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1924

Der Snjfigenptets beträgt für bett lOgefp. Zeilenmillimeter 0,08 Selbeert. Lmtllche u- ouswärt. Anzeigen 0,10 Eolbm-rk. Bei fchwier.Satz 50/, Suftolag. Gemetelaetef«. 100*f.

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Die Wie AssUche über bis RegienlUMklörW

Scharfe Opposition der Deutschnationalen.

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Echo des Auslandes.

Juni. Die Rede des Kunz»

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lers wirb ton den Berliner Korrespondenten im allgemeinen ohne Kommentar wiedergegeben. Sie beschränken sich lediglich auf ein Stimmungs­bild vom Reichstage. Den Gepflogenheiten der englischen Presse gemäß wird man sich erst zum Schluß der Debatte über die schwebenden fragen äußern.

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beredinet, ebenso Auskunft durch die Eeickäitsftelle und Zusendung der Angebote. Zahlung innerhalb 5 Tagen (1 Dollar 4,20 Eolbmark), Berechnung nach deut Berliner Mittel, kur» be» Zablung»^ki»sang»tages. Verzugszinsen pro Tag nach dem Bankzinssus,

Die »Oderhesflsche Zeitung" erscheint iechsutal wöchentlich. Bezugsorets monatlich 2 Mark anrschließlich Zustellungsgebühr. Für ausfallende Nummern infolge 6treit» oo. etement.Ereignisse kein Erlag. Verlag »an Dr. L. Higeroth. Druck der Univ.» Buchdrücke rei non Job. Aug. Koch, Marti 21,L Sernjgremer, Boftfcheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

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fo wäre der Augenblick gekommen, wo entweder bte Regierung zurücktreten mutz oder die Auflösung bt» Parlaments erfolgt Enthält sie sich der Abstimmung, so wäre mit einer knappen Majorität der Regierung zu rechnen. Die Deutschnationalen, Nationalsozialisten und Kommunisten werben insgesamt etwa 210 Stimmen aufbringen können, denen 238 der Mittelpartefen unk der Sozialdemokraten gegenüberstehen. Im entschei­denden Stadium kann die Regierung gerettet werden, aber sie wird keinen zuverlässigen Sieg erhalten, f» lange die Deutschnationalen in der Opposition ver­bleiben. Kommen innenpolitische Abstimmungen zu­stande. bei denen die Sozialdemokratie nicht in bet Lage ist, mit der Regierung zu gehen, bann wäre das Spiel zu Ende.

pasis der bisherigen Koalition gab es nach Lage der f Dinge nicht mehr. Die drei Parteien nahmen da- f der ikn Juteresse des Vaterlandes das Opfer auf sich, Mir Bildung der gegenwärtigen Regierung zusammen- treten. Dr. Scholz spricht dann im Namen der £ Parteien der Mitte der Regierung das | Vertrauen aus und die Erwartung, daß sie schien- f Wisst alle Vorbereitungen trifft, die aufgrund bes Sach- f Mrständigenberichtes erforderlich find. (Beifall in der JSMtte. Lachen rechts.)

Abg. Graf We st a r p ldeuifchnat.) weih darauf bin, Itfe sich jetzt der deutsche Notschrei bemerk­bar mache, der auch im Ausland gehört werden müsse. (Lärm bei den Kommunisten). Das verstehen ck als Vorlksvertreter freilich nicht. (Erneuter Lärm tei den Kommunisten.) Es gej>t nicht weiter mit einem «wehten Bekenntnis, das da» deutsche Volk zu einer ^dauernden Knechtschaft verurteilt. (Leb- Hefter Beifall rechts.) Die Parteien der graben Koalition haben Sitze verloren. Das mutzte bei der Kegierungsbilbung berücksichtigt werden. W i r wis- !cn wohl, bah wir noch nicht stark genug inb, allein bie Regierung zu überned - een. Wir waren bereit zu einer Koalition bis zum Zentrum; bas war bie äuherfte Grenze. Wir muffen feem Herrn Reichsprüsibenten den Vorwurf emchech bah er der Situation in Bezug auf uns nicht Rechnung getragen bat. Auch bas Zentrum i tet Schuld, weil es die Demokraten nicht fal­len lassen wollte, die ihrerseits eine Zusam­menarbeit mit uns ablebnten. Das Ergebnis fees Wahlkampfes mit seinem Lügenfeldzug ist unvosi- trö (Gelächter bei den Koalitionsparteien.) Die »estrige Regierungserklärung ging an den Grundfragen fees Tages saft- und kraftlos vorüber. (Zustimmung rechts.) Gegenüber der Sozialdemokratie müssen mir einen scharfen Strich ziehen. Darum war auch die Be- fcftigung der sozialdemokratischen Mißwirtschaft in Preutzen eine unserer Bedingungen, zumal die große : Koalition auch in Preußen nicht mehr den Tatsachen «ltspricht. Wir billigen das Vorübergehen bet Regie­rungserklärung an den so dringlichen Fragen der Inneren Politik nicht. Auch mir wollen mit die- & Fragen unsere Außenpolitik nicht schädigen. Das lachten schätzt unsere Leistungsfähigkeit falsch ein. Wir haben 50 Milliarden bezahlt, lebenswichtige Pro- Anzen find uns genommen, unser Auslandsvermögen stt dabin. Das mutz jeder Deutsche, aber auch jeder stemdlänbische Vertreter hier einsehen. (Bravo rechts, Lärm bei ben Kommunisten.) Wir sollen bas Gnt- echten im Ganzen annehmen. Aber gerade hier ist ein Übersetzungsfehler:on whole" heißt nicht im Panzen, sondern bis an das Ganze heran ober im Protzen unb Ganzen. Ehe Deutschland bie großen Seiten übernimmt, müssen mit Garantien haben, baß hie Ruht geräumt wirb. Wit wollen in bet Regierung an den Verhandlungen über bas Gutachten kitnebmen; mir scheuen bie Verantwortung nicht, «nser Vaterland können nicht interfraktionelle Be­stechungen retten, sondern Persönlichkeiten. Das Zen- twm hat Verhandlungen über eine Kanzlerschaft Tir- bitz abgelebnt, vielleicht aus Furcht vor dem Auslande (Beifall rechts, Lärm im Zentrum). Deutschland ist kine eingeborene Kolonie (minutenlanger Lärm, Glocke fees Präsidenten). Wir verlangen Freiheit von Rhein und Ruhr in militärischer und politischer «ziebung. Seit zwei Jahrtausenden wollen bie Fran- fcjen den Rhein. In bet Rheinfrage liegt das Schick- ml Europas. Ich erkläre, daß bet Reichspräfibent un- »r planmäßiger Außerachtlassung bes Volkswillens Aicht ben Führer der stärksten Partei, sonbern ben bis« erigen Reichskanzler mit bet Regierungsbildung be- Miftragt hat. Die Deutschnationale Volkspartei hat fcts >bre Bereitwilligkeit unzweideutig kundgegeben, £8 unter dem bisherigen Kanzler in bie Regierung wtotreten. Dem Reichspräsidenten wie den Parteien

Paris, 5. Juni. Zur gestrigen Rede de« Kanzler« äußert sich Pertinar imEcho fce Pir iS": ES steht fest, daß Marx die Berich­tigung deS Sachverständigengutachtens fordert und, wie Princarö, nur von einem anderen Standpunkte au«, cm Gutachten Anklarheiten und Widersprüche feststem. Pcrtinax bemrikt: Frankreich wolle seine Kontrolle über Deutschland be­halten. Es denke gar nicht daran, di« militärische Okkupation aufzugeben, temr-fc. unzulänglich sie auch sei, so bürge sie doch dafür, daß die wirtschaftliche Okkupation im Not­fälle wieder ausgenommen werden kann. 'Perti- nax bedauert, daß Herriot in seinem Brief an Blum sein Programm nur ungenau skizziert habe. Man müsse von der neuen französischen Regierung Vor allem eine Bestätigung der Vorbehalte erwarten, mit denen Pvincare den Sachverständigenbricht be­gleitet habe.

Paris , 5J.uni. DerTemps" betont in fei­nem Leitartikel, Reichskanzler Mart habe gestern, dreimal betont, daß fein Kabinett das Sachverftän- digenprvgramm ausführen und die Ausarbeitung der wendizen Gesetzentwürfe beschleunigen werde. Bon diesen wiederholten Versicherungen nehme man gern Kenntnis. Die Reichsregie­rung habe gebieterische Gründe, so zu sprechen, habe doch der Reichskanzler auf den kritischen Zu­stand des Wirtschaftslebens hingewiesen. Dies s« schon alles bekannt und der Reichskanzler hab» nichts Neues enthüllt. Er habe gestern gesagt, Deutschland werde die neuen Gesetze nicht un» nehmen, rhn g w sse Zustcherunzea zu erlangen. habe alsdann das Programm der Forderungen ent- wickelt, das die im Ministerium vertretenen Par­teien veröffentlicht hatten. WaS die Forderungen Deutschlands betreffend Wiederherstellung der wirischaftlichen Einheit angehe, will derTrmpS" die Sorgen der deutschen Regierung wohl ver­stehen. Die Regierungen der Entente könnten ihr diese Gewißheit unter einer Bedingung geben, daß"ilich Deutschland tatsächlich Beweisevon feinem guten Willen gebe. Warum wolle man nicht vorher zwischen den Regierungen der Entente und der deutschen Regierung ein« Anter» reduirg einleiten? Was die deutschen Förden«»

Die Berliner Presse zur Regierungserklärung.

DerL o k a I a n 3 e i g e r schreibt: Es ist da» Dürftigste einer Regierungserklärung, was dem tn bie» t Hinsicht nicht eben verwöhnten Parlament bet « ritschen Republik je geboten worden ist.

DerTag" sagt: Die Erklärung des Herrn Marg war äußerlich besehen belanglos. I

DieB o ss. 31 g. urteilt: Bei einer neuen Re­gierung vor einem neuen Reichstag hätte es nabe ge« legen, weit auszugreifen unb bie Regierungserklärung zu einem eingehend detaillierten politischen Programm auszugestalten. Die Außenpolitik bat jetzt das Primat vor der Innenpolitik.

DerVorwärts" sagt: Mit weisem Vorbedacht bat sich bie Regierung in ihrer Erklärung auf bett einen allerbings entscheibenben Punkt beschränkt, tn oem ihre Politik bet Billigung der sozialdemokratischen Fraktion sicher sein kann.

Nach derDeutschen Tageszeitung" »er- vollständigt das Fehlen eines Wortes über die Schuld« lüge den Eindruck, den die Regierungserklärung ohne- bin in nur zu hohem Matze macht, daß sie nicht ein Dokument deutschen Willens und letzter gesammelter deutscher Kraft ist, sondern ein Dokument der Halbheit unb Schwäche.

DieDeutsche Zeitung" meint, daß die Er­klärung bes Reichskanzlers ihre Bedeutung erst erhalt« burch bas, was sie nicht ausspricht.

DieDeutsche Allgem. Ztg." urteilt: Di« Stellung zum Dawes-Bericht ist grundsätzlich richtig. Man wird freilich nicht glauben dürfen, daß die brei­ten Massen des Volkes die Aussichten der Regierung»«

Str SM itotn bie Mennig.

3m Reichstag hat der konzentrierte Kamps der Opposition gegen daS Kabinett M a r f auf der ganzen Linie eingesetzt. Einer geschlossenen Front der gegnerischen Parteien steht eine Regierung gegenüber, die auf eine kleine Gruppe von 133 Abgeordneten ge- stützt ist. Lediglich 100 Sozialdemokraten kommen als Wohlwollende Verbündete in Frage, während auf der anderen Seite 107 Deutschnationale, 62 Kommunisten und 38 Rationalsozialsten in schärfster AngrissSstellung gegen das Kabinett sind. Der Ausgang des gegen­wärtigen Ringens ist noch ungewiß. Aber in den Kreisen der Regierungsparteien besteht trotzdem die Zuversicht, daß eS gelingen werde, wenigstens für ein Aebergangsstadium die Regierung zu halten, damit sie in die Lage versetzt wirb, die außenpolitischen Pro­bleme unter Dach und Fach zu bringen. 3m Re­gierungsprogramm kam deutlich zum Ausdruck, daß das Kabinett Marx-Etresemann sich nur ein einziges Ziel gesetzt hat, dieLösung des Reparativ n s- problemes aus der Grundlage de» Sach- verständigen-Gutachtens. Wenn diese Mis­sion erledigt ist, dann kann die gegenwärtige Reichs­regierung zurücktreten, um den anderen Kräften den Weg freizumachen. Vorher aber, so erklären die Re­gierungsparteien, gäbe es kein Zurück und es werde daraus ankommen, daß der Kampf bis zum letzten Ende durchgefuhrt wird. Nunmehr geht es auf beiden Seiten um die Parole: Entweder muß die Regierung fallen oder der neue Reichstag verfällt der Auf­lösung! Regierung gegen Parlament, Parlament gegen Regierung. Dies ist die augenblickliche Situation, die noch verschärft wird durch kommunistische Verbuche, neue innere Anruhen herbeizuführen, um in dem all­gemeinen Wirrwarr die Revolution durchzuführen.

Die deutschnati vnale Reichstagsfrak­tion ist entschlossen, bei der Bekämpfung des Kabinetts Marp-Stresemann die Führung in der Hand zu be­halten. Sie geht nicht mit den Nationalsozialisten ge­meinsam vor. sondern beide Gruppen marschieren ge­trennt, um vereint die Regierung zu schlagen. Dem gegenüber steht die Front der Mittelparteien ver­stärkt durch die Sozialdemokratie, im Reichstage ge­schlossen gegen die beiden Rechtsparteien auf der einen und gegen die Kommunisten auf der anderen Seite.

3n den der Regierung nahestehenden Kreisen er­klärt man heute, daß Reichskanzler Dr. Mart von feiner Vollmacht, da» Parlament aufzu- tef en, in dem Augenblick Gebrauch machen wird, wenn die parlamentarische Nieder­lage erleiden sollte. Dieser Moment scheint nicht mehr fern zu sein. Die Opposition will mit größtem Nachdruck eine Dertrauenserklärung zur Abstimmung bringen, um schon jetzt eine Ent­scheidung herbeizusühren. Die Annahme einer Der­trauenserklärung könnte nur gesichert werden durch die Zustimmung der Sozialdemokratie, aber auch dann ist die Situation für die Regierung noch sehr ungewiß. Es ergibt sich die Frage, wie wird sich die Baye­rische Volkspartei verhalten? Stimmt sie mit den Rechtsparteien und den Kommunist«, zusammen.

Am Regierungstisch: Reichskanzler Dr. Marr. Vizekanzler Dr. Jarres unb Ernäbrungsminister «raf Kanitz.

Präsident Wallraf eröffnet bie Siung um 10.25.

Auf bei Tagesordnung steht die Besprechung per Regierungserkl ätung; verbunden damit irb die erste Lesung des Nothaushalts für 1924.

f Das Wort erhält zunächst

Abg. Dr. Scholz (D. Vv.), bei im Namen bes Zentrums;, ber Demokraten und der Deut-

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8. Sitzung Donnerstag 5. Juni.

Vlutspuren der deutschvölkischen Bewegung sprach und erklärt: Wir sind stolz darauf, daß unsere Bewegung von Männern ausgtng, die ihr Blut für bas Vaterland vergossen haben. Herr Löhe reicht bei weitem nicht an eine Persönlichkeit heran wie fiubenbotff. (Beifall unb Heilrufe bei ben Nationalsozialisten. Großer Lärm im ganzen Hause.)

Abg. Leicht (Bar. Dpt.) warnt die Nationalsozi- sisten bringend davor, noch weiter Haß zu säen. Da­mit würden sie bas deutsche Volk auSeinandersprengen.

Abg. Hampe (Wirtsch. Vereinigung) fordert Auf­hebung der Zwangswirtschaft.

Abg. K nutze (Rat.-Soz.): Eine Regierung, die so etwas unterschreibt, ist keine Regierung. (Zurufe bei den Kommunisten: Rieder mit der Regierung!) Ja­wohl, nieder mit der Regierung (Heiterkeit), die un­sere Versklavung verewigt. Aber glauben Sie (zu den Kommunisten) nicht, Paß wir eine Re­gierung von Ihnen billigen würben. Sie wäre noch schlimmer, es wäre eine jüdisch-russische Regierung.

Vizepräsident Dr. Dell teilt mit, daß der Reichs­minister des Aeußeren morgen zu sprechen wünscht und schlägt Dertagung vor.

ES folgen persönliche Bemerkungen, u. a. deS Dbg. Grafen Westarp (dntl.). der feststellt, baß seine Partei keinerlei Erkundigungen im Auslände darüber eingezogen habe, ob eine Kandidatur Tirpittz ge­nehmigt wäre ober nicht.

Abg. Henning (Nat.-Soz.) erklärt, et habe dem Polizeipräsidenten Mitteilungen gemacht von positiv ihm bekanntgewordenen Attentatsplänen der Kommu­nisten gegen Ludendorff. (Lärm bei den Kommunisten.)

Rach wetteren Erklärungen des Abg. Löbe (Sog.) wird dann die zweite Lesung des RotetatS erledigt.

Es folgt eine längere GefchäftsorbnungSdebatte. Freitag vormittag 10 Ahr Fortsetzung ber Besprechung der Erklärung der Reichsregierung und dritte Lesung deS Nvtetals. Schluß nach 6 Ahr.

Äen Volkspartei eine Erklärung abgibt, in ber darauf Angewiesen wirb, baß bas Ziel bet brei Parteien bie Einigung bes Reichstages auf möglichst Breiter Front zur Etlebigung ber augenblicklich Im Vordergrund stehenden außenpolitischen Fragen ist. Dabei stand von vornherein fest, daß bei der gegen­wärtigen wirtschaftlichen Notlage des Oesamten Vaterlandes unb bei der Lage der besetzten (Gebiete im besonderen die schleunige Annahme fees Sachperständigengutachtens als Grundlage für eine schnelle Lösung der Revarasionsfrage unbedingt erfor­derlich ist. (Beifall in ber Mitte.) Nur eine solche Haltung ber Regierung werde die unserer Wirtschaft Notwendigen ausländischen Kredite iu> führen können, ohne die eine wirtschaftliche Kata­strophe kaum aufzuhalten sei. Dieser Standpunkt be- feeute Festhalten an der bisherigen Rich­tung der auswärtigen Politik. Eine solche eindeutige Erklärung sei leider von ben Deutsch- nationalen nicht zu erreichen gewesen, sodaß bie Der- feenMungen als gescheitert angesehen werben mußten. Einen anderen Weg zu einet schleunigen Bildung einer ßtiionsfähigen Regierung als bie Einigung auf ber

hat der gute Wille zur Verständigung ge­fehlt. Die Deutschnationale Volkspartei stellt vor dem deutschen Volke fest, daß sie zu der gegenwärtigen Reichsleitung kein Vertrauen hat (Lebhafter Beifall rechts).

Reichskanzler Dr. Marr entgegnet auf die Vor­würfe, die Regierung wäre in der Kriegsschuldfrage lässig gewesen: Die jetzige Regierung hat niemals zu­gegeben, daß Deutschland den Krieg begonnen bat. Die dem Reichspräsidenten gemachten Vorwürfe muß ich zurückweisen. Es kann nicht anerkannt werden, daß es keine Pflicht gewesen wäre, bie stärkste Partei mit ber Regierungsbildung zu betrauen. Es mußte bie Sicher­heit geschaffen werben, baß eine unzweideutige Erklä­rung dem Ausland kund gab, daß an der Richtung ber bisherigen Außenpolitik sich auch nicht bas Geringste änbem würbe. (Lebhafter Wiberspruch rechts.) Der Reichskanzler erklärt weiter, er habe den griftten Wert darauf gelegt, Dr. Stresemann in ber Regierung zu halten, aber bie Frage hätte nicht an dieser Per- [onentrage scheitern können, auch nicht nach bem Wil­len Stresemanns. Der Kanzler lehnt es ab, Einfluß auf preußische Verhältnisse zu nehmen. Er schließt mit ben Worten: Herr Graf Westarp, Ihre Politik schützt bie dibeinlanbe nicht. (Langanhal- tenber Beifall in der Mitte unb bei ben Sozialisten, Wiberspruch rechts.)

Abg. Löbe (Soz.) roenbet' sich zum Reichskanzler und ruft ihm zu: Diese Regierungsbank hätten Sie schon v o r 4 Wochen haben können. Der Redner begrüßt es, daß die Deutschnationalen nicht in btr Regierung sitzen: das sei erfreulich, besonders im Hinblick auf das Ausland. Die Deutschnationalen hätten das Gutachten in ihrer Presse ziemlich milde beurteilt, sodaß man anneümen könne, daß es nicht ohne weiteres abgelebnt werden dürfe. Die Lasten aus dem Gutachten müßten allerdings ge­recht verteilt werden. Im Wahlkampfe habe Dr. Stresemann eine Erfüllungsrede in Breslau gehalten, wie er, der Redner, sie selbst schon vor 4 Jahren ge­halten habe. (Heiterkeit.) In einem Jahre werbe vielleicht Graf Westarp dieselbe Rede halten (Erneute Heiterkeit). Hern, Dr. Maretzky werde da nichts übrig bleiben, als Hospitant bei den Nationalsozialisten zu werden. (Heiterkeit.) Der Redner kritisiert dann scharf die Haltung ber Kommunisten unb gibt ber Hoff­nung Ausdruck, daß bie wirklichen Arbeiter in biefet Partei doch noch einmal zur Besinnung kommen wer­den. Auch in den Reiben bet Deutsch-Völkischen seien manche Leute, die früher stolz auf ihre weiße Weste waren unb jetzt jeden Schmutz mitmachen. (Stürmischer Widerspruch bei ben Nationalsozialisten.) Hinter diesen Leuten zieht sich eine Spur von Blut. (Stürmische Unterbrechungen b. b. Nationalsozialisten.) Sie schimpfen auf Sozialbemokraten unb Juben unb Herr Henning bittet um eine Schutzeskorte für Lüben darf. Die deutsch-völkische Bewegung hat aber in Thüringen unb Bayern bereits an Bo- den verloren. Mit ihren Fahnenweihen ver­längern diese Leute die Militärkontrolle. Die Sozial­demokratie wird diesen Kundgebungen republikanische Kundgebungen entgegensetzen Sie geht auf die Schan­zen für die Republik. (Beifall bei den Sozialdemo­kraten.)

Abg. Frau E o h l k e (Komm.) nennt ben Reichstag eine Ma skerabe der kapitalistischen Diktatur. Die Rednerin nennt bas Verhalten ber Sozialbemokraten fing unb Trug. Nur in Rußland würden die Arbeiter­interessen gewahrt.

Abg. v. Gräfe (Nat.-Soz.) sieht in ben Tumult­szenen ber letzten Tage ben völligen Bankerott bes Parlamentarismus. Mit ber Demokratie sei man nun wirklich am Ende angelangt. Die stattliche Schar der Demokraten, die durch Volksbeschwindelung in die Nationalversammlung gelangt sei, sei zu einem kümmerlichen Häuflein zusammengeschmolzen. Dasselbe gelte auch von einer anderen Nachbarpartei in ber Mitte. Der uns aufgeswungene Parlamenta­rismus, so erklärt der Redner, ist ein Wahnsinn. Er bedauert, daß bas Ergebnis bet Wahlen bem Fluche bet Lächerlichkeit verfallen ist unb so begrüßen wir denn am Regierungstisch wieder die alten lieben ver­trauten Gesichter. (Schallende Heiterkeit.) Der Reichskanzler Marx, der Zweite Redivivus, hat in sei­ner gestrigen Kavuzinerprebigt viel von ber Ehre unb Würde des Reiches gesprochen, aber vor lauter Verbeugung vor dem Auslande nichts über das Inland gesagt. (Große Unruhe und Pfuirufe in der Mitte.) Hai er damit die Ehre und Würde gewahrt? Ei bat bann bie Stirn gehabt, zu erklären, baß nut er mit seinen Freunben bas Rhein­land schützen könne. (Erneute lebhafte Unruhe unb Pfuirufe in ber Mitte.) Glaubt der Herr Reichskanz­ler wirklich, baß et mit seiner Leiseireterei die Rhein- lanbe beim Reiche erhalten kann? Die Rhein- lanbe bebfirfen eines stärkeren Schutzes. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Solange unser politi­sches Leben ben Pfahl bes Zentrums in sich bat, muß das parlamentarische System für Deutschland einen Fluch bedeuten. (Pfuirufe im Zentrum.) Es müsse rieffte Scham erwecken, wenn ber Reichskanzler bas Gutachten als ben Wegweiser zur Freiheit hinstellt. Wit wollen feststellen, wer den Akut bat, dieser Ge­sellschaft auf ber Regierungsbank bas Vertrauen aussusptechen. (Große Unruhe in ber Mitte ) (Vizepräsident Bell rügt den Ausdruck) Die Regierungsparteien haben nicht ben Mut, ein Vertrauensvotum einzubtingen. Wir werden ihnen daher die Schreibarbeit abnebmen unb Sie zwingen, Farbe zu bekennen, auch bie Sozialbemo­kraten. (Lebhafte Pfuirufe.) Der Redner wendet sich bann gegen bie Bemerkung des Abg. Löbe, bei von ben

; Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen