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GderhcWe Zeitung

Drittes Blatt

Wett'

Der

BREMEN

AMERIKA

OTOIEM-fiUgRflL^li

264

| in Marburg)

Marsberg L Wests

2035

EiU, Rhema, 3sM

Für bi« Schristleitung verantworlt. Hans-Georg Licht.

Für den örtlichen und Provinz. Teil: Wilhelm Mßner.

Sprechzeil der Schristleitung b's V.ll Uhr vormittags.

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Kleine Chronik.

Der Stand des Weltenndsluzes.

inzwischen von Seattle aufgebrochen und haben als nächste Station Prinre Rupert erreicht, das bereits n Britisch Kolumbien liegt. Die Flugbahn geht noch weiter über Sitka nach Cordowa in Alaska und von dort über den Ozean. Da jetzt meistenteils über Master geflogen wird, so wollen die Flieger sicheres Wetter abworten. 3m Vergleich zu ihrem Pro­gramm sind sie zeitlich bereits ziemlich weit im Rückstand.

iie einnehmen wird. Die Strecke, die zwischen Spitz­bergen und Alaska zurückzulegen ist, beträgt rund 2000 Meilen. Da die Flugzeuge nur einen Flug­radius vc-n 1300 Meilen haben, so mutz selbstver­ständlich eine Zwischenlandung vorgenommen wer­den. Zu diesem Zweck notwendige Landeplätze sind zum Teil schon im vorigen Jahr angelegt worden. Ter Nordpolflug wird nach genügend ausgedehnten Piobrflügen Ende Juli oder Anfang August unter­nommen werden. Man rechnet mit einer Eesamt- flugzcit von 2426 Stunden und ist sowohl für Landungen zu Wasser und zu Lande vorbereitet.

Das andere grotze wissenschaftliche Unternehmen des Jahres 1924 ist der zum dritten Mal erneuerte Versuch, den Mount Everest zu bestei- 3cn. Der Ausgangspunkt ist wie bisher der in­dische Ort Darjeelin, und die Expedition selbst steht, wie bei dem letzten Male, unter der Führung des Generals Bruce. Die Expedition ist in den letzten Märztagen von Darjeelin aufgebrochen und hat denselben Anmarschweg eingeschlagen wie 1921 und 1922, nämlich nordöstlich das Chumbital 'ufwärts, um zunächst Phari Dzodg zu erreichen, von wo aus der weitere Anmarschweg dann nord­westlich und westlich verläuft. Ueber den Aufbruch wird gemeldet, daß eingeborene Träger sich in über­großer Zahl zur Verfügung stellten und datz die tibetanische Regierung den Anmarsch der Expedition willkommen heißt. Die Aussichten der Ex­pedition gelten als günstig.

Probieren geht über Studieren!

Hut in den uns angeschlossenen Geschäften frisch zu haben.

Ar. 83

Sonnabend, 19. April

1924

-Metten hervorragend bewährt bet

WM, Mm- und KlMMM

Ganz wie bei uns.

In Frankreich und Belgien wiederholen sich all­mählich alle die Zwischenfälle, die in Deutschland während der furchtbaren Zeit der Geldentwertung eine Rolle gesvielt haben. Infolge des Währungs­verfalls, der in beiden Ländern sich bemerkbar macht gehen natürlich die Lebensmittelpreise stäirdig in die Höhe. Erbitterung gegen die Verkäufer ist die Folge und es fehlt natürlich auch nicht an Ausschreitungen. Ganz wie bei uns. So marschierte kürzlich in der belgischen Stadt Malines, die den Hauptumsatzplatz üi Gemüse und Butter in Belgien darstellt, eine Gruppe von 250 ausgedienten Soldaten auf dem Markte auf, und zwar mit einer Musikkapelle an der Spitze . (Dies ist eine Tat, die sich in Deutschland nicht bemerkbar gemacht hat.) Auf dem Markts an­gekommen gingen sie von Stand zu Stand und zwangen die Bauern ihre Butter und ihre sonstigen Erzeugnisse zu einem ganz niedrigen Preise zu ver­kaufen. Als die Polizei endlich anrückte, war der Marktausverkauft".

Englischer Ausverkauf.

Als die englische Acheiterpartei an die Regirrung kämmen plltc. griff in England eine Art Panik um sich, da man allgemein schwere Besihstruern fürchtete. U o hing auch eine Abgabe von Vermögen drohend am Horizont. Inf^l^-chessen machte sich ganz allge- mäa bi: Nrig'wg bemerkbar, sichtbare Besitzwerte zu liquideren und das dafür erhaben: Geld unsichtbar zu machen «nd der Besteummng zu entziehen. Don dieser B w'zung würd' nammtlich auch der Besitz an Gemäl den und KtmstgegenstLnden ergriffen. Eine Reibe non aristokratischen Familien, die der Besitzabgabe e-tghen wollten, faxten b:n Pla^ wertvolle Erbstücke noch reich an don M-ann zu bringen, ehe die gefürchtete Steuer kam. Die Stimmung beruhigte sich dann allerdings rasch wieder und auf diese Weise kam doch nur ein verhältnismäßig geringer Teil englischen. ' Kunstb.s'tzes auf den Markt. Etwas ist aber doch abge» stoßen wordrn und, wie sich von selbst versteht, 'n amerikanischen Besitz übergegangen. Denn; auch in diesem Full, traten Amerikaner als die einzigen Ab­nehmer auf Daß auch diese Gelegenheit von ihnen benutzt worden ist. beweisen die Wertangaben über die englische Ausfuhr im vorigen Jahre. Die Aus­fuhr beläuft sich nach der jetzt veröffentlichten Sta- .istik ottf mehr als 11 Millionen Dollar, d. h. 3 Milli­onen Dollar mehr al» im Iah« 1922. In den zwei ersten Monaten des Jahves 1924 belief sich der Wert der Kunstgegenstände. die nach Amerika verfrachtet wurden. auf annähernd 1 Million Dollar, rooBti An- tiouitäten die Gemälde überwogen. In derselben Zeit b.lief sich der Wert der Edllsteine, die die Amerikaner in England aufkauften es waren in der Hauptsache Diamanten auf 2,5 Millionen Dollar. Diese Zifscrn beweisen klar die außerordentlich starke Zu­nahme des englischen Ausverkaufs an Kunstwaren und Wertgegenständen, wobei Amerika, wie üblich, der Nutznießer ist. In diesem Aufsteigen der Welle ist zweiftllos die Uebernahme der Regierung durch die englische Arbeiterpartei der Hauptantrieb geweftn.

Das Ende eines berühmten deutschen Kaperschiffes.

Das deutsche KaperschiffKronprinz Wil­helm", das während des Krieges mehr als 25 fran­zösische und englische Schiffe vor der amerikanischen Küste versenkte, soll von der Eisen- und Stahlgesell- schäft in Boston, in deren Hand sich das Schiff zur Zeit befindet, verschrottet werden. Das Schiff war seinerzeit infolge Kesselschadens gezwungen, in New

Schützt den Wald.

Nach langem harten Winter naht langsam der Frühling und damit die größte Gefahr für unseren lieben deutschen Wald. Ein unbedacht fortgeworfe­nes Streichholz, ein glimmender Zigarettenstummel glüht am Boden langsam weiter und entzündet die trockene Streudecke. Ein kleiner Windzug genügt, um die Flammen auflvdern zu lasssn, dann rast das Feuer schnell vorwärts und vernichtet ungeheuere Werte. Oder auch ein schlecht verwahrtes Feuerchen glüht weiter, bis auch hier der Wald brennt. Uner­meßlich kann der Schaden werden, besonders dort, wo Nadelholzdickungen sich aneinanderreihen. Da­rum seid vorsichtig mit der Handhabung jeglichen Feuers im Walde! Unterlaßt das Rauchen im Walde, wo V-andgefahr droht, besonders in Kie­fern- und Fichtenwäldern, zündet jetzt keine Feuer im Walde an. Macht jedem Unvorsichtigen klar, daß ein Feuer im Walds bei der jetzigen Zeit geradezu ein Verbrechen ist. Schnelles Zugreifen vermag ein kleines Feuer noch im Keim zu ersticken. Reißt Büsche ab und fegt oder schlagt das Feuer aus und ,rwar nicht gegen den Wind, sondern von den Seiten her, um es einznengen, da der gegen den Wind Ar­beitende sehr bald durch den Rauch, der in die Augen beißt, arbeitsunfähig wird. Handelt es sich um ein größeres Feuer, so laufe einer zum nächsten Forstbe­amten oder ins nächste Dorf. Jeder muß Helsen, das Feld- und Fcrstpolizeigesetz schreibt es vor und wir alle lieben unseren deutschen Wald, mag er dem Staate, den Gemeinden oder Privaten gehören. Im vorigen Jahre haben mehrfach Angehörige von Wandervereinen, auch Iugcndwanderer, sich beim Löschen von Waldbränden ausgezeichnet. Das fei auch hier besonders anerkannt und möge zur eifrigen Weiterarbeit in diesem Sinne anregen!

Dieser beherzigenswerte Aufruf zur Mithilfe bei der Bekämpfung von Waldbränden ist vom Casseler Rcgierungsorästdeuten erlassen und zugleich mit di sem von der Forstverwaltung.

Kurtz & Dippel, Corbach.

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Ii Rettungsunternehmungen zur Verfügung ft . wenn Amundsen von seinem Abflug nach Alaska irgend ein Unfall begegnen sollte. Die bei­den Männer werden diesmal gem inschaftlich von derselben Stelle aus starten.

Der Flug Amundsens soll auch in diesem Jahre unter der norwegischen Flagge vor sich geben. Und auf ihn und sein Heimatland Norwegen wird im Falle seines Gelingens der ganze Ruhm fallen. Dagegen haben die Vereinigten Staaten scn Amerika sehr viel materielle Hilfe geleistet, was namentlich von der Marineverwaftung und dem ihr unterstellten Fliegerkorps gilt. Das Unternehmen Amundsens ist rein wissenschaftlicher. Natur und durchkreuzt in keiner Weife die in Amerika heimi­schen Annexionsavsichten, denen ja auch der für dieses Jahr geplante R o r d p o l f l u g derS h e- nandoah" gewidmet sein sollte. Die Ver­einigten Staaten haben wohl auch im wesentlichen von dem Fluge ab g e s e h e n, weil sie von Amundsen die Versicherung erhielten, daß er lediglich wissenschaftliche Ziele verfolgt. Es ist wohl auch nicht zu bestreiten, daß es sich lediglich um ein solches Ziel handelt. Amundsen kommr es vor allen Dingen darauf an, die noch vollkommen unbekannte Ncrdpolargegend der wissenschaftlichen Erforschung zugänglich zu machen. Hauptmann Hammer ist voll Zuversicht und meint, daß der Flug diesmal ge­lingen wird. Im Mai sollen die Probeflüge in Spitzbergen ihren Anfang nehmen. Das Personal besteht aus 25 Mann, die natürlich nicht alle an dem Flug teilnehmen werden. Vielmehr soll jede von den beiden Maschinen nur drei Insasse» haben' die Flugleitung liegt in der Hand Amundsens, ferner des amerikanischen Fliegeroffiziers Davison und des Fliegeroffiziers Omdal, der die nor­wegische Regierung vertritt. Da auch Hauptmann Hammer daran tcilnehmen' wird, so find noch zwei Plätze in den Flugzeugen zu ver­geben. Man weiß selbstverständlich noch nicht, wer

Flug um die Welt in Angriff genommen hat, sitzt immer noch auf Korfu fest. Sein Flugzeug befindet sich auf dem Korissia-See, wo es zwecks Notlandung niedergehen mußte und ist bis jetzt nicht zugänglich gewesen. Die vier amerikanischen Flugzeuge sind

kk>r>n: Lloyd-Reisebüro, Carl

i » sSöneider, Bahnholstr. 20

j in Gladenbach: W. Schiff Sohn, Burgstr. 18 | in Schweinsberg: Konrad Siebert.

___ englische Flugzeugführer, der im bewerb mit den vier amerikanischen Flugzeugen den

Sie teilen EnWeMm les eühk'S 1924.

Die Nachricht, daß Roald A m u n d s e n, der be­kannte norwegische Forschungsreisende, seinen Flug- plan nach dem Nordpol auch für dieses Jahr wieder aufgegeben habe, bestätigt sich nach den letzten Nach­richten nicht. Vielmehr ist Amundsen zusammen mit seinen Gehilfen eifrig an der Arbeit, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. So ist H a u p t- m a n n H a a k a n Hammer, ein dänischer For­scher, der an der Expedition Amundsens teilnimmt, dieser Tage von Newyork in Plymouth angekom­men, um an Ort und Stelle, wo es nötig ist, die letzte Hand mit anzulegen. In seiner Begleitung befand sich der amerikanische Flieger- l e u t n a n t Davison, der von der amerikani­schen Marineverwaltung beauftragt worden ist, an dem Flug tcilzunehmen. Davison hat sich zunächst nach Pisa begeben, um den Bau der Flugzeuge zu kontrollieren, die dort für das Unternehmen kon­struiert werden. Es handelt sich um zwei Flug­apparate, von denen jeder 40000 Dollar kostet. Sie sollen verabredungsgemäß eine Stun- dengeschwindigkcit von 150 Kilom. haben. Man hofft aber, daß sie wesentlich rascher fliegen werden. Der dänische Forscher Hammer hat fast sein ganzes Leben der Nordpolarforschung gewidmet. Diese Be­schäftigung liegt bei ihm gewissermaßen in der Familie, denn sein Vater hat im letzten Jahr eine Karte von Grönland ausgenommen. Hauptmann Hammer machte im vorigen Jahre in Spitzbergen Flugversuche, während Äinundsen Vorbereitungen traf, von Alaska nach Spitzbergen zu fliegen. Die Beiden wollten den Plan zusammen von verschiede­nen Seiten durchführen. Das Unternehmen Amund­sens mußte dann aber bekanntlich aufgegeben wer­den, da der Flugapparat ernste Beschädigunger­litt. Hauptmann Hammer hat aber bei feinen da­maligen Flugversuchen schon eine sehr große Praxis im Polarfluge gewonnen. Er sollte damals Amund- fer ntgegenfliegen und für alle etwaigen erforder-

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, Ziegenzucht.

Man schreibt uns: Kürzlich wurde im Restau­rant Reith in Weidenhausen die Iahreshauptver- sammlung des Kreisziegenzuchtvereins Marburg ungehalten. Sie wurde durch Herrn Dipl.-Landwirt Göbel-Marburg mit Begrüßungsworten eröffnet. Anschließend gedachte man der Verdienste des Herrn Landrats v. Loewenstetn um den Verein und sandte ein Dankschreiben an ihn ab. An die Verlesung des Geschäftsberichts durch Herrn Geschäftsführer Fey schlossen sich Dankesworte des Vorsitzenden, der be­sonders die Tätigkeit des Kreiszuchtwarts Herrn Kleinberg aus Ockershaufen erwähnte. Es wurde beschlossen, *ie Bezirkstierschau in Hofgeismar am 10. Juli zu beschicken und im August hier einen Lämmermarkt abzuhalten. Anstelle des ausgeschie­denen 1. Vorsitzenden Herrn Landrat v. Loewen» stein wurde dessen Amtsr rchfolger Herr Reqierungs- aat Dr. Piesbergen gewählt, der auch die Wahl an- nahm.__

Berichte und Aussätze müssen einige Tage vor dem gewünschten Erscheinen eingesandt werden, am besten nach Rücksprache mit der Schristleitung.

Port News vor Anker zu gehen, um den Schaden wieder auszubessern. Die amerikanische Behörde gab dem Schiff 15 Tage für diese Arbeit frei. .Kronprinz Wilhelm" konnte aber nach Ablauf der zwei Wochen den Hafen nicht verlassen, da sich in. zwischen englische Kriegsschiffe vor dem Hafen auf die Lauer gelegt hatten, um das verwegene deutsche Kaperschiff abzufangen. Da das Schiff den Hafen nicht verließ, wurde es von der amerikanischen-Re» gierung interniert und später als Kriegsbeute ver­kauft.

Sitte, nicht zu viel küsse«

Der Magistrat der englischen Stadt Burnemouth hat sich an das Publikum mit der dringenden Bitte gewandt, die Lokalbahn der Stadt nicht durch allzu langes Küssen beim Abschiednehmen aufzuhalten. Eswurden nämlich Klagen über die große Langsam­keit des Bahnverkehrs in der Stadtverordnetenver­sammlung vorgebracht, und daraufhin führte der Magistrat auf Grund die umständlichen Abschieds­szenen an, die unter den Bewohnern des Städtchens Sitte sind. Bevor man den Wagen besteigt, finden erst noch lange Küssereien statt, und selbst vom Zuge aus schüttelt man sich noch die Hände und kann sich gar nicht trennen. Die Schaffner aber respektieren diese Gefühle der Reisenden so sehr, daß sie erst war- ten, bis alle Kundgebungen beendet sind, bevor der Zug abfahrt. Es wird daher von den Benutzern erwartet, daß sie mit ihren Abschiedsküssen etwas sparsamer sind (Man steht, die englischen Schaffner sind wirkliche Gefühlsmenschen.)