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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Malbmg.

Anzeiger für (das frühes kurheffifchej Obekheffen

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Marburg

Soooßöeni, Den 7. Zuni

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59. glitl, 1924

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Aul in Wlerlnfie.

Der Spannungszustand zwischen dem Präsi­denten der französischen Republik und dem nach dem Willen der Kammermehrheit zukünftigen Mi­nisterpräsidenten von Frankreich ist durch ein förm- siches Kriegserklärungsaktenstück in offenen Kampf «mgewandelt worden. Die nicht immer sinnvolle Kompliziertheit des demokratisch-parlamentarischen Regierungssystems hat einen Konflikt heraufbe- fchworen, dessen Lösung auf der einen oder anderen Seite ein sehr wesentliches Preisgeben grundsätz­licher Forderungen verlangt. Präsident Millerand ist der Mann des nationalen Blockes. Er steht noch wesentlich weiter rechts als Poincarch der sich aus diesem Grunde ebenfalls in einem ständigen, wenn auch äußerlich immer wieder verhüllten Gegensatz pi Millerand befand Auf Millerand find die hoff­nungsvollen Blicke aller derer, der Generäle und Zeitungsschreiber gerichtet, die in mehr oder we­niger verhüllter Form eine Diktatur erstreben. Während der mehrfachen Poincars-Krisen in der Vergangenheit glaubte sich die äußerste republi- hlnische Rechte, von der intime Beziehungen zu den Royalisten und Klerikalen hinüberführen, mehrfach bereits unmittelbar an Ziele ihrer Wünsche. Die Wahlniederlage dieser Kreise hat allen diesen Hoff­nungen und Jntragen ein plötzliches und unerwar­tetes Ende bereitet. Es liegt nun durchaus nahe, daß die Linksgruppen um Herriot und Painlev^ wenig Wert darauf legen, ihre Berufung ausge­rechnet aus den Händen des Herrn Millerand ent- jegen zu nehmen und mit Herrn Millerand noch «er Jahre lang politisch zu arbeiten.

Die äußere Entwicklung des aus der geschilder­ten Sachlage sich ergebenden Konfliktes hat sich nun programmäßig vollzogen. Nach dem Bekanntwer­den des Wahlergebnisses begann sofort ein äußerst scharf geführter Pressekampf gegen den Präsidenten. Man warf ihm, abgesehen von Einwendungen pv- sttisch grundsätzlicher Art, vor, er habe sein Amt mißbraucht, um eine Beeinflussung der Öffentlich­keit im Sinne der Politik des nationalen Blockes zu betreiben. Immer leidenschaftlicher wurde die For­derung des Rücktrittes erhoben, die mit der Un­möglichkeit einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Mil- lrrand und Herriot begründet wurde. Gleichzeitig wurden Gerüchte ausgesprengt, nach denen Mille­rand angeblich beabsichtige, das Wahlergebnis trgenbmie umzubiegen und doch noch ein Kabinetr Nach seinem Geschmack zustande zu bringen. Nach der Wahl des Kammerpräsidenten Painlevs und nach einer Rücksprache Millerands mit diesem lud Millerand, nachdem er ebenfalls mit dem Senats­präsidenten Dournergue Fühlung genommen hatte, den Vertrauensmann der neuen Mehrheit, Her­riot, zur entscheidenden Rücksprache ein. Ueber das Ergebnis der Besprechung erließ das Elysee einen amtlichen Bericht, in welchem der Kernpunkt des bestehenden Konfliktes herausgeschält wird. Millerand stellt fest, daß zwischen ihm und Herriot hinsichtlich des kommenden Regierungsvrogrammes jeine Gegensätze beständen, daß er selbstverständlich verfassungsegmäß den Mehrheitswillen der Kam­mer bei der Regierungsbildung zur Durchführung bringen werde. Ebenso weigert er sich aber auch, im Widerspruch zur Berfafiung eine Anschneidung 'Xäfidentschaftsfrage zu dulden. Herriot habe sich dann auf keine weiteren Erörterungen ein­gelassen, sondern die llebernahme der Kabinetts­bildung abgelehnt.

Es eergibt sich nun für Frankreich eine wenig erquickliche Lage. Der Form nach ist Millerand.sicherlich im Recht. Ebenso gewiß ist es aber, daß tatsächlich eine farbliche Zu- sammenarbeit zwischen Männern so verschiedener politischer Erundauffasiung, wie es die beiden geg­nerischen Präsidenten sind, kaum möglich ist. Mil­lerand wird nun versuchen, mit anderen Männern ein Kabinett der Linken zusammenzustellen. Er ist ebenfalls bereit, ein Kabinett der Linken zu bilden, dürfte damit aber wenig Erfolg haben, da eine Re­gierung, selbst wenn fich ein Vertreter der Linken zur Verfügung stellen würde, ohne eine Kammer­mehrheit der Linken nicht bestehen kann. Die Er­regung, die in politischen Kreisen über den Stand­punkt Millerands herrscht, dürfte ebenfalls nicht zerade günstig für eine Kompromißlösung sein.

Auch Chaumet lehnt ab. ^'F''

Pari-, 6. Sunt. Der Präsident der Republik hat heute seine Besprechungen mit den Politikern fortgesetzt. Heute vormittag empfing er um 10 Lhr den Senator E h a u m e t, den Präsidenten deS Re­publikanischen Komitees. Die Aufforderung Millerands, baS Kabinett zu bilden, lehnte der Se­nator ab.

* Weiterhin empfing der Präsident die beiden W- geordneten Franclin Bouillon und Thomson. Heber die Besprechungen mit diesen beiden Abgeord­neten ist bisher noch nichts bekannt.

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verschärfter Kampf gegen das Elysee.

» Paris. 6. Sunt Sm Lager der Linksparteien scheint große Erregung zu herrschen. Die gestern im JSalate Bourbon abgehaltene außerordentlich« Zusarn- Jgnfimft der Führer des Linkskartell» hatte nach der

Auslassung der Mvrgenpresse die Form eines Kriegs­rates angenommen, Herriot unterrichtete die An­wesenden über sein Gespräch mit Millerand. Weiter wurden Maßnahmen erörtert, die es ermöglichen sollen, den Kampf gegen das Elysee in ver­schärfter Weise fortzuführen. Lieber die Natur dieser Maßnahmen verlautet selbstverständlich zur Stunde noch nichts. Gewisse Blätter deuten an, daß evtl, heute nachmittag in der Kammer ein Antrag auf Absetzung des Präsidenten der Republik eingebracht werden könne.

Die sonstige Stimmung in den Kreisen der Links­parteien kennzeichnet ein Kommentar des (Ouevre", in dem Robert de Suvenel den Präsidenten der der Republik offen beschuldigt, Llmsturzplänen nachzugeben. De Souvenel verzeichnet Gerüchte, wonach der frühere Präsident der Republik, von Magi- not und Marsal unterstützt, mit Hilfe der Generäle Liauthey oder Magin entschlossen sei, dem Parlament sofort nach Verlesung seiner Botschaft die Beendigung der Session durch einen besonderen Erlaß zu ver­künden. :

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Herriot für die Politik Millerands.

Paris, 6. Suni. Die Situation ist trotz der Besprechungen, die gestern bis spät in die Rächt sowohl im Elysee wie innerhalb des Linkskartells statt­fanden, bis zur Stunde unverändert. Ein vom Elysee kur? vor 11 Ähr nachts herausgegebenes Communique enthält lediglich die schon gemeldeten Angaben, daß Millerand drei Senatoren, den Präsidenten der 5t- nanzkommission des Senats, Millies-Lacroix, den Bizepräsidenten des Senats Ratter und schließ­lich der. lrüheren älnlerstaatSsekretär Senator Rio hintereinander empfangen hat. Millerand will heute vormittag seine Berufungen wieder aufnehnien und lautEcho de Paris" vermutet man, morgen abend, spätestens aber am Sonntag zu Ende führen. Mit der Bildung des Kabinetts wird Millerand voraussicht­lich einen Senator beauftragen und zwar wird er den Auftrag &n ein Mitglied, der neuen Mehrheit rich'.m. An eine andere Persönlichkeit scheint, nach den Kommen­taren zu schließen, kaum gedacht zu werden, und es erscheint als ausg.-schlossen, da ßein Abgeordneter des Linkskartells das Kabinett übernehmen würde, da Her­riot gestern die Kabinettsbildung abgelehnt hat. Rach dem .Echo de Paris" will sich Mlllerand deshalb an Politiker wir Kloß, Dournergue und Pe­ranger, den früheren Finanzminister wenden. Der QHatin bringt zu den gestrigen Kämpfen folgende bedeutsame Ausführungen: Herriot gibt selbst zu. daß er mit Millerand hinsichtlich Ausgleichung der Fi­nanzen und der Berteidigung der französischen For­derungen gegenüber Deutschland ein und defelben Mei­nung kst. Wenn er dabei den Auftrag zur Kabinetts­bildung nicht übernommen hat, so geschah das einzig und allein wegen der Stellungnahme des Lintskartells gegenüber dem Präsidenten.

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Herriot an die ausländische Presse.

Paris, 6. Suni. Herriot wohnte gestern einem von den Pariser Bertretern der englisch-amerikanischen Presse gegebenen Pakett bei. Sn einer Aussprache erklärte er: Die Bresse hat in der letzten Zeit einige Beunruhigung darüber gezeigt, welche Politik die Radi­kale Partei bei ihrer Berufung zur Regierung machen werde. Sch glaube, daß niemand ein wahrhaft demo­kratisches Regime Frankreichs fürchtet. Sch habe immer nach Wiederherstellung von Ordnung und Sta­bilität gestrebt. Sch werde mich bemühen, das Gleich­gewicht wieder herzustellen, das für das Land von großer Bedeutung ist. Sch will das Problem unserer Finanzen vor das Parlament bringen. Sch werde ebenso für das Wohl Frankreichs wie für den Welt­frieden arbeiten, indem ich die Entwicklung des schieds­richterlichen Institutionen wie es der Bölkerbund. das Snternaticnale Arbeitsamt und der Haager TchiedS- gerichtshos sind, unterstützen werde. Rur werden wir den Sntereffen der Angelsachsen und der Konzeption des Friedens Rechnung tragen, wenn wir unsererseits an der Pazifierung der Welt mitarbeiten.

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Mmlimlt MMM.

große Gewitter des Weltkrieges, das ous den Wolkenzufammenballungen der letzten Jahr­zehnte sich entladen hat, bracht- nicht die von Optimisten erhoffte wvhltättge Entspannung. Ge­rade durch den Ausgang deS Weltkrieges ist der Zustand der Atmosphäre so erschüttert worden, baß eS hest''gcr als je zuvor von allen Seiten her grollt und wetterleuchtet und jeden Augenblick irgendwo der Ausbruch eines neuen noch heftigeren LlnüelterS. als es der Weltkrieg war, erwartet wird. DaS wesentlichste Kvnfliftgebiet internatio­nalen Ausmaßes ist nach wie vor der zwischen der Entente und Deutschland ebenso wie in­nerhalb der Entente bestehende Gegensatz über Auslegung und Durchführung der FriedenS- dirtatbestimmungen- insbesondere der Kontribu- tionSftage. Dieser Brandherd hat bereits wieder holt die Flammen hochauflodern lassen. Daß eS nicht zu einem Kriege im eigentlichen Sinne ge­kommen ist. liegt lediglich daran, daß zum SKeg- führen mindestens zwei Parteien gehören. Aad Deutschland ist ja. ebensowenig wie vielleicht etwa

England, in der Lage, der französischen Aebcr- macht mit irgendwelcher Aussicht auf Erfolg gegen» übcrzutreten?

Mik dem europäischen Zentralprvblem der Po­litik hängt aufS Engste die Verknotung und Ver­wirrung oller politischen Verhältnisse im Osten und Südosten Europas zusammen. Die dort neu ge­schaffenen Staaten sind untereinander, zum Tell auch mit der Stoßrichtung nach Rußland hin durch einen wahren Rattenkönig von Geheimverttägen, Slaatsverträgen und militärischen Abmachungen verfilzt. Die Fäden dieser verschiedenen Abma­chungen laufen wiederum in London und Paris zu­sammen. In jüngster Zeit ist der Gegensatz zwischen Rumänien und seinem Anhang einerseits und Rußland andererseits akut ge­worden. Hinzu tvmmt in enger Verbindung mit dieser Lage der italienisch-türkische Ge­gensatz und der italienisch-serbische Ge­gensatz, der durch die Anruhen in Albanien plötzlich in Erscheinung getreten ist. Im Dordosten besteht der litauisch-polnische Stteit und der alles überschattende Gegensatz zwischen allen neugegrün- deicn Staaten und Rußland. Die Spannung zwi­schen Ruhl and und den europäischen Siegerstaaten kommt auch im fernen Osten, in den Zwischenfällen mit China, zum Ausdruck.

Doch entlegener, aber wiederum doch in den Hauptlinien mit den großen Fragen der Welt­politik in Zusammenhang stehend, ist der a m e r i- kanisch-japanische Gegensatz, der an­läßlich der Auswanderungsfrage sich wieder außer­ordentlich verschärft hat, und der nicht nur auf gefühlsmäßigen Antipathien, sondern auf sehr realen wirtschaftspolitischen Streitpunkten beruht.

Zur Zeit sind die meisten Regierungen be­müht, mit den bekannten kleinen Mitteln diplo- matischer Verschlagenbett und diplomatischer Ab- mochuvaen zu verhindern, daß die so zahl- zahlreicheii Konstcktsstoffe irgenowo zu einer größe­ren Katastrophe führen, aus der dann sehr leicht ein über den ganzen Erdball loderndes Feuer ent­stehen könnte. Keine Macht hat es bisher gewagt, das Hebel an der Wurzel anzufassen, eine Re­vision der unglückseligen Friedensoiktate herbei» zusühren, aus deren Folgen ohne Schwierigkeit jede der bestehenden Gefahren unmittelbar abgeleitet werden kann. Wenn die Regierungen heute den Weg der Einsicht nicht beschreiten wollen, so wird sich mit Sicherheit der fiebergeschüttelte Körger der politischen Welt selbst in einer Krisis gegen seine Zerstörung wehren.

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Wiot Wregti im «Men Mertens.

London, 6. Juni. Unterbaus wurde gestern an den Ministervräfidenten Macdonald die Frage gestellt, ob er nunmehr in der Lage sei, inberug auf die europäische Lage eine Regierungserklä­rung abzugeben. Clones antwortete für den Mi- risterpräfidenten und erklärte, es sei augenblicklich das Sauvtbestreben der englischen Politik, eine Lösung der deutschen Revarationsirage durch das Sachverständigengutachten herbeizuführen. Solange diese wichtige Frage noch nicht gelöst sei, könne die Re­gierung keine kompetente Erklärung über die Lage in Europa abgeben.

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Rübe- und Pfalzfraseu.

London, 6 Juni. Auf eine Anftagr über das Schicksal der v o l?i tischen Gefangenen und Ausgewiesenen im Ruhrgebiet er­widerte in der gestrigen Sitzung des Unterhauses der lluterstaatssekretär im englischen Außenministerium. Ponsonby: Die Wiederzulassung der Ausgewiesenen des Rhein- und Ruhrgebietes geht nach Kenntnis der eng­lischen Regierung schubweise vor fich. Weiter wurde Ponsonby gefragt ob es wahr sei, daß die Rheinland- kommission die Regierung der Pfalz zu einem Schaden­ersatz von 20 000 Goldmark in dem Falle des separa­tistischen Bürgermeisters Selttich verurteilt habe. Pon­sonby erwiderte darauf, dieser Beschluß der Rbeinland- kommission sei mit einer Mehrheit und gegen den Einspruch des englischen Oberkommifiars zustande gekommen.

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KinmM itr Witte«!«IMonitn?

London, 6. Sunt Hiesige Blätter melden aus Konstantinopel, daß Griechenland in Albanien einmarschiere .'wird, falls Serbien seine angekündigte Absicht auf Besetzung einiger albanischer Grenzstücke durchführen sollte. Die Entwicklung der albanischen Frage wird als gefahrdrohend bezeichnet und besonders die Haltung StalienS von mehreren Leiten mit stei­gendem Mißtrauen bettachtet.

M a i l an d 6. Sunt Die Aufständischen in Al» binien find siegreich. Tirana hat eine Verteidigung eingerichtet Dintfchitsch und der Szenische Botschafter haben verabredet nicht zu intervenieren. s.

Wie die Blätter auS Belgrad melden, haben Im Zusammenhang mit der Lage in Albanien die Gesandten Englands .Frankreichs, Stallens und der

Bereinigten Staaten den Vertreter deS Ministers de- Aeußeuen aufgesucht, um sich über den Standpunkt der jugostawischen Regierung zu informieren. Die .Bel­grader Tribuna" meldet, die Sreignlffe In Albanien seien nach Ansicht der serbischen Regierung ausschlleßlich innerpolitifcher Natur. Die jugvstawische Regierung sei der Ansicht, daß jede stmrbe Sntervention überflüssig und unangebracht fet Der italienische Gesandte hab« in einer besonderen Unterredung mit Rintschitsch be­ruhigende Erklärungen über die Haltung RomS in de« albanischen Bewegung abgegeben. Der italienische G» sandte sei nach Rom gereist, um Bericht zu erstatten.

Die .Reue Freie Presse" meldet auS Athen: ®U Aufständischen ermordeten den Präsidenten der alba­nischen Nationalversammlung und den Präsidenten der Kommission, die im vergangenen Monat in Angora den FreundschaftSvertrag mit der Türkei abschloß.

Rach einer Belgrader Meldung einigten sich die Kanzleien von Rom und Belgrad darüber, daß di« Unabhängigkeit Albaniens gewahrt bleiben müsse.

Bit finge i« Snminlen.

Keine Unruhen in Rumänien. 1

Berlin, 6. Juni. Die königl. rumänische Tesanvt- schaft teilt mit: Nach den stark übertriebenen Gerüchten über eine Explosion in Cottoceni bat man neuerdings Gerüchte über einen Bauernaufstand, an besten Spitze sich General Ave res cu gestellt hätte, verbreitet Die königl. rumänische Gesandtschaft ist ermächtigt tu er­klären, daß in Rumänien die vollkommenste Ruhe und Ordnung herrscht.

General A v e r e s c u hatte vorgestern seinen Partei» kongreß abgehalten. Alles hat sich ruhig ab­gespielt. Es hat nicht einmal eine Straßendemo»» sttation stattgcfunden. Höchstwahrscheinlich stehen wir einer Falschmeldv.ngskamvagne gegenüber, die durch Börsenspekulant en und diejenigen organi­siert werden, die ein Interesse daran haben, durch diese Manöver das Vertrauen de» Auslandes in den politischen und wirt­schaftlichen Aufschwung Rumänien» |» erschüttern. Die Kgl. Rumänische Regierung de­mentiert auf das allerentschiedenste diese tendenziöse» Nachrichten, die jeder Basis entbehren. /

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WMr fiontog.

Auch hier Radanszenen.'* X

Dresden, 5. Suni. Sn der letzten Landtag--»1 fihung ist es zu Skandalszenen gekommen. Do« Eintritt in die Tagesordnung verlangte Der kommu­nistische Abgeordnete Böttcher, man möchte die kommunistischen Anträge betreffend die unbefriste­ten Verbote der kommunistischen Zeitungen, ferner den Antrag wegen Unterstützung der Bergarbeiter noch auf die heutige Tagesordnung setzen. Der Landtags­präsident erklärte, bah zu dem ersten Punkt dig Regierung sich noch nicht zu einer Antwort enlschlosie» habe. Was den zweiten Punkt anlange, so liege der Antrag nicht gedruckt vor. GS entspann sich eine er­regte GeschSftordnungsdebatte, an deren Schluß di» kvmtnunistischen Anträge gegen die Stimmen der Kom­munisten und der Linkssozialisten abgelehnt wurden. Die Kommunisten riefen hierauf Pfui, verlangten wei­terhin das Wort zur Geschäftsordnung und schlüge» vor. die nächste Sitzung am Freitag ober Samstag von Pfingsten abzuhalten. Auch dieser Antrag wurde ab» gelehnt. Als der Präsident vorschlug, die nächst, Sitzung des Landtages für den 19. Sunt anzufetzen, da- Haus demgemäß beschloß, erhoben die Kommu­nisten einen ungeheuren Lärm. Der Abg. Bartz sprang die Stufen zum Präfibententifch hinauf, entriß dem Präsidenten den Hammer und schleuderte ihn zuerst gegen den Regierungstisch und sodann mtt dem Fuße in den Saal. Auch auf den Tribüne« erhob fich ein großer Tumult. Es ertönten Rufe: Nieder mit den Kommunisten! Geht auf Eure Spielplätze zurück! Zwischen den kommunistischen Abge­ordneten und den Tribünenbesuchern wurden heftige Schimpfworte gewechse-lt. Snzwischen ließ der Präsident die Eaalsirenen ertönen. Der Abg. Böttcher schrie noch eine Zeit lang in den Saal hinein, ohne daß ein Wort zu verstehen ge­wesen wäre. Endlich verließen die DegierungSmit- glieder, die Mitglieder des Präsidiums und die Ab­geordneten, zuletzt auch die Kommunisten den Saal. Die Sitzung Wirde unterbrochen. Snzwifchen traf auf mehreren Lastwagen die Sicherheit-Polizei Im Landtag ein. t

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Uns hem Heilen Seilet

Die Besatzungsbebördcn beschlagnahme» wette«. V

Bonn, 6. Juni. Die Bankräume der Darm­städter Bank für Sandel und Industrie, Filiale Bonn, find von de» Bejatzungsbehörden beschlagnahmt worden. ,1

Da» Urteil im Mainzer Kommnnistenvrozeb.

Mainz, 6. Juni. Die verhängten Strafen liege» für die männlichen Angeklagten zwischen eine« und fünf Jahren Gefängnis zuzuüglich Geldstrafen di» z» 250 Eoldmark. Für die weiblichen Angeklagten sind die 6traten nach Monaten bemessen. Die Höchststrafe, beträgt hier 18 Monate.

Wiesbaden, 5. Iuni.Das französische Kriegs­gericht verurteilte eine Anzahl junge Leute, die de» Bismarckbunde, der Jugendorganisation der Deutschnationalen Bolkspartei, angehört habeg, M