I Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Mardmg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Kt. 106
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Marburg
Dienstag, den 8. Mai
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59. glfcl, 1924
Die Wahlen im Reiche.
8m 8eW irs neu« SWois.
Wenn sich in dem Reichstage, den sich das deutsche Bolt am 4. Mai gewählt hat, auch, rein zahlenmäßig gesehen, die Koalitions- und Kombinations- Möglichkeiten nicht entscheidend verändert haben, so weist doch in seinem Aeußeren die Zusammensetzung fces „Hohen Hauses" ein deutlich verändertes Gesicht «lf, in welchern die in der Willensrichtung beträcht- 8ch geänderte Volksstimmung zum Ausdruck kommt. Ne Wahlbeteiligung dürfte sich, obwohl es anfangs den Anschein hatte, als sei das deutsche Volk in diesem Jahr besonders zahlreich zur Urne geschritten, hoch in den Grenzen der vergangenen Wahl halten. Ne Anzahl von etwa 460 Abgeordneten dürfte wieder erreicht sein.
Die sozialistisch-kommunistische Linke hat eine Einbuße von ungefähr 35 Stimmen erlitten, die wiederum der beträchtlich gewachsenen Rechten zv- gnte gekommen sind. Innerhalb der sogenannten Marxistischen Gruppen ist eine starke Gewichrsver- schiebung nach links hin eingstreten. Das Verhält- Ms von Sozialisten und Kommunisten betrug im alten Reichstage 173 zu 15, im neuen etwa 100 zu 60. Der „Vereinigung" der beiden sozialistischen Parteien hat anscheinend 'in der Hauptsache die Führer zusammengebracht, während die Wählerge- ^lgschaft der ehemaligen U. <5. P in großen Masten xr den Komunisten hinübergewandert ist. Die Demokraten haben ebenfalls Einbuße erlitten. Sie, die 1920 von io auf etwa 40 Mandate zusammen- schrumpften, werden in Zukunft noch nicht 30 Vertreter aufweisen. Immerhin ist ihr Stimmverlust nicht so groß, als es anfänglich befürchtet wurde. Das Zentrum hat sich wie immer im wesentlichen behauptet. Diese Mandatsbehauptung ist umso Höher zu bewerten, als im abgetrennten Oberschle- ßen ein beträchtliches Stimmenressrvoir gerade der Zentrumspartei verloren gegangen ist. Die Bayrische Kolkspartei hat eine Reihe von Mandaten den Völkischen lasten mästen. Die Deutsche Volks- Mrtei hat wohl den schwersten Schlag erlitten. Früher besaß sie 66 Mandate, im neuen Reichstag etwas über 45. Ihr hat weniger die Nationalliberale Absplitterung, die wohl nur mit Hilfe der Reichslandliste einen oder zwei Vertreter ins Par- ßrmeut schicken wird, Abbruch getan, als die Deutsch- Nationale Dolkspartei.^die neben den Kommunisten Hie größten Erfolge aufzuweisen hat. Gegen 67 Mandate im alten Reichstag wird sie im neuen Labe an die Hund^rtzahl herankommen. Die Völ- 8!chen haben eine gewiße Enttäuschung erlitten. Immerhin haben sie gegen drei Abgeordnete im alten Reichstag, sich ungefähr verzehnfacht. Hinzu kemmen dann noch etwa 15 Stimmen der kleineren Rechtsgruppen und 9—10 Stimmen der kleinen Mittelgruppen. ~'.W,bedeutendste dieser Gruppen ® wohl die SEj O Partei, die 6 Mandate hat, ba sie aber nv w usäyer. Bauernbund zusammen- »ht, mit l<k* Konten als Gruppe in den Reichs- *•9 zum > Male eintreten. Eine respektable Leistung.
Ein Bargerblock von Teutschnationalen bis Zentrum würde etwa über 237 Sitze gegenüber 211 kitzen der sozialistischen Gruppen, der Demokraten wie der Völkischen verfügen können. Noch günstiger würde sich das Bilo gestalten, wenn die etwa 30 Demokraten-Sitze hinzukämen. Eine große Koalition ist zahlenmäßig ebenfalls noch möglich, mit eher ohne Einschluß der Deutschen Volkspartei. Sie würde allerdings auf etwas schmalerer Basis stehen. ■ Das Perfonendild im großen Sitzungssaal am ^nigsplatz hat sich, wenn auch die Maste der Ee- ßchter sich gleich geblieben ist, doch um einige mar- fcnte neue Züge verändert. Es fehlen von den Deutschnationalen Dr. Helrferich, von der Deutschen Bolkspartei Hugo Stinnes. Aus der Bayerischen «olksparter ist Jt>ie hochgewachsene Gestalt des Bauerndoktors Heim verschwunden. Aus den demo- ttatischen Reihen sind die alten parlamentarischen Kämpen Pachuicke und Eothain ausgeschieden. Mit Hugo Stinnes ist auch Generaldirektor Voegler, der Sührer des industriellen Flügels der Partei, nicht wieder erschienen.
An neuen Gestalten sind unter den Deutschnatio- llalen in erster Linie der Großadmiral v. Tirpitz zu rennen. Der junge Fürst Bismarck rechnet seines Namens wegen ebenfalls zu den int neuen Reichstag ^merkenswerten Persönlichkeiten. Prof. Martin Epahn wird im Gegensatz zu seinem Vater, dem Zentrumsvetcranen, ebenfalls in den Reihen der Rechtsparteien sitzen. General Ludendorff wird als Führer der Deutschvölkischen Freiheitspartei ein- -rehen. Einen Namen geschichtlichen Klanges trägt »uch der deutschvölkische Abgeordnete v. Mücke, der wegen seiner kühnen Krcuzerfahrten berühmt ist.
Rach den ücrechnungen, deren Ergebnis das Büro Dcu.'ichnationalen Bolksvartei mitteilt, betrachtet uic bis zur Stunde als sicher gewählt 88 drutsch - etionale Abgeordnete durch die Stimmen in CUI einzelnen Wahlkreisen, und 14 durch Berech.
nung von Rest stimm en auf die Reichsliste. Dazu kommen noch 8 Abgeordnete von den Lano- b u n d l i st e n in Thüringen. Württemberg. Baden und Hessen, so dah insgesamt 110 deutschnationale Abgeordnete in den neuen Reichstag einzieben dürsten. Die Tatsache, dah die endgültigen Zahlenergebniste der Wahlkreise Breslau und Westfalen-Nord noch aussteben. dürste an der obigen Berechnung nichts mehr ändern.
' Tji
Darnach würden sich die Mandate in folgender
Weife verteilen:
Deutschnationale Bolksvartei , 102
Landbund und Nationalliberale Vereinigung 8
Deutsche Bolksvartei 44
Wirtschastsvartei U
Deutschvölkische Freiheitspartei 28
DeutschSoziale i
Zentrum 61
Demokraten . .. 25
Sozialdemokraten - • -- 99
Kommunisten - 59
Bayerische Bolksvartei 15
Deutsch - Hannoveraner 5
Bayerischer Bauernbund 4
Wie die Reichsgeschäftsstelle der Deutsch-völkischen Freiheitspartei mitteilt, wären nach den bisher vorliegenden Wahlergebnisien insgesamt 33 völstsche Abgeordnete mit Bestimmtheit gewählt. Durch Stimmenverechnung auf der Reichsliste würden fcie Völkischen wohl noch zwei Mandate dazubekommen.
Ergebnis der Württembergisthen Landtagswhal.
Stuttgart, 5. Mai. Württemb. Bauernd. 240162 (10), Deutsche Volksp. 75 040 (3), Zentrum 248 704 (11), Demokr. 125 624 (6), Sozialdemokr. 190 323 (8), Kommunisten 138 584 (6), Völkische 47 283 (2), Geussen 15 076 (1), Freiwirtschaftsbund 3749 (1), Land- u. Volksb. 627, Vater!. Völk. Rechts- 124502 (6).
Mannheim, 5. Mai. Dach einer Meldung aus Speyer liegen über die bayrischen Land- tagswahlen in der Pfalz jetzt folgende Resultate vor: V. S.P. D. 80 728, Deutscher Block 29 96k. Kommunisten 42 641, Deamtengruppe Ära» tefiel 3536, Zentrum 31690, Bayrische Volksvar. fei 61 104. Vereinigte nationale Rechte 80 589, Haeußerbund 9, Völkischer Block 14693.
Ludwigshafen, 5. Mai. Zum Volks- entscheid über die Aenderung der bayrischen Verfassung stimmten mit ja 8353, mit nein 28119.
Das Ergebnis der Königsberger Stadtverordneten» wählen.
Königsberg, 5. Mai. Deutschnat. 16 745, B. S. P. D. 13127, Demokraten 5796, Dt. Volksp. 23 98, Deutsch-soziale 5660, Litauer 24 325, Kommunisten 23197, evangelischer Gemeinschaftsbd. 6237, Zentrum 3142, völkisch-soziale Freiheitspartei 9221.
Störungen und Zwischenfälle am Wahltage.
B e 11 i n, 5. Mai. Auf den Führer einer Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei, Zahnarzt Dr. Richard F a l tz, ist gestern nachmittag ein Revolverattentat verübt worden. Allem Anschein nach ist das Attentat von gegnerischer politischer Seite zur Ausführung gebracht worden. Der Täter konnte bisher nicht ermittelt werden. Dr. Faltz ist unverletzt geblieben.
Zn der vergangenen Nacht wurde ein Deutschnationaler aus Treptow überfallen und schwer mißhandelt. Während einer Verkündigung des Wahlergebnisses ergingen sich mehrere Deutschvölkische in Schmähungen auf die Republik. Zwei von ihnen wurden festgenommen. Auf dem Potsdamer Platz wurden zwei Personen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt verhaftet.
Berlin, 5. Mai. Der Wahlkampf hat laut der „B. Z." in Groß-Berlin zwei weitere Todesopfer gefordert. Der Arbeiter Horm. Kraft, der bei einer Schlägerei zwischen Zettelan- klebrrn einen Sttch in die Halsschlagader erhielt und der Schlosser Karl Pieweck, der bei einem Zusammenstoß die Waffe gebrauchen wollte und von Schutzpolizisten erschossen wurde. Außerdem wurde eine ganze Reihe von Leuten mehr oder minder schwer verletzt oder verprügelt. Mehrere sanden Aufnchme im Krankenhaus. Die Rächt zum Sonntag war besonders unruhig. Schießereien im Osten und Südwesten Berlins endeten bluttg. Auch in Charlottenburg kam es mehrfach zu einem Kugelwechsel. Es wurde jedoch niemand verletzt.
Hamburg, 5. Mai. Am Sonntag früh wurden aus einem Säuleneingang zur Börse etaxt fünf Schüsse auf auLrmullLnde Wahlplakatan-
kleber abgegeben. Ein vorüberradelnder Mann wurde am Fuße verletzt. Ferner wurde am Munds- botger Damm am Sonntag ein Kontorist, der Wahlplckate anklebte, von etwa 20 jungen Burschen umringt und mit Gummiknüppeln bearbeitet. Die Täter sind in beiden Fällen entkommen.
Lübeck, 5. Mai. Wie erst jetzt bekannt wird, erfolgte am Samstag morgen ein Zasammenstoh zwischen Zettelanklebern der Kommunisten, Soz-al- dcmokraten Es kam zu einer Schlägerei, in deren Verlauf die Völkischen schossen. Herbeigeeilte Schutzleute nahmen sämtliche Beteiligten tn Haft. Sieben Völkische, in deren Besitz Waffen gefunden wurden, wurden ins Gefängnis gebracht, aber nach ihrer Feststellung wieder freigelassen. Ein Strafverfahren gegen sie wurde eingeleitet.
Bremen, 5. Wai. Zn der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurde das Bremer Parteibüro der Deutschvölkischen durch junge Leute demoliert. Ein deutschvölttscheS Parteimitglied wird vermißt. Die Polizei nahm verschiedene Verhaftungen vor.
MWto.
Rach der am 6. Juni 1920 erfolgten Wahl und den für Dberf4)lefien am 20. Februar 1921 vorgenommenen Wahlen -um Reichstag erhielten an Mandaten:
*'• Sozialdemokraten
108
Unabhängige
83
Zentrum
68
Bayrische Volksvattei
21
Deutschnationalen
71
Deutsche Volkspartei
65
Demokraten
40
Hannoveraner
5
Kommunisten
4
Baor. Bauernbund
4
Bei der Auflösung des Reichstages batte der Reichriug 458 Abgeordnete und Nv«
Verein. Sozialdemokraten
171
Zenttum
68
Deutsche Bolkspartei
66
Deutschnational« :
65
Demokraten
39
Baver. Bolkspartei
20
Kommunisten
16
Baver. Bauernhund
4
Deutschvölkische
3
Hannoveraner -
2
Unabhängige K
2
Wilde b
2
Wahlberechtigt waren bei den letzten Reichstagswab- len genau 35 Millionen. Diesmal werden es etwa 86 Millionen fein. Bei den letzten Reichstagswablen entfielen auf die
Deutschnatkonalen
42 Millionen
Deutsche Bolksvartei
3.9 Millionen
Zentrum
3.7 Millionen
Demokraten
2L Millionen
Sozialdemokraten
6.1 Millionen
Unabhängige
4.9 Millionen
Kommunisten
550 000
Bayer. Bolksvartei
1.2 Millionen
Baver. Bauernbund
219 000
Hannoveraner
319 000
Stimmen.
Das Ausland und die Wahlergebnisse.
Soweit sich die Pressestimmen des Auslandes, d. h. Englands und Frankreichs bereits übersehen lassen, äußert sich das Gefühl einer gewissen Erleichterung, daß die Wahlen nicht den befürchteten Ruck nach der äußersten Rechten hin gebracht haben. Man hofft, daß in der Außenpolitik alles beim Alten bleiben wird. Ueberrafcht haben die verhältnismäßig geringen Stimmerfolge der Völkischen, deren Möglichkeiten man angesichts der vielen in- und ausländischen Sensationsberichte höher eingeschätzt hatte, als es in unterrichteten Kreisen in Deutschland selbst der Fall gewesen ist. Ueberrascht haben immerhin die außerordentlich starken Erfolge der Kommunisten.
A« toere.
Drutschnationole Befriedigung in München.
München, 5. Mai. In der deutschnationalen Versammlung, in der die Wahlergebnisse entgegengenommen wurden, wurde die stark« Zunahme der deulschnationalen Stimmen in München und im Lande mit grober Befriedigung verzeichnet und namentlich der Freude über die Wahl des ® r ob» admirals v. Tirpitz Ausdruck gegeben. Der Vorsitzende der Landesvartei, Prof. Dr. Hilpert, erklärte. dah die Deutschnationalen die Schatt« vom Wahlkampf wieder ausgemerzt hätten. Auf den Admiral Tirpitz wird ein Hoch angestimmt und das Deutschland gesungen.
Rücktritt der Regier»««.
München, 5. Mai. Der bayrische Ministerpräsident Dr. d. K n i l k i n g hat unter dem heutigen S. tem an den Präsidenten des bayrischen Landtages, den Abg. Königsbauer, folgendes Schreiben gelichtet:
Sehr geehtter Herr Präsidenti Nach Paragraph 58 der Bayrischen Verfassung wird das Ge
samtministerium durch den Landtag bestellt. ®et Landtag, auf dessen Bestellung bas gegenwärtig« Ministerium zurückgeht, ist aufgelöst. An sein« Stelle tritt nunmehr nach Vollzug der Neuwahlen in ganz Bayern der künftige Landtag. Zn Uebev» einstimmung mit den übrigen Regierungsmitgliedern erkläre ich namens des Gesamtmkniste- riumS seinen Rücktritt. Die Mitglieder del bisherigen Kabinetts werden entsprechend ihrer ter* sassungsmäßigen Verpflichtung die Geschäfte dich zur Bildung eines neuen Ministeriums weiterführen. Zn der Versicherung ausgezeichneter Hochachtung verbleibe ich Cw. Hochwohlgeboren sehr ergebener Dr. v. Knilling.
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Ser eiio der Meomoilen.
Das Ergebenis der Wahlen vorn 4. Mai steht bereits soweit fest, dah die groben Linien nicht mehr vermocht werden können, wenn auch die Mandatsziffern im Einzelnen sich noch etwas verschieben werden. Was erwartete man? Dreierlei: eine Stärkung der betont nationalen Parteien als Ant« wort auf PoincarLs Schindervolitäk, einen Ruck nach rech-ts als Reaktion auf die nachrevolutiönäre Herrschaft der Sozialisten und ein Anwachsen der antf- parlamentarischen P-arteien als Folg« der Mibstimmung über die Parlamentswirtschaft. Sind nun diese Wirlunaen eingetre» reu? Ja. in vollem Umfange, wennschon nicht alle so stark, wie dieser und jener prophezeit batte. Herr Poincare erhält als Quittung für seine Gewaltakte die Feststellung, dah Völkische und Dentschnationale zusammen von 70 auf mehr als 120 Mandate emvorsteigen. Diese Amwwort ist wohlverdient und wird dem An- ieben des deutschen Namens in der Welt nur nützlich sein. Eine falsche Auslegung de» Wahlergebnisses aber würde es sein, wenn man annähme, dab damit auch schon eine bestimmte Stellungnahme zu dem Gutachten der Sachverständigen in der Rcparationsirage gegeben sei. Wen» die Deutschnationalen in die Regierung eintreten, werden sie zweifellos auch den Erfordernissen der praktischen Politik soweit Rechnung tragen, dab sie nicht jede Berhandlungsmöglichkeit von vorn- berein ausschliehen. Es kommt hier ja fast alles auf di« Bedingungen an, die im Einzelnen noch zu beraten sein werden.
Der Ruck von der Sozialdemokratie weg ist nicht minder deutlich. Was zunächst die P. S. P. D. selbst anbetrifft, so bat sie zwar noch nicht den völligen Zusammenbruch erlebt, der ihr in einzelnen Landesteilen drohte, aber doch nahezu die Hälfte ihrer Reichstagsmandate eingebübt und kommt auch zusammen mit den Kommunisten noch lange nicht auf die alte Zahl Schlimmer fast ist noch für sie. dab die scharfen Gegensätze in der Fraktion, die mit dem Wiedereintritt der Unabhängigen hineinkamen, nach wie vor weiterbe- 'stehen. Die Belastung damit ist um io veinlicher, als offenbar ein grober Tell der radikalen Wähler zu den Kommunisten abgeschwenkt ist, während die radikale» Führer der Fraktion erhalten bleiben. Solange dieser Zustand fortbestebt, bleibt die Fraktion bet, Sozialdemokraten offenbar für eine p o f l • i tive Pol itik in Gemeinschaft mit bürgerlichen Parteien unbrauchbar. — Aber auch alle die Parteien, die an der „Groben Koalition" teilgenommen haben, sind von den Wühlern dafür besttaft worden. Die geringsten Verluste dürfte, wie immer, das Zentrum zu verzeichnen haben, das iedoch auch schon starke Widerstände in den eigenen Reihen wegen der Koalitionspolitik zu bekämpfen batte und deshalb nicht mehr al» die Partei anzusvrechen ist, die sich iede Politik leiste» kann. In gleicher Weise auf etwa zwei Drittel de» bisherigen Mandatsbestandes scheinen die Demokraten und die Deutsche Bolksvartei zurückgegangen zu sein. Mubten auch alle Parteien, die i» furchtbar schweren Zeiten die Verantwortung des Regierens auf sich nehmen, mit Verlusten rechnen, so ist doch die Lehre für jene Beiden besonders bart. Hoffentlich ist es aber auch eine Lehre. Denn das deutsch« Volk bat gelernt und will, dah unsere Feinde i» Anslande unseren Erfüllungswillen durchaus mißachtet. Seine ewige Betonung bat un» nichts gebracht. Dies« „Taktik^ hat versagt.
Schließlich das Anwachsen der ausgesprochen anti» parlamentarischen Parteien: der Deutschvölkische» und der Kommunisten. Es ist nicht ganz so bedrohlich ausgefallen, wie mancher angenommen hatte. Die Zahl von zusammen 100 wird nicht erreicht. DaM liegt freilich nur daran, daß man nach den Wahlen i» Thüringen, Mecklenburg und Bayern die Werbekraft der Völkischen doch überschätzt hatte. Verhältnisse, di« in den vom Linksradikalismus Ee« fonberj heimgesuchten Mrch stellen zu einer ungewöhnllche» Stärkung des Rechtsradikalismus gefühtt haben, bestände» anderswo nicht: auch dürfte die Berweigerun- jeder Mitarbeit in btn neuen Lande-regierunzettz den Völkischen vielfach geschadet haben. $o*; gegen haben die kommunistischen Wahlerfolgr bk Erwartungen übertroffen. Für diese Partei, die im neue» Reichstage bereit- zu den Großen gehören wird, dürft» sich freilich nun falb die Schwierigkeit ergeben, da- die Wählerschaft von einer so starken Vertretung mehr er» wartet als Lärm und Osiruktion — nämlich positive Sw stungen.
Gegen Ende Mai, frühestens am 20., wahrscheinlich ater erst in der Woche darauf, wird nun der neu« Reichstag zusammentreten. Welche politische Richtung witt» er rinschMgen, was für eine Regierung wich er gebären? In den Kreisen der bisherigen Reichsregieruntz verttitt man recht energisch die Auffassung, daß bk Zeitz •Sur Wiederherstellung der großen Ko.a-