomitee ermittelten Beträge bestehen. Weiter stehe Belgien auf dem Standpunkt, daß die integr­al l i l e r t e S^H u I b e p f r a g e, unbekümmert um die Ausführung des Sachverständigenberichtes behandelt werden müsse.

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Die Fraktionen bet Kammer.

Paris, 19. Suni. Die Fraktionen der Kammer haben sich nunmehr endgültig konstituiert. Die stärkste Partei sind die Radikalsozialisten mit 139 Mitgliedern, ihr folgt die sozialistische Partei mit 104 Mitgliedern, dann kommt die Demokratisch-Republikanische Union (so nennt sich die ehemalige Drago-Partei) mit 103 Sitzen, die Sozialistisch-Republikanische Fraktion, der sich die rechtsstehenden Sozialisten angeschlossen haben mit 44 Sitzen, die Demokratische Linke (Svnnart-Parlei) zählt 43 Mandate. 3hr schließt sich die neugebildete Fraktion der Radikalen Linken mit 42 Stimmen an, der jetzt auch der mehrmalige Kammerpräsident Raoul Peret ange» hört; die nächststärkste Gruppe ist die Linksrepublika­nische Partei mit 38 Mitgliedern, darauf folgen die Kommunisten mit 26 Mitgliedern, die Gruppe der Demokraten (Elsaß-Lothringer und einige Dissidenten) mit 14 Mitgliedern. Zu keiner Partei gehören 28 Ab­geordnete.

Bevorstehender französischer Botschafterwcchs.'l.

Paris, 19. Suni. Der Berliner Korrespondent desI o u r n a 1 meldet, daß der französische Bot­schafter in Berlin de Margerie zur Fühlungnahme mit der französischen Regierung beute nach Paris abreijen werde. Nach dem Korrespondent soll d e Margerie als Nachfolger für den fran­zösischen Botschafter in Rom Sattere tn Frage kommen Zum Nachfolger des zum Kriegs­ministet ernannten General Rollet von der inter- allHerten Militär-Kontrollkommisston wird dem Be­richterstatter zufolge Duvont ernannt werden.

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9t Stlvts SkimisvwMnI.

Paris, 19. Juni. Der Senat hat zu Beginn­seiner heuttgen Sitzung die durch die Wahl Doumergue zum Präfidenten der Republik notwendig gewordene Wahl eines Präsidenten vorgenommen. Der Kandidat der demokratischen Linken war, wie bereits gemeldet, deren Vorsitzender, der Abg. Bien- venu-Martin. Für die Mittelparteien kandidierte der ehemalige Minister des Innern v e Seines, der der Republikanischen Union angehört. Letzterer wurde mit 151 Stimmen gewählt. Bien- venu-Martin erhielt 134 Stimmen.

Die Krise des zairisums.

Es läßt sich nicht leugnen, daß die @rmor du ng des sozialistischen Abg. Watte- otti die anscheinend festgefügteste Regierung Eu­ropas, Len Faschismus Mussolinis in eine nicht ungefährlich« Krise gestürzt. Diese Tatsache ist insofern erstaunlich, als Mord und Gewalttat zu politischer Zwecken in Italien im allgemeinen nicht zu den Ausnahmeerscheinungen gehören. Be­deutungsvoll ist die Mordtat erst dadurch gewor­den, daß ein großer Kreis führender Faschisten beteiligt ist. Mufsvlini scheint nun die Hochgeyende Erregung zu einer Generalreinigung benutzen zu wollen. ES ist bezeichnend, daß sich die Ent­rüstung in Italien nicht gegen Mussolini, auch nicht gegen seine politische Gedankenwelt sondern aus­schließlich gegen den Mißbrauch dieser Gedanken ourch entartete Änterorgane kehrt. Mehr denn je blickt im Augenblick ganz Italien über di: Kreise des organisierten Faschismus hinaus- auf den Mann in Rom, von dem allein man Taten der Säube­rung und Diederherstellung der öffentlichen Sichcr- hcit erw.rtet.

Reue Betmutungen über den Mord an Matteotti.

Rom, 19. Suni. Sn parlamentarischen Kreisen versichert man, daß die italienische Kammer demnächst zu einer kurzen Sitzungsperiode zusammen­treten wird, und daß Musiolini dann zu einer weiteren Umbildung des Kabinetts schreiten werde, die sich auf drei bis vier Ministerien erstrecken würde. Sm Vordergründe des Interesses steht wiederum die Affäre Matteotti. Die Blätter berichten: Es steht außer Zweifel, daß Matteotti auf sondere Art und Weise umgebracht worden sei. Einzelne wollen wissen, daß es zunächst sich darum gehandelt habe Mat­teotti sein Aktenmaterial, welches er in einer Kam- merrebe gegen eine Reihe von frübrenben Mitgliedern des Fafzismus eermenben wollte, zu entreißen. Gestern abend ist von Mailand kommend der Sozialdemokrat Gonzales nach Rom zurückgekehrt und hat ver­sichert, daß der Faszist V o l p i, einer der Mörder, seinen Freunden Enthüllungen über den Ort, wo der Leichnam liegt, gemacht habe. Der Leichnam befindet sich 100 Schritte von der Stelle entfernt, wo bas Auto­mobil ber Entführer gesehen wurde. Dort müsse die Leiche gesucht werben. Sn seinem Verhör hat Fili­ve l l i richtige Angaben über den Mord gemacht. Dum in i trägt ein herausforderndes freches Beneh­men zur Schau und verweigert jede Auskunft, trotzdem in seiner Wohnung-^ blutbefleckte Kleidungsstücke und das Messer gefunden wurde. Schließlich mußte er doch seine indirekte Beteiligung an dem Mord zugeben. Es steht fest, daß ein Komplott bestand, um Mat teotti aus dem Wege zu räumen.

Rom, 19. Suni. Gestern abend verstimme::en sich in ber Kammer bie Vertreter ber oppositionellen Abge- orbnetengruvven. Nachbem sie festgestellt hatten, baß bas Exekutivkomitee ber Kommunistischen Partei eine Mitteilung veröffentlicht hatte, bie sich im wesentlichen von ben «oransesangenen Besprechungen unterscheibet uitb sogar zu Eegenkundgebungen aufforbert, würbe eine Tagesordnung angenommen, in ber betont wirb, daß die in ben Versammlungen ber Opposition gefaß­ten Entschließungen bie Parteien unb Zeitungen ver­pflichten unb die Möglichkeit von Kundgebungen aus­schließen, die zu diesen Entschlüßen im Widerspruch stehen. Die Tagesordnung wurde einstimmig mit Aus­nahme der Kommunisten angenommen. Es wurde be­schloßen, zur Erinnerungsfeier für Mat­teotti die Opposition auf den 25. Suni einzuberufen.

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Eine Bettranenslundgebung für Musiolini.

Rom, 19. Suni. Die Vereinigung ber Frontkämpfer, ber fast alle ehemaligen Front­kämpfer angehören, bat eine Tagesorbnung angenom­men, in ber versichert wirb, daß bas Vertrauen ber Maßen zum Werke ber Regierung Mus­solini lebhaft unb unerschütterlich sei

R o m, 19. Suni. Das Direktorium ber faszistischen Partei nahm aus allen Provinzen einlaufenbe Kunb- gebungen entgegen, bie alle ihr unerschütter­liches Vertrauen zur Regierung u nb ihre oöllige Ergebenheit für Mussolini bekunden. Der Vorstand der faszistischen Eewerkschafts- vcrbände nahm eine Tagesordnung an, in der tiefster Schmerz über bas an Matteotti begangene Verbrechen ausgebrückt wirb unb von neuem namens aller Ver­bands-Angehörigen unb italienischen Arbeiter uner­schütterliches Vertrauen für Musiolini ausgesprochen wirb.

Rom, 19. Suni. Die öffentliche Meinung ist übet die Maßnahmen ber Regierung sehr befriedigt. Die Blätter bekunden fast einmütig ihre Zustimmung zur Ernennung Federzonis zum Innenminister, in ber sie eine Persönlichkeit von überragender Bedeu­tung sehen, bie bie großen Ergebnisse der Politik Mußolinis kenne und eine große Wertschätzung für den Ministerpräsidenten hege. Die Blätter äußern ferner ihre Zufriedenheit über die ersten Amtshandlungen Federzonis unb brücken bas Vertrauen aus, daß bie in­nere Politik jenes Gleichgewicht erlangen könne, bas die auswärtige Politik und bie Finanzpolitik durch bas Verdienst der Regierung Mußolinis bereits erlangt hätten.

Rom, 19. Suni. Mehrere Städte haben große Kundgebungen als Huldigung für Musiolini veran­staltet.

Eine weitere Berhaftuug.

Mailand, 19. Suni. Unter der Beschuldigung andere zur Freiheitsberaubung des sozialbernokrati- schen Generalsekretärs Matteotti angestiftet zu haben, ist das Mitglied des faszistischen Direktoriums, der ad­ministrative Sekretär der faszistischen Par­tei, Marinelli, verhaftet worben.

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Rom, 19. Suni. WieEorriere d'Stalia" erfährt, bat der Vorstand der Sozialistischen Partei beschlößet^ bei dem Matteotttvrozeb als Klägervartei auf» zutreten.

Neuer Fasristenmord.

Paris, 19. Suni. Nach demMondo" würbe der Faszist Voghera, der öffentlich den Tod Mai- teottis beklagte, von einem Unbekannten tötlich verwundet.

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Rom, 19. Juni. Die Gerichtsbehörde hat das Vermögen des Advokaten Filipelli in Mailanl beschlagnahmt.

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Sie Einziehung der Repamliomn.

London, 19. Juni. Im Unterlaufe wurde gestern an den Schatzkanzler die Frage gerichtet, ob die Abmachungen betreffs der AePara­tionseinziehung, die am 1&. ds. Mts. zu Ende gingen, weiter in Kraft bleiben würden. Schahkanzler Snewden erwiderte, die britisch« Regierung habe mit der deutschen Regierung der- einbart, die bestehenden Abmachungen, durch DU die Abgaben unter der deutschen ReparationS-Re- coverh Akte auf 5 Prozent festgesetzt wurden, zu verlängern, bis die Anempfehlungen det Sachverstand igenausschusses in Kraft gesetzt »erben, Die diesbezüglichen Bestimmungen feien von Deutschland ebenfalls in gleicher Weife verlängeri werden. Lwht Greame fragte hierauf, ob dies bedeute, daß, wenn keinerlei zeitliche Grenze für diese weiteren Abmachungen gesetzt sei und an­genommen würde, waS niemand anzunehmest Hänfene, daß die Durchführung der erwähnten An­empfehlungen sich als unmöglich erweisen toür6e dann die Reparations-Einziehung-Akte ug- begrenzt und rhn Rücksicht b ra f, was von 61 anderen Ländern getan werde, weiter in Kraft 'blieben? Eno. den eiwiderte, die bestehenden Ab« machungen blieben in Gültigkeit, bis die Anem­pfehlungen des Sachverständigenausschusses str Kraft gesetzt seien. Lloyd Greame erklärte hierauf, dies klinge unbestimmt und er fragte, ob Bel­gien und Frankreich zu gleicher Zeit einge« willigt hätten, ihre entsprechenden Abmachungen betreffend Reparationszahlungen in Waren zu per« - schieben. Snowden erwiderte, er habe keinerlei offizielle Informationen über diese Frage; soviel er wisse, seien jedoch augenblicklich Verhandlungen mit Bezug auf die Micum- und andere Abmach­ungen im Gange. Lloyd Greame fragte, ob dal Haus eine Versicherung erhalten könne, daß in der Frage der Reparationen England nicht wenige» günstig behandeln werden wird als feine Alliierten, Snowden erwiderte, es könne nicht angenommen werden, daß England in dieser Frage weniger günstig behandelt werden wird als seine Alliierten. Es sei keinerlei Aenderung in den Vereinbarungen eingetreten, die am 15. Juni in Kraft waren. Er sei mit Bezug auf die Zeit, die vergehen könne, bevor die Anempfehlungen der Sachverständigen zur Durchführung gebracht werden würden, nicht so pessimistisch, wie Lloyd Greame zu sein scheine. '

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9tr mMch-mtkikmiW Sciuritt.

London, 19. Suni. Aus Mexiko wirb gemelbet, baß ber englische Geschäftsträg er? von seinem Posten abberufen worben ist. Gestern hat sich ein Kabinettsrat mit bei englisch-mexikanischen Krise beschäftigt. Das Foreign Office hatte atu Mexiko eine Darstellung ber Lage erhalten. Nach einet Depesche aus Washington hat bie amerikanische Regie­rung mitgeteilt, baß sie bie Archive unb Dokumente bet großbritannischen Legation in Mexiko übernommen habe. *

London, 19. Juni. Im Unterhause ec klärte Mac Donald, die Haltung der m e i < kanischen Regierung gegenüber dem briti­schen Geschäftsträger Cummins sei in jeder Bezieh­ung unentschuldbar, denn Cummins habe le- liglich die Interessen der britischen Untertanen in Mexiko wahrgenommen. Die Abreise des bri­tischen Geschäftsträgers, die unmittelbar bevor­stehe. werde von den Vereinigten Staaten gesichert. Mac Donald gab weiterhin zu verstehen, daß die britische Regierung unter diesen Umständen auf die Entsendung einer britischen Mission nach Mexin ko verzichte, die sich über die Frage der Aner­kennung fc-r mexxikanischen Regierung unterrichten sollte.

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Kurze Tagung der Reichstages.

Der Seite ft enrat bes Reichstags, dessen 3m femmenberufung wir bereits melbeten, hat beschloßen, ar ber ursprünglichen Plenarsitzung am Dienstag nächster Woche fest zuhalten unb bann bie ganz« Woche hindurch Sitzungen abzuhalten. Von Sonnabend ab soll dann wieder eine etwa vierzehntägige Pause eintreten, um der Regierung Zeit zu geben, bie mit dem Sachverständigen-Eutachteir zusammen­hängenden Gesetzentivürse für die Beratung im Reichs­tag fertigzustellen. Rach der Pause wird also bei Reichstag gegen Mitte 3uli wieder zusam- mentreten, um die Revarationsgesetze 1« erledigen, und es wirb angenommen, daß in der ersten Hälfte des August die größere Sommer- laufe eintreten kann. Die Etatsberatung wird/