t jsr.142 Marburg a. 8., Jomittstag, den 19. Zml 59. Wrg. 1924
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KaSEckv dtt SmlvtMn Rtgimmvö- ErklWung.
Paris, 18. Juni. Mit der gestrigen Botschaft des «räfidenten erklären sich die meisten Blätter einver- »anden. Hebet den Vers der Regierungserklärung ^ben die Auffassungen auseinander. Der allgemeine Eindruck ist der, daß die innerpolitischen Pläne Herrtots oieingeschränkten Beifall der Linken und schärfsten Widerspruch der Opposition bezeugen, während binsicht- ßch des neuen Programms der Regierung auch kritische Stimmen und namentlich aus dem Lager der Linken Mt werden. Der „F i g a r «"wendet sich gegen den Abbruch der Beziehungen zum Vatikan und bezeichnet 6» als einen unverzeihlichen diplomatischen Fehler. $ic Erklärungen Serriots betreffend die Räumung tz« s Ruhrgebietes gegen die im Sachverständi- ßenbericht vorgesehenen Pläne sowie die Vorbehalte, Mt denen er die Anerkennung Cowietruhlands umgibt, Pen überaus weise. „O e u v r e" billigt die Regie- vmgserklärung. „Ere No uv eile" macht dagegen tznsichtlich der Erklärungen Serriots hinsichtlich der JKumung des Ruhrgebiets gegen wirksame Garantien Wrrbehalte. „V i c t o i r e" bemerkt, dah Herve be- ieupte, die gestrige Regierungserklärung sei nur ein »rkavpter Voincarismus. Den Sowjets falle man um >tn Hals, doch auch nur unter der Bedingung, daß Harantien erteilt werden.
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: London. 18. Juni. Das französische Re- Ai erungsprvgramm wird von der englischen Pr e s s e noch nicht ausführlich besprochen, hoch scheinen die Vorbehalte für die Räu- eung des Ruhrgebiets als der Kernpunkt der Erklärung betrachtet zu werden. Zu gleicher Zeit wird bekannt, daß Herrivt auch keineswegs die Absicht habe, auf Sicherungen für den Fall einer deutschen Nichterfüllung zu verzichten. Herri- et will zu diesem Zwecke bei den Londoner Besprechungen allerdings nicht militärische Sanktionen Vorschlägen, wie sie von Poincare geplant seien, er werde jedoch verlangen, daß England sich verpflichte, die deutschen Zahlungen nötigenfalls entweder ton Deutschland zu erzwingen oder für sie eine Garantie zu übernehmen. Sollten derartige Pläne bei der neuen französischen Regierung in der T«tt bestehen, so müßte das notwendigerweise zu einer ^ufrrlhmg der Schuldfrage führen, deren Lösung Wiederum ohne die Teilnahme der -Vereinigten Staaten nicht zu erkennen sei. Zn Bezug auf ibic ru ssische Frage wird hier die Vermutung 'fcut, daß Herrivt die englisch-russische Konferenz Lurch den Hinzutritt Frankreichs zu seiner Drei- WSchle-Konferenz erweitern wolle. Die ^«ffenfeindlichen konservativen Londoner Blätter, denen eine solche Entwicklung nicht willkommen lyäre, machen demgegenüber den Vorschlag, die iwglo-russische Konferenz zu vertagen, um eine vorherige Verständigilng zwischen den Alliierten zu ermöglichen
- Die liberale »Westminster Gazette" schreibt über die Programmerklärung HerrivtS, wenn er die Äuhr nicht räumen wolle, bevor toirt» ^6 nte Bürgschaften für die Durchsüh- ^8«» g d »s F i nanz-S eri ch tes g e g e Sen sei - ,en so werde der französische Ministerpräsident ibtchei vollkommen auf die Anter st ützung Englands rechn en können. Die Aussichten 'auf eine Verständigung zwischen den beiden Re- tzierunzen seien auch sonst sehr günstig. ZedenfallS brauche Frankreich nicht zu befürchten, daß in England irgend ein Wunsch bestehe, mit Deutschland (mild? zu verfahren oder «ine Haltung einzunehmen, die in Berlin als Schwäche gedeutet werden könne.
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Hymans bei Herrivt.
Paris, 18. Juni. Der belgische Außen- Ainister Hymans ist in Begleitung des belgi- .fäen Botschafters in Paris um 11% Uhr am Quai '»Orsay angekommen. Er erklärte den Pressever- tretern, daß er lediglich mit Ministerpräsident Her- tiot Fühlung nehmen werde und daß sein Meinungsaustausch mit ihm wahrscheinlich zu keinem Communiqus an die Presse Anlaß geben werde; fcin Besuch habe lediglich den Zweck, den franzö- Nchen Ministerpräsidenten von den Beratungen in /Kenntnis zu setzen, die The uni s und er vor einiger Zeit mit M a c D o n a l d gehabt hätten. Da Ministerpräsident Herrivt vor seiner Rückkehr Aus England in Brüssel Aufenthalt nehmen werde, würden die französisch-belgischen Besprechungen wahrscheinlich erst dann ihre Danze wünschenswerte Tragweite erhalten.
Paris, 18. Juni. Die Besprechung zwischen ■en Ministerpräsidenten Herriot und dem bel- Gschen Minister Hymans hat um 11% Uhr be- tonnen und bis 12% Uhr gedauert. Minister Hymans hat beim Verlassen des Quai d'Orsay er- Bätt:: „Ich habe Wert darauf gelegt, über Paris 9k reisen, um dem Ministerpräsidenten Herrivt einen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Ich Habe also den französischen Ministerpräsidenten im Kamen der belgischen Regierung begrüßt und ihm tosere Wünsche für den Erfolg seiner Politik Übermacht. Ich habe diese Gelegenheit natürlich besitzt, um meine Ansichten über die politische Ee- dmrlage mit ihm auszutäuschen. Im übrigen bin
fthr befriedigt von dieser ersten Fühlungnahme. Es bleibt dabei, daß Ministerpräsident Herriot bei tonet Rückkehr von London über Brüssel reisen
wird. Erst dann kann eine ins Einzelne gehende Besprechung zwischen den Mitgliedern der belgischen Regierung und dem französischen Ministerpräsidenten stattfinden. Im übrigen habe ich Herriot von den verschiedenen Besprechungen in Kenntnis gesetzt, die Theunis und ich vor einiger Zeit mit Mac Donald gehabt haben."
Unterred»«« St. Anlaire's mit Mac Donald.
London, 18. Juni. Graf St. A u l a i t e wurde gestern früh vor seiner Abreise nach Paris von Mac Donald empfangen.
Breitscheid bei Herriot.
Paris, 18. Juni. Der sozialdemokratische ReichstagsakPeordnete Breitscheid, der sich zur Zeit in Paris aufhält, hat sich heute vormittag in Begleitung des französischen sozialistischen Abgeordneten Moutet zum Ministerpräsidenten Herriot begeben. Havas hält es für wahrscheinlich, daß er heute nachmittag mit dem Ministerpräsidenten Herriot eine Besprechung haben werde.
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Warum soll SruMland In toi zMnbunb?
London, 16. Juni. »Deutschland in den Völker- bun d?" In diese Formel kann man die deutsche Politik Mac Donalds zufammenfafsen. Lord Parmoor vertritt diese Politik mit der besonderen Zustimmung Mac Donalds in Genf. Eie wird auch den Hauptinhalt der Unterredung des englischen und des französischen Ministerpräsidenten in Chequers bilden. Man würde sich aber in Deutschland gewaltig täuschen, wenn man. in diesem „compello intrare" ein besonderes Vertrauensvotum erblickt. Der Gedanke ist vielmehr in gewöhnlicher Sprache ausgedrückt der: Es ist besser, Deutschland fitzt mit uns am Tisch, wo wir seine Hände beobachten können, als daß wir es draußen herumstreichrn lassen. DaS Mißtrauen gegen heimliche deutsche Rüstungen ist eben unausrottbckr und Deutschland rechnet leider nicht mit dieser unwägbaren, aber durch die ganze Welt verbreiteten Substanz. Wan kann das reinste Gewissen habe« — und Deutschland hat sicher in dieser Beziehung ein ganz reines — aber was nützt das. wenn die äußere Geberde nicht dem reinen Gewissen entspricht. And Deutschland hat nun mal das Pech, von der Welt falsch beurteilt zu werden.
So wird der psychologisch ganz erklärliche Mißmut, mit dem die Ernennung des Kontrvllgenerals Rollet zum französischen Kriegsminister in Deutschland ausgenommen wird, von englischen Blättern als ein Symptom schlechten Gewissen« gedeutet. Die Deutschen, meint man in England, müßten doch mit RolletS Ernennung recht aufrieben sein, gerade weil er durch seine Stellung in der Lage ist, alle inneren Vorgänge bei ihnen am besten zu kennen. Jeder andere ftanzöfische Kriegsminister müßte mißtrauischer sein als gerade General Rollet. Der deutsche Lärm gegen den Wann muß also seinen Grund haben. DaS ist die allgemeine Meinung in England, und sie geht von links bis rechts. Der englische Pazifismus und der englische Militarismus sind einig in dem Verlangen nach der Durchführung der Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages und die Gespräche in Chequers werben auch die volle Aebereinstimmung mit HerrivtS Ansichten in diesem Punkte liefern. Wan ist in England der Ansicht, daß die Kontrolle weit wirksamer durch den Völkerbund als durch die bisher bestehenden Kontrollorgane auSgeübt werden kann. Deshalb muß Deutschland in den Völkerbund. Hoffentlich werden die Folgen dieser Ausnahme besser sein als die Umstände, unter denen sie sich in einiger Zeit vollziehen wird. Für Deutschland folgt jedenfalls daraus der diplomatisch auszunutzende Vorteil, daß es vom Dölkerbund Schutz gegen jeden Angriff der umliegenden, in ihren Rüstungen nicht beschränkten Staaten verlangen kann.
Selbstverständlich wird man Deutschland nicht formell auffordern, in den Dölkerbund einzutreten, aber man wird ihm durch positive und negative Behandlung deutlich zu verstehen gebcn, daß ihm nichts anderes übrig bleibt, als ein Gesuch um Zulassung einzureichcn Ein solch positiver Schritt ist es, daß Mac Donald eben im Anterhause erklärt hat, die Regierung Sr. Majestät würde eine Zulassung Deutschlands zum Völkerbund zu frühest möglichem Zeitpunkt günstig gegen* überstehen. Negativ kann man Deutschland aus finanziellem und wirtschaftlichem Gebiet gar manches verweigern, solange es nicht dem Völkerbünde angehören wird. Aebrigens ist es politisch entschieden besser, daß Deutschland nicht in festlicher, sondern in nüchterner geschäftlicher Stimmung in baß Haus in Genf eintr'-'t Je realpolitischer man die Dinge von deutscher Seite her sieht, desto besser und vorteilhafter wirb man sich mit den Engländern verständigen, nicht nur mit der gegenwärtigen Regierung, sondern auch mit einer künftigen
Mac Donald denkt an Neuwahlen im Oktober. Man entschließt sich in England bei weitem leichter zu Wahlen als im kontinentalen Europa. Selbstverständlich rechnet die heutige Regierung mit einer Erweiterung ihres Bodens. Kommt es aber anders, zeigt die neue Probe, daß die Arbeiterpartei an Boden im Volk verloren hat, so wird Mac Donald sich ohne Schmollen zu» rückziehen und auf die besseren Tage warten, die für eine geschulte Opposition niemals ausbleiben. Mac Donald hat die mitteleuropäische Politik Englands in feste Bahnen gelegt. Erlangt er noch Deutschlands Eintritt in den Dölkerbund, so wird seine Regierung mit einer geschichtlich bedeutsamen Aktion verknüpft bleiben.
Sic bedingungslose Durchführung des Dawes-Gutachtens wird auch einet der Gesprächsgegenstände von Cheauers fein und hier könnte ein Gegensatz zwischen Mac Donalds und Herriots Ansichten auftreten Nicht ein Gegensatz in Worten, denn auch Herriot hat ja diese bedingungslose Durchführung der Sachverständi- genbeschlüfse in sein Programm geschrieben. Aber der
günstige Zeitpunft für die Räumung des Ruhrgebiets wird von den beiden Staatsmännern verschieden beurteilt werden. Auch die Lösung dieser Frage macht den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu einer Notwendigkeit für Frankreich und England. Nur dreier Eintritt ermöglicht es eben, die militärische Sicherung deS Ruhrgebiets dem Dölkerbund anvertrauen und damit die Dorbedingung zu schaffen, die der Ausrüstung des Dawesplanes zu Grunde liegt: die Wiederherstellung der deutschen politischen und wirtschaftlichen Verwaltung im Ruhrgebiet. Sine Bewachung durch den Dölkerbund würde natürlich von Frankreich und England als den Bedingungen der Dawes'schen Dvrfchläge entsprechend angesehen werden. Auch Deutschland könnte wenn es einmal Mitglied des Dölkerbundes ist, keine Einwendungen gegen eine solche Lösung erheben. DaS ist wenigstens die Ansicht, die man in Chequers haben wird und die ein Grund mehr ist, aus dem Herein» komplimentieren Deutschlands in den Dölkerbund die Grundlage der künftigen mitteleuropäischen Politik zu machen. , \
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1 Ein deutscher Fühler beim Völkerbund.
Berlin, 18. Juni. Leichsarbeitsminister Sr. Brauns ist in Genf eingetrofsen und hat bereits in Besprechungen mit dem englischen Delegierten beim Völkerbund, Lord Parmoor, und dem Ee>.e.alsckcctär beim Völkerbund Fühlung genommen. Damit bekundet also D e u t s l 2 n d die ernste Absicht, der unzweideutigen Aufforderung Mac Donalds und HerrivtS Folge zu leisten, ein Gesuch um Aufnahme Deutschlands an den Völkerbund zu richten. Aber es gibt noch mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden, ehe der offizielle Schritt von deutscher Seite getan werden kann. Zunächst einmal stellen sich innerpvlitisch dem Gedanken des Eintritts starke Widerstände entgegen. W h end Zentrum, Denokr-tten und Sozialdemokraten für das Gesuch eintreten, neigen die Rechtsparteien der Auffassung zu, daß man erst in Verhandlungen mit den Regierungen der Entente darüber eintreten müsse, wie man sich dort zu der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund stellt, ob mit dem Eintritt die neuerliche Anerkennung des VerttageS von Versailles verbunden ist und anderes mehr. Besonders ans beutschnationaler Seite betont man, daß es nicht genüge, wenn die Ruhrgefangenen befreit und die Selbstständigkeit des Reiches an Rhein und Ruhr wieder hergestellt werde. Man müfte Sicherheiten hoben, daß neue lieber Me und Sanktionen von Seiten der Ententemächte ausgeschlossen sind. Man könne sich nicht damit begnügen, daß die deutsche Verwaltung im besetzten Gebiet wieder in ihre Aemter zurückkehrt, die Besatzung, die unsichtbar gemacht werden soll, müsse unter allen Umständen völlig aus dem besetzten Gebiet verschwinden. Aber auch die deutsche Regierung will sich die Hände durch einen voreiligen Eintritt in den Völkerbund nicht binden lassen. Die Regierung verkennt keineswegs ihre Verpflichtung unb Verantwortung dem deutschen Volk gegenüber,^ sie möchte nicht in die Lage kommen, bei einem Scheitern der Verhandlungen über das Gutachten sich einem neuen Diktat beugen zu müssen. Sie wird alfo bei der neuen Fühlungnahme in ©cn/ vor allem versuchen, Garantien hinsichtlich der Sicherung Deutschlands in die Wege zu leiten, und es ist wahrscheinlich, daß man mit dem Aufnahme- gefud? srwnge warten wird, bis die Verhandlungen mit den Alliierten über das Sachverständigen- Gutachten die Berechtigung geben, an ein Einvernehmen und an eine Verständigung mit England u«w sio.nkre-ch in der Reparationsfrage zu glauben.
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Dtt M> Staltatti.
Dm- J8- 2uni. Rach einer Untersuchung der Kleidungsstücke usw. Dom in i s hat der Unter- suchungsrichter die Tatsache des Mordes fest- gestellt. Die neuen Steckbriefe lauten daher nicht me^r auf Verfolgung wegen Freiheitsberaubung, sondern wegen vorsätzlichen Mordes.
Rom, 18. Zuni. Rach den letzten Verhaftungen ist die allgemeine Lage viel ruhiger geworden. Wenn der ehemalige Pressechef noch verhaftet und die Leiche Matteottis herausgegeben würde, könnte die Lage schnell wieder normal werden. Die Reubesetzung der Ministerien wird nach de» Dlätern auf Anfang Juli verschoben werden, damit es nicht den Anschein habe, daß das Ministerium dieser schmutzigen Affäre nachgebe, sowie in der Hoffnung, daß, nachdem die Gerichte in Tätigkeit getreten sind, die Oppositionsparteien entgegenkommender sein werden. Desonvers wird verlangt, daß das Ansehen der Presse wieder hergestellt werde, und daß Drohungen, wie sie in der faschistischen Presse zu lesen waren, völlig auf- hören und daß die Einmischung faschistischer Parteigrößen in die Zenttal- und Provinzialverwaltung endgültig aufhören. Darin erblictt man die Hauptaufgabe des neuen Innenministers.
London, 18. Juni. Der „Daily Telegraph" berichtet, daß eine Entschließung der Arbeiterpartei bezüglich des Matteotti be
gangenen Verbrechens in Anwesenheit und ohne Oppositton des Staatssekretärs des Aeußern, Ra«» sah Mac Donalds und führender Mstglieder bei Kabinetts einstimmig angenommen worden ist. I« parlamentarischen Kreisen werde großes Erstaune» darüber auSgedrückt, da der Ton der Gnsschlie- ßung bezeichnet werde, die in keiner Weife die Ansicht der Regierung zum Ausdruck bringt, von der italiensschen Regierung wahrscheinlich für sehr verletzend angesehen werden wirb.
Genf, 18. Juni. Nachdem die Arbeitergruppe der Internationalen Arbeitskonferenz darauf beharrt, den faschistischen Arbeiterdelegierten Rostnk nicht in die Kommission zu wählen, wurde, um weitere Debatten im Plenum zu vermeiden, der Zwischenfall äußerlich damit erledigt, baß die Ar- beitcrg:i,ppe die Richtwahl RvsoniS damit begründet, daß er seine Kandidatur nicht aufgestrttt habe, nunmehr aber das Wahlergebnis endgülttg abgeschlossen sei. Der Vorsitzende der Vorschlagskvm- mlffion erklärte die Angelegenheit damit als erledigt. Wie man erfährt, haben die Vorstanbmit- glieder der Arbeiter gruppen beschlossen, an einet Kundgebung der sozialistischen Partei in Genf zu Ehren des ermordeteen sozialistischen Delegierte» Italiens, Matteotti, teilzunehmen und dabo! die Woil zu ergreifen.
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das MM AktotavmMS.
’ 1$' $un’- Russische Arbeiter, die bei Nacht und Nebel über die finnische Grenze geflohen find, berichten über die furchtbaren Zuständ« aus dem russischen Arbeitsmarkt. Die Sowjet- rcgierung sieht ihre Lage durch die anwachsende Meng« von Arbeitslosen bedroht, und die Tscheka versucht mH einem beispiellosen Terror, die wachsend« Unruhe zu beherrschen. In Moskau und Petersburg durchsuchen Polizeisoldaten die Häuser nach Arbeitslosen und treiben sie mit aufgevilanztem Ba« ! o n e i t in großen Mengen auf die Bahnhöfe. Bon dort werden sie waggonweise auf das Lantz geschickt und zur Feldarbeit gezwungen. Midorsvenstige Arbeiter werden bewacht und müssen unter Polizeiaufsicht arbeiten. In den Fabrikorten wird die Arbeiterschaft beobachtet, und bei der geringsten Streikamtation werden sämtliche Führer in« Gefängnis geworfen.
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Das Schicksal to totsten Miele.
In den Berliner Regierungskreisen ist man übet btt gegenwärtige Lage im besetzten Gebiet keineswegs beruhigt. Die französisch-belgischen Besatzungsorgan« haben zwar die Rückkehr der ausgewiesenen Beamten ins besetzte Gebiet zugestanben und zahlreiche Ausweisungen deutscher Arbeiter und Angestellten rückgängig gemacht. Insgesamt sind jedoch über 100 00(1 deutsche Bürger aus den besetzten Gebieten ausge« wiesen, und es fragt sich, ob die französische Regierung bei der Nachprüfung der einzelnen Fälle einen Teil bet Ausweisungen aufrecht erhalten will. Man kann leichl annehmen, daß die Zurücknahme der Ausweisungen tw allgemeinen mit ganz wenigen Ausnahmen burchgefühtt wird. Damft allein ist aber den deutschen Interessen nicht gedient. Für Deutschland kommt es darauf an» daß die französischen Militärbefehlshaber im besehtal Gebiet eine durchgreifende Aenderung in ihren Methoden gegenüber den deutschen Organen und gegenüber bet deutschen Bevölkerung eintreten lassen. Doch hat bet Zustand keineswegs aufgehört, der es den französischen und belgischen Desatzungsorganen möglich macht, die deutsche Bevölkerung zu bevormunden und Ausweisungen der deutschen Behörden rückgängig zu machen. Di« Reichsregierung steht, wie wir zuverlässig hören, aus dem Standpunkt, bah mit der Lösung deS Eachverstän- d'gen-Gutachtens auch die vollständige Souveränität der deutschen Behörden und das uneingeschränkte Hoheit stecht der deutschen Justiz wieder hergestellt werden mutz. Solange die Desatzungsbehörden sich in die deutsche Derwaltung einmischen, ist eine geregelte administrative Tätigkeit der deutschen Organe unmöglich. Doch hat man nichts davon gespürt, bah die fron* zösischen Generale im besetzten Gebiet Anweisung ev» Halter haben, die Forderungen aus Neubau von Kasernen und dergleichen rückgängig zu machen. Wenn die französische Regierung den ernsthaften Willen hat, die Deutschland gegenüber angewandten Methoden yt ändern so wird sie in allererster Linie da/ür Sorge tragen müssen, daß der unerhörte Druck der militärischen Besatzung, der sich namentlich den Gemeindeverwaltungen gegenüber geltend macht, nunmehr aufhört.
In den Regierung-kreifen besteht die Absicht, der französischen Regierung eine Denkschrift zu unterbreiten, in der auf die einzelnen Willkürmahnahmen bet Befahungsorgcme hingewtesen wird. Die meisten dieser Maßnahmen haben mit der Sicherheit der Besatzung-« truppen nicht das Geringste zu tun. Der Grundsatz, daß die Bedürfnisse der Aheinlandtruppen über di« Interessen der Bevölkerung zu stellen sind, könne tot, der deutschen Regierung nicht gebilligt werden, lieber all leidet die Bevölkerung unter den drückenden Verhältnissen der Wohnungsnot und den Beschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit. Der Zweck dieser deutschen/ Vorstellungen ist ohne weiteres klar. Entweder sieht die französische Regierung ein. daß die Form des Besatzungsregime allen Grundsätzen der Humanität und bet Kultur widerspreche, bann wäre tatsächlich von bet^ guten Willen der neuen französischen Regierung etwak zu spüren, ober aber sie billigt die Maßnahme» deck Desatzungsbehörden, was mit der schön«! Geste deck Humanität allerdings nicht in Vereinbarung zu bringet wäre. Wie gemeldet wurde, hat der neue Kriegsminister, General Rollet, den General Degoutte empfangen und mit ihm die Einzelheiten des neuen