OberheUche Leitung
Zweites Blatt
Nr. 126
Freitag, 30. Mai 1924
6in Stritt MM; M MndM?
! Die Londoner Morningpoft bringt eine Meldung, die •foe ganz große Tagung des Völkerbünde s für Itn Herbst dieses Jahres in Aussicht stellt. Mac T>o« »alb wird unter der Voraussetzung, daß er bis dahin ^>ch im Amte ist, als englischer Ministerpräsident' der Tagung des Völkerbundes beiwohnen. Auch Herriot fn dem man den künftigen französischen Minifterpräfi- tzenten sieht, soll die Gelegenheit benutzen, sich dem Kölkerbund vorzustellen. Andere Staatsoberhäupter wer- tzrn ebenfalls erscheinen und man betrachtet es nach Unecht des englischen Blattes auch als selbstverständlich, tzgß der deutsche Reichskanzler, wer auch immer stin möge, eine Einladung für diese Tage erhält. £b He Meldung in allen Teilen zutrifft, sei dahingestellt. §s geht jedenfalls aus ihr hervor, daß man in England mtb wahrscheinlich auch in anderen Ländern von dem Wechsel in der französischen Politik und von der Regelung der Sntschädigungssrage durch das Sachverständigen-G.it- vchten eine neue Zukunft für den Völkerbund «hofft.
In diesem Zusammenhang ist es außerordentlich be- «erkenswert, daß man in den Vereinigten Staa- ien von Amerika zweifellos auch in Bezug auf den Kölle! bnndsgedanken eine gewisse Annäherung vorbereitet. Es scheint, daß die amerikanische Teilnahme an dem Hachverständigen-Gntachten nur ein erster Schritt gewesen ist. Als zweiten Schritt kann man es ansehen, haß der Auswärtige Ausschuß des amerikanischen Senats eine Entschließung angenommen hat, die den Anschluß btr Vereinigten Staaten an den Haager Schiedsgerichts- »-s ins Ange faßt. Allettfings handelt es sich hier zu- »ächst nur um eine mehr akademische Entschließung, da eine Anzahl von Voraussetzungen erst erfüllt sein müssen, ehe sich der amerikanische Anschluß wirklich vollziehen ienn.
In den Vereinigten Staaten bestand schon seit einiger Seit Neigung, dem Weltschiedsgerichtshof beizutreten. Datei mußte man zwei Richtungen unterscheiden. Die eine wollte die bisherige Organisation dieses Gerichtshofes vollkommen durch eine neue ersetzen, die andere dagegen war der Ansicht, daß man sich mit gewissen Abänderungen begnügen müsse. Diese letztgenannte Richtung hat sich in dem Beschluß des Auswärtigen Ausschusses des ameci- teni-'chen Senats durchgesetzt. Die Entschließung mach? den Beitritt Amerikas abhängig von der Durchsetzung einer Anzahl von Abänderungen in der Verfassung des Schieds- eenz 'shoses, von Abänderungen, die dem Schutz der amerikanischen Interessen dienen sollen. Dazu gehört .in erster Linie, daß die unmittelbare Verbindung zwilchen tem Schiedsgerichtshof und dem Völkerbund sowie tem Völkerburcksrai gelöst werden soll. Der Staatssekretär Hughes hat bisher immer den Standpunkt vertreten, daß man keine Schritte unternehmen solle, die auf dir Nbänderungen der bisherigen Schiedsgerichtsverfassung obzielen. Er war wohl mehr für die Ersetzung des Schiüisgerichtshofes durch etwas ganz Neues. Diese Auffassung ist unterlegen. Der Auswärtige Ausschuß des Senates, der in der amerikanischen Außenpolitik eine große Rolle spielt, ist offenbar der Ansicht, daß man den Versuch machen soll, praktisch etwas zu erreichen mb daß diesem Zweck die von ihm gewählte Methode tesscr dient, als eine radikale Forderung.
Mit der Entschließung des Senats steht ein Plan in engem Zusammenhang, der darauf hinausläust, die Staaten, die dem Haager Schiedsgerichts- Hof angeschlossen sind, zu einem neuen Völkerbund zusammenschließen und da- -du ich den äugen bl icklich bestehenden Völ- terbunb zu ersetzen. Einem solchen neuen Völkerbund würden dann wohl auch die Vereinigten Staaten von Amerika beitreten. Sie machen aber auch hier ihren Veitrftt von gewissen Aenüerungen in dem Völkerbunvs- Katut abhängig. So verlangen sie, daß das gesamte britische Weltreich durch eine Stimme vertreten ist und »ich! durch Sonderstimmen seiner Kronländer. Ferner »erlangen sie Sicherungen dagegen ,daß Japan den Völ- kettainb gegen die amerikanischen Einwanderungsbestim- »nngen in Bewegung sehen kann. Und schließlich verengen sie Anerkennung für die amerikanische Erklärung, bau die Monroe-Doktrin, die Amerika den Amerikanern «serviert, nicht beeinträchtigt werde nsoll.
Die Herweghs.
Roman von Liesbet Dill.
'.Irheberrecht bei M. Feuchtwana«, Halle a. S.
40. Fortsetzung.
— O
Wäre Herwegh ein Menschenkenner gewesen, so Hütte e> gemerkt, daß man ihm auf dem Gericht .nicht meht mit derselben Achtung begegnete, wie früher.' Die Kollegen waren sich darüber einig, mit Herwegh. bereite sich etwas vor.
Ehrlich grüßte ihn kaum noch, die anderen tu mieten sichtlich ein Zusammensein am dritten Cit mit ihm. Eine besonders kühle Atmosphäre wehte ihm aus den Richterkreise entgegen, die Staatsanwaltschaft begann Herwegh »zu schneiten".
Aber dieser schien viel zu beschäftigt, um d.rs zu empfinden. Alles, was mit seiner Zukunft zu- farr.mcnhing. war für ihn wie mit einem Rebel bedeckt
Durch tr,e sich türmende Arbeit, Plädoyers, Aufsichtsratssitzungen und Sorgen um fremde Angelegenheiten hatte er den tteberblick über seine eigenen Verhältnisse verloren.
Zuweilen überkam es ihn wie ein Hunger nach Musil. nach einem Orchester, dem Klang einer Orgel, Gesang.
Dann warf er alles fort und ging ins Theater, in ein Konzert hn Kursaal oder auch in eine Kirche, em seine Seele wieder einmal reinzubaden von dem Staub der Geschäfte.
Denn seine Büros leer waren und die Putzfrauen Besitz von den überfüllten Papierkörben genommen hatten, schloß er sich in sein Zimmer ein und spielte Harmonium bis in die Rächt hinein.
Er störte niemand mehr damit, denn seine Woh- Rung oben war mei§t leer. Seine Frau erschien vur noch zu den Mahlzeiten und auch ost zu diesen nicht mehr. Man sah sie täglich im Kmgartru.
Wie man sieht, ist die amerikanische Aktion noch ziemlich weit davon entfernt, praktische Gestalt anzunehmen. Si« ist aber zweifellos im Zusammenhang mit der Annäherung, die die Vereinigten Staaten an die Weltpolitik vollziehen, nicht ohne wesentliche Bedeutung. Für Deutschland ist sie deshalb besonders wichtig, weil die Beziehungen Deutschlands zum Völkerbund in gewisser Richtung parallel laufen mit den Bestrebungen der Bereinigten Staaten von Amerika. Der Völkerbund, wie er ist, kommt für Deutschland nicht in Betracht, auch wenn man in England Anstrengungen machen sollte, für den Beitritt Deutschlands eine neue Bewegung in Szene zu setzen. Ter gegenwärtige Völkerbund verdient nämlich seinen Namen nicht, sondern hat sich als ein ganz einseitiges Instrument einer uns feindlichen Politik erwiesen. wie die verschiedenen Entscheidungen des Pölftr- dundes zu unseren Ungunsten deutlich gezeigt haben. Gelingt es den Vereinigten Staaten, in Verbindung mit ihrem etwaigen Beitritt zu dem Haager Schicksgerichts- bof, einen neuen Aufbau des Völkerbundes durchzu'ehen, so kann die Frage auch für uns ein neues Gesicht erbaten. Bis dahin aber bleibt sie für uns ein schwer bikutieles Problem und alle großen Versprechungen und Pläne werden daran nichts ändern.
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Unimnintolt ÜtöWrgei
Von unserem wirtschaftspolitischen Mitarbeiter.
Die Börse von heute ist in einer Verfassung, wie man sie seit Jahrzehnten nicht kannte. Eine derartige Lustlosigkeit, fast Tag für Tag noch vermehrt durch neue Hiobs-Botschaften, ist überhaupt noch nicht dagewesen. Was besonders drückt, das ist einmal die lange Dauer dieses Zustandes und zum andern die völlige Ungewißheit, darüber, wie lange dieser Zustand noch anhält.
Der Stabilisierungswind hat die Pfläuz- chen der Inflation grausam durchschüttelt. Was fetzt am Boden liegt, ist zum großen Teil „Fallobst der Inflation". Nur ist es bedauerl'ch, daß, n* immer bei solchen Anlässen, auch gute und solide Kräfte in Mitleidenschaft gezogen werden, die jedenkalls unter den durch die Vorgänge hervorgerufenen Geldmarktverhältnissen gleichfalls empfindlich leiden. Das gilt insbesondere für die Heineren und mittleren Geschäfte, die unter den 'ort« dauernden Kreditbeschränkungen einerseits und durch die Unmöglichkeit der Erportserung unserer Produtte bei den gegenwärtigen Preisen andererseits finanziell teilweise ganz empfindlich ins Gedränge gekommen sind. Auch von dieser Seite muß immer wieder auf Reserven, sei es in Waren ober Wertpapieren, zurückgegriffen werden, um wieder flüssiges Kapital zu erhalten.
Aber auch heute ist der Markt noch nicht völlig durch- gesegt. Jeden Tag bröckelt und kracht es, und die Epoche dieser Schwierigkeiten, aber auch die Epoche der in letzter Zeit sich ganz auffallend häufenden Selbstmorde von Inhabern fallierter Unternehmungen ist noch nicht beendet. Es gibt kaum ein Unternehmen, kaum eine Bank, kaum einen Wirtschafts- oder Handelsbetrieb, der durch die gegenwärtigen Ereignisse vollständig unberühtt blieb. Das allerdings kann man feststellen, daß die Unternehmungen mit solider Geschäftsführung die schwere Sanierungsttise bis jetzt ziemlich unangefochten überstanden haben und man darf sicher fein, daß sie über diese schwere Prüfungszeit sich Hinwegretten können. Gelingt ihnen das, dann wird ihr Aufblühen in gesäuberter Umgebung nicht fraglich jein können.
An der Börse geschehen die seltsamsten Dinge, um die Geschäststätigkeft anzuregen. Neuerdings war eS ein Gerücht, wonach die Reichsbank eine Lockerung der Kreditsperre vorgenommen hatte und zwar sollten die bisher gewährten Kreditsummen um 25 Proz. erhöht werden. Das Gerücht erwies sich als völlig un- zutrefseich. Die Reichsbank kann und darf im gegen« wärtigen Augenblick, unbekümmert um die Schwierigkeiten, die schon erwachsen sind, und noch erwachsen werden, keine Lockerung der Kreditschraube vornehmen. Ebenso wenig darf das die Rentenbank. Wir müssen immer bedenken, daß die Rentenmark und damit unsere gegenwärtige Währung auf sehr kleiner Basis ruht und daß buchstäblich täglich um ihre Erhaltung gekämpft werden muß. Würde dieses Rentenmark-Fundament durch den Anprall neuer zusätzlicher Geldmittel unterspült werden, dann müßte man die allergrößten Befürchtungen für «S3MHMKaRBO«ümSnBESHHM elegant gekleidet, mit auffallenden Hüten und sehr große Brillanten im Ohr, im Kreise neuer Freundinnen. Sie lernte jetzt reiten und ging des Morgens, die Schleppe ihres Deitkleites überm Arm, eine zierliche Reitgerte in ter Hand, einen Strauß Blumen ar. der Brust, in den Tattersall.
Sie tzattze mit einigen jungen Frauen einen „Klub der Vernachlässigten" gegründet, der bald im Kursc.al tagte, bald auf einem Rheinschiff oder in einem K affee.
Ernst lieh sie gehen. Er gedachte seiner ter» unglädter Erziehungsversuche zu Hause. Zutvcilen erzählte ihm Gimpel im Vertrauen davon, denn dessen junge Frau konnte ebenfalls keinen Nachmittag zu Hause bleiben.
Aber es war zwischen Grete und ihm eine solche Entfremdung eingtreten, daß ihn ihr Leb'» kaum noch interessiette.
Die Dienstboten sahen nicht ein, worum sie an einem fremden Haushalt mehr Interesse haben sollten wie die Besitzer und legten ihrerseits nun auch keinen übermäßigen Wert mehr auf die Wirtschaftsführung. ES wurde alles gerate so auseinander gehalten, daß es nicht zusammenfiel.
DaS ganze Haus glich allmählich einem öffentlichen Kaffee, in dem jeder ein- und ausflog, wie eS ihm beliebte, im Erdgeschoß die Pärchen, im ersten Stock die Klienten und oben das Ehepaar und cie Dienstboten.
Grete regte sich nicht mehr über offenstehende Türen auf. Jeder konnte zu jeder Tageszeit un- behindrrt eintreten, der Briefträger, der Milchmann, die Althändlerin, die nach seidenen Kleidern suchte. Grete wechselte ihre Toiletten dreimal in der Saison und dieser Handel ergab wenigstens tuiejer ein paar Goldstücke für einen neuen Hut. Sie verschwendete das Geld, ohne nachzudenken, sie streute es mit ihren kleinen Händen aus wie Papier- schnitze! auf der Schnitzeljagd. Sie ging täglich za einer Dame, welche in ihrem Atelier hinter roten
dir Erhaltung brr Währungs-Stabilität hegen müssen. Wir sirck gegenwärtig politisch und wirtschaftlich noch an einer derartigen ungeklärten und unficheren Situation, daß ei aller Anstrengung bedarf, um den gegenwärtigen Währungsstand zu erhalten und daß demnach auch alle- unterbleiben muß, was geeignet wär«, dies« Festigkeit zu lockern.
Neuerdings haben sich an die Verschlechterung des französischen Franken wieoer gewisse Hoffnungen geknüpft. Wir möchten sehr davor warnen, aus der Tatsache des neuerlichen Niedergangs des ftanzösischen Franken allzu weitgehend« Schlüsse zu ziehen. Selbstverständlich ist es nicht richtig, ja geradezu unsinnig, wenn in der ausländischen, insbesondere französischen Preise behauptet wird, daß der neuerliche Franken- Niedergang durch Franken-V e r k ä n f e von deutscher Seit« herrühre. Ganz das Gegenteil ist der Fall. In Deutschland werden gegenwättig nicht Franken abgegeben, sondern es müssen Franken in sehr erheblichen Mengen gekauft werden, um die immer noch laufenden und weit bis in den Juni, ja sogar bis Mitte Jult sich fortsetzenden Franken-Engagements zu lösen. Diese sind noch derartig bedeutend, daß man, wenn n cht eine Erleichterung eintrtt, sei ei aus dem Wege der Senkung des Frankenkurses, fei ei durch Stützungsaktionen im Jnlarck. noch Rückwirkungen auf dem gesamten Geld- martt und die Börse erfahren wird, von deren Ausmaß und Folgen man sich heute noch keine Vorstellung macht, daß — und heute schon fast stagnierend« Geschäfte würben dann völlig zum Erliegen kommen. Der Gelo- martt, der heute schon ein groteskes Aussehen hat, würde in Zustände hineingeraten, die jede geschäftlich? Regung einfach ertöten mußten.
Wenn der Franken zur Zeit eine rückläufige Bewegung zeigt, so kann das einen Politiker, aber erst recht einen Wirtschaftler nnhj Lber-aschen, darüber konnte kein Zweifel sein. 3aß der Franken in letzter Zeit künstlich in die Höhe getrieben war. Jedenfalls ist er über seinen wirklichen Wert bedeutend hinaus gesteigert worden. Die Frankenabgaben find vielmehr an den englischen und amerikanischen Börsen vollzogen worden, und hier spielten bestimmte polftfiche Gründ« mit, nämlich einen $rutf auszuüben auf di? französische Einstellung zu den jetzt schwebenden Schicksalsfragen, insbesondere zur Repa ~a tionssrage. Es ist gewiß sehr bitter für Frankreich, daß in demselben Augenblick, in welchem die französische Regierung, um für die Wahlen Stimmung zu machen, den Brotpreis herabsetzt, eine neue Frankenverschlechterung einsetzt, die auf alle Einkommensverhältnisse gerade die gegenteilige Wirkung hat. Auch der französische Franken wird sich erst dann endgültig stabilisieren können, wenn das ftanzösisch« Budget volle Klarheit über die aus der Regelung der Reparationsftagc sich ergebenden wittschast- lichen und politischen Entschließungen besitzt.
Die Börse wird auch für die nächsten Wochen noch unter dem stärksten Druck stehen und danach werden sich alle Dispositionen richten müssen.
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vom 27. Mai.
Der neue Magistrat.
Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden die in der letzten Sitzung gewählten Magistt.ttsmit- -tlieder vom Bürgermeister Mueller in üblicher Weise 'in ihr Amt eingeführt und vervftichret. Stadrv.-Vcrsteher Rohde nahm Gelegenheit, dem neuen Stadtrat den Willkommensgruß zu entbieten, er verband damit den Wunsch, daß dessen Tätigkeit der Stadt Marburg zum Segen gereichen möchte.
Verschiede ne Vorlagen.
Nachdem man die Gültigkeit der Stadtvervrd- netenwahl vom 4. Mai ds. Is. genehmigt hatte, wurden die neu durchgesehenen Satzungen ter städtischen Gewerbeschule einer Beratung unterzogen, weil die Schule umgestaltet worden ist. ötabth. Weber bemängelte den Sah, daß die Schule nur für diejenigen Mädchen zugeschnitten werden solle, die sich einem gewerblichen Berufe widmeten Frau Stadtv. Rade pflichtete bei und ■■■■■■efcsseeHeeeeMeÄaeweBoeeeemeewee Par wents die Haut ihrer Kundinnen massierte und glättete.
Sie brauchte warme Dampfbäder und kost» fpiel'ge Kuren, Parfüms und feine Seifen, ihr Schlafzimmer, das ganze Haus hatte den Dust angenommen der an Gretes Kleidern hing. Wenn si« die Treppen herunterrauschte, kokett in Pelzen, Spitzen und Chiffon, hoben die Schreiber die Nasen, und die weißgekleideten KvnditorjungenS waren entzückt, einmal etwas anderes zu riechen tote w. >me Cremeschnittchen.
Grete richtete sich ihr Schlafzimmer nach den Theoterdekorativnen des letzten Aktes der Kame- liendam! ein, die Vessel gab sie jetzt während ter Maifestspiele. Sie trug im Haufe kubistische Nacht- getoänter in denen sie während der warmen Tage bei geschlossenen Jalousien oft bis zum Abend blieb, in weilen weißen Pierrvtanzugen aus Seide empfing sie ihre Bekannten zum Tee. Man fand sie originell. In diesen phantastischen Kostümen und funkelnd bestickten Schlaftchuhen auf dem Divan hingestreckt konnte sie ihre Tage verbringen, um c'ne Zigarette na chder anderen zu rauchen und die Bücher zu verschlingen, die ihr der Jüngling in ter Leihbibliothek unter den Kolonnaden beiseite legt.
St efchien nur noch Interesse dafür zu haben, sich zu schmücken, di eBlicke der Männer auf sich zu ziehen ,zu wirken...
And sie betrat nie ihre Loge des Abends, den Krvnenreiher im Haar, tief dekolletiert, mit einem Diamontschmuck, der allerdings nicht echt war, ohne von dem heimlichen Wunsch verzehrt zu werte», Lutz möchte ihr einmal so begegnen.
Aber sie sah ihn nicht mehr. Er war wie vom Erdboden verschwunden. Ihr leergewordenes Leben brachte sie zur Verzweiflung. Sie warf diese Hellen Gewänder fort, um sich in Trauer zu kleiden. Eine entfernte Cousine, die sie nie gesehen hatte, war in Anke! gestorben, das benutzte sie.
wünschte eine Mehrheit von Frauen in den Vorstand der Schule. Nachdem sich Bgstr. Mu ekle« zu der Frage geäußert, kam es noch zu einer lur* zea Auseinandersetzung über die Berechtigung« der in der Fachschule ausgebildeten Schülerinn« in ihrem späteren Berufe. Ein Anttag Rade, daß mindestens zwei Frauen von den Stadtverordneten in den Vorstand gewählt werten, sand die Mehrheit.
Bei der folgenden Vorlage hantelte eS sich um die Aebernahme der Aufgaben des Jugendamtes dmch das Stadtfürsvrgearnt und Bildung eines eigenen BezirkSfürfvrgeverbanteS durch die Stadt. Die Vorlage stützt sich darauf, daß das Jugend- wvhlfahrtsgefetz nunmehr in Kraft getreten ist. Dei Siadtverordnetenvorsteher brachte dis Aufgaben des Jugendamtes, wie sie das Gesetz vvrschreibt. zur Verlesung. ES heißt da, daß Städte mit über 10000 Einwohnern ein eigenes Amt haben dürfen, während sonst der Kreis ein solches bildet. ES bleibt also bis auf die finanzielle Regelung wie seither. Die Reichszuschüsse, die früher gegeben wurden, kommen in Wegfall. Diese werden jedoch ersetzt durch die Einnahme» aus der Mietzinssteuer und außerdem als leistungsschwache Gemeinde durch einen Zuschuß. Ein Einwurf» ob sich dadurch ein größerer Beam- lenapparat nötig mache, wurde von Bürgermeister M u e > l e r verneint und eine weitere Bemerkung bezüglich ter Verwendung der Hauszinssteuer dahin beantwortet, daß hier gefetzliche Vorschriften beständen, an denen nichts zu ändern sei. Di« Vorlage fand Annahme.
Ebenso stimmte man der Instandsetzung deS Bürgersteigs am Lahntor zu.
Dringliche Vorlagen.
Ein Dringlichkeitsantrag bettaf Darlehen z» Bauten an den Spar- und Bauverein. Wie Bgstr. Mueller bemerkte, sind seitens der Stadl schon rund 200 000 Mark zur Förderung teS Wohnungsbaues bereit gestellt. Dazu kämen noch die Mittel, die der „Hessischen Heimat aus ter Miet» zinssteuer zu Bauten zur Verfügung gestellt würden. An der sehr eingehenden Aussprache, in des die -Frage des Wohnungsbaues, die SiedelungS- frage, die gemeinnützige Verwendung ter Baugelder. die Baufpekulation, ter Wohnungsmangel, die Bevorzugung der hiesigen Gewerbetreibenden bei teil Bauten usw. sehr erschöpfend behandelt wurden und in der sich alle Redner im Grundsatz für die Vorlage erklärten, beteiligten sich die Stadtverordneten Weber, Wildhack, Triefch- mann Keil, Münscher, Döring. Mueller-Eigner, Wagner, Jahr märker. Alt der Stadtverordnetenvorsteher und Bgstr. Mueller. Ein Schlnßanttag beendigte schließlich die Aussprache, worauf die Vorlage genehmigt wurde.
Weiter wurde als Bezirkspflegerin für ten 4. Bezirk an Stelle der znrückgettetenen Frau A l y Frau Schlöter gewählt.
Eige Anfrage des Stadtv. Abel lautete dahin, ob ter Polizei bekannt fei, daß bei dem Deutschen Tag trotz des Verbots öffentliche Anrzüge und Versammlungen stattgesnnten hätten und welche Schritte dagegen unternommen würden. Bgstt. Mueller erwiderte, daß die Polizei ihrer Pflicht nachkommen und im Falle von Angesetzlichkeiten das Srsorder- liche veranlassen würde.
Damit ging di« Sitzung zu Ente.
um in schwarzem Krepp, verschleiert, mit weißer Wittrenschnebbe und Lackstiefeletten in den Kur- garten zu gehen.
Ihr Vater, dem sie so begegnete, fragte sie erstaunt ob dieser Maskerade, ob sie verrückt geworden sei. And er empfahl seiner Gattin, etwas besser auf ihre Tochter aufzupassen.
2Ib?r diese wies entrüstet feinen Verdacht zurück. Die arme Grete hatte doch »sonst nichts vom Leben", sie putzte sich nun mal gern. And wenn es Ernsts Praxis »ertrug —.
„Das scheint mir eben nicht der Fall zu sein," knurrte Kollin. Ern stsah so sorgenvoll aus in letzter Zeit Aber bis Madame Kollin etwas spürte, mußte ihr schos das Haus überm Kopf zufamrnenpraffeln.
Obwohl zwischen Grete und Lutz jede Der» hinter g abgeschnitten war, nahmen ihre Gedanken doch immer wieder den Weg zu ihm zurück.
„Scg, Herbert, wie geht es eigentlich Lutz?" fiagte sie ihren Schwager, den sie allein am Kaffee- tifch traf. Er hatte einen Serviettenring Ins linke Auge geklemmt und „probte Lutz".
„Danke, Madame, eS geht nach Wunsch. Man liebt wird wieder geliebt und vergessen. So ist das Leben."
tFortsetzung folgt)
Wer regelmäßig die Zahnpasta
PCBtCO
gebraucht, wird sein Gebiß bis in* hohe Alter rein, weiß und gesund erhalten.