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Amtliches Verkiindigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (bas früher kurheffifchej Oberhessen

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Di« .OdrkdessilL« Zritung" erscheint ieibsmal wöchentlich. Bezngsvreis monatlich 2 Mark au»Ichli«tzlich Zustellungsgebühr. Für ausfallend« Nummern infolge Streik» oo. elemenr. Ereignisse kein Eriag. Der.ag von Dr. L. piyerotd.Druck der Univ.«Bachdruckerei von Jod. Lug. Koch, Markt 21,28. Urrniprecher 55, Boitlibeckkonto: Nr. 5015 8mt Frankfurt a. Mai«.

Marburg

Donnerstaii. Den 24. April

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Ter Anzeigenpreis beträgt für den lOgefp. Zeilenmillimeter 0,03 Soldmark. Amtliche «. auswärt. Anzeigen 0,10 Eoldmark. Bet lchwier.Eatz 50/« Aufschlag. Sammelanzeiz. 100/, Ausschlag. eilamen 0,35 Eoldmark. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Deichöftsstell« und Zusendung der Angebote. Zahlung innerhalb 5 Togen ll Dollar4,20 Eoldmark), Berechnung nach dem Berliner Mittel­kurs des Zahlung s-Eimgansstages. Verzugszinsen pro Tag nach dem Bankzinsfuß

59. Wl.

1924

; Das vorläufige Direktorium der Reichsbahn.

Berlin. 23. April. Durch eine Verordnung bes Reichskanzlers vom 3. April ds. Zs. ist der Reichsverkehrsminister zum General­direktor der deutschen Reichseisen- ),t a h n bestellr und ihm zur Unterstützung und Lei­tung des Unternehmens ein vorläufiges Direk­torium zur Seite gestellt worden, das aber ledig­lich begutachtende Tätigkeit besitzt. Das Direkto­rium ist unter Uebernahme der vorhandenen Elie» iderung des Reichsverkehrsministeriums aus den Staatssekretären als -eschäftsführenden Mitglie-

MgMiils du Walnoeto.

t Selbständigkeit Bayerns.

Berlin, 22. April. Heber die Neuregelung ßeS Eisenbahnwesens in Deutschland ist von dem Sreichsverkehrsministerium und dem bayrischen Han­delsministerium eine gemeinsame Erklärung abge­geben worden, welche die Grundlage für die A e u - vrdnung des bayrischen Eifenbahnwe- sens darstellt.

Die Verwaltung des Reichseisenbahnnetzes in Daher» obliegt der Verwaltungsstelle München, Me ihren Geschäftsbereich im Rahmen der einheit- Achen Verkehrsanstalt selbständig verwaltet, soweit nicht bestimmte Geschäfte der Hauptverwaltung vor- dehalten sind. In finanzieller Hinsicht ist der Ver­waltungsstelle München weitestgehende Selbst- pändi gleit zugebilligt worden bei der Auf­stellung des Voranschlags vom Gesamthaushalt, del der Verfügung über die ihr bewilligten Mittel, dei der Beschaffung von Lokomotiven und sonsti­gen Eisenbahnfahrzeugen, von Betriebs- und Merk­stoffen usw. Auch die baulichen und maschinellen Anlagen ihres Bezirks werden von ihr entwor­fen und beschafft. Der Landeseisenbahnrat in München wird der Verwaltungsstelle Bayern an- gegliedert, deren Leiter im Einvernehmen mit der bayrischen Landesregierung als Mitglied des Di­rektoriums der Deutschen Reichsbahn ernannt wird. Sr soll verpflichtet sein, außer den Reichsinter- essen auch die bayrischen Interessen zu vertreten. Ur steht der bayrischen Regierung jederzeit zur Auskunftserteilung zur Verfügung und hat ihr do »wichtigen Maßregeln, die das bayrische Wirt- fchaftSgebiet betreffen, Kenntnis zu geben. In bem zukünftigen Verwaltungsrat der Reichsbahn erhält die bayrische Regierung eine Vertretung aus eigenem Recht Auch unter den aus der freien Wirtschaft genommenen Mitgliedern des Derwal- tungSrates soll Bayern vertreten sein.

Den Schluß der Vereinbarung bilden eine An- chahl von Erklärungen der bayrischen Regierung über ihre grundsätzliche Stellung zur Eisenbahn- Page. Sv spricht sie die Erwartung aus, daß zur Auslegung von Bestimmungen des Staatsvertrages die bisher besonderen Anlaß zu Differenzen zwi­schen Reich und Ländern gegeben haben, noch be­sondere Vereinbarungen getroffen werden, sowie, daß über die $.*«, dungsfrage zwischen Bayern und dem Reich ew*ute Verhandlungen mit dem Siele einer Neuregelung eingeleitet werden. Die bayrische Regierung erkennt an, daß unter der Voraussetzung, daß die vorstehende Regelung durch- Heführt wird, das Verhältnis zwischen Bayern und bem Reich auf dem Gebiete des Verkehrswe­sens eine Besserung erfährt, sie erllärt jedoch aus- srücklich, daß weite Kreise des bayrischen Volkes die Rück Übertragung der Eisenbahnen an Bayern fordern, wobei eine Mitbeteiligung des Reiches in irgendeiner Form in Frage kom- Men könne. Die Formulierung und Geltendmachung dieser Forderung wird für später zu gegebener Seit im Zusammenhang mit den zur Revision der Weimarer Verfassung von Bayer» gestellte» An­träge» zurückgestellt. Bei der durch Gesetz erfol- Zende» endgültigen Neugestaltung des Reichsbahn- »nternehmens behält sich die bayrische Regierung vor. die Forderung einer eigenen Betriebs- gesellschast, die Bayern bereits bei der jetzi­gen vorläufigen Regierung vertreten hat, erneut |u erheben. Auch hält sie daran fest, daß in der Verordnung über die Schaffung eines Hnterneh- HrenSDeutsche Reichsbahn" nach Paragraph 8 des Eisenbahnstaatsvertrages, wonach das Reich lu einer Veräußerung oder Verpfändung der durch diesen Vertrag erworbenen Eisenbahnen der Zu­stimmung der Länder bedarf, die Zustimmung der Länder mit ehemaligem Eisenbahnbesitz eingehvlt Verden müsse.

Demgegenüber erklärt die Reichsregierung, daß sie an der durch die Reichsverfassung geschaffe­nen Berkchrseinheit und der einheitlichen Leitung des Reichsbahnunternehmens unter allen Arnstün-- 6en festhalte, und daß die Bildung von besonderen jDetriebsgesellschaften mit der Reichsverfassung nicht bereinbar sei.

Die Politik Amerikas.

Washington, 22. April. Auf einem @rrcn, das die Associated Preß zu seinen Ehren veranftaitete. hielt Präsi­dent C v o l i b o e heute eine große Rede, in der er sich mit der inneren wie mit der äußeren Politik eingehend befaßte. Er sprach über den Völkerbund, über den internationalen Schiedsgerichts- Hof, über die interalliierten Schulden, das Sachverständigengutachten und die Ab­rüstungsfrage. Einen E i n t r i tt in den V ö l i e r- bunb müßten die Vereinigten Staaten entschiede» ablebne n, und dieser Entscheid müsse als endg ült iz angesehen werden. Die amerikanische Politik m der Frage der interalliierten Schulden habe keinerlei Aenberung erfahren: diese Frage könne auch auf wirt­schaftlichen Konferenzen nicht besprochen werden. Zu dem Gutachten der Sachverständigen bemerkte Coolidge daß der Bericht des Komitees Dawes von der Reparation-- kommiision günstig ausgenommen worden sei und daß auch Deutschland bereit? seine Zustimmung gegeben habe. Man müsse glücklich sein darüber, daß der Plan Dawes die volle Sympathie der Alliierten gefunden hat und daß auch Deutschland sich bereit erklärte, an bet Verwirklichung der von den Sachverständigen gemachten Vorschläge mckzu- wirken. Er habe Vertrauen, daß aus dieser Basis dank gegenseitiger Zugeständnisse das verwickelte und dornenvolle Problem der Reparationen endgültig gelöst werden könne. Mr Plan Dawes sehe für Deutsch­land eine große Anleihe vor, die sofort begeben werden müsse, damit Deutschland seinen dringenosten Be­dürfnissen Genüge tun könne, vor allem aber, damit d« Emissionsbank, die geplant sei, err-chtet werden könne. Der Präsident ist der festen Hoffnung, daß sich auch ameri­kanisches Kapital an der Anleihe für Deutschland be­teiligen werde. Allein vom geschättlrchenStand- punkt auS hätte Amerika guten Grund, zu der finan­ziellen Unterstützung des friedlichen Wiederauibaues Euro­pas an seinem Teile beizutragen. Dagegen müsse, wie dies schon wiederholt geschehen sei, immer wieder aufs neue der Ansicht entgegengetreten werden, als ob Amerika bereit sei, Geld vorzustrecken, das zu irgendwelchen mili­tärischen Zwecken verwendet werden könnte. Tenn Amerika habe Pflichte« gegenüber der Menschheit und müsse jedesmal seine Hilfe anbieten, wenn diese dazu dienen solle, gerechten Forderungen (?) zum Siege zu ver­helfen, und wenn diese Hilfe dazu beitragen könne, fried­liche Zwecke zu erfüllen.

Zur Abrüstungsfrage sagte der Präsident:Wir hoffen, daß die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Be­ständigkeit in Europa den Anfang eines neuen und dauer­haften Friedens bedeute. Die Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts würde die Masse von Mei­nungsverschiedenheiten verschwinden lassen, und sofern

der» gebildet, wobei eine stärkere Selbständigkeit der Abteilungsleiter vorgesehen ist. Das Direk­torium hat im übrigen naturgemäß nur eine vorübergehende Bedeutung und wird nach der Anpassung des Unternehmens unter Be­rücksichtigung der neuen Erfordernisse gebildet werden.

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Mllld Md Fmkmch.

Englische Enttiiuschung über Poincarö.

London, 23. April. Im heutigen Leitartikel desDatly Herold" macht sich eine starke Ent­täuschung über die unnachgiebige Haltung Poin- careS nach verschiedenen vorliegenden amtlichen Meldungen betreffend den Standpunkt in der Repa- rationssrage geltend. Zum Schluß gibfe ..Daily Herold" der Hoffnung auf eine Aenderung der Lage tm Hinblick auf die französischen Neuwahlen Ausdruck. -

England drängt ans Eile.

London, 23. April. Wie Reuter zu wissen glaubt, wirb die britische Regierung in zwei bis drei Tagen ber MparationSkommisfion in ber Frage her Sach- verstänbigenberichte ihre Antwort erteilen. In Londoner Kreisen vertritt man die Auffassung, es komme hauptsächlich daraus an, daß der Sachverständigen- bericht so schnell wie möglich angenom­men unb in bie Tat umgejetzt werde. Sobald bas geschehen ist, könnten die Verbündeten sich mit anderen Problemen befassest Hinsichtlich einer interalliierten Kon­ferenz ober einer Begegnung ber verbündeten Premier­minister ist hier nicht- bekannt.

Die Frage der Sanktionen.

Poris, 23. April.Newhork Herold"mel­det. daß Frankreich ft» der Frage der für den deutscher Verschlungen zu ergreifenden interalliier­ten Maßnahmen noch keine Anfrage an das Lon­doner Kabinett gerichtet habe. In fränzösischen Kreiser, werde erklärt, daß man mit der Eröffnung des Meinungsaustausches über diese Maßnahmen bis zur Abhaltung der deutschen und französischen Wahlen warten müsse, bamit man de» neuen, in der europäischen Situation auftretenden politischen Faktoren Rechnung tragen könne. Nach dem ,Ncwyork Herald" dürften die Vorbereitungen zur

in Europa eine feste Politik verfolgt wird, ' Anstrengungen zur Förderung ber Abrüstung -r-uäch: werden, wie dies au! ber Washingtoner Konferenz geschehen sei. Diese Konferenz konnte leider nur bie Zahl und bett Schiffsraum für die großen Schiffseinheiten feststellen, währenb sie bie Frage ber Abrüstung »n Land- unb zur Luft ungelöst lasten mußte. Der Haupt­grund, warum auch biefe Frage nicht einer Losung zuge- sührt werden konnte, lass darin, daß in Europa zu jener Zeit noch eine wenig bestänbige, ja, nahezu bebroh.tche Lage herrschte. Eine endgültige Regelung ber Repara­tionsfrage könnte den Beginn einer neuen Friedensära bedeuten. Es wäre daher wenig praktisch, unter jetzigen Verhältnissen schon bestimmte Vorschläge zu machen ober eine Aktion zu unternehmen. Sobald aber eine endgültige Regelung ber Reparationsfrage erfolgt sei, werde er die Einberufung einer Konferenz mit Ver­gnügen gutheißen, die bie Einschränkung ber Rüstungen zum Gegenstanbe hat und Pläne für bie Ausarbeitung eines inter­nationalen Gesetzes festlegen würbe, bas die erwähnten Fragen regest. Eine solche Konferenz würde auch bet den anderen Regierungen eine günstige Auf­nahme finden. Schließlich sprach sich ber Präsident für den Eintritt ber Vereinigten Staaten in den Inter­nationalen Schiedsgerichtshof aus und ver­langte bie Schaffung eines internationalen Gesetzes, bas die Rechte ber Neutralen in Kriegszeiten festgelegt. *

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Berlin, 23. April. Nach einem Funkspruch aus Newyork lauten die Aeußerungen Coolidges über eine Anleihe für Deutkchlond folgender­maßen:Ein Teil des Dawes-Planes sieht vor, daß Deutschland für sofortige dringende Bedürfnisse eine beträchtliche Anleihe gewährt wird. Ich ver­traue daraus, sagte der Präsident, daß das pri­vate amerikanische Kapital bereit sein wird, sich an der Anleihe zu beteiligen. Es be­stehen gesunde geschäftliche Gründe da­für, daß Amerika sich an der Finanzierung von Werken des Friedens in Europa beteiligt. Die Anleihe würde unserem Handel und Verkehr zugute kommen, wir hoffen besonders, daß sie auch unserer landwirtschaftlichen Erzeugung einen weiteren Markt verschaffen wird. Es ist notorisch, daß fremdes Gold reichlich in unser Land geflossen ist. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß ein Teil dieses Goldes mit größeren finanziellen Vorteilen für uns in Europa als in den Vereinigte» Staaten ver­wertet werden kann."

piasiifchen Ausführung des Sachverständigengut­achtens noch etwa sechs Woche» in Anspruch neh­men.

Die nächste Sitzung der Repko.

Paris, 23. April. Dis nächste Sitzung der Reparationskommission findet am Frei­tag statt.

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Die Vorbereitung der Eoldmark-Anleihe.

London, 23. April. Das Mitglied des Bank­hauses Morgan, Morro, trifft in den nächsten Tagen in besonderer Mission in Europa ein. Es heißt, daß er den Auftrag habe, die 8 0 0 - Mil - lionen-Eoldmark-Anleihe, die Deutsch­land gewährt werden soll, unterzubringen.

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Jugoslawiens Absage an Frankreich.

Paris, 23. April. Dir bereinigten franko-rumä nischen Bemühungen, Jugoslawien zum Abschluß eines SonderabkommenS mit Rumänien zu be­wegen, sind, wie aus einem Telegramm aus Belgrad beut» lich hervorgeht, definitiv gescheitert. Der rumä­nische Außenminister Duea hat sich von Paris aus iv Belgrad über die Möglichkeit eines Bünbnisvertnages er­kundigt unb zunächst eine ausweichende, aber im Grunde ablehnende Antwort erhalten. DemMatin" zu­folge gibt man jetzt in serbischen offiziösen Kreisen offen zu verstehen, daß Jugoslawien nie unb nim­mer ein Bündnis mit Rumänien gegen Ruß­land abschließen werbe. Den Standpunkt ber Belgrader Regierung bringt bas offiziöse Regierungsblatt Belgradski Novosti" in unzweideutiger Weise jum Aus­druck. Jugoslawien, so schreibt da» Blatt, könne in ber beffapabifeben Frage weder ein militärisches noch ein politisches Bündnis eingehen. Diese Auslassung serbischer offiziöser Kreise hat in Paris große Enttäusch­ung hervorgerusen. Man hatte angeblich, toie ber Bel­grader Sorrefbonbrnt desMatin" behauptet, in Paris beabsichtigt, mit ber Unterzeichnung des franko-rumimi­schen Bündnisses zu warten, bis bindende Zusagen auS Belgrad eingetroffen seien. Ganz offenbar hat die s r a n- zösische Diplomatie eine schwere Schlappe erlitte», , >.

Stell ®et loeali

Der englische Ministerpräsident spielt gegenwärtig bei der Regelung der Fragen, die durch das Sachverständigengutachten aufgeworfen worden iirtt-, eine große und vielleicht entscheidende Rolle. Anter diesen Amständen ist eS auch sür uns von einer gewissen Bedeutung, daß sich in der letzten Zeit gegen Mac Donald innerpolttische Schwierigkeiten erheben. Man hat zuweilen de» Eindruck, als ob die englischen Liberalen die Absicht hätten, gegen die Arbeiterpartei ihre parlamentarischen Kräfte mobil zu machen. Lloyd George hat dieser Tage in einer liberale» Ver­sammlung in der Provinz an die Adresse Mae Donalds die Warnung gerichtet, den Liberale» als der parlamentarischen Stütze der englischen Re« gierung keine demütigenden Bedingungen zuzn« muten, da sonst die Regierung in die Brüche gehe« könnte. Dieser Warnung sind einige Fälle voraus- gegangen, in denen das englische Kabinett im Un­terhaus bei einer Abstimmung in einer Minderheit blieb. D.nd wenn Mac Donald auch diese Fülle niemals als entscheidend angesehen hat, so lasse» sie doch auf ein gewisses Auseinandergehen der Meinungen zwischen der Arbeiterpattei und den Liberalen schließen.

Man konnte die Schwierigkeiten, die jetzt auf- tauchen, schon bei dem Beginn der englischen Ar- beiterregietung #r märten. Ihr Ursprung ist gantz. sicher in der englischen Arbeiterpattei zu suchen. Diese Partei hat einen starken LinkSflügel, ber mit kommunistischen Ansichten liebäugelt und der wie ein Schwergewicht an dem Kabinett Mac Donalds hängt. So vernünftig auch im Vergleich zu den deutschen Verhältnissen die englische Ar­beiterpartei in politischer Beziehung ist, so rächt' sich doch auch an ihr, daß sie in der Wahlzeit mehr versprochen hat, als sie als verantwortliche Regierungspartei halten kann. Mac Donald hat kürzlich auf dem Parteitag ber unabhängigen Ar­beiterpartei, auf dem er nicht ohne bestimmten Grund eine Rede hielt, des Langen unb Breite» auseinandergesetzt, was die englische Arbeiterpattei alles schon erreicht hat. Dabei stand an erster Stelle bet Zusammentritt ber englisch-russia schen Konferenz, die bie Dinge zwischen England und Rußland wieder ins Reine Bringe» soll. Aber alles das sind, doch nur abgeblaßte Er- \ folge gegenüber den knallroten Zukunftsbildern, die man im Wahlkampf den Wählern vor Äugens gehalten hat unb die ein großer Teil ber Arbeiter- Abgeordneten auch heute »och in die Wirklichkeit übertragen möchte.

Auf der anderen Seite hat natürlich auch bi«' liberale Partei mit großen inneren Dchwie-j rigleiten tu kämpfen. Wie bie Schwenkung Ehur-, chills rechts beweist, ist die Unterstützung der. ArbU - "r i durch die Liberalen für diese Partei eine sehr schwere Belastung. ES ist auch kein Geheimnis, baß bie Ansichten innerhalb der libe­ralen Partei auseinandergehn unb daß es außer­ordentlich schwer hält, Asquith und seinen An­hang unb bie Getreuen Lloyd Georges zusammen­zuhalten. Asquith ist mit tiefer innerer Abnei­gung an die Koalition-mit der Arbeiterpartei her­an gegangen und bie bisherigen Erfahrungen haben chn sicher nicht in seiner Neigung für diese Koali­tion s p o l i t i k beftä. I. Für die englischen Li­berale» steht tatsächlich recht viel auf dem Spiel. Das englische Zwei-Parteien-System, auf das in England alles eingestellt ist, drängt von selbst wieder zu einer Ausschaltung der jetzigen Kombi­nation, die auf dem Vorhandensein von drei Par­teien beruht. Die engllschen konservativen Blätter werden nicht müde, den Liberalen zu prophezeien, daß ihr Erbe restlos an bie Arbeiterpartei ver­loren gehen wird und daß über kurz oder lang nur noch die Konservativen und die Arbeiterpar­tei bie Karten des parlamentarische» Spiels in ber Hanb haben. Mag bas auch unzutreffend unb jedenfalls übertrieben fein, so ergibt sich doch daraus eine gewisse Eifersucht der Liberalen auf bie Arbeiterpartei unb man kann bie geringe Nei­gung ber Liberalen verstehen, durch ihre Unter» ftützung zu der Weiterexistenz ber Arbeiterregie­rung beizutragen.

Aus alledem ergibt sich zweifellos eine ge­spannt-. innere Situation in England. Trotzdem wirb man mit ernsten Komplikationen vorläufig nicht zu rechne» habe». Mac Donald hat die erste Hälfte der parlamentarischen Session hinter sich und es sollen noch eine Anzahl von Frage» geregelt werden, an denen auch die Liberalen ein sehr großes Interesse haben. Daz, gehört z. B. bie Milderung der Arbeit-« los igleit, die Lösung des Wvhnungs- predlemS, das mit seinen Hätten außerorbenl*