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^Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhefstsche) Oberhessen
$e* Hnieiaenptet» beträgt füt be« 10*ip. 3ellenmilHmet«* 6,08 6»Ibm«tL emttt*e r w ,
austnätL Anzeige« 0,10 Seftmert Sei schwter.Satz 50 *1. LuffLl-g. Sammehitjetg. 100*1, IHM
AufiLIaa. t e Nam en 0,35 Cöolbmatt Jeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Belege «erde» O"W*1
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1924
Der Schiedsspruch im Ruhrstreik
dieses
Marburg
5onndM 6tn 17. Kai
Eine Tag««,, der Parteien der Mitte.
Berlin, 16. Mai. Im Reichstag find beute die Rührer der Parteien der Mitte, nämlich das Zentrum, die Deutsche Vol svartei und die Demokraten zu einer Besprechung über die schwe- benben politischen Fragen zusammengetreten. Auch »er Reichskanzler Marr, Reichsauhenminister Stlese m a n n und der Reichsarbeitsminister Brauns »ahmen an der Tagung teil.
betedmeL ebenle Aarkunttvura, die ffielAaftifteOe und Zusendung der Angebete. Zahlung innerhalb 5 lagen (1 Dollar — 4,20 Toldmarks, Berechnung nach beet Berliner Mittel» lur, de, Zahlunos-Eiusangatage». Verzugszinsen pra Tag »ach de« Bankzin.fnb
Die Lerhandlunge« im Reichrarbeitsministerium.
Berlin, 16. Mai. Die Verhandlungen im Rcichsarbeitsmlnifierium über die Beilegung des Konflikts zwischen dem Zechrnverband und den Bergarbeiterverbänden sind gestern nachmittag nach kurzer Pause wieder ausgenommen Wochen. Der Vorsitzende der Schlichtungskammer hat sich dahin geäußert, daß cs vor- ausfichtlich möglich sein wich, die Verhandlungen noch Donnerstag, wenn vielleicht auch in später Nachtstunde, zu beendigen. Vorgestern und gestern sind in den Verhandlungen die einzelnen Punkte deS Rahmentarifs gründlich besprochen worden. Daraus haben beide $ arteten ihre Auffassung darüber dargelegt. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß oie Streitigkeiten durch einen vom Reichsarbeitsminister ge- ällten Schiedsspruch ihre Bee nbiguna finden werden. Dieser Schiedsspruch würde dann im Falle, daß er von einer der Parteien nicht angenommen wich, itr verbindlich erklärt wachen.
Die „Dbetbeifttdie Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich L Merk ausschließlich Zusteüung»gebühr. Für ausfallende Kammern tniolge fiUeite »».fiemem.6tetgttffle krtnSrm» -Lercag von Dr. L.Hi,er»th. — Druck der llniv.»Buchdruckerei »on 2od. Ang. «och. War» 2L23. — Kernsprecher 55, Boft'checkkonto: Rr. 5015 Amt Frantiurr a. Main.
terrednng über verschiedene schwebende Fragen, in der er zunächst der Meinung Ausdruck gab. daß gerade im gegenwärtigen Augenblick unter allen Umständen derAuhenpolitikderPramat bei der Beurteilung der politischen Gesamtlage deS Deutschen Reiches und auch für die Neubildung der R-g erung gebühre. Dr. Stresemann lenkte soda n LaS Gespräch auf die äußere Po litii und machte zunächst über den deutsch-russischen Zwi- schenfall einige sehr interessante Bemerkungen. Er erklärte: Der deutsch-russische Zwischenfall anläßlich der Durchsuchung der Räume der Handelsvertretung hat zu einer bedauerlichen Spannung zwischen beiden Regierungen geführt. Wir haben von vornherein ohne Nervosität und in voller Aufrichtigkeit unser Bestreben darauf gerichtet, die Angelegenheit in einer die russischen Empfindungen aber auch unsre eigenen berechtigten Interessen befriedigenden Weise beizulegcn. Allerdings konnte niemand von uns verlangen, aus den von der Gegenseite in nicht immer maßvoller Form vorgebrachten Beschuldigungen Konsequenzen zu ziehen, ohne die Ergebnisse der Feststellungen unsere: eigenen Behörde abzuwarten. Nach een bisheriger, Ermittlungen ist das eine als feststehend anzusehen, daß die Rechte einzelner russischer exterritorialer Mitglied?' der Handelsvertretung tatsächlich verletzt worden sind. Die deutsche Regierung hat nichtgezögert, (!) der russischen Regierung insoweit schon jetzt ihr Bedauern auszusprechen. Sie nimmt an. daß von der Gegenseite ein gleich eS Berfahren geübt werden wird. (Nach der bisherigen russischen Praris ist diese Hoffnung beinahe kindlich. D. Red.) soweit iussi- schc Verfehlungen vorgekvmmen sind. Dabei ist davon auszu gehen, daß das Gebäude der Handelsvertretung als solches nicht exterritorial ist. MU Anrecht sind von der russischen Regierung für ihre Handelsveitretung die gleichen Vorrechte wie für ihre diplomatischen Missionen in Anspruch genommen worden. ES muß grundsätzlich berücksichtigt werden, daß man einem fremden Staat, der, wie Rußland es tut, in seiner Eigenschaft als wirtschaftlicher Anternehmer int Ausland austritt, insoweit nicht die gleiche Stellung einräumen kann, v'ie in seiner. Eigenschaft als Träger staatlicher Hoheitsrcchte. Darüber enthaüen auch die deutsch- russischen Verträge keine grundsätzlich abweichenden Bestimmungen. Ich hoffe, daß wir den Zwischenfall in der für beide Staaten wünschenswerten Werse beilegen werden. Wir werden Labei bleiben. den sachlichen Ton beizubehalten und uns durch manch« bedauerlichen Ausfälle von rusft-
Optimistische Auffassung der Lag« in Essen.
Essen, 16. Mai. Wie man von gewerkschaftlicher Seite f>5rt.. nehmen dieBerIiner Verhandlungen einen guten Verlauf. Es sei zu erwarten, daß noch Donnerstag abend ein Schiedsspruch gefällt wich, welcher beide Parteien besrrchigt. Die Arbeitnehmerverbände werden sofort, spätestens aber am Sonntag zu dem zu erwartenden Schiedsspruch in einer Revierko ufere nz Stellung nehmen. . 2 ‘
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Der Schiedsspruch gefällt.
Berlin, 16. Mai. Nach dreitägigen Verhandlungen ist über die Arbritsstreitigkeiten im Ruhrbergbau am 1. Mai abends, ein Schiedsspruch gefällt worden, dessen wesentlicher Inhalt folgender ist:
1. Ter Tarifvertrag für daS rheinisch-westfälische Steinkohlenrevier vom 1. August 1922 (Rahmenraris) ist in seinen wesentlichen Bestandteilen bis zum 30 Juni 1925 verlängert worden, besonders zu vermerken ist lediglich, daß die von den Bergleuten zu beziehende De- vn.iatkohle unverändert geblieben und der Preis aus
Slrd«n S6tt die
Berlin, 16. Mai. Der Reichsmini si -> r Aevßeren, Dr. Streseman n, gewährte Vertreter des »Westens" eine längere Rn-
$M MW MilMMhIttMß.
Berlin, 16. Mai. Nach dem end gültigen Ergebnis der Reichstagswahl sind W 388 391 gültige Stimmen abgegeben worden. Davon entfallen:
Das Programm der Mehrheit.
Paris, 16. Mai. Von einem Redakteur der Hava^agentur über das Programm befragt, das die neue Kammer durchzuführen habe, erklärten die Abgeordneten Herriot, Painlev£utw L 6 on Blum: Das Programm der neuen Mehrheit ist ein Programm der Aussöhnung und der internationalen Verständigung, das die gerechten Forderungen Frankreich» nicht außer Acht lassen dürfe. Es ist- aber ach ein Finanzprogramm, das zum Ziele hat. das Budget auszugleichen nach den Grundsätzen, die wir in der Opposition verteidigt! haben, also ein Programm des Kampfes gegen bte Lebensmitteltenerung und infolge
Hm Die MrmikiM.
[ Dio Forderung der Deutschnationalen, daß
sä,ec Selle nickt darin beirren lassen. DaS Ge- sviäch wandte sich dann dem Ergebnis d?11ran- zbs isckcn Wahlen zu. Dr. Etresemannäußerte sich dazu folgendermaßen: Im großen und ganzen wird der Ruck nach links aus innerpolistschen w e ans außenpolitischen Erwägungen erfolgt ,em. Frei- lich hatte gerade der französische Ministerprästdeat vor den Dahlen wiederholt den unbedingten ^ri mat der auswärtigen Politik betont. Sm Munster seines Kabinetts hatte noch wenige Tage vor der Wahl erklärt, der Wahlkampf gehe um Po- incaräs Außenpolitik. Diese These hat jedensaiiS die Mehrhest der Wähler nicht abgehalten, für den Block der Linken zu stimmen. Pro- phezeiunaen für die Zukunft kann ich nicht machen. Wir müssen unS aber jedenfalls vor Augen hallen, daß fick alle französischen Parteien darin einig sind, von Deutschland ein Höchstmaß von Reparationen zu ver- la na en. Dr. Stresemann betonte zum Schluß, jedenfalls würde für die großen Fragen, die in den nächsten Tonen zu lösen seien, nur dann die hierfür notwend ge Denkungsart vorhanden se.n, wenn die französische Regierung, möge eS nun wieder die bisherige oder eine andere sein, von lhrer bisherigen inneren Einstellung gegenüber Deutschland abgehe und sich darüber klar werde, daß gute Beziehungen zwischen beiden Böllern von der e- achtung der Gebote der Menschlichkeit abhängig seien Er denke dabei in erster Linie an die Aus- gewiesenen und Gefangenen von RheinundRuhr.
40 Goldpfennig pro Zentner festgesetzt worben ist. Er ist mit zweimonatiger Kündigungsfrist kündbar und läuft falls Kündigung nicht erfolgt, 3 Monate weiter.
2. Die Arbeitszeit wird in der Wehe geregelt, daß die Bestimmungen des Rahmentarifs aufrechterhalten worden sind, wobei aber eine besondere Regelung der Mehrarbeit stattgrfunden hat. Die Mehrarbeit beträgt: für die Arbeiter unter Tage und für die Arbeiter über Tage, die unmittelbar mit der Förderung zu tun haben, 1 Stunde, für die Arbefter in den Tagesbetnebrn betragt die Mehrarbeit bis zu 2 Stunden, hiervon sind allerdings diejenigen Arbeiter ausgenommen, di« unter besonders schwierigen Verhältnissen arbeiten. Dir Mehrarbeit wird entsprechend der geleisteten Stundenzahl vergütet, aber ohne besonderen Ausichlag. Diese Regelung entspricht im allgemeinen dem Zuswud, wie er seit Monaten ftüheren Vereinbarungen «ntlpreche-tb bestanden hat. Die Regelung der Mehrarbeit gilt btS zum 31 März 1926 und kann zu diesem Zeitpunkt erstmalig mit zweimonatiger Frist gekündigt werden.
3. Die Unparteiischen haben ferner zur Beendtgtmg der Arbeitsstreitigkciten vorgeschlagen, daß sämtlich« ArbeU- nehmer, sobald und soweit es die Betnebsmöglichkelt gestattet, wieder eingestellt werden und lediglich solche Arbeitnehmer ausgeichlossen werden dürfen, dte sich schwerer Verfehlungen schuldig gemacht haben. Im übrigen dürfen Maßregelungen nicht stattfinden. Die ausgefallenen Matschichten sollen im Hinblick auf die tariflichen Beütm- mUngen nicht als Unterbrechung des ArbeitSverhaltntftes galten. Die Löhne sind um 16 Prozent erhöht worden.
Nachdem der Vorsitzende, Vizepräsident H a u S- mann, die Verhandlungen geschlossen hatt^. lud d« Reichsarbeitsminister die Mttglieder deS Schiedsgerichtes und die Parteien nochmals zu sich und d a nk. e für dir rn den dreitägige» Vechandlungc-i geleistete aufopferungsvoll« Arbeit. Er wres auf die un- gewöhnliche Bedeutung der vorliegenden Arbtilsstrettrg- teiten hin und auf die furchtbare Berantwo» t u n g, die dir Parteien nunmehr bei ihrer Entscheidung über den Schiedsspruch zu tragen hätten und gab der ^osinung Ausdruck, daß der Arbettsfriede rm Ruhrgebiet möglichst bald hergestelt werde.
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Berlin, 16. Mai. Die Note der Sowietregie- rung ist bereits am 12. Mai dem deutschen Bot chafter in Moskau, Graf Brockdorff-Rantzau, überbracht worden. Eine Veröffentlichung der Dokumente durtte
wahrscheinlich erst nach lleberreichung der deutschen Antwortnote erfolgen. Da das Zentrum der Derban - lungen zurzeit in Moskau liegt, lehnt man in den hiesigen Sowjetkreisen jegliche Aeutzerungen * über deutsch-russischen Zwischenfall ab und betont, daß, t weniger man zurzeit über die Sache f
gedeihlicher das für die zu erfolgende Bet leg uns des Konfliktes sein werde. Man bebt tedoch we großen Bemühungen des Botschafters Grafen v. dorff-Rantzau lobend bervor. der ftch
Tage des Konflitts um die gütliche Beilegung desselben bemüht hätte.
Eine Sowjetnvte in Berlin.
Berlin, 16. Mai. In Berlin ist gesiern eine umfangreiche Rote der russischen Sowjetregierung eingetroffen, die zur Zeit noch übersetzt wird. Ma» nimmt an, bad ste di» t» Moskauer Mel
dungen bereit» angekündigten russischen Forderunge» au» Anlaß be» Zwischenfalle» in der Handels-Delegae Hon enthält. Die Kommunisten haben bte Einberufung be» anrwärtigen Ausschusseg zur Besorechung der Vorfälle in bet russischen Handelsdelegation beantragt.
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Bit smrMt MIltißW.
Poris. 16. Mai. D ie politisch« Situ» ation ist unverändert, bis zur Rückkehr Herriots, die im Laufe der kommenden Woche erfolgt. dürfte keme wesentliche Neuentwicklung «in- treten. Die sozialistische Partei ist sich Über di« Möglichkeit einer aktiven Zusammenarbeit mit d«U Radikalsozialisten noch nicht schlüssig geworden. 3» gendwelche Schritte zur Klärung der Frage sind »ot der Einberufung des Aationalkvn- g ress es am 1. Juni nicht zu erwatten. Immer- hin hat eine Reihe führender sozialistischer Persönlichkeiten bereits inoffiziell zu der Frage sowohl eine zustimmende als auch ablehnend« Stellung genommen. Leon Blum verwirft keineswegs eine Mitwirkung der Sozialisten an einem künftigen Kabinett. Der „Mattn* druckt heute früh Erklärungen von Paul Bonvvurt ab, die eine vorbehaltlose Zusttmmung im Sinn» einer Mitarbeit darstellen. Doncvurt meint, di« Sozialisten müßten aus dem hartnäckig erstrebten Wahlsiege die Konsequenzen ziehen, d. h. «n der Führung der Geschäfte und an be» Berantw ertung in hervorragende« Maße teilnehmen. Don radikalsozialiftischer Seite würde man eine Enthaltung der Sozialisten. wie aus der Morgenpresse hervorgeht, aufrichtig bedauern rind sogar zum Anlaß einer Neu- gruppierung der Parteien in der Kammer benutzen. Aus die letztere Möglichkeit deutet zumal ein Leit» artikel des ..Oeuvre" aus der Feder Robert b(l Iouvene I s hin. Ivüvenel ftellt fest, daß btt Zusammensetzung des künftigen Kabinetts einzig und allein von den Sozialisten abhünge. Für be» Fall, daß sich die Sozialisten tatsächlich zu einer aktiven Mitarbeit nicht entschließen könnten, wär« die Partei Herriots, die nur 150 Mitglieder zählt, außerstande, allein zu regieren und in di« Notwendigkeit versetzt, eine Erweiterung nach der rechten Seite hin vorzunehmen. Zum Schluß sagt Iouvenel. ein Verzicht der Sozialisten, in die Regier uvu einzutreten, sei unannehmbar. Das Lanv habe sein Geschick in die Hände des Kartell» gelegt. Keine dieser beiden Parteien dürfe sich der Mission entziehen, die eS ihnen zusammen übertragen habe, sonst würden sie eine noch schwerer« Derantwortung auf sich laden, als di Liebernahm« der Regierung selbst bedeuten würde. DaS Kattell würde dann nur eine Minute gedauert haben, aber der Sieg der Demokratie würde nicht Siel länger gedauert heben.
Herriot schweigt sich aus.
Paris. 16. Mai. Die politischen Kreise be- schäsiiger. sich mit der Lösung der Minister- krise, die eigentlich offiziell bereits eröffnet ist« De' Name Herr io t scheint nach wie vor im Dordergrund zu stehen. Herriot hat sich aber, trotzdem bereits in ihn gedrungen wurde, sich zi» äußern, noch nicht erklärt, ob er di e Bildung des Kabinetts übernehmen würde Heber die Zusammensetzung des neuen Ministeriums macht die Arbeiterpresse allerlei Vermutungen; ei was Bestimmtes kann indessen noch nicht bekämpfen wollen, um nicht den Sieg, gen wird, ob die Sozialisten an der Regierung teilnehmen werden oder nicht. Iniierh.stb deS Linkskartells herrscht einstimmig die Auffassung, daß sich sämtliche Parteien innerhalb deS Kartells nicht bekämfen wollen, um nicht den Siez, den sie in den Wahlen errungen haben, zu schwächen. ES scheint, daß Millerand entgegen den Vermutungen nicht abdanken will: aber daS LinkSkartell ist bereit, sofort nach der Lö- sung der Ministerkrise durch seine Haltung Millerand zum Abdanken zu zwingen.
Wrrbinitt alsbald seinen Rücktritt anbieten und der Entente gegenüber keine bindenden Erklärungen abgeben Hlle, beruhte hauptsächlich auf der Voraussetzung, daß tzvn den Mittclparteien ein Zusammenarbeiten mit den Sozialisten erstrebt werde. Eigentlich aber war der Be- Wuß des deutschnattonalen Parteivorstandes schon tiber- | flüssig gemacht worden durch die Stellungnahme der | D V. P.-Fraktion. Wenn diese Pattei den Mittelblock beiwirst und einen Kabinettswechsel als selbstverständlich «nsieht, kann keine Festlegung nach links erfolgen. Abei die Rechte scheint dieser Erklärung der Nachbarpattei nichr gam zu trauen. Und man muß eingestehen, daß ihr farin die Antwort der Reichsvegierung gewissermaßen I recht gibt. Tas hat als Basis die Rechnung, daß Mitte Rich Sozialisten zusammen stärker sind als die Opposition ton rechts und links. Eine solche Ausstellung macht bock «ach der Lösung der „Großen Koalitton" im alten Reichstag und nach den Neuwahlen eines etwas peinlichen Ein- dnick. Mag man ohne westeres das Uebergetvicht der Außenpolitik zngeben, so sind doch die Reparationsfragen Unlösbar verbunden mtt innerpolitischen Problemen hei- klftcr Art. Sollen die auch mit den Sozialdemokraten ins? gegen die Deutschnationalen gelöst werden?
Die Antwort der Reichsregierung schließt einen Ka- iinettswechsel beim Zusammentritt des Reichstages nicht «us, macht aber zur Vorbedingung eine Klärung der Ansichten der Deutschnattonalen über das Sachverständigen- rutachten. Nun ist es gewiß richtig, daß diese Klärung lud dann eine Einigung mit der Mitte über den außenpolitischen Kurs erfolgen müßten, ehe sich der große Nürgerblock bilden könnte. Aber hätte man nicht die Luft gereinigt und jene Entwicklung beschleunigt, wenn man den Rücktritt des Kabinetts Marx z. B. für den S Mai angekündigt hätte? ist kein Geheimnis, baß diese Ansicht auch im Reichskabinett vettreten war. Man muß bedauern, daß sie nicht durchgedrungen ist. Nun gehen die Angttfse gegen die „klebenden" Reichs- »inister weiter, und die Stimmung zwischen den bürgeo- kichen Patteien wird immer gereizter. Im Interesse des Reiches würde es aber liegen, wenn man mit allem Eisir den Versuch machte, den großen Bürgerblock zu- stnnmenzukttegen. Ter wäre erstens zahlenmäßig starker «ls di- Koalition Mitte—Linke und entspräche zweitens politisch viel mehr dem Ergebnis der Neuwahlen. Es ist kenn doch gar zu einseitig, alles nur auf d« eine tJra.jt iinauszuspielen: sind die Gutachten glatt anzunehmen? Senn unmittelbar darauf die Koalition zerbricht und tzin Chaos eintritt, ist dem dentkchen Volk in nichts Pholfen
t
Stimmen
Bei. Sozialdemokratische Partei
6 014 380
Deutschnationale
5778313
Zentrum
3 920 798
Kommunisten
3 746 671
Deutsche Volkspartei
2 640484
Deutschvölkische Freiheitspartei
1924 553
Demokraten
1647 954
Bayerische Volkspartei
946 699
Bayerischer Bauernbund
684 395
Landliste
575 280
Deutschsoziale
337 924
Deutsch-Hannoveraner
319 779
Lnabhängige
234 708
Rationale Minderheiten
133 546
khristlich-soziale Volksgemeinschaft
124 626
Sonstige Gruppen zusammen
349 531
Der Reichstag umfaßt 472
Mitglieder,
He sich wie folgt auf die einzelnen Parteien ver-
teilen:
Ber. Sozialdemokratische Partei
100 Mandate
Deutschnationale
96 „
Zentrum
65 „
Kommunisten
62 „
Deutsche Volkspartei
44
Deutschvölkische Freiheitspartei
32 „
Demokraten
28 „
Bayerische Volkspartei
16 ,
Bayerischer Bauernbund
10 „
Landliste
10 „
Deutsch-Hannoverauer
5 ,
Deutsch-soziale
4 „