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t . J Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhesstschej Oberhessen

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$feDbtrhenUdie 3eUu*g" ericbetnt ieSitmal wöchentlich. Segugsoieis monatlich 2 Mert «»»schließlich Zusteüungsgrbühr. Für ausfallend« Nummern infolge Streit, oo. elemenr.Ereignisse kein 61105. Vermag von Dr. L. Hi,er0ld. Druck *«t Univ.»Buchdruckerei eox 3ob. Lug. Noch, Markt 21,23. Fernsprecher 55, Boktschecktonto: Nr. 5015 Lmt Frankfurt o. Main.

Marburg

Montag, den 16. M

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51. Mn, 1124

Herriot bildet das Kabinett.

- Nollet wird Kriegsminister.

Mit außerordentlicher Geschwindigkeit suchen die Franzosen nun die mit ihrer DvppelkrisiS versäumte Heit wieder Mtchzuholen. Der hitzige Streit auf der Linken um die Präsidentschastskandidatur ist nach der LSahl DoumergueS, des ersten »Hugenotten" im Wkys^, sofort verstummt. Der neue Präsident gilt auch fast allen Linksblättern nicht mehr als der Mann, der od) die ganze Kriegs» und Duhrpolitik PoincaröS MiderfpruchSloS mitgemocht hat, sondern als echter Republikaner und Freund Eaillau,'. dem zu Siege verhelfen zu haben, sich die Rechte nicht freuen sollte. Wir Deutsche werden aber auch den »anderen" Doumer» Wie nicht vergessen können, üb wir schon seine Taten als Präsident der Republik ohne Voreingenommenheit «ckwarten wollen, Ministerpräsident Herriot, der tchne Zögern den Auftrag DoumergueS angenommen «d sofort sein Kabinett gebildet hat. ist ein weit lügerer Gegner der Politik PoincarsS gewesen und fci besonderen dem Duhrabenteuer kritisch gegenüber» Wpstanden. Unzweifelhaft wird er aber, nun zur Macht gelangt, und der Opposition los, immer noch sehr regem ßmr<zösischen Nationalismus ausgesetzt, eine Politik trei­ben, die uns zu keinen großen Hoffnungen berechtigt. Knmerhin wollen wir auch schon eine Nuance der Besserung sowie die Eile mit der sich Herriot binnen «cht Tagen zu Mac Donald begeben will, ohne Miß­trauen registrieren. Wolken auch bis zum Beweise deS Gegenteils unser Verhalten so einrichten, alS ob eine Gesonnenere, auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse rin» Uestellte Politik von dem neuen Frankreich zu erwarten Rt Andernfalls würden wir unS schweren Vor- Würten der ganzen Welt aussetzen. Diese Aufgabe Wird uns sreikich dadurch erschwert, daß der neue fran­zösische Kriegsminister derselbe General Nollet ist, den dir als Vorsitzenden der Interalliierten MilitSrkontroll- kommisfion nicht gerade lieben gelernt haben. Aber Ger »Vorwärts" weiß bereits etwas Gutes von ihm: er soll im Grunde seines Herzens Pazifist sein und Dr die Abrüstung nicht nur Deutschlands sondern auch Frankreichs schwärmen. Die Dotsschaft hör' ich Wohl. Den anderen neuen Ministern wird nachgeredet, daß sie ebenso wie Herriot selbst noch verhältnismäßig hmge und unverbrauchte Kräfte seien. Höften wir aber mit aller Vorsicht I---

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Der bisherige Senatspräsident Gaston Dou- « e r g u e, nicht Painleve, wie man zunächst glaubte, Ist in gemeinsamer Sitzung von Kammer und Senat Vim französischen Präsidenten gewählt worden.

Doumergue ist 1863 in Aignes-Bives geboren. Trine politische Tätigkeit begann er als Kolonialbe- «mter in Cochinchina. 18961902 war er Een-ral- «ouoerneur von ganz Franz.-Jndochina. 1902 wurde tt als Deputierter in die Kammer gewählt. Doumergue war mehrmals Minister, Kolonial-, Handels-. Unter­richts- und Außenminister am längsten Kolonial- «nnister, nämlich von 191421. Im nächsten Jahre wählte ibn der französische Senat nach dem Rücktritt Leon Bourgeois zum Vorsitzenden.

Die Pariser Presse $« Präsidentenwahl.

Paris, 14. Juni. Die Linkspresse gibt zu, daß He W ahl Doumergues für das Linkskar-I teil eine Niederlage bedeutet. DasOeuvre" ftnnt die Wahl Doumergues einen Erfolg der Demo- fratie. Das führende Organ der LinkenEre Nouoelle" schreibt folgendes: Wie wir es alle vorausgesehen hat­ten, ist Doumergue mit absoluter Mehrheit gewählt worden. Das Ergebnis, welches wir aufrichtig be­dauern, bedeutet einen Markstein in der Geschichte der stanzösischen Demokratie. Der Ton der Rechtspresse «ÖBt keinen Zweifel darüber, daß die Wahl Doumergues vne Niederlage für die Linke bedeutet. DerPetit warisien" schreibt: Die Nationalversammlung hat durch

Ihre Abstimmung gezeigt, daß sie über den Parteien steht. DasEcho de Paris" feiert die Wahl Dou­mergues unverhohlen. Das Blatt schreibt: Wir buchen die Wahl Doumergues als einen Erfolg, weil Dou­mergues in den groben wichtigen Fragen der äußeren Politik dem Lande die Sicherheft verschafft, welches es brauet und die Garantie dafür ist, daß die revolu­tionären Ideen, soweit sie unter Herriot und Painleve durchkommen sollten, erstickt wurden. Mit derselben Deutlichkeit drückt sich Durü imEclaire" aus: Die Republikaner haben gestern verhindert, schreibt er, .vaß die Demagogen des Linkskartells ihren Strohmann ins Elysee schickten. Der neue Präsident hat die Mehrheit erhalten, die durch die republikanischen Stimmen in Kammer und Senat erreicht wurde. Morgen schon werden dieselben Republikaner Painlevü als Kammer­präsidenten zu ersetzen haben.

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Doumergue» erster Regierungsakt.

Paris, 14. Juni. Der erste offizielle Regierungs­akt Doumergue» bestand darin, daß er Herrkot initteilen ließ, daß er ihn sobald wie möglich zu spre­chen wünsche und daß es ihm angenehm wäre, Ihn als­bald nach Schluß der oftiziellen Wahlhandlung zu emp­fangen.

Herriot zur Uebernahme der Kabinettsbildung bereit.

Paris. 14. Juni.* Herriot dementiert durch Havas die ihm zugeschriebene Aeußerung, er würde, wenn Painleve nicht gewählt wftd, die Bildung ves Kabinetts ablehnen.

Herrtots Rinisterkiste.

Paris, 14. Juni. 12.15 Uhr wurde offiziell an­gezeigt: Herriot bat die Bildung der Re­gierung übernommen und wird um 5 Uhr die Namen seiner Mitarbeiter bekanntgeben. Die Ernen­nungen werden bereits morgen Sonntag imJournal" oiftziell angezeigt. Die neue Regierung wird sich am Dienstag dem Parlament vorstellen und sofort für die Jnteroellation zur Verfügung stehen. Am nächsten Sonnabend wird Hcrriot nach Cheguers reisen, um dort mit Ramsan Mac Donald eine Besprechung zu haben.

Paris, 14 Juni.Echo de Paris" verzeichnet folgende Ministerliste:

Präsidium und Aeußeres: Ab«. Herriot. Justiz: Senator Feutral.

Inneres: Ab«. Ebautemv». Finanzen: Senator (Elemente!, llntericht: Abg. Daladier.

Krieg: General Rollet oder Renault.

Handel: der Abg. von Le Havre: Leon Meyer.

Oeffentliche Arbeiten: Senator Leo« Merrier »der Abg. Justin Godard.

Marine: Senator de Kergnezee oder Abg. Milbaud. Kolonien: Senator Schranneck.

Landwirtschaft: Abg. Qneille.

Unterstaatssekretär für die Post: Robert.

Der Minister für die befreiten Gebiete steht noch nicht fest.

Am Dienstag Regierungserklärung Herriot».

Paris, 15. Juni. Die Kammer hat gestern nach­mittag 3 Ubr eine Sitzung abgehalten. Als der Prä­sident die Sitzung als eröftnet erklärte^ brachen die Rechtsparteien in ein Gelächter aus und schrien: De­mission, Demisiion! Die Linksparteien brachten hierauf dem Präsidenten Painleve eine Ovation dar. Als die Ruhe wieder hergestellt war, wurde die Kammer auf Dienstag nachmittag 3 Ubr vertagt. Auch der Se­nat wird am Dienstag zur selben Zeit eine Sitzung abbalten. Herriot wird in beiden Parlamenten seine Mitarbeiter vorstellen und die Regierungser­klärung verlesen.

Herriot über die Ernennung Rollets.

Paris, 15. Juni. Die Ernennung des Generals Rollet zum Kriegsm.inister erläuterte ^Mi­nisterpräsident Herriot gestern abend den Journa­listen wie folgt: General Nollet hat mich aukgelärt über das, was sich in Deutschland ereignet und was ich zum Teil schon gewußt habe. Er, der Deutsch­land gut kennt, hat den sehr klaren Eindruck, daß es sich unter den gleichen Bedingungen wie Preußen nach 1806 wieder organisiert. Ich bin entschlosien, gegenüber der deutschen Demo­kratie eine liberale Politik zu treiben, aber es ist nötig, daß sie tm guten Glauben die Nationalisten verhindert, ihre Propaganda und ihre Organisation weiter zu be­treiben. Es ist notwendig, daß das jetzige System sich ändert. Wenn wir keine Befriedigung erlangen kön­nen, dann seien Sie überzeugt, daß wir viel schärfer gegenüber Deutschland sein werden als andere, 55h werden es fein, «eil es sich darum handelt, den Frieden zu sichern, die Achtung vor unseren Rechten und die Entwicklung der demokratischen Bewegung. Deutsch­land muß es wissen, daß wir liberal sind, daß wir uns aber nicht täuschen lasten. Die Teilnahme des General» Nollet an der Regierung ist für die Nationalisten und alle Deutschen das sichtbare Zeichen, daß wir ihnen nickt gestatten werden, uns zu täuschen und den Frieden zu kompromittieren.

Die öftentliche Meinung über da» Kabinett Herriot.

Paris, 15. Juni Der radikale »Rappel" erinnert daran, daß die Ilnierstütznngspolitik, die die Sozialisten der neuen Regierung gegenüber betreiben wollten, nicht zu einer Diktatur der revolutionäre« Sozialisten

sichren dürfe. Hier liege ein Prüfstein für da- Mini­sterium Herriot; daS dürfe eS nicht aus dem Auge lassen oder eS werde zu einer großen Enttäuschung führen.

I Der .Oeuvre" schreibt kurz: Herriot wollte ein I ausgesprochenes Linkskabinett: er habe es. DaS Land könne nunmehr in Ruhe feine Taten abwarten. Der neue Ministerpräsident werde diejenigen nicht ent» täuschen, die auf ihn ihre ganze Hoftnung gesetzt hätten.

Die »8re Rondelle" erklärt: Seit Waldeck- Rousseau habe die französische Demokratie noch nie­manden mit solchem Vertrauen beehrt wie Herriot. Der Glaube an ihn fei so stark, daß man sich gestatten könne, einige Irrtümer der Methode zu verurteilen, für die offenbar gewisse Radikale Herriot zu gewinnen suchten. Man finde im Kabinett neben Männern von großem Wert und aufrichtigen demokratischen Allüren auch solche, die die »Farbeneinheit" störten. Das neue Ministerium enthalte Persönlichkeiten, die etwas sehr rasch den Weg nach Damaskus gefunden zu haben schienen. Die Umstände erforderten vielleicht eine gewisse Nachsicht, aber Nachsicht bedeute noch nicht Vergessen. ES sei ein wenig seltsam, an der Seite des Führers der republikanischen Gruppe Leutnants zu entdecken, die sich ihre Sporen im Generalstabe des Diktators Elemenceau verdient hätten.

DerO u o 11 i> i e n führt auS. das neue Mini­sterium enthalte viele Neulinge und junge Männer. Das Land erwarte vom Ministerium, daß es die Ver­sprechungen halte, die im Laufe der Wahlschlacht gege­ben worben seien, aber man dürfe nicht ungeduldig fein. Hxr Schade .den der nationale Block vier Äahre lang der Republik zugefügt habe, könne nicht im Hand­umdrehen wieder gutgemacht werden hierzu brauche man Zeit. Herriot müsse die notwendige Muße ge­lassen werden, um mit England und Deutschland die Bedingungen der Räumung des Ruhrgebiets zu er­örtern. *

Der sozialistisch«Peuple" nennt die neue Re­gierung homogen und zur Aktion bereit, deren Etappe übrigens das Land festgelegt habe. Seine erste Geste müsse auf Reparationen und Entspannung ausgehen, d. h. Amnestie bringen.

Die kommunistische .Hurnanie" findet, daß die Kombination Herriot diejenigen nlchi überraschen dürfte, die den Radikalismus vor dem Kriege an der Arber! gesehen haben.

Baldige Zusammenkunft Herriot» mtt Rae Donald.

Paris, 14. Juni. Man glaubt, daß Herriot, wenn er am Dienstag das neue Kabinett der Kammer norgestellt hat» sich umgehend mit Mac Donald in Verbindung setzen wird, um das Datum einer Zusam­menkunft entgültig festzusetzen. Es ist nicht ausge­schlossen, daß tsie Zusammenkunft Ende der nächsten Woche in London statftindet. In pariser politischen Kreisen hält man es nicht für naheliegend, daß Ser­ri o t sich vor seiner Reise nach London mit dem bel­gischen Ministerpräsidenten trifft, um seine persönliche Bekanntschaft zu machen und um sich über, die wichtigsten Punkte mit ihm zu unterhalten. Man ist der Ueberzeugung, daß der Zusammenkunft Herriot Mac Donald recht bald eine all,!' - te Konfe­renz folgen wird.

9it smMA ArMntenMI und die Xeiirotieisirait

Berlin. 16. Juni. In den-Berliner Regierungs- krei^n wird betont, daß man zur Wahl Doumergue zum Präsidenten der französischen Republik vorerst eine abwartende Stellung cinehmen müsie, da es nicht im Interesse der deutschen Politik liege, Doumergue etwa als einen Mann vom Schlage Poincares in der deutschen Presie binzustellen. Man erblickt eine Ge­fährdung der Verständigungspolitik des neuen Kabi­netts viel Peniger in der Persönlichkeit des neun Prä­sidenten als in den Intrigen des nationalen Blocks, die neue Kammerheit untereinander zu entzweien und zu spalten. Besonders, falls es der Rechten gelingen sollte, die Sozialisten in ihre alte Ovvositionsstellung zurückzudrängen und damit ihren direkten Einfluß aus­zuschalten, würde Herriot sich vielleicht zu Konzessionen an die nationale Gruppe gedrängt sehen, die ihm an sich fernliegen. Man betont weiter, daß gerade angesichts einer solchen Gefahr von deutscher Seite alles vermie­den werden müsie, was den Gegnern des jetzigen Ka­binetts Material für ihre Propaganda liefern könne, und daß man die Verständigung über das Sachverstän- digen-Eutachten und die Räumung des besetzten Gebie­tes möglichst beschleunigen müsie. Immerhin erhofft man viel von dem englischen Einfluß, dem sich tn der fetzigen Situation kein französisches Kabinett entziehen könne und der immer ein Gegengewicht bilden würde gegen eine neuerliche Verschiebung der französischen Po­litik in die alte Bahn Poincares.

Inzwischen spielen besiden Entscheidungen übet das Revarationsvroblem auch noch die Fragen der Sicherheiten und des etwaigen Eintritts Teutschlands in den Völkerbund hinein. Rach den Informationen, die man im Auswärtigen Amt über die Absichten der alliierten Regierungen be­sitzt, wird im Anschluß an die Regelung der Äevara- tionsfrage auch gleichzeitig eine Konferenz einberufen werden, die sich mit der Frage der Sicherheiten befasien soll. Bis dahin wird sich die deutsche Reichsregierung darüber zu entscheiden haben, ob Deutschland ein Gesuch um Zulassung zum Völkerbund einreichen soll. Die englische Regierung Hat bereits bei früheren Gelegen­heiten der Reichsregierung nabegelegt, noch vor dem 1. September, dem Tage des Wiederrusammentritts der Völkerbundsversammlung, ein entsprechendes Gesuch an sie zu richten. Jnfolgedesien lenkt sich gegenwärtig die Aufmerksamkeit^der deutsche« diplomatischen Kreise auf

die Völkerbundsfrage. Man bat Hier den Eindruck, daß die neue französische Regierung im Einvernehmen mit Mac Donald bemüht sein wird, den Einfluß des Völker» bundes zu stärken und dieFrage des europäischen Frieden» zu einer Angelegenheit dieser Körverscha^ zu mache«. Deutschland wird sich, so behaupten die demokrattsch ge­richteten Kreise, letzten Endes nicht dagegen wehre» können, den Eintritt in den Völkerbund zu vollziehe«, wenn diese Körperschaft tatsächlich in der künftige« europäischen Entwickelung die Rolle spielen wird, die ihr von England und der neuen französischen Regierung zugedacht ist. Man dürfe nicht in den Fehler verfalle«, deutscherseits das Ansehen des Völkerbundes beschränke» zu wollen, wenn man die Absicht hat, als gleichberech­tigtes Mitglied aller europäischen Nationen zu gelten. Aus diesem Grunde besteht zurzeit bei dem Zenttum und den Demokraten noch weniger Neigung als bisher, die deutschnationale Volkspartei in die Regierung auf«, zunehmen. Man befürchtet nämlich, daß sich die Deutsch« nationalen dem Eintritt Deutschlands in den Völker« frunb hindernd in den Weg stellen könnten.

Was die Völkerbundsfrage anbetrifft, je gibt es in Deutschland zwei gegeneinander gerichtet« Strömungen. Die Parteien der Mitte und die Sozial« demokratie befürworten den Beitritt Deutschlands zu«. Völkerbund, während die Rechte unter keinen Umstän­den Deutschland seiner Unabhängigkeit gegenüber dem Völkerbund beraubt' wisien will. Es ist vorauszuseh««, daß die Völkerbundsfrage in Deutschland lebhafte Aus­einandersetzungen Hervorrufen wird, bet denen es zur­zeit noch nicht sicher ist, welche Richtung die Oberhand behalten wird.

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Beginn der Kommissionsberatungen über da» Sai> verftändigen-Gutachten.

Berlin, 14. Juni. Im Lause der kommende« Woche tritt tto« Organisationskomitee für die Ina bustrie-Obligativnen in Paris zusammen.

Das Organisationskomitee für die Eisenbahnen hält am Dienstag in Berlin eine Sitzung ab, der die Sachverständigen der Alliierten Ac- w or th und L e f e f r e hier eintrcften werden. Dor« aussichtlich wird das Organisattvnskomitee für di« neue Bank am Dienstag hier eiatreffen und eben« falls am Dienstag ein Sitzung abhalten. Hierzu wird Str Roberi K i n d e r s l e h erwartet.

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Der 6Mwft Belgiens.

Gent, 14. Juni. Der belgische Außenminister Jasper hielt gestern hier eine Konferenz ab. erklärte, Belgien habe die Bedeutung folgender Punkte eingefehen:

1. Die Schuld festzusetzen,

2. Die Notwendigkeit, eine Handelspolitik zu treiben,

3. Die Notwendigkeit einer vollständigen Hebet* einstimmung mit den Alliierten.

Belgien habe dies drei Punkte auf allen bis* herigen Konferenzen vertteten. In London int April 1921 habe man die Reparationsschuld auf 132 Milliarden Goldmark festgestzt. Im Mai 1922 schlug Belgien vor, diese Frage einer Bankierkvn- ferenz kvrzulegen. Anglücklicherweise sei dieser Plan gescheitert. Iaspar verlas eine Depesche, die er im August 1923 an den englischen Ge­sandten sandte, um ihm die bedeutenden Kon­zessionen, die Belgien in Spa gemacht hatte, zu wiederholen. Am 24. Mai 1923 habe Belgien drei ReprrationSvorschläge nach Paris geschickt, die so­genannten Belgischen technischen Studien, die auch England und Italien erhalten haben. Während die­ser ganzen Zeit habe Belgien auf eine gemäßigte ReclisierPig drS Reparationsproblems hinaewstkt.

Sos i*tnÄt SewitiiHsiWo w otrlingert.

Berlin, 14. Juni. Wie von zuständiger. Seite mitgefeilt wird, ist das am 23. Februar zwi­schen der deutschen und britischen Regienmg ge­trostere Abkommen über die Herabsetzung der। Reparationsabgabe von 26 Prozents auf 5 Prozent vom Wert der aus Deutschland nach England eingeführten Waren, bis zur In«^ kraftsetzung des Sachverständigen»^ gutachtens verlängert worden. Das Ab- * kommen trar ursprünglich mit Geltungsdauer vis^' zum 15. April vereinbart und alsdann bis zum 15.' Juni verlängert worden. Die nochmalige Der- längerung ist erforderlich geworden, weil entgegen i der ursprünglich gehegten Erwartung die Gesamt»' regelnng de: Rcparativnsfrage unter Einschlug der en-l scheu Repar ttonsabgabe inzwischen noch nicht erfolgt ist. ;

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Um die 8reIWm der Mmimem.

Berlin, 16. Juni. Die Lage im besetzten Gebiet beginnt sich langsam zu entwirren. . Die Rück­gängigmachung vieler Maßnahmen und Verordnungen der Besatzungsbehörden wird längere Zeit in Anspruch nehmen. SS haben zwischen deutschen Vertretern und