Einzelbild herunterladen
 

v Amtliches VeMMgungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhefsifchej Oberhessen

«SF i R

■v*

X.

•er« ti-

s V

r

•e

-i

fcr

?>

F.

R

V-

W

4

>•5 J 3* I 4 E K.

M

122

1924

Die ^OderheMILe Bettung“ erlcheint teduntal wöchentllL. — Bezugspreis monatlich 2 Mark aurschlietzlich Zustellungsgebühr. Für ausfallend« Nummern iniolge Streiks oo. etement.Ereigniiie kein Lriag. — Dertag von Dr. T.Hiqerotd. —Druck der Univ.-Buchdruckerei von 2ob. Lug. Loch, Markt 21/23. — Fernjprecher SS. Dokicheckkonto: Rr. 5015 »tut Frankiurt a. Main.

Marburg

5om6m(i. Den 24. Hai

Der Lnzeigenvrei» beträgt für ben 10 geil». Zeilenmillimeter 0,08 Svldmark. Buitliifee u- auswärt. Lnzeigen 0,10 Eokdmark. Bei ichmier.Satz Ll>«ufitblog. eominelenieta ICO’/. Kfl Auffchlag. Reklamen 0,35 Eokdmark. Jeder Rabatt gilt als Borrabott. Belege werden berechnet, eben!» Lusknnit durch die Eeichäftsstelle undZuienduna der Sngebote. Zahlung innerhalb 5 logen (1 Dollar— 4,20 Eoldwork), Berednuna räch dem Berliner SD ittel- kurs des Zahlungs-Eingangatages. Berzugszinien pro Tag nach dem Bankzinrfuk-

Bov dev

t Von einem Teil der Presse und den politischen Parteien des Inlandes und Auslandes wird ver- fud)f, es als eine Art Dogma aufzustellen, daß als Perhandlungsteilnehmer mit einer Linksregierung in England und Frankreich ebenfalls nur eine deutsche Linksmehrheit möglich sei. Zunächst steht dem die Tatsache gegenüber, daß die sogen. Links­regierungen, wie sie uns in England und voraus- Üchtlich bald in Frankreich gegenüberstehen werden, lhrer ganzen Natur nach durchaus picht auf dem roeltanschaulichen Bo­ßen einer etwaigen deutschen Links­regierung stehen. Frankreich hat bisher keineswegs das Sachverständigengutachten ohne Vorbehalte angenommen. Ständig ist von weiteren Sicherungen und Sank­tionen die R e.d e, eine völlige Wiederherstel­lung der deutschen Autorität in den widerrechtlich besetzten Gebieten und eine restlose Beseitigung der militärischen Besetzung kann auch von den Links­parteilern in Frankreich nicht in Aussicht gestellt werden. Im übrigen würde, wie es bereits in eng­lischen Zeitungen zum Ausdruck gekommen ist, eine deutsche Reichsregierung, die nicht die stärkste Rechtspartei in sich begreift, den Berhandlungs- zegnern in keiner Weise mit der Unterschrifts­leistung die Gewähr der Durchführung geben können.

Zur rechten Zeit wendet sich die englische „Liga !8i diplomatische Kontrolle", in der gewisie ein- stußreiche Mitglieder der Arbeiterpartei die Füh­rung haben, heute bereits gegen die Anschauung, als ob der Sachverständigenbericht nun eine mo­ralisch und politisch wie wirtschaftlich glückliche Lö­sung sei. Sie warnt die Engländer davor, nach einem vorausgcschenen Zusammenbruch der viel­leicht möglichen Durchführung dieses Abkommens mit Zwangsmaßnahmen die für England höchst ab- .trugliche französische Politik zu unterstützen. In gleicher Richtung bewegt sich ein Antrag im Unter­haus, der auf eine parlamentarische Kontrolle der außenpolitischen Regierungsabmachungen hinzielt.

Die deutsche Reichsregierung, die hoffentlich bald zustandekommt, sollte alle diese Tatsachen- rrwägungen in Richtung einer aktiveren Eestaltuitg chrer Außenpolitik einsetzen. Ganz unerträglich ist vssierdem der Gedanke, daß, wie es zur Zeit in Düsseldorf geschieht, der Besatzungsterror, die Er- presiung undurchführbarer Forderungen, verstärkt vird. während auf der anderen Seite Deutschland im Entgegenkommen auf Verständigungsgrundlage «ahegclegt wird. Alle diese Fragen sind wirklich «ächt vom Standpunkt des innerpolitischen Partei- tchemas aus zu beurteilen, das mit starren Fsrmu- «erungen die bewegliche Welt der Dinge zwingen

L Ueber di- Verhandlungen selbst wird uns aus Berlin Mnldet:

!- D'S Verhandlungen zwischen den vier bürgerlichen Parteien werden heute fortgesetzt, «vchdein am Freitag vormittag die erste Fühlung «nommen worden ist. Wir sagen erste Fühlung, da die v?r Handlungen am Mittwoch nach einer ganz anderen mchtung gingen, nämlich nach der Personenseite. am Freitag ist man dann zum ersten Male in die Eichen Verhandlungen eingetreten. Man behandelt ch Sitzung mit der gebotenen Vertraulichkeit. Doch lässt

■ immerhm feststcllen, daß die Schwierigkeiten, zu iiner Einigung zu gelangen, sich in ihrem ganzen Umfange gezeigt haben. Das versteht sich von «bst wenn man bedenkt, daß sich außerordentlich scharf mu-geprägte Auffassungen auf der einen und ans der an­deren Seite gegenüberstehen. Auf der einen Seite die wrerzichtbaren Vorbehalte, auf der anderen Seit- ö'tc An- Äf.tnf des Gutachtens, deren Vorbehaltlosigkeit von den «cmotraten und auch vom Zentrum noch mit besonderer .Entschiedenheit betont wird. Man hat am Freitag kerne Mannschaftliche Grundlage gefunden. Die Mnge standen « der Vertagung so, daß der weiter« Verlauf ebenso gut * -nem Fehlschlag wie zu einer Lösung führen konnte.

Wiederaufnahme der Verhandlungen am heutigen «onnabetck beweist immerhin, daß an d i e M ö a.l i ch - tt:it einer Einigung noch tauf allen Seiten geglaubt Mtb.

. Wie bekannt, ist von den Vertretern der Ar. «tsgcmeinschaft ein Programm vereinbart wer« das sich auf die Annahme und Durchführung «s Sachverständigen-Gutachtens bezieht. Man »tt es indessen absichtlich vermieden, dieses Pro. ganur als eine gemeinschaftliche Bindung der Par- «en Ur Arbeitsgemeinschaft vorzulegen, am die •eulfitnatirmolen nicht vor eine vollendete Lai. Mchc zu stellen. In diesem Sinne ist Las Pro- frantm als eine Zusammenstellung von Richtlinien

Deutschen Vvlkspartei vorgelegt worden. Tu:- Mchlich aber handelt es sich natürlich darum, Me Deutschnationalen nun auch für eine ^uf assung zu gewinnen, die von sämtlichen Par. «en der Arbeitsgemeinschaft geteM wird und die

Grundlage der bisherigen und der zukünftigen ^egirrungspolitik güten kann.

Die ursprünglich in Aussicht genommene Der» öffentlichung des P r o g r a m m s ist am Frei, tag unterblieben, offenbar aus denselben taktischen Rücksichten, die bisher maßgebend gewesen sind.

Es wird vorausgesetzt, daß man das Gutachten annimmt und dann im Rahmen seiner Ausführung die für Deutschland wichtigen Zugeständnisse auch wirklich durchsetzt. Die Auffassung der Drntsch- nationalen gehl dahin, daß man die Vorbehalte vorher ausstellen und von ihrer Erledigung die Annahme oder Ablehnung des Gutachtens abhängig machen soll Ob zwischen diesen beiden Auffassun- gen eine Einigung zu erzielen ist — das ist die Frage.

Die Apffossung. die von der Arbeitsgeme'n- schaft vertreten wird, bildet die Grundlage der bishe­rigen Regier u.ackpvlitik. Wenn das Gutachten nicht bis Mitte Juni tin allen in Betracht kommenden Staaten im Ganzen als unteilbares Ganzes vor. behaltlos angenommen ist, so weiß niemand, wie die Micum-Verträge erneuert werden sollen und was dann ans der Industrie im Ruhr- und Rheiugebiet werden wird. Auf der Gegenseite besteh' nach dem Stur- Poincarös schon jetzt eine Einheitsfront der Entente, die für die vorbehaltlose Annahme des Gutachtens ein- tritt. Wenn Deutschland in einer solchen Lage die Annahme verzögert oder in Frage stellt, so wird man die ganze Verantwortung für alles, was dann kommt, auf uns abwälzen. Diese Aeber- legung ilt für die Auffassung der Arbeitsgemein­schaft ktnscheideno gewesen. Auch nach der An- nähme bleibt nach Auffassung der Mitte noch Raum gen g. doü torck-zusetzen, was unbedingt durchge- setzt werden mutz. Zunächst bieten, so sagt man, Li- Gcsev.entl ürie, die vom Reiche si.a anzunehmen sind. Gelegenheit, uns gegen eine falsche Aus­legung des Gutachtens zu sichern. Die Ratifi­kation des Abkommens wird voraussichtlich in der Gestalt einer Mantelnvte erfolgen, die von allen in Betracht kommenden Staaten unterzeichnet wer­den muß. und die ebenfalls Gelegenheit bietet, not­wendige Sicherungsbedingungen Lurchzusetzen. Der erste Schritt aber muh nach dieser Auffassung bald geschehen. Und, die Deutschnationalen haben sich jetzt zu entscheiden, ob sie ihn mitmachen wollen.

• * •

Der Verlauf der Besprechungen.

Berlin, 23. Mai. Die Verhandlungen der Deutschnationalen mit den Mittelvarteien dauerten Lis 12% Uhr und wurden durch eine kurze Pause unterbrochen. Sie bewegten sich auf sachlichem Gebiete. Wenn auch die Verhand­lungen bis zur Stunde noch kein positives Ergebnis ge­zeitigt haben, so schien doch die Ansicht bei den Teilneh­mern vorzuherrschen, daß die Besprechungen nicht aussichtslos fsttd und daß dieser Besprechung noch weitere Erörterunaeft-folgen werden.

Don den Mittelvarteien wurde der Anschauung Aus­druck- gegeben, daß das Sachverständigengut­achten die Grundlage für die Lösung des Repara- ticnsproblemes bedeutet, und daß auf diesem Funda­ment weiter gearbeitet werden müße. Hierbei bandelt es sich vor allem darum, daß Widersprüche und Unklar­heiten des Gutachtens aufgeklärt wurden. Zur Zeit gehen die Verhandlungen noch weiter. e

Berlin, 23. Mai. Die Parteifübrerbesprechungen, die um 12% Uhr unterbrochen worden waren, wurden gegen 1 Uhr fortgesetzt. Der Abgeordnete Sergt, der die Sitzung wegen einer anderen wichtigen Bespre­chung verlassen hatte, nahm an der Aussprache wrede- rum teil. Auch der Reichskanzler Dr. Marr wurve telephonisch zu den Besprechungen binzugezogen.

Die Besprechungen waren in erster Linie sachlicher Natur, doch wurden auch Personenfragen ge- streift. Die Parteiführer hatten die Pause dazu benutzt, ihre Fraktionen über den bisherigen Verlauf der Aus­sprache zu unterrichten, um dann Stellung zu den ein­zelnen wichtigen Punkten nehmen zu können.

Lin öffentliches Kommunique.

Berlin, 23. Mai. lleber die Verhandlungen der Parteiführer über die Regierungsbildung wird folgen­der Bericht von den verhandelnden Parteien ausge­geben:

Die bereits angekündigten Verhandlungen nahmen am Freitag vormittag unter der Leitung des Fraktions- vorsttzenden der Deutschen Volksoartei Dr. Scholz ihren Anfang. Es fand eine eingebende Besprechung über die sachlichen Grundlagen einer gemein­samen Regierungsbildung statt. Die Per­sonenfrage wurde offengelassen. Den Besprechungen lag eine von der Deutschen Volksoartei berührende mit anderen Parteien besprochene Ausarbei­tung zugrunde. Die Verhandlungen wurden allgemein als vertraulich bezeichnet. Insbesondere verpflich­teten sich die Teilnehmer, die erwähnte Ausarbeitung einstweilen nicht zu oeröfenttichen. Die Verhandlungen weiden am Sonnabend vormittag 10 Uhr im gleichen Kreise fortgesetzt.

• e *

Das Verhandlungsprogramm.

Berlin, 23. Mai. Ueber das von den Mittel- parteien in den heutigen Besprechungen mit ben1

Deutschnafionalen vorgelegte Programm weiß das „Berl. Tageblatt" zu berichten, daß nach dem Programm das Sachverständigengutachten als Ganzes angenommen werden soll. Verhandlungen über die Einzelheiten sollen nut da geführt werden, wo Widersprüche nnb Un­klarheiten vorhanden und wo zur Ausführung des Gut­achtens gesetzgeberisch« Maßnahmen notwendig sind. Im übrigen werden in dem Programm bestimmt« Voraus­setzungen ststgestelli, ohne di« an eine Verwirklichung des Gutachtens deutscherseits nicht zu denken ist. Dazu ge­hören die Wiederherstellung der deutschen Verwaliu ng in den besetzten Gebieten. Die Wiederaufrichtung der Zollgrenzen nack dem Wrsten, die unumschränkte Eisenbahnhoheir'oes Reiches im besetzten Gebiet, die Zurückfübrung der Ausgewiesenen und die Freilassung der Gefangenen, schließlich die militärische Räumungdes Rnhr-und Sankt io nsaeoic- te s. Wie das Blatt bemerkt, sei im allgemeinen unter den Teilnehmern der Besprechungen die Ansicht vorherr­schend gewesen, daß die Beratungen diesmal n'cht ganz aussichtslos zu sein scheinen. Die Zeit sieht in der Fortsetzung der Besprechungen am Samstag einen Be- weis dafür, daß die Parteien an die Möglichkeit einer Einigung glauben und bestrebt sind, eine solche, berbetyi* führen.

Beringung aus Sonnabend.

Berlin, 23. Mai. Die Parteiführerbefprechungen wurden um 2.10 Uhr abgebrochen und auf Sonnabend vormittags 10 Ubr vertagt. Die Mittelvarteien legten in dieser Sitzung ihre außenpolitischen Forve- rungen vor.

Frakifonsberatungen.

Berlin, 23. Mai Nach der Parteifübrerbcsvre- chung trat sofort das Zentrum zu einer Frakttons- sttzung in Abwesenheit des Reichskanzlers Dr. Marr zusammen. Die Deutschnationalen werden am Sonnabend sich über die Lage besprechen:

Refthskanrler Bülow?

Berlin, 23. Mai. In den Wandelgängen Des Reichstages wurde beute erneut von einer Relchs- kanzler-Kandidatur Bülow gesprochen.

---*----

Die smzMr MineiiMdmg.

Die Minifterlifte Herrioks.

Paris, 23. Mai. Einem Korrespondenten wurde im Gespräch mit Persönlichkeiten aus dem radik illoziol'stifchen Lager gestern erklärt, daß die M i n i st e r l i st e herriots bisher nur te lwe sr aus-- gearbeitet ist. In ihrer gegenwärtigen Fassung sehe sie folgendermaßen aus: Ministerpräsidium unp Aeußeres: Herrivt, Inneres: Schram eck, früherPrä seit des Rhone-Departements, öffent­liche Arbeiten: Francois Albert, 2rndwirt- schaft: Eoeuillv. In politischen Kreisen ver­lautete gestern gerüchtweise, daß das Portefeuille des Krieges dem Vorsitzenden der interalliiertes Miiitür'i ntrvlle in Deutschland, Rollet, ange­boten wurde. Dieses Gerücht wird von radikol- srzialistischer Seite bestritten und man fügt hinzu, daß für die Besetzung der Ministerposten des Krieges und der Marine kein General und kein Admiral in Frage komme. Eine Aus­nahme werde vielleicht mit Admiral I a u - c- S ge­macht. 'Die inoffiziellen Besprechungen Hrrrivts über die KabinettsbilLung dauern fort.

, Painlev6 Karnmerpräfidentschaftskandidat.

Paris, 23. Mai. Paileve hat sich, wie eia offizieller Bericht mitteilt, auf Grund Lein- genfer Schritte, die^die Vertreter sämtlicher repu­blikanischen Verbände im Parlament bei ihm un- ternvmmen haben, bereit erklärt, als Kan» Mbit für den Posten des Präsidenten der Kammer aufzutreten. ES erscheint kaum zweisechaft, daß Painlede am 1. Juni Sei ‘Bieber« zusammcntritt der Kammer gewählt werden wird.

'»'■ ■ ♦ —

vn Komvl her AttWbkütt.

Bochum, 23. Mai. Eine vom Alten Berg- arbeiterevrband im Fürstenhof einberufene Ver­sammlung, die von 4000 Bergleuten aller Rich­tungen besucht war, nahm gestern Stellung zu der Kampflage im Ruhrgebiet. Der Bezirks­leiter Deppe behandelte die Forderungen der Berg­arbeiter: Siebenstundentag und angemesiener Lohn. Er erklärte, wenn man die Siebenstundenschicht bei angemesiener Lohnerhöhung von feiten der Berg­werksbesitzer ablehne, so würde der Kampf 'vrtgeführt werden. Man sei entschlosien aus­zuhalten, koste es was es wolle. Der kommunistische Bezirksleiter Disielkamp forderte die Bergleute auf, die Notstandsarbeiten einzu stellen. Die Schächte müßten ans Ersaufen kommen, sonst ’et der Kampf ergebnislos geführt worden. Der Kampf fei ein durchaus politischer. Die Versamm­lung nahm eine Entschließung an, in der die Stel­lungnahme und die Beschlüsie der Revierkonferen­zen gebilligt werden. Der Versammlung war am .Vormittag eine Konferenz der Funktionäre der Men BerchirLeiterverbandes vor ausgegangen. Es^

wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt, daß der Kampf für die Siebenstun^nfchicht unter Tage und für die Achtstundenschicht über Tage fortgeführt werde bis zum Weißbluten.

Die Internationale will,helfen.

Der „Vorwärts" meldet, daß das Exekuti.'konnte« der Bergarbeitevinternationale in einer EntschließiM? bitt kämpfenden deutschen Bergarbeitern weitgehendste,Unt«r- üütznng zusichert. Die Landesorganisationen haben iofort zu beraten und dem internationalen Generalsekrecarrat bis spätestens Juni zu berichten, welche Schritt« zu unter­nehmen sind, um dir deutschen Bergarbeiter wirsiam zu unterstützen. — Der Vorstand des Teut'cheu EiseuLahuer-- verbandes sordett seine Mitglieder aus, den Kamps bet Bergarbeiter finanziell zu unterstützen. Er beschloß, ben Bergarbeitern sofort 10 000 Mark aus der .Hauptkasse bes Verbandes zu überweisen.

Weitere Betriebseinstellungen im Ruhrgebiet.

Essen, 23. Mai. Die Zinkhüttein Ber­ge b o r b e ck hat wegen Kohlenmangels heute ihren Betrieb geschlossen.

Essen, 23. Mai. Von der Kruppschen Guß­stahlfabrik wird mitgeteilt, daß infolge Kvhlenman- gelv ein Teil der Feuerbetriebe morgen ftüh, der ankere Teil am Sonntag früh stillgelegt werden muß. Wieweit die mechanischen "Betriebe wc!t-r- aibeifer können, die aus Kohle erzeugten clektti- schen Strom, Dampf usw. verbrauchen, wird im Lause des morgigen Tages festgestellt werden. Der m sich noch mögliche Ausweg, daß nämlich die Be­legschaft der mitten im Werk gelegenen Kruppschen Zeche , Saelzer-Reuack" unbeschadet der endgül­tigen Regelung im Bergbau die für den einge­schränkten Bettieb der Gußstahlfabrik erforderliche K-hle gefördert hätte, ist dem Vernehmen nach daran gescheitert, daß die Belegschaft dieser Zeche mit Rücksicht auf die Frage der Arbeitszeit der Acbertagearbeiter und im Hinblick auf die Solt- dnrität mit den anderen Bergarbeitern sich hierzu ilichi bereitgefunden hat, obwohl sich auf diese Wesir die Möglichkeit geboten hätte, 3000 9 Ar­beiter der Guhstahlfabrik noch in Ar­beit i u c i ö o I f e n. -i

Hambu rg, 23; Mai. Auf der Thyssen- hätte wurde folgende Bekanntmachung veröffent­licht:

rVFelae Kohlenmangels ist die Weiterarbeit und Aufrechterhaltung des Betriebes ab Freitag, 23. Mai, 6 Ahr morgens, nicht mehr möglich. Aeber die Wiederaufnahme des Betriebes wird rechtzeitig Mitteilung gemacht. Degen der Rotstcnds- und Aebergangsarbeiten erfolgt beson­dere Mitteilung."

Vorläufig fein Kohlen mangel.

Berlin, 24. Mai. Wi« bas „B. T." von‘ unter» richteter Seite erfährt, ist wegen des Kampfes int Ruhr­bergbau für biebcutsche Wirtschaft vorerst ein Kohlen­mangel nicht zu befürchten. Die Einführung englischer bezw. tschechoslowakischer Kohle komme nicht in Frage. Auch bie Gasanstalten seien vorläufig nut 'Brennstoffen gut versehen. Die Stillegung gewisses Werke infolge Kohlenmangels habe seine Ursache in bet Auswirkung der Micumve rträge. Sollte sich bei längerem Andauern des Kampfes Kohlen mangel bemerkbar machen, so könnte sofort auf die deutsche« Händlern im Ausland, namentlich in Holland, gehörende» Kohlenlager zurückgegriffen werden. ; .'

• * • ;i

Anschlag auf eine Polizeiwache.

Essen, 23. Mai. 2u der vergangenen Nacht wurden auf die Wache des 18. Polizeirevier» in Stovvenberg von mehreren Tätern zwei Re­volverschüsse abgefeuett und darauf zwei Handgrana­ten geworfen. Die erste Handgranate durchschlug et« Fenster und fiel in die Mitte des Zimmers, ohne ru ervlodieren. Die zweite prallte vom Fensterpfosten ab und ervlodierte auf dem Bürgersteig. Personen wur­den nicht verletzt. Sämtliche Fensterscheiben des Sau­ses wurden zertrümmert. Der lleberfgll auf die Poli­zeiwache sollte jedenfalls dazu dienen, die Aufmerksam- kett der Polizei von dem katholischen Krankenhaus in Stovvenberg abzulenken, aus dem zur Zeit der Ervlo- ton der Bergmann Kleiber entwichen ist. bet ich vor vier Wochen beim Ausprobieren jelbstgesertig- ter Handgranaten verletzte.

Die Staatsreglerung und der Rnhrlamvf.

Laut dem „Vorwätts"" findet heute eine S'.tzung der preußischen Staatsregierung statt, die sich mit ottn Ar» beitskampf im Ruhrbergbau beschäftigen soll. Am Mon­tag beginnt bann im preußischen Landtag die große Aus» spmche über ben Konflikt im Bergbau. ,

v»r de« wirtschaftlichen Ruin.

Solingen, 24. Mai. Im hiesigen Bezirk, haben ich bisher etwa 60 Firmen unter Eeschäftsauiflcht ge­stellt.

Di« Sinignugsverhandlnnge« im Bergbau gescheitert.

Essen, 23. Mai. Die heute in Essen unter Vorsitz b«S staatlichen Schlichters des Reichs- und Staatskommisi fort Mehlich geführten EimguugsverHandlungen im Ruhrbergbau, di« nach der Schlichtungsordnung jeder Ber- '

| Hnblitbteit8erfiärung voransgeheu müssen, haben, wi» i der beta nuten Stellungnahme bet Gegner zu erwarte»