lmhMche Jeituiiß
Zweites Blatt
Nr. 110
Sonnabend, 10. Mai
1924
Rücksichtnahme von selbst!
—mm.
Tel. 594, 595, 51
Preisliste auf Wunsch.
ur. 1 humpsoiis beiienputver (Marke Schwan) das Paket 30 Pfennig.
liefert blendend weiße Wische niii dem frischen Duff der Rasenbleiche
Linker, Ca5seI-Wi!h.3Q
Verkaufsstelle Cassel-Altmarkt
vember vorigen Jahres wurden nur 8 Konkurse gezählt. Seitdem ist diese Zahl stetig bis auf 133 im Avril 1924 angewachsen. Der Mai, an dessen Monats- fcjluh bekanntlich noch größere Lieferungsgeschäfte, di« auf Frankenbasis abgeschlossen find, zur Abwicklung gelangen als im Avril, wird zweifellos noch zahlreiche weitere Zusammenbrüche schwacher oder durch Fehl- svekulationen zugrunde gerichteter Firmen bringen. Es kommt hinzu, daß der scheinbar günstige Geschäftsgang auch die Zahl der Lohnbewegungen wieder stark anschwellen lägt. Besonders im Ruhrbergbau, aber auch im oberschlesischen Kohlenbergbau ist die Gefahr eines General st reiks wieder am Horizont auf» geraucht, und die Herstellung einer neuen Lobnverein- barung gestaltet sich umso schwieriger als die Industrie schon in kürzester Zeit eine allgemeine Preisherabsetzung wird ins Auge taffen muffen, weil nach dem Abflauen oer starken Warennachfrage im Inlande, die unvermeidlich ist. die Wiederherstellung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zur Notwendigkeit wird. Der Roheifenverband hat zwar in letzter Woche noch eine Heraufsetzung der Roheisenpretse beschlossen. Aber hier liegt eine Ausnahmeerscheinung vor, die dadurch ermöglicht wurde, daß infolge der Besserung des französischen Franken die lothringische Konkurrenz der deutschen Eisenindustrie ihre Weltmarktpreise ebenfalls beraufsetzen muhte.
Ganz anders liegen die Dinge aber in der d e u t- schen Textilindustrie die sich längst von den toeltmartnrreijen unabhängig gemacht hatte und — unter Verzicht auf Exportmöglichkeiten — im Inlande S.! überaus hoben Preisen einen erstaunlich guten Absatz ihrer Waren fand. Es hat aber den Anschein, als ob auch diese Scheinkonjunktur ihren Höhepunkt schon beträchtlich überschritten bat. Sobald der Warenhunger nach Textilerzeugnissen, der noch aus der Inflationszeit stammt, einigermaben befriedigt ist, wird es den Kartellen nicht mehr möglich {ein, die heutigen, anormal hohen Preise aufrechtzuerhalten. Die Kavital- und Kreditnot wird dann den mit Vorräten (z B. unbezahlten.) überlasteten Handel zwingen, zu weit niedrigen Preisen zu verkaufen, um flüssiges Geld zu erholten. Je mehr die Reichsbank notgedrungen zu weiteren Kreditrestriktionen übergeht, desto früher wird das unhaltbare Preisgebäude zusammenstürzen, das bisher durch Preisvereinbarungen aller Art und durch Beibehaltung der Kalkulationsmetboden der Inflationszeit künstlich aufrecht erhalten wurde. Erst wenn die Textilindustrie wieder auf einem normalen Preisniveau angelangt ist, kann sie an eine Wiedereroberung des Exportgeschäfts denken, ohne die sie auf die Dauer nicht existieren kann und die auch im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse unbedingt notwendig ift,_ damit der jetzige Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr in Höbe von 200 Millionen Mark monatlich endlich wieder beseitigt wird. Bis dieser Zustand freilich erreicht sein wird, dürfte gerade die Textilindustrie eine erhebliche Krise durchzumachen haben.
sind weltberühmt und unerreicht Modelle 192« in höchster Vollendung Oberen erhlUhCh
mal das Einjährige gehabt hat. Meine Mutter ist nicht in der Pension gewesen wie meine 5rm, oie doch wenigstens für zwölfhundert Mark Bildung in die Ehe mrlgebracht hat! Bonn, Pensionat für höhere Töchter! Wir haben uns erst später verfeinert, aiS die Weinpreise stiegen." Der Lüm. mel bekam einen Hustenanfall und Fräulein Schmidt muhte ihm den Rücken klopfen.
Grete saß mit blitzenden Augen empört in ihrem veilchenblauen Ehiffonkleide am Tischende und bewegte heftig den Heinen Fächer.
»Jeder urteilt aus dem Nest heraus, in dem er geboren ist. Ich aus dem meinigen, Sir aus dem Ihrigen. Aber in einem Punkt find wir alle einer Meinung, nämlich in dem nationalen."
„Bravo!" rief der General und erhob fein gefülltes Glas. Die Hausfrau benützte den Augenblick, um den Sekt reichen zu lassen. In das erregte Stimmengewirr erHang plötzlich das Klavier aus dem Salon. Änd Ernsts Tenor fetzte ein: „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein.-...• ""
Die Damen fielen jubelnd ein, dann kamen auch die Herren, und besonders tat sich der General hervor mit feinem schönen Bariton. Gr hatte früher viel in Wohltätigkeitskonzerten gesungen, und seine Frau war sehr stolz auf feine Stimme.
Beim zweiten Bers trat auch der dröhnende Baß Herrn Kostins hervor. Das fang er doch gerne mit: „Wenn sie wie gier'ge Raben sich heiser darnach schrei'n."
Mit diesem Gesang schloß man Frieden...
Dann paarte man sich wieder und ging in den Salon, wo der Kaffee schon auf dem runden Salontisch stand und die Zigarrenkisten sich um eine brennende dicke rote Kerze scharten. Lutz reichte die unerschöpfliche Zigarettenkiste „Neptun", es war. Gott sei Dank, die letzte — aber die kluge Liane
»rbeituwb Sparsamkeit^
tum5. Dorum färben alle praktischen Hausfrauen ihre Mei- der, Blu'en, (fatöinen u. f. w. nur mit den weltberühmte, echten Heitman«'» Farben, Marke Üuchstopf im Ster«.
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gierung alles tun können, um die Wahlen durch große Be- amtenschubs und andere rigoröse Methoden in ihrem Sinne zu beeinflussen. Es liegt also die wohlbegründete Vermutung nahe, daß diese neue Seiyuhonto die durch die Verteidigung der Regierung Kiyoura ganz besondere politische Geschäfte für sich zu machen hofft, wirt- lich als die M e h r h e i t s p a r t e i in den japanischen Reichstag wird einziehen können. Auch das Schlagwort von der Einführung des allgemeinen Wahlrechts, was die Oppositionsparteien auf ihr Banner geschrieben und als zugträstigste Wahlparok ausgegeben haben, wird den wahrscheinlichen Sieg der Seiyuhonto nicht verhindern, denn auch nicht allzu ernst und weiter sind ja gerade die Kreise, die ein allgemeines Wahlrecht wünschen, von der Wahl ausgeschlossen. (Von c. 57 Milkonen Einnohnern dürftn nicht ganz 4 Millionen wählen?
Sv ergeben sich also auch im ferneren Oste» f S r uns nicht allzu rosige Aussichten. Aber gerad? dar soll uns in besonderem Maste anivornen. immer wi.ver auch hierhin unsere Aufmerksamkeit zu lenken, uno gerade weil Frankreich jetzt in Tokio Oberwasser hat und gegen uns dort arbeiten kann, must gefordert werden, daß möglichst bald der Boffchafterposten dort wieder besetzt wird. Durch unsere sonst guten Be- ziedung-.n zu " •y-'”t auf kulturellem unb wirtichaitlichen ßfebiet ist a. ,.q -gr günstiger Boden geschaffen, von dem aus wir uuaj tine aussichtsreiche politische Betätigung einleiten können. Jedenfalls müssen energische Versuche in dieser Richtung unternommen werden, um auch im fernen Osten Rhei<j, Ruhr und Saar zu verteidige»,
Die itsliriM-iimÄA ArniWiim.
, Am 10. Mai finden in Japan die Neuwahlen zu dem am 31. Januar durch das Kabinett Kiyour.i aufgelösten Reichstage statt. Sie sind für uns Deutsche durchaus nicht gleichgültig, sondern pon dem Auswahl der Wahlen wich es abhängen, ob das Kabinett Kivoura am Ruder bleiben wich oder nicht, und das ist gleichbedeutend mit einer weiteren Festigung der französisch-japanischen Beziehungen oder mit deren Lockerung. Vicomte Kirvura übernahm bekanntlich erst qm 7. Januar -die Ministerprän- dentenschafi und die Bildung eines neuen Kabinetts, da infolge d.s Attentates auf den Prinzregenten Hirschito sich bas Kabinett des Admirals Aamamoto zum Rücktritt ge- ^vungen sah. Kivoura warf das Steuer des außenpolitischen Kurses völlig herum, er verließ die Bahnen der Anssöhnu ngtzpoliti! mi t Rußland, die sein Vorgänger mit so großem Eifer beschritten hatte um dafür wieder engere Fühlungnahme mit Fcank- « ich zu suchen. -
■ i Bezeichnend für den Fortschritt dieser javanisch-sran- zöftschen Annäherung, sind besonders drei Ereignisse ir den letzten Wochen Einmal die Entsendung e i ne r japanischen Militärmission nach Frankreich, zweitens die bevorstehende Erneuerungeines japanisch-französifchen Handelsvertrag s pnd drittens die Antwort, die die japanische Regierung aus den Bericht der Sachverständigen gegeben hat. Mag diese Antwort in ihrem Wortlaut noch so vorsichtig gefaßt sein, so verrät sie doch für den, der sie richtig za lesen versteht, und vor allem durch ihre Gegenüberstellung mit der Antwort, welche die Regierung Kato im August 1923 auf ähnliche Vorschläge des deutschen Kabinetts Enno gab, daß man in Tokio tu freundlicher Unterstützung Frankreichs und den zu erwartenden Verhandlungen über die Entscha digungsftage bereit ist. Denn damals antwortete Kato daß Japan kein Interesse an diesen Fragen nnö zu diel mit sich selbst zu tun habe- jetzt dagegen ist man mit einem Male für die Mitarbeit bereit, obwohl Japan infolge des Erdbebenunglücks und der sonstigen schwierigen Innerpolitischen Lage wegen noch mehr mit sich selbst beschäftigt ist. Tie Folgerung aus diesen Antworten zu ziehen, ist also wirflich nicht allzaschwer. Hinzu komm: nun noch, daß geradeamWahltagederfranzö- sische Gouverneur von Jndochina nach Ja- pan zu besonderen japanisch-französisch en Verhandlung en eintrifft, und auch da? muß weniger als Zufall, sondern als eine besonders pol"ich: Absicht gewertet werden.
kl Was nun aber gerade heute eine japanisch-französische Intimität für uns bedeutet, wo die Entschädigungsverhandlungen in das bisher entscheidenste Stadium getreK r find, darüber fönm-n wir nach den traurigen Erfahrungen, hie wir bainit in Oberschlesien, auf der Genuakonfererz, in der Ruhrfrage und anderswo machen mußten uns Ainem Siwifel mehr hingeben. Es ist nun auch in der Tat sehr wahrscheinlich, daß dir Wahlen für Ki- vcura aus fallen werden, und damit für einen starken frankophilen außenpolitischen Kurs. Denn es ist Kivoura bereits kurz vor der Auflösung des Reichstages gelungen, die Hälft, der Mehrheitspartei, die Seiyuhonte, zu bilden. Mit Hiise dieser Anhänger der Seiyuhoute hat die Re-
Der Liederabend Amalie Merz- Tunner.
Man muB es der Leitung des Marburger Konzertvereins hoch anrechnen. daß sie bei den heutigen fchwie- iloen Zelten erfolgreich bemüht war, uns mit dem Liederabend der gefeierten und von uns kürzlich schon eingehend gewürdigten Münchener Künstlerin einen cuserleiencn Genuß zu bieten. Wo, wie hier, reichste stimmliche Begabung, vorzügliche, gesangliche Bildung und ein ursprüngliches musikalisches Erfassen sich vereinigen, da schweigt fast jede Kritik und auch der Re- i 68»
hatte sich ihre eigenen Zigaretten mitgebracht. „Nee, danke, Lutz! Deine Neptun rauche selber."
Ernst spielt« eine Sonate von Brahms.
»Sie ist der Gräfin Hohenthal gewidmet," flüsterte die Generalin auf dem Sofa den Damen zu, und der ßümmel, der sich neben dem Ösen im Lcheukelstuhl wiegte, fügte laut hinzu: „Das Aas hat fünf Sätze!" Dann mußte Ernst auf Wunsch des Generals zur „Tertauften Bram" übergehen. »Seht am Strauch die Knospen springen, hört die muntren Vögel singen" —. Ernst spielte entzückend. «Jeder leicht sein Schätzlein findet in der Jugend heißen Jahren," summte der General und zwinkerte Liane zu, welcher der bezauberte Fähnrich nicht von der Seite wich.
Man bestürmte Liane, etwas vorzutragen. ut:b sie erhob sich, umringt von den Herren.
Nein. diele Liane, überall machte sie Eroberungen, der Fähnrich hatte für sonst niemand mehr Augen noch Ohren, der korpulente Major Link«, der v;> Grete während der Tafel nur von oc» steigenden Mietpreisen gesprochen, hiell Lianes Strauhen'ächer, während der Graf, die leere Muk- kalrffe in der Hand, auf einem viel zu niedrigen Pufs sitzend, finster seine Nebenbuhler aas dem $)»!< erhalte bewachte!
Zuletzt tanzten Lutz und Herbert einen (Sonnen, bei dem sie wie berufsmäßige Tänzer durch die Zimmer wirbelten, daß, die Kronleuchter z-ttcrttn. Herbert markierte Dame, schmachtend gegen Lutz' Herz aelehnr...
,.Wo er das nur her haben mag, der Lümmel!" Fräulein Schmidt auf dem Sofa hielt sich die Seiten vor Lachen. And die Generalin neben ihr sagte kr pfschüttelnd: „Ja, irgendwo muh er es gesehen haben."
Dann wurden belegte Brötchen gereicht und die Bowle hereingetragen.
Auf Wunsch des Generals wurde nun das
Nachdruck verboten.
Die Herweghs.
Roman von LieSbct Dill« ilrhrberrecht bei M. Feuchtwarrgitz. Halle e. S,
25, Fortsetzung
V Tl'ls wandten sich gegen den-freisinnigen Wein. iHäntler, der sich sogar erlaubte, von ..erlauchten Trotteln" zu sprechen. Die Generalin ,.und eine Todesangst aus. der Graf könne plötzlich auf- brechen, und der korpulente Major Linke sah in feinem engen, hohen roten Halskragen aus, als vb ihn jeden Augenblick der Schlag rühren könnte.
I, Es war überheizt und roch stark nach Tuberosen, f »Wir leben angeblich in einer freien Zest," rief Kolliv.
' -In einer sehr freien Zeit," betonte die Gene- »Hin mit einem Seitenblick auf Liane.
। Nun. davon hatte Herr Kollin noch nie etwas gemerkt.
’ So, worüber konnte er sich denn als freier .Bürger hier beklagen? Hier, im Westen! —Ma- { lor Linke strich aufgebracht seinen blonden Schnurrbart. »Ich habe da gestern einen Kameraden gesprochen, der aus dem Osten kommt, er ist empört
„Warum bleibt er denn hier?" grollte Kostin. »Ich habe schon oft gehört, daß gerade wegen des vergnügteren Lebens die Leute an den Rhein <ehen. Aber ich habe noch nie gehört, daß sie deshalb das Land verl.ffen. And wenn Sie mir das freie Zeitalter zugeben, meine Damen und Herren, so muß es doch einem einfachen Bürger vergönnt fein, feine Meinung zu sagen."
- „Ich habe leine Kinderstube gehabt, wovon «an sich j, heute wieder überzeugen kann," fuhr Kollin fort, feinen Dollbart zärtlich streichedtd. .Ich bin von einem Tater aufgezogen, der nicht ein
Wl-MttM
Die Berichte über die wirtschaftliche Lage, die kürzlich verüffentticht worden sind, zeigen trotz der erdeb- lichen Pasivitat unserer Handelsbilanz eine Verbesserung der geschäftlichen Konjunktur, die allerdings in der Hauptfach« der starken Rach- irage auf dem Jnlandsrnarki zu verdanken ist. Die Arbeitslosenziffern bestätigen die Feststellung einer Hebung des Geschäfts in den Jndustrie- berichten vollkommen. Rach den Ergebnisien der Stich- tagszäblungen bei den Arbeitsnachweisen war die Zahl der Arbeitsuchenden, die am 18 März noch 1 459416 betragen batte, schon am 15. April bis auf 869 899 aetatten. Sie ist. seitdem zweifellos noch weiter zu- ruckgegangen. Es ist besonders bervorzuheben, daß diese Befierung der deutschen Wirtschaftslage in einer Zeit schlimmster Geldnot erreicht worden ist.
Eine Entspannung auf dem Geldmarkt *•* bisher in keiner Weise eingetreten. Der erste Abschluß der neuen Golddiskontdank zeigt zwar, daß von dieser bisher Noten noch nicht ausgegeben worden lind, daß man also von dieser Seite her «wch eine gewisse Erleichterung zu erwarten hat. Aber der Bilanzabschluß läßt andererseits auch deutlich erkennen, daß das Kapital der Golddiskontbank viel zu klein ist, als daß man von ihr eine durchgreifende und dauernde Linderung der Kavitalnot erwarten könnte. Auf der anderen Seite aber muß diese Kavitalnot wenn sie auch lange andauert, auch auf den Geschäftsgang int inneren Warenverkehr sehr schädlich wirken. Die Statistik der Konkurse, deren Anschwellen stets eine Begleiterscheinung der herannahenden Krise zu sein pflegt, weist für Avril bereits fast eine Verdoppelung der Konkursziffern gegenüber dem März auf. Im Ro-
zenkent kann sich eine Stunde der Feier und des (5e üusse» vergönnen. In Frau Merz-Tunners Tönen kanr man ausruben, ihr wunderbares Organ schenkt um Klänge von ungeahnter Schönheit und die souveränz Beherrschung ihrer Stimmittel läßt jenes in alle, Registern gleich ausgeglichen und tonschön in Erscheß nung treten.
Die reiche Auswahl der Lieder von Fr. Schubert Rob. Schumann, Joh. Brahms und Hugo Wolf gäbe, der Sängerin Gelegenheit, ihrer Künstlers-Haft nach de, verschiedenen Richtungen hin die höchste Bedeutung ztu kommen zu taffen, den Hörer im Banne des Liede« und bet Dichtung zu halten, alle Saiten des Gemüt« und der Seele zu stimmen auf Sehnen und Hoffen, Leid und Entsagen, Liebe und Schmer». Die ganz« glühende Farbenwelt des individiLLen Seelenmaleis Schuberts tat uns die Künstlerin auf in „Gott im Frühling" — „Wohin? — „Eomymed". Die eigensten Affekte, die Schumann seinen Liedern aufvrägt, sein schwärmerisches Verlangen, verwirklichte sie in „Er ist'»" — „Stille Tränen" — „Mondnacht". Die Lieder von Brahms fanden in „An die Nachtigall" — „Der Kranz" ihre Meisterin. Bei dem Liede „Unbewegt« laue Luft" fühlte man sich hingerissen von der schmetternden Ausdruckskraft, in der die Sängerin ihrem ganzen Stimmumfang freie Bahn und der Begleitung keine Uebertönung zukommen ließ. Den Mörikeliedern von Hugo Wolf gab die Künstlerin in „Der Genesende an die Hoffnung" eine ungemein feelennolle, rührende Auslegung. Und bei keinem der Vorträge war etwa eine zu volle Ausgabe der Stimmkraft oder Schärf« in der Höhe bemerkbar: immer wieder mußte man der seltenen Modulationsfähigkeit des Organs, dem Temz oerament und der nie versagenden Charakterisierungs- fünft Bewunderung zollen. Ihrer reizvollen und vor allem so weichen Stimme weiß die Sängerin die zarz testen Niianzen einzuschmeicheln. Sehr wesentlich ist auch die Mischung von Reinheit und Wärme, mit denen sie in das Innere der Gesänge bringt, die meisterhaft« Beherrschung der Deklamation, unb — ber. betagt« minnenbe, künstlerisch gereifte Vortrag.
Als Partner am Klavier bewährte sich roiebet al« ausgezeichneter Begleiter Dr. Franz Uhlendorff-Tassel, ber seine Ausgabe mit geistiger Erfassung ber romatw tischen unb plastischen Tonmalerei, sorgsamer Detailbe« Handlung, bewußter Anschlagskunst unb technische, Fertigkeit aufs beste löste. — Dem nicht endenwollem den enthusiastischen Beifall konnte sich die gefeiert, Künstlerin nicht verschließen und verabschiedete sich mq einigen Zugaben, die man noch mit großer Freude untz Andacht, z. T. „stehenden Fußes", dankbar entgegen, nahm. — Den jungen Damen und Herren bet 6teb< platze nach dem Flut zu würde man verbunden sein, wenn sie vor Beginn des Konzerts den Hettschatteq (namentlich älteren Tarnen) das Einnehmen ber Sitz» plätze bedienter machten, in dem sie sich nicht, wie fast immer, dicht vor diese aufftellen, die Passage verhindern und jeden einzelnen Besuchet erst zwingen, um Durchgang zu bitten Wo anders versteht fich dies,
RaubeNied angestimmt: „Ein freies Leben führen^
wir."
Lutz hatte sich auf das Sofa hii.e: fern Ktt* vier zurückgezogen, er wehte sich, von den Anstrengungen des Tanzes ermattet, mit dem Battisttuch Luft zu.
„Nun, Grete," fragte er. als die hübsche Schwägerin vvrbeitam. „wie stehn die Eppenh ausenei Aktien?"
Man mußte leise reden, denn Ernst trommelte dicht daneben auf dem Klavier
Sie zuckte die Achseln und setzte sich zu ihm
„Ernst ist gar nicht mehr nett," gestand sie mit gelenkten Wimpern. „Den ganzen Tag seh' ich nichts von ihm, und abends liest er den „Kurier."
„3c, fr sind wir Ehemänner nun einmal.. / sagte Lutz, der eine Gefahr für seine Tugend in diesem plötzlichen Vertrauen witterte. Wenn et nicht gerade -Ernsts Gattin gew'/en axite, hm eS war wirklich schade... daß es so war.... Ei betfu^tc es mit väterlichem Zureden. „Man muj vernünftig sein, Grete."
'Fortsetzung fahrt )
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