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Zweites Blatt

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rumänischen Kreise gegen Rußland eine Abwehrstellung ein, weil sie befürchten, daß der Bolschewismus seinen Einzug in Rumänien halten könnte. Schon mehr als einmal haben die rumänischen Bauern und Pächter mit

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nicht dies« Die brachten mit einen rnerkwürdl-

®xitc beklagte sich, daß sie nicht schlafen könne, wenn er Licht brenne.

Sn wußte er warten, bis sie eingeschlafen war. Dann zündete er die Lampe an und las bis gegen

l Der große Buch erfolg!

Die Lösung dieser menschlichen seine Gedankeir.

»Schlepp mir um Himmels Leute ins Haus," sagte Grete, ihren dunklen Fällen auch so

De: GefühlSkompah ergab oft eine bessere Rich­tung als der überlegene Verstand. Es ist eine gieße Gefahr für einen wortgewandten Redner, wenn er Opposition merkt und sich wanken fühlt auf dem Boden, auf dem er bis dahin festen Fußes gegangen.

Hcrwegh überzeugte brrner, er siegte .»der er­langte doch wenigstens Erleichterungen hoher Sttc-fca.

„Unser großer Psychiater Herwegh," nannte ihn der Staatsanwalt.

:,<rie hätten im Mittelalter leben müssen und von dei Kanzel reden," sagten die Kollegen zu ihm. »Alle Weiber hätten Sie bekehrt, sie wären alle zr Ihrem Glauben übergegangen."

Die jungen Referendare hdtten ihm zu, wie' man einem Bußprediger lauscht, der nach seinen Worten lebt.

Denn Heirwegh war überzeugt von dem, was er sagte, das fühlten sie. Etwas Großes lag in seinen Watten, etwas Hinreißendes, Warmes, das an ihr Gefühl appellierte, an ihre Sinne, ihr Herz. Wozu alle Philosophie? And wenn sie sich noch fio fest umpanzett fühlten von rein juttstischem Denke». HerweghS Wotte pochten an ihr Herz und erweckten menschliches Gefühl, Mitleid 'Be­greifen, »Einfühlen nannte er das.

Er nahm sich aller Unglücklichen und Ratlosen an aus Mitleid, aus Gerechtigkeitsgefühl, und ge­rade solcher, die von den Kollegen mit Pharisäer- mienen abgewiesen wurden. Je tiefer er sich in diese psychologischen Fragen vergrub, desto fester wurde die Ueberzeugung in ihm, daß die Psycho­logen recht hatten und nicht die Juristen.

Wär? ich noch frei, dachte er, ich würde Psy- cholcgie studieren. Aber er war nicht frei. An feinen Rocks(höhen hing eine ganze Familie, so­gar dieses psychologische Rachsiudium war ein Luxus für ihn, denn er mußte die Nachtstunden dazu nehmen

Notfälle besteht für die Gemeinden nocb die Möslich- keil bei der vorläufigen Steuer vom Grundvermögen Zuschläge ru erbeben. Die werbenden Betrieb« solle» grundsätzlich Ueberschüste abwetfen; dieses (Ergebnis darf jedoch nicht dadurch erzielt werden, daß die lattfe ohne Rücksicht auf die Wirtschaftslage erhöbt werden, sondern ist in erster Linie durch Vereinfachung und Verbilligung der Organisation ru erstreben.

Sm Marburg« MMmmM.

Gestern Abend versammelten sich die Vertreter von 14 Marburger Vereinen auf Einladung des Olympia-Ausschusses, um über Schiedsrichterfragen zu beraten. In engem Einvernehmen zwischen Universität und den bürgerlichen Vereinen wurden Richtlinien für die Bewältigung der großen Anfor­derungen aufgestellt. Zum Glück fehlt es nicht an achverftändigen Kräften, so daß die meisten Posten wohl mit Marburgern besetzt werden können.

Die Gelegenheit, Vertreter fast aller Leibes­übung treibenden Vereine beisammen zu sehen, be­nützte Dr. Jaeck, um einen großzügigen Feldzugs­plan für das Marburger Hallenschwimmbad zu ent­wickeln. Der Gedanke wurde in Marburg schon oft erwogen, aber immer scheiterte er wieder. In diesem Sommer mit seinem regen sportlichen Leben i. ist nun die einzigartige Gelegenheit geboten, den Bau zu verwirklichen, wenn von allen Seiten mit’ kühnem Griff zugepackt wird.

Die Leitsätze, die Dr. Jaeck vorlegte, sind folgende:

„(Eine zwingende Notwendigkeit für die Marbur­ger Bevölkerung ist der Bau des Hallenschwimm­bades.

Wohnungsbau ist bitter nötig, aber wir können die erforderlichen 1300 Wohnungen nicht in einem Jahr bauen, wohl aber ein Hallenbad, das den Mar­burgern hilft, die unhygienischen Wohnungsoerblllt- nifse erträglicher zu gestalten.

(Eine moderne, großzügige Anlage muß es werden; mit einem Schwimmbad (25 Meter Bahn), mit Brause- und Wannenbädern. Die Marburger Schul­jugend muß die Möglichkeit zur wöchentlichen Bade» und Swimmstunde bekommen, die Marburger Lei-; eine und die Studentenschaft müssen auch im Win«, ter das Schwimmen durchführen können, endlich muß

Neue Aufgaben der Gemeinden.

Durch die dritte Steuernotverordnung des Reiches und die Steuernotverordnungen der Länder soll der Not der Gemeinden abgeholfen werden. Vor allen Dingen soll durch die finanziellen Ergebnisse auf die genannten Steuerverordnungen den Gemeinden die Möglichkeit geschaffen werden, ihren Haushalt für das Rechnungsjahr 1924 auszugleichen. Selbstverständlich muß daneben in den Gemeinden die größte Sparsamkeit herrschen. Durch die Steuernotverordnung sind, den Städten eine Reihe neuer Einnabmeauellen erschlossen worden b.zw. die Reichsüberweisungen erheblich ver­mehrt worden. Der durch Herabsetzung des Anteils der Länder an der Umsatzsteuer von 25 aus 30 Prozent entstehende Ausfall wird ausgeglichen durch die für 1924 erfolgte Erhöhung des Steuersatzes von 2 auf 2t4 Prozent des Entgeltes, da das Verhältnis der Ver­teilung zwischen Ländern und Gemeinden das gleiche wie bisher bleibt. Weiter ist die Beteiligung der Län­der an der Reichseinkommen- und Körverfchaftssteuer von 75 auf 90 Prozent erhöht worden, wodurch sich für die Gemeinden und Gemeindeoerbände eine Gesamt- einnabme von 400 Millionen Mark ergibt statt bisher 366 Millionen. Weitere Einnahmen für die Gemein­den ergeben sich aus der Hauszinssteuer in Höhe von fünf Achtel des Eefamtaufkommens. Hiervon stnd zwei Siebtel zur Deckung der ihnen aus der dritten Steuer» Notverordnung erwachsenden Ausgaben bestimmt, wäh­rend ste drei Achtel zur Förderung der Neubautätigkeit verwenden müsten, woraus man eine Belebung des Baugewerbes und damit eine Entlastung der Gemein­den in der Fürsorge für die Arbeitslosen erhofft. Hin­sichtlich der indirekten Steuern soll nach amtlicher Mit­teilung besonderes Augenmerk darauf gerichtet werden, daß ihr Aufkommen in einem richtigen Verhältnis zu dem erforderlichen Aufwande für die Veranlagung steht: wo dies nicht der Fall ist. soll die betreffende Steuerordnung sofort außer Kratt gesetzt werden. Im

Heitman«'» gerbe spart bta 3Srbar.

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dem „Tritt der SBauernbataittone" gedroht. Verbreiteten ich unter den rumänischen Bauern auch noch bolsche­wistische Ideen, so möchte es wohl mit der Herrschaft der rumänischen Hohenzollern und mit der der Bojaren, der großen Grundbesitzer bald zu Ende sein.

Welches Interesse hat nun aber Frankreich- oder richtiger gesagt, welches Interesse hat nach Mei­nung der französischen Machthaber, Frankreich mit Ru- mänten ein Bündnis abzuschließen und, wie es ge­icheben ist, Bessarabien als einen integrierenden Be­standteil Rumäniens anzusehen. Sich mit Rumänien zu verbünden, heißt für Frankreich nichts anderes, als in Rußlaich, England, Italien und Spanien Mist- trauen und Zweifel hervorzurufen. Aber die Politik der Machthaber in Frankreich geht auf nichts anderes hinan? als darauf, einen Block zu schassen, der sich bis zum Orient ausdehnt, und diesem Bloch zuliebe wollen die gegenwättigen Machthaber Frankreichs auch Gegnerschaften auf sich nehmen. Mit der Tschechoslowakei ist das Bündnis bereits geschloffen, mit Jugoslawien soll eS, nach den letzten Meldungen, im nächsten Monat abgeschlossen werden. Im Grunde genommen richtet sich diese Bündnispüliiik am allermeisten gegen England, dessen Mitielmeer- stellung soll ausgehöhlt, der Weg nach Indien unsicher gemacht werden.

Mae Donald, der englische Premier, sagte neulich sehr richtig, wenn seine Politik, die auf eine Befriedigung Europas gerichtet fei, Schiffbruch leibe,' so würde man mit einem neuen Rüstungswettlauf rechnet» muffen Die Mächte würden sich neu gruppieren, und der alte Geoeusatz in Europa, hei dem auch Rußland und Teutlch- lanb einbezogen würden, beginne von neuem. Ein neuer Rüstungswettlauf müßte aber auch wieder zu einem neuen Krieg führen, und das wäre das Ende Europas. Es ist deshalb sehr zu wünschen, daß die soeben gewählte Kammer Frankreichs es un­möglich macht, die alte Politik der Bünd­nisse und ber geheimen militärischen Ab­machungen fortzusetzen.

■ SlWWMt UMMttM.

Der Ausfall der französischen Wahlen und der wahrscheinlich daraus folgende Sturz Po'n- rares hätten noch vor einigen Monaten einen unge­heuren Eindruck auf die deutschen Börsen gemacht. Jetzt ist dieses Ereignis fast wie ein gleichgültiger Tagesvor­gang behandelt worden. Man sieht darin zunächst den Aufschub der Entscheidung über das Sachverständioen- Gniachten, der notwendig wird, wenwn einem Nachso'ger Poincares Zeit gegeben werden muß, sich in die schwieri­gen Probleme, die das Gutachten der Dawes-Kommission aufwirst, einzuarbeiten. Man wird sogar nicht ein­mal sagen können, daß die leichte Besserung der Börsenlage, die sich in der Mitte der ver­flossenen Woche bemerkbar machte, durch die (Ernannte in Frankreich verursacht fei. Vielmehr wirkte hier­in erster Linie die Entspannung aus dem Geld­markt, die eine Folge der Herabsetzung des M'ndest- guthabens für die Girokonten bei der Reicksbank von 1000 auf 100 Mark ist. Durch diese Maßnahme fin1' zweifellos beträchtliche Gelder steigeworden, die nun nach dem offenen Geldmärkte abfließen. Bei den heu­tigen Zinssätzen kann es nicht gleichgültig bleiben, ob Summen, wie sie hier in Betracht kommen, zinslos bei der Reichsbank liegen, oder in der Volkswirtschaft er­tragbringend arbeiten. Man muß eigentlich die Frage aufwerfen, warum diese Maßnahme nicht schon viel früher ergriffen worden ist und warum man dem not­leidenden deutschen Geldmarkt diese Erleichterung nicht schon längst hat zugute kommen lassen.

Ern zweites Moment, das zur Besserung der Sage in Deutschland erheblich beigetragen hat, ,st die ziemlich unerwartet eingetretene abermalige Verschlech­terung des französischen Frankenkurses. Sie kam gerade noch rechtzeitig genug, nm die Verluste, die aus den Lieserungsgesch ästen auf Frarrkbasis für Ultimo Maierwachsen, ein wenig zu vermindern Viel­leicht wird so manches Unternehmen, das schon als <<.itoren angesehen werden konnte, sich nun vetten

entarteten vor sich, über den er so viel gelesen und gehött.

Dre Sünde war bei ihr beschlossen» ohne Er­wägen und ohne Absicht. ES war eine Gewohn­heitsverbrecherin. So ost er die Anglückliche cor sich. sah. dachte er an seino--eigene Frau.

Herwegh verglich diese «erblich Geschädigten" mit ^verbauten Schiffen, die mit einer gewissen fatalistischen Notwendigkeit im Lebenskämpfe un­terfinken" mußten. Denn die Charakterverfchlech- teuing war häufig nur das erste Wetterleuchten der geistigen Störung.

Durste man diese Menschen noch beste ifen!? Nein, man muhte die Welt von ihnen befreien, indem man sie absondette und sie den Qler^ten über­gab.

Die Frau wurde fteigesprochen.

Sie kam in die Landesheilanstalt Rheinbuben, wo sie später starb. Allmählich fanden nach an­dere »dunkle Fälle" ihren Weg zum Herweghschen 'Büro.

Hinter veischlcs'enen Türen spielten ,ich i'le er­greifendsten Szenen ab. Man hätte ein Rat» sein müssen, um hart zu bleiben. '

»Ich bin zu Ihnen gekommen, Herr RcchtS- anwolt, weil Sie »er einzige sind, der mir helfen kann."

Gegen solche Morte war Ernst machtlos, wie gegen Frausntränen.

Wenn man jeder Tat auf den Grund nachging, so fand sich eine Entschuldigung oder eine Er- klä up£ für ihre Notwendigkeit. Wenn man in die Seelen dieser müden Verirrten, Abgehetzten und Erschreckten schaute, so sah man, daß meist andere, Eltern, Freunde. Kameraden, Lehrer, Kol­legen. oft auch die eigene Frau, die eigentlich Schuldigen waren oder wenigstens einen Teil der Schuld trugen.

»Er arbeitet viel mit Gefühlen," sagte ÜYil'ch spöttisch-. Leder^hatz^eseine Methode

Nr. 116

mabend, 17. Mai

1924

Brücken führen über den Rhein, Brücken — und keine Lafetten! Von einer Französin

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X Drei Sonnen Verlag Leipzig X

(seorgiting 3—5 / Postscheckkonto Leipzig 68544. *

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Da» Buch vom kommenden Zusammenbruch Frankreichs.

/ Im besezte» Bebte» eerbeteel

Gebenden 3 Mark

gen Geruch mit.

^Wo sollen sie denn aber hingehen, wenn auch ich ihnen die Tür weise?"

„Zu den anderen Kollegen,' sagte seine Frau. „Laß die doch mit ihnen hereinfallen."

Fräulein Schmidt schnitt diese Plädoyers- aus hen Zeitungen au- und klebte sie in ein blaue- dickes Heft denn sie waren witzig und inte-essa.-rt, besonders wie er mit seinem Gegner, dem Rechts­anwalt Ehrlich umsprang, dem Sohn de- Zustiz- ratS, der aussah wie ein gepellte- Et, tadellos und korrekt, und der auch schneidig plädiette. Aber nur „einwandfreie Sachen".

„5-erwegh nahm alles..."

„Ich würde mich nicht so viel mit diesen Leu ten abg-.-ben.'- sagte seine Mutter. „Was hast bt denn davon? Die Kollegen sprechen darüber, beim Gericht wird man dich über die Achsel an­sehen, und wem nützt du damit, Diebe und Mörder steizasprechen, die ins Zuchthaus gehören?"

(Fortsetzung folgt.)

Wie bringe« Sie SÄ'KC lj-- in TCuerUrg stv und Ihre Kinder immer so elegant z, Ueiden? e5chr einfach; ich färbe alles nur mit den weltba- deruhmten eqren Heitman«'» Farbe», Worte Fnchska^i i*

zMM eil AinMIm NMsMik.

( Der Staat Rumänien gehött in erster Linie mit * den Kriegsgewinnlern, denn durch die Fttcdensvetträae M das Land annähernd auf das Doppelte seines DSHeren Umfanges angewachsen, und die Bevölkerungs- Ehl sogar nm mehr als 100 Prozent gestiegen. Ru­mänien ist heute ein Land mit 15—16 Millionen Gin« z^hnern, verfügt über große natürlich« Hilfsquellen grib könnte ein sehr geachteter Mittelstaat fein Aber fcr König und die obersten Klignen möchten ans dem Wlittelstaat gar zu gern eine Großmacht machen gS der Habsburger in Ungarn davongejagt war, hätte der rumänische König gar zu gern gesehen, daß Un - ’garn mit Rumänien durch Personlunion letiruttben wird. Zwar besteht schon jetzt das tangerfefaite Aroßrumänien, aber dieses Grsoßrumänien ist immer nicht groß genug, der Ausdehnungsdrang noch jetr.er nicht befriedigt zu einem Teil, um diesem Draus yt Vergrößerung mehr Rückhalt zu geben, zum anderen Teil, um sich für den bereits erworbenen Besitz eine rontie zu suchen, geht Rumänien schon seit Jahren

vier wieder nach neuen Bündnissen auS.

! Tas Suchen nach neuen Bündnissen int in Rumänien zu den wichtigsten Staatsausgaoen gehören. Namentlich in der letzten Zeit wird das ruhen nach Bündnissen immer intensiver, und es ge- t beinahe schon ein Spezialstubium dazu, sich in Bündnispolitik Rumäniens noch zurechtzufinden. Tas SünbntS mit Frankreich sott definitiv abgeschlossen fein, und der Besuch des rumänischen Königspaares in Karis soll nur den Schlußstein dieser Aktion gebildet Haken. Neuerdings ist gemeldet worden, daß m i I Rapan ein TefensivbündniS abgeschlossen wor- Den ist. Auch mit Polen schweben Bündnisverhandlungen =ja, wenn die Meldung richtig ist, wonach jüngst rumä- «siche Generalstabsoffiziere mit polnischen eine gemein­same militärische Inspektionsreise unternommen haben,

Morgen.

Die Pshchiattie hat für denjenigen, dem fte „liegt", «was Bestechendes und Verführerisches.

Rätsel beherrschte

jffirfkn diese Bündnist^rHandlungen bereits zum Ab­schluß gekommen fein. Rumänien hat sich in der letzten

Nachdruck verboten.

Die HerweghS.

Roman von LieSbet Dill.

'.Irhcberrecht bei M. Feuchtwan««, Halle a. S.

31. Fottsetzung

Er weinte.

Herwegh suchte sich vergebens gegen oas Mit­gefühl zu panzern. Er wollte diesen Fall nicht nehmen. Etwas in ihm regte sich und hob varnend seine Hand. Aber der Mann und seine Kinder jammerten ihn.

Sein eigenes Unglück erwacht ewieder, drS die Musik ein» Zeitlang betäubt zu haben schien, krcte... war sie denn besser wie diese Unglück­liche?

Er nehm den Fall, trotz des ironischen Lächelns be Kollegen. Vielleicht konnte er diese Frau tei­len.

Es war eine geistige Infantile von schwanken­der Gemütsstimmung, beeinflußbar und indolent, die unter ständigen Depressionen litt. Als Mäd­chen mußte diese Frau schön gewesen sein, ein Dadonnentvpus. Jetzt hatte sie etwas Gedrücktes, Scheues, Unsicheres. Wie sie dazu gekommen war. zu stehlen, wußte sie nicht anzugeben. ES zog sie fast körperlich in die Läden. Sie wachte nachts au' Und konnte Öen Tag nicht erwarten, um sich in die Läden zu stehlen. And nach einem solchen .Diebstahl empfand sie stets eine große Erleichte­rung und Befriedigung. Es war, als sei sie von einem Fieber besessen. Einigemale hasten ihr die Ladenbesitzer die Waren im Hinterzimmer wieder abgenommen, hatten sie gewarnt. Sie hatte ge­weint. bereut, versprochen, es nicht wieder zu tun, And laum betrat sie wieder ein Geschäft, so kam die unwiderstehliche Sucht von Neuem über sie. - Der Fall begann ihn zu interessieren.

dieser Frau sah er den TYP der morMch

der Türkei genähert, unb Berichten vom Ba.'kan ^ufc'ge, muß weiter angenommen werben, daß Rumänien Puch Anschluß bei Bulgarien sucht. Dagegen toti- n die Beziehungen Rumäniens zu Italien ie übrigens auch zu Spanien ziemlich kühl ge- porden zu sein. Rom unb Madrid sollen sogar ziemtick nllick abgewinkt haben, als ein leiser Versuch unter­nommen wurde, dev Besuch des rumänischen Königs- paar,? anzukündigen.

Man sagt im allgemeinen, daß das Bündnis nut Rumänien in erster Linie ein Erfolg der französischen Politik sei Natürlich liegt dieses Bündnis auch av- ter Linie der Interessen, die die heutigen Machthaber Frankreichs verteidigen, sonst wäre es nicht abaeschloi- ise.! worden, aber auch Rumänien ist auf jede Art 14b: ndesgenossen angewiesen, wenn es Bessarabien Behaupten oder sich gar noch weiter ausdebnen will. 'Nachdem vor kurzem die Wiener Konferenz, auf bet dsichen rumänischen und russischen Delegierten über >ie fernere Zugehörigkeit , von Bessarabien Verhnnd- t hingen gepflogen worden sind, ergebnislos auseinander, j^gangen ist, muß Rumänien damit rechnen ,daß Ruß- panb bei geeigntcr Gelegenheit seine An- fsprüche auf Bessarabien von neuem gel- ktend macht. Rußland war bereit, diese Ansprüche - fallen zu lassen, wenn eine ohne Zwangsmaßregeln vor- l genommene Volksabstimmung sich für den An- ' fhlnß an Rumänien erklärt. Nachdem der russisch/ Antrag abgelehnt ist, wird sich Rußland an seinen Vorschlag kaum mehr gebunden halten. UebrigenS scheint I in Rumänien eine ziemlich große Nervosität hervorzu- [ ireten. Wie es scheint, glaubt man dort, daß Ruß­land schon in nächster Zeit darauf ausgehen wird, in Bessarabien t« zumarschieren. Die Anti­pathie der herrschenden Kreise Rumäniens gegen Rnß- fcnb gründet sich übrigens nicht allein aut die Bor- Sänge, die mit der bessarabischen Frag« zusammenhängen, f vielleicht in einem noch höheren Grade nehmen dies:

können. Das ist umso bedeutungsvoller, als die In­solvenzen in der letzten Zett bereits einen Umfang an­genommen hatten, die zu den ernstesten Bedenken An­laß geben müssen. Schon beschränkten fid), die Zu- ammenbrüche nicht mehr auf Banken und Finnen bei (Metall- und Chemikalien Handels. Wenn Pro- b n k t i o n s Unternehmungen mittleren UmfangS, wie die Berliner Mrtatlwarenfirma Baer und Stein, in Schwie­rigkeiten gerieten, so mußte eine solche Entwicklung sehr bald auch auf den Arbeitsmarkt aufs Ungünstigste zurück- ttirfen. Man mußte befürchten, daß die Geldkrise sich sehr bafi> auch zu einer schweren Arbeit-krise auswachsen würde, wie das in Deutschösterreich bereits geschehen ist. Ob jetzt eine solche Katastrophe we ifgürtS für die deutsche Produktion verhindert werden kann, wird wesentlich von dem weiteren Verlaus der au­ßenpolitischen Ereignisse abhängen. Auch wenn d-e ftanzösische Regierung jetzt mit einer neuen Fra n stützungsaktion eingesetzt, werden di« deutschen Leid- ttagenden der Fvankenspekulation inzwischen Ge­legenheit gehabt haben, sich zu ein wenig günstigeren Bedingungen einzude^n und dadurch ihre Verlust« ein wenig zu verringern. Man darf dem Ultimo jetzt unter allen Umständen mit ein wenig erleichtertem Herzen entgegensehen.

Der Ruhrarbelterstreik wird voraussichtllch sehr bald beendet fein. Er hat verhältnismäßig wenig Ein- luß auf die Beurteilung der wirtschaftlichen Sage au3« geübt, weil von vornherein ftststand, daß er nicht von langer Dauer würde fein können. Einiges Aussehen hat dagegen die plötzlich bekanntgegebene Absicht einer Schließung der Kupferbergwerke der Mansfeld A.-G- wegen mangelnder Rentabilität her- vorgemsin. In Wirklichkeit hat gerade dieser Vorgang selw wenig mit der deutschen Wirtschaftslage zu tun. Er steht vielm'hr im engsten Zusammenhang mit einer Adsatzkrise auf dem internationalen Kupfermarkt. Auch in den Vereinigten Staaten sind von den Knpferprodu- zenteil Stillegungen und Betriebseinschrankungen b-v chlossen worden, um dadurch eise Besserung der heute ganz unrentablen Weltmarktpreise herbeizuführen. Im­merhin mürbe die Schließung des größten deutschen Kupferwerkes eine Verschlimmerung der Arbeitslosig­keit zur Folge haben, und es wäre sehr erfreulich, wenn diese Maßnahmen vermieden iverden könnten.

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