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1924

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Erstes Blatt

Sie Kandidatenliste der Deutschen Bolksvartei h

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Die

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Beamtenschaft beiwohnten, schon kurz vor 11 Ahr geschlossen werden.

Die Zahl der Wahlberechtigten bei den tom» wenden Reichstagswahlen wird sich auf etwa 36 Millionen belaufen. Davon treffen etwa 22V, Mil­lionen auf Preußen, 4 Millionen auf Bayern ein­schließlich Pfalz, 1,3 Millionen auf Baden, knapp 3 Millionen auf Sachsen, etwa 1,3 Millionen auf Thüringen, 800000 je auf Hamburg und Hessen- Darmstadt und etwa über 500 000 aus Mecklenburg. Würden sämtliche 36 Millionen Wahlberechtigter wählen, dann würde der neue Reichstag, da für ein Mandat 60 000 Stimmen notwendig sind, 600 Abgeordnete zählen. Dies «Ziffer ist aber nicht z» erreichen. Der letzte Reichstag zählte 459 Ab­geordnete. ES ergab sich also eine DurchschnftS- wahlbetelligung von 75»/».

Brcithardt.'

Oberstleutnant a. D. D ö r i n g - Hersfeld.

Lebrer Romvf-Niedermöllrich.

Fabrikant Georg Schäfer- Marburg.

Rechtsanwalt Barnhagen -Corbach.

Amtsgerichtsrat Dr. Lohmann -Weilburg. Bankangestellter Schroeder -Frankfurt a M Studienassessor Fett- Dillenburg.

Frau Direktor Aly- Marburg.

Landgerichtsnräfident I. Grimm-Hanau.

Mittelschullehrer Landgrebe-Frankfurt a. Ä,

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Elaserobermeistcr Schmidt-Cassel Frau General R o e t h e r - Wiesbaden. Poftinsvektor Schellenberger -Wehlar. Tavezierermeister Saal- Hersfeld.

Reichsbankdirektor Balthasar -Fulda.

Gast- und Landwirt Bender H.-Rodheim/Biebek. Schriftstellerin Fräulein Minna R ieb o ur-Frant furt o. M.

Marburg

Ssunabkllir, Den 3. Mai

den Stadtsälen noch einmal eine Wahlversammlung ab um die Einwohnerschaft Marburgs über die Ziele der Bartei aufzuklären Herr Landtagsabgeordneter Son­nenschein erledigte stch dieser Aufgabe in glänzender Weise indem er über ..Politik und Wirtschaft" sprach. Aus seinen Ausführungen ist besonders zu erwähnen, daß Redner der Anstcht ist, daß Politik und Wirtschaft zusammen gehören. Alle wirtschaftlichen Fragen, die ieder Wähler von Stadt und Land interessieren, fanden eingehendste Beleuchtung und auch die Anerkennung der zahlreichen Zuhörer. Mit seinem Vortrag bat der Re­ferent bewiesen, daß man auch mit sachlicher und. vor- nebmei Art und Meise den Wablkamvf führen kann. In der Aussprache meldeten sich einige Herren zum Wort, welche versuchten, die Ausführungen zu wider­legen. Mit einem Schlußwort des Referenten, bei der Wahl für die Deutschnationale Bolksvartei einsutreten, hatte die Versammlung ihr Ende erreicht.

MlfallWIl!.

Deutschnationale Partei.

Deutschnationale Volkspartei hielt gestern in

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Schmidt- Sterzhausen (Kreis Marburg).

6. Handelskammer-Syndikus Lrydhecker-Haigey.

Wahlkreis Hessen-Nassau zur Reichstagswahl am 4. Mal 1924.

Fabrikbesitzer Dr. Kalle-Biebrich.

Landwirt und Vorsitzender des Reichslandbunde

Karl H e o v - Seelbach.

Lokomotivführer Seibert-Frankfurt a. M.

Oberstudienrat Dr. B e ck e r - Cassel.

Landwirt und Kreistagsabgeordneter Sluvver

Bon der Demokratischen Partei.

Man schreibt uns:

Die Wablarbeit für die bevorstehende Reichstags­wahl, die wegen des dazwischen gelegenen „Arenga dei" der Osterzeit auf die letzten 2 Wochen vor dem Wahltage zusammengedrängt werden mußte, hat gerade in den letzten Tagen eine Fülle von Versammlungen hervorgebracht, wie dies früher in demselben Umfange bei so kurzer Zeit kaum beobachtet wurde. Außer den von uns bereits berichteten Veranstaltungen fanden bezw. finden noch Demokratische Versammlungen statt in Lobra. Gemünden, Wenkbach, Burgholr, Ernsthausen. Münchhausen, Elnhausen. Hatzbach. Schönstadt, Woll-

Wetterbericht.

Vorhersage bis Sonntag Abend: Bewölkt, einzelnl Regenfälle, mild, Südwestwind.

Die deutschnationale Volkspartei hielt in den letz­ten beiden Wochen gut besuchte Versammlungen in 53 Ortschaften des Kreises und der Nachbarkreise ab. Die Ausführungen der Redner fanden großen Beifall. Möchten sie dazu beitragen, uns bald eine Regierung zu schaffen, die uns von der Franzosenschmach und der durch. die übrigen großen Parteien verursachten Miß- widtschait freimacht.

Schließlich seid Ihr doch Bürger dieses Staates, seid «n besten Lebensform gebunden und unter tausenden wird kaum einer die Möglichkeit haben, auszuwandern, wenn ihm die Verhältnisse nicht mehr behagen. Wer Mer mcht auswandern sann, und es auch garnicht will, wer svrtarbeiten will, wo und wie ft nie Väter ge» rautet haben, der muß von dem Recht des Stimmzettels Gebrauch machen. Heute mehr als je.

Tie Sache ist wesentlich anders als vor dem Kriege. Da gab man seinen Stimmzettel der oder jener Partei, vielfach aus Verärgerung oder sonst einer Augenblicks- stimmnng heraus, und man wußte dabei doch, daß her- System, das Reich sich nicht ändern würden. Der Stimm- tettel vor dem Kriege war eine Postkarte an die Regie>- rung, auf der der Wähler ein paar Wünsche äußerte. Heute liegt im Stimmzettel die Mitent- scheidung über alle Vorgänge, die früher abseits vom Parlament erledigt wur- drn. Der heutige Stimmzettel gibt eine große Macht in bie Hand seines Besitzers.

Und glaubt nicht etwa, daß Ihr Euch an d r Ent­scheidung nicht beteiligt habt, wenn Ihr zu Hause bleibt Jede Stimme, die Ihr abzugeben versäumt, bedeutet eine verstärkte Wucht der Stimmen, die wirklich abgegeben wer­den Und von diesen wirklich abgegebenen Stimmen teerten Euch viele nichtznur unsympathisch, sondern prak- üsch gefährlich werden.

Unser Wahlrecht beginnt schon sehr früh. Schon wer am 4. Mai seinen 20. Geburtstag feiert, darf mitwählen. Ihr, die Ihr nicht wählen wollt, werdet meist den älte­ren Jahrgängen angehören, denen die Ausübung de- Wahlrechts keine reizvolle Neuigkeit mehr ist, tote den Jungen. Denen das Hin und Her der Politik schon bi- Erkenntnis.gebracht hat. daß man mit dein Stimmzettel lein» Ewigkeitswerte schafft, sondern praktische Arbeit leiste- «der Unsinn verhindert. Wollt nun Ihr, daß unser Wahlrecht den jüngsten Jahrgängen die Entscheidung über

Die „Dberbeniitbe Zeitung" «rILeint iemsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 2 Mark ausschließlich Zustellungsgebiihr. Für ausfallend« Nummern rniolge Streits oo.-lement.Lreignisie kein Eria?. — Beriag von Dr. T. Hitierotl,. —Druck der Univ.»Buchdruckerei von 2 ob. Lug. Koch, Markt 21,28. — Fernsprecher 55, BoMcheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankiurt a. Main.

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Sozialdemokratische Partei.

Auch die soz. Partei hatte aus gestern Abend zu einer zweiten Wählerversammlung im Quentin» schen Saale geladen. Obertelegraphensekretär Kresse! aus Frankfutt sprach in etwa 1»/,stün­digen Ausführungen über Beamten- und Arbeiter- ftagcn im Reichstag. Er betonte u. a. besonders, daß der Reichstag von den bürgerllchen Parteien deshalb zur Auflösung gebracht worden sei, weil diese die Bestimmungen des CrmächttgungsgesetzeS bezüglich des Abbaues hätten umgehen wollen. Er führte weiter aus, daß die Großindustrie die Inflatton verschuldet und die Geldstabilität so lange hingezogen habe, bis sie den letzten Groschen ein­kassiert. Der Ruhrkrieg sei eine Folge der hohen Ansprüche bei der Lieferung von 20 000 Tele­graphenstangen und 40 000 Kbmtr. Holz an die Entente. Er warnte vor den Rechtsparteien, die den Krieg an die Wand malten, den Krieg, der mit Bomben, Gas, Gift und Bazillen auch weit hinter der Front, wo die deutsche Jugend abgs- fchlochtet würde, geführt werden dürste. Wenn sich nur ein Weg der Verständigung finde, müßten wir diesen zu gehen versuchen. Der 4. Mai entscheide über Krieg oder Frieden. Stadtv. Weber gab im Anschluß einen Rückblick auf die Tätigkeit im Stadt­parlament und betonte, daß seine Frastion trotz ihrer geringen Zahl Erfolge erzielt habe. Eine Aussprache fand nicht statt und so konnte die Ver­sammlung, der auch eine Anzahl Vertreter der

14. Universitätsvrofessor Dr. Stengel- Marburg.

15. Landwirt und Bürgermeister Wilh. Gucke»

mar, Niederasphe. Fronhausen, Amönau, Röddenau, Obernburg, Wallau. Battenberg. Hatzfeld, Roth, Nie­derasphe, Buchneau, Warzenbach u. o., eine Leistung, die nur bei der allergrößten Anspannung aller Kräfte aufgebracht werden konnte. Aber die besonnene Hal­tung unserer Landbevölkerung, die sich durch keine noch io wilde Agitation der radikalen Strömungen in ihrer rubigen Betrachtung stören ließ, und die in un,ern Rednern die Hoffnung erweckte, daß der größte Teil der Wählerschaft am Wahltage dem Aufrufe der Reichs­regierung folgend für eine zielbewußte. friedliche Po­litik der Mitte sich entscheiden werde, ermutigte unsre Redner zu immer größerer Anstrengung, zu immer freudigerer Mitarbeit. So steht denn der Wahltag vor der Tür. von uns begrüßt mit dem sieghaften Glauben: Dos deutsche Volk wird sich nicht verblenden lasten durch wilde Hetzapostel sondern es wird vielmehr sich durchkämpfen und durchringen zur Einigkeit, zur Frei­heit und zu einer besteren Zukunft! Möge der schicksals­schwere 4. Mai unserm Volk und Vaterlande ein Se­genstag werden!

Schweinsberg, 1. Mai. In einer lebr gut be­suchten Versammlung der Demokratischen Partei sprach gestern Abend Herr Römer- Marburg über das Thema „Politik der Vernunft oder der Katastrovye." Seine Ausführungen fanden den lebhaften Beifall der Versammlung und wurden von einem Diskussionsred­ner noch besonders unterstrichen. Frau Gilbert er­mahnt« die erschienenen Frauen noch besonders am 4. Mai ihre Pflicht zu tun.

Cavvnl, 30. Avril. Heute sprach hier im Nau- schm Saale in einer recht gut besuchten P-.rlan'mlv tg der Demokratischen Partei Herr Rektor Hentze aus Marburg über das Thema: „Katasttovhenvolitik oder ruhige Weiterentwicklung." Seinen warmen, über­zeugenden Ausführungen stimmte die übergroße Mehr­zahl der Erschienenen durch starken Beifall zu.

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

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All die HIWI«.

Ihr wollt am 4. Mai zu Hause bleiben! Ihr geht an ten Plakaten der verschiedenen Parteien vorüber, als ginge es Euch nichts an. Ihr habt die großen Worte satt. He. ja doch nicht eingelöst werden . Ihr habt Eure Privat- mdnunß, die sich da und dort vielleicht einer Partei «ähert, sich aber doch nicht ganz mit dieser deckt. Ihr Habt den Glauben an die Wirkung des Stimmzettels ver­loren, und so kümmert Ihr Euch nicht einmal darum, »b man Euch Wahlkarten zugestelll hat, und wo Euer Wahllokal liegt. *

Man kann Euch verstehen, Ihr fühlt Euch enttäuscht, ■nb viele von Euch find überhaupt nie so richtige Fana­nker einer Partei gewesen, weil Euch jeder Fanatismus und jede Einseitigkeit anekelt.

Aber überlegt einmal, was-Jhr grichaffl habt, wenn Ihr am 4.Mai wirklich nicht wählt.

Dir Phrasen, die großen Worte, die Euch in der keele zuwider sind, toürben gerade dann, wenn der

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! ruhige und politische neutrale Bürger aus sein Wahl- s wcht verzichtet^, erst recht die Oberhand gewinnen.

Wenn Ihr auS Widerwillen gegen die großen Sorte zu j Hause bleibt, dann habt Ihr erst recht den großen Wor­ten in den Sattel geholfen.

Deutschlands Zukunft in die Hänoe spielt? Ihr könnt das verhindern.

Und wenn Ihr der großen Phrasen müb# seid nnd endlich einmal Ruhe und Arbeit in Deutschland wünscht bann gibt es Parteirichtungen, die auch den großen Phrasen entgegentreten. Wenn Ihr auch nicht an allem Gefallen findet, was diese Parteien nertreten, in einem sind diese Parteien doch Eure berufenen Wortführer: in der Ablehnung der großen Worte, der verderblichen Illusion Diese Eure Wortführer haben es leit 3ob­ren nicht leicht gehabt, gegen die großen Worte anzu- kämpfen. Sie haben es deshalb so schwer, weil Ihr diesen. Euren Wortführern nicht zu Hilfe kommt. Tie Radikalen links und rechts stehen zu ihren Politikern: nur Ihr seid der Politik müde, und Ihr beschwört gerade durch diese Müdigkeit die Gefahr heraus, daß erst recht Dinge kommen, die Euch zu­wider sind.

Richtwähler sein, das heißt nicht, sich von der Ent­scheidung fernhalten. Ihr führt sie durch Euer Fernbleiben erst recht herbei. Und hinterher werdet Ihr Euch dann beklagen! Tann aber wird E 5 recht geschehen sein.

Da» dürst Ihr nicht so kommen lassen: Tut also am 4. Mai Eure Pflicht!

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M wühle reSts, 16 wühle link!

Von Curt Seibert.

(Nachdruck verboten.)

Da ich cm 2. Mai zwanzig Fahre alt war, habe ich am Wahltag als regelrechter Staatsbürger nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, zu wählen. Aber »00? Aber wen? Das einzige Mittel, das ich von bei Politik i erstehe, ist, daß ich extrem gerichtet bin. Rechts «der links, das ist hier die Frage. Äe Wahlplakate vn den Säulen sagen mir garnichts, da ich weder tiOn ben Richtungen noch den Programmen der einzelnen Parteien etwas verstehe. Daher beschloß ich, mich durch Versammlungen belehren zu lassen. Am Montag war große Aussprache in einer Rechtspartei. Ich ging hin. Es war sehr voll. Ich saß zwischen einem Herrn, der Mr allem zu mäkeln hatte, und einem, der immer Beifall Latschte. Leider bin ich kein Prophet, aber ich saß in der Milten.

Der Versammlungsleiter nahm eine Glocke und h'm- »elte. Hieraus schrie alles „Stube", und der Lärm ging »eiter. Dann sprach jemand. Es war ein älterer Herr teil würdigem weißen Spitzbart. Er sprach sachlich nud natürlich, über Bodenreform und Dolchstoß von hinten, über Roggenmarst und Viehbestaick. Der Herr sinkS neben mir rief immerzu: „So ein Unsinn", sogar Es der Reimet: nieste, rief er es. Rechts neben m-r klatschte der Herr fteudig Beifall. Darauf gerieten sft sich in die Haare und, da ich zwischen ihnen saß, 6e--1 nutzten sie mich als Kampfplatz. Inzwischen war ein teuerer Redner aufs Pult gestiegen, der zur Sache sprach. Ich fand, daß er eigentlich auch Recht batte, Wbtoopi er von der Gegenpartei war. Die Herren teilten sich auf meiner Weste, dann klatschte der eine bem anderen hinter die Ohren, während jener „So ein flnsinn" rief. Als beide sich als Diskussionsredner Meldeten und zugleich zur Tribüne liefen, beefite cch »ich, das Haus zu verlassen, blaue Flecken an allen Mittleren Körperteilen. Ich sah noch gerade, tote beide

das Podium betraten und zugleich an zu reden singen. Dann roar, ich draußen.

Am Dienstag ging ich zu einer Mittelpartei. E? war sehr voll. Ith saß zwischen einem Ehepaar und einem jungen Mädchen, das sehr glücklich zu sein schien. Sicher war es auch, am 2. Mai zwanzig Jahre al: Ter Versammlungsleiter nahm eine Glocke uttb bim rnelte, worauf sofort eisige Ruhe eintrat. Einige schlie- fen schon, wie ich bemerkte. Ein Redner bestieg des Putt und sprach leise vier Stunden.' Er hatte stets einen Zeigefinger in der Lust, mit dem er Kreis; be­schrieb oder zu rechnen schien. Man konnte ihm nut beistimmen. Er sprach in vaterländischem Tone vom furor teutonieus, navigare neeesse est, sie tranfit alorto mundi und alea jacta est. Ich sagte „Sehr richtig" und fand Beifall auf beiden Seiten. Das Ehepaar lächelte väterlich, das McLchen findlich. Dann kam ein Diskussionsredner. Ihm war die lange Ruhe im Saal wohl unheimlich gewesen und er brachte mit den, Satz:

„„Was mein verehrter Herr Borredner gesagt hat, ist der größte Bockmist . , ."

soiort Leben in der Bude. Sogar einige Langschläfer wachten auf, glaubten, ein Parttimitglied habe etwas Schönes gesagt und riefen Bravo! Ein ungeheurer Tumuü entstand. Der Versammlungslefter schwang die Glocke, bis der Klöppel heraussprang und well in den Saal flog. Tas Haus tobte, ober der Diskussions­redner schrie:

...Audiatur et altera pars"

und tobte noch mehr. Aber was er sagte, war gar nicht so dumm, wie mir schien, obwohl er von der Gegen­partei war, und so sagte ich: Sehr richtig. Diesmal gab es eine kleine Revolution neben mir. Das Ehe­paar sah mich durch vier Kneifergläser durchbohrend an und meinte: Sicher ein Teurschvölkischer, während das Mädchen Platz und Saal mit den Worten oerfieß: Neben einem Kommunisten bleibe ich nicht sitzen. Da ich so viel Extrem doch nicht vertragen kann, das Mädhcr. aber sehr hübsch war, ging ich hinter ihr her. Natür­lich nur um ihr klar zu machen, daß ich unter Um­ständen auch richtig wählen kann.

Am Mittwoch, war ich bei einer Linkspartei. ES war sehr voll. Ich saß nicht, sondern stand auf der Galerie zwischen einem Schwarm junger Leute mft Knüppeln Wie sich später heraussteltte, war ich mitten in eine Sprengkolonne geraten. Aber ich bin kein Pro­phet, und so blieb ich stehen. Der Versammlungsleiter, der wußte, daß eine Glocke ohne Wirkung bkeiben würde, schlug mit einem Hammer aus den T/ch itwrauf er einen Redner ankündigte. Dieser hatte gleich den halben Saal gegen sich, er war ein feurige: Rckner und er legte gleich in atemberaubendem Tempo los. Er schrie urü> brüllte ohne Zweck und schlug wit der Faust auf das Putt, er tobte und fuhr mit seinen langen Armen hoch in die Lust und in die Haare. Schließlich geriet et auch noch in Auflegung durch die vielen Zwischenrufe, er klappte den Pultdeckel auf und zu und schlug damit den Tast in seiner Rede, daß das Tintenfaß heraussprang und einem Herrn in der dritten Reihe in den Scho^ fiel. Dieser war jedoch nicht oöje darüber, sondern erfreut über das willkommene Wurf­geschoß, und da er sich gerade mit einem hinter ihm atzenden Herrn zankte, spritzte er den Inhalt einem Zwischenruser unter die Nase und warf das Tintenfaß einem _ Gegner an den Kopf. Stuhlbeine tanzttn, Aktenbündel flogen umher, Staub wirbelte arf. Von dem Siebner war kein Wort zu verstehen, aber sicher hatte er von seinem Standpunkte recht, und so rief ich : Sehr richtig.

Es gibt Work, die man nicht rufen soll, besonders wenn man sich ht einer Sprengkolonne befindet. Ich flog in hohem Vogen aus einem Fenster und kam fehl unianft vor dem Pottal auf das Pflaster zu fitzen. Hinter nur her kam die ganze Sprengkolonne geflogen. Die nächsren Tage lief ich verstört umher. Eigentlich hatten alle Red­ner recht gehabt, aber wem sollte ich meine Stimme geben? Zum Glück traf ich einen Wahl'chlepper.

„Was wählen Sie?" fragte er. „Haben Sie schon gewählt? Nock nicht? Vorzüglich!' Ke ne Widerrede! Sie wählen unsere Pattei, soeben gegründet: Die Partei derer, die nicht wissen, was sie wählen sollen!"

„Sie find mein Mann", rief ich auS.

Nichts hatte mich so überzeugt Programm uni Liste konnten mich nicht intereffieren, denn mit dem Namen der Partei war meine Stimmung auf den Kops getroffen . Ich beschloß io fort, die Partei zu wähle« derer, die nicht wissen, Ivos sie wählen sollen. Wie mir von einem Wahlbeamten im Vertrauen versichert wurde, soll diese Partei achtzig Prozent aller Wähler sich vereinigen.

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Wahlhumor.

Leipzig, 2. Mai. Hier kam es beim Ruf- treten des Welt-Heilandes Hüußer zr einem humoriftischenZwischenfall. Häuf- ser erschien in der Serfammlung mit einer silberne» Reitpeitsche in der Hand, einer gelben Leder» Automobilmütze auf dem Kopf und mit einem langen Schafpelz bekleidet. Er redete etwa 10 Minuten und betonte das eigene Ich. Er sprach von seinem siebenjährigen Kampf gegen die Obrig­keit und sagte schließlich, er sei der einzige, der unbefleckt sei. Damtt in Widerspruch stand sei» Verhalten nach dieser Rede. Er nahm ein leckeres Mahl ein, steckte sich eine duftige Havanna an und fuhr mit seinem Kraftwagen, in dessen Inner» sich drei Frauenköpfe aneinanderschmiegten, davon

——T B ■Milllll — l| 1—■— Sparsame Leute 1------- - 3.

die ein wirklich gute« KaSeet GeirBnlt fchäöen, nehmen nett Pfeifier <S Pillers Kaffee - Ellenz z« Bohnen oder Malz. Sie gibt den» Kaffee den feinen reinen Gee fchmack.

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