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Zweites Blatt
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der der
den, wie schwierig es ist, so vielgestalteten Wünschen und Bedürfnissen, wie sie diese Verfassungsarbeit begleitet haben, gerecht zu werden.
Unkte MemM.
Eine Rede Dr. Stresemanns.
' Karlsruhe , 15. Juni. In einer anläßlich Tagung der Südwestdeutschen Arbeitsgemeinschaft
geführt.
Stärker zum Ausdruck gekommen in der neuen Verfassung >st der wobl vom allergrößten Teile des Kirchenvolkes gehegte Wunsch nach engerem Zusammenschluß der Konfessionen, deren Notwendigkeit wohl von allen anerkannt wird, die gerade für die jetzige Zeit eine machtvolle, nach außen hin einheitlich geschloffene evangelische Kirche wünschen. Diesem Verlangen trägt Rechnung vor allem die einheitliche Spitze, der Landes- obervfarrer, in deffen Person, wie es in § 96, 1 beißt „die Einbeit der Landeskirche ihren sichtbaren Ausdruck findet". Der Landesoberpfarrer ist zugleich Lan- dcsvfarrer einer der drei Sprengel (es gibt einen Nord-, Süd und West-Svrengel), ihm zur Seite stehen die beiden Landespsarrer der anderen Sprengel.,
Die neue Verfaffung ist entstanden aus der für dre Kirche sich ergebenden Notwendigkeit, die Folgen der Trennung von Staat und Kirche zu ziehen, sich selbst zu verwalten. Das Organ, das jetzt dazu bestimmt ist, das Steuer des Kirchenschiffes zu leiten, ist die Kirchenregierung, die in sich die Spitzen der verschiedenen kirchlichen Körperschaften vereinigt. Ihr gehören sowohl der Vorstand des Landeskirchentages sowie der Landesoberpfarrer und die zwei Landesvfarrer an, ebenso der Präsident und ein weiteres Mitglied des Landeskirchenamtes (das bisherige Konsistorium).
Es steht wohl zu hoffen, daß die neue Kirchenver- faffung den verschiedensten Anforderungen gerecht ,« ------- , . . , T(K w,„,
werden vermag, und daß auch diejenigen, die das eine I Poitzmann, TV. Wetter. 2 Heim Schäfer, Akar- oder andere daran auszusetzen habe», bedenken were'dM. Heinrich Kutsch, TB. Wetter. 3. Konrad Neebe,
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Seite steht, ist wohl nicht als einschneidende Äenderung anzuseben, ebensowenig, daß die Pfarrer der Gemeinde einmal von der Gemeinde gewählt, das andere Mal vom Landeskirchenamt (dem bisherigen Konsistorium) in ihr Amt berufen werden. Jeder Gemeinde bleiben ihr Bekenntnisstand und ihre kirchlichen Gebräuchen ganz in der bisherigen Weise gesichert.
An Stelle der bisherigen Diözesen treten jetzt die Kirchenkreise, die in ihrer Bildung den politischen Kreisen entsprechen, eine einheitliche Gliederung der Landeskirche bedeuten und die Schwierigkeiten zu großer oder zu kleiner, oder in einander geschobener und dadurch kirchlich schwer zu versorgender Bezirke beseitigen.
Der besondere Wunsch der kirchlichen Gemeinden der bisherigen Suverintendantur Marburg nach einem be- scnderen konfessionellen Zusammenschluß ist, durch § 51, 2 verfassungsmäßig gewährleistet. Die über die Kompetenz der Kreise hinausgehenden gemeinsamen Aufgaben der Landeskirche werden im Landeskirchen- tag (der bisherigen Gesamtsnnode) beraten Er baut sich durch Urwahlen auf, nicht mehr, wie bisher, auf Wahlen durch die Mitglieder der Kreissynoden.
Die laufenden Verwaltungsgeschäfte werden von dem Landeskirchenamte. dem bisherigen Konsistorium,
Nr. 141
Mittwoch, 18. Juni
1924
Hessen-Nassau und Nackbargebiete.
Cassel, 12. Juni. Laut „Seff. Ztg." ist dir außerordentliche Landesversammlung des Sesststheir Volksbundes (Nordbezirk), „angesichts der Haltung der Parteien bei den Reichstagswahlen und der verwerflichen Haltung der preußischen Regierung bei der Vor» abstimmung für ein reichsunmittelbares Niedersachfem zu der Ueberzeugung- gekommen, daß die heutigen Par» teien zwar Großdeutschland im Munde führen, sich ihr Deutschtum aber ohne Eroßvreußen nicht vorsteüeir können." Man will sich daher als „Erobdeutsch-hessischer Bund" auf parteimäßiger Grundlage organisieren. —
Offenbach, 11. Juni., Als der Mann an» Pfingstsonntag abend berauscht nach Hause kam, nahm sich die junge 19jährige Frau die Sache derart z» Herzen, daß sie sich mit einem Gewehr in die Schläfe schoß. Sie kam lebensgefährlich verletzt in das städtische Krankenhaus.
Wiesbaden, 12. Juni. Das französische Kriegs» gcricht verurteilte den Milchbändler Hermann Barthel» mes wegen schwerer Milchpantscherci $u 3000 Franke« Geldstrafe und verfügte außerdem die Urteilsverkiindi» gung in allen Wiesbadener Zeitungen. Schließlich muß der Pantscher das Urteil längere Zeit in seinen» Geschäftslokal aushängen.
Sooden-Allendorf, 10. Juni. Beim Brunnenfest flog am zweiten Pfingsttag abends einem jungen Mann namens H. aus Allendorf die Luftschaukek an den Kopf. Besinnungslos und mit einer klaffen» den Kopfwunde wurde der Verletzte, für deffen Sebert ernste Gefahr besteht, zum Arzt geschafft.
Die Kirchenverfassung.
Man schreibt uns:
Angesichts der bevorstehenden kirchlichen Wahlen liegt es wobl nabe, einmal die Frage aufzuwerfen: was hat uns die neue Kirchenverfaffung eigentlich gebracht? Die Frage ist um so berechtigter, als gerade in Laienkreisen die neue Verfaffung noch recht wenig bekannt ist. In welchem Verhältnis steht sie nun zu dem Alten, Ueberlieferten, und was birgt fie Neues in sich?
In allem, was das Leben der Einzelgemeinde an- aebf, sind keine Aenderungen aufzuweisen, denn daß wir jetzt an'Stelle des großen und kleinen Presbyteriums nur noch einen Kirchenvorstand haben, dem em
Marburg.
Damen 17—18 Jahre. 1. Preis Gerda Schmidt, TSvV. Marburg: 2. Ria Hoffmann, TSvB. Marburg: 3. Rest Körner, TSvV Marburg: 4. Else Schneider, TSvV. Marburg: 5. Elisabeth Meier, TB. Biedenkopf; 6. Gertrud Kobstädt, Hedwig Rupvel, TSpV. Marburg; 7. Lina (Senfe, TV. Biedenkopf; 8. Henny Kümmel, TG. Marburg. Sophie Cyriax, TV. Biedenkopf; 9. Lina Weigel, TV. Biedenkopf; 10. Frieda Duchard, TV. Biedenkopf; 11. Frieda Blank, TB. Cölbe; 12. Gretel Wormsbächer, TG. Marburg.
Jugendturnerinnen 14—16 Jahre. 1. Preis Emmy Wehn, TV. Biedenkopf. 2. Gretel Weißmann, TV. Marbach. 3. Gretel Gaßmann, TG. Marburg. 4. Emma Löwe, TSvV. Marburg. 5. Käthe Seibert, TG Marburg. 6. Anni Bamberger, TSvV. Marburg, Rosa Beck, TE. Marburg. 7. Louise Wenzel, TSvV Marburg, Gertrud Wormsbächer, TE. Marburg. 8. Dina Fuchs, Trinchen Berghöfer, TSvV. Marburg, Maria Gaßmann, TE. Marburg. 9. Elli Scharf, TSvV. Marburg. 10. (Bretel Herr, TSvV. Marburg, Anni Keßler, TB. Marbach. 11. Aenne Drucker, TV. Cölbe. 12. Lina Steioff, TSvV. Marburg. 13. Minna Müller, TG. Marburg. 14. Lydia Kunze, TV Biedenkopf. 15. Käthe Weimar, TSvV. Marburg. Anneliese Schädla, TE. Marburg. 16. Elli Richter, TSvV. Marburg. 17. Lieschen Mecke, TSvV. Marburg. 18. Annelie Eüntber, TSvV. Marburg. -
Aktive Turner. 1. Preis Conrad Schiekerstein, TV Elnhausen. 2 Martin Naumann. TV. Schönstadt. 3 Heinrich Brunet, TV. Wittelsberg, Johannes Schneider, TSvV. Niederwalgern. 4. Rudolf Linker, TV. Neustadt. 5. Johannes Boßhammer, TV. Sarnau. 6. Heinrich Henkel, TV. Wallau. 7. Karl Keßler, TV. Marbach. 8. Hans Schneider, TV. Marbach. K Hermann Schimpf. TSvV. Marburg. 10L Willi Loch, TE. Marburg. 11. Otto Schneider, TV. Wallau. 12. ^ons. Wormsbächer, TV Sarnau. 13. 2akob Heuser, TV. Cavvel. 14. Pbilivv Brusius, TV. Nlederwelmar. Heinrich Müller, TV. Elnhausen. 15. Jo^. Wolf, TD. Niederweimar, Heinrich Orthwein, -lS3 Eolbe.
Jugendturner-Ober st ufe. 1. •
Mengel, TV. Niederweimar. 2. Earl Knott, TV Schon- skadt, Cbr. Dönges, TV. Wallau. 3. Jobs. Bruyns, TV. Niederweimar. 4. Hch. Schmidt, Konrad Fritz, TV- Wittelsberg. 6. Jobann Recker, TV. Elnbausen. 8. Willi Er misch, TSvV. Marburg. 9. Carl Reinh. Junk, TV. Wetter. 10. Otto Schwarz, TV. Welter, Carl Petri, TV. Wallau, Loms Kaietsch, TV. Niederwalgern. 11. Albert Raabe, TSvV. Marburg. 12. Heinrich Lang, TV. Kirchhain, Heinrich Bnel. TV. Kernbach, Conrad Claar, TV- Wittelsberg. 13. Job. Naumann, TV. Schönstadt, Gustav Preis TV. Moischt, Peter Kühn, TV. Cavvel. 14. Sans Muth, TV. Niederweimar. 15. Hans Dieterich. TSvV. Marburg, Nicolaus Mengel, TV. Dreihausen, Johannes Preiß, TV. Wittelsberg. 16. Ludwig Schmidt, TV. Sterzhausen, Adolf Seldmann, TV. Gladenbach. U. Cbr. Schmidt, TV. Wallau. Heinrich Voß, TSvV. Marburg. 18. Klingelböfer, TV. Caldern, Konrad Schwick, TV. Cavvel. Jobs. Lemmer. TD. Sarnau Hch. Claas, TV. Wittelsberg. 19. Th. Schmidt, TB. «terz- bausen, Hch. Brusius, TV. Niederweimar. 20. Johannes Stey, TV. Kernbach. 21. Sch- Kinkel, TV. Rauschenberg, Adam Bender, TD. Ebsdorf, Heinrich Seck, -i-D Elnhausen. 22. Martin Wagner, TV. Schonstadt, Wilhelm Matt, TV. Rauschenberg. . «
Jugendturner-Unterstufe. 1. Prms Aug.
2 Schäfer, TE. Mar-
GeutschenDolkspartei in Karlsruhe ver anstal- toten öffentlichen Versammlung sprach der Minister hes Aeußeren Stresemann über die politische Lage. Ausgehend von der Veröffentlichung einer neuen Serie einer Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes siihrte der Minister folgendes aus:
Diese Publikationen behandeln die Jahre 1897 bis 1903. also gerade jene Zeit, in der die führenden europäischen Mächte darangingen, die Vielt in ganz großem Stil aufzuteilen. In Asien, Afrika und im Stillen Ozean wurden weite Gebiete als Kolonien erworben und in Interessensphären verlegt. In dieser im wahren Sinne des Wortes imperialistischen Epoche hat sich Deutschland im Vergleich zu den übrigen Großmächten recht bescheiden im Hintergründe gehalten. Die Absicht, mit keiner Großmacht in Gegensatz oder gar in Feindschaft zu geraten, zieht sich wie ein roter Faden durch alle Handlungen der Diplomatie. Sie war au chder Grund für jene damals streng durchgeführte Politik der freien Hmd. die jedes mehr oder weniger offene Bündnis- angebot fr emder Regierungen ablehnend beantwortete. Deutschland scheute sich, mit Rußland bindende Abkommen zu treffen, um keine England feindliche Richtung einfchlagen zu müssen, und als Chamberlain den Beitritt Großbritanniens zum Dreibunde anregte, wies man deutscherseits auf die Gefahren der dadurch wahrscheinlich werdenden Gegnerschaft zu Rußland hin. Ob diese Politik vom deutschen Standpunkt aus richtig war kann bezweifelt werden; jedenfalls war fie bewußt auf die Erhaltung des Friedens gerichtet, wie Überhaupt Deutschland im Besitze der stärksten Armee der Welt feinen Einfluß nur von dem Gesichtspunkte aus in die Wage warf, Europa und der Welt den Frieden zu erholten. Die Publikattonen des Auswärtigen Amtes werden Ende dieses Jahres abgeschlossen fein. Dan» ist es Zeit, aufgrund dieser ®efamtöarftolwg der deutschen Politik in den entscheidenden LtahrzeWten europäischer Entwickelung die Forderung an die anderen Mächte zu richten, auch ihrerseits ihre Archive zu öffnen, um so die Grundlage für eine unparteiische Erörterung der S ch u 1 d f r a ge zu schäften. Volk und Regierung müssen diesen Kamps gemeinschasi- sich führen. —Gegenüber der heutigen Situation vertrat der Minister den Standpunkt: Wir ziehen Ye Konsequenz aus dem verlorenen Kriege und zahlen deshalb Kriegsentschädigung, aber wir lehnen es ob, als die moralisch Verantwortlichen irgendwelche Wiedergutmachung zu leisten.
Im Verlaufe der weiteren Ausführungen bedauerte der Minister, daß in dieser Zeit der Verhandlungen - Äbev das Sachverständigengutachten die Behaupru-w : aufgestellt worden ist, daß die gegenwärtige Regierung '.leine verfassungsmäßige Grundlage habe. W-rde das ! gegenüber der Regierung behauptet, dann hatte auch 'die Regierung Fehrenbach und die von den Deutsch- 'nationalen unterstützte Regierung Cuno keine versas- i sungsmähige Grundlage, denn diese Regierungen hätten s ebensowenig das Wort „Vertrauen" in ihren Billi- t gungserklärungen gehabt, wie die heutige Regierung. Seit die neue Verfassung besteht, habe niemand daran . gezweifelt, daß die Regierung erst dann das Vertrauen ; verliert, wenn die Mehrheit ihr das Mißtrauen aus- : spricht. Dieser Mitztrauensantrag der Deutschnatio» nalen sei von der Mehrheit des Reichstags a b g e » lehnt worden.
1 Der Außenminister wandte sich dann gegen die An- , Bebauungen des Auslandes, daß daS Deutsche Reich in einer glücklichen Situation sei, weil es keine Kriegsschulden zu bezahlen habe. Man vergesse bet dieser Betrachtung, daß die Summe, die durch btn Entwertungsprozeß dem Volksvermögen verloren gegangen fei, eine der wichtigsten Säulen der früheren Steuerpolitik gewesen fei. Den Verwüstungen in Frankreich ständen die Verwüstungen gegenüber, die im deurschen Volke durch die Proletarisierung der weitesten Schichten der Sparer und Anleihebesitzer hervorgerufen worden feiert. Ihnen zu helfen, sei gegenwärtig unmöglich.
Sobald dagegen die Endsumme unserer Berpflich- tungen sich übersehen lasse und aus dem deutschen .Budget sich tteberschüsse ergeben, würde auch diese ! Trage der Verpflichtungen des Reiches gegenüber diesen Gläubigern praktisch zur Erörterung stehen.
; 3n den Darlegungen über das Sachverstän di-
Wsoethmifli in Mnminm.
Am vergangenen Sonntag fand in Niederweimar das Bezirkswetturnen des 1. Bezirks des Gaues Heffen statt. Cewaltige Arbeit bat es dem Turnverein Niederweimar gekostet, die Vorbereitungen für diese Veranstaltung zu bewältigen. Noch nie hat die Einwobner- chafi des Ortes so viele Menschen in seinen Mauern gesehen. Bereits am Sonnabend waren die Vertreter des Gaues und Bezirks erschienen um an der Fahnenweihe des Turnvereins teilzunehmen. Kurz nach 6 Uhr abends bewegte sich ein Festzug durch die Sttaßen des Ortes nach dem Festplatz. Herr Lehrer Müller begrüßte die erschienenen Gäste mit beredten Worten, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Veranstaltung zur Förderung der Deutschen Turnsache beitragen möge. Herr Bürgermeister Grün, Kirchhain, nahm als Bezirksoertreter die Weihe der Fahne vor. In seinen Worten ermahnte er die Turner, fest zu der Fahne su Kalten und die Einwohnerschasi bat er, sich dem Turnverein, der jetzt 15 Jahre besteht, anzuschließen. Hierauf wurde die neue Fahne enthüllt und seiner Bestimmung übergeben. Zwei junge Mädchen des Ortes trugen Gedichte vor und überreichten eine Fahnenschleife. Der Gesangverein batte seine Äräfte zur Verfügung gestellt und trug viel zur Verschönerung der Feier bei.
Den Hauvttag bildete der Sonntag. Mit den ersten Morgenzügen trafen die Turner aus allen Teilen des Bezirks in Marburg ein. Unter Leitung von dem 2. Bezirksturnwart S chm i d t - Marburg und unter Dorantritt einer Musikkapelle marschierten die Turner nach Niederweimar. In einer Kampfrichtersitzung gab Bezirksturnwart Gaßmann- Marburg die näheren Bestimmungen über den Wettkampf bekannt und nach kurzer Zeit konnte man ein echt turnerisches Trekben auf dem Festvlatz feststellen. In 16 Riegen maßen Turner und Turnerinnen ihre Kräfte. Hier und da gab es Enttäuschungen, die aber wieder gut gemacht wurden. Gegen 2 Uhr batte der Wettkampf sein Ende erreicht. Turner und Turnerinnen leisteten der Einwohnerschaft $ttm Mittagessen Folge um kurz danach zu dem Festzug anzutreten. Der Festzug an dem sich zirka 1300 Turner beteiligten, bot ein schönes Bild. Auf dem Festvlatz angekommen hielt Herr Lehrer Müller- Niederweimar die Festrede. Gäuturnmart Will- Gießen dankte der Einwohnerschaft für die Gastfreundschaft, welche den Turnern zu teil geworden sei und brachte ein dreifaches Eutheil auf die Deutsche Turnerschaft aus. Den Elanzountt des Nachmlttags bildeten die allgemeinen Freiübungen, die gut ausge- fiibrt wurden. Gegen 6 Uhr nahm Bezirksturnwart G a ß m ann die Preisverteilung vor. Mit einem Dank an die Einwohnerschaft für die Unterbringung der Wettkämpfer batte der offizielle Teil sein Ende erreicht. Auf dem Festvlatz entwickelte fich ein gemütliches Treiben, das die Teilnehmer noch lange zusammenhielt. Mit den Abendzügen verließen die Turner den Ort mit dem Bewußtsein ein echt turnerisches Fest verlebt zu haben. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis:
Damen über 18 Jahre. 1. Preis Anna Pitz, TB. Cölbe; 2. Friedel Ehren, TB. Cölbe; 3. Anna Fuchs, TSvV. 1860 Marburg; 4. Minnette Wesemann, TG. Marburg; 5. Elli Papke, TSvV. Marburg; Eertr. Loch, TG. Marburg; 6. Lotte Dreher, TSpV. Marburg; 7. Hilde Will, TG. Marburg; 8. Käthe Müller, TE.
TV. Kirchhain, Karl Kunze, TV. Biedenkopf. 4. Willi Beauvain, TSvV. Marburg. 5. Daniel Wilhelm, TV. Cölbe. 6. Heinrich Haukel, TB. Kirchhain. 7. Andrea» Groß, TV. Kernbach. 8. Jakob Visoski, TV. Marbach. 9. Wilh. Schneider, TV. Niederwalgern. 10. Heinrich Mahr, TV. Moischt. 11. Heinrich Schmidt, TV. Wallau. 12. Jobs. Heuser, TV. Cappel. 13. "Fritz Erölz, TB. Marbach, Alwin Müldner, TV. Gladenbach. 14. Jak. Orthwein, TV Cölbe. 15. Gotthardt Jäger, TD. Cavvel, Heinrich Schäfer, TV. Schönstadt, Herman« SBtlbelm, TV. Cölbe. 16. Zeter Michel, TV. Marbach. 17. Heinrich Wagner, TV. Wittelsberg. 18. Koiirap Plaack, TSvV. Marburg. 19. Karl Heck, TB. Elnbausen. 20. Uichard Wagner, TD. Lohra, Paul Wilse, TSvV. Marburg. 21. Georg Balzer, TD. Neustadt» Heinrich Dersch, TV Sarnau, Konrad Scheidemann» TV. Cavvel. 22. Jakob Keller, TD. Kernbach, Herrn. Peter, TB Schönstadt, Jobs. Mink, TV. Dreihausen» 23. Jobs. Wiederhold, TB. Sarnau, Heinrich Steitz» TB Dreihausen. ’
Schüler. 1. Preis Ernst Wolf, TV. Wetter. 2, Johannes Faulstich, TD Holzhausen. 8. Georg Mu» mcntbaler, TV. Wetter. 4. Peter Ruvvel, TB. Cavvel. 5 Andreas Muth, TB. Sarnau. 6. Georg Sause, TB. Sarnau. 7. Karl Gebarbt, TB. Biedenkopf. 8. Heinrt. Moll. TB. Rauschenberg. 9. Karl Kratt, TB Sieben* köpf. 10. Fritz Kutsch, TB. Wetter. 11. Franz Seist' Conrad Schrodt, TB. Ockershausen, Bodenbender, TD Wittelsberg. 12. Johannes Pieb, TB. Ebsdorf, Job». Schmitt, TL. Sterzhausen, Theodor Naumann, TD,: Ockershausen. 14. Andreas Wellner, TD. Michelbachs 15 Heinrich Peil, Konrad Werner, TB. Cavvek, Ott», Dersch, TB. Sarnau. 16. Schneider, TD Niederwal» gern, Jsbert Levi, TB. Lohra, Bernhard Schmidt, TG. Marburg. 17. Peter Preis, Johannes Heuser, TD. Cavvel. 18. Georg Gaßmann, TG. Marburg. i9l Hans Becker, TB. Cavvel. 20. Heinrich Fischer, TD Elnhausen, Heinrich Schäfer, TV. Niederwalgern Konrad Zimmermann, Ludwig Sauer, TV. Nieder»
weimar. 21. Hans Brühmann, TSvV. Marburg, GrnÄ Bodenbender, TB. Niederweimar, Heinrich Mai, TD Cölbe, Jobs. Hilberser, TV Sarnau. 22. Christian Eidam, TV. Niederwalgern, Ludwig Löwer, TB. Elnhausen, Jobs. Riehl, TV. Sierhausen, Adolf Schreibet^ TV. Wallau, Heinrich Klingelböfer, TV. Caldern. 23L Balzer, TD. Wallau, Heinrich Merte, TL. Michelbach, Ludwig Brunet, TV. Cavvel. 24. Adolf Ahrens, TG. Marburg. 25. Peter Michel, TV Sarnau. 26. Karl Funk, TE. Marburg, Scherer, TV. Ockersbausen. 27. Jakob Staubitz, TV. Niederweimar, Wolfgang Rehm, TV. Biedenkovf, Ilsen, TV. Wallau. 28. Paul Hoß». TG. Marburg, Karl Bühner, TV. Rauschenberg. 29l Peter Gberltng, TD Cölbe, Johannes Pausch, TD Niederwalgern, Heinrich Graulich, TV. Cavvel, Becker, TV. Ockershausen. 30. Johs. Fey, TV. Cölbe, Georg Sauer, TB. Niederweimar, Jobann Heuser^, TV. Nie» bcrroalgern, Konrad Heuser, TV. Cavvel.' 31. Steh» ling, TV. Moischt, Hans Preis, TV. Moischt. Jakost Gehrmann, TG. Marburg, Bodenbender, TSvV. Mar» bürg, Hans Lauer, TV. Cölbe. 32. Heinrich Dersch, TV. Michelbach. 33. Johannes Schneider. TD. Caldermi 34. Hans Block, TV. Cavvel, Hans Enau, TSvV- Mar< bürg. 35. Conrad Hettche, TV. Cavvel, Georg Ste^ TSvV. Marburg, Herrn. Friebertsbäuser, TG. Mar» bürg. 36. Jobs. Block. TV- Cavvel, Lauer, TD Moischt, Cönrad Sohl, TV. Wittelsberg. 37. Jobs. Merke, TB. Michelbach, Heinrich Becker, TB. Nieder» weimar. 38. Jakob Ortwein, TB. Eiffeiberg. Wilhelm Eamb, TV. Rauschenberg, Heinrich Heuser, TV. Cavvel^ 39. Fink, TSvV. Marburg, Gurt Bühner, TV. Rau»' schenberg. Walter Lüdke, TSvV. Marburg, Heinrich. Laukel, TV. Sterzhausen. 40. Heinrich Heuser, TD' Niederweimar, Jobs. Hintermeier, TV- Sarnau, Sofia. Peil, TV- Wittelsberg. 41. Georg Schneider, TD Cavvel.
30 0ü-Meter-Lauf: 1. Preis Diehl - Sterzhausen, 2. Kaletsch-Niederwalgern, 3. Dietrich, TSvD Marburg,' 4. Heinr. Voß, TSvV. Marburg, 5. R. Schmidt, TG. Marburg.
Sveerwurf: 1. Alfred Stern, TV- Weiter.
>Aengutachte n wandte sich der Außenminister gegen dir namentlich von einer gewissen wirtschaftlichen Seite ? geübte Kritik, daß die Privatwirtschaft der Entente 'ausgeliefert, die Souveränität über die Eisenbahnen verloren - und keine tatsächlichen Wirtschaftskredite gegeben würden. Die Kritiker des Gutachtens vergäßen, die heutige Situation mit der Situation nach der An- »ahme des Gutachtens zu vergleichen. Heute sehen toir, so fuhr der Minister fort, den Zufammenbruch der '.Wirtschaft im besetzten Gebiet durch die Erpressung \fcer Micumverträge und die ungeheuere Belastung des ! Reiches durch die Desatzungskosten und die Re- ! parationsabgabe. Wir sehen 12 Millionen Deutsche söhne politische Freiheit, und ohne Rechtssicherheit und ^ungeheuerer materieller, politischer und seelischer Be- i brückung ausgeliefert. Wir stehen heute trotz der durch unsere Zahlungsunfähigkett veranlaßten Aussetzung der normalen Reparationsleistungen vor einer deutschen .Jahresleistung von über 1 Milliarde Goldmark. Gegenüber der Behauptung Poincares, daß Deutschland gegenwärtig aus feinem Budget nicht zahlen dürfe, weil eS dann seine Währung ruiniere. Damit falle jeder Borwand für die Ruhrbesetzung zusammen. Wer die Haltung der jetzigen Regierung kritisiere, müsse not- gedrungen auch die Juninote der Regierung Cuno kritisieren, auf deren wesentlichen Gesichtspunkten das Sach- perstLtdigengutachten aufgebaut sei. Selbstverständlich fei eS Aufgabe der Regierung, bei den Verhandlungen, die gegenwärtig im Gange sind, da» Beste herauszuholen. VaS gelte vor allem für die Befugnisse des Eisenbahnkommissars. Für die Lage im besetzten Gebiet sei es Ion großer Bedeutung, daß die unS auferlegten Leistungen die Gesamtsumme der Berpflichtungen Deutschland' barstellen, die Desatzungskosten also von den kvesatzungSmächten übernommen Verden, worin aut»
matifch ein Druck zur Derminderung der Besatzung liege. Die Rormalleistungen des Gutachtens seien von den Sachverständigen überschätzt. Sich mit dieser Leistung abzufinden, sei nur möglich im Hinblick auf die Be° timmungen über die Transferierung deutscher Gut- ;aben, die nur aus Lieberschüssen der deutschen Wirt- chast stattfinden darf. Die Lösung der Ge - angenenfrageund d i e Frage der Ausgewiesenen ist, so betonte der Redner, organisch mit dem Sachverständigengutachten verbunden. Ist das Gutachten eine Lösung der Reparationsfrage, daun ist es auch das Ende aller Methoden, die während des Ruhrkampfes als Kriegsmethoden angewandt wurden. Das gilt auch für die militärische Räumung des Ruhrgebietes, die zu einem bestimmten Termin tn Aussicht genommen werden muß. Wenn gegenüber dieser Forderung auf die sogenannte nationalistische Stimmung in Deutschland hingewiesen wird, darf nicht vergessen werden, daß die tiefsten Quellen dieser Bewegungen die Deutschland gegenüber betriebene Politik und vor allem die Methoden Poincarös ge- vesen sind. Den nationalen Verbänden und den bi ei’ ach äußerlichen Demonstrationen gegenüber fei aber hingewieseu au» den Wahlspruch Moltkes .Mehr sein als scheinen!" Biele dieser Demonstrationen gehen von dem entgegengesetzten Gesichtspunkt aus. Wir sind in Wirklichkeit ein waffenloses Dvlk und der Anschein von Stärke, den manche dieser Demonstrationen gibt, vermehrt nur die Last, die uns bedrückt und erschwert die Lösung der außenpolitischen Fragen. Der neuer, französischen Regierung stehen wir ohne 3b lussionen aber auch ohne Bvreingenommenheit gegenüber. Unsere Aufgabe ist es, einen Weg zu finden, der das Rebeneinanderleben von Frankreich und Deutschland sicherstellt, die auf ein friedliches Zusammenleben angewiesen sind und vielfach wirtschaft- lich und finanziell vor den gleichen Problemen stehen.
Am Schlüsse seiner Ausführungen erklärte Strese- menn, daß er eine andere Methode der Außenpolilik als diejenige des Versuches einer Berständigu n g auf der Grundlage des Wirt sch aftlichen Rebeneinanderlebens der Rationen nicht sehe. Der imperialistischen Polttik Poincares hätten wir die gleiche Macht nicht gcgeirirberftellen können Die Methode der wirtschaftlichen Lösung dieser Frage Hube gerade deshalb von uns übernommen werden müssen. Wir hätten nur zwei Machtmittel in der Hand: Das eine sei die weltwirtsch aftliche Verbundenheit der übrigen Mächte mit uns und ihr Eigeninteresse daran, uns wirtschaftlich nicht untergeben zu lassen. Das weite sei ein einmütiger, verantwortungsvoller nationaler Wille. Dazu brauchten wir bis Uebertoinbung des Parteigeistes und die Befreiung der Außenpolitik von parteipolitischer Einstellung. Wir vergäßen über den Sorgen der Gegenwart oft die große Entwickelung des Verhältnisses der Mächte zu einander, das unzweifelhaft heute eine andere politische Konstellation zeige als noch vor 5 Jahren. Unsere Aufgabe fei es, das.Reich zu erhalten, die besetzten Gebiete von aHeit »-et it«g 3 toi beiden Lasten zu» befreien und so die Grundlage für den künftigen Wiederaufstieg zu sichern.
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