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Anzeiger für (das früher kurhessische) OSerhessen

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Drittes Blatt

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and die Unsicherheit darüber, wer noch an die Reibe kommen wird, hält auch diejenigen, die es könnten, von neuen Engagements an der Börse ab. Im Gegenteil, es werden immer wieder bedeutende Mengen von Wertvavieren zwecks Erlangung dringend erforderlicher flüssiger Mittel an den Markt gebracht und auch an den Warenmärkten wirkt das Angebot von Waren, die zu gleichen Zwecken abgcstogen werden, ständig preis- drückend. zumal die Erwartung noch weiterer derartiger Zwangsverkäuie die Nachfrage vollkommen lahmlegt. Die gesamte Börsenlage stebt infolge dieser eigenarti­gen inneren Berkettung der deutschen Konjunktur mit der französischen Frankenstützung in auffälligem Gegen­satz zu der industriellen Lage in Deutschland. Trotz aller Kapital- und Kreditnot nämlich ist eine Besse­rung der Beschäftigung in der Industrie unverkennbar. Die Arbeitsmarktberichte zeigen übereinstimmend eine Vermehrung der Einstellung von Arbeitskräften und eine Verminderung der Arbeitslostgkeit an. Es ist natürlich von größter Bedeutung, darüber Gewißheit zu erhalten, ob diese verstärkte Arbeitstätigkeit mit einer Vermehrikllg des deutschen Exports zusammen- hönat. oder ob ste nur zur Deckung einer inländischen Nachfrage nach Eenuhgiitern dient, die auf die Schaf­fung künstlicher Kaufkraft zurückzusübren ist, also als ein Erzeugnis einer Inflation anzuseben ist. Der an­gesehene Kieler Nationalökonom Professor Harms bat kürzlich in einem viel beach'eten Aufsatz das letztere bedauvtet. Ob er Recht behält, wird die weitere wirt­schaftliche Entwicklung sehr bald lehren.

von Mussolini das Staatsdefjzit von 2* 1/2 Milliarden Lire auf 700 Millionen Lire herabgesetzt hat und sicherlich im fomntenben Jahre ausgleichen wird. Dafür sorgen f stwn bi« sehr kräftigen Kapitalsteuern und die in ihrer Anwendung geradezu unbegrenzten bolli (Stemp st- im täglichen Verkehr. Was haben ,m Hinbl ck auf io'che aussergewöhnlichen Erfolg« manche Mißgriffe zu bedeuten, wie z B. die Entlastung von so vielen Lehrern, Saß die Ztaaisschnlen nicht mehr alle Kinder aufnehmen können- Gute Einnahmeguellen kür den Staat bilden ferner die nationalökonomisch für Industrie und Handel Italiens außerordentlich produktiv wirkenden Ein- «nd Aus­fuhrzölle. Dagegen scheint Italien auf einem unsicheren Konssizienten einer Wirtschaft fast garnicht zu rechnen, auf seinen Anteil ans den Reparationen, trotz der großen Summen, die eS für den Wiederaufbau im Gebiet von Udine ausgibt. Es läßt sich in dieser Hinsicht aus oe- greisenden Gründen gern in französisches Schlepptau nehmen, weil es nur profitieren kann von der Politik Poineares Im übrigen aber spn'cht die große Rede die Mussolini Mitte November gehalten hat doch nicht dafür, daß er sich unter allen Umständen, wenn sie dazu mißbraucht wird, retardierend auf-die Wirtschaft Italiens zu wirken, wie eben Mussolinis ganz« Politik am besten unter dem Begriff desomnia cum grano falls" sich zu- fammensassen laßt. Für diesen Grundsatz hat er sich auch gleich bei Beginn feiner Regierungstätigkeit ffst- gclegt als die Schweiz Bedenken trug, daß er, der von ihrer Seit« nicht gerade die Behandlung und Würdigung während des Krieges erfahren hat, nunmehr die all? Tessinfrage auftollen würde. Er ist aber Äug genug, Italien aus einmal nicht mehr zur Verdauung zu geben, als es vertragen kann. Vorläufig hat es am Trentino genügcrch zu schlucken, wo viel Gedüst» und richt-ge Be- handlang per anfälligen deutschen Beoöllerung gegen­über notwendig sein wird, um bi? Wasserscheide zu einer tatsächlichen und nicht zn einer durch Diktat gemachten Grrn^ zu gestalten, ohne Uebergrisft seitens der B«° höiden und, ohne «Ine bereits vorhandene Jrrcsenta an Ausdehnung gewinnen zu lassen. Gerade wir Deutschen, denen soviel Stammesbrüder durch den Ver­trag von Versailles genommen worden sind, und nun mit aller Macht dem Deutschtum entfremdet werden sollen, l-aben ein dringendes Interesse und ein warmes Herz für das Schicksal der deutschen Bevölkerung im Trent mo Gerade deshalb haben wir auch Verständnis dafür, daß bas entstehende Großitalien sich heute mehr oenn j« mit feiner alten Provinz Nizza zu beschäftigen beginnt,

Jt.. übrigen aber gilt die außenpolitische Betätigung Italiens, di« ja in engster Beziehung zur Wirtschaftslage steht, zur Zeit mehr der Regulierung der Vormachtsstel- lung im Mittelmeer und, wenn etwas, dann ist in dieser Hinsicht der Besuch des spanischen Königs von Bedeutung, der mit großem Enthusiasmus und ehrlicher Herzlichkeit in Rom begrüßt wurde. Die Ausnahme des ftanzöftsch- t'chcchischen Bündnisses in der italienischen Presse spricht Bände für sich, besonders wenn man das ehrliche Bestreben Italiens feststcllen kann, die von ftüher hsr gepfleg­ten Beziehungen mit Deutschland mehr und mehr zn Heisern. Dem Hmckel mit ihm wird alfo Wohlwollen

Gebäudetelle, wenn der Bau erst nach dem l.IM 1918 bezugsfertig geworden ist, es fei denn, daß die Neu» bezw. Umbauten mit Beihilfen oder öffentlichen Mitteln ausgeführt worben find. Ab­gesehen hiervon find von der Steuer ausdrück­lich bef'.eit- a) öffentliche Körperschaften für die in ihrem Eigentume stehenden und von ihnen für öffentliche Zwecke benutzten Gebäude; b) inländische Persone «Vereinigungen und Bermögensmas'en, die nach der Satzung, Stiftung oder sonstigen Ver­fassung ausschließlich gemeinnützigen, mildtätigen, ethischen oder religiösen Zwecken dienen, für die in ihrem Eigentume stehenden und von ihnen für diese Zwecke benutzten Gebäude; c) Botschaften, Gesandtschaften und Konsulate für die im Eigen» tvme des Enftendeftaates stehenden und von ihnen für ihre Zwecke benutzten Gebäude, sofern Gegen­seitigkeit gewährt wird. Vicht ist hierbei die Bede von besonderen sozialen GesicktSpunk en, oder von (Ausnahmen, die mit der wirtschaftlichen Vigo der El.umpftfcht'ger begründet wird. DrS würde auch dem Zwecke des Gesetzes widersprechen, vaS in erster Linie dazu bestimmt ist, den Reichs-, Staats- und Gemeindehaushaltsplan zu balanzieren und auf biefe Weise wieder eine Stabilität in der Finar.zt erwaltung zu schaffen. Hierbei zu ihrem Teile m'fw.crbeiten, haben die wirtschaftlich weniger festeren -^evölkerunaSkreise ebenso die Pflicht, wie die wirtschaftlich besser gestellten, denn der Vor­teil einer stabilen Finanzverwaltung, wie über­haupt einer stabilen Währung kommt auch ihnen zugute. Namens der Vorsitzenden der Räte der Städte im. Lande Braunschweig und namens aller Stad<gomeinden hat deshalb ein Bürgermeister im Lande Braunschweig, der sich zu dieser Mission berufen suhlte, an den Reichsfinanzminister die dringende Bitte gerichtet, gegen diese 2lrt Steuer» fteftefcw- unverzüglich einzugreifen und dir Lan» tzeSregi ro.ng in Braunschweig darauf hinzuivelfen, das) das vom braunschweigischen Landtage beschlos­sene Gesetz nicht zur Ausführung gebracht werden darf, da es den vom Reiche aufgestellten Grund- sützw llidrft richt. W e gefegt: des? Entscheid-ng

Dorf die MWBmr ntritii ?

Diese für alle Gemeinden. Mieter und Vermieter wichtige Frage soll jetzt durch den Reichsfinanz­minister entschieden werden. Es liegt für eine solche Entscheidung ein prinzipieller Fall vor. Es ist oft betragt worden, daß unsere Steuergesetze zu wenig soziale Rücksicht zeigen. Das wurde schon bei der Effkommcnfleuer gesagt, die trotz mancherlei Vec- günstig.ingen zahlenmäßig starke Familien wesent­lich schwerer belasten, als die kinderlosen Famllien. Auch bei der Wohnungsbauabgabe wurde die so­ziale Staffelung als eine Notwendigkeit anerkannt aber nicht eingeführt, bis diese Abgabe von selbst in sich ztisammenfiel. Was bei dieser Abgabe an sozialer Rücksichtnahme versäumt wurde, soll jetzt bei der Mietzinssteuer gutgemacht werden. Der

Die JDberbeififdie Zeitung" «titbetnt letbstnal wöchentlich. Seruqsotets monatlich 2 Mark ausschließlich Zuftellungsgebüdr. Für ausfallend« Nummern imolge Streik» oo. element.Ereignme kein 6tiatu Beinag oon Dr. <L Hiuerotb. Druck bet Univ.»Buchdiucketei oon Jod. 8iia. Koch. Markt 21.22. Steminremer 55, Pofticheckkonto: Nr. 5015 Smt Stanfrutt a. Main.

Freistaat Braunschweig hat dafür das Beifp'el ge­geben. das nickt ohne allgemeines Interesse ist. Die Regierung hatte dort bei der Einbringung der Wietsteuervorlage im Landtage einen generellen Steuersatz von 80°/o der Friedensmiete vorgeschrie­ben. ES wurden dann die Mieten in geringerer Höhe in gleichem Maße betroffen, wie die Mieten für größere Wohnungen. Hierin lag gewissermaßen ein sozialer Ausgleich, zumal auch der sogenannte Häneparograph noch Ausnahmen für die Steuer­freiheit zuffeh. Dieser Vorschlag ging den Links» barieien im braunschweigischen Landtage nicht weit genug, sie verlangten eine Staffelung der Steuer und vor allen Dingen eine Freigrenze. Dir Majo­rität der Linksparteien hat ihren Willen im Land­tage durckgesetzt. Es kam eine Steuer zustande, die in der Stadt Braunsckweig mit einer Freigrenze von 300 Marl beginnt, für eine IahreSmiete bis zu 500 Merk 10o/o, bis 700 Mark 30»/» und darüber hinaus 40°:<> pvrfchreibt. 5,7 Millionen Goldmark sollte die Einnahme aus dieser Steuer bringen und 15'/o davon sollten für Neubauten verwendet wer­den. Die Nachrecknung hat aber einen großen In tmn et geben. ES hat sich erwiesen, daß in der Eladt Braunschweig nahezu 60»/» der Wohnungen fteuetfrel bleiben, weil sie unter die Freigrenze falft n. Aus dem Lande, wo die Freigrenze etwas nichtiger ist, zeigte sich, daß der Ausfall von Ein- nabmen sich noch auf einen größeren Prozentsrtz von Wohnungen erstreckt. Das war auch der Anlaß, weshalb sich die braunschweigische Bürgermeisterei- Versammlung mit dieser Angelegenheit beschäftigte und zum dem Schluß kam, daß die Steuer mit ihrer Staffelung nicht den Vorschriften der 3. Steuer- notverordn'-mg entspricht. In § 26 dieser Steuer» Notverordnung wird ausdrücklich daraus hingewie- fen, daß die Mietzinssteuer vom bebauten Grund­besitz erhoben werden muß. Die Möglichkeit, hier­von cckMtr eichen, wird nicht besonders betokt. .Das geht auck daraus hervor, daß in den Para- gr.rvhen 29 und 30 das Reichsgesetz selbst eintreten darf. Hier sind eS in erster Linie die Neubauten, oder die durch Am- oder Einbauten nengeschassenen

atoIWe MtOritfe. * n.

I Die Wirtschaft des heutige« Italien.

r Für di« wirtschaftliche Beurteilung Italiens kommt im s wesentlichen das oberitalienifche Gebiet in Be- i Betracht. In Süditalien vor allem aber auch in der Ilm- Hebung von Rom ist ebenfalls sehr stark das Jndustrle- hnb Handelsleben zu beobachten, doch gemildert durch südliche Eigenart und südlichen Volkscharakter. Tie .Nirtfchastsverhältmsfe gesamt Italiens können am besten von Oberftalien aus betrachtet toerden. da Oberitalien der Sitz fast des ganzen Haiidcls von Italien und seiner Bnbnftrie ist. Von hier auS geht die wiri'chastliche Anregung u* Befruchtung durch das ganz« Land.

Ms markantestes Merkmal ist die ungeahnte Wendung H. nennen, die Italien im letzten Jahre durchgemacht, And die Deutschland bisher infolge der ValutaverhSltnifse viel zu wenig gekannt hat.

Um bie wirtschaft!! chen Verhältnisse zuerst zu besprechen, muß erwähnt werden, daß durfch di« ganze italienische Industrie ein im Interesse Italiens sehr zu begrüßender Zug geht, sie vorn Ausland möglichst unab­hängig zu machen. Es wird mit einem Fleiß und einer Energie sondergleichen gearbeitet. Besonders trifft diese Feststellung für Mailand und Turin zu, weniger für die Hafenstädte. di« ohne besondere eigen« Industrie I unter großer Arbeitslosigkeit zu leiden haben. Es ist aber- nur eine Frage der Zeit, wann der Außenhandel Italiens so belebt fein wird, daß auch die Verftachtung L der eigenen Produktion nach dem Ausland einen bis setzt unbekannten Umfang annimmt und eine Frage der Darifpositik Mitteleuropas, -das seinen Handel mehr «nd mehr nach Triest zu verlegen gezwungen ist. Dazu tritt in nicht allzu ferner Zeit der Export Jugoslawiens, sodaß mit einer starken Belebung, besonders auch des fcaiifithanbeld durch Italien nach lieberfee gerechnet weiden darf. Dank der Tätigkeit einer nicht bürokratisch *r beitenden, sondern vorbildlich vorsorgenden Re­gierung paffen sich ihre Maßnahmen den Erfordernissen des Landes besonders in Bezug auf die Förderung des Exportes in jeder Richtung hin an, werdep Zölle und 4 Abgaben nicht stabil und chematisch festgesetzt, sondern : .beweglich und vor allem immer nutzbringend und die : ^Staatskassen füllend gestaltet. So wird Italien zu einem reichen Land in dem der Bettel z. B- heute .bedeutend geringeren Um sang hat, wie in Deutschland; jtos ganze Geschäft sieben weist einen rasch vorwärts- , strebenden, aber nicht im entferntesten nertiifen Charakter Auf. Der Verkehr als solcher ist für Deutsche ver- i hältnismäßig geradezu vorbildlich. De Eisenbahnen meU jstens elektrisch betrieben, fahren mit außerordentlicher Geschwindigkeit und Pünktlichkeit. Im Straßenbahn- i Verkehr folgt eine Bahn der andern, wie bei uns etwa l ilit der Vorkriegszeit. Bei großer Schnelligkeitriefelt .sich auch der Verkehr ungemein reibbungslos ab- Er jdnndert nur, daß die Großstädte noch nicht zur durch- Jfitfcrben Arbeitszeit sich entschließen konnten, denn die j-Beförderung von und zum Büro in der Mittagszeit eine aroße Zett- und Kraftvergeudung. Em be­

sonderes Gepräge geben dem Verkehrsitd aller Städte die zahlreichen, sehr wendigen öffentlichen und private» Autos Streitigkeikn, an denen unser Geschäftsieben und das Straßenleben bei uns so häufig leidet, finb in Italien außerordentlich selten. Ueberall stößt man auf liebenswürdiges Entgegenkommen, auch die Bedienung in den Hotdls ist vorbildlich trotz des fast ganz abgefchafflln Trinkgeldes, etwaige Wünsche des Publikums werden diesen tatsächlich an den Augen abgesehen.

Wenn man auch nicht übersehen darf, daß bei itn§ in Deutschland viel schwierigere politische wirt­schaftliche und soziale Verhällnisse vorliegen, so fallen doch alle Vergleiche, die der Besucher Italiens von heute anstellen kann, immer zu unseren Ungunsten aus. Andererseits muß man auch der glücklichen Lage Italiens Rechnung tragen, dessen natürlicher Reichtum den ver­armten Deutschen doppelt in die Augen, springt. Dazu tritt dann noch die bekannte Anspruchslosigkeit d«S Italieners bei Deckung ferner Lebensbedürfnisse, und schließlich muß man noch in Betracht ziehen, daß sie für Wohnung unb Heizung, auch für Kleidung, infolge des marinen Klimas viel weniger auszugeben brauchen, als die Deutschen, so wird das Existenzminimum für den Italiener nicht nur relativ, fonbern auch absolut um vieles geringer wie für uns. Dabei ist aber das, was der Mensch zum Leben in Italien gebraucht gut, ver­hältnismäßig viel billiger wie bei uns, und mindestens im gleichen Verhältnis besser. Dazu erfreut sich Italien schon seit längerer Zeit ganz stabiler Preise, die gegen­über der Vorkriegszeit, in Friedenswährung berechnet, etwa um 50 bis 60 Prozent erhöht sind. Die Währung sl _ Lire doro gleich 5 Papierlire) ist abgesehen von kleinen Schwankungen den Eselvaluten gegenüber rech beständig größere Dsferenzen zeigt unter anderem der französische Franc mit seiner Neigung zum Sinken, und bis vor kurzem die deutsche Reichsmark, die jetzt aber nicht mehr notiert wird.

Diese Feststellung in Bezug auf bi« kommerzielle LE Lage Italiens treffen aber nicht für bie ganze Nach­kriegszeit zu, sondern erst ungefähr auf die Zeit feit der Regierungstätigkeit Mussolinis. Gerade entgegen­gesetzt den Erfahrungen, die wir in Deutschland hinsichtlich bet Wechselwirkung zwischen Politik und Volkswirtschaft gemacht haben, wirkt bie Politik dieses Mannes außer­ordentlich beftuchtend auf die Wirtschaft seines Vater­landes. So, wie er ohne seine Anhänger, die Faschisten, nicht denkbar ist, ebenso toen-.g kann man sich' diese ohne ihn vc.stcllen. Er ist eine Führernatur mit außerordent­lichen Gaben, der seine Anhänger gewinnt, nur durch die Erfolge seiner Tätigkeit. Desc selbst aber finb in allen Gesellschaftsklassen zu finden, ein sehr großer Prozentsatz unter den Arbeitern.

Infolge des Gleichmaßes des' gesamten öffentlichen Lebens Italiens die Opposition gegenüber öem Faschismus wird ja scharf niedergehalten hat bie Regierung natürlich mehr Zeit, Ivie anderswo, wo ihr? Kräfte durch Schassen tragfähiger RegierungSpartrien absorbiert werden, sich innen» und außenpolitisch zu betätigen. So wird in Italien weiter fleißig am Aus­bau einer vernünftigen Steuergesetzgebung gearbeitet, bie sich schon int ersten Jahre der Regierukzsiäflgkeü

Marburg

SomM, hen 1 Mai

Ter Anzeiaenvrei» beträgt tüt ben lOgelp. 3«iIenmtHimet«t 0,08 SolbeierL Amtlich« *.

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M Der Verein der Interessen der Berliner Metall- Söife hat mitgeteilt, baß bas Metallclearing für Ende Wlpril durchgeführt fei. Eine Beruhigung ist aber bis- Her keineswegs eingetreten. Man muß bedenken, daß ipie Frankensvekutzitionsgefchäfte sich keineswegs auf Metallieferungen beschränkt haben, daß vielmehr auch »er Cbemikalienhandel recht beträchtlich an den Liefe- Mngsgeschäften, die gegen den französischen Franken getätigt worden find, beteiligt ist. Noch wesentlicher »der ist, daß nach bei Ansicht aller Sachkenner die HUimo Mai fälligen Lieferungsgejchäfte weit umfäng­licher sind als die am Ende Avril fälligen. Man hat >en Vorschlag gemacht^fchon Anfang Mai einen Ver- rlearing für alle noch laufenden Frankenvervflichtungen kinzuleiten, um endlich einmal einen Ueberblick über ben Eesamtumfang der durch die Frankensvekulationen verursachten Verluste zu gewinnen. Aber die Ansichten " Zder die Bedeutung eines solchen Vorclearing sind recht geteilt. Viele durch die drohenden Verluste in Schwie­rigkeiten geratenen Firmen kosten noch immer, daß der Franken, dessen Kurs sich seit dem Konjunkturum- jchwung beinahe verdoovelt hat, bis End« Mai eine Vuc Schwächung erfahren und daß sich dadurch die Verluste aus den Lieferungsgejchäften noch erheblich Zermindern dürften. Man kann sich dabei auf Urteile Her englischen Presie berufen. DieTimes" z. B. bat erst kürzlich darauf hmgewiefen, daß der Franken viel |H stark in die Höbe geschnell<I ei, obwohl sich die finanzielle und wirtschaftliche Lage Frankreichs eigrnt- »» n keiner Weife verändert habe, und daß baßer : «ine Reaktion nicht ausbleiben könne. Trotzdem dürf­ten die Hoffnungen auf einen neuen Frankenriickaang Phon int Mai sich erfüllen. Mit Hilfe der ihr zur Ver­fügung gestellten Pfund- und DollarMthaben wird es btt französischen Regierung ganz gewiß nicht schwer sollen, ben Franken zu stützen, zum mindesten fa lange, eie die bevorstehenden Fälligkeitstermine nicht nur beutsche und österreichische, sondern auch Svekulanren i f anderer Nationen nötigen, zur Erfüllung ihrer Ver- , pftichtungen Franken anzuschasten. Erft wenn alle biefe Geschäfte endlich einmal abgewickelt sein werden, 1 fctut die Lage sich wieder ändern.

Unter diesen Umständen zeigen sich auch an den M benrieben Effektenbörsen noch keinerlei Zeichen eines I Umschwunges. Eine Insolvenz reibt sich an die andere,

Gewinnversuche im Verkehr mit Italien ans^chalten, um auf ordentlicher kaufmännischer Basis ihm unfere Vrodnkti'?. anzn bieten und feine Landes uid industrielle Erzeugnisse zn übernehmen.

Um schließlich noch auf das kulturelle und foziak« Leben Italiens zu sprechen zu kommen, so stützt es sich erstens besonders, abgesehen von seiner ganzen, natürlichen Beeinflussung durch Politik und Wirtschaft auf bie alte und gediegene Vergangenheit der apenninische Halbinsel. Wohl kein Volk der Erde hat sich soviel und erhabene Denkmäler einer glorreichen Geschichte erhalten tote bas "italienische. Die reichen Paläste, die viele« ehrfurchtgebietenden Kirchen sind ein Kapitel für sich. Die Religiosität hat eher zugenommen gegenüber der Bor­kriegszeit. Für jede Tageszeit sind die Gotteshäuser vo« f-etenben Männern und Frauen gefüllt. Entsprechend

dieser hoben sittlichen Ansfaffung zeigt auch abgesehen von ben Straßentppen, die man in deutschen Großstädten prozentual viel häufiger trifft, als in Mailand oder Genua, die italienische Weiblichkeit in der Oeffent» lichkeit eine viel größere Zurückhaltung, und ist btt Respekt des Mdnnes ein -ungemein viel höherer als bei uns. Die Ehrlichkeit des kritischen Beobachters v«r» langt birfe Feststellung. Ganz besonders aber verdient bi« Betonung des nationalen Charakters der Italiener beider» fe; Geschlechts unterstrichen zu werden. Erwähnt mufl in diesem Zusammenhang unbedingt auch bie rührend« Ehrung werden, bie Italien seinen Gefallenen unb Ber» munbeten zuteil werben läßt. Nicht bie Denkmäler und Tafeln aus Stein sind bas wahre Sinnbild dafür, di» aavze Liebe offenbart sich erst, wenn man z. B. in kleine« Dörfern lange Reihen von jungen Bäumen sieht, bfr«ü. jeder einzelne ein kleines Schildchen trügt mit dem Nomen und Todestag eines gefallenen Soldaten an­dern betreffenden Ort. So mahnt Italien für an» endliche Zeiten feine glücklichen Bewohner an die Opfer, die der Krieg von ihnen an Leib und Gut verlangt hat.

Einzelne Heine Eigentümlichkeiten muten uns Deutsche natürlich immer merkwürdig an; vielleicht gewöhnt sich auch eines Tages der Italiener toieoer daran, kürze« Haare zu tragen, und sicher kehrt eines Tages bei der gebildeten Italienerin die (Ansicht wieder, daß die Schminke nur zur Uebcckeckung von Häßlichkeit verwende! werden soll, und nicht zur Verunstaltung eines schöne« regelmäßigen Frauenantlitzes. Vorher aber möge die Eisenbahnverwaltung, deren rollendes Material an uni für sich nur der bereits schon angedeuteten Anspruchs­losigkeit eines Italieners engügen kann, erziehend dahin wirken, daß sie beeVietato fumare" in den Ab­teils mehr Nachdruck verleiht und womöglich noch rück» fichtslofer auch basfoutare" in ihnen verhütet, und eicht nut unter Zubrüsten beider Augen darum bittet, tS Spucken zu unterlassen, wie es jetzt der Fall ist.

Trotz dieser kleinen für eine gebilöetc Nation nn- wückipen Entgleisungen kann man aber dem italienische» Volk ftir seine nächste Zukunft nur eine durchaus gün­stige Prognose stellen. Kommerziell utzd industriell, po- titijch und tulturell ist es in einem Aufstieg sonderglcichm begriffen. Möge ihm eine günstige innen- und außen« politisch? Konstcllatwn dabei behilflich, sein. Am we­nigsten haben wir Deutsche Grund ihm diesen Ausstieg zU

zuteil, wenn wir erst wieder zu oorieflhaften Preisen.

liefern können und alle Jnslakions- und Valuta- und mißgönnen, denn wir werden nur davon profiliere«^