Einzelbild herunterladen
 

i

Oberhcsstsche Ieitv.il

ZWeites Blatt»

Nr. 127

Sonnabend, 31. Mai , 1924

Wslehttir i. 5. Ludwig M

. Staatssekretär a. D. Ludwig Wallrafs tour'o* im Jahre 1859 als Sohn des JustizrateS Ludwig Wallrafs in Köln geboren. Er studierte in Bonn, Heidelberg und Leipzig Jura und wandte sich der Verwattungslausbahn jn Von 1907 bis 1917 ist er Oberbürgermeister dvn Köln gewesen, in der Kriegszeit 191718 Staatssekretär des Innern und für 1918 zugleich preußischer Staats- Minister. Wallrafs ist katholischer Konfession.

Wallrafs ist ein Mann, der zweifellos zur Repräsen­tierung für das Amt in hohem Maße geeignet ist Aber ob er auch der Mann ist, um den parlamentarischen Stürmen und insbesondere den kommunistischen Methoden tu begegnen, muß man abwarten. Diese sind ja ge­eignet, eine Natur mit eisernen Nerven zu zermürben Loebe hatte die Entschlossenheit ausgebracht, und man muß daran erinnern, daß es unter seiner Amtsführung schon nahe daran war, daß er gegen vie Kommunisten, die freilich damals nur 16 Mann zählten, selbst mti Waffengewalt vorzugehen nicht zurückgeschreckt haben würde. Damals haben die Kommunisten im letzten Au­genblick eingelenkt. Mit ihren jetzt mehr als 60 zählenden Abgeordneten haben sie eine ganz andere Reso- ncrt;. Wallrafs ließ in seiner Antrittsrede die Ent- fchlossenheit, dem Hause zu seinem Rechte zu verhelfen, nicht vermissen. Wir fürchten, daß er bald auf die tzeuerprobe gestellt wird.

$mWr Landtag.

Berlin 30. Mai. Präsident Letnert eröffnet die Sitzung um 10 llhr 20 Min.

In der zweiten Beratung des Entwurfes über die Bestrafung von Schulversäumnissen, in dem nach der Ausschußfassung Geldstrafen von 50 4 bis zu 25 Eold- »ark angedroht werden, beantragt der Abg. Lukasso- »itz (Deutschn.) namens seiner Fraktion, die Höchst­strafe auf 6 Eoldmark festzulegen. Der Antrag wird abgelehnt und der Entwurf in der Ausschußfassung angenommen.

Nach Erledigung kleinerer Vorlagen folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über die Versorgung bei Staatsminister. Nach dem Beschluß des Ausschusses Men ausscheidende Minister, nachdem sie vier Monate fei Amte waren, ein Uebergangsgeld von einem Vier­teljahr erhalten, das sich bei längerer Amtsdauer bis lut Höchstdauer von zwei Jahren verlängert. Das Lebergangsgeld beträgt während der ersten sechs Mo­nate 80 Prozent, während der folgenden sechs Monate 70 Prozent, der weiter folgenden sechs Monate 60 Proz. nud sodann 45 Prozent Dienstbezüge eines Ministers. War ein Minister vier Jahre im Amt und bat er beim Ablauf des Uebergangsgeldes das 50. Lebensjahr vol­lendet, so erhält er ein Ruhegehalt, dessen Höbe sich nach der Länge der Amtszeit richtet und je nach der ........................

Die Herrveghs.

Roman von LieSbe t Till.

* Urheberrecht bei M. Feuchtwan^ Halle a. S.

p 41. Fortsetzung.

And sie erfuhr endlich von ihrem Schwager, daß £uy in neuen Banden lag. Aber diesmal war es ..was 'Richtiges". Es war nämlich seine eigene Oberstentochter. He rbert beobachtete durch den Serviettenring er saß jetzt GreteS Erblassen.

Oberstentochter?" lächelte Grete gezwungen. »And wer bezahlte seine Schulden?"

Keine Sorge, verehrte Schwägerin, die Alts ist ein? geborene Oppenheim."

And t>te erschrockene Grete sagte laut:CBie scheußlich!' Wenn sie bis vahin noch im Stillen gehofft hatte, daß Lutz eines Tages reuig zurück- Icf;rer würde, so war es jetzt klar, daß es ihm ernst Dar mit der Heirat. Di egeborene Oppenheim be- fckß es.

Dicsc Gewißheit verursachte Grete heiße Tränen, denn sie hatte Lutz wirklich geliebt.

für ihr hätte sie alles geopfert, für ihn wäre sie 8j. Ve.k.icherin geworden, ja aerlD...-;n,

Aber er hatte sie leider nie auf diese Probe ^stellt.

! <

Fran v. Herwegh war die Veränderung mit hi cm Schn nicht entgangen. Eines Tages fragte sie ihn, was er mit Grete habe?

»Aber Mama, was sollen wir miteinander haben? Wir sind sieben Jahre verheiratet und ich hab' viel zu tun."

Ja, aber es ist keine rechte Freudigkeit mehr dabei," fand sie.

Da gestand er Ihr, daß er unter einem Kopf» druck litte, der sich unter {einer Hirnschale einge» Giftet zu hak er schien.

»Das find deine alten Kopfschmerzen," sagte

Amtsdauer zwischen 25 und 30 Prozent schwankt (bei 5i3briger Amtsbauer). Für jedes weitere Jabr er­höbt sich das Rubegebalt um 2 Prozent, darf aber hn Höchstfälle 40 Prozent de» Mmistergebalt» nicht über­schreiten.

Angenommen wird ein Antrag der De u t s ch e n Volksvartei. wonach ein Ruhegebalt ohne Rück­sicht auf das Lebensalter auch dann gewährt wttd, wenn der Minister bei Ausübung seiner Dienste ohne eigene Verschuldung eine Eesundheitsschädigung erlei­det. die ibn zum Ausscheiden aus dem Dienste zwingt.

In der Debatte erklärt Abg. von Kries (Mn.), daß seine Partei den Entwurf ablebne. da man varla- mentarifchen Ministern keine Pensionen geben sollte, die nur den aus dem Berufsbeamtentum bervorgegan- genen Ministern gebühre Außerdem müße man Rück- liA: auf die Finanzlage nebtnen.

Finanzminister Dr. v. Richter: Wenn auch der Sinn des parlamentarischen Systems ist, daß Persön­lichkeiten aus dem öftentlichen Leben zu Ministern be­rufen werden, die später wieder in ihren Berus zurück- kehren, so kann man doch nicht verlangen, daß sie eines Tages auf der'Straße sitzen. Je länger jemand Mini­ster ist, umso schwieliger ist es für ihn, seine eigene Partei sich zu erhalten. (Heiterkeit.)

Nachdem Abg. D. Meyer-Ostpreußen (Komm) den Gesetzentwurf bekämpft batte, den er ein Gesetz zur Versorgung von Parteifunktionären nannte, wird der Gesetzentwurf in dritter Lesung gegen die Siim- men der Deutschnationalen und der Kommunisten an­genommen.

Nunmebr wird die Etatsberatung fortgesetzt.

Abg Dr. Leidig (Dt Vvt.): Der Etat weist ein Defizit von 200 Millionen Eoldmark auf - Die Schwie­rigkeiten werden noch gesteigert durch die plötzliche Besoldungserböbung im Reiche. Unbedingt muß hier ein innigeres Zusammenarbeiten von Reich und Län­dern verlangt werden. Eine neue Inflation muß ver­mieden weiden. Der Landwirtschaft könne nur durch solche gesetzgeberische Maßnabmen geholfen werden. Vie sie vor dem Kriege in Hebung waren. Das Sachver­ständigengutachten müsien wir als Voraussetzung einer Gesamtlösung der Revarationssrage annebmen. Wir müssen die jetzige und künftige Weltsituation aus nützen Für den Abbau des Staatsrats sind wir nicht zu baden. Das Zentrum sollte bei seinem maßgeben­den Einfluß im Reich und in Preußen doch nicht über Zurücksetzung klagen Aus der schweren Lage im Reiche können wir nut dann betauskommen, wenn alle Teile zusammenwirken, um eine Koalitionsregierung zu er­möglichen. (Beifall.)

Abg. Frau W o l f st e i n (Komm ) erklärt, die «o- zioldemokrolen hätten mit ihrer Zustimmung zu dem Sachverständigengutachten sich zu Wegbereitern der dcuischen Versklavung gemacht. x

Aog. Hövker - Aschaff (Dem.) kritisiert die Los- lösuugsbestrebungen der Welfen.

Ein Vertreter des Staatsministeriums beantwortet die große Anfrage der Sozialdemokraten über den Masoeburger Stablhelmtag am 20. Januar und er­klärt, daß die Regierung allen die Autorität der Repu­blik schädigenden Handlungen und Organisationen ent- qemnfreten werde *

Abg. v. Wangenheim (DeuW-Sann.) behaup­tet, daß die preußische Regierung die Abstimmung in Hannover sabotiert habe. Hannover ist zu Unrecht von Preußen genommen worden und die revolutionäre preußische Regierung bat das Unrecht wiederholt. (Gr Unruhe und Pfuirufe recht)

Abg Weißermel (Deutschn.) erklärt, daß das Geschick Hannovers auf die verkehrte Politik des han­noverschen Königshauses zurückzusübren war.

Nunmehr wird der Etat dem Hauptausschuß über^

fein kommunistisch er Antrag auf Auf­lösung de.Mondtages wird abgelebnt. Für den Antrag stimmen auch die Deutschnationalen. Der Nothausbalt wird angenommen. Dre Vor- läge über den nnmerus clausus für die Eerichtasiesioren wird an den Rechtsausschuß verwiesen.

Hierauf vertagt sich das Haus auf Menstag, den 24. Juni. Schluß nach 5 Uhr.

DasBeil. Tagebl." hört, daß die Berliner po­litische Polizei heute vormittag bei verschiedenen Kommunisten Haussuchungen abhielt. Em kommunistischer Abgeordneter, dessen Name noch nicht bekanntgegeben worden sei, sei verhaftet worden.

sie, , früher hattest du f'e auch schon, weißt du, not den Emmen. Mein armer Junge, du überarbei­test dich, ich w erd? mal Doktor Rickert fragen, er hatte dtt do ch,o ein gutes Pulver dagegen ge­geben.

. Mer er tu: Ule nicht, daß man diesen Mann, den Liane schlecht behandelt hatte, nun arsaütztc.

Herbert hatte von einem Psychiater in G-r; gelesen, der als Spezialität Gehicnvperaftvnea machte, d-n Kr nken den Schädel aufkchaitt wie eine ApfeHine, innen den Gehirnbalken herus- vahm .diesen das schädliche Sekret entliiif-*n. liest, dis Len Druck verursacht hatte, und ihn dann wie­der eirlletzte. Wenn Ernst das mal ve cf achte... Aber mi Herberts medizinischen Ken un- ien konnte men sich höchstens vor einem Arzt bla­mieren.

Er hc!te manchmal das Gefühl, fehlen ganzen Kopf abzunehmen und ihn wegzuwerfen, denn der Druck blieb, ob et auf die bewaldeten Höhen ging, ob er rauchte oder es unterließ.

So oft er jetzt nach der Mainzer Sttaße tarn, müd und abgearbeitet, bekam er Ratschläge. Trina wußte von einem Raturarzt, der in vierundzwan­zig Stunden alles mit einer grünen Salbe heilte, Fräulein Schmidt brachte selbstbereiteten Blut- reinigungstee und die Generalin riet ihm, nach Italien zu gehen.Lassen Sie doch mal Ihre ganze Wirtschaft zum Kuckuck gehen und reisen Sie nach Rom." ' -

Liane befand sich eben dort und ritt mit ihren Freunden auf Mauleseln in die Campagna.

Cs war wie schon immer. Jeder sagte, er solle nicht so oiel arbeiten. Aber wehe, wenn er nicht pünktlich durch alle Klassen gekommen wäre. Seine Freunde gingen spazieren, während er sich zu dem E)amcn vorbereitete, und eS war immer em Exa­men, das auf ihn wartete, das Einjährige, das Abitur, der Referendar, der Dvttor oder der Asses»

MwikWstW üBettitterlit.

Ter Ausweis der GolddiSko ntbank vom 23. Mai zeigte eine Zunahme der Krrtnte von 2,2 auf 3,6 Millionen Pfund Sterling. DaS beweist, daß d« Golddiskontbank immerhin eine kleine, wenn auch un­genügende Linorrung der furchtbaren Kreditnot her- beizufübren vermag. Auch der letzte Ausweis der Reichs­bank beweist, daß deren Leitung sich genötigt sieht,, dem allgemeinen Kreditanfttirm allmählich ein wenig nachzugeben. Man wird es im allgemeinen Inter­esse billige nmüssen, daß dies nicht in größerem Umfange geschieht, als eS mit der unter allen Umstünden zu sichernden Stabilisierung der deutschen Währung pep etnbar ist. Wenn der ReicksbankvrÄfeent Dr. Schacht in seiner Red« auf der Hansabundtagung dir weiter­gehenden Hoffnungen auf eine Erleichterung der Kreint- laae bitter enttäuscht hat, so hat er damst nur einer harten Pllicht genügt. Dem Leiter unserer Währungspolitik muß di« Erkiltung der Währungsstabilität, die für dir gesamt« Volkswirtschaft von lebensnotwendiger Bedeu­tung ist, höher stehen, als die Stützung schwacher Einzel- unternehmungen, möge einzelne von ihnen auch noch so bedeutend sein, dir größtenteils ohnehin schwach sind und eben der großen Reinigungskrise zum Opfer gebracht werden müssen. Mit einer Aenderung der rück­sichtslosen, aber zielbewußten und zur Gesundung unserer Währung und Wirtschaft notwendigen Kreditpolitik der Reichsbanlleitung wird, man, jedenfalls nach den deutlichen programmattschen Darlegungen Dr. Schachts nicht mehr rechnen dürfen, selbst wenn in der Zusammen­setzung der Reichsregierung erhebliche Aenderunzen ein­treten

Dir große Mehrheit des deutschen Volles wird es mit Befriedigung begrüßen, daß vas Ruder der deutschen Währungspolitik jetzt in fester Hand liegt und wiro nur den Wunsch hinznfügen, daß in der Wirtschaftspolitik nun ähnliche Bahnen eingeschlagen werden mögen. Das ist umso dringender erforderlich, als das eigentliche Ziel der Reichspolitik, die Verbilligung der allgemeinen Waren­preise noch immer nicht erreicht ist. Man ist ihm sogar noch nicht einmal wesentlich näher gekommen. Das liegt allei »daran, daß die Lester der Wirtschaftspolitik nick ! rechtzeittg den gleichen Weg ebenso kraftvoll und^ziel- bewußt wie die Reichsbank eingeschlagen haben. Sonst hätte die Gesetzgebung über die Geschäftsaufficht, die in ihren Wirklingen den Zusammenbruch lebensunfähiger Betriebe (vielfach handelt es sich dabei um unerfreuliche Jnflationsblüten) aushält, das Zahlungswesen schleppend macht und die notwendige Räumung der ausgehäuften Warenläger, selbst" zu Verlustpreisen, aufhält, längstab geärgert toerb'.n müssen. Dir Vertreter von Industrie, Handel, Banken und Handwerk haben aber nunmehr übereinstimmend di« sofortige Aenderung der Ver­ordnung über die GeschäftSanfsicht gesor- dett, und zwar in dem Sinne ,daß die Rechte der Gläu­biger besser gesichert und Mißbräuche der Einrichtung oer Geschäftsaufsicht unmöglich gemacht weichen.

Wenn diese Reformen, wie zu hofsen ist, schleunigst auf dem Verordnungsweg« herbeigeführt werden, so wird das nicht nur auf das Zahlungs- und Kreditwesen heil­same Wirkungen ausüben, sondern er wird auch vielen Besitzern großer WarenlSger, die teilweise au! Kredi! gekauft sind, waS in diesem Falle heute einen Mißbrauch des Kreditwesen? bedeutet, den Entschluß erleichtern, ihre Waren auch unter Preis abzustoßen, um sich wieder flüssig zu machen. Der Aberglaube an die Sicherheit der Sachwerte muß erst einen Stvs bekommen, wenn der große Preisabbau, den wir so dringend brauchen, endlich kommen soll. Es sind nicht die Arbeitnehmer und Festbesoldeten allein, die heute unter der Teuerung der Jndustriewaren (besonders der Kleidung aller Att) seufzen. Auch dir Landwirtschaft klagt darüber, daß sie für ihre Erzeugnisse nicht erheblich mehr als die Borkriegspreise erhält, während sie ihren Bedarf an Jndustrieerzeugnissen (Maschinen, Tntftien usw.) oft doppelt und dreifach so hoch als in normalen Zeiten bezahlen muß. Man weiß natürlich, daß Umsatz­steuern, Kohlensteuer, höhere Frachten und manche aridere Ursachen heute prristeuernd wirken. Aber dir gegen­wärtige Preisspanne ist zweifellos zu hoch, und man kann wohl sagen, daß mehrmals neun Zehntel heute bereit sind, in den Rus einzustimmen: Herunter mit den Preisen!

Von dem Abiturientenexamen konnte er heute noch träumen. Damals hatte et zum erstenmal tiefen Druck gespürt.

Er konnte nicht reifen, solange diese Eppen- hausener Angelegenheiten nicht geordnet Buren, und das waren sie erst, wenn die neue Rahn lief. Seine Frau hatte sich zur Frühjahrskur nach Bad Homburg begeben.Wenn du niemals Zeit hcst, fo will Ich wenigstens etwas vom Leben haben," fegte sie. Er hatte sie ziehen lassen. Der Arz! hatte eigentlich zu Pyrmont geraten aus ge­wissen Gründen, aber das Bad lag ja in Rord- deulschland und toat vornehm und trifte. And Grete fühlte sich nur da wohl, wo sie die Eham- pagner Atmosphäre des Rheins umgab. In die sibi­rische Ttrbannung zu gehen, dazu hatte sie keine Lust. Ihr furchtbarster Traum war ein Amzug nach Posen,

Ernst hatte sich in den ersten Jahren bemüht, diese kindischen Vorurteile zu beseittgen, aber >ie hatten nichts gezeitigt, wie heftige Auftritte und Tränenströme.Du liebst mich nicht mehr. Frü­her hast du alles, was ich tat, schön und gut be­funden. Warum soll ich mich denn ändern? Aen- dcrst du dich vielleicht?" Grete war der Ansicht, daß sich der Mensch überhaupt nur zu seinem Rach- teil ändern könne.

Auch damit hatte er sich abgefunden.

Er hätte ost einen großen Schwamm nehmen mögen und alles auslöschen, die ganze Umgebung, das Haus, sein Leben, diese Klagen und Verleum­dungen, das psychische und moralische Elend, das ihn umgab, und sich aufschwingen In reinere Re­gionen, wo man Flötenmusik Hörle und Zimbeln und Posaunen, die Erde weit unter sich lassend mit ihren großen finsteren Sümpfen und den sel­tenen Svnnenflecken.

Gr hatte das Gefühl, als ob er sich einer Ka­tastrophe nähere. Die finsteren Gedanken um» (reiften ihn wie große graue Raubvögel. Er suchte

Marburg und Umgegend.

Marburg. 31. Mai.

* Die Neuwahl der Gemeindevorst.eher.. Nach den Gemelndewahlen, die bekanntlich am 4. Mai stattgefunden haben, steht jetzt in vielen Gemeinde« die Neuwahl der Gemeindevorsteher bevor. Durch da» Gesetz vom 18. Juki 1919 hat die preußische LanixÄ- versammluug verschiedene Punkte des Gemejndeversas- snngsgesetzeS vorläufig neu geregelt. Paragraph 6 diese» Gesetzes bestimmte, daß die bisherigen Gemeindevorsteher und Schöffen nach einer erfolgten Neuwahl der Gemeinde«, Vertretung oci vor weutoäyl ok» Wemeindevorftanoes kein Wahlrecht habe. Nach einer Verfügung des preußische« Ministers des Innern vom 4. April dr. IS. ist dagegen bestimmt worden, baß die allen Gemeindevorsteher unb Schöffen bei der Neuwahl des Gemeindevorstehers mit­zuwirken haben. Diese Unklarheiten führten jetzt »» einem Antrag der bürgerlichen Parteien im Landtag«, wo­nach eine Kürrstellung der Bestimmungen über ö.'e Neu­wahlen der Gemeindevorsteher verlangt wird. Der be­treffende Ausschuß des Landtages hat jetzt in erster Lesung einstimmig einen Gesetzentwurf angenommen zue Er­gänzung deS obengenannten Gesetzentwurfes über btt Regelung der Gemeindewahleo. Danach werden die Ge­meindevorsteher, Beigeordneten, Stellvertreter und Schöffen in Landgemeinden soweit die Wahl durch die Gemeinde- verttetungen geschieht, nur von den gewählten Ge­meindeverordneten in geheimer Abstimmung evtl, durch Zuruf gewählt. Der Gesetzentwurf soll in der nächsten Woche in Plenum verabschiedet werden, sodaß dann ein für alle Mal auch in dieser Frage völlige Klarheit herrscht.

* D ie Lahnreguli erung. IM wir erfahren, wurde in einer kürzlich im Gasthaus Missomelius abge­haltenen Versammlung der Interessenten der Lahnregu- lierung einstimmig beschlossen, den seinerzeit gemachten Einspruch gegen die Aufwertungskosten auftecht zu er­halten und die Sache weiter zu verfechten.

* Von unseren Landesheilanstalten. Dir im letzten Winter gepflogenen Verhandlungen über Sparmaßnahmen in der Verwaltung des Hessischen Be­zirksverbandes haben vielfach hinsichtlich der Lande»- Heilanstalt Marburg Mißverständnisse aufkomutt» lassen, die zu einer Beunruhigung der Bevölkerung Anlaßs gegeben haben. Demgegenüber muß daraus hingewiesen werden, daß bei der bekannten großen Bedeutung bet genannten Anstalt für die Krankenfürsorge des Bezirk» nicht die Absicht besteht, die Anstalten zu schließen. Laichesheilanstalt bleibt vielmehr ihrer Zweckbestimmung voll erhalten, sodaß sie auch in Zukunft zur Aufnahme aller solcher Kranker in der Lage sein wird, für deren Behandlung sie in Frage kommt. Wenn einige fat längerer Zeit leerstehende Gebäude zeitweilig vermiet« sind, so ist hierin nicht etwa der Beginn eines Abbau«» zu sehen, sondern es ist das gerade deshalb geschehen^ um das Fottbestehen der Anstatt unb ihre altbewährte Leistungsfähigkeit sicherzustellen. Eine Beeinträchtig der Krankende Handlung findet hierdurch in keiner Werst statt. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen. daß in den beiben anderen Heil- und Pflegeanstatten de» Bezirksverbandes Haina und Merxhausen nicht mn* wie früher, chronisch Kranke Aufnahme finden, sondern, daß diese allen modernen Anforderungen entsprechende« Anstalten auch zur Heilung frischer Krankheitsfälle dienen und in dieser Beziehung im wesentlichen für* die Bevöl­kerung der umliegenden Kreise bestimmt sind.

' Wirtschaftsbericht. In der Lage de» Arbeitsmarktes hat sich in der Woche vom 18. bis 24. Mal gegenüber der Vorwoche nichts wesent­liches getmbert. Ein geringer Zugang an Arbeits­suchenden in der Stadt gleicht sich mit einem Ab- nchrncn von Arbeitssuchenden vorn Lande nahe» zu ovS. Auch in den einzelnen Berufsgruppen ist keine nennenswerte Aenderung zu verzeichnen -- Die Nachfrage nach Arbeitskräften war im Gegen­satz zu den Vorwochen nur sehr gering. Offene Stellen waren 67 (112) gemeldet, von denen 62 besetzt werden konnten. Vermittelt wurden Knechte, Schlosser. Mechaniker, Polsterer, Schuhmacher, Maler, ungelernte Arbeiter und weibliches Haus-

sie sich fortzuspielen, aber sie kamen wieder, setz­ten sich auf seine Schultern, auf seine Hände und auf sein Haupt, und ihre scharfen Schnäbel zerfleischten langsam Stück für Stück sein Herz.

Es war über Nacht^rühling geworden.

Sonnenschein erfüllte Die Straßen, die Alken blühten weiß und grün und die Büsche waren ausgeschlagen und trugen feste rosa Knospen. ES Duftete nach Veilchen uno Hyazinthen, und in den Dillen blühten weißrvte Tulpenbeete.

Die Stadt machte sich zum Empfang der Frem­den bereit, die Majestäten wurden erwartet- in Dem großen grauen Schloß standen alle Fenster offen, vor Dem Bahnhof waren Ehrenpforten ge­baut, bunte Fahnen wehten von den Fenstern und das Königliche Theater hatte denRing" in neuer Ausstattung augczeigt. *

Die goldene Kuppel Der Kapelle funkelte aus dem jungen Waldesgrün auf die schimmernden Dächer herab und die sauber gefegten Straßen schie­nen plötzlich breiter und heller geworden zusein. Die Geschäfte beeilten sich, ihre Frühjahrsausstel­lungen herauszubringen, die Maitage brachten Fremdenströme herein, alle Hotels waren schon belegt, die Terrassen füllten sich und vor den Kaffees hatten die Wirte die Glasscheiben ent­fernt. sodaß die Gäste im 6>ien saßen. In den Alleen wimmelte es von Uniformen und duftigen Sommertoiletten, denn die Sonne brannte wie hn Sommer.

(Fortsetzung folgt.)

Niemals vergessen Hausfrau, daß es zum färben dou Kleider, Blusen, Gardinen usw. nichts besseres gibt, als di« weltberühmte« echten Heitmann» Farbe» Marke F«ch»kopf im Ster».

Heitmann » Farbe spart den Farbe»,