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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

Rt.M

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Mavbrrrg

DienstM. üen 22. Apn'l

Oftermond

Frankreich macht Schwierigkeiten.

Paris, 20. April. Nach einer von der Havas- agentur verbreiteten halbamtlichen Erklärung sind die französischen offiziellen Kreise der Ansicht, die Donnerstag von der Neparationskommission getrof­fene Entscheidung werde gewinnen, wenn sie ver- ^llkommnet und präzisiert würde. Zweifelsohne werde die französische Delegation bei der Repara- tionskomnnssicn unverzüglich offiziell über den Standpunkt des französischen Ministerpräsidenten unterrichtet werden. (Nach demPetit Journal" teil diese Mitteilung heute abgehen.) Die franzö- »che Regierung habe die Initiative ergriffen, die Vachverständigenausschüsse einzusetzen, und sie habe nicht gezögert, das Verdienst ihrer Arbeiten anzu- erkcnnen und ihre Entschließungen und Methoden des Sachoerständigenplanes, soweit sie ihrer Kom­petenz unterstehen. Es bestehe also ein Interesse, daß die Röparationskommission ausdrücklich erkläre, Das bei der Ausführung des sehr verwickelten Planes den interessierten Parteien zur Durchfüh­rung zustehc, nämlich der Neparationskommission, ben alliierten Regierungen und Deutschland selbst, siach der Ansicht der Sachverständigen habe tatsäch­lich die Neparationskommission alle Vefuguiffe, ge- i toi He Organisationen des neuen Planes zu fixieren. ;8bcr die Sachverständigen hatten eine grundsätzliche Regel aufgestellt, über die die französische Regierung nicht feilschen könne, sie müsse nämlich ivissen, ob die französisch-belgische Organisationen im Ruhrgebiet ausgegeben oder in dem Maste, in d n sie die wirt­schaftliche Einheit Deutschlands stören, erst umge­wandelt werden solle«, wenn Deutschland den ihm anempfohlenen Plan znr Ausführung gebracht habe. Die deutsche Regierung müsse also vor allem' die xcsetzgeberischen Mahnahmen annehmen und die nötigen Organisationen durchgeführt haben für die Bildung der Emissionsbank und für die Reichseiscn- kuhn-Eesellschaft. Sie müsse eine industrielle Hypo­thek »ermitteln, die Steuern erhöhen usw.

Also erst, wenn das Deutsche Reich einen sicht­baren Beweis seines Willens gegeben habe, an dem endgültigen Plan der Reparationskommission mit- fuaröeit*, könnten Frankreich und Belgien aufge- fordert werden, das wirtschaftliche Pfand im Ruhr­gebiet gegen anderes, weitergehendes Kontrollsystem euszutauschen. Dann werde unvermeidlich die Frage der Garantien und Sanktionen aufgeworfen werden, die die Sachverständigen nicht behandelt hätten, da diese Maßnahmen politischen Charakter hätten. Die französische Regierung wolle, bevor sie die Druckmittel anfgebc, über die sie jetzt verfüge, sich von vornherein mit den anderen alliierten Nächten über die Sanktionen verständigen, die nach einem gemeinsamen Abkommen für den Fall getrof­fen werden mühten, daß Deutschland bei der Aus­führung der neuen Bedingungen versage. In Lon­don dagegen wolle man sich erst nach einer etwaigen Verfehlung des Deutschen Reiches und zwar nach Kenntnis des Charakters derselben sich darüber aus­sprechen. Es sei klar, dah Poincarö daraus bestehen »erde, seine These zum Siege zu führen, wenn die Stunde der Verhandlungen zwischen den alliierten Negierungen gekommen sei. Er werde das mit um so grösterer rkeberzeugung tun, als die Erfahrung gezeigt habe, dah man keine Sanktionen habe anzu- wenden brauchen, wenn die Alliierten cntschlosien gewesen seien, sie durchzuführen. Frankreich, das Pfänder im Ruhrgebiet besitze, deren Wirsamkeit bewiesen sei, würde sehr naiv handeln, wenn es sie gegen ein einfaches Verspreche» der deutschen Mit­arbeit aufgäbe, und ohne versichert zu sein, dah das Deutsche Reich sich nicht noch einmal seinen Ver­pflichtungen entziehe» werde. Frankreich zeige sein Entgegenkommen genügend dadurch, dah es die Ent- schliehungen der Sachverständigen annehme. Man könne ihm also nicht die unerlählichen Garantien verweigern, deren Berechtigung die Sachverstän­digen sogar anerkannt hätten.

Paris, 21. April. DerTemps" berichtet, dis französische Regierung habe auf die Mitteilung der Reparationskommission, in der der Beschluß vom letzten Donnerstag mitgeteilt wurde, bereits geant­wortet. Sie habe die Haltung eingenommen, die man vorhcrgeseheu habe. Ihre Meinung über den .Bericht der Sachverständigen weiche nicht von der Meinung der englischen Regierung ab. Sie erwarte ß;t, daß die Neparationskommission die Entschei- ngen treffe, die ihr zukommen, um den endgülti­gen Plan auszuarbeiten. Wenn die Reparations- kommission jetzt in den Grenzen ihrer Brfugnisse Beschlüsse fasse, könne die französische Regierung die Maßnahmen bestimmen, die sie ihrerseits zu ergrei- fen habe. Das Wort habe also die Reparations- kommisfion. Sie allein sei qualifiziert im Rahmen Ihrer Zuständigkeit das Werk vorzubereiten, wie sie <s am Donnerstag angekündigt habe. Sie allein könne den Beschlüssen der Sachverständigen Gewicht jteben, nachdem sie die vorbereitenden Arbeiten 'mirchgeführt haben.

Frankreichs Forderung nach einem Sicherungs- Vertrag.

Paris, 19. April. Der diplomatisch« Mitar­beiter desNewhork Heralo" glaubt zu wissen, daß Frankreich einer Abänderung dr gegenroärvg« Ruhr- befetzung, soweit sie mit dem Problem der französischen Schrung n zusammenhänge, nur gegen Abschluß ein.s Sicherungsvertrages mit Großbritannien zu stimmen werde. Frankreich wünsche lebhaft, so fährt der Mit­arbeiter fort, daß der Sachrerständigenplan so schnell wie es die französischen und dir deutschen Wahlen er«. lauben, in die Tat umgesetzt werde. Frankreich werde dann das Truppenaufgebot im Ruhrgebiet im Laufe des Sommers aus 4000 Mann herabsetzen. >

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Eine Unterredung Dr. Luther».

Berlin, 19. Avril. Der Reichsfinanzininistcr Dr. Luther gewährte Herrn v. W i e g a n b, dem Vertreter der H e a r st - P r e s s e, eine Unter­redung. in deren Verlauf er sich folgendermaßen äußerte:Die Vereinigten Staaten haben der Welt einen großen Dienst erwiesen, indem sie, wenn auch nur inoffiziell in die Gestaltung der Repara­tionspolitik eingegriffen haben. Der Bericht der Sachverständigen buv Reparationsschiff, das zwi­schen gefährlichen Klippen hin und herpendelte, auf 'inen sicheren Kurs zu,, der Aussicht auf eine fried­liche Verständigung bietet. Ich lege besonderes Ge­wicht auf das Wort Aussicht, denn es sind durchaus noch nicht alle Gefahrenpunkte überwunden."

Auf die Frage, in welcher Richtung er die Gefahren lebe, antwortete der Minister:Ich sehe diese Gefahren besonders in politischer Richtung. Um das ver­ständlich zu machen, muß ich mit einem Wort auf i>rs Gutachten selbst eingehen. So einsichtsvoll das Gut- achten die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge des Weltverkehrs etfennt, so habe ich doch die allein ernsteste Sorge, daß das Gutachten die deutsche Leistungsfähigkeit, auch wenn günstige Entwicklungsbedingnngen eintrete, durchaus überschätzt. Mein jetziges Amt und der Weroe- ang mein s Lebens hat mir die Möglichkeit gegeben, diese Dinge recht klar zu sehen. Neben dieser ungeheuren zahlenmäßigen Belastung enthält das Gutachten nun aber auch schwere und tiefe Eingriffe in die deutsche Staatshoheit und damit in das Eigenleben des deutschen Volkes; Eingriffe, die z. B. bei der Eisenbahn bis zu einer planvollen Zurückdrängung der Reichsgewalt gehen, die hier besonders hart empfunden wird, weil das Eisenbahnnetz gewissermaßen den Blut­umlaus des Wittschastskörprrs darstellt. Dos alles muß man ins Auge fassen, um zu verstehen, welche Stimmung im deutschen Volke grosgvachsen muß, wenn jetzt immerfort Nachrichten aus Frankreich herüberklingen, nach denen versucht werden soll, neben b'eser ungeheuren Belastung auch noch die an Ruhr und Rheinergrisfnen Gewaltmaß nahmen «Ut­recht zu erhalten. Das ganze deutsche Volk war stelisch daraus eingestelü, daß durch bas Sachverständi- -zen-Gutachten eine neue Epoche beginnen solle, in der die wirtschaftliche Vernunft an Stelle der politi­schen Gewalt tritt. Wenn die politische Ge­waltanwendung nicht gleichzeitig anSge- räumt wird, so kann ich mir nicht vorstel- len, daß die große, im General Ta wes-Be­richt nied-rgelegte Arbeit den beabsich­tigten Segen für Europa und di« Welt­wirtschaft bring t."

Aus dir Frage, ob eine llngeklärtheit oer politrsä-en Verhältnisse auch unmittelbar wirtschaftliche Rückwirkungen haben würde, rnttoortrte her Mini­ster:Es ist zunächst logisch und wirtschaftlich unmöglich, Spezial-Pfänder irgend welcher Art, wie z.B- die Eisenbahnregie im besetzten Gebiet, neben der In­kraftsetzung des Sachverständigengutachtens mit seinen Generalpfändern aufrecht zu erhalten". Drc deutsche Wirtschaft kann sich in keiner Weife erholen, so­lange nicht auch das Eisenbahnnetz von Rhein und Ruhr nsieder einheitlich von der deutschen Eisenbahn «- -wirtschaftet und verwaltet wird. Darüber hinaus aber kann sich die deutsche Wirtschaft überhaupt nicht er­holen, wenn nicht auch im Westen wieder das Recht an die Stelle der Gewalt tritt Dabei handelt es sich um die Wiederherstellung der ganzen deutschen Verwaltung, die Be- satzungsfrage, die Freilassung der Ge­fangenen usw. Einige Mitglieder des Sachverstän- digenausschusfts haben in Berlin mehrfach das Bild ge­braucht, daß Deutschland ein Kranker sei und die Sach- r«rständizen die Aerzte. Schon ans bltrtm Bild ergibt sich, daß die psychologische Datfachen nicht vernachlässigt werden dürfen Ich glaube zu wissen, daß man gerade in Amerika genau weiß, welche Bedeutung in der Krankenbe- handlung die Psychologie spielt. Das deutsche I?olk ist fein toter Mechanismus, aus dem man irgend­welche Wirtschastsgesetze nur als solche anwenden könnte, sondern es ist ein lebendiger Organismus wie jedes andere Volk. Deshalb ist Voraussetzung auch für die Leistungsfähigkeit der deutsche» Wirtschaft, daß da«

deutsche Volk auch seelisch vo n dem unge- heuren Druck befreit wird, der von Frank­reich her immer wieder aus das cklichr besetzteGebiet und damit ' g U ^-.entsch- landansgeübl wird"

Der Korrespondent fragte:Eiauk.. - * - sini­ster, daß das deutsche Volt, wenn die pol.u.cyen Fragen N-löst sind, zu ernster Krattanspannung bereit sein wird, um die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen?"

Der Minister erwiderte:Ich habe gar keinen Zweifel, daß das deutsch« Volk, sobald die politischen Fragen in einer für das dentsche Volk tragbaren Weise gelöst sind, seine ganze Kraft einsetzen wird, um die Verpflichtung chie eS im Anschluß an den General DaweS-Bericht übernimmt, zu erfüllen. Das amerikanische Volk wird deshalb der Weltwirtschaft und dem Weltfrieden den allergrößten Dienst erweisen, wann es dafür sorgt, daß auch die poli­tischen Fragen in dem sachlichen Geist gelöst werden, der den General Dawes-Bericht erfüllt."

Dr. Schacht zum Sachverständigengutachten.

Paris, 20. April. Reichsbankpräsident Dr. Schacht empfing den Berichterstatter desExcelsior", dem er u. a. «Härte, die Arbeit der Sachverständigen sei ausgebaut: auf den finanziellen und wirtschaftlichen Grundsätzen von unantastbarer Folgerichtigkeit. Es scheine ihm jedoch, daß bei der Abschätzung bet von Deutschland in den ersten Jahren zu zahlenden Summen seine Zahlungsfähigkeit überschätzt wurde. Er befürchte im Anfang Schwie­rigkeiten, namentlich was die Finanzierung der Sach­lieserungen anbetrrfse Alles hänge allerdings von der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands ab. Er sage das ohne Hintergedanken, denn es sei seine Heber» zeugung, daß Deutschland ein hervorragendes Jnt«esse daran habe, loyal seine Verpflichtungen zu erfüllen. Was die Verhandlungen zwischen Deutschland und der Entente anbetresie, so glsiube er, daß es anzuempsehken sei, sich nicht ht Emzel- heften zu verlieren. Es sei notwendig, daß, wenn nicht ein definitives Abkommen, so doch wenigstens eine ölige, meine Lösung erfolge. Einige strittige Punkte von unter» geordneter Bedeutung könne man dann ja spät« regeln. Man dürfe keinen Augenblick ans dem Auge verlieren, von welch« Bedeutung es sei, daß Deutschland mit den alliierten Mächten, besond«s ab« mit Frankreich, wieder in normale Beziehungen trete. Es wäre jedenfalls von großem Stert, wenn die Regelung schon vor den Wahlen in Deutschland und Frankreich «folgen könne, denn die Durchführung des Abkommens sei das sicherste Mittel, nm die politischen Leidenschaften zu dämpfen. Wenn man zu diesem Ziele gelangen wolle, mülle man die diplo­matischen Noten durch persönliche Aussprachen zwischen Männern «setzen, deren Kompetenz anerkannt sei, und die von der Größe ihrer Mission üb«zeugt seien.

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Helfferich und das Gutachten.

Dr. Hel fferich nimmt in derKreuzzeitung" Stillung zu dem Gutachten der Sachverständigen. Be­sonders bemerkenswert ist der Teil seiner AuSführnn- gen, d« von dn materiellen Belastung handelt.

Diese von den Sachverständigen vovgeschlagene Jah­resleistung bleibt zwar hinter der im Londoner Ultima­tum theoretisch festgesetzten, aber niemals auch nur annähernd erreichten Jahresleistung (2 Milliarden Goldmark fest zuzüglich 26 Prozent der jährlichen Ausfuhrwerte) etwa? zurück; aber sowohl di« Grund­zahl von 2,5 Milliarden Goldmaritz die vom Jahre 1928 29 an gelten soll, wie auch die Jahresleistun- gen, die bis dahin auf Grund eines partiellenMora­toriums" von Deutschland verlangt werden, gehen immer noch g«adezu unsinnig weit über alles hinaus, was Deutschland selbst im Falle der günstigsten Ent­wicklung wird leijten können. Statt eingehender Be­rechnungen, di« oft genug gegeben worden sind und jederzeit erneut gegeben werden können, verweise ich

1. auf das des amerikanischen Institute of Economics, versaßt von E. C.Mac Guire und G. H. Moulton, daS die Leistungsfähigkeit des »nvcrstümmelten und ungeschwächten Deutschlands dec Borkriegszeit für Zahlungen an das Ausland auf höch­stens 400 Millionen Goldmark jährli ch berechnet,

2. 41 uf die Tatsache, daß England die Jahreslei­stung von nicht einmal 7 00 Millionen Gold­mark, die ihm sein Schuldenabkommen mit Amerika auferlegt, als eine außerordentlich schwere Last und als eine ernstliche Behinderung für die Wiederherstellung und die Aufrechterhaltung der Goldparität seiner Valuta empfindet; eS ist absurd, anzunehmen, daß das verstümmelte und ge­schwächte Deutschland daS -Vierfache dieser Last und mehr soll trage» können.

Ich sage mit derselben unbedingten Gewißheit, mit der ich seinerzeit das Londoner Ultimatum für un­erfüllbar erklärt habe, daß die »on bett Sachver­ständigen vorgeschlagenen Jahreslei- siungen schlechthin unerfüllbar sind. Werden sie trotzdem von einer Regierung als bindende Verpflichtungen übernommen, so muß sich das deutsche Volk borfib« klar fein, daß es mit allenan die Nichterfüllung in dem Sachverständi­

gen bericht geknüpfte» Folge» he»t» scho u als mit von ihm selbst anerkannt ten Rechtswirkungen zu rechnen Hal. Ds« bei laßt der Sachverständigenbericht offen, ob uud wtel weit Deutschland sich durch die ungeheuerlichen ihm zu- g-rnt teten Jahresleistungen von der Entschädignngs- schuld, wie sie das Londoner Ultimatum fixiert Hatz, überhaupt befreit. Eine Meinungsäußerung Ker deck Betrag der Entschädigungsschuld Deutschlands Habs nicht im Auftrag des Sochverständigenausschnsses gw legen. Die 3 Milliarden Goldmark jährlich, auf di« man uns zu schrauben hofft, stellen genau die 5 Pro« zent Zinsen und das 1 Prozent der im Londoner UftU moium vorgesehenen Bonds der Serien A und B i« Kapitalbetrag von 50 Milliarden Goldmark dar. Wen» Deutschland Jahrzchnte hindurch diese unsinnigen Zah­lungen leisten könnte und würde, dann könnten unsre Enljchädigungsgläubiger immer noch den Anspruch er­heben; jetzt kommt erst das ganze dicke Ende; jetzt be­ginnt Verzinsung und Tilgung der fast 80 Milliav- den Goldmark der Bonds Serie C! -

Sine Me Mn Semlis.

London ,19. April. Mac Donald erklärt« in einer mit Spannung erwarteten Rede auf einer Zusammenkunft der Unabhängigen Arbeiterpartei in Port, von stürmischem Beifall begrüßt, u. o., die jetzig« Regierung bestehe auch nur aus Menschen, die hab« Fehler gemacht und werde Fehler machen; wenn sie in zwei Wochen ihr Amt niederlegen würde, würde sie doch der Geschichte der Arbeiterbewegung ihren Stempel aufgedrückt haben. Die Arbeiterpartei sei f it Januar größer geworden, nicht an Umfang, aber dem Geiste nach. Mac Donald trat in diesem Zusammenhang ge­wissen Presseberichten über angebliche Spaltungen in der Arbeiterpartei und der Auffassung entgegen, daß bi« Arbeiterregierung zwar im Amte fei, jedoch keine Macht besitze, und führte weit« au3, wer an bet Macht sei, habe die Gelegenheit und Gelegenheit be­deutet Macht. Habe die Regierung nicht Ikußland an«kannt (Beifall). Tage nicht augenblicklich in Lon­don eint Konferenz mit Vertretern Rußlands, nach Jahren des Mißverständnisses, nach Jahren des Un­heils, nach Jahren der Politik die keinem feindlichen Gläubig« RußlaKs einen wten Heller eingebracht habe, and««seits ab« für Hunderte von Familien Arbeitslosigkeit und Armut bedeutete? Werde etwa mit dem Bau b« Singapovedocks sortgefahren? Was weiter die Reparationsfrage anlange, so sei er froh^ zn sehen, daß das ganze Land hinter ihm stche in seiner Ansicht, daß bet SachonstSndigenbericht als Gan­zes angenommen werden müßte. D« Bericht ent­halte Dinge, bi« er schätze und Dinge, di« er nicht gern habe, ab« wenn et diese und jene Einzelheiten auf* znwersen beginnen würde, würden Frankreich, Bel­gien und Deutschland dasselbe tun und man würde sich genau in derselben Lage befinden und genau wieder da sein, wo man angefangen habe. Hi« ist, so sagt« Mac Donald. Europas Gelegenheit, ergreift sie so­fort und vollständig und bringt damit Frieden und' Sicherheit für den Kontinent! Es gcht aus den Be­richten der Sachverständigen klar hervor, baß, wen W man noch zwei Jahre bieselbe Politik fvr tführt, bie man feit zwei oder drei Jahren betrieben hat, keine Hoffnung ans Frieden und Sicherheit mehr be­steht. Ties aber ist es, waS mir am Herzen liegt und wofür Pch arbeite. Der Eintritt Dentsch- landsindenVölkerbundwürdedieOrga- nisation vollenden auf der ich gern de» zukünftigen Frieden Europas gründe» wil l Wir sehe» im übrigen den Aufstieg des ex- tre men Nationalismus in Deutschland als sehr große Drohung und als gefährlich für Europa an, beklagenswert auch für Deutschlands ab« die Politik der Alliierten trägt größ­tenteils die Verantwortung für diesen Aufstieg des deutschen Nationalismus. Mac Do­nald drang endlich darauf, Deutschlands Wort auzu- nehnien. Er kam dann auf Indien zu sprechen und sagte, die Regierung kenne die Lage in Indien und wolle sie verbessern; bas ihr vorsch'vebende Ideal fei der Dominion-Status für Indien. Zum 'Schluß er- klärt« der Premierminister, nach seiner Ansicht fei «S eine Pfsicht, die Regierung des Landes fortzuführen und Neuwahlen, die niemand wolle und die. Wenn fei kämen, nichts bessern würden, sernzuhalten. Er ,'ehe keinen Grund, weshalb das Laich in den nächsten zwei oder drei Jahren belastet wechen sollte. ES würde mind fiens diese Zeit dauern, um Europa auf eine sricdli.be Grundlage zu setzen und einigem ißen nor­male industrielle Bedingungen wieoerherzustrtlen,

L o n d o u, 22. April. Die Stelle i« Mac Do­nalds Rebe in Bork, in der er darüber sprach, daß man Deutschland Vertraue» entgegrnbringeu müsse, hat sollendes Wortlaut: Weuu wir aufhöre» al«