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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Malbmg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Di« »Obrrheistlch» Zeitung" erscheint ittbemel wöchentlich. — Stjugsnieis monatlich 2 D ark ausschließlich Zustellungrgebühr. Für eu$fallenbe Nummer» iniolge Streik, oo. element.Lreizniii» lein (Etiag. — Hetiag von Dr. T. tzigeroth. — Druck der.Univ.»Buchdruckerei von Sob. Lug. Noch. Markt 21,23. — lternspiechei Sä.
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Ser to ImzöWen Srifiknlmtll.
Millerand hat nach zähem Widerstand abge» Dankt. Die Hilfe, die er bis zum letzten Augenblick von
Deutschland erwartet hatte, ist nicht eingefroren. Kn Grunde ist Millerand durch die Abstimmung des Keichs! ages, die dem neuen Kabinett Marr das Der» jrauen mit genügender Mehrheit aussprach, gefallen. Kas muh den deutschen Parteien, die genügenden Der- Hand und ausreichendes Derantwortungsgefühl besahen, iß politisches Aktivum gebucht werden. Aber es väre eine ganz falsche Beurteilung des Tatbestandes, Venn man M i l l e r a n d und Poincarö für Männer hielt, wenn man die Politik deS Ra» tzmalblockS als für alle Zeiten erledigt und begraben betrachtet. In seiner an allen Ecken Frankreichs an» geschlagenen Abschiedsbotschaft an bas Volk sagt Mil» tzrgnd. »Morgen werde ich in Reih und Glied den Kampf von neuem aufnehmen." Das ist im Munde einer so energischen Persönlichkeit keine Phrase. Millerand wird an die Spitze des nationalisti schen Blocks treten, irgend einen Weg im Parlament wirb er schon finden und er wird ein sehr gefährlicher Gegner des Kabinetts Herriot sein. Rach wie eor wird Millerand dabei — hoffentlich ebenso Der- Üblich wie bisher — auf die unfreiwillige Anter- Mgung aus Deutschland rechnen. Die Spatzen pfeifen ,0 hier von allen Dächern, bah die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich davon abhängt, baß die antichauvinistisch^n Kabinette Marx und Herriot sich wechselseitig stützen. Man fängt an zu begreifen, Welche Dummheit man durch die Fortsetzung des Hungerkrieges nach der deutschen Rovemberrevolution begangen hat und welche Kette von Dummheiten durch• tie mißachtende Behandlung der demokratischen Strö» «ung in Deutschland die nationalistische Reaktion in Leutschland hervorgerufen hat, Hervorrufen muhte. Früher sagten das in Paris nur einzelne, al- »antl- »atioiial" verrufene Blätter, wie »Le Quotidien", _£’ Oeuvre", »L'Ere noubelle“ — heute fängt ein Matt, das stets für die Politik Poincarä, — Pfänder, Bürgschaften, Sicherung durch militärische Besetzung! — ««getreten ist, die »Information" an, diese- ganze Arsenal von Gewaltmahregeln preiszugeben und die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund zu verlangen. Selbst ein noch heute ganz poinearisttsches 3lati wie »Le Temps" erkennt die Rotwendigkeit ,das Kabinett Marx zu stützen. Zu dieser gegenseitigen Hilfsaktion aller verständigungswilligen und nicht hysterischen Elemente in beiden Ländern bedarf eS Bieter Kleinarbeit. Es ist zu hoffen, bah die Steuerung Herriot zunächst da- militärische Regiment im alt- und neubesetzten Gebiet durch Aufhebung einet Anzahl von Maßregeln, die schikanös wirken, ertrag» Edjer machen wird. Vorstellungen Deutschlands in liefet Hinsicht würden jetzt Erfolg haben im Hinblick darauf, daß solche Milderungen die Annahme der Ge- feite, welche die Ausführung des Sachverständigen» Gutachtens begleiten müssen, im Reichstag erleichtern Sird. -
Wer wird am Freitag das Rennen in Versailles Nachen? Painlevä oder Doumergue? Ihre stln.hänger sind gleich stark und es ist sehr ungewiß, teer burchkommt. Es ist auch ziemlich bedeutungs- fes. Die Krisis um Millerand hat ja dargetan, bah die Mehrheit des Landes wünscht, zu dem Präsidenten- 8>pus Loubet ober Fallieres, also zu dem Wahrhast »tutralen, lediglich repräsentativen Staatsoberhaupt zu- vickzukehren. Der Präsident soll herrschen, cbcr nicht regieren. Seine Herrscherpflicht ha' tr zwar nur feiten zu üben, aber sie ist in diesen feltcnen Augenblicken ungemein bedeutungsvoll. ■ Er kraft den Mann, dem er die Bildung des Ministeriums tobertraut. Hat er diesen Mann gesunden und hat dieser Mann ein Kabinett gesunden, welches das Verbauen des Parlaments hat, so ist die richtige Rolle ks Staatsoberhauptes beendigt — bis zum nächsten Dal. Rach hergebrachter Hebung beruft der Präsident der Republik bei einer Kabinettskrisis zunächst -u einer Information und Beratung die Präsidenten ks Senats und der Kammer zu sich. 3n dieser Hin- stcht hätte es eine gewisse Bedeutung, wenn Gaston Doumergue, heute Präsident des Senats, Oberhaupt 6er Republik würde. Es besteht nämlich die Absicht, «lsdann Poineare zum Präsidenten des Senats zu wählen, also zu einem Posten, von dem «ts er in Krisenzeiten einen gewissen amtlichen Einfluß aus die Entschlüsse des Präsidenten ausüben könnte.
Haben diejenigen Recht, die hinter der Millerand» telis eine nicht nur persönliche, sondern eine grunö- fejlidje Frage auftauchen sehen? Dämlich die Frage, •6 es überhaupt einen Präsidenten der Republik geben »uß? Man kann in dieser Entwicklung eine Quelle ter. Konflikten zwischen dem Staatsoberhaupt und dem Parlament erblicken. Datürlich würden von jetzt ab felche Konflikte immer mit dem Unterliegen des Staatsoberhauptes endigen. Es läge also, meinen viele, ■n Interesse der Ruhe und Ordnung, sie zu vermeiden ted das einfachste wäre, die Stellungen von Staatsober- Soupt und Ministerpräsident in einer Person zu Der« tetsachen. Man wird es bei dem heutigen System dch! oder übel belassen müssen. Die Herren Loubet Tollieres haben ihre fast stummen Rollen vorzüglich -»spielt. Ihre künftigen Rachfolger werden sie nach- •6'cien müssen. Die Stellung des Präsidenten ist durch 6ie eben durchgemachte Krises nicht erhöht worden. Drllerand nennt mit Recht die Art, wie man ihn «bgebcmt hat, revolutionär. Es war wirklich eine tetblutige Staatsumwälzung, in der die volk-gewählte Kammer ihre Souveränität befestigt hat. Der Präsident
der Republik ist von nun ab nur ein parlamentarischer Kommissar.
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Paris, 12. Juni. Die heutige Sitzung des Linkskartells zur Wahl des gemeinsamen Kandidaten f ft die Präsidentenwahl ist für heute nachmittag 2 Uhr festgesetzt. Dieser Konferenz der Linksparteien wird große Bedeutung beigemessen. In der Tat i es eigentlich dieser Kongreß, der den wirklichen Kau didaten der Linksparteien namhaft macht. Sämtlich Linksgruppen haben bis gestern spät in die Nacht hin ein ihre Besprechungen fortgesetzt. Die gemäßigter (Elemente der Linksparteien haben es in letzter Stund» abgelehnt, an dem Kongreß teilzunehmen. sodaß sick folgende Zusammensetzung der Parteigruppen ergibt: Die Demokratischen Radikalen und die Radikalsozialisten des Senats im ganzen 165, die linksradikaler Abgeordneten 30, die Republikanischen Sozialisten 147, die sozialistischen Abgeordneten 103, im ganzen als 474. Damit haben die Aussichten des Kandidaten de- Linkskartells beim ersten Wahlgang in Versailles ge wählt zu werden, sehr abgenommen. Der Präsiden des Senats, Doumergue, hat bekannt gegeben, daß ei am heutigen Kongreß nicht teilnebmen werde und seine Kandidatur nicht offiziell aufzustellen gedenke. Das will aber noch nichts heißen, da in dem heutigen Kongreß des Linkskartells nicht auf die Kandidatur Doumergues gedrungen wird.
Painleoe gewählt.
Paris, 12. Juni. An der Abstimmung in der Vollversammlung der linksstehenden Parte ien zur Bestimmung eines Kandidaten für die Prii- siedentschaft der Republik haben 475 Deputierte und Senatoren teilgenommen. Das Ergebnis der Wahl ist folgendes: Kammerpräsident Painleve 306 Stimmen, Senatspräsident Doumergue 149 Stimmen, Poin- cate eine Stimme, weiße Zettel 19.
Poincar» wird nicht kandidieren.
* Paris, 12. Sunt Poincare wird bestimmt nicht Kandidat für die Präsidentschaft sein.
*" Millerand will für die Kammer kandidieren.
Paris, 12. Juni. Es wird bestätigt, daß Millerand sich sehr bald in dem Departement Menrthe et Woselle als Kandidat für die Kammer ausstellen lassen wird. In diesem Departement hat der nationale Block bei der letzten Wahl 70 000 Stimmen aus sich vereinigt gegen 20000 Stimmen des Linksblocks und 10000 Stimmen der K umunisten. Die Wahl MtllerendS in diesem Departement erscheint so gut wie gesichert. • e *
Vorstellung der neuen Regierung bereit» am Samstag.
Paris, 12. Juni. Gestern abend wurde bekannt, daß Francois M a r s a l seine Demission wahrscheinlich schon am Samstag in den ersten wahrscheinlich schon am Samstag in den ersten Morgenstunden den neuen Präsidenten unterbreiten wird. In diesem Falle würde Herriot noch im Lause des Vormittags ins Elhsee berufen und mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut werde». Do Herriot die Liste seiner Mitarbeiter schon fertiggeslellt Hot. würde er die Damen seiner Mi» iristerkollegen noch am Samstag mittag bekannt geben und das Kabinett am Samstag nachmittag 3 Uhr bereits der Kammer vorstellen. Die Kammer würde sich dann auf acht Tage fertigen.
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Serriots Absichten.
Paris, 12. Juni. Herriot hat sich gestern seinen Freunden dahin geäußert, daß er sich wahrscheinlich schon am Samstag nachmittag um 3 Nhr mit dem neuen Kabinett der Kammer vorstesten werde. Er würde dann einen Antrag auf Vertagung der Kammer einbringen, um sofort einige Tage Serien zu haben, während welcher Zeit sich Herriot nach London begibt, um Macdonald zu treffen.
Herriot zur Regierungsbildung bereit
London, 12. Juni. Herriot erklärte in einer Unterredung mit dem Berichterstatter des „Daily Erpreß", er fei bereit, eine Regierung zu bilden, und habe die Liste feiner Kollegen in der Tasche. Die Liste sei jedoch noch nicht vollständig: er hoffe, sie vor Ende bei Woche fertigzustellen. Keiner der Sozialisten werde seiner Regierung beitreten. Dies bedeute jedoch nicht, daß die geringste Meinungsver- fchiedenbett zwischen seiner Partei und der Partei Blum bestehe. Die Sozialisten hätten ihm ihre Unterstützung zugesagt. Herriot fuhr fort, seine Haltung gegenüber Großbritannien sei, sich mit der Londoner Regierung zusammen zutun, um die sofortige Anwendung des Sachoerständigenberichts in Angriff zu nehmen. Er gedenke etwa 10 Tage nach London zu geben. Wenn alles vrogrammäßig verlaufe, werde er fein Kabinett zu Beginn der nächsten Woche am Montag oder Dienstag bilden. Er werde das bekannte besonder» Programm durchführen. Herriot sagte: Soweit Deutschland in Betracht kommt, sind wir dafür, näher zusammenzurücken, und wir werden unser Bestes tun,, um eine Entspannung in unseren Beziehungen mit Deutschland herbeizuführen, lieber die Ruhrfrage, Erneuerung der Micumverträge und die Amnestie für ausgewiesene Deutsche kann ich nichts Bestimmtes sagen, bevor ich die Akten am Quai d'Orsay durchgearbeitet habe. Der Berichterstatter des „Dail, Erpreß"
siebt di» letzte Aeußerung Herriot» als Bedeutung an, daß et das Ministerium des Aeußetn übernehmen werde.
Herriot für die deuifch-franzöfifche Entspannung.
London, 12. Juni. Der Pariser Berichterstatter des »Daily Expreß" hatte eine Unterredung mit Herriot, in der dieser unter anderem erklärte: „Meine Stellungnahme gegenüber England besteht darin, gemeinsam mit der Londoner Rcgieiung die sofortige Anwendung des Dawesbe- licbtc- herbeizuführen. Was Deutschland anbelangt, befürworten wir eine Annäherung. Am !ie zu erreichen, werden wir unser Möglichstes tu», um die Spannung zu beseittgen, sowie in Gewaltanwendung oder Strenge in unseren Beziehen zu Deutschland nachzulassen.
Amerikas Hoffnungen für Deutschland von der neuen französischen Linksregierung.
Washington, 12. Juni. Der Sturz Mille- rand» und der damit verbundene Sieg öerriots bat in republikanischen politischen Kreisen Ameri - *as einen guten Eindruck gemacht. Man glaubt, daß nunmehr der Weg zu einer offiziellen und freundschaftlichen Aussprache zwischen Frankreich und Deutschland geebnet sei. Wenn Frankreich auch von seinen Forderungen nicht abgebt, so wird doch die Art und Weise, wie die Zahlungen verlangt werden, sich für Deutschland als annehmbar gestalten.
Englische Hoffnungen auf die Linksregieruug in Frankreich.
London, 12. Juni. In den politischen Kreisen Londons setzt man große Hoffnung en auf die Zukunft der Linksregierung in Frankreich und glauvt, daß nunmehr eine viel freundschaftlichere Zusammenarbeit zwischen Frankreich und England möglich ist. Die gestrige überraschend große Mehrheit beim Sturze Millerands hat die englischen politischen Kreise aufs mte von dem großen Einfluß des Linkskartells überzeugt.
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RmMM für iieSMtltimmiffliii.
In einem Leitartikel hat der „T e m p s" die Frage behandelt, ob Deutschland auf den Krieg oder auf den Frieden lossteuere. Für den „Temps" ist es selbstver- siändlich daß ersteres der Fall ist. Als Beweis führt er das Gutachten des Reichswehrministeriums an, das gelegentlich des Landesverratesprozesies Zeigner abgegeben wurde. Aus dem Satze des Gutachtens: „Die Frage der Eeheimverbände wie auch die Haltung, die die Regierung und das Reichswehrministerium ihnen gegenüber einnehmen, interessieren im höchsten Maße die Regierungen der feindlichen Koalitionen" zieht der „Temps" folgenden Schluß: „Das Reichswebrministe- ru-m ist also vor aller Welt des Verbrechens überführt, systematisch geheime militärische Verbände zu schützen und durch gerichtliche Verfolgung all» diejenigen zu terrorisieren, die es wagen, die Schuld des Reichswebr- ministerimus aufzudecken." Um zu dieser unglaublichen Unterstellung zu kommen, läßt der „Temps" einfach den von ihm selbst abgedruckten nächsten Absatz des Gutachtens gänzlich außer Acht, der folgendermaßen lautet: ..Für die Wirkung, die derartige Nachrichten in den Landern der Entente Hervorrufen, ist es ohne Belang, ob diese Nachrichten richtig, ob sie übertrieben oder gänzlich erfunden sind. Die Schweigepflicht besteht daher für alle Nachrichten dieser Art." Die Lügenvro- diikte der französischen Hetzpropaganda geben den besten Beweis für die Richtigkeit dieser Stellungnahme des Reichswebrministeriums, das weder die — . übrigens garnicht vorhandenen — Beziehungen zu geheimen Verbänden noch überhaupt dos Vorhandensein solcher Verbände zi'-ibt. Aber selbst der „Temps" ist einsichtig genug, festzustellen, daß die sogenannten geheimen deutschen Streitkräfte garnidjt in der Lag» sind, gegen die feindliche Koalition Krieg zu führen.“ Selbst jpenn geheime militärische Verbände beständen, könnte es dem „Temps" daher ganz gleichgültig sein. Aber nein. Diese Verbände sind nach seiner Ansicht nur dazu da, um die deutsche Republik durch einen Staatsstreich zu erdrosseln. Und dann käme als Nächstes eine gründliche Kriegsvorbereitung. Folgerung : die I. M. K. K. muffe bleiben, alle wahren Freunde des Friedens und der Demokratie, mögen die Europäer oder Amerikaner fein, hätten ein kapitales Snterefie daran, die in Deutschland bestehende Gefahr zu unterdrücken.
Um im inneren die Staatsautorität aufrecht zu erhalten, und das Deutsche Reich vor seinem letzten und einzigen zuverlässigen Machtmittel, ber_ Reichswehr, zu schützen — dazu haben uns die Schnüffelkommifsionen gerade noch gefehlt.
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Himburg, 12. Juni. Der belgische Hiuvt- mann Wvntzel weilte gestern im Auftrag der imer alliierten Lustfahrtkvmmissivn auf dem Flugplatz Fuhlsbüttel, um in Begleitung des Majors a. D. Leon Har dH vom Deichsverkehrsministe- rlum den Flugplatz Fuhlsbüttel mit seinem Flug- zeugp.ark und seinen Einrichtungen einer Prüfung zu unterziehen. Er forschte nach einem Fokker D. 7, da nach Zeitungsberichten Förster und Münnich einen Fokker D. 7 geflogen haben sollen. Ebenso wurde die Funkenstattvn inspiziert. Der Hauptmann fand alles in Ordnung. Die Flugzeuge fallen ordnungsgemäße Ausweise mit dem Stempel oer Kontrollkommission. @6 lagen keinerlei Unregelmäßigkeiten vor.
6ioll6ge’5 MMM.
Der Konvent der amerikanischen republikanisch«» Partei in Cleveland bat den jetzigen Präsidenten »ab Nachfolger Harding» Eoolidge, rum Präsident- schaftskandidaten der Partei nominiert. Es ist damit der nicht häufige Fall eingetreten, bat eine der beiden großen amerikanischen Parteien, nnd zwar die zur Zeit regierende, als ihrem einzige« lich in Betracht kommenden Bewerber einen Wava herausstellt, der weder als Staatsmann noch al» Par» teivolitiker einen deutlich erkennbaren Umriß und fast keine „Vergangenheit" hat. Bevor Eoolidge, biihtt Vizepräsident, ohne voraufgehend» Wahl in das Amt seines plötzlich aus dem Leben geschiedenen Vorgänger» Harding eintrat, war fein Name in der Welt so gut wie garnicht, in den Vereinigten Staaten sehr wenig genannt worden' gerade um seine Vizevräfidentschaft war eine ungewöhnliche Stille. Hatte schon Haiwing, im Vergleich zu Autokraten wie Roosevelt oder Wilson, unauffällig regiert, so war fein Nachfolger Cwlidge schon durch die Besonderheit der Stellung eines nicht gewählten Präsidenten und durch die Näht der Neuwahlen darauf hingewiesen, die Rolle de» Vertreters eigentlich weiter zu spielen unb- jebensall» nichts Endgültiges ober von der Politik feines Vo« Gängers sichtlich Abweichendes ju unternehmen. Die» fern Anlaß zur Zurückhaltung kam überdies sowohl i« der persönlichen Wesensart Coolidges, der das Laut« und Dramatische durchaus nicht liebt, wie auch in de« Neigungen seiner Partei und in einer gewissen politischen Müdigkeit des Volkes der Vereinigten Staate» überhaupt, vieles entgegen. Man wollte, wie scho« bei Hardings Wahl, einen getreuen Verwalter, bet sich seiner Macht nicht überhob unb den ruhigen Ausbau ber seit bent Krieg gewaltig gesteigerten amerikanischen Wirtschaft so wenig wie möglich ftörte._ Tatsächlich trat benn auch Präsident Eoolidge verhältnismäßig am sichtbarsten gerade bann hervor, wenn e» galt, Gefährdungen des Friedens abzuwehren und oot Unvorsichtigkeiten zu warnen: so, wenn er den Kongreß mit ebenso viel Recht wie vergeblich ermahnte, daß bi« Javaner erbitternde Einwanberungsgefetz zum wenigsten zu vertagen. Die Aussichten bes Wahlkampfes, in den Eoolidge jetzt eintritt, find um so schwerer ab»u< schätzen, als sich diesmal wahrscheinlich eine dritte Partei zwischen die beiden altüberlieferten einschiebe« wird. Immerhin dürften die Chancen gerade diese» unauffälligen Kandidaten bei der jetzigen Durchschnitt»« ftimmung des Amerikanertums nicht gering sein.
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Dewhork, 13. Sunt DaweS ist zum Äae» didaten für den Vizepräsidenten nominier! worden. '
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Mn mMMn firetit.
25 Millionen Dollar für die deutsche Solbhank.
Aewyork, 12. 3uni. Die amerikanisch«« Bankiers Hoben die Verhandlungen betr. die Gewährung eines Kredites von 25 Millionen Dollar cm die deutsche Golddiskontbank abgefchlosse«. An de» Abschluß der Verhandlungen ist ein aus 34 Bankert bestehendes Syndikat intereffrert.
v» MMk yilliinl.
Mailand, 12. Juni. In Durazzo und Dalona sind zwei amerikanische Torpedoboote eingetroffen. Amerikanische Petroleumgefellschaften besitzen Konzefsione« in Albanien. In Velona fand eine italiensreundlich« Kundgebung wegen der unterlassenen Intervention statt. Die provisorische Regierung richtete an die Vertreter Frankreichs, Italiens und Jugoslawien- eine Mitteilung über den innerpolitischen Charakter der Bewegung unb Maßregeln zum Schutz.
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Wien 12. Juni. Der albanische Gesandte in Belgrad erhielt von der provisorischen Regierung in De» Iona, die sich »Administrative Kommission zur Verwaltung des Landes" nennt, und unter der Präsidentschaft des griechischen orthodoxen Erzbischof- von Arghrv- kastro. Dan Rolh, steht, ein Telegramm, in dem ihm mitgeteilt wird, daß die provisorische Regierung di« Derwaltung des ganzen Landes übernommen habe. Die gesamte alte Regierung, mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze, ist an Bord eine* italienischen Torpedobootes von Durazzo nach Dark üt Italien geflohen.
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»«teilen LW Stones lenen Ml Bonalt.
Der ehemalige englische Ministerpräsident Lloyd George hat kürzlich bei der Einweihung eine! Kriegerdenkmals in Wales, seiner Heimat eine Red« gehalten, die mit Bosheiten gegen Mac Donald gespitzt war. Er wandte sich in seiner Weihered« gegen die sogenannten »Gewissen-Dedenkler", die während des Krieges den Heeresdienst verweigerten mit der Begründung, daß die Vergießung von Menschenblut gegen ihr Gewissen ginge. Diele dieser Dienstverweigerer sind damals ins Gefängnis getoanbert. Lloyd George erklärte, er schätze die jungen Männe« höher ein, die ihr Leben für daS Dater» land geopfert haben, als jene, die au, Sewifsensbedenken sich der Todesgefahr entzogen hätten. Es falle ihm aber nicht ein, an den Gewissensbedenklern Kritik zu üben. Er habe es früher nicht getan und werde es jetzt «st recht nicht tun. Denn gegenwärtig feien die Gewiffen-bedenkl«